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LIBRARY 

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THE AMERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL HISTORY 





Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben \ 

von Prof. J. Victor CaruS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 

Verlag von Wilhelm Engelmaiua ii- Jjeipzig. 
XVTII. Jahrg. 14. Januar 1895. No. 465. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 1. Kramer, Über die Benennung einiger ^n-e- 
nwj-MS-Arteu. 2. Mräzek, Fliegende Crustaceen. 3. Kowley, Oase of Suppression of the left fore- 
limb in the Common Fowl. 4 Pawlowa, Über ampullenartige Blutcirculationsorgane im Kopfe ver- 
schiedener (»rthopteren. II. üittheil. ans Slnseen, Instituten etc. 1. Zoological Society of 
London. (Schluß.) 2. Linnean Society of New South Wales. III. Personal -Notizen. Necrolog. 
Litterfttnr. Yacat. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. über die Benennung einiger Arrenurus-Arten. 

Von P. Kr am er in Magdeburg. 

eingeg. 27. October 1894. 

In No. 459 dieses Blattes handelt R. Piersig über einige Arre- 
?iurus- Arten , bei denen die Benennung bisher noch nicht völlig end- 
ffültiff hat festgestellt werden können. Plierbei kommen zunächst Arr. 
raudatus de Geer und Arr. huccinator Müller in Betracht, zwei Arten, 
welche Piersig auch unter dieser Benennung in seinem Verzeichnis 
der Wassermilben Sachsens aufführt (No. 449 dieses Blattes, p. 215)i 
Die letztere derselben glaubt er jetzt als Arr. huccinator C. L. Koch 
hinstellen zu müssen, oder vielmehr, da eine und dieselbe Artbezeich- 
nung mit verschiedener Autorenangabe nicht zulässig sein dürfte, in- 
dem ein Arr. huccinator C. L. Koch nicht neben einen Arr. huccinator 
Müller bestehen darf, ist er der Ansicht, daß für Arr. huccinator C. jL. 
Koch eine neue Benennung, für welche er Arr^securiformis in Vor- 
schlag bringt, zu wählen sei. Die Voraussetzung hierfür ist natürlich, 
daß die von O. Fr. Müller und von Koch unter der Bezeichnung 
Arr. huccinator in das System eingeführten Hydrachniden wirklich 
verschiedene Thiere sind. 

Obwohl ich nun die von Piersig in Sachsen erbeuteten Milben 
nicht selbst gesehen habe, so glaube ich doch, daß die folgenden, auf 
das mir selbst vorliegende Heobachtungsmaterial gestützten Bemer- 
kungen einige Berücksichtigung verdienen dürfen. 

1 



f^y^? ^ 



Ich gehe dabei von (leu beiden Abbildungen aus. -welche Koch 
in seinem Hauptwerk , Deutschlands Crustaceen etc., in Heft 13, 7 ^ 
und Heft 2, 24 giebt. Dieselben stellen die Männchen der betref- 
fenden Arten dar. Nach eingehendsten Vergleichungen erscheint es 
mir unzweifelhiift , daß Koch im Heft 13, 7 diejenige Milbe abge- 
bildet hat, welche O. Fr. Müller unter der Bezeichnung Tlydrachna 
bu-rinafor au/ Taf. IH Fig. 1 seines Hydrachnidenwerks abbildet 
und auf p. 30 desselben beschreibt. Piersig ist im Grunde derselben 
Ansicht, nur nluimt er an der Beschreibung einigen Anstoß. Diese 
ist aber sehr kurz un^ unbestimmt und es steht nichts im Wege, die 
Worte cauda apice patulo crenelato auf einen am letzten Ende beson- 
ders verbreiterten Schwanzanhang zu beziehen, wie ihn ja auch die 
Figur angiebt. Es dürfte daher meiner Ansicht nach nicht zutreffend 
sein , wenn Koch am Ende der Beschreibung seines Arr. huccinator 
die Meinung äußert, sein Arr. caudatus gehöre wahrscheinlich als 
Ahart zu Arr. buccinator: dazu sind gerade die Schwanzenden der in 
Heft 2, 24 und Heft 13, 7 abgebildeten Acariden zu verschiedenartig. 
Allerdings läßt vielleicht gerade die in Heft 13j 7 gegebene Abbildung 
Manches zu wünschen übrig, indem ich finde, daß wahrscheinlich die 
Einschnürung des Anhangs im letzton, nach dem Ende zu gerechu(!ten 
Drittel zu stark angegeben ist, aber gerade der Hinterrand des An- 
hanges ist sehr gut wiedergegeben und stimmt mit der von Müller 
gegebenen Kaudtigur seines Arr. hucchiator durchaus überein. Dabei 
\ege ich ein ebenso starkes Gewicht auch auf die Schattenliuien, 
welche Müller im letzten Drittel seiner Figur auf dem Schwanzan- 
hange angedeutet hat, welche auch bei Koch als besondere Linien in 
Heft 13, 7 wiederkehren und welche den von mir wirklich beobachteten 
Kanten auf dem Schwanzanhang der mir vorliegenden Milbe ent- 
sprechen. Mit Piersig bin ich der Überzeugung, daß Koch's Arr. 
caudatus de Geer, abgebildet in Heft 2, 24, durchaus identisch ist mit 
(1cm wirklichen Arr. caudatus de Geer. Ich halte daher diese Abbil- 
dung für eine maßgebende Interpretation dieser Benennung , und 
muß daher die Annahme Koch's als wäre Hydr. huccinator Müller 
synonym mit seinem .4m caudatus de Geer, als irrthümlich bezeichnen. 
Es ergiebt sich hieraus ferner, daß Berlese in seinem großen Aca- 
ridenwerk Fase. 51, No. 5 unter der Bezeichnung Arr. huccinator 
(Müller) K. nichts Anderes, als Arr. caudatus de Geer, so wie ihn Koch 
abgebildet hat, wiedergab. Hieran kann auch die Aufführung aller 
der von ihm für synonym gehaltenen Bezeichnungen nichts ändern. 
Berlese hat einen echten Arr. huccinator Müller nicht gesehen und 

» Piersig nennt wohl versehentlich in No. 45'.) d. Bl. Hft. J3 , 8, wo nur ein 
Wi ii)licher Arrcnurus abgebildet ist. 



fflaabt, es gäbe keinen solchen, von Arr, caudatus de Geer verschie- 
denen. Wasserbewohner. 

Es erübrigt noch ein kurzes Wort über den von C. J. Neu- 
man in seiner Monographie Om Sveriges Hydrachnider p. 85 — 86 
erwähnten und auf Taf. XII, Fig. 2 abgebildeten Arrenurus cauda- 
tus (de Geer) C. L. Koch. Neuman führt für denselben die von 
Koch in Heft 2, 24 gegebene Abbildung als die entsprechende an. 
Es kann aber keinem Zweifel unterliegen , daß doch wohl nur die in 
Heft 13,7 gegebene Abbildung zur Vergleichung herangezogen werden 
dürfte. Das breite Schwanzende in Neuman's Figur widerspricht 
allzusehr dem verengerten in Koch's Abbildung von Heft 2, 24. Ich 
kann nur betonen, daß Neuman's Arr. caudatus ein echter Arr. 
buccinator Müller sein wird, und daß Neuman einen echten Arr. 
caudatus de Geer überhaupt nicht beobachtet hat. Seine Aufzählung 
der Synonyma ist also ebenfalls einer Revision zu unterziehen, da 
er zwei verschiedene Thiere für identisch hält. Ahnliches gilt von 
H a 11 er 's Arr. caudatus de Geer. 

Ich glaube die Resultate meiner Vergleichung dahin zusammen- 
fassen zu sollen , daß ich die beiden Arten Arr. caudatus de Geer und 
Arr. buccinator Müller als völlig zu Recht bestehende, wohl unter- 
schiedene Arten anerkennen muß. Beide Arten sind von Koch be- 
obachtet und sachgemäß abgebildet worden, Arr. caudatus de Geer in 
Heft 2, 24 und Arr. buccinator Müller in Heft 13,7. O. Fr. Müller 
hat nur Arr. buccinator gekannt, B erlese nur Arr. caudatus de Geer, 
Neuman nur Arr. buccinator. Da eine Abbildung von Arr. buccinator, 
welche diese Milbe ebenso klar, w^ie Berlese in Fase. 51, 5 es mit 
den Verhältnissen von Arr. caudatus ermöglicht hat, veranschaulicht, 
so füge ich eine Umrisszeichnung des echten 
Arr. buccinator in nebenstehender Figur bei. 
Diese Milbe fieng ich 1890 in einem kleinen 
Teich bei Klein-Timmendorf in Holstein. In 
Bezug auf Arr. caudatus de Geer möchte ich 
auch noch auf die Abbildung, welche ich 1891 
in O. Zacharias, Die Thier- und Pflanzenwelt 
des süßen Wassers, Bd. II, p. 24 gegeben habe, 
und die mit Berlese's Abbildung durchaus 
übereinstimmt, verweisen. Ich bemerke noch, 
daß Arrenurus buccinator Müller eine prachtvoll 
gefärbte Milbe ist, welche auf dem Vorderrücken 
einen hellen rothen Fleck trägt, der von gelb- 
grünem Felde umgeben ist, welcher seinerseits 

von einem tiefblauen über den ganzen Hinterrücken ausgebreiteten 

1* 




Gebiete umgeben wird. Der Schwanzanhang ist an der Wurzel blau, 
weiter nach hinten dagegen strohgelb, nur am Ende schillert er in's 
Grünliche. 

Eine weitere Bemerkung Piersig's betrifft Arrenurus tricuspidator 
Müller. Was diese Acaride anlangt, so weiß man, daß erst Berlese 
die echte Müller'sche Art wirklich genau beschrieben und abgebildet 
hat, so daß die in Heft 23 Fig. 8 seines großen Acariden -Werkes ge- 
gebene Abbildung als maßgebende Interpretation des Müller'schen 
Arr. tricuspidator anzusehen ist. Andererseits ist gerade die Anzahl 
von Formen, welche dieser Art ähneln, so außerordentlich groß, daß es 
einer sehr sorgfältigen Prüfung bedarf, um die einander nahestehenden 
Arten zu trennen. Es hat kaum einen neueren Bearbeiter der Hy- 
drachniden gegeben, der nicht einen Arr. tricuspidator Müller glaubte 
gefunden zu haben, und so haben wir eine Anzahl von einander ganz 
verschiedener Thiere, welche doch in^den betreffenden Abhandlungen 
mit derselben Bezeichnung aufgeführt sind. Eine Übersicht über die 
verschiedenen Beobachtungen und die dabei in Betracht kommenden 
wirklich gültigen Bezeichnungen ist daher wohl am Platze. 

1) Die von C. L. Koch in Heft 2, 22 abgebildete und mit Arr. 
tricuspidator Müller bezeichnete Acaride ist durchaus, wie der cha- 
racteristische Umriss des Petiolus unzweifelhaft ergiebt (derselbe ist 
in dem mir zu Gebote stehenden Exemplar des Koch'schen Werkes 
durch die Farbe stark verdeckt, kann aber mit einer Lupe doch deut- 
lich erkannt werden), mit Arretitirus tricuspidator nach Bruzelius 
übereinstimmend und also als Arr. bicuspidator Berlese zu bezeichnen. 

2) Der von Bruzelius in seiner Promotionsschrift auf Tafel II 
Fig. 1 und 2 abgebildete und als tricuspidator Müller bezeichnete 
Arrenurus ist als Arr. bicuspidator Berlese anzusehen. 

3) T)ex Arrciiurus tricuspidator Müller, welchen Berlese auf Taf. 8 
des 23. Heftes abbildet, ist der echte Arrenurus tricuspidator Müller. 

Der von C, J. Neuman in seiner Hydrachniden-Monographie 
auf Taf. VIII, Fig. 2 dargestellte und ebenfalls als tricuspidator Müller 
aufgeführte Arrefiurus ist ein durchaus davon verschiedener, so daß 
Koenike ihn mit Eecht neu benennt und als Arr. dubius Koenike 
neben die anderen stellt. Zwar hat Berlese die Ansicht geäußert, daß 
die von Neuman beschriebene Art mit der von Bruzelius be- 
schriebenen identisch sei, doch ist dies nicht der Fall. 

5) Die von mir in meinen Beiträgen zur Naturgeschichte der 
Hydrachniden als Arr. tricuspidator Müller aufgeführte Milbe ist 
längst als Arr. maculator Koch erkannt. Wenn so allerdings über die 
meisten von den Autoren bisher beschriebenen und ursprünglich mit 
Arr. tricuspidator bezeichneten Arrenurus - Kxierv ein Zweifel nicht 



besteht, so besteht ein solcher augenblicklich noch gegenüber dem 
Arrenurus maximiis Piersig. Die im Zool. Anz. No. 444 gegebene 
Abbildung Fig. 7 allein läßt kein bestimmtes Urtheil zu , so daß ich 
der Ansicht zuneige, hier einen Arrenurus tricuspidator Müller, so wie 
Beri e se ihn fixiert hat, vor mir zu haben. Allerdings ist die Zeich- 
nung des hyalinen Blättchens, wenn ein solches in der genannten 
Figur zur Anschauung gebracht sein soll, anderer Art, als in Berlese's 
Abbildung, wo offenbar ein solches überhaupt vermißt wird , aber es 
kommt eben auf eine viel genauere Beschreibung des ganzen Thieres 
an, als wie sie uns zunichst vorliegt, um eine sichere Unterscheidung 
zwischen Arr. maximus Piersig und Arr. tricuspidator zu ermöglichen. 
Es bleibt einer anderen Gelegenheit vorbehalten, hier völlige Klarheit 
zu schaffen, und die einander zwar nahe verwandten Arten wie Arr. 
radiatus Piersig, Arr. Steckt Koenike, Arr. affinis Koenike, Arr. 
emarginator Koch, Aìt. rohustus Koenike und andere gegenseitig und 
gegen Aì'r. tricuspidator richtig abzugrenzen. Es zeigt sich hier unter 
steter Wiederkehr einer bestimmten Grundform eine solche Mannig- 
faltigkeit in der Ausbildung kleiner Einzelnheiten, daß man Vorsicht 
anw^enden muß , um überhaupt den Begriff der Art gegenüber dem 
der Varietät noch geltend macheu zu können. 
Magdeburg, den 25. October 1894. 

2. Fliegende Crustaceen. 

Von AI. Mrazek, Prag. 

eingeg. 31. October 1894. 

Zu der in No. 459 dieser Zeits3hrift von A. Ostroumoff mitge- 
theilten interessanten Beobachtung eines fliegenden Copepoden kann 
ich zwei andere ähnliche Beobachtungen Hendorff's hinzufügen. 
Herr Capitan Hendorff hat über das von ihm ursprünglich für Herrn 
S. A. Poppe ^ gefischte Material ein sorgfältiges Journal geführt, 
welches sehr viele interessante biologische Beobachtungen (z. B. auch 
über das Leuchten der Crustaceen) enthält und vollkommen das Lob 
Haeckel's verdient 2. In diesem Tagebuche finden sich an zwei 
Stellen Bemerkungen über Crustaceen, die sich aus dem Wasser empor- 
zuschnellen vermösfen^. 

Die eine der Beobachtungen datiert vom 11. November 1885 
(19000'N. 91°30'O) und betrifft ein »Thier von blauer Farbe, welches 



1 Dasselbe wurde mir von Herrn Poppe mit großer Liebenswürdigkeit zur 
Bearbeitung überlassen. 

^ Hie ekel, Plankton Composition. Jenaische Zeitschr. XXVII. p. 565. 

3 Übrigens ist eine ähnliche Beobachtung bei Pontella atlantica M. Edw. auch 
schon von anderer Seite bekannt geworden. Vgl. Dahl, Verhdlgn. deutsch. Zool. 
Ges. IV. 1894. p. 61. - 



e 

mehrmals fast einen Fuß hoch sich aus dem Gefäße schnellte«. Die 
Untersuchung des Inhaltes des betreffenden Glases hat ergeben, daß 
es sich hier höchstwahrscheinlich um Pontella securifer Brady handelt, 
also ebenfalls eine Pontellide wie im Falle Ostroumoff's. 

Die andere Beobachtung Hendorff's (vom 22. Juni 1884 und 
7°00'N. 24"25'W.): »Die Thiere bewegten sich sehr rasch, sprung- 
weise, mitunter aus dem Wasser«, kann aber nur auf einen Schizopo- 
den bezogen werden, wie aus den weiteren Bemerkungen Hendorf f» 
hervorgeht, die ich hier gewiß nicht anzuführen brauche. Man sieht, 
daß außer den Copepoden auch anderen Crustaceen das «Flugver- 
mögen« zukommen kann, doch über den Zweck dieser eigenthümlichen 
Bewegungsart läßt sich schwer ein Urtheil fällen. Nach meiner An- 
sicht handelt es sich hier entweder um zwecklose Bewegungen (Spiel- 
bewegungen?) oder um Rettungsbewegungen. Mit dem Häutungs- 
proceß steht diese Erscheinung gewiß in keinem Zusammenhang. 
Dem von Ostroumoff zu Gunsten der letzteren Auffassung ange- 
führten Beispiele der Häutungsweise bei Polyphemiden stehen übri- 
gens die an Süßwassercladoceren gewonnenen Eesultate entgegen^. 

Prag, Instit. f. Zool. u. vergi. Anat. d. böhm. Universität. 

3. Case of Suppression of the left fore-limb in the Common Fowl. 

By F. R. Rowley , Leicester Museum. 

eingeg. 2. November 1894. 

Some time ago Mr. Geo. Whitaker of Leicester presented to the 
Museum a Fowl in which no trace of the left fore-limb was apparent 
externally. The bird was one of a brood of five, and was the only one 
presenting any noticeable peculiarity. It was kept until nearly full- 
grown, but was eventually killed in attempting to fly down from a 
hay-loft to the ground. A preparation of the shoulder-girdle was made 
at the time, and a short description of it, with a figure , is appended. 

The i)ody of the sternum is shortened and the edge of the keel 
curved, with the concavity towards the affected side; it is noticeable 
too, that the lophosteon is obliquely truncated posteriorly, and its la- 
teral edge forms a shallower curve on the left than on the right side. 
The left pleurosteon shows no marked abnormality except a slight la- 
teral flattening of the body, and shortening of the costal process. In 
the metostea, there is a marked disparity between the two internal 
xiphoid processes, that on the affected side measuring only 1,5 cm 
from the tip to the point of bifurcation, whilst its fellow on the oppo- 
site side measures 3 cm. 



* W. Kurz, Sitzgsber. k. Ac. Wiss. Wien, LXX. Bd. I. Abth. p. 31. 



The left coracoid and scapula are completely fused together, 
forming a single bone, the cora- 
coidal and scapular portions mak- 
ing an oblique angle with one 
another. Both exhibit conside- 
rable shortening, the measure- 
ments being, — between points 
* * in sketch 2,8 cm, along dorsal 
border 3,8 cm. and along ventral 
curve 4,5 cm. 

The furculum shows very 
marked distortion, the left clavicle 
being bent and shortened as shown 
in the sketch. Measurements ta- 
ken along the internal curve of 
both clavicles give 4,3 cm and 
2,8 cm for the right and left sides 
respectively. It may be mentioned 
that the right fore-limb was nor- 
mally developed in every respect. 




4. Über ampullenartige Blutcirculationsorgane im Kopfe verschiedener 

Orthopteren. 

Von M. Pawlowa. 
(Aus dem Zoologischen Laboratorium der Warschauer Universität.) 

eingeg. 5. November 1894. 

Im Köpfe der gemeinen Küchenschabe [Periplaneta orietifalis L.), 
welche in Bezug auf oben genannte Circulationsorgane das am ein- 
gehendsten untersuchte und zugleich typische Object ist, befinden sich 
unmittelbar unter der Chitindecke der Stirngegend zwei medianwärts 
von der Antennenbasis vollkommen symmetrisch gelegene, stark con- 
vexe linsenförmige Säckchen [A), welche als selbständige propulsa- 
torische Organe für den Blutkreislauf in den Antennen dienen. Äußer- 
lich ist ihre Lage durch zwei beinahe kreisrunde uhrglasförmig- 
erhabene und durch ihre hellere gelblichbraune Färbung hervortretende 
Flecken angedeutet. Die Fläche jedes dieser erhabenen Kreise ent- 
spricht der äußeren convexen Wand des Säckchens, die Circumferenz 
dagegen der Befestigungslinie des letzteren an der Ilypodermis. 

Aus der inneren Wand eines jeden dieser ampullenartigen Organe 
entspringt oben dicht an der Antennenbasis ein starkes Blutgefäß [v). 
welches erst im Kopfe selbst, zwischen Ampulle und Ocellrudiment (o) 



8 

einige schleifenartige Windungen beschreibt, und darauf seinen Weg 
in die Antenne nimmt, um letztere bis an's äußerste Ende zu durch- 
laufen. In seinem Verlaufe innerhalb der Antenne ist das Gefäß , bis 
auf eine kurze Strecke in den Basalgliedern , an der Hypodermis be- 
festigt; an seiner Extremität trägt es eine kleine nur wenig scharf 
contourierte Öffnung. — Die Höhle der Ampulle steht keineswegs in 
unmittelbarer Verbindung mit dem Lumen des centralen Circulations- 
apparates. Sie communiciert direct nur mit dem unterhalb und vor 
dem Gehirn gelegenen offenen Blutraum, in welchen hinten die Aorta 
mündet. Die Communication wird durch eine mit einer Klappenvor- 
richtung versehene und in der Nähe des unteren Ampullenrandes 
liegende Spaltöffnung bewerkstelligt; durch letztere kann das Blut 
nur ein- nicht austreten, da durch Blutdruck auf eine im Inneren der 
Ampulle taschenförmig ausgespannte zarte Lamelle ein Verschließen 
der Spalte stattfindet. Unter einander sind beide Ampullen durch 



Schematische Gesammtdarstellung des Circulationsapparates im Kopfe, von 
oben gesehen. A Ampulle, v Antennalgefäß. M Hauptmuskelstrang, m Muskel- 
band. JBs Blutsinuswandung, am Aortamündung, vg Vordere Eingeweideganglien. 
hg Hintere Eingeweideganglien, F Facettenaugen, o Ocellrudiment. G Gehirn. 
S Schlund, a Aorta. 

einen starken fast horizontal vor dem Gehirn verlaufenden Muskel- 
strang [M) verbunden , dessen etwas pinselartig erweiterte Enden 
jederseits an der Innenwand der entsprechenden Ampulle inseriert 
sind. Die rhythmischen Contractionen dieses Muskelstranges bewirken 
die Erweiterung der Ampullen, die Diastole, indem die Innenwände 
derselben median wärts gezogen werden. Dieser Vorgang kann an 
einem lebenden Oi)ject, dem die Chitindecke nebst Fettgewebe und 
Tracheen in der entspreclienden Gegend vorsichtig entfernt worden, 
stundenlang beobachtet werden. — In einiger Entfernung von den 
Ampullen lösen sich von der hinteren, dem Gehirn anliegenden 
Fläche des Muskelstranges an jeder Seite einige Muskelfasern ab; 
dieselben convergieren fächerartig gegen die Medianlinie des Kopfes 
und vereinigen sich zu einem flachen horizontal verlaufenden Bande 



[m) , welches unter das Gehirn tritt. Unmittelbar hinter dem Gehirn 
erweitert sich das Band durch Hinzutreten von bindegewebigen und 
vielleicht auch muskulösen Elementen zu einer breiten Membran, 
welche gewölbeartig die vorderen paarigen Eingeweideganglien {cg) 
nebst dem zwischen ihnen verlaufenden unpaaren Nerven bedeckt (^5); 
die Seitenränder dieser Membran sind an den Seitenflächen des 
Schlundes iS) befestigt. Dadurch entsteht hinter dem Gehirn ein 
sackartiger, nach vorn offener Raum , dessen Ober- und Seitenwände 
durch die gewölbte Membran, die untere Wand dagegen durch den 
Schlund gebildet wird. In diesen sackartigen Raum mündet hinten 
die Aorta {a], und zwar so, daß ihre Oberwand direct in den medianen 
Theil der kuppelartigen Membran und weiter in das flache unter dem 
Gehirn verlaufende Band übergeht. Die hintere Wand dagegen 
bricht scharf ab , indem die sie bildende Lamelle sich gleichsam nach 
abwärts und rückwärts zu umschlägt, und zum hinteren Abschluß des 
sackartigen Raumes beiträgt. Es scheint hier jedoch kaum ein voll- 
kommener Abschluß stattzufinden, da die hintere Wand freien Aus- 
tritt für den unpaaren Nerven (N. recurrens) sowie für die Commissu- 
ren zu den hinteren paarigen Eingeweideganglien gewährt. 

Auf die oben geschilderte Weise kommt also die eigentliche Aorta- 
mündung [am) beträchtlich hinter das Gehirn zu liegen und zwar 
genau an der hinteren Grenze der vorderen paarigen Eingeweide- 
ganglien. 

Was die Histologie der beschriebenen Organe anbetrifl't , so ist 
bis jetzt Folgendes festgestellt : Der Muskelstrang zwischen den Am- 
pullen, wie auch das in die Aortawandung übergehende Verbindungs- 
band weisen vollkommen quergestreifte Muskelfasern auf. Die Wände 
der Ampulle, besonders die Innenwand, lassen deutlich drei Schichten 
unterscheiden: eine äußere structurlose Membran, eine innere von 
gleicher Beschaff'enheit und eine dicke Muskelschicht , die aus eigen- 
thümlichen dicht an einander gelagerten spindelförmigen Zellen mit 
stark lichtbrechendem hellen Plasma und einem langen stäbchenför- 
migen Kern besteht; diese Zellen scheinen selbständig contractil zu 
sein und das Zusammenziehen des Ampullenlumens nach der Diastole 
zu bewirken. Die dem Integument zugekehrte Außenwand der Am- 
pulle ist theilweise , nämlich in der oberen Hälfte, unterbrochen und 
durch die Hypodermis vertreten. Dem entsprechend ist auch das oben 
austretende Gefäß, dessen Wände in jene der Ampulle übergehen, an 
der Austrittsstelle einem unvollkommen geschlossenen Rohre gleich, 
dessen fehlender Wandtheil durch die Hypodermis ersetzt wird. Im 
weiteren Verlaufe weist die Wand des Gefäßes gleichfalls drei Schich- 
ten auf, von denen nur eine, nämlich die innere structurlose Membran, 



10 

in diejenige der Ampulle direct überzugehen scheint. Die beiden an- 
deren erscheinen mehr oder weniger scharf von der Wand der Am- 
pulle abgegrenzt. Die mittlere Schicht ist hier wieder am dicksten; 
sie besteht aus einer Lage hoher fast cylindrischer Zellen, welche auf- 
fallende Ähnlichkeit mit Epithelialzellen zeigen ; in jeder Zelle läßt 
sich je ein großer ovaler Kern wahrnehmen. Die äußere Schicht 
endlich hat einen ganz eigenthümlichen Character ; es ist ein das Ge- 
fäß locker umhüllender Schlaixch aus abgeflachten endothelähnlichen 
Zellen, deren runde scharf gezeichnete Kerne zuweilen selbst ohne 
Tinction sichtbar sind. Eigenthümlich ist es auch, daß diese lockere 
Hülle das Gefäß nur auf der Strecke begleitet, wo es im Kopfe selbst 
mehrere Schlingen bildet. In der Antenne verschwindet diese Schicht 
allmählich und es läßt sich an ihrer Statt sogar kein structurloses 
Häutchen mit Sicherheit constatieren. 

Die Hauptschicht des Gefäßes erfährt in der Antenne bedeutende 
Modificationen , indem die cylindrischen Zellen sich stark abflachen, 
so daß die Kerne, obschon sie auch flach-linsenförmig geworden sind, 
dennoch an der Oberfläche des Gefäßes Vorsprünge bilden. In der 
Antenne bleibt die Structur des GeJ^ßes seiner ganzen Länge nach 
dieselbe , nur sein Lumen wird allmählich schmäler und die Wände 
dünner. 

Die physiologische Bedeutung der beschriebenen Organe kann 
keinem Zweifel unterliegen. Ampullen und Gefäße werden beständig 
auf allen Schnittserien mit Blut angefüllt vorgefunden. Diese That- 
sache allein, durch die anatomischen Befunde unterstützt, läßt darauf 
schließen, daß diese Organe als selbständige active Theile des Circu- 
lationssystems functionieren müssen. Directe an lebenden Objecten 
angestellte Beobachtungen lassen keine Zweifel darüber aufkommen. 
Durch die Contraction des Muskelstranges, welche wahrscheinlich in 
gewisser Beziehung zu der Contraction der Aorta steht, wird jeder- 
seits die Ampulle erweitert (Diastole) und dadurch Blut in letztere 
aus dem Blutraume aufgesaugt. Hierauf verringert sich das Lumen 
der Ampulle durch die Erschlaft'ung des Muskels, wie auch durch die 
eigene Elasticität (vielleicht auch Contractilität) ihrer Wände (Systole), 
und das Blut bekommt dadurch einen Stoß in der Richtung des Ge- 
fäßes; ein Kücktritt in den Sinus wird durch die Klappenvorrichtung 
verhindert. Nach der Systole erfolgt wieder eine Diastole und eine 
neue Blutaufnahme etc. Zugleich wird das Blut stoßweise längs des 
Gefäßes bis zur Extremität der Antenne befördert. Diese stoßweise 
Bewegung läßt sich an einem unversehrten lebenden Object, welches 
nach der Häutung noch seine Aveiße Chitinfarbe nicht eingebüßt hat, 
ganz leicht und deutlich beobachten. Auf jeden Stoß, während dessen 



11 

die Blutkörperchen rasch ein paar Antennenglieder passieren , folgt 
eine kurze Ruhepause. Merkwürdig ist die Art, aufweiche die Blut- 
körperchen das Gefäß verlassen, um in den dasselbe umgebenden 
Blutraum zu gelangen und den Rückweg anzutreten. Wie gesagt 
existiert eine kleine Öffnung am distalen Ende des Gefäßes, jedoch 
scheint sie nur selten einigen wenigen Blutkörperchen Durchtritt zu 
gewähren; wenigstens habe ich es nur einmal beobachten können. 
Meistens erscheint das Gefäß in den letzten 3 — 4 Antennengliedern 
entweder ganz frei, oder von spärlichen Blutkörperchen angefüllt, 
welche höchstens in schwankender Bewegung begriffen sind. Vom 
vierten Endglied an jedoch findet ganz constant ein Austreten der 
Blutkörperchen durch einige kleine rundliche Öffnungen in der 
Wand des Gefäßes statt. Ähnliche Öffnungen, und zu demselben 
Zwecke dienend, hat Vayssière' in den Gefäßen der Schwanz- 
borsten bei P'phemeridenlarven beobachtet. Im Antennalgefäß der 
Küchenschabe sind diese Öffnungen meistens so klein , daß sie nur je 
ein Blutkörperchen durchlassen; auch wird bald die eine oder die 
andere Öffnung durch ein größeres Blutkörperchen zeitweilig ver- 
stopft. Beobachtet man die der Antennenextreraität am nächsten 
liegende Öffnung, so bemerkt man, daß auf das eine Blutkörperchen 
augenblicklich ein anderes folgt, auf dieses wieder ein anderes etc. 
Es entsteht so ein ununterbrochener Zug, in den sämmtliche Blut- 
körperchen gerathen , welche durch den Blutstrom bis zu dieser Öff- 
nung gebracht werden. Oft wandert so der ganze Blutkörperchen- 
strom durch eine einzige Öffnung in einem der letzten Glieder 
(3 — 15), meistens sieht man jedoch zwei bis drei Öffnungen in be- 
nachbarten Gliedern auf einmal functionieren , und dann ist immer 
eine darunter, durch die der Hauptstrom zu passieren scheint; sobald 
diese zeitweilig verstopft wird, sieht man sie sofort durch eine der an- 
deren ersetzt. Zuweilen sieht man neue, früher verstopft gewesene Öff- 
nungen Avieder passierbar und zu Hauptöffnungen werden. Wie viele 
solcher Öffnungen in der Gefäß wand vorhanden sind, ist schwer zusagen; 
in jedem Gliede der distalen Antennenhälfte findet man oft mehrere 
meistens verstopfte Öffnungen. Auch wird ihre Zahl schwerlich con- 
stant sein; sie muß sich vielmehr mit dem Wachsthum des Insects 
vermehren; auch dürften sich zuweilen bei einem erwachsenen Insect 
neue Öffnungen bilden, nämlich in Verstümmelungsfällen. In einer 
unversehrten Antenne habe ich niemals aus der Basalhälfte des Ge- 
fäßes Blutkörperchen austreten sehen, noch hier verstopfte Öffnungen 
mit Sicherheit constatieren können; und dennoch wird in einer ver- 



1 Vayssière, Recherches sur l'organisation des larves des Ephémérines. (Ann. 
des se. nat. Zool. 6ème sér. Vol. 13. p. 102.) 



12 

stümmelteu Antennenhälfte der Blutkreislauf sehr schnell Avieder her- 
gestellt, indem der am Ende austretende Bluttropfen coaguliert und 
eine Art Pfropfen im Gefaßende bildet, die Blutkörperchen dagegen 
durch neue Seitenöffiiungen Austritt finden. Natürlich ist in diesem 
Falle ein einfaches Freiwerden praeparierter Öffnungen, falls solche 
dennoch existieren sollten, nicht ausgeschlossen. 

Alles, was sich vom Bau und von der Function der beschriebe- 
nen Organe in Bezug ?l\\î Periplaneta oi'ientalis sagen ließ, läßt sich 
vollständig auf die kleine Schabe Phyllodromia germanica beziehen. 
Stark entwickelt sind diese Organe bei der exotischen Blattide Poly- 
zosteria 7ntida, wo sie bis jetzt nur an einer Schnittserie untersucht 
werden konnten. Außer den Blattiden habe ich dieselben Organe 
noch in Locusta viridissima L. und contans Füssly, Meconema varium 
Fab., PacJtytilus migratorius L. und cinerascens Fab. und in Stenoho- 
^Än/i-Species beobachtet. Bei allen genannten Insecten sind Structur- 
plan und Function der Organe gleich; die einzelnen Theile erscheinen 
nur verhältnismäßig mehr oder weniger entwickelt. Das Volum der 
pulsierenden Säckchen scheint von der Länge der Antennen abzu- 
hängen; wenigstens sind sie bei Pachytilus, trotz der Körpergröße des 
Insects verhältnismäßig klein. Bei Meconema varium, deren Chitin- 
integument fast farblos ist, läßt sich die Blutcirculation in der An- 
tenne leicht verfolgen. Auch hier findet ein Austreten der Blutkör- 
perchen aus dem Gefäße durch kleine Seitenöffaungen statt. 

Was die Litteratur der beschriebenen Organe anbetrifft, so ist 
meines Wissens nur einer Arbeit von Selvatico- zu erwähnen. Er 
beschreibt nämlich bei Bombyx mori und einigen anderen Schmetter- 
lingen [Sytitomis phegea und Macroglossa stellatai-tim) eine vor dem 
Gehirn sich ausbreitende geschlossene sackartige Erweiterung der 
Aorta (Frontalsack), welche beiderseits mit zwei Antennalgefäßen in 
Verbindung steht; an ihrer Basis sind diese Gefäße blasenartig er- 
weitert und enthalten hier in ihrem Lumen je einen großen sphäri- 
schen Körper, welcher dasselbe beinahe ausfüllt und die Öffnung nach 
dem Frontalsacke verschließt. Nach Selvatico dürfte dieser Körper 
möglicherweise als Klappe functionieren. Von einem Muskelapparate, 
wie bei den Orthopteren, scheint hier keine Spur zu sein. — Obgleich 
die von Selvatico bei den Lejjidopteren entdeckten Organe in ihren 
Einzeltheilen wenig Ähnlichkeit mit jenen der Orthopteren aufweisen, 
ist doch wohl schwerlich zu bezweifeln, daß uns hier in diesen beiden 
Insectengruppen homologe Bildungen vorliegen. 



2 s. Selvatico, L'aorta nel corsaletto e nel capo della farfalla del bombice 
del gelso. 1887. 



13 

Die beschriebenen Organe der Orthopteren stehen in enger Be- 
ziehung zu den im Kopfe befindlichen Theilen des Eingeweidenerven- 
systems. 

Erstens ist der Rand der Aortamündung nebst ihrer oberen, nach 
vorn verlängerten Lamelle bei allen untersuchten Orthopteren theil- 
weise eng mit der bindegewebigen Hülle der vorderen paarigen Ein- 
geweideganglien verwachsen, so daß weder Aorta, noch Ganglien un- 
verletzt von einander isoliert werden können. ZAveitens wird, bei den 
Blattiden und Locustiden wenigstens, der Hauptmuskel der accessori- 
schen Circulationsorgane vom Ganglion frontale aus innerviert. Die 
vollständigste und richtigste Beschreibung des Ganglion frontale bei 
Periplaneta orientalis , wie auch der aus ihm austretenden Nerven, 
nebst sehr guten Zeichnungen giebt Hofer 3; dennoch ist ihm der zu 
dem genannten Muskelstrange verlaufende Nerv entgangen. Dieser 
Nerv entspringt oben aus der hinteren etwas vorspringenden Ecke 
des dreieckigen Nervenknotens, genau über der Austrittsstelle des 
dicken unpaaren Nerven (Nervus reccurrens). Er verläuft nach oben 
zu, der Stirnfläche fast parallel, und endigt in einer kleinen flachen 
Zellenanhäufung, welche der vorderen Oberfläche des Muskelstranges 
genau in dessen Mitte eng anliegt. Zu dieser Zellenanhäufung tritt 
außerdem mitten aus der Vorderfläche des Gehirns ein kleiner un- 
paarer sehr kurzer Nerv, welcher auf eine zweite Impulsquelle für die 
Muskelcontractionen deutet. Beide Nerven finden sich auch bei Lo- 
custa vor. . 

Vorliegende Arbeit wurde an der Warschauer Universität im zoo- 
logischen Laboratorium des Herrn Prof. Nassonoff ausgeführt, für 
dessen Anleitung ich hier meinen tiefsten und innigsten Dank aus- 
spreche.) 

IL Mittheiliingen aus Museen, Instituten etc. 

1. Zoological Society of London. 

20th November, 1894. (Schluß.) The presence of intercentra was also 
drawn attention to. The muscles in the main bore out the remarks already pub- 
lished by the author in his paper on »The Myology of the Sciuromorphine 
and Hystricomorphine Rodents«. The liver agreed with that of Hystnx 
cristata and H. javanica in having the left central lobe divided into two. 
There was no gall-bladder. The lungs were specially remarkable for being 
divided up into a large number of lobes, there being 34 lobes on the left 
side and over 40 on the right. — A communication from Mr. J. T. Cun- 
ningham treated of the significance of diagnostic characters in the Pleuro- 
nectidae. In this paper the specific and generic characters of the so-called 
Top-knot [Zeugopterns) were first considered. The principal generic cha- 

3 B. Ho fer, Untersuchungen über den Bau der Speicheldrüsen und des dazu 
gehörenden Nervenapparates von Blatta. Nova Acta Acad.Leop. Carol. Band 51. No. 6. 



14 

racters were the perforation of the gill-septum , found also in Arnoglossus 
megastoma, and the prolongation of the dorsal and ventral fins on to the right 
side at the base of the tail. The marked peculiarity of habit was that of 
adhering to vertical surfaces. It was shown that this was independent of 
either of the characters'mentioned , and was due to the pumping-action of 
the longitudinal fins and their muscles posteriorly, the enlargement of these 
parts being also a generic character. No evidence of the utility of the 
specific characters could be discovered. The characters of other Pleuro- 
nectidae were similarly examined, and the conclusion reached was that there 
are two kinds of characters, the adaptive and the morphological. — Mr. A. 
Smith Woodward read a description of the so-called Salmonoid fishes of 
the English Chalk, dealing with the osteology of Osmeroides lewesiensis, 
Elopnpsis crassus, and Aulolepis typus. He directed special attention to three 
features in the head of the genera to which these species are referred, 
namely: (1) the exclusion of the supraoccipital from the cranial roof by the 
union of the parietal bones in the median line , (2) the overlapping of the 
arched maxilla by two large supramaxillary bones, and (3) the presence of 
a large gular plate. All these characters separated the fishes in question 
from the typical Salmonidae , while the first and third distinguished them 
from typical Clupeidae. All three genera should be associated with the 
existing Elops , Megalops , and their allies. — Mr. W, Garstang, F.Z.S., 
read a paper on the Gastropod Colpodaspis pusilla of Michael Sars. Mr. 
Garstang described a specimen of this rare Mollusk found by him at Ply- 
mouth in the early part of the year. The anterior part of the foot was not 
really bifid, as stated by Sars, but possessed a pair of large prolongations of 
its antero-lateral angles , analogous to the anterior pedal cornua of many 
Aeolids. In this case , however , they were probably to be regarded as 
homologous with the pleuropodial expansions of the Tectibranchia, The 
bulloid shell, the radula, and the posterior appendage of the mantle pointed 
to the close affinity of Colpodaspis with the Cephalaspidea; but the great 
extent of the mantle, the small head, and the grooved tentacles were impor- 
tant and primitive characters which it shared with the Notaspidea. Whether 
Colpodaspis was an immature stage of some Philine-\\ke genus or not, it 
furnished an indubitable connecting-link between these two great subdi- 
visions of the Tectibranchia. — A communication from Mr. A. D. Bartlett 
gave an account of the recent occurrence in the Society's Menagerie of a case 
of one Boa swallowing another of nearly equal size. — A communication 
from Prof. R. Collett, F.M.Z.S,, contained a description of a new Agonoid 
fish from Kamtschatka proposed to be called Agonus Gilberd. — P. L. S da- 
ter, Secretary. 

2. Linnean Society of New South Wales. 

October 31st, 1894. — 1) Notes of a Visit to the Island of Erromanga, 
New Hebrides, in May, 1894. By Sutherland Sinclair. — 2) Preliminary 
Communication on the Cerebral Commissures of the Mammalia, with special 
reference to Monotremata and Marsupialia. By G. Elliott Smith, M.B. 
From an examination of the brain in Platgpus, Echidna, Pemmcles, kangaroo, 
wallaby, kangaroo rat, Dasyurus and F/ialangisia, the superior commissure 
of the cerebrum is shown to be homologous with the psalterium of Placen- 
talia, and not with the corpus callosum, since it is wholly derived, as shown 
by Weigert-Pal and Golgi staining, from cells of the fascia dentata and from 



15 

the pyramidal cells of the hippocampus and subiculum cornu Ammonis. 
There is no true corpus callosum (as distinct from a psalterium) in any mono- 
treme or marsupial. The hook-like appearance of the hippocampal com- 
missure in sagittal section in marsupials , which led Flower to regard it as 
corpus callosum, simply corresponds to the shape of the hippocampus, which 
is coextensive with the lateral ventricle. In platypus only the dorsal limb 
of the hook is present , because there is only a rudimentary descending horn 
of the ventricle and hippocampus. In Eutheria only the ventral limb persists, 
because the upper and anterior part of the hippocampus disappears to allow 
a corpus callosum to appear in the situation occupied by the dorsal limb of 
the hippocampal commissure in Metatheria, i.e., ventral to the arcus margi- 
nalis. The fascia dentata, as a consequence of this, is essentially supra- 
callosal. A doubt is expressed as to the presence of any structure in the 
submammalia strictly homologous to the Eutherian corpus callosum. The 
hypothesis is advanced that the latter structure appears (just as the hippo- 
campal commissure does somewhat earlier) to supply the demand for a 
shorter connecting path for the great palliai development — essentially a 
mammalian feature. — 3) Descriptions of some new Species of Australian 
Coleoptera. By A. M. Lea. Descriptions are given of forty-nine species 
from New South Wales, mostly belonging to the Anthicidae . A remarkable 
Protopalus from the Tweed River is described, and a species of Lagria living 
in ants' nests. — 4) Botanical. — 5) Synonymy of some Australian and 
Tasmanian Mollusca. By John Brazier, F.L.S., C.M.Z.S. The Synonymy 
of twelve species is given with references and habitats — Columbella atte- 
nuata, Ang, = Terehra Beddomei , Petterd; Natica Beddopiei, R. M. John- 
ston, = N. effossa , Boog Watson; Terehra [Euryla] Harrisoni^ Ten. -Woods 
= E. pulchella^ Ad, and Ang. = T. [Euryta) Angasi, Tryon; Triforis sci- 
tidus, A. Ad, = T. fasciata, Ten.-Woods; Rissoia Siran gei , Braz. = R. 
lineata, Petterd; R. Jachsoni ^ Braz. = 72. badia, Boog Watson ; R.Petterdi, 
Braz. = R. pulchella , Petterd (the last three names being pre-occupied) ; 
R. ßamia, Beddome == R. Sophiae , Braz.; Cyclosfrema Weldi , = imma- 
culata, Ten.-Woods, transferred to the Genus Cirsonella, Ang. = C. auslralis, 
Aug.; Puncturella Harrisoni , Bedd. = R. Henniana , Braz.; Choristodon 
rtihiginostitn. Ad. and Ang. = Clementiana Tasmanica, Petterd. — 6) Further 
Observations upon the anatomy of the integumentary Structures in the 
Muzzle of Ornithorhynclms. By J. T. Wilson, M.B., Professor of Anatomy, 
and C, J, Martin, M.B. , B.Sc. , Demonstrator of Physiology, in the Uni- 
versity of Sydney. The authors specially deal with the details of structure 
of the »push-rods« in the skin of the snout of the platypus, and offer further 
confirmation of their views in opposition to a recent criticism of some of 
these by Professor E. B. Poulton, From evidence afforded by preparations 
stained by Golgi's silver method, and by means both of methylene blue and 
chloride of gold impregnations, they re-affirm their former statement that 
the shafts of the push-rods are traversed by a series of delicate fibrils which 
are neither more nor less than the end-branchings of the numerous axis 
cylinders which may be seen to enter the base of the rod. From the methy- 
lene blue impregnations they further corroborate their former observations 
upon the »lenticular bodies« in the base of the rod constructed upon a 
similar principle to that shown in a Grandry's corpuscle. The authors next 
give an account of the structure of the sweat-ducts and of their associated 



16 

structures in the same region of skin. They express themselves as in agree- 
ment with Mr. Poulton's interpretation of the epidermic cylinder traversed 
by the superficial part of the sweat-duct, as a modified hair; and they further 
point out that not only structurally , but probably to some extent functio- 
nally , it corresponds to a sensitive hair, and is thus no mere vestige of 
ancestral whiskers. The authors differ entirely from Mr. Poulton with 
reference to the nature of the nerve terminations in the bulbous base of the 
epidermic cylinder aforesaid. They find that they are not of the nature of 
ganglion-cells as Mr. Poulton has described and figured them, but are in 
reality knob-like terminations of axis cylinders , precisely similar to those 
described and figured by Bonnet in the outer rootsheath of the sensitive hair 
of the snout of the pig. — 7) Description of the external Characters of a 
very young Specimen of Ornithorkynchus. By J. T. Wilson, M.B. , Pro- 
fessor of Anatomy, Sydney University. — Mr. Brazier exhibited Trochus 
Pfeffert^ Dohrn , T. constellatus , Souverbie , and T. concavus , Gmelin (this 
species having the aperture so oblique as to resemble a Calyptraea] from 
Lifau , Loyalty Islands, a new locality; collected by Mr. R. C. Rossiter. 
Also, Calyptraea radians, liam., from Chili, West coast of S. America, to 
show how much it resembles Iroc/itis concavus, Gmelin. — Mr. Woolrych 
exhibited specimens of snakes from Kenthurst , Dural , near Parramatta, 
including a death-adder [Acanthophis antarctica), with an unusual colour- 
pattern. — Mr. Lea exhibited the insects described in his paper; examples 
of a tick more than usually abundant at Manly this year ; and the shell of 
a mollusc, Cypraea mauridana, L., obtained alive some years ago at Long 
Bay — a "species not previously recorded from N. S. Wales. 

in. Personal-Notizen. 

Heidelberg. Dr. Bela Haller hat sich als Privatdocent für Zoologie 
habilitiert. 

Innsbruck. Dr. Karl H ei der aus Berlin ist zum ordentlichen Pro- 
fessor der Zoologie an Stelle des in den Ruhestand tretenden Prof. Cam. 
Heller berufen worden. Briefe und Zusendungen erbittet sich derselbe 
unter der Adresse: Prof. Karl Heider, Innsbruck (Tirol), Universität. 

Necrolog. 

Am 5. November 1894 starb in St. Petersburg Hugo Christoph, be- 
kannt als vorzüglicher Lepidopterolog. 

Am 21. November 1894 starb in Charleston, S.C, Lewis R, Gibbes, 
ein besonders als Astronom und Mathematiker bekannter Gelehrter, welcher 
sich aber durch seine Revision der carcinologischen Sammlungen der Ver- 
einigten Staaten und andere zoologische Arbeiten als Zoolog bewährt hat. 
Er war am 14. August 1810 in Charleston geboren und hat außer Mathe- 
matik in früherer Zeit auch Botanik und Zoologie an der Universität seiner 
Vaterstadt gelehrt. 

Am 10. December 1894 starb in Annan Lodge, Perth, Dr. F. Bucha- 
nan White, Verfasser der Fauna Perthensis, Bearbeiter der Halobates- 
Ausbeute des »Challenger«, ein um die Naturgeschichte Schottlands sehr ver- 
dienter Forscher. 



Berichtigung. 

Auf p. 430, Zeile 22 von unten ist zu lesen »auch an verblichenen« 
anstatt »an gelblichen«. 

Druck von Breitkopf & Hftrtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 
Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jahrg. 21 . Januar 1895. No. 466. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 1. t. Leudenfeld, Entwicklung und Nahrungs- 
aufnahme der OscareiZa : Kritische Bemerkungen. 2. Piersig, Beiträge zur Systematik und Entwick- 
lungsgeschichte der Süßwassermilhen. 3. du Plessis, Notice sur un représentant lacustre du genre 
Macrorhynchus Graff. 4. Bolsins, Quelques corrections à faire dans le livre de Rudolf Leuckart: 
•Die Parasiten des Menschen^, nouvelle édition. II. .tlittheil. aus Xnseen, Instituten etc. 1. Zacha- 
rias, Statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Großen Plöner See. 2. Zoological 
Society of London. 3. Linnean Society of New South Wales. 4. Société Zoologique de France. 
5. Commercial Museum, Philadelphia. 6. Deutsche Zoologische Gesellschaft. III. Personal- 
Xotizen. Vacat. Litteratur. p. 1 — 16. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Entwicklung und Nahrungsaufnahme der Oscarelia: 
Kritische Bemerkungen. 

Von R. V. Lendenfeld, Czernowitz. 

eingeg. 12. November 1894. 

In einer 1884 erschienenen Arbeit über die Entwicklung von Os- 
carella (1) behauptete S oll as, daß sich die Blastula vor der Geburt 
noch, innerhalb des mütterlichen Körpers, in complicierter Weise 
falte. Heide r, welcher 1886 ebenfalls die Osca/'e//a- Entwicklung 
behandelte (2), sah in der trächtigen Oscarella keine solchen faltigen 
Blastulen und glaubte, daß diese von Sollas beschriebenen Bildungen 
»durch Einwirkung von Reagentien geschrumpfte Blastulae « der ge- 
wöhnlichen Form seien (2, p. 5). Weiter (2, p. 5) bezeichnet Heider 
die Abbildungen der gefalteten Blastulen von Sollas auf Taf. 37 als 
»etwas grotesk« und »wenig naturgetreu«. 

Gegen diese Bemerkungen Heider's hat Sollas protestiert (3). 

Ich selbst habe die betreffenden Praeparate von Sollas studiert 
und gefunden, daß die, nach Heider »etwas grotesken« und jj wenig 
naturgetreuen« Abbildungen derselben, vollkommen genau sind, und 
überdies ganz gleiche Bildungen in von Bö h m ig und mir ange- 
fertigten Praeparaten von Oscarella gesehen. Die citierten Angaben 
Heider's betreffs der Sollas' sehen Abbildungen sind also unrichtig 
und der in ihnen enthaltene Vorwurf ist ungerecht. Mein Rechtlich- 

2 



18 

keitsgefühl in dieser Sache bethätigend, habe ich die Richtigkeit der 
Sollas'schen Bilder hervorgehoben, als ich neuerlich, im dritten 
Theil meiner adriatischen Spongienmonographie, auf die Oscarella zu 
sprechen kam (6, p. 14). 

Nun (7) beklagt sich Heider darüber, daß ich an jener Stelle 
(6, p. 14) gesagt, er habe die Sollas'schen Angaben einfach als un- 
wahr verworfen, und er fragt »wo sollte ich etwas Derartiges behaup- 
tet haben?« (7, p. 392). Ich begrüße diese Frage als eine Revocierung 
jener obenerwähnten ungerechten Anschuldigungen gegen Soll as, 
und unterlasse es , jene naheliegende Antwort auf dieselbe zu geben, 
welche sich Jedem, der den betreffenden Passus bei Heider (2, p.4, 5) 
liest, aufdrängen muß. 

Weiter beklagt sich Heider (7, p. 394), daß ich seine Oscarella- 
Arbeit (2) an zwei anderen Stellen nicht citiert habe, wo ich sie hätte 
citieren sollen. Die eine dieser Stellen ist der Abschnitt über die 
Stellung der Spongien im System in meiner Hornschwamm-Mono- 
graphie (4, p. 88t — 888). Hierzu habe ich zu bemerken, daß in jener 
allgemeinen Besprechung genauere Citate (mit Seitenzahlen) überhaupt 
nicht vorkommen, sondern nur allgemeine Hinweise auf die Angaben 
namentlich jener Autoren, deren Ansichten von den meinigen ab- 
weichen und die ich kritisiere. Da ich keinen Grund hatte, irgend 
einer Anschauung Haider's besonders entgegenzutreten, so ist er 
dort auch nicht citiert worden. Da er dies aber übel genommen zu 
haben scheint, so will ich gern an dieser Stelle constatieren , daß ich 
damals H eider' s Oscarella-Kxhéii — die ja auch im Litteraturver- 
zeichnis (4, p. 35) citiert ist — wohl kannte und mich über die weit- 
gehende Übereinstimmung unserer Anschauungen über die Stellung 
der Spongien freute. 

Die andere von Heider erwähnte Stelle sind meine »experimen- 
tellen Untersuchungen über die Physiologie der Spongien« (5). Da 
hätte ich, meint er, seine Fütterungsversuche besonders erwähnen 
sollen. In seiner OscareZ/a- Arbeit sagt H e i d er über diese Fütterungs- 
versuche (2 , p. 53): »Meine eigene Erfahrung auf diesem Gebiete ist 
eine sehr fragmentarischem, und weiter (2 , p. 54) dann, durch seine 
Versuche werde »aufs klarste bewiesen«, daß — wenigstens bei jungen 
Oscarellen — die innere Gewebeschicht, das Kragenzellenepithel, der 
Nahrungsaufnahme dient. In meinen »experimentellen Untersuchun- 
gen über die Physiologie der Spongien« (5, p. 269) habe ich gesagt: 
»Aufnahme von Carmin durch die Kragenzellen ist von Carter und 
Anderen beobachtet worden«. Das, denke ich, reicht hin — oder hätte 
ich noch besonders hervorheben sollen, daß Heider die nahrungs- 
aufnehmende Function der Kragenzellen schon vor mir auf Grund 



19 

seiner »sehr fragmentarischen Erfahrungen« aufs klarste bewiesen 

hatte ? 

Litteratur. 

1) W. J. Sollas, On the development of Halisarca lohularis O. Schmidt. 
Quart. Journ. Micr. Sc. Vol. 24. 1884. 

2) K. H eider , Zur Metamorphose der Oscarella lohularis O. Schm. Arb. Zool. 
Instit. Wien. 6. Bd. 1886. 

3j W. J. Sollas, Letter (on Dr. K. Heider's paper on Oscarella lohularis). 
Zool. Anz. 9. Bd. 1886. 

4) R. V. Lendenfeld, A Monograph of the Horny Sponges. London 1889. 

5) R. V. Lendenfeld, Experimentelle Untersuchungen über die Physiologie 
der Spongien. Zeitschr. f. wiss. Zool. 48. Bd. 1889. 

6] R. V. Lendenfeld, Die Tetractinelliden der Adria. Denkschr. Kais. Acad . 
Wien, math.-naturw. Cl. 59. Bd. 1894. 

7) K. Heider, Berichtigung. Zool. Anz. 17. Bd. 1894. 

2. Beiträge zur Systematik und Entwicklungsgeschichte der Süfswasser- 

milben. 

Von R. P i e r s i g , Großzschocher - Leipzig. 

eingeg. 12. November 1894. 
Unter den von C. L. Koch in seinem Hauptwerke »Deutsch- 
lands Crustaceen , Myriapoden und Arachniden« angeführten, neuge- 
schaffenen Hydrachnidengattungen befinden sich auch zwei, die die 
Namen *Sp/o und Hydrochoreutes tragen. Erstere wurde später von 
ihrem Schöpfer in seiner «Übersicht des Arachnidensystems« fallen ge- 
lassen und mit der zweiten vereinigt. Das so erweiterte Genus »Hy- 
drocJioreutesv. umfaßt sechs Arten [H. ungulatus^ ßlipes , cruciyer , pal- 
palis , globulus und bilobus). Da Koch ein allzugroßes Gewicht auf 
äußere , untergeordnete Merkmale , wie beispielsweise die Färbung 
und Größe legte , er auch keine Ahnung von den verschiedenen Ent- 
wicklungsstufen der Wassermilben hatte , darf es uns nicht Wunder 
nehmen, unter den soeben genannten Species zwei Nymphen (zweites 
Larvenstadium) anzutreffen [H. palpalis, 1. c. Hft. 11, Fig. 11, und H. 
globulus^ ibid. Fig. 12). Der bekannte und verdienstvolle schwedische 
Hydrachnidologe C. Ne um an, der zum Zwecke der Artengliederung 
ungleich werthvollere und wirklich brauchbare Unterscheidungsmerk- 
male (Gestalt und Lagerung der Hüftplatten und des äußeren Ge- 
schlechtshofes) berücksichtigte, hat ein weit umfangreicheres Gebiet als 
Koch durchforscht, und doch vermag er in seinem stattlichen Werke ^ 
nur drei durch Wort und Bild gekennzeichnete Vertreter [H. ßlipes^ 
cruciger und ungulatus C. L. Koch) aufzuführen, die er irrthümlicher- 
weise, wie ich schon an anderer Stelle ^ nachgewiesen habe, und in 

1 Om Sveriges Hydrachnider, Kongl. Sv. Akad. Handlingar, Bd. 17, 1879, 
p. 58—61, Taf. IV, Fig. 1—3. 

2 R. Piersig, Eine neue Hydrachniden-Gattung aus dem sächsischen Erz- 
gebirge. Zool. Anzeiger, No. 405. 1892. 

2* 



20 

Verkennung der geschlechtlichen Auszeichnungen und der durch den 
Größenwachsthum des Abdomens bedingten Umlagerung des weib- 
lichen Genitalhofes für drei wohl zu unterscheidende Species hält, ob- 
gleich dieselben nichts Anderes darstellen, als das mit einem Petiolus 
ausgestattete Männchen und das dazu gehörige Weibchen in zwei weit 
aus einander liegenden Alters- und Wachsthumsstadien. 

Nach mehrjährigen Beobachtungen und oft wiederholten Züch- 
tungsversuchen bin ich heute in der glücklichen Lage feststellen zu 
können , daß es in Sachsen zwei sicher bestimmte Hydrochoreutes- 
Species giebt , von denen mir nicht nur beide Geschlechter sondern 
auch sämmtliche Entwicklungsformen bekannt geworden sind. Die 
eine Art kommt im Erzgebirge und bei Arnsdorf, die andere in der 
Umgebung Leipzigs vor. Leider bin ich in Folge der mangelhaften 
Koch' sehen Abbildung nicht im Stande, mit wissenschaftlicher Be- 
stimmtheit anzugeben, welche von beiden wohl mit Fug und Recht 
auf H. ungulatus bez. cruciger C. L. Koch bezogen werden muß, zu- 
mal auch Neuman eine dritte Art beschrieben und abgebildet hat, 
die unter der Voraussetzung , daß der Petiolus bildlich getreu wieder- 
gegeben ist , eine Sonderstellung beansprvichen dürfte. Dazu kommt 
noch, daß auch Kramer ^ zwei achtfüßige Larvenformen unter den 
Namen Nesaea brachiata und Nesaea striata bekannt gegeben hat, die, 
nach der Länge der Palpen zu urtheilen, in die Gattung Hxjdrochoreu- 
tes eingeordnet werden müssen. Die allzu schematischen, skizzenhaf- 
ten Zeichnungen machen es jedoch unmöglich , aus der Form des für 
die Bestimmung so wichtigen Geschlechtshofes auf irgend eine be- 
stimmte Art schließen zu können. Aus diesen Gründen vermag ich 
weder die eine , noch die andere der von mir weiter unten bekannt 
gegebenen Nymphenformen mit den genannten Kr am er' sehen zu 
identificieren. Ein Vergleich der Abbildungen von Nesaea striata und 
Nesaea brachiata Kramer mit den diesem Aufsatz beigegebenen Figu- 
ren 2 und 6 wird die wissenschaftliche Berechtigung der soeben aus- 
gesprochenen Ansicht voll und ganz bestätigen. Der beste und kür- 
zeste Weg , volle Klarheit in die Sache zu bringen , könnte wohl da- 
durch beschritten werden, daß Herr Prof. Dr. Kr am er die Güte 
hätte, mir eventuell das hier in Betracht kommende Untersuchungs- 
material, gleichviel ob als Praeparat oder in conservierten Exemplaren, 
behufs eingehenden Vergleichs für kurze Zeit freundlichst zu über- 
lassen. In der Erwartung auf Erfüllung dieser Bitte unterlasse ich, 
allerdings unter Wahrung meiner Rechte, vorläufig die Benennung 
bez. Einordnung der gefundenen sächsischen Hydrockoreutes-Si>ecies. 

3 P. Kramer, Beiträge zur Naturgeschichte der Hydrachniden. Wiegmann's 
Archiv für Naturgeschichte. 1. Bd. Taf. Vili Fig. 9 und 10. 



21 

Von diesen wurde die größere von mir im Jahre 1892 in der Nähe 
der Oberförsterei Hirschsprung bei Altenberg im unteren Teiche ge- 
fangen. Beide Geschlechter und das zweite, achtfiißige Larvenstadium 
kamen dabei ins Netz. Die längere Zeit in kleinen Aquarien gehalte- 
nen Weibchen legten ihre zahlreichen gelblich gefärbten, mittelgroßen 
Eier an die Blätter der untergetauchten Wasserpflanzen. Nach un- 
gefähr vier bis fünf Wochen schlüpften die sechsbeinigen, dorsoventral 
plattgedrückten Larven aus, deren Beschreibung ich in No. 405 dieses 
Blattes gegeben habe. Am merkwürdigsten ist die Gestaltung der 
Analplatte, deren hinterer Rand sich in eine keilförmig zugespitzte 
Rinne auszieht, die ein wenig über den hinteren Körperrand hinaus- 
ragt (Fig. 1). Nach kurzem, lebhaftem Umherschwärmen im Wasser 
heftet sich die Larve schmarotzend an die Jugendform irgend eines 
Wasserinsects fest und verpuppt sich. Entsprechend der zahlreichen 
Häutungen des aufgesuchten Wirthes vollzieht sich aller Wahrschein- 
lichkeit nach die Umwandlung in das zweite Larvenstadium in ver- 
hältnismäßig kurzer Zeit. Die achtfiißige Nymphe zersprengt die 



Fig. 2. 




Puppenhülle und tritt in ein längeres Freileben ein, in dessen Ver- 
laufe sie bedeutend an Größe zunimmt. Sie ähnelt dem geschlechts- 
reifen Weibchen, doch besteht ihr unfertiger Genitalhof aus zwei 
breitlänglichrunden Chitinplatten, die nach innen dachförmig eine 
ziemliche Strecke an einander liegen und hier mit dem chitinösen 
Stützkörper auf's innigste verbunden sind. Jede Platte trägt zwei 
ca. 0,02 mm im Durchmesser haltende Geschlechtsnäpfe (Fig. 2). Nach- 
dem die Nymphe annähernd eine Länge von 0,72 mm und eine Breite 
von 0,63 mm erlangt hat, klammert sie sich an die schwachen Ästchen 
verschiedener Wasserpflanzen an, um sich nach einer sehr kurzen 
Verpuppungsperiode in die definitive Form umzuwandeln. Die aus- 
geschlüpften, geschlechtsreifen Thiere nehmen schnell an Größe zu. 
Das Männchen zeichnet sich durch folgende Eigenheiten aus : 

Der Petiolus ist ein längliches, stabförmiges Chitingebilde, dessen 
freies, dreitheiliges Ende in ein quer abgestutztesMittelstück und zwei 



22 



randständige Spitzen ausläuft. An jeder Seite des Petiolus befindet 
sich ein winkelförmig gebogenes Chitinstück, das mit seinem längeren, 
wie der Flügel einer Schiffsschraube gebogenen Schenkel sich dicht 
an den ersteren anlegt, während der kürzere dem hinteren Körper- 
ende aufsitzt und zur Anheftung von Muskeln dient. Der beiden 
Chitinwinkeln eigene Mechanismus ermöglicht es, daß bei einer Zu- 
sammenziehuiig der Muskelstränge die dem Petiolus angefügten 
Schenkel in lateraler Richtung eine spreizende Bewegung ausführen 
können, wobei der Scheitelpunkt zugleich als Stütz- und Drehpunkt 
dient. Meiner Meinung nach haben wir es dabei mit einer Sperr- 
vorrichtung zu thun, die in Thätigkeit tritt, wenn der Petiolus in die 
Schamspalte des Weibchens eingeführt wird (Fig. 3). Eine zweite 
Eigenthümlichkeit macht sich weiter an dem zu einem Greiforgan 
umgebildeten vierten Gliede des vorletzten Beinpaares geltend. Die 
an der Beugseite auf einem keilförmig zulaufenden Chitinzapfen ent- 
springende Greif börste ist schwach 
säbelförmig nach der Streckseite 
hin gebogen und verläuft in eine 
mehr oder weniger scharfe Spitze. 
An der Basis der stark gebogenen 
endständigen Greifborste sitzt ein 
nach unten gerichteter, conisch 
zugespitzter Dorn. Unmittelbar 
hinter demselben entspringen der 
dorsalen Seitenfläche des Gliedes 
zwei breite, säbelförmige Borsten, 
deren Einlenkungsstellen je einen deutlichen Höcker aufweisen. Die 
ventralwärts gekehrte Gliedseite trägt vier lange, steife Borsten. 

Bezüglich des Weibchens bin ich nicht im Stande, wirklich augen- 
fällige Unterscheidungsmerkmale anzuführen, es sei denn, daß eine 

Fig. 4. 





dunklere Färbung und eine kräftigere Körperentwicklung als solche 
anerkannt würden. Wie bei der nachfolgenden Art setzt sich das Ge- 
schlechtsfeld aus der vorn und hinten durch chitinöse Querriegel ab- 



23 

geschlossenen Vulva und zwei schmalen, sichelförmig gekrümmten 
Genitalplatten mit je drei länglichrunden Näpfen zusammen. Sowohl 
die freie Vorderspitze als auch der nach außen und hinten gekehrte 
Rand sind mit zahlreichen Wärzchen besetzt, die auf ihren Spitzen je 
ein langes und sehr feines Haar tragen. 

Die zweite ebenso seltene Hydrochoreutes -Axt tritt im Juli auf. 
Die lichter gefärbten und etwas kleineren Weibchen weichen, wie 
schon angedeutet wurde, in Gestalt, Ausstattung und Lebweise so gut 
wie gar nicht von denjenigen der vorgehenden Art ab. Erst durch die 
Züchtung und die genaueren Beobachtungen der sechsbeinigen Larven 
gewann ich die Überzeugung, daß trotz alledem eine neue Art vorliegt. 
Das Analfeld besitzt an Stelle jener charakteristischen spornartigen 
Verlängerung des Hinterrandes nur eine schwielenartige Verdickung 
des letzteren. Durch meinen ersten Züchtungsversuch zweifelhaft ge- 
worden, ob nicht ein Beobachtungsfehler trotz der aufgewandten pein- 
lichen Sorgfalt unterlaufen sei, erhielt ich erst unumstößliche Gewiß- 
heit, als wiederholte Versuche das gleiche Ergebnis zeitigten. 

Zur besseren und schnelleren Orientierung gebe ich auch von dieser 
Larve in Fig. 5 eine Abbildung des ventralen Hinterleibsendes. — Die 
Nymphe (das achtfüßige Larvenstadium) unterscheidet sich von der 




schon beschriebenen entsprechenden Form nur durch eine mehr rund- 
liche , kugelige Gestalt und ein Geschlechtsfeld, das nicht von einem 
subcutanen, äußerst dünnen chitinösen Hof umgeben ist (Fig. 6). Das 
vorletzte, langgestreckte Falpenglied trägt ebenfalls auf der Beugseite 
nur zwei bis drei Borsten, und das Endglied ist hier wie dort mit drei 
Krallennägeln versehen, von denen die beiden unteren dicht auf 
einander liegen. 

Mit dem Weibchen und den Nymphen erbeutete ich auch glück- 
licherweise vier Männchen. Eine genaue Untersuchung bestätigte 
auf's glänzendste meine durch Züchtung gewonnenen Forschungs- 
resultate. Der etwas kürzere Petiolus endigt hier in nur zwei durch 
eine mittlere Einkerbung getrennte Spitzen , während das schmale 



24 



Mittelstück sich zäpfchenartig nach oben zu ein wenig umbiegt und in 
der Rückenansicht in der Tiefe des Endeinschnittes zu liegen scheint. 
Die langen Schenkel der beiden seitlich angelagerten chitiuösen 
Winkelstücke reichen weiter nach vorn (Fig. 7). Auch sie sind im 
Stande, sich spreizend von dem Petiolus zu entfernen. Das zu einem 
Greiforgan umgebildete vierte Glied am vorletzten Fuße besitzt eine 
schwach S-förmig gebogene, an der Spitze abgerundete, gleichmäßig 
breite Greif borste auf dem conischen Zapfen der Beugseite. Die am 
äußeren, verschmälerten Ende eingelenkte, außergewöhnlich kräftige 
andere Greifborste ist ebenfalls hakenförmig gekrümmt. An ihrer 
Basis bemerkt man einen allerdings hier stumpf endigenden Zapfen, 
dem meist seitlich ein kurzes Astchen aufsitzt. Die beiden Säbel- 
borsten neben der Einlenkungsstelle der Hakenborste sind hart an den 
Vorderrand gerückt und von geringerer Entwicklung. Der ventral- 
wärts gekehrten Gliedseite entspringen drei steife Degenborsten (Fig. 8). 
Von Pachy gaster tau-insiynaius Lebert, dessen Nymphe von mir 
früher schon bekannt gegeben wurde*, habe ich in diesem Jahre die 

Fig. 8. 




sechsbeinige Larve gezogen. Sie erreicht eine Länge von ungefähr 
0,3 mm und eine Breite von 0,22 mm. In der Dorsalansicht erweist 
sich der Körperumriß als ein Oval, dessen Hinterrand sich in eine 
zungenartig schmale Verlängerung auszieht. Das Capitulum ist 
Fig. 9. auffallend klein , ebenso die seitlich ein- 

gelenkten, dicken und kurzen Palpen, 
deren endständiges Krallenglied einer 
chitiuösen Erhöhung gegenübersteht, die 
mit einigen, verschieden langen Borsten 
besetzt ist. Die mittleren dieser Borsten 
reichen fast bis an die Naht, die die erste 
Hüftplatte abgliedert. Die zweite und 
dritte Epimere sind zu einem gemeinsamen 
Bauchganzen verschmolzen , das nur am 
Rande eine kurze Einkerbung zeigt. Das Analfeld (Fig. 9) ist nach 

4 R. Piersig, Beiträge zur Kenntnis der im Süßwasser lebenden Milben. Zool. 
Anzeiger, No. 40Ü. 1892. 




25 

hinten zu nicht deutlich abgegrenzt, sondern setzt sich auf die oben 
erwähnte Verlängerung fort. Hier bemerkt man auch den Anus "bezw. 
die Excretionsdrûàenoffinnn g . Der Borstenbesatz, zum großen Theil 
auf deutliche Zapfen inseriert, ist stark entwickelt. Die Endborsten 
erreichen un^efahr die halbe Körperlänge. 

Interessant war es mir. bei Sota^pis spec, mihi am medianen 
Vorderende des Bückenschiides ein rundes, großes. Terschmoizenes 
Doppelauge vorzufinden, das durch die dort lichter gefärbte Chitin - 
decke hindurchschimmert. Ich erwähne diesen Befund, weil sowohl 
Nie ölet als auch der große englische Oribatidologe Michael meines 
Wissens dieses Sinnesorgan nicht haben auffinden können. 

L-irr'r-^rr^T^-^rrzrr. den 12. XivenVer 1SV4. 

3. Notice sur un représentant lacustre du genre Macrorhynchus Graff. 

P«i Dr. G- dn Pi e 5 5 : 5 . Genève. 

eineee. 15. Xiv^nirer ISy-i. 

La famille des Pro ia-ic-jVfe'î Graff, qui renferme ce gerire appartient 
aux vers Tuxbellariés RhabdocèUi et parmi les espèces qu elle compte 
toutes sont marines sauf le Prostome linéaire Prostoma lineare ^ 
Gyraior hermaphrodites. Ehrenb. Ce ver est très répandu dans notre 
lac Léman tant sur les bords que dans le limon du fond . ou il se ren- 
contre parfois sous la forme aveugle. Parmi les très nombreux sujets 
observés par nous devant Lausanne et devant Merges, nous en avions 
jadis rencontré un exemplaire qui nous avait frappé sur le champ par 
sa forme plus large et par 1 absence totale du grand aiguillon postérieur, 
si saillant chez tous les individus même les plus jeunes du P. lineare. 
Or cet unique individu était bien le représentant d une espèce et même 
d un genre particulier et du plus grand intére: pour notre faune. Nous 
perdîmes bien longtemps cet animal de vue. A Morses et Lausanne 
nous ne pûmes jamais le retrouver: mais cet été nous en avons revu 
plusieurs a Corsier près de Genève et ceux-ci ont suffi à nous montrer 
que cette espéce lacustre appartient à un genre marin fort curieux 
dont l'existence dans notre lac Léman n avait pas même été soup- 
ç-onnée. Ce genre fondé par Mr. Graff, dans sa Monographie des 
Rhabdocèles, est représenté dans les mers d'Europe par plusieurs belles 
espèces dont lune, le Macrorhynchué helgolandicué Metschn.. ressemble 
à s'y méprendre a nos sujets du lac Léman, au point que pendant 
plusieurs semaines nous avons pu croire que les deux espèces nen 
£usaient qu une. Mais plus tard une étude anatomique très complète 
nous a fait découvrir dans lespèce du Léman au moins deux points 
très essentiels par ou elle diffère absolument non seulement du 



26 

susdit M. helgolandicus , mais aussi de toutes les autres espèces de ce 
même genre dont aucune ne montre rien de semblable à ce que nous 
allons citer. Ces deux faits sont tellement évidents que s'ils exi- 
staient chez M. helgolandicus ils auraient frappé plusieurs excellents 
observateurs (Metschnikof, Jensen et Hallez) qui ont étudié à 
fond cet animal. Voici ces points: 

1° La trompe qui chez tous les Proboscidés sans exception a 
toujours été tenue pour un organe plein et im perforé est nettement 
canalisée dans l'espèce du lac et présente un pore terminal et antérieur 
rond contractile et très dilatable. On le voit très facilement s'ouvrir 
et se refermer. Comme la trompe est entourée à sa base de longues 
glandes unicellulaires lagéniformes il n'est guère douteux que le 
produit de leur sécrétion ne puisse s'écouler au dehors par le canal et 
le pore terminal susdits et ainsi voilà que cette trompe qui a déjà la 
même place et les mêmes rapports que celle des Némertiens assume 
probablement les mêmes usages. Or des organes de mêmes rapports 
et de même fonction sont véritablement homologues. Raison de 
plus pour rapprocher ces vers des Némertiens comme l'a fait p. ex. 
D i e s i n g. 

2° Les vaisseaux aquifères très nets et très faciles à voir dans 
notre espéce y font voir aussi une particularité fréquente chez d'autres 
Rhabdocèles, mais jusqu'ici inconnue dans cette famille. C'est que 
les deux troncs sinueux qui rampent sur chaque côté du corps se jettent 
à l'extrémité caudale dans une grosse et épaisse vésicule pyriforme, qui 
occupe presque tout le bout caudal. Cette vésicule à parois très 
musculeuses est contractile et se rétrécit parfois avec énergie pour 
chasser son contenu au dehors par une ouverture arrondie aussi très 
contractile et dilatable. La vésicule est pyriforme et sa pointe porte 
le pore d'ouverture. Le reste de l'appareil aquifère se comporte exacte- 
ment comme chez le M. helgolandicus où selon Hallez les vaisseaux 
aquifères débouchent sur chaque flanc comme chez P. lineare par un 
petit pore latéral. 

Pour tout le reste de l'organisation notre espèce du Léman con- 
corde point pour point jusque dans les moindres détails avec celle de 
la mer du Nord, retrouvée du reste jadis à Vimereux par Mr. Hallez, 
qui la décrivit et la figura fort exactement sous le nom de Prostoma 
Giardi mais qui reconnut plus tard que le dit Prostoma Giardi 
n'était autre que le Macrorhynchus helgolandicus. 

Dans notre espéce du lac on peut voir tout comme chez M. Jielgo- 
landicus une séparation complète entre l'appareil à venin et l'appareil 
copulateur. Il y a bien deux paquets symétriques de cellules glandu- 
laires, mais au lieu de déboucher dans la gaine du pénis elles se réunis- 



27 

sent dans une poche' musculeuse s'ouvrant par un pore très petit, à la 
face ventrale. La poche contient de plus au lieu de dard un long 
fouet chitineux replié sur lui même, comme celui du M. heïgolandicus 
et dont [on ignore aussi l'usage. Une telle conformité de structure 
entre deux appareils si complexes montre que nos deux espèces ne sont 
peut être qu'un seul et même animal fort peu modifié par son adap- 
tation à l'eau douce. On sait d'ailleurs depuis longtemps que précisé- 
ment chez les Rhahdocèles cette accommodation à l'eau douce n'est pas 
très rare et qu'il y a même au bord de la Baltique certaines espèces 
comme p. ex. Macrostoma hystrix qui vivent indifféremment dans la 
mer et dans les étangs d'eau douce voisins. 

Nous proposons pour notre espéce du lac le nom ù.e Macrorhytichus 
iemanus et nous aurions ainsi pour le 'seul lac Léman déjà découvert 
quatre vers d'origine indubitablement marine. Ces espèces sont par 
ordre de dates. 

1° Plagiostoma Lemani nob. 

2° Monotus Morgiense nob. 

3° Emea lacustris nob. 

4° Macrorhynchus lemanus nob. 
Anières près de Genève 10 Novembre 1894. 

4. Quelques corrections à faire dans le livre de Rudolf Leuckart: »Die 
Parasiten des Menschen', nouvelle édition. 

Par H. Bolsius, S. J., Professeur au collège d'Oudenbosch (Pays-Bas). 

eingeg. 16. November 1894. 

Dans la nouvelle édition »die Parasiten des Menschen« etc. 
M. R. Leuckart nous a fait l'honneur de citer souvent nos publi- 
cations sur les organes segmentaires et les organes ciliés des hirudinées. 
Très souvent le savant professeur rejette nos conclusions, nie l'exacti- 
tude de nos observations, et leur préfère les vue de nos devanciers ou 
les siennes propres. A cela nous ne trouvons rien à redire; c'est son 
droit de maintenir ce qu'il croit être vrai, d'après ses propres recher- 
ches ou d'après celles des autres. Pour nous, nous en ferons autant, 
et nous ne saurions nous dessaisir de ce que nous avons vu de nos 
yeux dans les milliers de préparations qui constituent notre collection, 
A la longue, pensons-nous, les questions s'élairciront de plus en plus, 
et les travailleurs futurs décerneront à qui de nous autres travailleurs 
actuels appartient la vérité. 

Mais ce à quoi nous trouvons à redire, est que parfois M. Leuc- 
kart nous prête des idées et des expressions qui ne sont pas du tout 
les nôtres. Sans faire la critique, cette fois-ci, des opinions de M. 
Leuckart, nous insisterons uniquement sur quatre passages de son 



28 

ouvrage cité, tome I, livraison 5, qui nous font dire le contraire de ce 
qui est le résultat de nos recherches. 

1" A la page 691, en note, il dit: »Ähnliche Verästelungen be- 
schreibt übrigens Bol si us neuerlich auch an den Schleifencanälen 
der Enchytraeiden« (Anat. Anzeiger 1S93, p. 210). 

II s'agit de la ramification des canaux néphridiens des Hiru- 
dinées, et de leurs terminaisons en ramuscules très ténus, comparé à 
ce que nous avons publié sur les Enchytraeides. — Notre description, 
dans la communication préliminaire citée par M. Leuckart, n'était 
pas accompagnée d'une figure, il est vrai ; mais le texte autorise-t-il à 
dire que ce que nous disous là, se rapporte à une ramification pareille 
(ähnliche Verästelungen) à celle qui s'observe dans les organes segmen- 
taires des hirudinées? Nous ne le pensons pas. Voici nos paroles, 1. c. 
p. 213: »Quelle est donc la disposition du canal à l'intérieur de la 
glande segmentaire d'Enchy traeide? Le canal, unique à l'endroit 
d'osculation avec la cavité venant de l'entonnoir, se bifurque bientôt, et 
se subdivise encore. Ces tronçons de canaux, ces canalicules, s'anasto- 
mosent à tout moment dans le corps segmentaire. Nous ne saurions 
mieux comparer le massif de la glande qu'à un morceau de bois com- 
plètement vermoulu, creusé en tous sens de galeries qui s'entrecroisent, 
se coupent, s'unissent de toutes les façons. 

«Quand nous comparons le massif à du bois vermoulu cela ne veut 
pas dire que les canalicules percent aussi la paroi extérieure; non, 
tous les tronçons de canaux sont confinés à l'intérieur du massif. Et 
ce qui plus est, tous les tronçons communiquent entre eux et naissent 
tous du tronçons qui se relie à l'entonnoir. 11 y a ainsi continuité de 
cavité, et aucune partie de ce labyrinthe n'est séparée par une cloison 
de l'orifice infondibuliforme.« 

Nulle part, on le voit, nous ne parlons de ramifications, surtout 
de ramifications terminales, comme dans les nephridia des hirudinées. 
Au contraire nous comparons ces canaxix aux galeries de bois vermoulu, 
c. à. d. à des conduits de diamètre à peu près constants. 

(Schluß folgt.) 

IL Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Grofsen 

Plöner See. 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 

II. 

Datum: 10. October 1894. Wassertemperatur : 12, 5°Cels. 

Volumen: 118 ccm (unter 1 qm Fläche). 



29 

Individuen-Zahl : 

Polyarthra pìatyptera 164 850 

Triarihra longiseta 541650 

Anuraea cochlcaris 117750 

Hyalodaphnia hahlhergensis 106 975 

Bosmina loiigirostris 176625 

Cyclops oithonoides 6005 2 5 

* * 
* 

Melosira-¥Men 211950 

Asterionella gracillima 883125 

Polycysiis aeruginosa 100000 

Zurücktretende und vereinzelt vorkommende Species: 
Rhaphidophrys pallida , Dinobr. divergens ^ Eudorina elegans^ Ce- 
ratium hii'undinella, Synchaeten [tremula und pecfinata) , Aììuraeeìi [lon- 
gispina und aculeata], Diaptomus graciloides, Fragilaria crotonensis. 

Datum: 20. October 1894. Wassertemperatur: ll°Cels. 

Volumen: 78,5 ccm (unter l qm Fläche). 

Individuen-Zahl: 

Polyarthra platyptera 105975 

Triarthra longiseta 208025 

Bosmina longirostris 160925 

Cyclops orthonoides 942 000 

* * 
* 

Melosira-FMen 113825 

Aster ionella gracillima 894 900 

Zurücktretende und vereinzelt vorkommende Species: 
Rhaphidophr. pallida^ Dinobr. divergens, Eudorina^ Asplanchna 
helvetica^ Synchaeten^ Anuraeen [aculeata und cochlearis) Hyalodaphnia 
kahlbergensis, Diapt. graciloides, Fragilaria crotonensis und Polycystis 
aerugiiiosa. 

2. Zoological Society of London. 

4th December 1894. — The Secretary read a report on the additions 
that bad been made to the Society's Menagerie during the month of Novem- 
ber 1894, and called special attention to ten Surinam Water-Toads [Pipa 
americana], presented by Mr. F. E. Blaauw, C.M.Z.S., and received Novem- 
ber 14th; to a fine example of Pels' Owl [Scotopclia peli) from Sierra Leone, 
presented by the Hon. C. B. Mitford, C.M.Z.S., Deputy-Governor of the 
Colony ; and to two Tree-Kangaroos from Queensland, received in exchange 
from the Zoological and Acclimatisation Society of Victoria, Melbourne. — 
A communication was read from Mr. T. Manners Smith on some points in 
the anatomy of the Water-Mole [Ornithorhynchus paradoxus). The paper 
related chiefly to the muscular anatomy of Ornithorhynchus, which was follow- 



30 

ed by a short description of the trunk-arterial system. As regards the 
anatomy, Mr. Smith appeared to have worked out for the first time the com- 
parative morphology of the skeletal muscles of the Monotremes as determined 
by their innervation. — Mr. F. E. Beddard, F.R.S., read a paper upon 
certain points in the visceral anatomy of Ornitiwrhynchus. The paper dealt in 
the first place with the existence of a free fold passing from the bladder to 
the liver, where it became continuous with the falciform ligament of the 
liver. This fold, however, exhibited no traces of an anterior abdominal vein. 
The author also gave a description of the right auriculo-ventricular valve of 
the heart. In two hearts examined by him the septal flap of this valve was 
complete, though less conspicuous than the free flap, owing to the fact that 
it had either no papillary muscles attached to it or that the muscles were 
very small. — Mr. Boulenger read a »Second Report on Additions to the 
Lizard Collection in the Natural History Museum«. It contained a long list 
of species, previously unrepresented in the collection, specimens of which 
had been acquired since the appearance of the first Report, published in the 
»Proceedingstf of the Society for 1890. This list was supplemented with the 
descriptions of several new species. — Prof. E. Jefi'rey Bell called attention 
to the acquisition by the Natural History Museum of some specimens of 
remarkable Corals of great size from North-west Australia, of which he 
showed some admirable photographs taken by Mr. Percy Highley. Prof. Bell 
urged the necessity of the acquisition of large specimens of Corals, before 
coming to any conclusion as to their specific distinctions. — P. L. S dater, 
Secretary. 

3. Linnean Society of New South Wales. 

November 28th, 1894. — 1) Redescription of Aspidites ramsayi, Macl. 
By Edgar R. Waite, F.L.S. — 2) A Review of the Fossil Jaws of the 
Macropodidce in the Queensland Museum. By C. W. De Vis, M.A. The 
very fine collection of over eleven hundred dissociated jaws or portions of 
jaws in the Queensland Museum has been studied in the light of a knowledge 
of the nature and range of the variations, individual and specific, presented 
by the skulls of 479 individuals referable to sixteen existing species. The 
following species are described as new: — Palor ehestes parvus, St/ienums pales, 
S. areas. Halmaturus vinceus, H. thor, H. dryas, H. odin, H. indra, H. siva, 
H. vishnu, Macropits magister, M. pan, and M. faunus. — 3) Notes on some 
Land Planarians collected by Thos. Steel, Esq., on the Blue Mts., N.S.W. 
By A. Dendy , D. Sc, F.L.S. — 4) On a British Bivalve Mollusc found in 
Australia and Tasmania, with its Distribution; and on a new sub-genus of 
Troclidœ. By J. Brazier , F.L.S., CM. Z. S. Cryptodonflexuosa, Montagu, 
is now recorded for the first time from Port Stephens, N.S.W., and Espérance 
Bay, Tasmania. The name Solanderia, Fischer (1880), being preoccupied by 
Duchassaing and Michelotti (1846), it is now proposed to replace it by 
Rossiteria. — 5) Description of a new Australian Eel. By J. Douglas 
Ogilby (Communicated by Edgar R. Waite, F.L.S.) Gymncthorax prionodon, 
sp.n., from Port Jackson, is closely allied to the Atlantic species G. ocel- 
lattis. — 6) On a new Typhlops previously confounded with T. unguirostris, 
Peters. By G. A. Boulenger, F.R.S. (Communicated by Edgar R. Waite, 
F.L.S.) — 7) Botanical. By J. H. Maiden. — 8) On a new species of 
Enteropneusta from the Coast of N.S.W. By James P. Hill, Demonstrator 
of Biology, Sydney University. The name Ptychodera australimsis is proposed 



31 

for the first described Australian species of Enteropneusta. It is specially 
characterised externally by the great development of the genital wings which 
completely hide the gill-area, and extend far into the hepatic region, and by 
the presence of two longitudinal epidermal stripes overlying the two ciliated 
bands of the intestine. In the mode of formation of the proboscis pore, it 
appears to be the most variable of all Enteropneusta hitherto described. The 
most interesting points in its internal anatomy are the presence of a median 
longitudinal infolding of the ventral wall of the heart bladder into the cavity 
of the same, the presence of a transverse vessel between the different pro- 
boscis vessels, and the much branched condition of the gonads. — 9) On a 
Platypus Embryo from the Intrauterine Egg. By J. P. Hill, Demonstrator 
of Biology, and C. J. Martin, M.B., B.Sc. (Lond.), Demonstrator of Phy- 
siology, in the University of Sydney. The embryo described was taken from 
one of two eggs just ready to be laid. The eggs measured 18 mm. by 
13 '5 — being somewhat larger than the eggs described by Caldwell. The em- 
bryo was found lying on the surface of a thin-walled vesicle with its long 
axis corresponding to the long axis of the egg. It measured 1 9 mm. in length 
from the anterior end of the medullary plate to the posterior end of the 
primitive streak. The vesicle on which the embryo lay consisted of two layers 
all over, with the mesoderm extending about half-way round between and 
comparable to a typical mammalian blastodermic vesicle. The vesicle filled 
the whole of the egg, and contained a thin albuminous fluid together with a 
thin layer of yolk spheres next its wall. The embryo, with the exception of 
a slight head-fold, is quite flat. Medullary folds are absent except in the 
most anterior region of the future fore-brain, where slight lateral upgrowths 
of the medullary plate appear. The three cerebral vescicles are indicated, 
and in the region of the hind-brain four well-marked neuromeres exist. 
External to the 2nd, 3rd and 4th neuromeres is an extensive auditory plate, 
already slightly grooved. There are seventeen somites, which in the middle 
region of the trunk possess distinct cavities, and externally to these from the 
4th to the 17th are situated the Anlagen of the Wolffian bodies. At the 7th 
somite Wolffian duct is first seen, the appearance of which in sections sug- 
gests an ectodermal origin. Double heart Anlagen are present, but there is 
no trace of vascular area besides a slight mottling in and around the area 
pellucida. A distinct blastopore is present with a neurenteric canal which 
runs through the head process and opens into the archenteron (yolk-sac 
cavity) . The primitive streak extends behind the blastopore to a distance 
of 1-5 mm. The embryo more nearly resembles that of the Virginian Opos- 
sum (Didelphys) of 73 hours, described by Selenka, than any other embryo 
known to the authors. The Platypus embryo is, however, much longer. • — 
Mr. A. Sidney Olliff sent for exhibition a number of specimens of a species 
of Psylla from Jarrahdale, W. Australia, which makes elongate, semi-trans- 
parent, horny, larval coverings, or tests, on the foliage of the Flooded Gum 
[Eucalyptus rudis). In structure and habits the species in closely related to 
Psylla eu'mhjpti, Dobs., recorded from Tasmania ; and economically it is of 
importance as it sometimes occurs in such numbers as to cause serious injury 
to its food-plant, a usefull West Australian timber. The insect was collected 
by Messrs. AV. Paterson and A. Despeissis, and it is proposed by Mr. Olliff to 
call it Psylli 2)enculosa. — Mr. Edgar R. Wait e exhibited specimens of the 
snake Jspidites ramsayi described in his paper; a Golden Perch Ctenolates 



32 

ambiffîius, Richardson, attacked by a fungus, Saprotegnia ferax^ causing the 
so-called Salmon disease ; and a small Mullet, Mugil dolula, Günther, from 
the head of which a small seaweed was growing. It would appear as though 
the fish had sustained some damage in this part, as the scales are absent, and 
that the alga had rooted itself in the flesh. — Mr. A. G. Hamilton sent 
for exhibition a specimen of Phascologale miìnitìssima , Gould, from Mt. 
Kembla, N.S.W., and he communicated a note on its occurrence in New 
South Wales, the species having previously came under his notice at Gunta- 
wang, near Mudgee. The distribution given in the B.M. Catalogue of Mar- 
supialia and Monotremata (1888), is »Central and Southern Queensland« and 
»Clarence River, Moreton Bay«. — Mr. Steel exhibited specimens of eight 
species of Land Planarians in illustration of Dr. Dendy's paper. 

4. Société Zoologique de France. 

Am Donnerstag, 28. Februar, Abends 8 Uhr findet unter dem Vorsitz 
des Prof. Léon Vaillant eine allgemeine Versammlung statt (7, rue des 
Grands Augustins), welcher am 4. März, Montag, ein Banquet (zu 12 Frcs.) 
folgen wird. Die Theilnehmer erhalten , wenn sie sich sofort beim General- 
Secretair, Prof. R. Blanchard (32, rue du Luxembourg) melden, auf den 
französischen Bahnen eine 50^ ige Ermäßigung des Fahrpreises. Am Mitt- 
woch, 27. Februar, findet die jährliche allgemeine Versammlung der Société 
Entomologique de France statt, welcher am Sonnabend, 2. März, ein Banquet 
folgen wird. 

5. Commercial Museum, Philadelphia. 

Der ehemalige argentinische Forschungsreisende, derzeitiger Organi- 
sator des neuen Handelsmuseums in Philadelphia, hat den Auftrag, die 
Sammlungen der öfi"entlichen Museen dieser Stadt durch Entgegennahme von 
Schenkungen und durch Tausch und Ankauf zu vervollständigen, und bittet 
unsere Leser, ihm Ofi"erten von Objekten und ganzen Sammlungen, welche 
in das Gebiet der Ethnographie, der Archäologie, der Naturwissenschaft, des 
Handels und der Pädagogie gehören, möglichst bald unter der Adresse : 
Gustav Niederlein, pr, Adr. Centralverein für Handelsgeographie, 
Berlin W, Lutherstraße 5, gefälligst zu übersenden. 

6. Deutsche Zoologische Gesellschaft. 

Die fünfte Jahresversammlung findet nach dem Beschlüsse 
der vorjährigen 

zu Strafsburg i. E. 
und zwar in der P fingst wo che (zwischen 4. und 8. Juni) statt. 
Referate werden erstatten: 
Herr Prof. Goette: Über den Ursprung der Wirbelthiere. 
Herr Dr. Bürger: Über Nemertinen. 

Vorträge haben bis jetzt angemeldet : 
Herr Prof. Bloch mann (Thema vorbehalten). 
Herr Prof. v. Graff: Über Landplanarien. 

Anmeldungen von weiteren Vorträgen sowie Demonstrationen 
erbittet der unterzeichnete Schriftführer. 

Prof. J. W. S pen gel (Gießen). 

Druck von Breitkopf & Uärtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jahrg. 4. Februar 1895. No. 467. 

Inhalt; I. Wissenschaftliche Slittheilnngen, 1. Bolsins, Quelques corrections à faire dans 
le livre de Rudolf Leuckart: «Die Parasiten des Menschen«, nouvelle édition. (Schluß.) 2. Garmau, 
Lobster Reproduction. 3. Herrick, Microcrustacea from New Mexico. II. Mittheil. aus Mnseen, 
Instituten etc. Zoological Society of London. III. Personal-Notizen. Necrolog. Litteratnr. 
p. 17—32. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Quelques corrections à faire dans le livre de Rudolf Leuckart: »Die 
Parasiten des Menschen«, nouvelle édition. 

Par H. Bolsius, S. J., Professeur au collège d'Oudenbosch (Pays-Bas). 

(Schluß.) 

La figure 7 qui a paru dans notre publication plus détaillée 
L'organe segmentaire d'un Enchytraeide — Memorie 
della Pontificia Accademia dei Nuovi Lincei, voi. IX, 1893), 
et que nous reproduisons ici, fig. 1, fera mieux comprendre l'énorme 
différence qui existe entre l'organe segmentaire d'une Hirudinée et 
d'un Enchytraeide, au point de vue de la ramification. 

Il n'est donc pas exacte de dire que nous avons décrit dans les 
organes segmentaires des Enchytraeides des ramifications semblables 
à celles des organes segmentaires des Hirudinées. La méprise néanmoins 
de la part de M. Leuckart est excusable à cause de l'absence de 
figure dans la communication préliminaire, dont il avait seule pris 
connaissance au moment de sa publication. 

2° Passons à l'organe segmentaire de VHaemopis. A la page 711, 
op. cit., à la fin de la 1" alinéa, nous lisons: »Wo und aufweiche Weise 
dieses Gefäßnetz mit dem Sammelgange in Verbindung tritt, ist nicht 
angegeben.« 

C'est la communication du réseau des canalicules qui prennent 
naissance dans les cellules entourant la paroi du canal collecteur, dont 
M. Leuckart dit que nous n'avons indiqué ni où ni comment elle 

3 



34 

s'établit. Que le lecteur veuille jeter un coup d'œil sur la figure 2. 
Elle est la réproduction de la figure 47, PI. Ill de notre travail: 
»Nouvelles recherches sur la structure des organes seg- 
men taires d es H irudiné es« (La Cellule t. VII. fase. 1, 1891). La 
légende de cette figure, mentionne explicitement le détail indiqué par 
cl dans la figure ci-jointe, et le déclare: Canal latéral, qui se 
déverse dans le canal collecteur. Comment M. Leuckart 
est-il arrivé à dire que cette communication n'est pas indiquée par 

Fig. 1. 



M. 





p 

Légende (voyez op. cit. p. 30, fig. 7 du tiré à part). Coupe longitudinale de 
tout un organe segmentaire. La figure est synthétisée sur'trois préparations miero- 

tomiques. Grossissement: obj. apochr. ' ocul. comp. 4, Zeiß (= + 330j. e En- 

0, yo 

tonnoir intérieurement orné de cils vibratiles. ds Dissepiment, es Canalicules seg- 
mentaires circulant dans la masse glandulaire. Ils sont anastomosés dans toutes les 
directions. A cause de la section microtomique de l'organe, il se présente une quan- 
tité d'anses coupées transversalement, dont on voit la lumière de face, x Rétrécisse- 
ment à l'endroit où commence le canal collecteur, ce Canal collecteur, vt Vésicule 
terminale. Elle est creusée dans la même masse cellulaire que le reste des canaux. 
Elle présente régulièrement une première division sphéroïdale, à laquelle fait suite 
une seconde division piriforme, d'autres fois plus ou moins cylindrique, p Pore ex- 
térieur, ep Epithelium épidermique. eu Cuticule, qui cesse à l'entrée du pore. 

nous ? La seule explication que nous en trouvons est que l'attention 
du savant professeur n'est tombée ni sur nos figures ni sur les légendes 
de celles-ci. 

3° À la même page 711, op. cit. , la 2™® alinéa commence à traiter 
de l'organe segmentaire de la Nephelis. »Nach der Darstellung freilich, 
die Bolsius selbst (La Cellule, t. V, p. 390; von dem Segmentalorgan 
dieses Wurmes giebt, soll das Verhalten ein anderes sein (que de 
Y Haemopis). Selbständig begrenzte Zellen findet derselbe höchstens 
am unteren Ende des Sammelgauges, in der Nachbarschaft der Blase, 



35 



Fig. 



ce 



die der eigenen Muskulatur entbehre. Sonst sollen die Drüsenzellen 
überall unter sich verwachsen sein und einen vielfach zusammenge- 
wundenen schlanken Strang bilden, der an Stelle des anfangs ein- 
fachen Ganges sehr bald deren zwei und schließlich drei in sich ein- 
schließe.« 

En relisant l'endroit cité par M. Leuckart, c. à. d. la page 390 
du tome V de La Cellule, nous trouvons: III. Nephelis. Aperçu 
nnatomique. »Les organes segmentaires sont disposés par paires sur 
toute la longueur du corps. Leur forme 
est filamenteuse d'un bout à l'autre. 
Leur portion glandulaire reste mince 
sur toute sa longueur; elle comprend 
une seule assise de cellules, circonscri- 
vant un ou plusieurs canaux longitudi- 
naux. Rien n'y rappelle le système en 
treillis de VHirudo et de V Aulostomum. 

A la page incriminée il n'est pas 
dit autre chose sur la structure; et ceci, 
nous semble-t-il ne justifie pas la de- 
scription que nous prête le professeur 
Leuckart. Mais continuons. La de- 
scription plus détaillée se trouve à la 
page 391 et les suivantes de notre mé- 
moire. Sous l'inscription: PL a glande, 
la page 391 porte: «Nous avons déjà 
remarqué que dans la Nephelis cet or- 
gane ne constitue pas un corps massif, 
comme chez VHirudo, mais qu'il prend 
la forme rubanée ou filoïde (p. 392. *^"^ [à' Jlaemopis). cl Canal latéral, 

alinéa 4). Cet organe comprend un seul ^^^ '^ ^'^'''' ^Z\^' ''^"^^ ««"^°- 
, j. r 1 11 1 , , , teur. (Gross. DD X oc. comp, 

cordon torme de cellules placées bout s = ± 450 ) 

à bout, et contenant une ou plusieurs 

cavités internes (alinéa 7). Ainsi, le ruban est une chaîne de 

cellules placées bout à bout , percées , suivant les régions , d'un seul, 
de deux ou de trois canaux internes, et dont un certain nombre 
contient des arborisations terminales se raccordant à l'un ou à ! autre 
des canaux.« A la page 396 nous lisons encore: »B. Rapports des 
cellules entre elles. Les rapports des cellules entre elles semblent 
plus simples, et leurs liens plus faibles que dans les espèces précéden- 
tes. . . . Chacune de ces cellules adhère seulement à deux cellules 
voisines par ses bouts. Cette adhérence peut être plus ou moins pro- 
fonde. Tantôt elle paraît aller jusqu'à la fusion complète des cyto- 




Fiof. 2. Tronçon du canal coUec- 



36 



plasmes, fig. 19 (ici figure 3). D'autres fois il n'y a pas fusion, et 
alors la membrane persiste entre les deux masses cytoplasmatiques, 
fig. 21 et 22" (ici fig. 4 et 5). 

D'après ces citations est-il exacte de dire que, d'après nous, »die 
Drüsenzellen« seraient »überall unter sich verwachsen«, et que nous 



Fig. 3. 




Fig. 4. 




Fig. 3. A, B, C, D, quatre cellules d'organe segmentaire de Nephelis. Entre 

B — C, et C — D, dans les sens de la longueur, c'est-à-dire en suivant le canal, on re- 

connait les limites des cellules aux élargissements infondibuliformes du canal, mais 

le protoplasme des cellules à côté de ces endroits, semble à peu près fusionné de 

2,0 
cellule à cellule. (Gross. Apochr. immers. hom. —— x oc. comp. 4 = ± 500.) 

1 ,oO 

Fig. 4. A et B , deux cellules, dont A contient une ramification terminale. 
La membrane entre AetB est très visible. (Gross, comme de la fig. 3.) 

trouvons »selbständige Zellen« . . . »höchstens am unteren Ende des 
Sammelganges, in der Nachbarschaft der Blase« ? Dans cette dernière 

Fig. 6. 





Fig. 5. A, 2J, C, trois cellules se tenant uniquement par les extrémités, et 
placés bout à bout. Aux points de soudure elles montrent nettement la membrane 

2,0 
séparatrice dee territoires de chaque cellule. (Gross. Apochr. imm. hom. r— - X oc. 

comp. 8 = ± 1000.) 

Fig. 6. Organe cilié de jeune Nephelis, vu de face. 11 contient neuf lobes. 

(Gross, tq imm. hom. + oc. ord. 2 = + 820.) 
lo 



37 

portion, les cellules ne devraient-elles se toucher du tout, d'après M. 
Leuckart? Comment, alors, un canal intracellulaire passerait-il 
d'une cellule à lautre? 

La seule explication des paroles de M. Leuckart est qu'il nous 
fait constituer la majeure partie de l'organe en syncytium, ce qui 
par les textes et par les figures est entièrement le contre-pied de ce 
que nous avons dit. 

4" Lorsque à la page 718 M. Leuckart s'occupe des organes 
ciliés de la Nephelis, nous lisons: »Bolsi us hebt hervor, daß die Zahl 
der Lappen stets unpaar sei, und ist weiter der Meinung, daß jüngere 
Würmer deren meist weniger besäßen, als ältere.« 

Comparons encore une fois l'idée que nous prête M. Leuckart 
dans le dernier membre de la phrase citée, à celle que nous avons 
émise (Les organes ciliés des Hirudinées. 1. L'organe cilié 



Fis. 7. 




Fig. 8. 




L Fig. 7. Organe cilié d'un individu adulte, vu de face. Il contient cinq lobes 

seulement. (Reconstruction d'après plusieurs coupes.) 

Fig. 8. Le même organe cilié de la figure précédente, après que la rasoir a 
enlevé les bourrelets. (Reconstruction.) 



du genre Nephelis. La Cellule, t. VII, fase. 2). Dans la »Description 
de l'organe cilié« sous 1° L'organe cilié des individus j eunes, 
on trouve: »A. De face la couronne cilié se montre assez régulièrement 
circulaire. La constitution lobée apparaît nettement, fig. 16 (ici 
figure 6). Ces lobes sont peu saillants et ciliés sur la face interne 
seulement. Chacun d'eux loge un noyau.« Et sous 2° L'organe 
cilié des individus adultes, nous lisons: »De face, sa forme est 
encore circulaire comme chez l'animal jeune, fig. 25, 26, 27 (ici figure 
7 et 8); mais elle est beaucoup plus compliquée. Les lobes ciliés 
paraissent à première vue énormément plus nombreux et plus saillants 
que précédemment. Cependant l'examen attentif et suivi des 
séries de coupes permet de reconnaître que leurnombre 



38 

n'a pas augmenté. (Nous soulignons aujourd'hui.) En effet, chacun 
des lobes primitifs s'est lui-même divisé en deux lobules très saillants. 
Les corps oblongs couverts de cils qui orne la couronne représentée 
dans les figures 25 et 27 (ici fig. 7), ne sont que les lobules nés de la 
subdivision des lobes primitifs. Ces lobules présentent toujours une 
disposition géminée bien évidente; chaque couple appartient à un lobe 
primitif et correspond à un seul noyau.« 

Les paroles de M. Leuckart: »Bolsius . . . . ist weiter der Mei- 
nung , daß jüngere Würmer deren meist weniger besäßen, als ältere«, 
et ce que nous venons de souligner dans notre citation: ». . . leur nombre 
n'a pas augmenté«, sont deux phrases qui se contredisent de la manière 
la plus formelle. 

Conclusions. Nous regrettons beaucoup que dans un livre comme 
celui de M. Leuckart, nos idées et nos résultats aient été travestis 
d'une façon si déplorable. En se fiant à de telles énoncées, les lec- 
teurs, qui ne connaissent pas les publications des auteurs mentionnés, 
auront de la peine à se former une opinion exacte sur les résultats et 
les conclusions de ces derniers. 

Collège, Oudenbosch, 7. Nov. 1894. 

2. Lobster Reproduction. 

By S. G arm an, Mus. Comp. Zool., Cambridge, Mass., U.S.A. 

eingeg. 21. November 18Si4. 

Early in the year 1890 I was asked to aid the Massachusetts State 
Fishery Commission in determining certain facts necessary in order to 
secure legislation to prevent the depletion of our fisheries. Something 
positive concerning the spawning habits and the length of time re- 
quired for the development of the embryo was most desired. The lob- 
ster was under particular consideration at the time. In relation to it, 
on the points of most importance to the commissioners, they were able 
to find nothing definite in the literature; nothig but »probably« or 
»possibly«, etc. With mere conjectures it was useless for them to try 
to get laws enacted. Arrangements were then made to keep egg- 
bearing lobsters in cages at a distance from the shore under conditions 
approximating the normal. x\fterward eggs were sent me from week 
to week for examination, record and preservation. This was continued 
more than a year. These females were finally themselves dissected, 
as also quite a number of others taken at various times. The results 
with my conclusions were set forth in the general report of the com- 
mission for 1S91 , p. 60, and were also published and distributed as a 
separate. The following will indicate some of the more important 



39 

items : »The development of the embryo in eggs laid on the seventh or 
eighth of August vras so rapid that on the third of September the eyes 
were visible as thin crescent-shaped spots. As the waters grew colder 
the progress was retarded «until the changes were very slight indeed. 
This condition was maintained throughout the Avinter, and it was only 
when the summer temperature was reached that rapidity of advance- 
ment was again to be noted. The young began to hatch on the four- 
teenth of July ; all of the eggs on a female seeming to be about equally 
advanced, the entire brood emerged at very nearly the same time. 
Examination of the ovaries, after their young had left, showed that 
the females would not have laid eggs again for a year ; that is, not be- 
fore the summer next following that in which they had hatched a 
brood. In other words , the dissections proved that the lobster lays 
only once in two years, hatching a brood one summer and laying eggs 
the next following summer for another brood. The time required in 
the development of the embryo is so long as to preclude hatching the 
eggs under ordinary circumstances during the summer in which they 
are laid. Artificial conditions might readily be brought about, by 
heating the water in Avhich specimens are kept, which would hasten 
the progress and greatly shorten the period between laying and hatch- 
ing; but normally the winter temperature induces an almost complete 
suspension of advancement.« 

Remarking on the variations to be expected on account of diffe- 
rences in temperature, in early seasons as compared with late ones, 
that might hasten or retard development, or on such modifications as 
pertain to different parts of the coasts, I continued : «Though the bulk 
of the laying or of the hatching in any particular year occurs within 
periods of two or three weeks, probably four-fifths of either is finished 
in less than a fortnight; to make allowance for the early years and for 
the late ones, and to include the early and the belated individuals, it 
becomes necessary to considerably extend the general periods. From 
all that has been gathered we may summarize as follows: 1) the female 
lobster lays eggs but once in two years, the layings being two years 
apart; 2) the normal time of laying is when the water has reached its 
summer temperature, varying in different seasons and places, the pe- 
riod extending from about the middle of June till about the first of 
September ; and 3) the eggs do not hatch before the summer following 
that in which they were laid, the time of hatching varying with the 
temperature, and the period extending from about the middle of May 
till about the first of August.« 

My publication was reprinted by Superintendant Fred Math er in 
the Twenty first (1892) Annual Report of the Fishery Commissioners 



40 

of the State of New York, p. 52, also in the Aquarium, Jan. 1894, 
p. 91, and again in the Fishing Gazetteof May 31, 1894, with references 
in each case to the original. I am pleased to see thatMr. F. H. H er rick, 
in the Zoologischer Anzeiger, No. 454, Aug. 13, 1894, p. 29, confirms 
my observations on times, rates, and on variations along our coasts, etc., 
even though he does not make it entirely clear why he should prefer 
to give the impression that my work was first published in the Aqua- 
rium of January 1894. 

3. Microcrustacea from New Mexico. 

By C. L. Herrick, Professor in Denison Univ. 

eingeg. 30. November 1894. 

The valley of the Rio Grande passes through a region which is 
by nature almost a desert, although capable of great fertility under 
irrigation. Although the year is almost rainless there are a few weeks 
during which copious showers fill such natural reservoirs as exist. In 
these pools there soon appear large numbers of Phyllopod Crustacea, 
Apus, Branchipus, ISehalia^ etc. — a fauna sufficiently known through 
the labors of Professor Packard and others. Among these types 
which are characteristic of the western plains are a few species of the 
strictly Microcrustacea which deserve special study. These are chiefly 
members of the orders Copepoda , Cladocera and a few Ostracodes. 
Although one would expect a priori a rather limited representation 
of such types, there is no lack of individuals. The numbers oî Moina 
which appear in fresh rain pools is enormous, and curiously enough, 
we find M. rectirostris , M. hrachiata and a third form either asso- 
ciated in the same pool or in adjacent waters. Moina and several 
species of Ceriodaphnia may rank with the Phyllopods as »occasiona- 
list« or desert Crustacea. We were also surprised to find in the less 
transient pools numerous examples of the American Latonopsis occi- 
dentalis Birge , which is closely allied with the Australian L. australis 
Sars. Simocephalus and Scapholeheris with Chydorus and a small 
Pleuroxis are not uncommon, but a single example of a new species of 
Daphnia almost completes the list of Cladocera so far encountered. 

The Cyclopidae are represented by C tenuicornis Claus, C. bicolor, 
C. serrulatus and C. viridis americanus Marsh. No unique species 
occur, while the Calanidae and Harpacticidae are all new. With these 
introductory words I beg to pass to the description of a few forms 
which seem worthy of present notice though all will be illustrated in 
full in the forthcoming report to the state Zoologist of Minnesota upon 
the Microcrustacea of Minnesota. 



41 

Genus Marshia^, gen. no v. • 

Allied with Attheyella. Inner branch of first foot 3-jointed, scar- 
cely elongated, barely sub-prehensile. 

Second and third feet with outer rami 2-jointed, short. Fourth 
foot with outer ramus 1 -jointed. Fifth feet 1 -jointed. Antennae 
6-jointed, the fourth joint with a slender hyaline process longer than 
the end of the antennae. Antennule without obvious palpus , prehen- 
sile. Mandi blar palp simple (?). First foot-jaw with a uniciliate tu- 
bercle-like palp. Second foot-jaw with a long claw-like apical joint. 
Antennae of the male strongly modified. Fresh or brackish waters of 
the Rio Grande valley. 

Marshia albuque?'quensis n. sp. 
(Figures 1 — 11.) 
Body with ten obvious segments , having the aspect of Cantho- 
camptus. Antennae short, 6-jointed. The proximal joint enlarged 

Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4. 





Fig. 6. 





Fig. 1. Caudal stylet of Marshia albuquerquensis , Q. 

Fig. 2. Antenna of female. 

Fig. 3. Antennule. 

Fig. 4. Feet of right and left sides of a female, the right foot anomalous. 

Fig. 5. Anterior foot-jaw. 

Fig. 6. Posterior foot-jaw. 

Fig. 7. Mandible. 

Fig. 8. Fifth foot of male. 



1 In compliment to Professor C. Dwight Marsh of Ripon, Wisconsin. 



42 

and spinojis; second joint also tumid, with three or more cilia; third 
joint longer; fourth with a long seta and a still longer flagellum; fifth 
joint very short; apical joint elongate, bearing about ten setae. An- 
tennules short, prehensile, with four geniculate setae apically and se- 
veral short spines , especially a transverse row of sharp teeth on the 
dorsal aspect. Mandibles with six sharp teeth. Anterior maxillipeds 
with a min a! 9 unisetose palpus and three processes bearing claw-like 
spines. PobLerior maxilliped with an apical claw longer than the pre- 
ceding segment. First foot with the outer ramus nearly as long as the 
inner, 2-jointed, bearing at the apex three pectinate setae. The basal 



Fig. 10. 



Fig. 11. 






Fig, 

Fig. 
Fig. 



9. Stylet of male. 

10. Fourth foot. 

11. Firstfoot. 



joint has one pectinate seta externally and a spine internally. The 
inner aspects of all the joints of both rami are spinous, the outer se- 
tose. The outer ramus of the second foot is two-jointed and has one 
pectinate seta apically , one spine internally and a spine externally, 
while the corresponding segment of the third foot has two pectinate 
setae apically, one internal seta and two external spines. 

The fourth foot has a minute one-jointed outer ramus which bears 
one long pectinate seta and a short external spine. The fifth foot seems 



43 

to consist of one piece which is armed as follows: Externally a coni- 
cal projection near the hase with a long simple seta; outer apical lohe 
(= the homologue of the second joint) with five setae, the second and 
fourth of which are pectinate and longer than the rest ; the inner api- 
cal lobe bears six (sometimes only five) setae , all but the innermost 
being pectinate. The two lobes are separated by a simple rounded 
incision and repeated examination of a number of individuals failed 
to discover any signs of division or segmentation. The abdomen is 
very slender , and , like the thorax , its segments are all ornamented 
along the caudal margin with a row of teeth. Caudal stylet two and 
a half times as long as wide , with one or two small spines externally 
at a point one-third the length from the base and one longer spine 
near the middle of the inner margin which is ciliate. The two median 
apical setae are fused at the base and the inner is three times as long 
as the outer, wich is twice as long as the stylet. The inner apical seta 
is short, the outer obsolescent. 

In the male the antennae are reduced to a thick tumid member 
with third and fourth segments greatly enlarged. The apical segment 
is furnished with three hook -like claws. Flagellum slender and of 
uniform width throughout. 

The fifth foot has on the outher apical lobe four setae and one 
spinule and on the inner lobe three non-pectinate setae. Caudal sty- 
lets greatly elongate, over four times as long as wide and nearly twice 
as long as the preceding segment. 

'^Marshia brevicaudata n.j,^. 
(Figures 12 — 15.) 

The second species of this genus at present known may be de- 
scribed comparatively. Similar to M. alhuquerquensis in most respects 
but differing at least in several obvious particulars. The caudal stylets 
are short, about twice as long as broad, the longest seta being seven 
times the length of the stylet Avhile the outer median is twice and a 
half the length. The median setae are not fused at the base as in the 
preceding species. 

In the male the proportions of the stylet are nearly the same as 
in the female but the longest seta is nine times as long as the stylet. 
The fifth foot of the female is nearly the same as in the preceding 
species, but the proportions of the setae differ. The fifth feet of the 
male closely resemble those of M. alhuquerquensis . The antennae of 
the male differ. The flagellum is shorter and davate. The swimming 
feet seem to be similar in the two species. Length of male, -56 mm;^. 



44 



length of first segment, -15 mm.; length of stylet, -04 mm; length 
of longest seta, -28 — »34 mm. 

The stylets of the female of M. albuqtierquensis measure '072 mm, 
and those of the male over -08 mm, the longest seta being -37 mm 



Fig. 12. 




Fig. 13. 




Fig. 15. 




Fig. 12. Habitus outline (camera 
lucida) of Ifarshia brevicaudata , (J. 
Fig. 13. Fifth foot of male. 
Fig. 14. Fifth foot of female. 
Fig. 15. Antenna of female. 



and -42 mm respectively. It must remain for larger experience to 
determine the value of these distinctions which rest upon comparati- 
vely few iadividuals in the case of M. brevicaudata. 



45 



Diaptomus albuquerqtiensis rv. s^. 
(Figures 16—26.) 
Species of moderate size. The céphalothorax is widest near the 
middle. The last two segments are fused and the last projects laterally 
where it is armed with two strong spines ; there is also a dorsal pro- 
tuberance from the last segment. The first abdominal segment is 

Fig. 16. Fig. 17. Fig. 18. Fig. 20. 




Fig. 


16. 


Diaptomus albicquerquensis, ' 


Fig. 21. 


Jaw. 






dorsal view. 


Pig. 22. 


Maxilliped. 


Fig. 


17. 


Lateral view of female. 


Fig. 23. 


First swimming foot 


Fig. 


18. 


Abdomen. 


Fig. 24. 


Fourth foot. 


Fig. 


19. 


Fifth foot of female. 


Fig. 25. 


Male antenna. 


Fig. 


20. 


Antennule. 


Fig. 26. 


Fifth feet of male. 



longer than the remainder and projects laterally into two strong spi- 
nes; second segment very short, invaginately concealed in the preced- 
ing. Caudal stylets short but nearly as long as the preceding segment, 



46 

ciliated on the mesial aspect, setae strongly pectinate. Antennae ex- 
tending to or beyond the end of the stylets, purple-tipped, 25-jointed. 
The antepenult joint of the right male antenna with a curved hook. 
The fifth foot of the female with very short inner ramus which is more 
or less distinctly two-jointed or simply attenuated beyond the middle, 
armed apically with two or more spines and setae. External branch 
3-jointed, third segment obvious and armed with one long and one 
shorter spine. Claw rather straight, armed for the middle third of its 
concave aspect with sharp teeth. The right fifth foot of the male has, 
on the outer ramus, a long sickle-shaped claw with few teeth or none, 
it being nearly as long as the remainder of the leg. The penult joint 
is long and bears a long thick spine which is slightly curved and may 
be dentate and is affixed at a point of the segment one fourth its length 
from the end. The basal joint of the outer ramus is very short and, 
like the next following has a lateral hyaline plate. The inner ramus 
is very short and 1-jointed. The second protopodite segment of the 
left foot is nearly as long as that of the right, the inner ramus is 
1-jointed and simply ciliate at the end. The apical segment of the 
outer ramus is acute and bears a short, ciliated , conical process and 
a minute spine apically as well as a ciliated internal lamina. The 
preceding joint also has such a lamina or a patch of short spinules 
upon a protuberance. 

Color pellucid, with purple upon the tips of the antennae and 
caudal stylets. 

Length of female, 1*4 — 1-6 mm. 

Waters about Albuquerque New Mexico very abundant. 

Diaptomus iiovomexicamis n. sp. 
(Figures 27—29.) 
A species of moderate size, rather robust, with the greatest width 
of the thorax near the middle. Last two thoracic segments distinct, 
the last with two small spines. First abdominal segment very long, 
much exceeding the remainder. Second segment short. Stylets about 
as long as the preceding abdominal segment. Antennae reflexed 
reach to the base or end of the stylets, 25-jointed. Antepenult 
«egment of right male antenna with a hyaline lamina which does not 
extend the entire length of the joint and ends in a rather short scar- 
cely hooked process distad. The outer ramus of the fifth feet is ob- 
viously three-jointed, the apical joint being small and armed with two 
subequal spines. A small spine is inserted near the base of this joint. 
The claw is curved and dentate near the apex. The inner ramus is as 
long as the basal joint of the outer ramus, 1-jointed, and armed at 



47 

the apex -with two subequal spines. The inner rami of the fifth feet 
of the male are both 1 -jointed, acute and minutely ciliated. The 
apical claw of the right foot is long and slightly curved. The acces- 
sory spine is weak and inserted one-third the length of the second 



Fig. 27. 



Fig. 28. 





Fig. 29. 




Fig. 27. Diaptomus notomexicanus. End of right male antenna. 
Fig. 28. Fifth feet of male. 
Fig. 29. Fifth foot of female. 

joint from its end. The apical joint of the outer ramus of the left 
foot is armed with a cushion of short spines and two longer ones and 
also bears a ciliated lamina internally. Length of female, 1-1 — 
1-2 mm. 



II. Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

Zoological Society of London. 

15th January, 1895. — The Secretary read a report on the additions 
that had been made to the Society's Menagerie during the month of Decem- 
ber 1894, and called attention to two Tapirs recently deposited in the So- 
ciety's Gardens, which he believed to be referable to Dow's Tapir [Tapirus 
Doivi] of Central America. — Mr. P. Chalmers Mitchell, F.Z.S., exhibited 
and gave an account of a tibia and other bones of an extinct bird of the ge- 
nus Aejjyornis from Central Madagascar , which had been lent to him for 
exhibition by Mr. Joseph H. Fenn. With these bones was associated a 
skull of a species of Hippopotamus. — Prof. G. B. Howes, F.Z.S., exhi- 
bited and made remarks on the photograph of an embryo of Ornithorhynchus. 
— The Secretary exhibited, on behalf of Mr. R. Lydekker, a life-sized 
drawing of Idiurus Zenkeri, a new and remarkably small form of Flying 
Squirrel from West Africa, recently described at Berlin. — Lord Lilford, 
F.Z.S., sent fort exhibition the skin of a Duck, believed to be a hybrid be- 
tween the Mallard [Alias hoschas) and the Teal [Querquedula crecca], that had 
been caught in a decoy in Northamptonshire. — The Rev. T. R. R. St ebb- 



48 

ing exhibited a specimen of a species of Peripalus from Antigua. — Mr. 
Frederick Chapman, F.R.M.S., gave an account of some Foraminifera ob- 
tained by the Royal Indian Marine Survey's SS. »Investigator« from the Ara- 
bian Sea near the Laccadive Islands. The author described the forms found in 
the samples sent him. As many as 277 species and varieties were enume- 
rated, some of which were new to science. Several of the species , which 
were here recorded for the first time from recent soundings , had been pre- 
vio\isly known from the Pliocene deposits of Kar Nicobar. One of the forms 
found in these recent deposits, viz., Amphistegina radiata (F. & M.), was 
described by the author as showing the presence of interseptal canals , a 
structure which had hitherto appeared to be restricted to Nummulites and 
allied forms. Examples of embryonic forms of the same species were also 
noted as being present in the peripheral chambers of the adult shell. — A 
communication was read from Mr. P. R. Uhi er containing an enumeration 
of the Hemiptera-Homoptera of the Island of St. Vincent, West Indies. This 
paper had been based on specimens submitted to Mr. Uhler by the joint 
Committee of the Royal Society and British Association for the exploration 
of the Lesser Antilles. — A communication from Mr. T. D. A. Cocker ell, 
F.Z.S., contained a description of a new species of the family Coccidae be- 
longing to Lichtensia^ a genus new to the fauna of the Nearctic Region. The 
species was named L. lycii. — Mr. S dater read some notes on the recent 
occurrence of the Barbary Sheep in Egypt. A flock of these sheep had vi- 
sited the eastern bank of the Nile above Wady Haifa in the summer of 1890. 
— A second paper by Mr. Sclater contained some notes on the recent 
breeding of the Surinam Water- Toad [Pipa americana) in the Society's Rep- 
tile-house. — P. L. Sclater, Secretary. 

III. Personal - Notizen. 

Necrolog. 

Le 16 Janvier 1895 est mort le Docteur Henri Jolicoeur médecin à 
Reims (France). Il fut un des créateurs du Musée Zoologique de Reims. Ses 
travaux personnels concernent surtout les Insectes parasites des végétaux 
cultivés. 

Bitte. 
Ich ersuche den Herrn Verfasser einer kurzen, mir am 23. Januar 
zugesandten Mittheilung über die Zähne von Myliobates, mir seine 
Adresse baldmöglichst mitzutheilen. 

J. Victor Carus. 



Drack von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jahrg. 18. Februar 1895. No. 468. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 1. Stingelin, Über die Cladocerenfauna der 
Umgebung Ton Basel. 2. Bohls, Bemerkung zur Eintheilung der Chelydidae. 3. Duncker, Variation 
und Verwandtscbaft von Pleuronectes flesus L. und PI. platessa L. 4. de Meijere, Über die Anord- 
nung der Federn der Vögel. 5. Andrews, An Amphioxus from Japan. 6. Ingenitzky, Die Odonaten 
der Collection Eversmann. 7. Boettger, Zwei neue Reptilien vom Sambesi. S. Moore, Herma- 
phroditism of Prorhynchus. A preliminary Note. 9. Graf, Über den Ursprung des Pigments und 
der Zeichnung bei den Hirudineen. II. Mittheil, ans Museen, Instituten etc. 1. Zacharias, 
Statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Großen Plöner See. 2. Deutsche 
Zoologische Gesellschaft. III. Personal-Notizen. Vacat . Litteratnr. p. 33—40. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. über die Cladocerenfauna der Umgebung von Basel. 

Von Th. Stingelin, Basel. 
(Vorläufige Mittheilung.) 

eingeg. 27. November 1894. 

Im Januar 1893 begann ich sämmtliche Wasseransammlungen 
der Umgebung von Basel, die ich überhaupt ausfindig machen konnte, 
auf ihren Cladocerenbestand zu untersuchen. Diese Nachforschungen 
sind im Herbst 1894 zu ihrem Abschlüsse gelangt und haben nun eine, 
für unsere, an stehenden Gewässern ziemlich arme Gegend, erstaun- 
liche Zahl von Arten ergeben. Nicht weniger als 68 Arten sind in 
diesem kleinen Gebiete zu Tage gefördert worden, worunter eine An- 
zahl neuer Formen , welche ich mit folgenden Namen belegt habe : 
Daphnia Hellichii.i Daphiia Jurinei, Daphnia rectifrons, Ceriodaphnia 
Kurzii^ Bosmina pellucida., Bosmina pelagica., Alona Ricliardii. 

Die cosmopolitische Verbreitung der Cladoceren wird besonders 
beleuchtet durch den Fund des 1879 von Birge in America entdeck- 
ten Crepidocercus setiger Birge in einem Tümpel bei Michelfelden 
unterhalb Basel. Auch die von Matile 1891 für exquisit russisch er- 
klärte Art: Pleur oxus griseus Fischer ist in der Schweiz vorhanden. 

Von den selteneren hier gefundenen Arten nenne ich : Daphnia 
Schödleri Sa.rs ; D. caudata Sars; D. ky alina heyàig', Holopedium gibhe- 

4 



50 

rum Zaddach; Ceriodaphnia quadrangula O. Fr. Müller; C rotunda 
Strauss; Bosminaholiem,ica^^^\c\v\ Latlionura rec^eVos^m O.F.Müller; 
Macrothrix hirsuticornis Normann ; M. rosea Jurine ; Streblocerus serri- 
caudatus Sars ; Ilyocryptus sordidus Lièvin ; Alonopsis elongata Sars ; 
A. latissima Kurz ; Alona intermedia Sars ; A. pulchra Hellich ; A. co- 
ronata ì^urz ; P/euroxus hastatus Sars \ C/tydorus ovalis "Kniz. Cìiydo- 
rus caelatus Schödler habe ich aus ganz bestimmten Gründen wieder 
mit Chydorus sphaericus O. F. Müller vereinigt. 

Bei dem bloßen faunistischen Nachweise der hier vorkommenden 
Arten ließ ich es aber nicht bewenden. Mein Bestreben war vielmehr 
biologische Resultate zu gewinnen, und es ist klar, daß ich dazu nicht 
durch bloß vorübergehendes einmaliges Nachsuchen in den einzelnen 
Gewäosern gelangen konnte , sondern daß nur ein oft wiederholtes, 
längere Zeit fortgesetztes Beobachten bestimmter Arten ein und des- 
selben Fundortes in dieser Hinsicht von Erfolg sein konnte. Ich 
durchsuchte darum allmonatlich, Sommer und Winter eine Anzahl 
kleinerer isolierter Wasserbecken, die nur einige wenige Arten, diese 
aber in um so reicherer Menge enthielten. Auf diese Weise gelangte 
ich allmählich zu zahlreichen biologisch werthvollen Thatsachen. 

Vor Allem war es der Eintritt der Sexualperioden, das Auftreten 
der Männchen und der Dauereierweibchen bei den verschiedenen 
Arten, denen sich meine Aufmerksamkeit zuwandte. Von der Mehr- 
zahl der Arten Avurden mir darum die Männchen bekannt, haupt- 
sächlich aber diejenigen der Lynceiden. Neu das Männchen von Alona 
intermedia Sars. Die Arten des Genus Simocephalus, ferner diejenigen 
der Familien ^05mm«V/ae , Lyncodaphnidae una. Ly7iceidae fand ich wäh- 
rend des ganzen Winters mehr oder weniger zahlreich. Es waren zu- 
meist nur die Ephippien tragenden Genera Daphnia, Ceriodaphnia, 
Scapholeberis und Moina, deren Vertreter gänzlich verschwanden. 

Auch von der Localvariation verschiedener Arten konnte ich 
mich überzeugen und zwar besonders an Material, das mir aus ent- 
fernteren Gegenden zur Verfügung stand. Mehrfach hatte ich auch 
Gelegenheit zu constatieren, wie in bestimmten Gewässern zu ver- 
schiedenen Zeiten ganz verschiedene Arten dominieren können. 

Formen, welche im Sommer 1893 einzelne Weiher gänzlich er- 
füllten, waren im Sommer 1894 total verschwunden und an ihre Stelle 
waren neue Arten, ganz anderer Genera, in ebenso großer Individuen- 
zahl aufgetreten. 

Zu diesen biologischen Factoren hat sich nun in diesem Jahre 
noch ein neuer gesellt, der bisher noch nie Berücksichtigung gefunden 
hat , und der seinen Einfluß bis auf die Systematik geltend machen 
wird. Zu Anfang dieses Jahres hat bereits O. Zach arias (in seinen 



51 

Forschungsberichten aus der Biolog. Station Plön II. Bd.) in Kürze 
auf einige beobachtete Formveränderungen bei Hyalodaphnia und 
Bosmina coregoni hingewiesen. Ich entdeckte nun auf Grund der 
allmonatlichen Beobachtung bestimmter Formen derselben Fundorte, 
bei Daphnia pulex De Geer, Bosmina cornuta Jurine, und Ceriodaph- 
nia pulchella Sars , einen deutlichst ausgesprochenen Saisonpoly- 
morphismus, in Folge dessen die Gestalt der betreffenden Arten in 
Größe und Form dermaßen verändert wird , daß , hätte ich die Über- 
gangsreihen nicht zusammenstellen können, ich die beiden extremsten 
Formen für total verschiedene Arten gehalten haben würde. 

Im speciellen Theile meiner Arbeit gedenke ich den biologischen 
und morphologischen Bemerkungen bei jeder Species eine ausführ- 
lichere, der vollständigen Bestimmung genügende Diagnose voraus- 
zuschicken, indem ich darin ein allgemeines Bedürfnis zu erkennen 
glaube. Denn in der bisherigen Litteratur treten uns entweder bloß 
sehr lange ausführliche Beschreibungen oder nur kurze für die heuti- 
gen Ansprüche ungenügende Diagnosen entgegen, was beides dazu 
führt, die ohnedies schon schwierige Bestimmung noch erschweren zu 
helfen. Neue morphologische Details , insofern sie systematisch ver- 
wendbar, sollen der Diagnose direct eingeschaltet, andere eingehend 
beschrieben und gezeichnet werden. 

Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß ich die von Metschnikoff 
1884 für einige Daphnoidenarten beschriebenen Sproßpilze, bei den 
Vertretern zahlreicher Genera vorfand. Die von Schneid er (1873) auf- 
gefundenen und von H allez (1879 fälschlicherweise als Krystalloïde 
gedeuteten Parasiten der Turbellarien , habe ich nun auch an zwei 
verschiedenen Fundorten im Darme von Bosmina longirostris O. F. 
Müller und von Bosmina pelagica nov. spec, entdeckt. (Näheres darüber 
findet sich bei O. Fuhrmann: Die Turbellarien der Umgeh ung 
von Basel, Revue suisse de zoologie, t. IL 1894.) 

Meine Arbeit gedenke ich zu Anfang des nächsten Jahres zu ver- 
öffentlichen. 

Basel, den 26. November 1894. 

2. Bemerkung zur Eintheilung der Chelydidae. 

Von Dr. J. Bohls, Hamburg. 

eingeg. 2. December 1894. 

Aus dem nördlichen Theile Paraguays habe ich eine Schildkröte 
mitgebracht, deren Merkmale mit denen der Gruppe Rhinemys, 
Hydraspis, Platemys aus der Familie der Chelydidae übereinstimmen, 
und die ich auch ohne Weiteres zu Hydraspis gestellt haben würde, 
wenn nicht zwei von Boulenger als Gattungscharaktere angegebene 

4* 



52 

osteologische Verschiedenheiten sich fänden. Es ist das erstens die 
Zahl der Neuralplatten und zweitens der Ansatz der vom Hinterrande 
der Brücke abgehenden Strebepfeiler »inguinal buttresses« an das 
Rückenschild. 

Es finden sich bei meinem Exemplar nicht sechs Neuralplatten, 
-wie es für Hydraspis angegeben ist, sondern sieben. Die ersten sechs 
dieser Knochen sind geformt und gelagert, wie es »Catalogue of the 
Chelonians« p. 221 für Hydraspis hilarii abgebildet ist; der siebente 
Knochen ist da eingeschoben, wo sonst die Nahtlinien der sechsten 
und siebenten Costalplatte in der Medianlinie zusammenstoßen wür- 
den (siehe Abbildung). Ist nun Gewicht auf das Vorhandensein dieses 
siebenten Neurale zu legen ? 

Nach Bou lenger 's Catalog ja, gerade für die Chelydidae wird 
die Zahl der Neuralia als Gattungsmerkmal vorangestellt ; den drei 

australischen Gattungen und der südameri- 
canischen Plateniys fehlen diese Knochen 
überhaupt; bei den noch übrigen vier süd- 
americanischen Geschlechtern finden sich 
W.Ncuraipi. ^^^ Rhinemys vier, bei Hydraspis sechs, bei 
Chelys und Hydromedusa sieben Neuralia. 
Strauch, der nächst Boulenger wohl der 
beste Schildkrötenkenner ist, scheint diesen 
osteologischen Verschiedenheiten nicht die 
gleiche Bedeutung beizulegen; in seinem Ver- 
zeichnis wird Hydraspis wieder zu Platemys gezogen , ohne daß ein 
Grund hierfür angegeben wird. Hier im Hamburger Museum finde ich 
ein Skelet einer Hydraspis (wahrscheinlich hilarii). das zwar auch sechs 
Neuralia hat, jedoch sind die letzten Platten von denen der Abbildung 
des »Catalogs« in Form und Lagerung ganz verschieden. 

Auch der Ansatz der »inguinal buttresses« an das Rückenschild 
liegt bei meinem Exemplar nicht auf der fünften Costalplatte, wie 
Boulenger für Rhinemys^ Hydraspis und Platemys angiebt, sondern 
weiter hinten ; es verwachsen diese Knochen mit der fünften und 
sechsten Costalplatte. 

An der Hand größeren Materials wird nun nachzuprüfen sein, ob 
die angeführten osteologischen Kennzeichen bei den einzelnen Arten 
wirklich constant sind, wie es im Catalog des britischen Museums an- 
genommen ist, oder ob dieselben variabel sind. 

Die aus Paraguay stammende Schildkröte, welche ich mehrmals 
im Aquidaban, Tagatiya und anderen linken Nebenflüssen des Para- 
guaystromes beobachtet habe, ist eine neue Art; ich nenne sie 
Hydraspis Boulengeri. Leider ist nur der Panzer und der Schädel in 




53 

meinem Besitz; es war mir nicht möglich, das Thier selbst zu fangen, 
weil ich nur bei Hochwasser die Flüsse befahren konnte, und dann ist 
die ungemein scheue Schildkröte nicht zu erwischen. Man sieht sie 
einen oder einige Fuß über dem Wasserspiegel auf solchen Baumästen 
oder -wurzeln liegen, die schräg genug in 's Wasser hineinragen, um 
ein Erklettern zu ermöglichen. Es macht den Eindruck, als wenn sie 
schliefe , doch muß man sich zu seinem Leidwesen überzeugen , daß 
dem nicht so ist; nähert sich das Boot auch ganz geräuschlos, stets 
plumpt die Schildkröte in's Wasser, bevor man nur Miene machen 
konnte , zuzugreifen. Das einzige Mittel , ihrer habhaft zu werden, 
besteht darin, die zur Trockenzeit im Flußbett zurückgebliebenen 
Tümpel nach ihnen abzusuchen. 

Hydraspis Boulengeri n. sp. Rückenschild ohne Kiel; Horn- 
schilder ohne concentrische oder radiäre Sculptur; in der Vertebral- 
region und auf dem Kopfe niedrige, unregelmäßige Tuberkeln. Vor- 
derrand des Brustschildes fast doppelt so breit wie der Hinterrand. 
Oberseite dunkel, fast schwarz; Unterseite gelb, ohne eine Spur von 
schwarzen Flecken. (Grüne Färbung einzelner Partien herrührend von 
Algenthallus , der zwischen Hornschild und Knochenplatte wuchert.) 
Im Übrigen dieselben Charaktere, wie sie Boulenger für H. Jdlarii 
angegeben. Länge der Schale 34 cm. 

3. Variation und Verwandtschaft von Pleuronectes flesus L. und 
PI. platessa L 

Vorläufige Mittheilung. 
Von Georg D u n c k e r , Kiel. 

eingeg. 4. December 1894. 

Eine jetzt vollendete Untersuchung über »Variation und Ver- 
wandtschaft von Pleuronectes flesus L. (Flunder) und PI. platessa Tu. 
(Scholle)«, welche äußerer Umstände halber nicht vor dem Sommer 
nächsten Jahres erscheinen kann, hat mich zu einigen Resultaten ge- 
führt, die ich an dieser Stelle vorläufig mitzutheilen mir erlauben 
möchte. 

Die unter Leitung der Herren Prof. Dr. Fr. Heineke auf Hel- 
goland und Prof. Dr. K. Brandt zu Kiel mittels der Heincke'schen 
Methode vollzogene Untersuchung erstreckte sich auf 209 Flundern 
von den Fundorten Königsberg, Greifswald, Niendorf (an der Lübecker 
Bucht), Kiel, Helgoland, Cuxhaven und der Unterelbe, sowie auf 
2 1 3 Schollen von Greifswald, Niendorf, Kiel, dem Kattegat und Hel- 
goland. Es ergab sich dabei Folgendes : 

1 Eine allgemeine Variation sämmtlicher untersuchten (3 6) Merk- 
male. 



54 

2) Zur Artunterscheidung sind nur neun dieser Merkmale zu ver- 
wenden, nämlich die Wirbelzahlen des flossenfreien Schwanzstieles, 
des flossentragenden Schwanzabschnittes und der Bauchhöhle , die 
Wirbelsumme, die Zahl der Reusenfortsätze am vorderen Kiemen- 
bogenpaar, die Zahl der A.- und D. -Strahlen und die Gestalt (relative 
Länge und Höhe) des Schwanzstieles ; zur Varietätenunterscheidung 
kommen noch zwei weitere Merkmale, die relative Körperhöhe und 
Kopflänge, in Betracht. 

3) Von allen Fundorten lassen sich besondere Localvarietäten 
unterscheiden ; dieselben sind um so deutlicher gegen einander abge- 
grenzt, je weiter ihre Fundorte von einander entfernt liegen. 

4) Besonders groß ist der Unterschied der aus einem und dem- 
selben Hauptmeeresgebiet (Nordsee, Kattegat, Ostsee) stammenden 
Formen gegenüber solchen aus einem anderen. 

5) Die Ostseevarietäten der Fl und er unterscheiden sich von denen 
der Nordsee durch größere Wirbelzahl, weniger Reusenfortsätze, 
weniger Strahlen in der A. und D. , einen gedrungeneren 
Schwanzstiel, größere Körperhöhe und rauhere Beschuppung. Am 
extremsten sind diese Eigenschaften bei der Königsberger Form ent- 
wickelt; den unter einander sehr ähnlichen Nordseeformen stehen 
nicht die Exemplare der westlichen Ostsee, sondern die aus dem 
Greifswalder Bodden stammenden am nächsten! 

6) Die Ostseevarietäten der Scholle unterscheiden sich von denen 
des Kattegats und der Nordsee durch geringere Wirbelzahl, weni- 
ger Strahlen in der A. und D., einen schlankeren Schwanzstiel 
und dadurch, daß sämmtliche Männchen eine oft sehr ausgedehnte 
ctenoid e Beschuppung aufweisen. Bei den Weibchen sind ctenoide 
Schuppen selten und ausschließlich auf die Strahlen der D. und A. be- 
schränkt. Auch hier ähnelt die Greifswalder Form unter denen der 
Ostsee am meisten den Exemplaren der Nordsee. 

Diese Befunde widersprechen einerseits der von Petersen^ auf- 
gestellten Hypothese, nach welcher in der Ostsee keine Schollen ge- 
boren werden , sondern solche nur vom Kattegat her einwandern 
sollen; andererseits bestätigen sie die mir erst jetzt bekannt gewordene 
Entdeckung Holt' s2, daß sowohl PI. ßesus , wie PL platessa in der 
Ostsee besondere Varietäten bilden, die sich beide durch eine rauhere 
Beschuppung vor den aus der Nordsee stammenden Exemplaren aus- 



1 Spaed E.ödspaetdeyngel finder ikke i Oestersön? in: Danske Fiskeriforenings 
Medlemsblad No. 43. 

2 On a dwarf Variety of the Plaice [Fleuronectes platcssa L.), with some remarks 
on the occasional ciliation of the scales in that species, in: Journal of the Marine 
Biological Association. N. S. Vol. III. No. 3. p. 194—200. Plymouth, October 1894. 



55 

zeichnen. Holt beobachtete ebenfalls, daß die letztere bei P/. pla- 
tessa fast gänzlich auf die Männchen beschränkt ist. 

Die Kattegatform unterscheidet sich von der Helgoländer haupt- 
sächlich durch die große Körperhöhe und die so sehr geringe Kopf- 
länge. Der größere Theil der Kattegatmännchen besitzt Ctenoidschup- 
pen, jedoch nur auf den Strahlen der D. und A. und dem Kopf, während 
diese bei den Helgoländer Männchen, sofern überhaupt vorkommend, 
fast stets auf die genannten Flossenstrahlen beschränkt bleiben. 

7) Die Variation beider Arten ist bei ihren Ost- und Nordseefor- 
men gleich gerichtet hinsichtlich der Strahlenzahl der A. und D. 
und der Beschuppung, entgegengesetzt hinsichtlich der Wirbel- 
zahlen und der Gestalt des Schwanzstieles. Die Variation bewirkt, wie 
mittels zweier Methoden zahlenmäßig nachgewiesen wird, daß beide 
Arten in der Ostsee gegen einander convergieren , in der Nordsee 
divergieren ; beträgt ihr Unterschied in der Ostsee vier , so ist er in 
der Nordsee fünf. Von denjenigen Localformen beider Arten, die von 
gleichen Fundorten untersucht werden konnten , stehen sich die der 
westlichen Ostsee (Niendorf und Kiel) am nächsten; doch nähert sich 
die Königsberger Flunder dem Schollentypus noch mehr, als die der 
eben genannten Fundorte. 

8) Es folgt daraus, daß zwei Arten an verschiedenen 
Fundorten verschieden nahe mit einander verwandt sein 
können. 

9) Der nahe Verwandtschaftsgrad von PL flesus und PI. platessa 
in der westlichen Ostsee wird bestätigt durch das Vorkommen einer 
fruchtbaren Mittelform, des PI. pseudoflesus Gottsche , in Kiel und 
Niendorf. Es wurden sieben Exemplare untersucht, welche z. B. die 
Lücke, die zwischen dem Variationsgebiet der Wirbelsummen der Flun- 
der (33 — 37) und dem der Scholle (41 — 45) besteht, genau ausfüllen 
(38 — 40). Ebenso verhielten sie sich bezüglich der übrigen artunter- 
scheidenden Merkmale und der Beschuppung. Es ist zweifelhaft, ob 
diese Form eine Kreuzung , wie es die Ansicht der Fischer ist , oder 
eine echte Mittelform darstellt, was Möbius undHeincke^ anzu- 
nehmen geneigt sind. Der »Blendling« scheint in der Nordsee nicht 
vorzukommen, während er unter diesem Namen den Fischern in Kiel 
und Niendorf wohl bekannt ist. In diesem Falle und sofern die An- 
sicht von Möbius und Heincke richtig ist, wären PI. flesus und 
PI. platessa in der Nordsee zwei Arten, in der Ostsee gut 
getrennte Varietäten einer Art. Noch wahrscheinlicher ist letz- 
teres Verhältnis im nördlichen Eismeer, wo PI. glacialis (EkstrÖm 



3 Die Fische der Ostsee. Berlin 1883. p. 92. 



56 

und Smitt^) , eine von Tl. pseudoflesus durch nur wenig geringere 
Strahlenzahl und etwas abweichende Beschuppung anscheinend ver- 
schiedene Form, den Übergang unserer beiden Arten vermittelt. 

Bezüglich der tabellarischen Belege des hier Mitgetheilten , der 
genauen Beschreibung der einzelnen Localformen und vieler morpho- 
logischer und biologischer Einzelnheiten muß ich auf die Arbeit ^ selbst 
verweisen. 

Kiel. 

4. Über die Anordnung der Federn der Vögel. 

Vorläufige Mittheilung. 

Von Dr. J. C. H. de Meijere, Amsterdam. 
Assistent am Zoologischen Laboratorium zu Amsterdam. 

eingeg. 14. December 1894. 

Indem ich hoffe, bald eine ausführlichere Arbeit über die Federn 
veröffentlichen zu können, sei es mir erlaubt, an dieser Stelle die 
Hauptresultate mitzutheilen, welche mir eine Untersuchung lieferte, 
die hauptsächlich die Anordnung der Fadenfedern berücksichtigte. Es 
ergab sich zunächst, daß diese Gebilde weit zahlreicher und verschie- 
denartiger sind, als es die bisherigen Anschauungen vermuthen lassen, 
welche noch meistens auf Nitsche's Mittheilungen beruhen; die 
meisten dieser Fadenfedern sind sehr winzig, und nur mit Zuhilfe- 
nahme des Mikroskops nachweisbar. Zweitens kommen sie nicht nur 
neben Contourfedern , sondern auch neben echten Dunen vor, es 
mögen diese zwischen den Contourfedern oder auf den Rainen stehen. 
So zeigten sich im Allgemeinen über den ganzen Körper der Vögel 
hinweg Gruppen von Federn, in welchen je eine Mittelfeder excessi ver 
entwickelt ist. Im einzelnen Falle (bei Strix flammea) ließ sich ein 
Zusammenhang solcher Federgruppen mit den Fußschuppen deutlich 
nachweisen, indem hinter jeder Schuppe drei Federn vorhanden waren. 

Der Bau der Fadenfedern und die Thatsache ihres Vorkommens 
neben den Dunen veranlaßte mich zu dem Schlüsse, daß in einem 
gewissen Stadium in der Entwicklung des Vogeltypus die Körperbe- 
kleidung aus alternierenden Gruppen von einander ähnlichen Federn 
bestand, deren langer Schaft zweizeilig angeordnete Aste trug, welche 
ihrerseits mit Nebenstrahlen besetzt waren. Letztere bestanden je aus 
einer Reihe von Zellen, welche am Ende ein Paar Wimperchen auf- 
wiesen. In späteren Zeiten bildeten sich mehr und mehr die Mittel- 
federn der Gruppen auf Kosten der anderen aus, so daß von letzteren 

4 Scandinavian Fishes. 2nd ed. 1893. p. 404 fi". 

5 Dieselbe wird voraussichtlich Sommer 1895 im zweiten Heft der »Wissen- 
schaftlichen Meeresuntersuchungen«, herausg. von der Kieler Comm. z. wissensch. 
Unters, d. deutsch. Meere, erscheinen. 



57 

jetzt nur noch die Reste als Fadenfedern vorhanden sind. Die Mittel- 
federn selbst wurden entweder zu echten Contourfedern , indem ihre 
Wimpern in Häkchen umgebildet wurden , oder es wurden echte Du- 
nen dadurch, daß 1) ihre Nebenstrahlen relativ schwächer und zahl- 
reicher wurden , und ihre Zellen verschiedenartige Modificationen er- 
litten, 2) ihr Schaft bedeutend schwächer und kürzer wurde. 

Wo wir jetzt sehr kurzschäftige, bezw. doldenförmige Federn fin- 
den (z.B. viele ersten Dunen bei Carinaten, und ich möchte dies auch 
für die Pinseldunen des Embryonalgefieders gelten lassen) haben wir 
es mit reducierten langschäftigen Federn zu thun. Welche Form die- 
ser langschäftigen Urfeder vorangieng, darüber wissen wir zur Zeit 
nichts Gewisses. Ich kann mich wenigstens nicht mit Ficalbi^ ein- 
verstanden erklären, wenn er die Borstenhaare an der Brust des Trut- 
hahns als eine solche Vorstufe betrachtet. 

5. An Amphioxus from Japan. 

By E. A. Andrews, Baltimore. 

eingeg. 14. December 1894. 

Through the kindness of my friend Dr. S. Watase of the Uni- 
versity of Chicago I have been enabled to examine six very well pre- 
served specimens of a lancelet found in Japan. 

These specimens were collected by Professor S. Hatta, of the 
Nobles' School in Tokio, during April 1893 at Shikajima near Fukuoka, 
Province of Chikuzen, and were sent by Professor Mitsukuri of the 
Tokio University. 

Regarding the discovery of Amphioxus in Japan Professor Mit- 
sukuri writes as follows: »In the Summer of 1881 when a party of 
naturalists consisting of Professor Mitsukuri, Mssrs. Ishikawa, 
H a mi g and others went to Tomo, Bingo, one of the members of the 
expedition, Mr. Ishikawa, discovered larvae oi Amphioxus amongst 
the material obtained by surface collecting. In the same year Mr. 
Matsubara dredged ^mp/MOicws off the coast of Buzen (in the western 
part of Japan , on the island of Kiu-shiu) . Three or four years ago 
Mr. H. Nakagawa, now Professor in the Higher Middle School of 
Kumamoto , dredged several Amphioxus at Shigashima in the neigh- 
borhood of Fukuoka, in the Province of Chikuzen (Kinshin). This 
place has since become the most reliable location for getting Aììi- 
phioxus in Japan '.« 



1 Atti della Soc. Tose, di Scienze Nat. Pisa. Voi. XI. 1891. p. 227. 
^ Quite recently Mr. Nakagawa has discovered another locality still more 
favorable for obtaining Amphioxus: Gosho no Ura in the Amakusa Sea, Kiu-Siu. 



58 

An examination of sections of some of the above six specimens 
sent from Japan shows that they agree closely in their general anatomy 
with the common Amphioxus of Europe, the form known as Branchio- 
stotnum lanceolatum. Though thus agreeing in internal structure and 
presenting no new anatomical aspects of interest as far as observed 
they differ in external characters and are undoubtedly specifically 
distinct. The general outlines and proportions of the body and fins, 
the number and arrangement of the muscle segments, which deter- 
mines the relative positions of anus and atriopore , and length of tail 
are the characters commonly regarded as of systematic value and it 
is in these that the Japanese form does not agree with the Euro- 
pean. 

Upon such characters a number of more and less satisfactory spe- 
cies have been based, often enough from dead specimens poorly pre- 
served. Accepting these for the present, in the absence of better, we 
may summarize the characters of the lancelets thus far described by 
means of the following table. 

1) Branchiostomum lanceolatum 36-14 

2) » caribaeum 35-14 

3) » cultellum 32-11 

4) » hassanum 44-14 

5) » Belcheri 37-14 

6) » elongatum 49-18 

7) » californiense 44-16 

8) » pelagicum 36? • 16? 

9) Asymmetron lucayanum 44 • 9 
In this table the first column of figures indicates the number of 

muscle segments anterior to the atriopore ; the second the number be- 
tween the atriopore and the anus; the third the number posterior to 
the anus, that is in the tail. These three colums thus serve to indicate 
the relative lengths of the three main divisions of the body as well as 
to state the actual number of segments in each; from them we may 
judge what the general aspect of a species will be , whether with a 
short tail , a long trunk or with closely approximated atrial and anal 
openings etc. The fourth column represents the average number in 
the entire animal: it is not always the sum of the preceeding three 
columns though it would be so in any particular animal. The last 
column gives the entire length, on the average. 

The six lancelets from Japan have each sixty-four segments, of 



12—61. 43 mm 

9—58. 43 » 

10—52. 23 » 

17—75. — » 

14—65. 65 » 

12—79. 60 » 

9—68. 70 » 

15—67. 10 )) 

13—66. 13 » 



The probabilities are therefore that the lancelet is found in all favorable localities 
in the southern part of Japan. (Aug. 1894. K. Mitsukuri.) 



59 

which thirty-seven are anterior to the atriopore , sixteen between the 
atriopore and the anus and eleven posterior to the anus. These num- 
bers were found to be the same on the right and on the left in each 
case. The length of the specimens was 35-5 mm, 45 mm, 29'5 mm, 
45 mm, 31 mm and 46 mm in the six specimens: that is an average of 
39 mm nearly. As far as can be judged from these specimens the for- 
mula for the species would thus be: 37 • 16 • 11 — 64, 39 mm. 

This we see does not agree with that of any of the known forms, 
but we need not conclude that it is new on that account since the for- 
mulas are but approximately accurate. They are averages, often from 
only a very few specimens and the actual numbers may vary consider- 
ably in a given species. Thus in B. cultellum Willey^ counted 
32 . 12 • 8 — 52 and 33 • 11 • 11 — 55 and again in some cases a total 
of 54. Then again the errors in counting are large owing to the 
difficulty'of locating the atriopore and anus accurately and to the diffi- 
culty in seeing the boundaries of the last segments. 

The entire number of segments in the Japanese specimens is al- 
most the same as in the formula for B. Belcheri while the number in 
the anterior region is thirty seven in each case : there is thus a closer 
agreement here than with any other species. We know, unfortunately, 
very little of this B. Belcheri. Günther counted 37 • 14 • 13 — 64 in 
specimens from Borneo and 37 • 14 • 14 — 65 in others from Prince of 
Wales Islands : the former thus agree more closely with the Japanese 
form as far as these numbers are indications. The other characteristics 
of B. Belcheri as given by Gray and by Günther do not add very 
much to our knowledge of this species. The original description by 
Gray, in 1847, gives but a faint idea of the creature. He says it is 
very much like Amphioxus lanceolatus, but thinks it more convex on 
the sides, with the dorsal fin higher and with more numerous septa. 
In 1884 Günther described it as »very similar to but more elongated 
than B. Icmceolatum and the fins instead of being dilated behind gradu- 
ally decrease in width towards the extremity of the tail«. 

In the Japanese specimens, however, the fins are not like this 
but rather markedly dilated. The dorsal fin is much more suddenly 
dilated at a point vertically above the anus than in B. lanceolaium. 
The ventral fin is dilated much as in some specimens oî B. lanceolatum 
from Sicily. This dilatation of the fins, however, can scarcely be relied 
upon as of enough value to exclude the Japanese specimens from the 
species B. Belcheri, for in another form, the B. californiense from Cali- 
fornia, the tail fins present very difi'erent amounts of expansion in dif- 
ferent specimens preserved by different methods. It may then be that 

2 Quart. Journ. Micr. Sc. January 1894. 



60 

the expanded fins are due to better methods of preservation ; the speci- 
mens of B. Belcheri not being, in all probability, prepared for histo- 
logical study. 

As far as the evidence allows we may then, provisionally, decide 
that the Japanese Amphioxus belongs to the species known as Bran- 
chiostomutn Belcheri. The geographical distribution of this species favors 
this conclusion since we may easily suppose it extended from Borneo 
to Japan as it is already known South to the Prince of Wales Islands 
and is thus of wide distribution. 

In concluding that the lancelet of Japan is probably Branckiostomurn 
Belcheri we cannot but emphasize the fact that the systematic know- 
ledge of this group is in a very unsatisfactory state and that a complete 
revision is much to be desired ; in fact it is almost necessary before 
any permanent value can be assigned to specific determinations. Re- 
cognizing the inadequacy of characters drawn from preserved speci- 
mens, even when they are well preserved, we must hope that a new 
study of living specimens in various regions will lay the foundation 
for a true conception of the classification, variation and geographical 
distribution of the Acraniates. Nowhere could this be begun better 
than in Japan by Japanese students. 

6. Die Odonaten der Collection Eversmann. 

Von Iwan Ingenitzky, St. Petersburg. 

eingeg. 14. December 1894. 

Kürzlich glückte es mir, durch Zufall, den Theil der entomologi- 
schen Collection des berühmten Kenners der Fauna Rußlands aus- 
findig zu machen, welcher für verloren galt, da der Liebhaber Kire- 
j eff , in dessen Besitz die Sammlung übergegangen Avar, im türkisch- 
serbischen Kriege ums Leben gekommen ist. 

Die, der Zeit und den Umständen nach, im Ganzen noch recht 
gut conservierte Sammlung besteht aus neun großen Kästen in Qua- 
dratform, von denen drei Netzflügler im engeren Sinne enthalten, die 
übrigen sechs dagegen Libellen in mehr als 400 Exemplaren (442). — 

Alle zehn von Eversmann beschriebene Typen ^, gleich wie 
auch die in seiner Übersicht 2 und den Arbeiten von Selys-Long- 
champs'* und Hagen^ erwähnten Libellenarten sind in dieser Col- 



' Libellulinarum species novae, quas inter Wolgam fluvium et montes Uralenses 
observavit Dr. E. Eversmann. Bulletin de la Société Impériale. 

2 Insecta Wolgam fluvium inter et mont. Ural observata 1836. 

3 »Revue des Odonates.« 1850. 

* »Die Odonaten-Fauna des russischen Reichs.« Entomol. Zeitung 1856. 



61 

lection vertreten und mit von E versmann' s Hand geschriebenen 
Etiquetten versehen , welche zumeist Zeit und Ort des Fundes an- 
geben. 

Bei einigen Exemplaren finden sich größere Zettel mit meist la- 
teinisch, seltener deutsch abgefaßten Beschreibungen. 

In seinen zwei Abhandlungen im Bull, de la Soc. Nat. de Moscou 
1835 u. 41 giebt Eversmann eine mehr oder weniger ausführliche 
Beschreibung bloß von zehn Arten, die er für neu hält, während die 
übrigen von ihm in der Litteratur erwähnten Abarten der Libellen nur 
kurz aufgezählt werden , ohne jeden Hinweis auf Ort und Zeit ihres 
Fundes und die Überschrift ganz allgemein gehalten ist: »Die von 
mir zwischen dem Ural und der Wolga angetroffenen Libellen.« Dieser 
Maugel an einer detaillirten Ortsangabe spricht sich auch in sämmt- 
lichen, über die Libellen-Fauna des europäischen Rußlands handeln- 
den Arbeiten russischer und ausländischer Gelehrten aus: bei Hagen, 
Selys, Uljanin, Iwanoff, Rodzianko u. a. finden wir nur all- 
gemeine Angaben, wie z. B. »Russie méridionale«, »entre le Volga et 
rOurabf, »Gouvernement Kasan«, während doch, wie sich aus den Eti- 
quetten ergiebt, die Sammlung nicht nur Libellen aus Kasan, Spassk, 
Zarevokokschaisk, Ssarepta, Ssimbirsk, Orenburg, Astrachan und an- 
deren Ortlichkeiten des südöstlichen, europäischen Rußlands enthält, 
sondern auch solche vom Kaukasus (darunter eine sehr seltene, bis 
jetzt noch unbekannte Abart der russischen Fauna Zee. caerulescens F.), 
aus Kiachta etc. 

Ein so reiches und genavi rubriciertes Material wird es möglich 
machen in den Wirrwarr und die Unklarheit dieser Fauna einiges 
Licht zu bringen, ganz abgesehen von den Arten, welche noch nir- 
gends veröffentlicht worden sind. Schon der erste Blick in die Col- 
lection gestattet uns die Behauptung, daß darin gegen acht bis neun 
solcher Arten, namentlich kleiner, zur Gruppe Lestes und Agrion ge- 
hörender Libellen, enthalten sind. Die Zahl sämmtlicher in der Col- 
lection vertretenen Arten beträgt wohl nicht weniger als 54. — Gegen- 
wärtig befindet sich diese Collection im Besitze des zoologischen Cabi- 
netts des St. Petersburger Forst-Instituts, und ist von mir in Bearbei- 
tung genommen. Über die Ergebnisse meiner Forschungen hoffe ich 
im nächsten Hefte der Abhandlungen der russischen entomologischen 
Gesellschaft detaillierte und genaue Mittheilungen zu veröffentlichen. 

Die Echtheit der Handschrift E versmann's, von der ich oben 
erwähne, konstatierte ich durch einen Vergleich der Etiquetten dieser 
Collection mit denjenigen der OrtJioptera^ die sich in der russischen 
entomologischen Gesellschaft befinden und unzweifelhaft von E vers- 



62 

mann herrühren, da sie gleich nach seinem Tode der genannten Ge- 
sellschaft übergeben worden sind. Was die Form der Etiquetten beider 
Collectionen anbetrifft, so ist auch sie ein- und dieselbe. 

7. Zwei neue Reptilien vom Sambesi. 

Von Prof. Dr. O, Bo ettger in Frankfurt a./Main. 

eingeg. 16. December 1894. 

Monopeltis pistillum n. sp. 
( Amphisbaenidae. ) 
Char. Sehr nahe verwandt der M. Welwitschi (Gray), aber das 
Auge bei [jugendlichen Stücken deutlich durchscheinend und hinter 
dem Oculare constant ein kleines, dreieckiges Postoculare; dahinter 
(wie bei M. Welwitschi) ein Temporale und ein Paar bandförmiger 
Occipitalen. Körperringel 306, 311, 314, Schwanzringel 27, 24, 25. 
In der Körpermitte zeigt ein Körperringel 34 Abschnitte, 20 über und 

14 unter der Seitenlinie. Die mittleren Brustschilder sind etwas länger 
als bei M. Welwitschi , so lang wie der beschilderte Kopf sammt 1 — 2 
Halsringeln zusammen. Nur vier Analabschnitte. Schwanzringel 
lang, scharf von einander abgesetzt, der letzte hinten breit abgestutzt, 
einen flachen , hornigen Knopf bildend , der nach oben hin mit dem 
vorletzten Ringel verschmolzen ist. Im Übrigen mit M. Welwitschi 
übereinstimmend. 

Länge bis zur Afterspalte 404; Schwanzlänge 47 , Körperdicke 9 mm. 
Fundort: Sambesi, Ostafrica (coli. Senckenberg. No. 5455, 2a), 
3 Stücke. 

Elapsoidea Boulengeri n. sp. 
(Elapinae.) 
Char. Abweichend von allen bekannten Arten der Gattung durch 

1 5 (statt 1 3) Schuppenreihen. — Auf dem kurzen Oberkiefer stehen hinter 
den gefurchten Giftzähnen noch zwei weitläufig gestellte, solide Zähn- 
chen. Körper kurz, gedrungen; Kopf depress, oblong, an den Seiten 
leicht erweitert und etwas vom Halse- abgesetzt; Auge von mäßiger 
Größe , sein Durchmesser so groß wie der Abstand vom Nasenloch, 
nostrale etwa anderthalbmal so breit wie hoch; sein Oberrand bildet 
einen sehr stumpfen Winkel, der von oben sichtbar ist; Frontonasalen 
kaum halb so lang wie die Praefrontalen ; Frontale etwa 1/3 länger als 
vorn breit, länger als sein Abstand von der Schnauzenspitze , aber 
wesentlich kürzer als die Parietalen, sechsseitig, aber seine beiden 
Vorderseiten fast eine gerade Linie bildend; Parietalen so lang wie 
Praefrontalen und Frontale zusammen. Das Nasale bildet eine kurze 
Sutur mit dem Praeoculare , das nur wenig auf den Pileus überge- 



63 

bogen ist; zwei gleichgroße Postocularen. Sieben Supralabialen, das 
erste am kleinsten, das dritte und vierte ans Auge stoßend, das fünfte 
sehr niedrig, das sechste hoch und oben sehr breit. Temporalen 1+2. 
Nur drei Infralabialen und das vierte höchstens mit einem Puncte in 
Berührung mit den vorderen Submentalen, die so groß oder etwas 
größer sind als die hinteren. Wie gewöhnlich berührt sich das erste 
Infralabialenpaar hinter dem Mentale. 

Squ. 15; G. 3, V. 141, A. 1, Sc. 20/20 + 1. 

Tiefschwarz; Kopf bis auf die breit schwarze Parietalnaht und 
einige grauliche Staubfleckchen auf den Kopfschildern rein weiß ; acht 
schmale Halbringe auf dem Rumpf, zwei auf dem Schwänze, rein weiß. 
Diese weißen Halbringe nehmen drei bis vier, die schwarzen Zwischen- 
räume 13 — 14 Schuppenreihen ein. Unterseite einfarbig schwarzgrau, 
unter dem Halse und dem Schwänze einige breite weißliche Schild- 
ränder. 

Totallänge 170, Schwanzlänge 14 mm. 

Fundort: Sambesi, Ostafrica (coli. Senckenberg) , ein anschei- 
nend noch junges Stück. 

8. Hermaphroditism of Prorhynchus. A preliminary Note. 

Von J. Percy Moore, Philadelphia, U.S.A. 

eingeg. 22. December 1894. 

Individual unisexuality is so nearly universal among the Nemer- 
fines that an additional case of hermaphroditism is of interest. Bisexu- 
ality in this group was first noted by Kef er stein in Boi'lasia (Tetra- 
stemma) hermaphroditica in 1868, since which time a similar condition 
has been recorded by Marion for Tetrastemma Refer steinii, and by 
vonKennel for Geonemertes palaends ; these three cases being all that 
are known to the writer at present. 

During the autumn and winter of 1893/94 I was fortunate in 
finding near Philadelphia a few examples of the freshwater Nemertine 
Prorhynchus, which appear te belong to the rare P. tenuis of Girard, 
which has hitherto been recorded only from Monroe County, N.Y., by 
Silliman. 

A recent examination of the specimens has brought to light, among 
other interesting structural peculiarities, the fact of the occurrence of 
hermaphroditism in this genus. Of three individuals sectioned, two are 
clearly hermaphroditic, while the third, a very imperfect series appears 
to be entirely female. In all the number of genital sacs is very much 
reduced, being far less than in any similar small Nemertine known to 
me; nor are the gonads regularly paired, butin most cases single, and 



64 



nearly median. In no case is a distinct communication with the ex- 
terior present, though contact with the skin is frequently very intimate. 
This condition, and perhaps to some extent also the small number of 
gonads, is no doubt due to immaturity of the organs at the season 
(Jan. 1894) when the specimens were taken. 

In the two undoubtedly bisexual individuals the anterior part of 
the body is male, the posterior female. This agrees with what K e fer- 
st ein found in T. hermaphroditica\ while in T. Kef er s teinii and Geone- 
mertes palaensis the male and female organs are more or less intermixed. 
One individual is chiefly male, possessing six distinct testes, and three 
distinct ovaries; the other mainly female, with a single well marked 
anterior testis immediately posterior to the end of the short proboscis 
sheath, and the remaining gonads, except a few very immature ones of 
questionable identity, female. 

The testes are more or less flattened turnip-shaped bodies, with a 
usually very indistinct enveloping capsule. Cell boundaries are not 
obvious in the cortical layer of protoplasm , in which are embedded 
many large distinct nuclei with finely divided chromatin, though there 
is occassionally present a nucleus with a single spherical nucleolus, 
which so closly resemble the nuclei of the female gonoblasts that one 
is led to infer for them a similar destiny. The nuclei of the central 
portion of the protoplasmic mass exhibit a few very large nuclei in 
various stages of sub-division and transformation into spermatozoa, 
the most advanced stages of which are rather coarse deeply staining 
threads, one end of which often shows knob-like enlargments. These 
form irregular tangled skeins which wind around the 
complete nuclei and penetrate the surrounding proto- 
plasm, on the surface of which they often lie. Sac- 
like spermatic receptacles are present in connection 
with at least some of the testes. Fig. 1 represents the 
outline of the testes and the nuclear appearances of a 
typical section magnified 500 diams. 

The ovaries are more nearly spherical in shape, 
and like the testes have usually the appearance of solid 
masses of protoplasm, through the cortical layer is 
more definite, and in a few cases is in part separated 
by a distinct space from the maturing ova , which 
occupy a central position. The peripheral nuclei are 
much larger than the corresponding ones of the male organ, and lie 
nearer together in an apparently undivided finely granular protoplasm. 
Each possesses a single (or when apparently dividing, two) perfectly 
spherical, clear, rather deeply stained nucleolus, in which there is fre- 




65 



quently apparent a clear spot (nucleolar vacuole, perhaps). The 
nucleoli lie in clear areas in the otherwise granular nucleoplasm. 
Two to four developing ova of greater 
or less size occupy the central portion 
of each ovary. Their nuclei are exceed- 
ingly large, but otherwise closely 
resemble those just described. The 
nuclear membrane is delicate and more 
or less incomplete, the nucleoplasm is 
highly granular, and frequently exhibits 
an exceedingly fine reticulum of very 
delicate threads, and the nucleolus ob- 
viously contains a vacuole. The finely 
granular deutoplasm which stains very 
lightly is present in greater or less 

quantity and is limited by a very delicate egg membrane. These [facts 
are shown in the section represented in fig. 2. X 500. 

Reference is made above to the following papers. 

Keferstein, Über eine Zwitternemertine , Borlasia hermaphroditica, from 
St. Malo. Archiv f. Naturgeschichte. 1868. p. 102—105. Taf. III. figs 1+2. 

Marion, A. F., Recherches sur les animaux inférieurs du Golfe de Marseille. 
Ann. des Soi. Nat. XVII. 1873. 

von Kennel, J., Beiträge zur Kenntnis der Neraertinen. Arbeiten d, Zool.- 
Zoot. Inst, zu Würzburg. 1878. IV. p. 361—375. Taf. XIX. 

Silliman. Zeit. f. wiss. Zool. XLI, p. 55. 1885. 

Girard. Recherches sur les Planariés et les Némertiens. 1893. p. 244. 




9. Über den Ursprung des Pigments und der Zeichnung bei den 

Hirudineen. 

Vorläufige Mittheilung. 
Von Dr. phil. Arnold Graf, New York. 

eingeg. 11. Januar 1895. 

In meiner Arbeit über die Excretionsorgane von Nephelis ^ habe ich 
schon hervorgehoben, daß in dem Körper der Hirudineen eine Gattung 
Zellen vorkommt, deren Aufgabe es ist die Excretionsproducte des 
Thieres in sich aufzunehmen und vermittels der Nephridien nach außen 
zu befördern. Schon damals hatte ich auch die Ansicht ausgesprochen, 
daß denselben Zellen die Aufgabe zufällt einen Theil dieser Excretions- 
producte in der Epidermis abzulagern und so die Färbung des Thieres 
zu verursachen. Ich habe nun über diesen Gef»enstand eine ein- 
gehendere Untersuchung angestellt, welche im Juli 1894 in Woods- 
Hol 1 begonnen wurde und wie ich hofie in kurzer Zeit zu Ende gebracht 



Je n. Zeitschr. für Naturw. 28. Bd. 1893. 



«6 

wird. Der Raum ist zu bemessen als daß ich über die Excretionsorgane, 
welche ich auch einer genauen Untersuchung unterwarf, hier referieren 
könnte. Die Resultate meiner Arbeit sind nun in Kürze folgende: 

Vor Allem möchte ich statt des Namens Chloragogenzellen, 
welchen ich diesen Zellen gegeben (um ihre Homologie mit denselben 
Zellen bei den Oligochaeten auszudrücken] eine allgemein gültige Be- 
zeichnung vorschlagen, nämlich «Excretophorencr. 

Diese Zellen sind Endothelzellen der Leibeshöhle und werden, 
nachdem sie sich von der Coelomwandung losgelöst haben, zu Wan- 
derz eilen. 

Sie wandern vermittels amoeboider Bewegungen in dem Körper 
des Thieres herum und beladen sich mit kleinen Körnchen , welche 
von den Blutgefäßen ausgeschieden werden und excretorischer Natur 
sind. Unter sehr starker Vergrößerung (hom. Imm. 1,5, Comp.-Ocul. 12) 
stellen diese Körnchen runde Kügelchen vor mit feingranuliertem Inhalt. 

Sind die Excretophoren vollständig mit diesen Körnchen be- 
laden, so gelangt ein Theil derselben bei Nephelis in die Ampullen, 
bei Clepsine in die ventrale Lacune. In der Nähe der Wimper- 
trichter zerfallen die Excretophoren, ihr Inhalt gelangt als Flüssigkeit 
mit eingestreuten Körnchen und freigewordenen Kernen in die Trichter 
und wird nach außen entleert. Ein anderer Theil der Excretophoren 
wandert durch die Musculatur bis unter die Epidermis, wobei auf- 
fallende Veränderungen in der Zelle stattfinden. 

In dem Momente wo die Zellen (durch die Nothwendigkeit 
zwischen den schmalen Lücken der Muskelbündel durchzukriechen) 
lange, äußerst dünne Ausläufer ausschicken, und dadurch die directe 
Einwirkung der Kernsubstanzen auf die entlegenen Plasmapartien 
stark gehindert ist, sehen wir in den Excretionskörnchen Verände- 
rungen vorgehen. Die Substanz derselben spaltet sich in zwei. Die 
eine Substanz wird in Form durchsichtiger Tröpfchen ausgestoßen, 
und ich kann über das weitere Schicksal derselben gar nichts angeben. 
Die zweite Substanz, das eigentliche Pigment, bleibt in Gestalt kleiner 
dunkler Körnchen zurück. Die starke Ausläuferbildung bedingt ein 
Zerfallen der Excretophoren in mehrere Theile, sowie eine Amoebe 
in Stücke zerfällt, wenn man sie in Gelatine kriechen läßt. Der Aus- 
läufer kriecht weiter, der übrige Zellkörper kann wegen des Wider- 
standes des Mediums nicht folgen und das Resultat ist eine Zerreißung. 
Die Stücke der Excretophoren gelangen endlich unter die Epi- 
dermis und geben dort ihre Wanderung auf, da sie höchst wahrschein- 
lich todt sind. Sie können keine Nahrung mehr aufnehmen, ihr ganzer 
Stoffwechsel ist wegen der Abwesenheit der Kernsubstanzen aufge- 
hoben. Diese Stücke nun stellen uns das Pigment vor. Ich habe dies 



67 

festzustellen vermocht aus der Beobachtung von zerzupften und ge- 
quetschten lebenden Thieren. 

Ein erstes Gesetz kann man nun aus der Vergleichung der ver- 
schiedenen Hirudineenarteu in folgender Weise aufstellen: 

Je mehr Stoffwechsel desto mehr Pigment. 

Aulasto7nu7ii ist die gefräßigste Hirudinee, besitzt die meisten Ex- 
cretophoren, und ist am dunkelsten gefärbt. 

MacrohdeUa, Hirudo und Nephelis stehen an Gefräßigkeit und 
Intensität der Färbung etwas weiter hinten an. 

Am leichtesten und auch am wenigsten gefräßig ist Clepsi7ie, von 
welcher junge Exemplare nur 2 — 3 mal jährlich sich vollsaugen, ältere 
nur einmal jährlich. 

Eine andere Thatsache ist : 

Die Zahl der Excretophoren nimmt mit dem Alter zu, 
sowie die Intensität der Färbung. 

Und endlich : 

Schwach gefärbte Arten und Varietäten (Albinos, Clepsine 
hioculata) zeichnen sich durch Aimuth an Excretophoren aus. 

Ich habe, um einen weiteren Beleg für meine Ansicht zu gewinnen, 
einige Exemplare von Nephelis durch längere Zeit fasten lassen , und 
dann mit fein zerhackten JJiiio^ denen ich Carminpulver beimengte, 
gefüttert. Nach 24 Stunden zerzupfte ich die Thiere lebend und fand 
winzig kleine Carminkörnchen in den Excretophoren, den Excret- 
körnchen anhaftend, in den Nephridien, und endlich in den Pig- 
meutzellen. Die Carminpartikelchen sind so klein wie Microsomen, 
und nur mit den stärksten Vergrößerungen sichtbar , während sie im 
Darm als mächtige Klumpen erscheinen. 

Ich will nun zu dem Ursprung der Zeichnung übergehen, d. h. 
eine Antwort auf die Frage zu geben suchen: »Warum finden wir 
bei den verschiedenen Arten der Hirudineen eine speci- 
fische Zeichnung?« 

Zu diesem Behufe muß ich zuerst einige Worte über die Anord- 
nung der Musculatur bei diesen Thieren vorausschicken. 

Wir finden von außen nach innen vorschreitend bei den Hirudineen 
folgende Lagen von Muskelbündeln: 

1) Eine Schicht Ringmusculatur. 

2) Diagonalmusculatur. 

3) Längsmusculatur. 

Diese drei Systeme bilden zusammen den Hautmuskelschlauch. 

Es sind nun diese drei Lagen bei den verschiedenen Gattungen 
und Arten der Hirudineen ganz verschieden ausgebildet, und ich will 
drei prägnante Fälle herausgreifen. 



68 

Nephelis, welche, wie bekannt, ein sehr guter Schwimmer ist und 
ihre Nahrung (Muscheln, Schnecken) aufsucht, hat alle drei Systeme 
gut entwickelt, besonders stark die Längsmusculatur, 

Bei Nephelis quadro striata besteht die letztere aus 12 mächtigen 
Längsbündeln, von denen zwei vollkommen lateral gelegen sind, und 
fünf starke Bündel dorsal, fünf etwas schwächere ventral verlaufen. 
Zwischen diesen Hauptbündeln finden wir schmale Bündel von dorso- 
ventralen Muskelzellen, welche zum Abplatten des Körpers beim 
Schwimmen dienen. 

Welche Beziehung hat dies nun zu der Zeichnung? Die auf- 
fallendste Eigenthümlichkeit bei Nephelis quadrostriata besteht darin, 
daß vier dunkelgefarbte Längsstreifen sich am Rücken des Thieres 
vorfinden. Dies ist sehr leicht erklärlich, wenn wir bedenken, auf 
welche Weise das Pigment unter die Haut gelangt. Es ist selbstver- 
ständlich, daß die Excretophoren den Weg einschlagen werden, 
welcher ihnen den geringsten Widerstand entgegensetzt. Dieser Weg 
ist durch die Lücken zwischen den Muskelbündeln gegeben. Da nun 
die Hauptmasse der Excretophoren sich in der Mitte der Rückenseite 
befindet, so werden die meisten durch die vier Zwischenräume zwischen 
den fünf mittleren dorsalen Längsmuskelbündeln durchwandern, und 
wir erhalten somit vier Längsstreifen von Pigment. 

Untersuchen wir ein Stück Haut derselben Species unter dem 
Microscope, so finden wir, von oben betrachtet bei höchster Einstellung, 
ein feines Netzwerk von Pigmentzellstücken , entsprechend den Con- 
touren der Epidermiszellen. 

Bei etwas tieferer Einstellung finden wir dunkle Querstreifen ent- 
sprechend den Zwischenräumen zwischen den Ringmuskelzellen; noch 
etwas tiefer finden wir ein schönes Netz von sich rechtwinklig kreu- 
zenden Pigmentstreifen, welche den Contouren der Diagonalmuskel- 
fasern entsprechen, und endlich zu unterst erscheinen Längsstreifen. 

Wir sehen daß hier die Zeichnung absolut nur von der Anord- 
nung der Musculatur abhängt. 

In Nephelis vulgaris haben wir viel mehr Längsmuskelbündel, 
und daher auch viel mehr Längsstreifen. Sonst ist Alles gleich. 

Wenn wir nun die Musculatur von Clepsine untersuchen (ich 
will Clepsine hollensis Whitm. nov. spec, auswählen), so finden wir, 
daß die Längsmusculatur bedeutend schwächer entwickelt ist als bei 
Nephelis^ und in bedeutend mehr Einzelbündel gespalten. Es sind 24 
dorsale, 24 ventrale und 2 laterale sehr kleine Längsmuskelbündel 
vorhanden. Sehr schwach ist die Entwicklung der Diagonalmuscula- 
tur. Am stärksten ist jedoch die dorso ventrale Musculatur entwickelt. 
Während wir bei Nephelis quadrostriata sechs Reihen dorsoventraler 



69 

Muskelbündel haben, finden wir hier 25 solcher, welche alle stark 
entwickelt sind. 

Was ist die Folge dessen? Wir finden als hauptsächlichstes Cha- 
racteristicum der Zeichnung eine Fleckenstructur. 

Die Streifen, welche durch das Hindurchdrängen der Excreto- 
phoren zwischen den Längsmuskelbündeln entstehen würden, werden 
durch die dorsoventralen Muskelbündel unterbrochen und in Flecken 
zertheilt. Dazu kommt noch, daß in Clepsine ein System von Rings- 
lakunen unter der Epidermis vorhanden ist, welches ein weiteres 
Moment für die Unterbrechung der Streifen darbietet. Es kommen 
hier noch eine ganze Reihe von Factoren hinzu, welche die Form der 
Zeichnung beeinflussen, so unter Anderem die Vertheilung der Haut- 
drüsen, auf welche ich jedoch hier nicht eingehen kann. Ein Gesetz 
jedoch können wir hier aufstellen und das lautet: 

Die Form der Zeichnung ist (bei den Hirudineen wenigstens) 
einzig und allein durch die Widerstandsfactoren bedingt, 
welche der Vertheilung des Pigments entgegenwirken. 

Überlegen wir nun Folgendes, um auch einen Einblick in die 
Entstehung neuer Arten und Varietäten zu gewinnen: Die Vorfahren 
der Hirudineen waren jedenfalls freischwimmende Thiere, welche zu 
ihrer Locomotion besonders der Längsmusculatur bedurften. Diese 
mußte kräftig entwickelt sein , und dies wurde erreicht durch starke, 
eng geschlossene Bündel. Zwischen diesen wanderten die Excreto- 
phoren hindurch und verursachten eine Streifenzeichnung. 

Nun gaben solche Thiere aus bestimmten Gründen die räuberische 
Lebensweise auf und wurden Ectoparasiten. Sie hafteten sich an 
den Körper ihres Wirthes mit ihren beiden Körperenden an. Durch 
den mechanischen Druck entstanden mit der Zeit die Saugnäpfe und 
die Längsmusculatur verkümmerte aus Mangel an Gebrauch, wo- 
gegen die dorsoventralen Muskeln sich desto stärker entwickeln 
mußten, durch das stete Anpressen des Thieres an seinen Wirth 
(Frosch, Fisch, Schildkröte). Kurz, das Resultat war ein Thier wie 
Clepsine. Aus irgend einem Grunde gab die Clepsine die ectoparasi- 
tische Lebensweise wieder auf [Clepsine tiepheloidea Whitm. nov. spec. 
ist solch' ein Ubergangsstadium) und die longitudinalen Muskeln 
werden wieder stärker entwickelt. Endlich können wir uns denken, 
daß wir wieder ein gestreiftes Thier wie Nephelis erhalten. 

Die Folgerungen, welche ich aus dieser Beobachtung ziehe, sind: 

1) Die Zeichnung dieser Thiere ist nicht vererbt, sondern 
wird in jedem Individuum während der Stoffwechselperiode 
(Leben) neu geschaffen. 

2) Wahrscheinlich spielen in vielen anderen Thiergrup- 



70 

pen bei der Entstehung der Zeichnung ähnliche Factoren 
mit wie hier. 

3) Es ist möglich, und zu untersuchen werth, daß auch 
die Anordnung anderer Organsysteme gar nicht vererbt, 
sondern in jedem Einzelthier neu geschaffen wird (Blut- 
gefäßsystem, Nervensystem, Drüsen, Knochen etc.), d. h. daß 
nur ganz wenige Charaktere vererbt werden, welchen sich 
die anderen Organe nach bestimmten chemischen und physi- 
kalischen Gesetzen anpassen. 

Ich hoffe, daß diese Thatsachen zu weiteren Untersuchungen 
Anlaß geben werden, und an Stelle der fruchtlosen Speculationen, 
wie viel Ahnenplasmen ein Ei enthalten muß, die strikte Empirik 
wieder in ihre Rechte tritt. 

New York, 27. Dec. 1S94. Departement of Biology, Columbia College, 

IL Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Grofsen 

Plöner See^ 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 

III. 

eingeg. 29. Januar 1895. 
Datum: 27. October 1894. Wassertemperatur : 9, 8°Cels. 

Volumen: 118 ccm ^unter 1 qm Fläche). 
Individuen-Zahl: 

Triarthra lotigiseta 121025 

Hyalodaplinia kahlhergensis 117 750 

Bosmina longirostris 151225 

Cyclops oithotioides 376800 

Larven desselben 117 750 

* * 

* 

Melos{ra-F'é.àQn 290 450 

Asteriotiella gracillima 435675 

Zurücktretende und vereinzelt vorkommende Species: 
Synchaeta [tremula und pectinata) , Anuraea cochleai^is {noch. 98 125), 
A. aculeata, Polyarthra platyptera (nur 82 325), Bosmina coregoni, Eu- 
rytemora lacustris. — Fragilaria crotonensis, Polycystis aeruginosa. 

Datum: 10. November 1894. Wassertemperatur: 8,5° Geis. 

Volumen: 79 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuen-Zahl: 

Polyarthra platyptera 151112 

1 Vergi. Zoolog. Anzeiger No. 464 (1S94) und 466 (189.5). Z. 



71 



Triarthra longiseta 170737 

Bosmina lotigirostris 1S8 400 

Cyclops oithonoides 135412 

Larven desselben 176 125 

* * 

* 

J/e/oÄW'ö-Fäden 105975 



Zurücktretende und vereinzelt vorkommende Species: 
Synchaeta [tremula und pectmata)^ Anuraea {cochlearisimà aculeata), 
Hyalodaplmiahahlhergensis (23 550), Bosm. coregotii, Diaptomus graci- 
loides , Asterionella gracillima , Polycystis aeruginosa^ Anabaena ßos 
aquae. 

Datum: 20. November 1894. Wassertemperatur: 7,9° Cels. 

Volumen: 102 com (unter 1 qm Fläche). 

Individuenzahl: 

Polyartlira platyptera 100087 

Triarthra longiseta 135412 

Bosmina longirostris 287837 

Cyclops oithoìioides 529875 

Larven desselben 88 312 



Zurücktretende oder vereinzelt vorkommende Species. 
Synchaeta [tremula wxid pectinata)^ Mastigocerca capucina, Anuraea 
cochlearis (58 875), An. aculeata, Hyalodaphtiia kahlbergensis (82 425), 
Bosmina coregoni, Eurytemora lacustris. — 3/eZo52V«-Fäden (23 550), 
Asterionella gracillima (70 650), Fragilaria crotonensis, Polycystis aeru- 
ginosa, Anabaena ßos aquae. 

Datum: 1. December 1894. Wassertemperatur: 6,1° Geis. 

Volumen: 39 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuenzahl : 

Bosmina longirostris 206063 

* * 

Melo sir a-Yàden 647 625 



Zurücktretende oder vereinzelt vorkommende Species: 
Synchaeta tremula, Polyarthra platyptera (70 650), Anuraea coch- 
learis, Bosmina coregoni, Cyclpps oithonoides (58 875), Larven desselben 
(41 163). — Astei'ionella gracillima. 



72 

2. Deutsche Zoologische Gesellschaft. 

Jahr e s- Ver Sammlung 

zu Strafsburg i. E. 

vom Dienstag den 4. bis zum Donnerstag den 6. Juni 1895. 

Allgemeines Programm: 
Montag, den 3. Juni Abends von 8 Uhr an : 

Zwanglose Vereinigung. 
Dienstag, den 4. Juni Vormittags: 

Erste Sitzung. ^ 

1) Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden 
Herrn G.-R. Prof. Ehlers. 

2) Bericht des Schriftführers über das Geschäftsjahr 1894/95. 

3) Bericht des Generalsecretärs für das »Thieri eich«. 

4) Referat des Herrn Prof. Go ette: Über den Ursprung 
der Wirbelthiere. 

5) Vorträge. 
Mittwoch, den 5. Juni Vormittags: 

Zweite Sitzung. 

1) Geschäftliches. 

2) Referat des Herrn Dr. Bürger: Über Nemertinen. 

3) Vorträge. 
Donnerstag, den 6. Juni Vormittags: 

Dritte Sitzung. 

1) Geschäftliches. 

2) Vorträge. 

Die Nachmittagsstunden werden so weit wie möglich für Demon- 
strationen und Besichtigung der Institute vorbehalten. 
Freitag, den 7. Juni: 

Gemeinsamer Ausflug. 
Auswärtige Fachgenossen sind als Gäste herzlich will- 
kommen und AVer den hierdurch zur Theilnahme an der 
Versammlung freundlichst eingeladen. 

Vorträge sind ferner angekündigt von den Herren: 

Dr. B. Haller (Heidelberg): Über den Ursprung des Nervus 

vagus bei den Knochenfischen. 
Dr. S am as sa (Heidelberg): Über die Bildung der primären 

Keimblätter bei Wirbelthieren. 
Prof. Dr. H. E. Ziegler (Freiburg i. B.): Untersuchungen 
über die Zelltheilung. 
Um baldige Anmekhing weiterer Vorträge und Demonstra- 
tionen bittet der unterzeichnete Schriftführer. 

(§ 3 der Geschäftsordnung: Vorträge, Demonstrationen etc. sind 
womöglich bis spätestens acht Tage vor Beginn der Versammlung 
beim Schriftführer anzumelden). 

Prof. J. W. S pen gel (Gießen). 



Druck von Breitkopf * Härtel in Leipzig, 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIU. Jahrg. 25. Februar 1895. No. 469. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheiinngen. 1. MordwilliO , Zur Biologie und Systematik 
der Baiimlänse (Lachninae Pass, partim) des Weichselgebietes. 2. Pawlowa, Zum Bau des Eingeweide- 
nervensystems der Insecten. II. Jlittheil. ans Unseen, Instituten etc. 1. Zacharias, Statistische 
Mittheilnngen ans der Biologischen Station am Großen Plöner See. 2. Land-Fauna der Galäpagos- 
Inseln. 3. Zoological Society of London. 4. Malacological Society of London. 5. American 
Morphological Society. 6. Soo.iorniecKoe OTst-ieiiie IlMneparopcKaro OömecTsa .IioöiiTeaeü EciecTBos- 
Haniji, AHxpono.iorin ii BiHorpasiii. 7. Bitte. III. Personal-Notizen. Necrolog. Berichtigung. Litte- 
ratur. p. 41 — 48. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Zur Biologie und Systematik der Baumläuse (Lachninae Pass, partim) 

des Weichselgebietes. 

(Aus dem Zoologischen Laboratorium an der Warschauer Universität.) 
Von A. Mordwilko. 

eingeg. den 27. December 1894. 

Die Pflanzenläuse, welche ich zu der Gruppe Lachninae vereinige, 
besitzen 6gliedrige Antennen, deren 6. Glied sich gegen das Ende ein 
wenig verjüngt oder in eine kurze , mehr oder weniger scharf abge- 
grenzte Spitze ausläuft; die fast gerade Randmahlader ihrer Vorder- 
flügel entspringt aus einem länglichen Randmahl und verläuft dem 
vorderen Flügelrande nahezu parallel ; die dritte Schrägader der Vor- 
derflügel, der Cubitus, kann dabei zwei- oder eingabelig^ sein; anstatt 
Saftröhren besitzen sie Safthöcker und entbehren vollständig des 
Schwänzchens, welches in den Gruppen der Aphidmae und Callipteri- 
nae in Gestalt eines kegel- , walzen- oder kolbenförmigen Fortsatzes 
am letzten Hinterleibssesrmente auftritt. 



1 Zuweilen kommen geflügelte Exemplare der durch 2 gabeligen Cubitus aus- 
gezeichneten Arten vor, bei denen (ich habe es bei geflügelten Männchen von X. 
pineus mihi [= L. /n'ne^» Koch's] beobachtet) vom äußersten Zweige des Cubitus bloß 
Spuren an dessen Austrittsstelle zu sehen sind; zuweilen verschwinden selbst diese 
vollständig. Diese und ähnliche von mir und von anderen Forschern bei anderen 
Pflanzenlausarten beobachteten Fälle zeigen, daß der Grad der Verzweigung des 
Cubitus von wenig Wichtigkeit für die Classification der Aphiden sein kann. 

5 



74 

Diejenigen Pflanzenläuse dagegen, deren Füliler wohl 6gliediig. 
die E-andmahlader aber stark gebogen ist und deren letzter Hinterleibs- 
ring bald geschwänzt bald ungeschwänzt erscheint, fasse ich in eine 
Zwischengruppe Callipterinae zusammen , welche eine Mittelstellung 
zwischen den Aphidinae Pass, und den Lachninae Pass. part, ein- 
nimmt. In diese Gruppe reihe ich auch einige Pflanzenlausarten mit 
7 gliederigen Fühlern ein. 

Zu der Gruppe Lachninae'^ rechne ich die an Wurzeln lebenden 
Gattungen Trama Heyd. ^ und Paracletus Heyd.^, welche 6 gliederige 
Fühler besitzen. Mit Berücksichtigung der Ähnlichkeit ihrer Organi- 
sation mit derjenigen vieler Lachnus-Arien erscheint der Einschluß 
der Gattung Trama Heyd. in diese Gruppe ganz besonders begründet. 

In gewissem Zusammenhange mit der Lebensweise der verschie- 
denen Lac hmis- Arten, welche sich an diesen oder jenen Pflanzentheilen 
aufhalten , steht die comparative Länge ihres Schnabels , wie dieses 
auch für alle anderen Aphiden constatiert worden ist. 

Der Schnabel dient als Scheide für die biegsamen Mundborsten, 
welche den Außentheil des Saugapparates bilden, und gewährt ihnen 
eine feste Stütze bis zu der Stelle an der Epidermis oder an der Pflan- 
zenrinde, welche von ihnen durchstochen werden kann. Im Allge- 
meinen hat schon B ü s g e n ■'> auf diesen Zusammenhang aufmerksam 
gemacht. »Sie (die Länge des Schnabels) ist kürzer bei den Blattläusen, 
welche an Pflanzen saugen, deren Epidermis frei zu Tage liegt oder 
nur von kurzen Haaren bedeckt wird, verhältnismäßig lang, selbst 
bedeutend länger als das ganze Thier bei Rindenläusen, wo sie sich 
durch dünnere oder dickere Peridermschichten durchdrängen muß, 
um ihr Ende an die Stichstelle ansetzen zu können. « Demnach haben 
L. agilis Kalt, und L. pineti Fab., welche nur an der Unterseite der 
Kiefernadeln saugen, einen sehr kurzen, bloß bis an's zweite Hüften- 



2 Lachnus 111., Hinterfüße zweigliederig, fast ebenso lang wie die Mittelfüße, 
3. Fühlerglied deutlich länger als 4., gewöhnlich fast gleich lang wie das 4. und 5. 
zusammengenommen. 

3 Trama Heyd., Hinterfüße ungegliedert, sehr lang, dreimal so lang wie Mittel- 
oder Vorderfüße, welche zweigliederig sind. Lebt gesellig an den Wurzeln der ver- 
schiedenen krautartigen Pflanzen : Leontodon Taraxacum, Sonchus oleraceus, Arte- 
misia vulgaris und campestris, Achillea millefolium etc. 

a. Auf dem Hinterleibe stehen hinten zwei deutliche Safthöcker — T. radicis 
Kalt. = T.ßavescens Koch = Lachnus longitarsis Ferrari. 

b. Keine Safthöcker — T. troglodytes Hej'd., Pass., Bückt. = T. radicis Koch 
= T, pubescens Koch. 

* Paracletus Heyd. Hinterfüße zweigliederig , fast ebenso lang wie Mittel- 
oder Vorderfüße, 3. Fühlerglied ebenso lang, wie das 4. und Körper dabei nicht 
gepudert. 

F. cimiciformis Heyd. lebt gesellig an den Wurzeln der Festuca duriuscula, 

^Büsgen. Der Honigthau. Jena 1891. 



75 

paar reichenden Schnabel. DiejenigenZ/ar/mws- Arten dagegen, welche 
auf dünnen Zweigen oder an älteren Trieben schmächtiger Kiefern, an 
rauher mit kleinen Spalten und Aushöhlungen, oder auch häufig mit 
kleinen Eindenschüppchen bedeckter E,inde saugen [L. taeniaf us 'Koch, 
L. pinihahitans mihi), besitzen einen längeren Schnabel, der schon bis 
zum 2. oder bis zur Halte des 2. Hinterleibssegmentes reicht. — Bei 
L. Bogdanotoi mihi va\à L. fasciatus Kalt., welche an dicken Tannen- 
zweigen (zuweilen auch an Zweigen und Trieben zwischen den Nadeln) 
saugen, wo die Aushöhlungen und Spältchen der Einde bedeutender 
sind, als an den dünnen Kieferzweigen, reicht der Schnabel schon bis 
zum 3. — 5. Hinterleibssegment; bei den Sommer- und Herbstgene- 
rationen von L. nudiis De Geer, endlich, welche in den Eindenspalten, 
an mehr oder weniger dicken saftigen Zweigen und dünneren Stämmen 
kleiner Kiefern saugen, da nämlich, wo die Einde hellrostfarben oder 
rostbraun erscheint und sich stellenweise abschuppt, ist der Schnabel 
fast so lang, wie der Körper. Desgleichen besitzt auch L. grossus Kalt., 
welcher nach Kaltenbach an Fichtenstämmen saugt, einen Schnabel 
von der Länge des Körpers. Mit dem längsten Schnabel sind L. quer- 
cus L. und L. lotigirostris Fab. ausgerüstet, welche in Eindenspalten 
an alten Eichenstämmen (L. quercus L. und longirostris Fab.) oder an 
Pappel-, Weiden- und Ahornstämmen [L. longirostris Fab.) leben und 
ihren Schnabel tief in die Spalte einführen müssen, um denjenigen 
Theil der Kinde zu erreichen , welcher von den Mundborsten durch- 
stochen werden kann; bei diesen Lachnus-Axien ist der Schnabel fast 
dreimal so laug, wie der Körper. 

Während jedoch bei den Blattläusen aus den Gruppen Aphidinue 
und Callipterinae , welche an jungen Trieben oder an der glatten 
Zweigrinde der Blattpflanzen saugen, der Schnabel nur bis zum 2. oder 
8. Hüftenpaar reicht, ist er bei den auf Coniferen lebenden und an 
deren jungen Trieben und Zweigen zwischen den Nadeln saugenden 
Lac /> nus- Arten, bedeutend länger, erreicht nämlich das 2. oder 3. Hinter- 
leibssegment. Als Beispiel können L. pineus mihi und L. pinicola 
Kalt, dienen. Dieser scheinbare Wiederspruch wird dadurch erklärt, 
daß diese Baumläuse dicht an der Basis der Nadeln saugen. Ich hatte 
Gelegenheit das Saugen bei L. pineus mihi zu beobachten. Gewöhn- 
lich saugen Baumläuse dieser Art an Kieferntrieben und -Zweigen 
zwischen den Nadeln, richtiger an der Basis der verkürzten je ein 
Nadelpaar tragenden Triebe; das Hinterende der ßaumlaus richtet sich 
dabei gegen das Ende des Haupttriebes, das Vorderende aber gegen die 
Basis des verkürzten Triebes , zugleich wird das Schnabelende genau 
gegen die Stelle gerichtet, wo der verkürzte Trieb aus dem eigent- 
lichen Triebe oder Zweige der Kiefer entpringt. Da diese verkürzten, 

5* 



76 

das Nadelpaar tragenden Triebe vom Haupttriebe oder Zweige mehr 
oder weniger schräg abgehen, so muss der ziemlich gxoi^e L. pineus 
mihi seinen Rüssel nicht senkrecht (wie es andere Rinden- oder Blatt- 
läuse thun , welche an der Rinde der Zweige und Stämme oder unter 
den Blättern saugen) , sondern schräg nach vorn richten. Dem ent- 
sprechend erscheint auch der Schnabel von L. pineus mihi verhältnis- 
mäßig länger, als es nöthig wäre, um denselben senkrecht gegen den 
Trieb zu richten. Zuweilen saugt auch L. pineus mihi direct an der 
Rinde zwischen den Nadeln. In diesen Fällen wird der Schnabel, 
so weit ich es beobachten konnte, in kleine Spältchen der dünnen 
Trieb- oder Zweigrinde eingesenkt. 

L. pichtae mihi saugt an der Unterseite der Weißtannennadeln, 
dicht an deren Basis; der Kopf wird dabei gegen letztere gerichtet. 
Da diese Baumlaus wahrscheinlich nicht an der Nadel selbst, sondern 
an deren Ansatzstelle saugt , so muss sie in derselben Weise wie L. 
pineus mihi ihren Rüssel etwas schräg nach vorn richten um mit 
dessen Spitze die genannte Stelle zu erreichen. 

Die geringere Länge des Schnabels bei der Stammmutter '^ von 
L. pinicola Kalt, im Vergleich zu den nachfolgenden Generationen 
(geflügelten viviparen Weibchen) wird, meiner Meinung nach, dadurch 
erklärt, daß die Stammmutter an ganz jungen noch nicht ausge- 
wachsenen und mit sehr kleinen Nadeln bedeckten Trieben saugt und 
dadurch im Stande ist ihren Schnabel nicht schräg sondern senkrecht 
gegen den Trieb zu richten. Ebenso kann auch die geringere Länge 
des Schnabels bei Stamm weibchen '' von L. pini Kalt, im Vergleich zu 
den nachfolgenden Generationen erklärt werden. 

Da alle übrigen verschiedenen Gruppen angehörenden Blattläuse 
bald an Trieben und Zweigen mit glatter Rinde, bald unter den Blättern, 
seltener auf den Blättern selbst, oder endlich in verschiedenartigen 
Gallen saugen, so bedürfen sie auch nicht der langen Schnäbel, welche 
sie am Saugen eher hindern würden ; ihre Schnäbel sind gewöhnlich 
sehr kurz, reichen nur bis zum 1., 2, oder 3. Hüftenpaare, zuweilen 
aber selbst nicht einmal bis zum ersten. 



Der größte Theil meiner biologischen Beobachtungen bezieht sich 
auf verschiedene Arten der Gattung Lachnus 111., welche auf Coniferen 
leben; von den Lachnus- Äxten , welche sich auf andern Pflanzen auf- 
halten, fand ich (October — November 1892) nur L. viminalis Boyer de 



^Kaltenbach, Monographie d. Familien d. Pflanzenläuse. Aachen. 1843. 
(p. 154.) 

^ Ibid. (p. 156). 



/ < 

Fonsc. imd zwar bloß flügellose und geflügelte vivipare Weibchen. 
Auch wird in vorliegender Abhandlung hauptsächlich von Coniferen- 
LacJinus die Rede sein. 

Die Coniferen-iyacÄwws stehen einander sehr nahe und dieses so- 
wohl in Bezug auf ihre Körperform und Bau, als auf ihre Lebensweise. 
Sie leben gewöhnlich gesellig, selten einzeln auf Trieben, Zweigen 
und Stämmen der Nadelholzbäume; seltener findet man sie auf den 
Nadeln einiger dieser Baumarten. Weder ich, noch andere Forscher 
hatten jemals Gelegenheit bei diesen Baumläusen etwas, was an 
Migration erinnerte, zu beobachten, wie man solcher bei einigen Ver- 
tretern der Gruppe Apliidinae und bei fast allen Schizoneurinae und 
PempJtiginae begegnet. Prof. N. Cholodkovsky*^ macht übrigens 
folgende Bemerkung in Bezug auf i. pineus mihi (bei ihm L. pifith.): 
«Eine Wanderung von der Kiefer auf andere Pflanzen scheint zwar 
bei L. pini nicht vorzukommen , so daß die Geflügelten bloß für die 
Übersiedelung der Colonien wieder auf Kiefern dienen müssen; jedoch 
kann der beständige Antheil der Ameisen am Leben dieser Läuse und 
die oben beschriebene Übersiedelung längs des Stammes nach unten, 
mit irgend welchen unbekannten Verwickelungen des Lebenscyclus 
von Lachnus im Zusammenhange stehen. « Auf Grund meiner eigenen 
Beobachtungen über diese Lachnus-Kxt kann ich sogar auf eine solche 
Voraussetzung nicht eingehen, da dieser Lachnus nur zwischen den 
Nadeln junger Triebe und Zweige saugt und niemals an der Rinde 
der Zweige und Stämme saugend angetroffen wurde. Die Verwick- 
lung des Lebenscyclus, welche von Prof Cholodkovsky wenn nicht 
bei L. pineus mihi, so doch bei andern an Coniferen lebenden LacJmiis- 
Arten vorausgesetzt wird, könnte nur dann existieren, wenn Jemand 
diese Baumläuse an den Wurzeln der Kiefern oder anderer Coniferen 
überhaupt vorgefunden hätte. In dieser Beziehung jedoch giebt es in 
der Litteratur gar keine Angaben. Ebenso ist der Generationspoly- 
morphismus bei diesen Läusen ziemlich schwach ausgesprochen , be- 
sonders im Vergleich mit den Schizoneurinae und den Femphiginae. — 
Für die Coniferen-Z/ac/mw5-Arten ist folgender Lebenscyclus anzu- 
nehmen. 

Im Frühjahr entwickeln sich aus Eiern, welche auf den Nadeln 
oder seltener auf der Zweigrinde überwintert haben, flügellose Stamm- 
weibchen, welche gewöhnlich etwas größere Dimensionen im Vergleich 
mit den Sommer- und Herhstgenerationen erreichen. So z. B. sind 
die lebendiggebärenden und eierlegenden Weibchen von L. pineus 
mihi (= iy,/>zwe^i Koch's], welche von mir im Warschauer botanischen 



s N. Cholodkovskv, Zur Kenntnis d. Coniferen-Läuse (Zool. Anz. No. 3S4 — 
385. 1892). 



78 

Garten auf Trieben einer Kiefer gefunden wurden, meistentheils 
3 — 3^2 bis zu 3'Y4 mm lang, die Stammweibchen der Frübjabrsgene- 
ration dagegen erreichen eine Länge von 41/2 mm. Die Stamm- 
weibchen von L. juniperinus mihi und L. fasciatus Kalt, sind auch 
etwas größer im Vergleich zu denjenigen der Sommergeneration. 
Ähnliche Größenverschiedenheit zwischen den Stammweibchen und 
den viviparen Sommerweibchen giebt auch Kaltenbach'J für L. 
pinicola Kalt. an. Die Stammweibchen einiger Arten besitzen kürzeren 
Schnabel im Vergleich mit den nachfolgenden Generationen. Zu 
solchen gehört das Stammweibchen von L. pinicola Kalt., bei welchem 
der Schnabel bis über das dritte Beinpaar hinausreicht, während bei 
den geflügelten viviparen Weibchen derselbe nur bis zum halben 
Hinteileibe reicht. Dasselbe findet wahrscheinlich auch bei L. pini- 
cola Kalt, statt. Bei dem von Kaltenbach beschriebenen flügel- 
losen Individuum dieser Art, wahrscheinlich einem Stamm weibch en, 
— da es in einer Anmerkung mit der ersten und zweiten Generation 
verglichen wird — reicht der Schnabel bis über das dritte Beinpaar 
hinaus, während beiden geflügelten viviparen Weibchen der Schnabel 
fast von der Länge des Körpers ist. 

Die Stammmütter erzeugen die parthenogenetischen viviparen 
Sommerweibchen, welche so gut geflügelt, wie flügellos vorkommen. 
Bei den meisten Arten werden im Sommer und im Frühherbst haupt- 
sächlich flügellose Weibchen angetroffen, geflügelte kommen viel 
seltener vor und so weit man darüber nach litterarischen Angaben und 
theilweise nach meinen eigenen Beobachtungen urtheilen darf, vor- 
wiegend zu Anfang des Sommers. So werden z. B. geflügelte vivipare 
Weibchen von L.juniperi De Geer höchst selten gefunden ; Kalten- 
bach'o fand sie im Sommer erst nach zweijährigem vergeblichen 
Suchen, Koch^i aber traf sie schon im Mai an: ebenso fand auch ich 
hier ziemlich oft in der ersten Junihälfte (alt. St.) geflügelte vivipare 
Weibchen von L. pineus mihi und einer Varietät dieser Art curtipilosa 
mihi, sowie von i. taeniatus Koch; im Herbst dagegen werden ge- 
flügelte Formen dieser Art höchst selten vorgefunden. Gegen Mitte 
Juni (alt. St.) fand ich noch geflügelte vivipare Weibchen von L. 
fasciatus Kalt, im Parke »Lasenki« in Warschau; gegen Ende August 
(alt. St.) dieses Jahres dagegen konnte ich schon keine geflügelten 
Weibchen dieser Art auffinden. Ebenso bestand eine Kolonie von 
L. nudus De Geer, welche am 4./ 16. Juli vorigen Jahres von mir 
gefunden wurde, halb aus flügellosen, halb aus geflügelten viviparen 



'^ Kaltenbach, Monogr. d. Familien d. Pflanzenläuse, Aachen 1S43. (p. 154). 

1" Kaltenbach, Ibid. (p. 153.) 

'iKoch, Die Pflanzenläuse. Nürnberg. 1857. (p. 343.) 



79 

Weibchen; in der zweiten Augusthälfte dieses Jahres dagegen konnte 
ich in einem Kieferwakle in Otwozk (Warschavier Gouvernement) kein 
einziges geflügeltes vivipares Weibchen auffinden, trotzdem in diesem 
Jahre diese Lachniis-kxt in ungeheurer Menge aufgetreten war. — 
Einige Arten unterscheiden sich jedoch von so eben genannten da- 
durch, daß sie im Laufe des Sommers vorwiegend oder sogar aus- 
schließlich geflügelte vivipare Weibchen erzeugen. Hierher gehört 
L. pinicola Kalt, und h- grossus Kalt. (= L. piceae aut. nee L.piceae 
Walk.). Von Frl. M. Pawl o wa erhielt ich nämlich einen Fichtentrieb 
mit einer Colonie von L. pinicola Kalt., welcher Mitte Juni (alt. St.) 
1893 in Carlsbad in Böhmen genommen war; es erwies sich, daß alle 
Individuen dieser Colonie geflügelte vivipare Weibchen waren. In 
Bezug auf 1/. yroasus sagt Kaltenbach^^ unter Anderem Folgendes: 
»Im Mai und Anfangs Juni sind die auffallend großen und dicken 
Stammmütter in bedeutender Anzahl unter der Masse zu sehen ; später 
vermißt man dieselben, und von Tag zu Tag nimmt auch die Zahl der 
Nachkommen ab, die zuletzt nur wenige Nymphen und ge- 
flügelte Individuen sind.« Was L. Bogdanoioi mihi, pinihahitaiis 
mihi und L. juniperinus mihi anbetrifi"t, obgleich ich diesen Arten nur 
seit Ende August (alt. St.) dieses Jahres begegnete, fand ich bis Anfang 
September und für L . juniperinus mihi bis Ende October unter flügel- 
losen Oviparen Weibchen, Nymphen von geflügelten Männchen und 
einer geringen Anzahl erwachsener Männchen, auch noch vivipare 
Weibchen, welche wohl zu dieser Jahreszeit ziemlich selten vorkamen, 
jedoch sämmtlich geflügelt waren. 

Da bei QQXL\ÌQXQ.\\-Laclinus Migration von einer Pflanzenart auf 
eine andere nicht vorkommt, so können die geflügelten viviparen 
Weibchen auch nur auf andere Pflanzen derselben Art übersiedeln 
und so zu Stifterinnen neuer Colonien auf neuen Pflanzenexemplaren 
Averden. 

Im Herbste von Mitte August (alt. St.) an und dann im Laufe 
des September werden von den viviparen Weibchen die geschlecht- 
lichen Generationen erzeugt; dabei entwickeln sich gewöhnlich zuerst 
die eierlegenden Weibchen und etwas später die Männchen. Bei den 
meisten Arten sind die Männchen geflügelt, jedoch bei einigen, z. B. 
bei L. juniperi Ue Geer und L. nudus De Geer sind die Männchen 
nach De Geer'^ flügellos. In Bezug auf die letztere Art habe ich 
diese Angabe durch eigene Beobachtungen bestätigen können. 



12 Kaltenbach, Fünf neue Pflanzenläuse. (Stett. Entora. Zeitung. 1846. 
p. 169.) 

13 De Geer, Abhandlungen zur Geschichte der Insecten. Übers. 1780. t. III 
(p. 3S— 39u. 18—26.) 



80 

Ein Dimorphismus der Männchen, d. h. ein Vorkommen von ge- 
flügelten und flügellosen Männchen bei einer und derselben Art, wie 
es für einige Blattläuse aus der Gruppe Aphidinae WitlauziU* {Chait. 
popttli Z/.),Lichtenstein^^(C/^ aceris Fab.) und ich selbst [Aphis mali 
Fab. und Ch. populeus Kalt.) constatiert haben, ist bis jetzt bei Lach- 
nus-kxien weder von mir, noch von anderen Forschern beobachtet 
worden. 

Die geschlechtlichen Herbstformen unterscheiden sich mehr oder 
weniger von den parthenogenetischen viviparen Weibchen — die 
Männchen bedeutend, die Weibchen ziemlich schwach. Erstere lassen 
ich schon oft mit bloßem Auge erkennen. 

Die Kennzeichen, welche geflügelte Männchen von geflügelten 
viviparen Weibchen unterscheiden, sind schon früher von Cholod- 
kovskyi^ in Bezug auf i>. pineus mihi (bei ihm unter dem Namen 
von L. pini L.) und für L.farinosus Cliolodk. (= L. fasciaüis Kalt.) an- 
gegeben worden: »Die iac/^m/s- Männchen unterscheiden sich von 
den geflügelten und ungeflügelten Weibchen durch die größere Länge 
ihrer mit Riechgrübchen reichlich versehenen Fühler, durch die 
starke Entwicklung ihres buckeligen Thorax und durch kleines, 
schwaches Abdomen, sowie durch die geringere Länge des Körpers.« 
Bei Männchen von L. ayilis Kalt, sind nach meinen Beobachtungen 
die Fühler wenig länger, als der Körper, bei Weibchen dagegen kürzer. 
Außerdem erscheinen- nach meinen Beobachtungen bei dieser Art so- 
wohl wie bei anderen Arten, z. B. bei L. pineus mihi, die Fühler der 
Männchen weniger behaart als diejenigen der Weibchen. — Die Beine 
der Männchen im Verhältnis zu denjenigen der flügellosen und ge- 
flügelten Weibchen zeichnen sich durch viel größere Länge aus. — 
Zuweilen trägt selbst die Färbung der Männchen zur Unterscheidung 
von den viviparen und oviparen Weibchen bei. Bei h. fasciatus Kalt, 
z. B. sind schon die Nymphen der Männchen gewöhnlich oben hell- 
grün gefärbt und mit zwei der Längsachse parallel verlaufenden grü- 
nen Streifen ausgestattet. Bei erwachsenen Männchen erhält sich die 
grüne Färbung des Hinterleibes (dessen Seitentheile, Avelche immer 
gelblich oder graugelb sind, ausgenommen) noch einige Zeit nach der 
letzten Häutung; später Avird diese Färbung viel dunkler. Die vivi- 
paren und Oviparen Weibchen haben nur selten einen dunklen kaum 
grünlich erscheinenden Hinterleib ; gewöhnlich entwickelt sich bei 



1* Witlaczil, Der Polymorphismus von Ch. populi L. Wien. 1884. 

15 Lichtenstein, Complètement de l'histoire du Chaitophorus aceris Fab. 
(Compt. rend., t. 99, p. 919.) 

16 Cholodkovsky, Zur Kenntnis d. Coniferen-Läuse. (Zool. Anz. 1892. 
No. 384—385. 



81 

ihnen die dunkle Färbung des Hinterleibes aus der gelbbraunen Fär- 
bung der jungen Individuen. Bei dem von Buckton >^ beschriebenen 
L. macro cephalus, welcher wahrscheinlich mit L. kyalinus'Koch. iden- 
tisch ist, sind die flügellosen viviparen Weibchen den von Koches 
abgebildeten (Taf. XLIII Fig. 314) viviparen Weibchen von L. hyali- 
nus Koch ähnlich ; sie sind nämlich röthlich-gelb ; das geflügelte 
Männchen dagegen hat einen grünen Hinterleib. 

Flügellose Männchen habe ich nur bei L. nudus De Geer be- 
obachtet. Sie sind viel kleiner und schlanker als die viviparen und 
Oviparen Weibchen dieser Art, nämlich 2,5 — 3 mm lang und dem ent- 
sprechend 1 — 1, 15 mm breit, wogegen die viviparen und oviparen Weib- 
chen eine Länge von 4 mm bei 2 mm Breite erreichen. Ihre Hinterbeine 
sind verhältnismäßig viel länger, als sie z. B. bei flügellosen oviparen 
Weibchen vorkommen ; so hat das Männchen, bei einer Körperlänge 
von 2,52 mm, 3,47 mm lange Hinterbeine, während flügellose ovi- 
pare Weibchen, bei einer Körperlänge von 4 mm, 41/2 mm lange Hinter- 
beine besitzt. In gleicher Weise sind die Antennen des Männchens 
verhältnismäßig länger als diejenigen der viviparen und oviparen Weib- 
chen; das Männchen hat 1,32 mm lange Antennen bei einer Körper- 
länge von 2,52 mm, Avährend ovipare Weibchen bei einer Körperlänge 
von 4 mm bis 1,71 mm lange Fühler tragen. Die Fühler dieser flügel- 
losen Männchen unterscheiden sich von denjenigen der geflügelten 
Männchen anderer Arten durch ein fast vollständiges Fehlen der 
Riechgrübchen. Der Hinterleib des Männchens von L. nudus De Geer 
ist gewöhnlich ein wenig gekrümmt i9. — D e G e e r 20 beschreibt auf 
folgende Weise das Männchen von L. nudus: »Alle diese Männchen, 
Taf. VI Fig. 17, 18, waren ungeflügelt, wie die Weibchen, auch von 
gleicher Farbe, ihr Körper aber in jeder Hinsicht viel kleiner. Die 
Füße fast eben so lang, wie bei den Weibchen, und der lange Saug- 
rüssel bei einigen länger, als der ganze Körper. Sie waren weit leb- 
hafter, als die Weibchen. « Die Männchen von L. juniperi De Geer 
ebenso »haben keine Flügel, sind auch kleiner und nicht so dick, als 
die Weibchen, denen sie übrigens an Farbe gleichen «21. 

Die eierlegenden (immer flügellosen) Weibchen lassen sich von 
den flügellosen viviparen Weibchen nicht so leicht mit bloßem Auge 

"Buckton, Monograph of the British Aphides, t. Ill, p. 48. 

'8 Koch, Die Pflanzenläuse. Nürnberg 1857. 

'ö Das sicherste Mittel die Männchen verschiedener Arten Blattläuse zu er- 
kennen ist dieselben während der Begattung oder auch nach einigem Aufenthalt in 
Weingeist zu beobachten , wo sie , wahrscheinlich in Folge einer Schrumpfung des 
Abdomens, ihre Penis hervorschnellen. 

-0 De Geer, Abhandlungen z. Gesch. d. Insecten. Übers. T. III. p. 24—25. 

21 Ibid. p. 39. 

5** 



82 

unterscheiden, wie die Männchen von den verschiedenen Weibchen 
bei den meisten Lachnus-Arten und wie es verhältnismäßig leicht bei 
den Gruppen Aphidinae und Callipterinae geschieht. Mit der Lupe 
jedoch kann ein ovipares Weibchen daran erkannt werden, daß ihre 
Hinterschienen deutlich dicker, als die Mittel- und Vorderschienen 
und außerdem gewöhnlich ganz graubraun oder schwarz erscheinen, 
während bei den viviparen Weibchen die Hinterschienen sich nur 
wenig: von den Vorder- und Mittelschienen unterscheiden. Ein ovi- 
pares Weibchen von L. nudus De Geer z. B. hat 0,103 mm dicke 
Hinterschienen und 0,077 mm dicke Mittelschienen. Ganz besonders 
fallen die sehr starken Hinterschienen bei denjenigen Arten in die 
Augen, welche kürzere Beine besitzen, als L. nudus De Geer, z. B. bei 
L. pineti Fab. Bei dieser Art erreichen sie eine Dicke von 0,11 mm, 
während die Mittelschienen nur 0,07 — 0,08 mm dick bleiben. Auf 
die comparative Dicke der Hinterschienen, als Merkmal zur Unter- 
scheidung oviparer und viviparer Weibchen, macht Koch im oben 
citierten Werke ganz besonders aufmerksam. 

Die befruchteten oviparen Weibchen wandern von den Zweigen 
und Trieben, wenn sie an solchen früher gesaugt haben, auf die Nadeln 
ihrer Futterbäume und legen an diesen ihre Eier ab ; dabei findet die 
Eiablage, wie es meine Beobachtungen lehren und wie es De Geer 
für L. nudus und L. pineti Fab. und Koch für L. hyperophilus Koch 
beobachtet haben, fast immer an der oberen flachen Seite der Kiefer- 
nadeln und an beiden Seiten der Fichtennadeln [L. fasciatus Kalt. ) 
statt. Nur einige Arten, L. j'uniperi De Geer und L.Juniperinus mihi 
z. B. legen ihre Eier sowohl auf die Nadeln als auf die Zweigrinde ab. 
Ich hatte Gelegenheit die Eiablage bei L. nudus De Geer, L. pineus 
mihi und ihrer Varietät curtipilosa mihi, L. pineti Fab., L. pinihahitaiis 
mihi, L. taeniaius Koch, L. fasciatus Kalt., L. juniperi De Geer zu 
beobachten ; außerdem fand ich abgelegte Eier von L. juniperinus mihi. 
Die meisten an Coniferen lebenden Lachnus-Axten legen gewöhnlich 
auf die Nadeln, so weit ich es beobachtet habe, zu je zwei seltener zu 
drei bis vier reihenweise aufeinander folgende Eier, L. pineti Fah. aber 
legt sie in langen, bis 20 Eier zählenden Reihen, deren man manch- 
mal an einer Nadel zwei und selbst drei findet. Die abgelegten Eier 
sind Anfangs gelb, werden aber nach einiger Zeit vollständig glänzend 
schwarz. 

Da die Eier der an Coniferen lebenden Lachnus-Arten gewöhn- 
lich an Nadeln abgelegt werden, so ist demnach die Extremität des 
Abdomens bei oviparen Weibchen niemals auf irgend merkliche Weise 
in die Länge gezogen; bei einigen Arten der Gruppe Aphidinae da- 
gegen, welche ihre Eier in Ritzen und kleine Aushöhlungen der Rinde 



83 

legen, z. B. bei Ch.acerisL. und Siph. platanoides Sehr., ist der hinter 
den SaftTÖhrchen liegende Endtheil des Abdomens verschmälert und 
in die Länge gezogen, fast Avalzenförmig, und erlangt einen bedeu- 
tenden Grad von Beweglichkeit. 

Mit der Eiablage kommt der Jahrescyclus und zugleich Lebens- 
cyclus der Lachnus- Arten zum Abschluß. 



Die Baumläuse treten nicht jedes Jahr in gleicher Menge auf. 
Manches Jahr und in manchen Gegenden scheinen gewisse Laclmus- 
Arten gänzlich zu verschwinden. Zum Beispiel, als ich voriges Jahr 
bei »Otwozk« in einem großen Walde von jungen Kiefern Baumläuse 
beobachtete, fand ich fast während des ganzen Sommers, von Juni bis 
Ende September (alt. St.) ausschließlich Z. pineus mihi var. curtipilosa 
und L. taeniatus Koch, und nur einmal, Anfang Juli (4./16.), habe ich 
eine Colonie flügelloser und geflügelter i>. nudus De Geer gefunden. 
Die Lac/mus-Axt L. pineti Fab., obgleich sie sehr leicht und schnell 
zu erkennen ist, fand ich kein einziges Mal ; auch habe ich ferner 
keine L. nudus De Geer mehr gefunden. Im laufenden Jahre jedoch 
traten diese beiden Lac hnus- Arten in Otwozk massenhaft auf, beson- 
ders am Waldesrande unweit des Flüßchens »Swidra«. An manchen 
kleinen Kiefern war selten ein Blatt von L. pineti Fab. frei. — Im 
Jahre 1892 , in den ersten Tagen des September fand ich in »Galachi« 
(Gouv. Plotzk) auf den Nadeln kleiner Kiefern, anstatt Läuse, L. pineti 
Fab., nur deren ausgetrocknete Häutchen, welche oben am Abdomen 
näher zu dessen Hintertheile runde Öffnungen zeigten, ähnlich wie es 
Buckto n abgebildet hat in seiner Monographie Th. I, Taf. IV Fig. 3. 
Die Öffnungen wiesen darauf hin, daß aus diesen Baumläusen Ich- 
neumonen ausgeschlüpft waren. 

Es ist höchst wahrscheinlich, daß in gewissen Jahren das Auf- 
treten gewisser Baumlausarten in größerer oder kleinerer Anzahl in 
Zusammenhang steht mit der im vorhergehenden Jahre stattgefunde- 
nen, mehr oder weniger intensiven Vermehrung ihrer Feinde, beson- 
ders der Ichneumonen. — Im September dieses .Jahres fand ich auf 
Fichtenzweigen im Parke »Lasenki« bei Warschau ausgetrocknete 
Häutchen ansehnlicher Colonien von L. Boffdanotvi mihi mit charakte- 
ristischen rundlichen Öffnungen an dem Hintertheile des Abdomens, 
und im Laboratorium gelang es mir aus lebendigen Individuen dieser 
Art ziemlich große Ichneumonen zu ziehen, welche ich bis jetzt noch 
nicht bestimmt habe. 

Der Zusammenhang zwischen der Anzahl der Aphiden in ge- 
wissen Jahren und der Entwicklung ihrer Parasiten ist im Allgemei- 
nen in der Litteratur von verschiedenen Autoren festgestellt worden. 



84 

So hat Kai ten bach dieser Frage § 5 und einen kleinen Theil des 
§ 4 seiner Monographie 2- gewidmet. Viele Thatsachen, die in Bezug 
zu diesem Gegenstande stehen, sind in der Monographie Buckton's^s 
zusammengefaßt. Allein die Beobachtungen über das Verhältnis 
der Zahl der Aphiden zu derjenigen ihrer Parasiten wurden meistens 
nur gelegentlich gemacht; näher ist diese Frage bisher noch nicht 
untersucht worden. 

In Bezug auf die an Coniferen lebenden Lac/mus-Arten muß 
noch eines Umstandes erwähnt werden. Die Färbung einiger Arten 
imitiert in bedeutendem Grade die Färbung derjenigen Pflanzentheile, 
an welchen die Baumläuse saugen. Zu diesen Lac h fius- Arien gehört 
in erster Linie L. taeniatus Koch und L. pichtae mihi. 

Erstere Lachnus- Axt, welche ich vielfach in Otwozk (Warsch. 
Gouvern.) in einem großen aus kleinen und mittelgroßen, größtentheils 
schmächtigen Kiefern bestehenden Walde zu beobachten Gelegenheit 
hatte, lebt auf schmächtigen, kleinen und buschartigen Kieferexempla- 
ren und zwar an deren dünneren, sowohl mit Nadeln bedeckten, als 
auch nadellosen Zweigen, welche im Allgemeinen graubraun, stellen- 
weise jedoch braun oder rostbraun gefärbt erscheinen. Die Oberfläche 
dieser zur Ansiedelung der Colonie dienenden Zweige ist gewöhnlich 
sehr rauh, in Folge der sich von ihr abschälenden kleinen Rinden- 
schüppcben und zuweilen mit grauweißen Flechten bedeckt. — Die 
flügellosen Individuen von L. taeniatus Koch haben an ihrer Hinter- 
brust und am ersten Hinterleibssegmente je einen den Seitenrand 
des Körpers nicht erreichenden Querstreifen, deren jeder aus zwei 
mehr oder weniger einander genäherten Flecken zusammengesetzt ist. 
Am fünften Hinterleibssegmente befinden sich auch zwei quere, nahe 
neben einander gelegene schwarze oder olivenbraune Flecken; dieselben 
sind glänzend, wie auch der ganze zwischen den Safthöckern befind- 
liche Theil des Abdomens. Der übrige Theil des Körpers ist rostbraun 
oder braun. Zu beiden Seiten des braunen Streifens an der Hinter- 
brust befinden sich zwei grauweiß-bestäubte Flecken. Zwei ähnliche 
Flecken befinden sich auch an den Seiten des vierten Hinterleibsseg- 
mentes vor den Safthöckern. Zuweilen ist außerdem der ganze Körper 
mehr oder weniger bestäubt, nur der mittlere Theil des Hinterleibes 
bleibt immer glänzend schwarz. Zu alledem gesellt sich noch eine 
mehr oder weniger abgeflachte Körperform. Dank der beschriebenen 
Färbung und Körperform bekommen die Baumläuse eine so auffallende 
Ähnlichkeit mit der Färbung der Rinde, an welcher sie saugen, daß 

22Kaltenbach, Monographie der Familien der Pflanzenläuse (p. XXXII — 
XXXIV). 

23 Monograph of the British Aphides. London 1876—1883. 



85 

ich sie Ende September und Anfang October (alt. St.) dieses Jahres, 
zu der Zeit also, wo die Baumläuse schon von Ameisen nicht mehr be- 
sucht werden, nur mit großer Mühe auffinden konnte; meistens wählte 
ich dazu die Zweige auf's Geratewohl und zerdrückte dabei oftmals die 
ßaumläuse mit den Fingern, weil ich sie vorher nicht gesehen hatte. 
Im Sommer lassen sich die betreffenden Baumläuse leichter auffinden, 
da um sie her zu dieser Jahreszeit Ameisen hin und her laufen. 

Außer dieser Art imitiert in höchstem Grade L. pichtae mihi, der 
von Frl. M. PawloAva in Carlsbad (Böhmen) auf der Weißtanne ge- 
funden wurde, die Färbung der Nadeln, an deren Basis diese Baumlaus, 
auf der Unterseite der Nadel sitzend, saugt. Die grünen Nadeln der 
"NVeißtanne haben, wie bekannt, an der Unterseite zwei weißliche 
Längslinien ; nach den Beobachtungen von Frl. Pawlowa ist die grüne 
Rückenseite der genannten Baumläuse auch mit zwei ähnlichen weiß- 
lichen Längsstreifen ausgestattet, wodurch es außerordentlich schwer 
fällt die Insecten an den Nadeln aufzufinden. Dieselben werden je- 
doch sofort bemerkbar, sobald sie, beunruhigt, die Nadeln verlassen, um 
längs der Triebe zu entfliehen. 

(Fortsetzung folgt.) 

2. Zum Bau des Eingeweidenervensystems der Insecten. 

(Aus dem Zoologischen Laboratorium der AVarschauer Universiät.) 
Von Fräulein M. Pawlowa. 

eingeg. 27. December 1S94. 

Den Bau des Eingeweidenervensystems habe ich bei verschiedenen 
Orthopteren und einigen Käfern untersucht. Das Hauptresultat der 
Untersuchungen ist, daß in Bezug auf die gegenseitige Entwicklung 
der beiden noch von Burmeister ^ festgestellten, paarigen und un- 
paaren, Abschnitte des Eingeweidenervensystems, in der Ordnung 
der Orthopteren wenigstens, eine große Übereinstimmung herrscht. 
Pachytilus migratorius [Gryllus migratorius) und Gryllotalpa vulgaris 
machen keineswegs eine Ausnahme, wie es J. F. Brandt gefunden'-. 

Bei allen bis jetzt untersuchten Formen ist der paarige Abschnitt 
auf den Kopf beschränkt und besteht nur aus zwei Paar hinter dem Ge- 
hirn gelegener Ganglien ; der unpaare Abschnitt dagegen erstreckt sich 
immer viel weiter auf die Verdauungsorgane und besteht meistens 
[Blatta, Pachytilus, Stenohothrus^ Locusta, Gryllotalpa) aus vier Gan- 
glien, — einem vorderen unpaaren oder Ganglion frontale, einem hin- 



1 Dr. H. Burmeister, Handbuch der Entomologie 1. Bd. 1832. 
- J. F. Brandt, Bemerkungen über die Mundmagen- oder Eingeweidenerven 
der Evertebraten. Mém. de l'Acad. de St. Petersb. 6-ème sér. Sc. nat. T. 1. 1835. 



86 

teren unpaaren Ganglion, welches hinter dem Gehirn in der Medianlinie 
des Vorderdarmes liegt und zwei Magenganglien, welche stets unweit 
der Grenze zwischen Vorder- und Mitteldarm liegen und durch zwei 
Nervenstränge direct mit dem hinteren unpaaren Knoten verbunden 
sind. Die Länge der unpaaren Commissur zwischen dem vorderen und 
dem hinteren unpaaren Knoten (N. recurrens) sowie der paarigen Com- 
missuren zwischen letzterem und dem Magenknoten ist beträchtlichen 
Schwankungen unterworfen und läßt zwei Typen unterscheiden : der 
erste Typus hat eine lange unpaare Commissur und kurze paarige 
Commissuren; in diesem Falle liegt der hintere unpaare Knoten 
außerhalb des Kopfes, und die Magenknoten sind nur wenig ent- 
wickelt [Periplaiieta orientalis). Der zweite Typus ist durch eine kurze 
unpaare Commissur und lange paarige Nerven zu den Magenknoten 
ausgezeichnet. Der hintere unpaare Knoten liegt hier im Kopfe 
selbst, unmittelbar hinter dem Gehirn und die beiden Magenganglien 
sind meistens von ansehnlicher Größe (Acridiodea, Locusta, Gryllo- 
talpa und Forficula). Zu dem ersten Typus müssen auch diejenigen 
Orthopteren [Mantis, Phasma^) gerechnet werden, bei denen über- 
haupt keine doppelten Magenganglien vorhanden zu sein scheinen, 
oder dieselben vielleicht nur wenig entwickelt sind. Bei diesen Thier- 
formen ist der Character des ersten Typus deutlich ausgesprochen, 
die Commissur nämlich zwischen dem vorderen und dem hinteren un- 
unpaaren Ganglion ist äußerst lang; letzterer entsendet regelmäßig 
zwei dicke Hauptzweige in der Richtung des Mitteldarmes. 

Die Resultate dieser Untersuchungen an Orthopteren brachten mich 
auf den Gedanken, ob nicht auch in anderen Insectengruppen gleiche 
Schwankungen hinsichtlich der Länge der Commissuren vorkommen 
könnten. Die an einigen Käfern angestellten Beobachtungen ließen 
auch sofort in dieser Insectengruppe dieselben zwei Typen wieder- 
finden. Bei einigen Käfern [Dytiscus^, Meloëu. anderen^) wird der un- 
paare Abschnitt als aus zwei Knoten bestehend beschrieben, deren einer 
vor dem Gehirn (G. frontale) , der andere weit auf dem Vorderdarme 
liegt; dieser hintere Knoten entsendet zuweilen (Dytiscus) zwei Haupt- 
nerven zum Mitteldarm. Somit hätten wir in diesen Insecten den 
ersten Typus der Orthopteren. Dem zweiten Typus begegnen wir in 



3 J. Müller, Über ein eigenthümliches , dem Nervus sympathicus analoges 
Nervensystem der Eingeweide bei den Insecten. Nova Acta Acad. Leop. Car. T. 14. 
pars I. 1828. — J. F. Brandt, Bemerkungen über die Mundmagen- oder Ein- 
geweidenerven der Evertebraten. Mém. de lAc. de St.-Pét. 6 sér. sc. nat. T. I. 1835. 

4 J.F.Brandt, Medic. Zool. Brandt u. Ratzeburg. 2. Bd. 1833. — H. Bur- 
meister, Handb. der Entomologie, 1. Bd. 1833. — J.F.Brandt, Bemerkungen etc. 

5 Dr. F. Ley dig, Vom Bau des thierischen Körpers, p. 274. 



87 

dem schon früher von Blanchard'' untersuchten Maikäfer [Melolontha 
vulgaris) und im Nashornkäfer [Oryctes nasicornis). Die von Blan- 
chard gegebene Beschreibung und Abbildung des unpaaren Nerven- 
systems von Melolontha ist nicht ganz richtig. Dieser Abschnitt be- 
steht aus genau denselben Theilen wie bei den Vertretern des zweiten 
Typus der Orthopteren, nämlich aus dem Ganglion frontale, dem 
hinteren unpaaren im Kopfe gelegenen Ganglion und aus zwei Magen- 
ganglien (nicht einem) , welche den Seitenwänden des Vorderdarmes 
aufliegen und durch zwei lange, feine Nervenfäden mit dem hinteren 
unpaaren Ganglion verbunden sind. Denselben Bau hat der unpaare 
Abschnitt auch bei Oryctes iiasicornis. 

Vorliegende Untersuchungen, deren Resultate ich der Anleitung 
des Herrn Prof. Nassonoff verdanke, sind in seinem Laboratorium 
an der Warschauer Universität gemacht worden und werden voll- 
ständig in den »Arbeitentf des genannten Laboratoriums erscheinen. 

IL Mittheilimgen aus Museen, Instituten etc. 

1. statistische Mittheüungen aus der Biologischen Station am Grofsen 

Plöner See. 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 

IV. 

Datum: 10. December 1894. Wassertemperatur: 5°Cels. 

Volumen: 19,6 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuen-Zahl: 

Polyarthra plattjptera 141300 

* * 

3/e/oMV«-Fäden 129525 



Zurücktretende und vereinzelt vorkommende Species: 
Synchaeta {tremula und pectinata)^ Triartlira longiseta, Anuraea 
cochlearis, Hyalodaphnia kahlbergensis, Bosmina longirostris (nur noch 
88 300), Bosmina coregoni^ Diaptomus graciloides^ Etcrytemora lacustris 
(junge und erwachsene Exemplare 70G50). — Polycystis aeruginosa. 



Datum: 20. December 1894. Wassertemperatur: 4" Cels. 

Volumen: 26 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuenzahl: 

Polyarthra platyptera 100000 



fi E. Blanchard, Sur le système nerveux des insectes. Ann. des Se. nat. 
Ill-ème Sér. Zool. T. V. 1846. — Cu vier, Règne animal. T. XII. Atlas. PI. 76. 



88 

Eurytemora lacustris (junge und er- 
wachsene Exemplare) . ..... 110088 

* * 

* 

Melosira-Yéiàen 599 500 



Zurücktretende und vereinzelt vorkommende Species: 
Triarthra loiigiseta, Anuraea cochlearis, Conochilus volvox (5800), 
Bosmina coregoni^ Diaptomus gracüoides. — Asterionella gracillima 
(nicht mehr als 6000), Polycystis aeruginosa. 



Datum: S.Januar 1895. Wassertemperatur: 2,5° Geis. 

Volumen: 20 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuenzahl: 

Polyarthra 100 000 

* * 

Melosira-Ydiaen 364 650 



Zurücktretende und vereinzelt vorkommende Species. 
Synchaeta tremula, A7iuraea cochlearis, Bosmina coregoni (53 850), 
Diaptomus graciloides, Eurytemora lacustris (62 800). 



Datum: 10. Januar 1895. Wassertemperatur: 2° Gels. 

Volumen: 23,5 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuen-Zahl: 

Melo sir a-YMew 1089 188 

Das Plankton besteht fast lediglich aus den starren , gelblichen 
Fädchen dieser Bacillariacee — ist also fast ausschließlich pflanzlicher 
Natur. Dazwischen entdeckt man auch noch wenige Sternchen von 
Asterioiiella (60 000 auf die Flächeneinheit). Die thierischen Bestand- 
theile des Auftriebs sind auf ein Minimum reducirt und man constatirt 
folgende Species als 

ganz vereinzelt vorkommend: 
Synchaeta tremula^ Polyarthra jìlatypter a, Anuraea cochlear is, Bos- 
mina longirostris, Cyclops oithonoicles, Eurytemora lacustris. 



Datum: 20. Januar 1895. Wassertemperatur: 1,3° Gels. 

Volumen: 19 ccm (unter 1 qm Fläche). 
Individuen za hl: 
Die Anzahl der Melosira-Yy^àen (es ist vorwiegend 3îelos. lievis- 
sima Grün.) hat um mehr als das Achtfache innerhalb eines zehntägigen 
Zeitraumes zugenommen. Ich zählte davon für den Quadratmeter 
877 000. Auch in Betreff" einiger thierischer Planktonwesen ist eine 
Zunahme zu registrieren: Synchaeta tremula tritt in der doppelten 



S9 

(58 000) uiû.à. Polyarthra platyptera (88 800) in der vierfachen Menge 
auf, wenn man den Befund vom 10. Januar als Einheit zu Grunde 
legt. Noch immer aber sind zu melden als 

sehr zurücktretend: 
Synchaeta pectinata^ Anuraea cochlearis, Bosmina loiigirostris und 
Diaptomus gradì oides. 

Aus der Seltenheit des Vorkommens der Krebse erklärt sich die 
geringe Größe des Volumens, welches im Monat Februar überhaupt 
seine untere Grenze für den Großen Plöner See erreicht. Da das 
Plankton, wenn es reichlich im Wasser vorhanden ist, nothwendiger- 
weise eine gewisse Trübung desselben hervorrufen muß, so kann die 
Tiefe, bis zu welcher eine weiße Scheibe für den Beobachter sichtbar 
bleibt, als ein ungefährer Maßstab für die zu einer bestimmten Zeit 
vorhandene Dichtigkeit oder Spärlichkeit des Plankton gelten. Am 
20. Januar war die weiße Scheibe (von 34 cm) noch bei 10 m Tiefe 
mit verschwimmenden Umrissen zu erkennen, wogegen sie im Hoch- 
sommer schon bei 4 — 5 m den Blicken vollständig zu entschwinden 
pflegt. Es besteht somit zwischen den Perioden großen und geringen 
Planktonreichthums ein Unterschied in der Durchsichtigkeit des 
Wassers, Avelches in der Fadenstrecke von 5 — 6 m seinen Ausdruck 
findet. Diese Thatsache ist überraschend genug, zumal wenn man 
bedenkt, dass es doch keineswegs völlig opake Wesen sind, welche 
diese Wirkung hervorrufen. 

2. Land-Fauna der Galäpagos-Inseln. 
Im Jahre 1891 machten Dr. G. Baur und der verstorbene Mr. 
C. F. Adams ausgedehnte Sammlungen auf den Galäpagos-Inseln. 
Sämmtliche der 16 Inseln mit Ausnahme von Narborough, Wenman 
und Culpepper wurden besucht. Eine Serie dieser wichtigen Samm- 
lungen, die viele neue Arten von Allen , Baur, Dali, Garman, 
Rid g way, Scudder beschrieben enthält, ist als ein Ganzes 
verkäuflich. 

Außerdem können einzelne Stücke der großen Landschildkröten 
(2 Arten), von AmblyrliyticJms, Tropidurus (Formen der verschiedenen 
Inseln) abgegeben werden, sowie die folgenden Vögel: 

Buteo galapagoensis Gould, Anous galapagoensis Sharpe, 

Fregata aquila L., Larus fuliginosus Gould, 

Phaëthon aether eus L., Creagrus furcaius (Neboux), 

Phoenicopterus ruber h., Aestrilata phaeopygia Salv., 

Poecilonetta galapagoensis Ridgw., Puffinus tenehrosus Pelz., 
Spheniscus mendiculus Sundev. 



90 

Wegen näherer Auskunft bittet man sich an Herrn Dr. G. B a u r . 
University of Chicago, Chicago, 111., zu wenden. 

3. Zoological Society of London. 

5th. February, 1895. — The Secretary read a report on the additions 
that had been made to the Society's Menagerie during the month of January 
1895. — Mr. Holding exhibited and made remarks on the skull of a 
Three-horned Stag, the head of a Four-horned Ram, and the gnawed horn 
of a Red Deer. — A communication was read from Dr. E. A. Goeldi, in 
which he describes the breeding-habits of some Tree-Frogs observed by him 
in the Province Rio Janeiro. Hyla faber, Wied, constructs nests of mud on 
the shallow borders of ponds, wherein the young are protected from enemies 
whilst in the larval state. Hyla Goeldii, Boulenger, dispenses with the 
metamorphoses, which are hurried through within the eggs, these being 
carried by the female on her back. Hyla nebulosa^ Spix, deposits its eggs in 
a slimy mass attached to withered banana-leaves, the young remaining in 
this sort of nest until in the perfect, air-breathing condition. — Mr. Edgar 
A. Smith, F.Z.S., gave an account of a collection of Land-Shells made 
principally by Mr. A. Everett at Sarawak, British North Borneo, Palawan, 
and other neighbouring islands. — Mr. Oldfield Thomas, F.Z.S., read 
a paper upon the long-lost mammal Putorius africanus, Desm., and its occur- 
rence in Malta. — Mr. F. E. Beddard, F.R.S., read a paper on the 
visceral anatomy of the Tree-Kangaroo [Dendrolagus Bennettii) and pointed 
out the structure of the brain and other organs. — P. L. S cl at er , Secretary. 

4. Malacological Society of London. 

Feb. 8th, 1895. — The Annual Meeting of this Society was held, by 
kind permission of the Council of the Linnean Society, in their Apartments 
at Burlington House, Dr. H. Woodwurd, President in the Chair. The 
Report and statement of Income and Expenditure for the year 1894 were 
adopted and the following were elected as the Officers and Council for the 
year 1895: President, Professor G. B. Howes; Vice-Presidents, W. H. 
Hudleston, F.R.S., E. A. Smith, Rev. R. Boog Watson, Dr. H. 
Woodward, F.R.S. ; Treasurer, G. F. Harris; Secretary, E. R. Sykes : 
Editor, B. B. Woodward; Six other Members of Council, G. C. Crick. 
S.J. Da Costa, Lt. Col. H.H. Go dwin- Aus ten, F.R.S. , R. Bullen 
Newton, J. C.Melvill, G. B. Sowerby. The usual votes of thanks ter- 
minated the proceedings. The Meeting was followed by an ordinary Meeting 
at Avhich Messrs. C. Cooper and P. Lawson were elected to Membership 
and three candidates were nominated. Several members brought specimens 
for exhibition and the following Communications were read; 1) On the 
genus Clea by E. A. Smith, 2) The sinistral character of the shell of 
Flanorbis by J. H. Vans to ne. 

5. American Morphological Society. 

At the Annual Meeting held at Baltimore, Dec. 27 and 28, 1894, the 
following subjects were presented and discussed: Larval Stages of an Anoplo- 
cephaline Cestode , by Dr. C. W. Stiles; Primitive Metamerism in Se- 
lachians, Amphibians, and Birds; by Dr. W. A. Locy; Note on the Homo- 
logies of the Pineal Sense-Organ, by Dr. W. A. Locy, »The Quadrille of 



91 

the Centrosomes« in the Echinoderm Egg. A second Contribution to Bio- 
logical Mythology, by Dr. E. B. Wilson; the Olfactory Lobe, by Dr. C. S. 
Minot; the Fundamental Difference between Animals and Plants, by Dr. C. 

5. Minot; the Polarity of the Egg in Toxopneustes by Dr. E. B. Wilson; 
the Origin of the Pigment and the Causes of the Presence of Patterns in 
Leeches, by Dr. Arnold Graf; Homoplasy as a Factor in Morphology, by 
Dr. H. J. Fernald; the Anatomy of some parts of Eetoparasitic Trematodes, 
by Mr. Seitaró Goto; on the Morphological Changes in the Pancreatic 
Cell, accompanying Functional Activity, by Mr. A. P. Mathews; Anatomy 
and Relation ships of Pauropida^ by Mr. F. C. Kenyon; Notes on the Bio- 
logy of the Lobster, by Dr. F. H. Her rick; Remarks on the Bioplastoiogy of 
Pecten, by Prof. A. Hyatt; Muscle Buds in the Pectoral Fins of Teleosts, 
by Dr. R. G. Harrison; the Minimum Size of Echinoderm Larvae, by Dr. 
J. H. Morgan. The officers elected for 1895 were: President, Prof. E. B. 
Wilson; Vice-president, Prof. W. B. Scott, Secretary-Treasurer, Dr. G. 
H. Parker; additional members of the Executive Committee, Prof. J. H. 
Morgan and Dr. S. Watase. G. H. Parker, Secretary. 

6. SoojiormecKoe OT;i,'liJieHÌe îïnmepaTopcKaro OómecTBa JIioifHTe- 

Jieil ECTeCTBOSHania, AnTponOJIOriH n BTHOrpacpn. (Zoologische Ab- 
theilung der kaiserlichen Gesellschaft der Freunde der Naturwissenschaften, 
Anthropologie und Ethnographie.) 

Sitzung des 22. Decemb. 1894 (3. Jan. 1895). — lipo«*. A. A. Thxo- 
MHpOBi) (Prof. A, A. Tichomirow) theiltedie Resultate seiner Untersuchungen 
über den Bau der Hoden bei Bombyx mori mit. Hierbei zeigte Ref. , daß 
1) jene große Zelle, welche Vjerson in jeder der vier Kammern der Hoden 
entdeckte und die er selbst als Sp er matogonie , Nogakushi aber als 
»supporting cell« bezeichnete, in der That eine riesige Bindegewebszelle 
sei, von der, wie einer gemeinsamen Wurzel, jene Bindegewebsstränge aus- 
gehen, welche die Spermatoblasten umwachsen und so die Hülle der Samen- 
kugeln bUden (physiologisch spielt diese sogen. Sp erma togo nie wahr- 
scheinlich die Rolle einer Nährzelle) ; 2) daß die Tracheen, welche ins Innere 
der Hoden eindringen, wie das schon Herold im Jahre 1815 nachwies, und 
was Referent im Jahre 1879 an Schnitten bestätigt fand (wie jetzt auch 
Verson), dieses Hineinwachsen in der Weise beginnen, daß Anfangs durch 
die Hülle der Hoden die plasmatische Endzelle hindurchdringt , welche das 
blinde Ende der Tracheenröhre enthält; darauf theilt sich diese Zelle und so 
beginnt das Wachsthum der Trachee innerhalb der Hoden. 

E. A. Eor^^aiiOBt (E. A. Bogdanov) gab eine kurze Übersicht der 
bisher bekannten Conservierungsmethoden, bei deren Anwendung die Form 
wie die Färbung der Objecte erhalten bleibt, und suchte nach eigenen Er- 
fahrungen die Grenzen zu ziehen, innerhalb deren man befriedigende Resul- 
tate erzielt. Folgende Thatsachen erscheinen als die interessantesten: Raupen 
werden am besten nach Trois' Methode (Arch. ital. de biol. VIII. 1887) und 
nach der von Crosa (Zeitschr. f. Microsc. VIII. H. 1, 1891) conserviert, bei 
Anwendung der letzteren muß man aber die Objecte aufschneiden. Zur 
Conservierung der grünen Farbe bei Blattläusen kann man 5^ige Lösungen 
von Natriumbisulfit (NaHSOy) empfehlen (Methode des Referenten), wenn 
man die Thiere vorher mit einer feinen Nadel durchstochen hat. Aufbe- 
wahren kann man sie in derselben Lösung oder in Glycerin. Für grüne 



92 

Pflanzentheile, sowie für Fleischpräparate wird vom Referent eine gesättigte 
Lösung von ungereinigtem Kochsalz empfohlen. Alle vom Ref. demon- 
strierten Objecte wurden bisher im Dunkeln aufbewahrt. 

K. A. Fpese (C. Grevé) sprach über die geographische Verbreitung 
der Artiodactyla non ruminantia. Er gab zuerst einen Überblick über die 
fossilen Funde von hippopotamähnlichen Formen sowie echten Hippopota- 
men , gieng dann zu einer Betrachtung der allmählichen Einschränkung der 
Verbreitung der Nilpferde in historischer Zeit über und stellte die heutige 
Grenze des Vorkommens der H. amphibhis L. und H. liheriensis Mort. fest. 
Zu den Suiden übergehend wurde ebenfalls zuerst der fossilen Formen ein- 
gehend gedacht und hierauf die Vei-breitungsgrenzen der jetzt lebenden 
Formen festgelegt. Hierbei äußerte Ref. die Ansicht, daß wohl die Species : 
Sus cì-istatus Wagn. , S. moiqmiensis M. Ed. , S. timorieiisis Müll. , aS". uìi- 
damaiiensìs Gray, S. j)apueììsis Lesson et Garnot und S. celebensis Müll, kaum 
als selbständige Arten angesehen werden dürften; höchstens könnte man 
sie als Rassen von S. vittatus Boie et Müll, gelten lassen, obwohl sie wieder- 
um, wie auch die letztgenannte Art, Sus scrofa L. ziemlich nahe stehen. 
S. pliciceps, dessen Heimat bald nach Japan, bald nach China oder gar 
Africa verlegt wurde, das von einigen Forschern sogar für einen Bastard 
eines afrikanischen Warzenschweines mit einer ostasiatischen zahmen Rasse 
erklärt wurde, ist ohne Nachweis der Heimat geblieben, dürfte aber wohl 
am ehesten eine ostasiatische Hausschweinform sein. 

7. Bitte. 

Da ich die Redaction des lierichtes über die geographische Ver- 
breitung der Thiere für Prof. Wagner's »Geographisches Jahrbuch«, 
seit 1889, übernommen habe, ersuche ich die Herren Verfasser von 
Arbeiten betreffend diesen Theil der Zoologie mir ein Exemplar Ihrer 
Schriften gefälligst zu übersenden. 

Prof. Dr. D. Vinciguerra 
7 Via Lombardia, ßom. 

III. Personal - Notizen. 

Professor N. Kl ein en ber g ist von Messina nach Palermo berufen 
worden und erbittet Briefe und Sendungen unter der Adresse: Palermo, 
Università, Istituto Zoologico. 

Necrolog. 

Am 25. October 1894 starb in Farhult (Schweden) Pastor Hans 
Daniel Johan Wallengren in 72. Jahre. Er war bekannt als tüchtiger 
Lepidopterolog und Neuropterolog. 

Am 21. Januar starb Berthold Neumoegen der verdienstvolle Lepi- 
dopterolog. 

Berichtigung. 

In dem Aufsatze Ȇber ampullenartige Blutcirculationsorgane im Kopfe 
verschiedener Orthopteren« von M. Pawlowa in No. 465 des Zoologischen 
Anzeigers ist zu lesen: 

p. 9 Zeile 13 von unten — Mittelschicht statt Muskelschicht; 

p. 12 Zeile 5 von oben — prae formiert er statt praeparierter; 

p. 12 Zeile 13 von oben — can tan s statt contans. 

DrucK von üreitkupf R Härte! in iieipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CaruS in Leipzig. 

Zugleicli 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wiltelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jahrg. 1 1 . März 1895. No. 470. 

Inhalt: I. Wigsensehaftlicke Mittheilnngen. 1. Mordwilko, Zur Biologie und .Systematik 
der Baumläuse (Lachninae Pass, partim) des Weichselgetietes. (Schluß.) 2. Werner, Erwiederung. 
3. Garbini, Appunti per una limnohiotica Italiana. II. iUittheil. ans Museen, Instituten etc. 
Vacat. III. Personal-Notizen. Vacat. Litteratur. p. 49 — 72. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Zur Biologie und Systematik der Baumiäuse (Lachninae Pass, partim) 

des Weichselgebietes. 

Aus dem Zoologischen Laboratorium an der Warschauer Universität.) 

Von A. Mordwilko. 

(Schluß.) 

L. agilis Kalt, gelingt es auch nur mit Mühe auf den Kiefer- 
nadeln zu entdecken; dazu muß iieinahe jede Nadel sorgfältig be- 
trachtet werden. Manchmal halten sich diese Läuse auf den gelb- 
werdenden Nadeln auf, und dann sind sie, dank der weißbereiften 
grünen Färbung ihres Körpers, leicht zu erkennen. 

Der Nutzen einer solchen Ähnlichkeit der Körperfärbung der 
oben genannten Arten mit der Farbe der Rinde der Zweige und der 
Nadeln, an welchen sie leben, kann bis jetzt nicht mit Bestimmtheit 
nachgewiesen werden, denn es wurde diesem Umstand bisher keine 
besondere Aufmerksamkeit geschenkt; übrigens sind diese drei Arten 
lange nicht von allen Autoren gefunden worden. Kalten bac h und 
]) uckton fanden L. agilis Kalt., Koch fand nur das eierlegende 
Weibchen, welches er bei L. pineti Koch beschrieben hat wnà. L. 
taeniatus Koch wurde bisher nur von Koch gefunden. Vielleicht 
könnte man einige Klarheit über diesen Gegenstand gewinnen durch 
das sorgfältige Studium der Beziehungen der erwähnten und ande- 
ren Lac/mus-Axten zu den Läuseparasiten aus der Gruppe der Ichneu- 
moniden, wie auch zu denjenigen Feinden der Baumläuse, welchen 

6 



94 

letztere als Nahrung dienen; unter diesen Feinden haben vielleicht 
auch die Grabwespen eine große Bedeutung, da einige Arten derselben 
wie bekannt Läuse als Nahrung für ihre Larven eintragen. 



Hier zu Lande fand ich die an Coniferen lebenden Laclmus- 
Arten, in der Stadt Warschau selbst und in deren Umgebungen — 
an Kiefer, Fichte, Wachholderstrauch und Lebensbaum ;ïhuja occi- 
dentalis), ferner in Otwozk — einer sehr waldreichen Gegend, 
(Warsch. Gouv.), wo ganze Strecken mit jungen Kiefern bedeckt sind, 
— auf Kiefer und Wachholderstrauch, in der Umgegend von Kielce 
und bei Nowogeorgie wsk (Gouv. Flotzk) — auf Kiefer und Wach- 
holderstrauch. — Im Ganzen fand ich hier elf Lac/mus-Aiten (darunter 
vier neue) '^^ : L. avilis Kalt., Bogclanowi n. sp., fasciatus Kalt. (nee. 
fasciatus Burm. = Dr. roboris L.), ßavus n. sp., juniperi De Geer, 
Juniperitms, n. sp., pineti Fab., pineus mihi (= L. inneti Koch's) und 
dessen Varietät curtipilosa m., L. nudus De Geer, pinihabitans n. sp. 
taeniatus Koch. 

Außer den Lac/mus- Arten, welche ich selbst gesammelt habe, 
sind in meine Tabelle noch einige Arten aufgenommen worden, welche 
ich nicht besaß, deren Diagnose aber mehr oder weniger gut nach den 
Litteraturangaben gestellt werden konnte. Außerdem erhielt ich von 
Frl. M. Pawlowa folgende in Carlsbad in Böhmen gesammelte 
Lachnus- Arten : L. pinicola Kalt., einen V^ ei^t^nnen- LacJmus, der 
sich als eine neue Art erwiesen hat, L. pichtae m., L. agilis Kalt., pineti 
Y &h ., piiieus mihi-, von Prof. N. Cholodkovsky aus Petersburg 
erhielt ich: L. farinosus Cholodk., welcher nach meiner Bestimmung 
mit L. fasciatus Kalt, identisch ist, L. pinicola Kalt, und unter dem 
Namen von L. pini L. — L. pineus mihi und dessen Varietät — var. 
curtipilosa m."^^. 

Ich halte es für nothwendig meinem Bestimmungsschlüssel der 
an Coniferen lebenden Lachnus- Äxten einige Bemerkungen voraus- 
zuschicken. 

Die einzelnen Merkmale erscheinen nicht streng constant für alle 
Individuen einer Art, einige Merkmale selbst, wie die der Fühler z. B. 
sind bei einem und demselben Individuum oft unbeständig. Beson- 
ders großen Schwanktingen ist die comparative Länge des Schnabels 



2* Eine kurze Beschreibung der neuen von mir gefundenen Arten M'ird in der 
Tabelle zur Bestimmung der an Coniferen lebenden Lachnus- Axien gegeben und 
daselbst auch die Synonymik in Betracht gezogen werden. 

25 Ich benutze hier die Gelegenheit Herrn Prof. N. Cholodkovsky und 
Fräulein M. Pawlowa meinen Dank für die gelieferten Lachmis-Arten auszu- 
sprechen. 



95 

unterworfen. Bei L. nudtis De Geer z. B. reicht er normal bis zum 
vorletzten Hinteileibssegmente ; es finden sich aber , wenn auch ver- 
hältnismäßig selten, Exemplare vor, bei welchen der Schnabel nur bis 
zum Anfang des Abdomens reicht. Dasselbe wird auch bei andern 
Arten beobachtet. Geringeren Schwankungen und innerhalb be- 
stimmter Grenzen, ist die Länge der einzelnen Fühlerglieder unter- 
worfen. Dennoch bieten diese eines der besten Merkmale zur Unter- 
scheidung der Lac/mus- Arten oder Lachnus-Gvwp-pen. In Bezug auf 
die Haarbedeckung fand ich keine Schwankungen unter einzelnen 
Individuen. Es lassen sich lange (0,08—0,14 mm) und kurze (0,02— 
0,ü4 mm) Haare unterscheiden; beide Arten können entweder fein 
oder steif sein. Wenn die Haare kurz sind, so stehen sie an Fühlern. 
Heinen und Körper ziemlich oder sehr dicht. Die Körperform bietet 
ein sehr constantes Merkmal , besonders für die vivi- und oviparen 
Weibchen (sie kann fast kugelig sein , wie bei L. juniperi De Geer — 
Koch's Fig. 320, 321, breit eiförmig und stark aufgedunsen — Koch's 
Fig. 303 und 302 , eirund und schwach gewölbt — Koch's Fig. 204, 
länglich-oval — Koch's Fig. 283, 293 etc.). — Was die Färbung anbe- 
langt, so ist dieselbe ziemlich variabel ; am beständigsten sind diejenigen 
Zeichnungen, welche dem Chitin angehören und sich selbst im Wein- 
geist erhalten. Der Grad der Bestäubung oder der Flaumaussonde- 
rung ; wachsartige Aussonderungen) characterisiert auch zuweilen ge- 
wisse Arten. Für einige Arten endlich ist ihr Aufenthaltsort sehr 
characteristisch . 

Einige früher beschriebene Lachmis- Arten konnten in die Tabelle 
nicht aufgenommen werden , hauptsächlich weil ihre Beschreibungen 
nicht ausführlich genug sind. Diese sind folgende: L. hyalinus Koch, 
confinis Koch, laricis Koch^ö, cupressi Bückt., macro ceplialus Bückt, (ist 
höchstwahrscheinlich L. hyalmusii.oc\i], pinicola Buckton^^, piniphila 
Ratz. 28 und L. pini nach Linnens und Fabric ins ^o. 



2f' Koch, Die Pflanzenläuse. Nürnberg 1857. 

'-■' Buckton, Monograph of the British Aphides. Vol. III. London 1881. 

28 Ratzeburg, Die Forst-lnsecten. III. Th. Berlin 1884. p. 219: »A. pini- 
phila, pinicola Kalt, und Pini L. — Sie gehören zu den größeren Blattläusen [Vl-i— 
T" lang) und unterscheiden sich durch die Fühlerglieder (bei L. Pini das sechste 
viel kürzer als das fünfte) und die Länge des Schnabels (bei den geflügelten meiner 
piniphila bis zum Ende und hoi piiiicola , welche überdies ganz glatten Thorax hat, 
bis zur Hälfte des Hinterleibes reichend).« 

29 Linnaeus, Fauna Svecica. Stockholmiae, 1746. (p. 218: n Aphis pini. Ha- 
bitat in Pinu 788 nostrate. Obs. Appendiculi brevissimi).« 

30 Fabricius, Systema Khynchotorum. (p. 300: »^.jjìhì. 44. A. pini sylvestris 
ramorum. Habitat in ramis junioribus Pini sylvestris.«) 

6* 



96 

Bestimmungstabelle für die an Coniferen lebenden 

Lac hnus- Art e n. 

Diese Lachnus- Arten leben gesellig oder einzeln an Coniferen, nämlich 

an deren jungen Trieben, an Zweigen und selbst an dünneren Baumstämmen, 

seltener an Nadeln [L. pined Fab. , affilis Kalt., pic/itae mihi) einiger dieser 

Holzpflanzen. 

I. 4. Fühlerglied kürzer als das 5., zuweilen kaum merklich kürzer, jeden- 
falls nie länger. 

Hierher gehören alle Coniferenläuse , die an Trieben , Zweigen und 
selbst dünnen Stämmen saugen und nur eine Art, welche auf der "Weiß- 
tanne lebt und an der Basis ihrer Nadeln, auf der Nadel selbst sitzend, 
saugt — L. pichtae mihi. Die bisher bekannt gewordenen geflügelten 
Formen der zu dieser Rubrik gehörenden Lachmis- Arten besitzen einen 
zweigabeligen Cubitus (3. Schrägader von der Flügelbasis an gerechnet); 
eine Ausnahme macht nur L. fasciatus Kalt., dessen Cubitus eingabelig ist. 
1. Saugen an Trieben, Zweigen und Stämmen der Nadelhölzer, niemals 
an Nadeln selbst; an letztere werden höchstens von den oviparen 
Weibchen im Herbste die Eier abgelegt; Färbung der Ungeflügelten, 
wie der Geflügelten rostgelb bis schwärzlichbraun , zuweilen nur mit 
grünlichem Anstrich (eine Ausnahme machen geflügelte Männchen 
einiger Arten, welche nach der letzten Häutung auf einige Zeit die 
grünliche Färbung der Nymphen beibehalten), keineswegs grün. 
A. 5. Fühlerglied deutlich oder bedeutend länger als das 6. (ihr Längen- 
verhältnis z. B. 0,32 : 0,20 mm; 0,28 : 0,24 mm; 0,25 : 0,20 mm) 
und deutlich oder nur unbedeutend länger als das 4.; 4. Glied 
länger als das 6. , zuweilen auch fast oder genau so lang wie dieses. 

AA. 4. Fühlerglied bedeutend kürzer als das 5., macht nur Y3 seiner 
Länge aus; 3. Fühlerglied eben so lang wie die 3 folgenden zu- 
sammengenommen. Hinterleib der ungeflügelten Weibchen 
sehr stark, fast kugelig aufgedunsen, Körper schwarz-matt, Kopf 
und die 2 ersten Brustringe oben glänzend; Länge 2 — 2' 2 Ü^^- 
Lebt an Fichtenstämmen [Pinus abies L. = Picea excelsa Lam.) 
(Kaltenbach) L. grossus Kalt. 

Kaltenbach. Fünf neue Spec. Pflanzenläuse (Stett. Ent. Zeit. 

1846, p. 174.) 
Panz., Fabr., Zetterst. A. piceae (Kalt. Monogr, etc., p. 343.) 
Altum. L. piceae. Die Forstzoologie 1875. 3. Bd. p. 343. 

AB. 4. Fühlerglied meistens unbedeutend kürzer als das 5. , beträgt 
nur ausnahmsweise Ys dessen Länge, gewöhnlich mehr; 3. Glied 
kürzer als die 3 folgenden , gewöhnlich ist es ebenso lang oder 
etwas länger oder kürzer als das 4. und 5. Glied zusammenge- 
nommen. 

AC. Das 4. Fühlerglied ist deutlich länger als das 6. 

a. Fühler und Beine mit feinen, langen Haaren (0,07 — 0,13 mm 
lang) bedeckt, welche an den Fühlern etwas schräg, an den 
Beinen fast gerade oder auch etwas schräg gestellt sind. 
aa. Ungeflügelte eirund (ungefähr wie bei Koch's Fig. 377 

oder Fig. 204) oder länglich oval (wie bei Koch Fig. 283); 

bei den flügellosen Formen scheidet der hintere Theil des 6. 



97 

Hinterleibsegmentes, sowie das 7. und 8. einen kurzen, aber 
dichten weißen Flaum oder Wolle aus , so daß der hintere 
Theil des Abdomens (hinter den Safthöckern) weiß oder grau- 
weiß erscheint ; Hinterleib der flügellosen Formen ganz glanz- 
los oder matt schimmernd : Schnabel bedeutend kürzer als 
der Körper, reicht von der Hälfte des 1. bis zum 5. Hinter- 
leibssegmente. 

a. TJngeflügelte eirund (Koch's Fig. 204), Schnabel reicht 
bis ans 5. Hinterleibssegment, selten kürzer. Lebt, sehr 
große Colonien bildend, an der Rinde dünnerer und dickerer 
Zweige , seltener der Triebe der Rothtanne (Picea excelsa 
Lam.) L. Bogdanowi n. sp. 

Ungeflügelte ovipare Weibchen. Körper eirund, 
wenig gewölbt; Kopf rostbräunlich, Vorderbrust ein wenig 
dunkler, auf der Mittelbrust in der Mitte ein braunes, 
viereckiges Querflleckchen , auf der Hinterbrust ebenfalls 
in der Mitte zwei schwarze Fleckchen und am ersten Hin- 
terleibssegment zwei schwarze Querstreifen , welche die 
Seitenränder des Segments erreichen. Die braunen und 
schwarzen Flecken und Streifen erhalten sich im Weingeist 
und bilden unter anderen ein ziemlich characteristisches 
Merkmal der betreffenden Art. Die Seitentheile der Mittel- 
und Hinterbrust, sowie auch der mittlere Längsstreifen 
zwischen den braunen und schwarzen Fleckchen und Strei- 
fen an Mittel- und Hinterbrust und am 1. Hinterleibs- 
segment sind gräulichgelb. Die Farbe des 5. und 6. Hinter- 
leibssegmentes zwischen den schwarzbraunen Safthöckern 
ist dunkel olivenbraun oder rostbraun. Der mittlere Theil 
des Abdomens vom ersten bis zum fünften Segmente ist 
rostbräunlich oder gelbgrau , die Seitentheile derselben 
Hinterleibssegmente jedoch sind gelblich oder gräulichgelb, 
zuweilen mit dunklen Fleckchen am 2. und 3. Segmente. 
Zwischen den Hinterleibssegmenten in der Mittellinie be- 
finden sich ziemlich kurze und schmale weiß-bereifte oder 
bestäubte Querstreifen, zu denen sich noch manchmal ein 
ähnlicher schmaler, weiß-bereifter, unterbrochener Längs- 
streifen gesellt; diese Streifen lassen sich sehr leicht weg- 
wischen. Das 7. und 8. Hinterleibssegment, sowie der 
hintere Theil des 6. scheiden einen kurzen, aber sehr 
dichten weißen Flaum aus (oder sind stark weißgepudert), 
und dieses fällt bei den meisten flügellosen Individuen 
dieser Art schon von Weitem in' s Auge. Körperlänge 
3^2 — 5 mm; bei 4 mm Länge ist die Breite im 4. oder 
5. Hinterleibssegmente 2 mm. — Geflügeltes vivipares 
Weibchen. Kopf und Vorderbrust rostbraun bis braun, 
Brustbeulen schwarzbraun , vorn und hinten weiß bestäubt 
oder bereift; Abdomen oben rost- oder gelbbräunlich, 
dessen Seitentheile vom 1. an bis zum 5. Segmente grau- 
gelblich ; zwischen den Hinterleibssegmenten in der Mitte 
schmale, kurze weißbestäubte Querstreifen ; an den Seiten 



98 

des Abdomens weißbesläubte Fleckchen — zwei unmittel- 
bar hinter den Safthöckern und zwei unmittelbar vor densel- 
ben (am 4. Hinterleibssegmente). Die Hinterleibssegmente 
sind deutlich von einander geschieden. Der Hinterleib ist 
von seiner Basis an bis zu den Höckern fast gleich breit. 
Körperlänge 3 1/2 — 3V^mm. — Die geflügelten Männ- 
chen sind im Allgemeinen den geflügelten viviparen 
Weibchen sehr ähnlich; sie sind nur etwas kleiner (bis 
31/4 mm). 
ß. Körper der ungeflügelten Weibchen ist länglichoval 
(Koch's Fig. 283); Schnabel reicht bis zum Ende der 
Hinterhüften oder bis an 's 2. Hinterleibssegment, ist also 
viel kürzer als bei der vorigen Art. Leben an der Rinde 
der Zweige und vorjährigen Triebe auf verhältnismäßig 
kleinen und schmächtigen Kiefern (Pinus silvestris) 

L. pinihahitans n. sp. 
Körperform der flügellosen (oviparen) Weibchen 
länglich oval (bei3'/2 — 4 mm Länge, IY2 — ^^U mm Breite), 
vor den Safthöckern , fast in der Mitte des Körpers , am 
breitesten (während bei der vorigen Art die 4. , 5. und 
6. Hinterleibssegmente am breitesten sind). Flügellose 
rostbraun, den hinteren Theil des Abdomens ausgenommen, 
stellenweise grauweiß bestäubt. An der Hinterbrust und 
am 1. Hinterleibssegmente in der Mitte je zwei schmale 
schwarzbraune Querfleckchen. Körperlänge 3Y4 — 4 mm. 

— Das geflügelte vivipare Weibchen gleicht sehr 
demjenigen der vorhergehenden Art und unterscheidet sich 
von diesem hauptsächlich durch ihren kürzeren Schnabel. 

— Die geflügelten Männchen gleichen den geflügel- 
ten viviparen Weibchen und unterscheiden sich nur durch 
geringere Körpergröße und einen dünneren Hinterleib. 
Körperlänge 2Y2mm. 

ab. Ungeflügelte Weibchen breit eiförmig, breit und wulstig 
gerandet; der hintere Theil des Abdomens (hinter den Saft- 
höckern) scheidet keine weiße Wolle aus ; Schnabel bei un- 
geflügelten Stammweibchen reicht über das 3. Beinpaar 
hinaus ; bei geflügelten Weibchen fast von der Länge des 
Körpers. Körper der Ungeflügelten braun, Kopf und Thorax 
etwas bestäubt. 4. und 5. Fühlerglied gleich lang, 6. halb 
so lang wie das vorhergehende. Länge IV2 — 2 mm. Lebt 
gesellig zwischen den Nadeln an den jungen Trieben der 
Kiefer (Kaltenbach's Monogr. etc., § 155 — 157) 

L. pini Kalt, 
b. Fühler und Beine kurz behaart, die Haare nämlich sind 0,02 — 
0,03 oder 0,04 mm lang, aber ziemlich stramm und sind hier 
wie dort schräg gerichtet. Der Hinterleib der Ungeflügelten 
wie der geflügelten Formen entweder ganz oder wenigstens im 
mittleren Theile , besonders am 5. u. 6. Hinterleibssegmente, 
stark glänzend. 

a. Schnabel reicht bei ungeflügelten und geflügelten Formen 



99 

bis an's vorletzte Hinterleibssegment oder bis zum Körper- 
ende; Körper der Ungeflügelten länglicb oval (bei De 
Geer, Insect. Übers. 3. Bd.. Taf. 6 Fig. 11 und 16 und 
bei Buckton, Monogr. etc. Taf. C Fig. 1), fast an der ganzen 
Oberfläche glänzend. 

aa. Das auf die Safthöcker folgende Hinterleibssegment 
(wenn man nach der Zeichnung urtheilt, denn im Text 
steht es: »The ring, fourth from the apex . . . «) bildet eine 
grauweißmehlige Querbinde , welche sich auf die Unter- 
seite des Abdomens fortsetzt. Körper bei flügellosen 
Weibchen braun bis schwarzbraun , glänzend. Flügellose 
Weibchen 4,81 mm lang (2,27 mm breit). Lebt an Zwei- 
gen und Ästen von Picea excelsa (Buckton) und Abies 
picea (Walker) L. piceae Walk. 

Buckton, British Aphides. Bd. Ill, p. 58, Taf. C Fig. 1, 2. 

aß. Der Hinterleib der Ungeflügelten hinter den Saft- 
höckern sondert keinen weißen Flaum oder Puder aus, 
wie bei der vorhergehenden Art; Körper rostroth bis dun- 
kelbraun , glänzend. — Bei der im Allgemeinen hellen 
Färbung des Körpers treten an der Rückenseite gewöhn- 
lich zwei braune Längsstreifen auf, welche sich selbst in 
einigen Segmenten gegenseitig berühren können. Bei einer 
Körperlänge von 4 mm sind die Fühler 1,68 mm lang. 
Das Verhältnis zwischen den einzelnen Gliedern vom 
dritten an ist in mm: 0,67 : 0,28 : 0,32 : 0,20 oder 0,64; 
0,29 : 0,32 : 0,20. Flügellose Weibchen 3 '/j — 4 mm lang, 
IY2 — IV4 °^^^" zuweilen fast 2 mm breit. — Männchen 
ungeflügelt. — Lebt in großen Colonien an der rostrothen 
oder rostbraunen Rinde der saftigen Zweige und Stämme 
jüngerer Kiefern (Pinus silvestris) L. nudus De Geer. 

De Geer, A. mula pini. Insect. Übers. 3. Bd., p. IS 

—26; Taf. 6 Fig. 11, 16 und 14. 
Koch, i.jt?«WL. Die Pflanzenläuse. 1857, p. 244, Fig.308. 
(Geflügelte.) 
ß. Schnabel reicht bloß bis zum 2. oder selten 3. Segmente des 
Hinterleibes, also nicht einmal bis zu dessen Hälfte. — Körper 
bei Ungeflügelten eiförmig, etwas flach, im mittleren 
Theile schwarz- oder braunglänzend, stellenweise gepudert; 
an der Oberseite der Hinterbrust und am ersten Hinterleibs- 
segmente je zwei mehr oder weniger einander genäherten 
schwarzbraunen Fleckchen, welche auch im Weingeist nicht 
verschwinden. Länge 2^/4 — 3^4 mm. Männchen geflügelt. 
— Lebt gesellig an schmächtigen vorjährigen Trieben und 
Zweigen der Kiefer (Pinus silvestris) L. taeniatus Koch. 

Koch, Die Pflanzenläuse, p. 240. (Die Zeichnungen 
Fig. 315 und 316 sind schlecht.) 

AD. 4. Fühlerglied ebenso lang oder nur unbedeutend länger als 
das 6. (z.B. ihr Längenverhältnis : 0,23 : 0,20 mm; 0,24 : 0,24 mm) . 



100 

, 4. Fühlerglied bei geflügelten viviparen Weibchen unbedeu- 
tend länger als das 6. (Es findet sich z. B. folgendes Längen- 
verhältnis zwischen den 4 letzten Gliedern : 0,54:0,23:0,25 
: 0,20 mm.) Fühler und Beine lang, aber dünn behaart, letztere 
besonders dicht und mehr oder weniger schräg gestellt ; Kör- 
perform länglichoval. Lebt gesellig an jungen Fichtentrieben 
zwischen den Nadeln (Picea excelsa) L. pinicola Kalt. 

Kaltenbach, Monogr. etc., p. 154. 
Passer ini, Aphididae Italicae. 
. 4. Fühlerglied so lang wie das 6. , sehr selten ein wenig länger 
(Längenverhältnis der 3 letzten Glieder in mm,z. B. : 0,24 : 0,28 
:0,24 mm oder 0,24:0,31:0,24 mm). Flügellose vivipare 
Weibchen mit sehr aufgedunsenem Hinterleib (z. B. bei 3^2 ^^"^ 
Körperlänge gegen 2 mm Breite). Lebt in kleinen Gesellschaf- 
ten oder einzeln an jungen Kiefertrieben oder dünnen Zweigen 
zwischen den Nadeln. 

a. Fühler und Beine mit langen (0,07 — 0,12mm), nicht beson- 
ders dichten Haaren bedeckt ; letztere mehr oder weniger 
stramm und besonders an den Beinen rechtwinkelig gestellt 

L. pineus mihi. 
Koch, L. pined Y diO. Die Pflanzenläuse , p. 230 — 231, 

Fig. 302, 303 und 301. 
Cholodko vsky, Z. joï'm L. (partim). Coniferen-Läuse. 

(Zool. Anz. 1892. No. 384—385.) 
unge flügeltes vivipares Weibchen. Körper breit ei- 
förmig, besonders breit in der Gegend der Safthöcker , stark 
aufgedunsen (ähnlich wie es von Koch abgebildet wurde 
Tab. XLI, Fig. 302 und 303) , rostroth oder rostgelb bis 
dunkel rostfarben , jedoch Kopf und Bi-ust gewöhnlich grau ; 
von der Hinterbrust an und bis zum 7. Hinterleibssegmente 
treten oft an der Kückenseite zwei dunkle sehr undeutlich 
begrenzte Längsstreifen auf (ungefähr wie auf Koch's Ab- 
bildung Fig. 302). Der größte Theil der Rückenseite des 
Abdomens, besonders der Hintertheil, schwach glänzend, zu- 
weilen , vorwiegend vorn und an den Seiten, grauweiß be- 
reift oder bestäubt. Länge 3 — 3^4 mm. — Männchen ge- 
flügelt, 
ß. Beine und Fühler sehr kurz behaart (0,02 — 0,04 mm); Haare 
ziemlich stramm und schräg gerichtet. 

ßa. Körper der Flügellosen fast glanzlos oder nur zuwei- 
len die mittleren und hinteren Theile des Abdomens 
schwach glänzend, grau rostfarben bis graubräunlich, ge- 
wöhnlich grauweiß bereift; Kopf, die ersten zwei Brust- 
segmente und die Seitentheile des Abdomens etwas grau- 
weiß bestäubt L. pineus var. curiipilosa mihi, 
Cholodkovsky, L. pini Lt. (partim). Coniferen-Läuse. 

Zool. Anz. No. 384—385. 1892. 
Diese Art oder Varietät ist im Allgemeinen dem L. pitieus 
mihi ähnlich ; unterscheidet sich von der letzteren Art nur 



101 

dadurch , daß die Haarbedeckung an Fühlern und Beinen, 
wie auch am ganzen Körper dichter, aber sehr kurz ist. 
Oft ist auch die Zahl der schwarzen Pünctchen an Brust 
und Abdomen nur sehr gering (je 6 kleine Puncte an je- 
dem Hinterleibssegmente). Zuweilen jedoch treten die 
Pünctchen ebenso zahlreich auf, wie bei L. pineus m. — 
Lebenscyclus und Aufenthaltsort sind genau dieselben, wie 
bei L. pineus. 
ßß. Körper der Flügellosen oben, — Kopf und Vorder- 
leibsringe, welche etwas weiß bestäubt sind, ausgenommen, 
— metallisch glänzend , rostbraun mit zwei ziemlich brei- 
ten vorn und hinten zusammentreffenden schwarzen Längs- 
streifen ; Fühler und Beine schwarz. — Bei den geflügel- 
ten Individuen sind die 1., 2. und 4. (Randmahlader) 
Schrägader stärker als bei L. pineus, die 3. Schrägader 
(Cubitus) dagegen ist sammt den Zweigen außerordentlich 
fein und mit freiem Auge nicht zu sehen 

L. pineus var. hyperophila Koch. 
Koch, Die Pflanzenläuse, p. 232. 
B. 5. Fühlerglied kürzer als das 6. oder gleich lang (Längenverhältnis 
der 3 letzten Fühlergiieder kann z. B. folgendes sein: 0,19[0,18]: 
0,205:0,205 mm oder 0,15:0,205:0,25 mm) und nur bei Z. /as- 
ciatns Kalt, ist das 5. Fühlerglied zuweilen unbedeutend länger als 
das 6., dabei sind aber oft bei dieser Lachnus-Kxt die 3 letzten Füh- 
lerglieder fast gleich lang (0,23 : 0,23 : 0,24 mm; 0,22: 0,25:0,22; 
0,17 : 0,19 : 0,20 mm). Fühler und Beine dünn, aber lang und dicht 
behaart (Haare 0,08 — 0, 13 mm lang). 

BA. 5. Fühlerglied bedeutend kürzer als das 6. und das 4. kürzer 
als das 5. ; Längenverhältnis der 3 letzten Fühlerglieder kann 
z. B. folgendes sein : 0, 15 : 0,205 : 0,25 mm. Körper bei unge- 
flügelten Weibchen sehr stark, fast kugelig aufgedunsen, grau- 
bräunlich oder roströthlich , glanzlos und gewöhnlich grau be- 
stäubt. An Hinterbrust und 1 — 2 oder 1 — 3 ersten Hinterleibs- 
ringen zwei schräg divergierende matt schwarze Streifen, ein jeder 
aus einzelnen Fleckchen zusammengesetzt (letztere verschwinden 
nicht im Weingeist). Männchen ungeflügelt (De Geer). — Lebt 
in kleinen Colonien an dünneren Zweigen und jungen Trieben des 
Wachholderstrauches (Juniperus communis) L. Juniperi De Geer. 

De Geer, Insect. Ill, p. 38, Taf . 4 Fig. 8. 

Kaltenbach, Monogr. etc. p. 153. 

Koch, Die Pflanzenläuse, p. 343, Fig. 319 — 321. 

Passerini, Aphididae Italicae. 

Buckton, Monogr. etc. 3. Bd., p. 44, Taf. XCVI Fig. 1 u. 2. 

BB. 5. Fühlerglied gleich oder fast gleich lang wie das 6, 

a. 4. Fühlerglied deutlich kürzer als das 5. oder das 6., welche 
gleich lang sind (Längenverhältnis der 3 letzten Glieder: 0,19 
[0,18]: 0,205: 0,2ü5 mm). 

aa. Körper bei ungeflügelten Formen (Weibchen) länglich- 
oval oder länglich-eirund, citronen- oder orangegelb, glanz- 
los; 7. und 8. Hinterleibssegment sowie der hintere Theil 



102 

des 6. scheiden oben einen sehr kurzen, aber dichten weißen 
Flaum, aus L. ßavus n. sp. 

Flügellose ovipare Weibchen 31/4- — 3'/2 mm lang; 
Schnabel reicht bis zum 1. — 2. Hinterleibssegment. Gefun- 
den Anfang October (alt. St.) an Fichtentrieben [Picea excelsa). 
ab. Körper bei ungeflügelten Weibchen breit eiförmig, sehr 
stark aufgedunsen (wie z, B. auf Koch's Fig. 320); der 
hintere Theil des Hinterleibes scheidet keinen kurzen weißen 
Flaum aus L. jimiperinus n. sp. 

Ungeflügelte (ovipare Weibchen). Körper breit eiför- 
mig , stark aufgedunsen , rostbräunlich , glänzend. An der 
Oberseite der Mittelbrust bis zum 2. Hinterleibssegment zwei 
schräg nach rückwärts zu divergierende graubraune Seiten- 
streifen aus einzelnen Fleckchen zusammengesetzt; zu beiden 
Seiten dieser Streifen und zwischen ihnen (an der Mittel- 
und Hinterbrust) grauer Staubüberzug. Zuweilen trifft man 
an glatter rostbrauner Rinde von Thuja occidentalis Colonien 
roströthlicher Individuen dieser Art an. Länge 3 — 3V4 mm. 
— G e flu gelte vivipare Weibchen, Kopf dunkel rostbraun; 
Brustbeulen schwarzbraun bis schwarz ; Hinterleib rostgelb, 
etwas aufgedunsen. Länge 3Y2 mm. — Geflügelte Männ- 
chen kleiner und schlanker ; Fühler länger als bei geflügel- 
ten Weibchen; 3., 4. und 5. Fühlerglied sehr höckerig mit 
hellen E-iechgrübchen. 

Lebt in sehr großen Colonien auf baumartigen Wach- 
holder -Sträuchern (Juniperus communis) an Zweigen und 
Stämmen, in kleineren Colonien an den Zweigen von Thuja 
occidentalis. 
, 4. Fühlerglied ebenso lang wie das 5. oder etwas kürzer und 
dann ist es fast dem 6. gleich; 5. Glied gleich lang wie das 6., 
zuweilen etwas länger oder kürzer; im Allgemeinen sind die 
31etztenFühlergliederbeinahegleichlang(0,22 : 0,25 : 0,22 mm; 
0,22:0,24:0,23mm; 0,23:0,23:0,24 mm; 0,17:0,19: 
0,20 mm). Ungeflügelte Weibchen breit eiförmig, sehr stark 
aufgedunsen, rostgelb , rostbraun bis dunkelbraun, der mittlere 
Theil des 3. und 4. Hinterleibssegmentes sowie das ganze 
5. und 6. stark glänzend; fast der ganze Körper, den mittleren 
Theil ausgenommen , sehr stark grauweiß gepudert oder mit 
grauweißem Flaum bedeckt. Länge 2'/2 — 41/2 n^in- — Für 
diese Art sind die Vorderflügel der Geflügelten sehr charac- 
teristisch ; letztere sind nämlich mit graubraunen oder rauchigen 
Fleckchen versehen, einem größeren am Ende der ersten und 
einem kleineren am Ende der 2. Schrägader ; Radialzelle ebenfalls 
bräunlich und an ihrer Basis , also neben dem Randmahl ein 
helles Fleckchen. — Lebt gesellig , zuweilen bedeutende Colo- 
nien bildend, an Fichten (Picea excelsa), nämlich an deren 
Zweigen und Trieben L. fasciatus Kalt. 

Kaltenbach, Monogr. etc. p. 160. 

Koch, Die Pflanzenläuse, p. 237, Fig. 311 und 312. (Die 
Flügellosen sind den Stammweibchen ähnlich.) 



103 

Cholodkovsky, L. farinosus. ibid. 

Burmeister beschreibt unter dem Namen L. fasciatus Burm. 
zweifellos den Dr. roboris L. , was sowohl aus seiner Be- 
schreibung der Flügel, als aus seiner Angabe erhellt, daß 
die Hinterbeine bei dieser Art sehr lang sind ; letzteres 
paßt jedenfalls nicht auf L. fasciatus Kalt. , bei welchem 
die Hinterbeine kürzer sind als der Körper. (Haudb. der 
Entom. 2. Bd. p. 93.) 
2. Saugen an der Basis der Weißtannennadeln, auf deren Unterseite sie 
sitzen. Körper tiefgrün mit zwei weißlichen Seitenstreifen längs der 
Rückenseite L. pichtae n. sp. 

Körper der ungeflügelten viviparen Weibchen fast breit eiförmig 
(3,80 mm lang bei 1,76 mm Breite), tiefgrün mit zwei lateralen weiß- 
lichen Längsstreifen an der Oberseite, wodurch diese Weißtannenläuse 
unerkennbar werden wenn sie an der Unterseite der Weißtannen- 
nadeln sitzend, an deren Basis saugen. Fühler und Beine wenig dicht, 
aber lang behaart; Haare stramm, an den Beinen fast rechtwinklig ge- 
stellt, an den Schienen schwarz. Fühler 1,10 mm lang bei einer Kör- 
perlänge von 3,80 mm; Längenverhältnis der 4 letzten Fühlerglieder 
kann dabei 0,36 : 0,16 :0,19: 0,22 mm sein. Die zwei ersten Fühler- 
glieder schwarzbraun, die Enden des 3. und 4. Gliedes, die zweite 
Hälfte des 5. und das ganze 6. Glied schwarz, der übrige Theil des 
Fühlers grünlichgelb. Schnabel reicht bis zum zweiten oder bis zur 
Hälfte des 3. Hinterleibssegmentes. Hinterbeine fast ebenso lang wie 
der Körper; Schienenenden und Füße schwarz, letztere ziemlich lang 
(bis 0,49 mm), ihr erstes Glied fast halb so lang wie das zweite. 
Länge 3,8 mm. — An Weißtannen (Abies pectinata) , saugen ein- 
zeln an der Unterseite der Nadeln, in der Nähe ihrer Basis. Sind von 
Fräulein M. Pawlowa in Carlsbad (Böhmen) gefunden worden. 
IL Die drei letzten Fühlerglieder der flügellosen Weibchen sind fast gleich 
lang oder das 4. Glied ist nur unbedeutend länger [L. pineti Fl.), oder 
kürzer [L. agilis Kalt.), als das 5. (Es kommt z. B. folgendes Längenver- 
hältnis der 3 letzten Fühlerglieder vor: 0, 15 : 0,14 : 0, 14 mm ; 0,14: 
0,14: 0,14[0, 13mm]; 0,18 : 0,1 6: 0,15 [Z.j9we/f?Fl.]; 0,22:0,23:0,20mm; 
0, 19 : 0,21 : 0,20 mm [L. agilis Kalt.].) Vorderfiügel mit eingabeligem Cu- 
bitus. Leben nur an Kiefernadeln. 

A. Körper der Ungeflügelten länglich-eirund oder oval, etwas aufge- 
dunsen , gelb- oder rothbräunlich oder grünlichbraun , in weißgraue 
Wolle gehüllt. Fühler und Beine ziemlich dicht mit langen (an den 
Beinen bis 0,14 mm lang) , feinen, an den Beinen geradwinkelig ge- 
stellten Haaren besetzt. Die Beine mit grauweißem Flaum bedeckt, in 
Folge dessen sie zottig erscheinen. Flügellose Weibchen 2Y4 — 3 mm 
lang. Sitzen in langen Reihen an der Unterseite der Kiefernadeln 
(characteristisch) ; kriechen langsam L. pineti Fab. 

De Geer, A. tomentosa. Ins. III, p. 26, Taf. 6 Fig. 21 u. 22. 
Kaltenbach, Monogr. etc. p. 162. 

B. Körper langgestreckt, fast walzenförmig (cylindrisch), grün, weiß bereift 
mit schwarzen Puncten an der Oberseite. Haare an den Fühlern nicht 
besonders lang, bis 0,08 mm, ziemlich stramm, sitzen verhältnismäßig 
undicht und vorwiegend an der Außenseite der Fühler (wenn letztere 



104 

nach vorn gerichtet sind^ : an der Innenseite der Fühler sind die Haare 
sehr kurz; an den Beinen dagegen sind die Haare viel länger, 0,09 — 
0,11 mm lang, stramm und sitzen ziemlich undicht und etwas schlag. 
Die flügellosen Weibchen sind bis 2^4 mm lang. Lebt an Kiefern 
(Pinus silvestris) in kleinen Gruppen von höchstens 8 Individuen oder 
einzeln an der Unterseite der Nadeln, wo sie nur schwer wahrzunehmen 
sind ; laufen sehr schnell L. agilis Kalt. 

Kaltenbach, Monogr. etc. p. 161. 

Koch, Die Pflanzenläuse, Fig. 304 und Ende der pp. 231 und 232. 

Buck ton, Monogr. etc. 3. Bd. p. 47, Taf. XCVI Fig. 3—5. 



Meine Untersuchungen über Fauna , Biologie und Anatomie der Aphi- 
den des Weichselgebietes sind im Zoologischen Laboratorium des Herrn 
Prof. N. Nassonow an der Warschauer Universität ausgeführt worden und 
werden vollständig in den »Arbeiten« des genannten Laboratoriums er- 
scheinen. 

Warschau, 9./21. December 1894. 

2. Erwiderung. 

Von Dr. Franz Werner in Wien. 

eingeg. 10. Januar 1895. 

Nicht ohne Überraschung — denn ich habe meine anspruchslose 
Mittheilung über Algiroides moreoticiis im »Zoologischen Anzeiger« 
No. 452, 1894 nicht für so provocatorisch gehalten — habe ich den 
vehementen Angriff des Herrn Dr. J. von Bedriaga in No. 464 
(31. Dec. 18941 dieser Zeitschrift gelesen. Und worin bestand mein 
Capitalverbrechen , welches die fast zwei Seiten lange Epistel des ge- 
nannten Forschers noth wendig gemacht hat? Einzig und allein darin, 
daß ich meiner Verwunderung Ausdruck gegeben habe , daß von zwei 
Forschern die Schwanzlänge eines und desselben Exemplares — denn 
1875, als Schreib er 's Herpetologia Europaea erschien, war ja nur das 
Bibron-Bory'sche Originalexemplar bekannt — erheblich verschie- 
den angegeben werden konnte. Ich kenne und schätze sowohl Herrn 
Dr. J. von Bedriaga als Herrn Dr. E. Schreiber als gewissenhafte 
und exacte Beobachter und darum war ich mit Recht erstaunt, wie sich 
eine solche Differenz ergeben haben konnte; und Herr Dr. J. von Be- 
driaga hätte nicht nöthig gehabt, von »Verdächtigen« zu sprechen, als 
hätte ich ihm wegen der Kürze des Pariser il/oreo<^c^^s-Schwanzes einen 
schweren Vorwurf gemacht. Ich bin vollkommen überzeugt, daß Herr 
Dr. J. von Bedriaga keine Schuld daran trägt, daß der Schwanz des 
Pariser Exemplares kürzer ist, als ich es bei meinen Exemplaren aus 
Kephallenia in der Regel gefunden habe. Wenn mir Herr Dr. von 
Bedriaga zumuthet, Avegen des Schwanzes von ^. moreoticus die 
Reise von Wien nach Paris zu machen , so überschätzt er offenbar 



105 

meine Vermögensverhältnisse und die Wichtigkeit besagten Eidechsen- 
schwanzes. Auch kann er von mir nicht verlangen, daß ich bei einem 
zweimaligen Besuche bei ihm , bei dem er mir in liebenswürdigster 
Weise seine schöne und reichhaltige Sammlung zeigte, auch schon hätte 
Notizen über die Maße der gesehenen Thiere hätte machen können, 
noch dazu bei A. 7iioreoticus, den ich damals noch nicht hoifen konnte, 
selbst zu finden. Nachdem er mir vor einigen Jahren geschrieben 
hatte, die seiner Zeit von mir gesandten Eidechsen seien für seine 
Sammlung unbrauchbar, habe ich es seither unterlassen , ihm wieder 
etwas zu senden, obwohl ich von A. moreoticus nach Maßgabe meines 
Yorrathes an alle mit mir in Verbindung stehenden Herpetologen 
gern Exemplare abgegeben habe — und bisher sonst auch noch Alles 
gern genommen wurde. Wenn Herr Dr. v. Bedriaga nichts Außer- 
gewöhnliches darin findet, daß seine Beschreibung auf Kephallenia- 
Exemplare nicht paßt, warum diese Entrüstung? Das Pariser Exem- 
plar hat eben einen kurzen nicht normal entwickelten Schwanz , und 
Herr Dr. v. Bedriaga, der ja gelesen haben wird, daß a\ich meine 
Exemplare nicht alle langschwänzig sind, hätte es nicht so warm in 
Schutz zu nehmen gebraucht, um so mehr als ich auch selbst weiß, daß 
in der Erp. gén. die Länge angegeben ist, wie er sie mittheilt. Er 
hätte ebenso gut Herrn Dr. Schreiber fragen können, wie ich, da 
meine Publication doch nur eine Beschreibung meiner Exemplare 
war und sein sollte, und nur beiläufig diesen unglücklichen empfind- 
lichen Eidechsenschwanz streifte. Übrigens ist auch anderen Men- 
schen schon passiert, daß ihnen irgend ein Werk momentan nicht zu- 
gänglich war. Herrn Dr. v. Bedriaga jedenfalls nicht. Es ist mir 
übrigens nie eingefallen , ihn belehren oder corrigieren zu wollen und 
ich hoffe, daß diese Zeilen ihn nicht wieder veranlassen werden, über 
den Schwanz des Algiroides moreoticus und über meine geringe Be- 
lesenheit in der herpetologischen Litteratur eine Abhandlung zu 
schreiben. 

3. Appunti per una limnobiotica Italiana. 

n. Piatodes, Vermes e Bryozoa del Veronese. 

Von Dr. Adriano Garbini, Verona. 

(Vedi: Zool. Anz. No. 454, p. 29.5.) 

eingeg. 2. Januar 1895. 

Continuo l'elenco della limnofauna veronese, con i Platodi, i Vermi 
ed i Briozoi riscontrati fino ad ora nel Benaco e nei corsi d'acqua della 
nostra provincia , segnando sempre la loro maggiore o minore fre- 
quenza con i segni + e O. 



106 



Species 


Lago di 
tìarda 


Acque 
montane 


Fibbie 


Tartaro 


Acque 
Tallire 


Adige 


IV. Piatodes. 














Rhabdocoela: 














Catenula lenmae Duges. 










o 




Mesostoma Ehrenhergii 0. Schm. 


4- 








+ 




Vortex {truncatus Ehrb. ?). 


-t- 






+ 


+ 




Den drocoela: 














Dendrocoelum lacteum Oerst. 


+ 




+ 


+ 


+ 




Planai-ia torva M. Schultze. 




-^- 






+ 




P. luguhris 0. Schm. 






4- 




+ 




P.fuscaO. F. Müller. 


_i_ 












Polycelis nigra Ehrb. 


-V- 




-i- 


4- 


+ 




P. cornuta 0. Schm. 






+ 


+ 






V. Termes. 














N e m e r t i n i : 














Petrastemtna sp. 


o 












Nematodes: 














Jlermis uqtiatilis Duj. 


o 


O 










Gordiiis aquatUus Duj. 




O 






+ 




G. lucustris Duj. 


+ 












Rhahditis nic/rovenosa Rud. 










+ 




Anguillula sp. 










+ 




Dorylaimus stagnalis Duj. 


+ 


+ 


+ 




+ 




Trilobus gracilis Bütschli. 


+ 


+ 






+ 




Hirudinei: 














Piscicola geometra L. 


+ 




+ 


+ 


+ 


+ 


Ghssipiionia complanata L. 


+ 




+ 


+ 






G. bioculata Bergm. 


"T 


+ 






+ 




Dina quadristriata Grube. 




-t- 










Haemopis sanguisuga L. 


+ 




+ 


+ 


+ 




Herpobdella atomaria Carena. 


+ 




+ 


+ 


+ 




H. octoculata L. 








+ 






Xephelis vulgaris M.-T. 


+ 








+ 




Oligochaeta: 














Tuhifex rivuloruni Lam. 


+ 




-:- 


-f- 


+ 




Lumhriculus variegatus 0. F. Müll. 




+ 






+ 




Nais prohoscidea 0. F. Müll. 


+ 




+ 








Stilarla lucustris L. 


o 












Aelosoma quaternarium Ehrb. 


o 












Chaetogaster diaphanus Gruith. 






-f 


+ 






Ch limnaei R. Lank. 


+ 




+ 


+ 






Rotatoria: 














Hydatiua senta Ehrb. 




+ 




+ 






Synchaeta pedinata Ehrb. 


o 













Eosphora elongata Ehrb. 



(Nelle acque termali di Caldiero) 



107 



Spe 



Lago di Acque 
Garda montane 



Fibbio Tartaro 



Acque 

vallive 



Adige 



+ 



+ 



Asplanchna helvetica Imh. + 

Rotifer vulgaris Okeu. + + + 

Callidina parasitica Giglioli, O O 

Dinocharis sp. O 

Euchlanis [dilatata Ehrb.?). O O 

Lepadella ovalis Ehrb. + + 

Brachionus sp. + 

Anuraea longispina Kellicot. + 

Floscularia appendiculata Leyd. + O 

TI. Bryozoa. 

Plumutella repens L. + + 

P. lucifuga Vaucher. + 

I Platodi si trovano disseminati in tutte le nostre acque sia oriz- 
zontalmente che verticalmente; i Dendroceli , però, si innalzano più 
che i Rabdoceli. — Il quantitativo specifico va decrescendo dalle 
acque vallive, alle lacustri, alle correnti, alle montane, e alle torren- 
ziali (Adige) nelle quali non ebbi, fino ad ora, a trovarne nessuna specie. 
— Il quantitativo individuale massimo si trova nei ruscelli di acqua 
limpida, poco profondi, con letto ghiajoso, e ricchi di piante sommerse; 
le acque più abbondanti di Dendroceli sono quelle dei piccoli influenti 
del Tartaro, e quelle lacustri. 

La Catenula lemnae Dugès , a tipo cosi distinto dal gruppo in cui 
è messa, interessa per la sua limitata distribuzione geografica. Infatti, 
se la memoria non mi fallo, non viene accennata da nessuno dai lim- 
nologi moderni, e fu trovata, a quanto mi consta, solo in Francia e in 
Germania. 

I Vermi si trovano pure disseminati in tutte le acque della pro- 
vincia. Hanno maggiore diffusione i Rotiferi, come quelli che, per la 
resistenza vitale delle uova e dell' individuo , possono passare da un 
punto all' altro per mezzo del trasporto passivo (Vento, Uccelli, Insetti). 

Fra i Nemertini noto un Tetrastemma (non determinato) , che 
trovai nel Benaco presso Garda; mi pareva di primo acchito che 
potesse essere il /. lacustre Dupl. , ma non posso asserirlo , perché mi 
si è sciupato l'unico esemplare raccolto. — Ho fatto moltissime in- 
dagini per trovare nel Benaco XlLmea lacustris, ma non mi fu ancora 
possibile rintracciarla, quantunque esista nei laghi subalpini svizzeri. 

Fra i Nematodi ricordo una specie di Anguillula comunissima 
nelle nostre acque vallive, la quale si è acclimatata nelle acque termali di 
Caldiero ,27° CI , e vive in gran numero fra le maglie del bellissimo 
feltro organico che copre con uno spessore di cm. 2 , con uno strato 



108 

mai interrotto, i gradini delle terme di Giunone (Caldiero). — Il 
Gordius aquaticus e il Dorylaimus stagnalis guadagnano le maggiori 
nostre altitudini. 

Degli Irudinei — determinati dal ben noto elmintologo Blan- 
chard, che desiderò esaminarli per il suo lavoro in corso di stampa 
intorno agli Irudinei dell' Alta Italia — i più diffusi sono la Piscicola 
(unica specie di Vermi riscontrata fino ad ora anche nell' Adige), VHae- 
mopis e \ Herpohdella atomaria'^ quelli con area più limitata sono la 
Dma, raccolta in una sorgente montana, e Y Herpobdella octoculata, 
pescata nel Tartaro. La specie che tocca l'altitudine più elevata è la 
Dina, trovata a S. Anna d'Alfaedo (m. 936). 

Fra gli Oligoceti noto la Nais proboscidea commensale comune 
delle Spongille , ed il Tuhifex rivulorum che ho pescato anche nella 
regione neritica del lago, mentre fino a poco tempo fa l'aveva avuto 
solo che dalle zone profonde; questa specie è la più diffusa del gruppo. 
— La forma che abita acque montane è il Liimbriculus , trovato anche 
in una sorgente a Rovere di Velo (m. 843). 

DeiRotiferi riescono importanti: V Eosphora elotigata , perchè 
riscontrata solo nelle acque termali di Caldiero; Y Asplatichna helvetica, 
V Anuraea lonffispina, e \a. Synchaeta pedinata, come forme eulimnetiche ; 
YEuchlanis e la Lepadella ovalis, perchè si trovano anche in altitudini 
elevate; e la Caìlidina parasitica perchè si fissa sulle laminette bran- 
chiali del Gammarus fluviatilis. — Speciale attenzione merita la Syn~ 
chaeta pectinata , specie nuova per il Benaco , che raccolsi in numero 
di due soli esemplari, fra Sermione e Salò, alla superficie. Questa 
forma non è comune a tutte le faune limnetiche, e si sarebbe trovata, 
a quanto so, nel lago di Ploen in Germania (Zacharias), e in Boemia 
nello stagno di Unterpocernitz (Fric und Vavra); questo fatto po- 
trebbe dipendere tanto per essere forma abbastanza rara, quanto per la 
mancata concomitanza fra il momento della pesca e la presenza del 
Ro tiferò. 

Dei Briozoi ne raccolsi solo due specie. La Plumatella ì'cpetis, 
che mi parrebbe la forma tipica di Kafka' , è comune in un influente 
del Fibbio, ricco di Nymphaeae, sotto le cui foglie crescono le colonie 
dendritiche di questi animali; la trovai anche nel Benaco a Sirmione, 
e a S. Vigilio. La P. lucifuga, molto più rara, vive insieme alla prima 
neir influente del Fibbio; rassomiglierebbe allo var. 2 di Kafka 
[Predericella sultana Blumb.). 

Verona, 29. dicembre 1894. 



1 J. Kafka, Die Süßwasserbryozoen Böhmens; Prag, 18S7. 
Drnck von Breitkopf & Hfirtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVm. Jahrg. 25. März 1895. No. 471. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilnngen. 1. SIclIarrich , The Segmentation of the ovum 
in terrestrial Isopods. 2. Wasmann, Zur Kenntnis der myrmekophilen Arthropoden. '^. Canestrini, 
Über einen neuen Parasiten der Sängethiere. 4. Treuenfels , Die Zähne von Myliohates aquila. 
5. Boettger, Liste der Reptilien und Batrachier der Insel Halmaheira nach den Sammlungen Prof. 
Dr. W. Kükenthal's. 6. Ostronmoff, Springen oder Fliegen? II. Uittheil. ans Unseen, Institu- 
ten etc. 1. Meyer, Noch einmal die Wiese'sche Conservierungsflüssigkeit. 2. Zacharias, Statistische 
Mittheilungen ans der Biologischen Station am Großen Plöner See. 3. Zoological Society of Lon- 
don. 4. La Société Zoologiqne de France. 5, Deutsche Zoologische Gesellschaft. III. Per- 
sonal-Notizen. Litteratnr. p. 73 — lOS. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. The Segmentation of the ovum in terrestrial Isopods. 

By J. Play fair McMurrich, Ann. Arbor, Mich. 

eingeg. 11. Januar 1895. 

For some time I have been engaged in a study of the early deve- 
lopment of the Isopod Crustacea, and, during the past summer, com- 
pletedapaper (to appear in the .Journal of Morphology) containing 
the results of my observations on the segmentation and formation of 
the germ layers in a number of different species of Isopods. Since 
this paper left my hands Professor L. Roule has published an account 
of his observations on the early development oi Porcellio scaher^ giving 
in a more extended form and with figures the results previously indi- 
cated in preliminary notices in the Comptes Rendus. To these preli- 
minary notices I have referred in my forthcoming paper , but as M. 
Roule has reiterated in his memoir statements so distinctly at variance 
with my observations on Porcellio scaler in this country, it seems 
fitting that attention should be called to certain of the discrepancies, 
especially since M. Roule's observations tend to perpetuate the, as 
I have good reason to believe, mistaken ideas of Bobretzky as to 
the existence of a telolecithal segmentation in terrestrial Isopods. 

' L. Roule, Etudes sur le développement des Crustacés. Ann. des Sciences 
Nat. Zoologie, VII. Sér. T. XVIIL No. 1—3. 



no 

1 have succeeded in following step by step the segmentation of 
laeramarina, Asellus coniinunis^ Porcellio scaber and Ai'madültdium sp.?, 
and have also observed certain stages in the early development of 
Oniscus murarius and Philoscia tittata. As a result I am able to state 
with certainty that in none of these forms does a telolecithal segmen- 
tation occur, but in all it is of the same type and is typically centroleci- 
thal. In Porcellio and Armadillidiutn, to confine our attention to these, 
immediately after fertilisation the nucleus occupies practically the 
centre of the egg , where it lies imbedded in a mass of protoplasm 
from which delicate processes radiate off into the yolk. Enclosing the 
yolk is a delicate layer of protoplasm entirely destitute of nuclei and 
probably , to judge by what occurs in the egg of laera , united with 
the central nucleated mass by a reticulum of protoplasm, the yolk 
being distributed in the meshes of this reticulum. 

The segmentation begins with a division of the simple central 
nucleus and of the protoplasm which surrounds it, the peripheral 
protoplasm and the yolk remaining undivided , as indeed they do 
throughout the entire process. Thus two nuclei, each surrounded by 
a stellate mass of protoplasm, [; are at this stage to be found near the 
centre of the egg. This division is repeated, so that four , then eight, 
and then sixteen nuclei, each surrounded with its mass of protoplasm, 
are formed. But as the division proceeds the nuclei come to lie nearer 
and nearer the surface of the ovum , until finally they reach the sur- 
face and their protoplasmic envelopes fuse with the peripheral proto- 
plasm , several of the nuclei at the same time approaching each other 
somewhat , so as to form the anläge of the blastoderm , the remaining 
ones being scattered at intervals over the surface of the Q%^. 

The details of the segmentation , and certain interesting pheno- 
mena which accompany it, will be fully described with figures in my 
forthcoming paper and I will confine myself at present to pointing out 
that the segmentation of Porcellio and Armadillidium and of the 
other terrestrial Isopods mentioned above, is identical in its character 
with that of Asellus, the only notable difference being that in the latter 
form a cleavage of the yolk into what Reichenbach has termed 
primary yolk pyramids occurs at a certain stage , though wanting in 
the earlier stages. 

These statements are at utter variance with the observations 
recorded by Roule. It can hardly be possible that the European 
Porcellio differs so markedly in its developmental processes from its 
American representative as the two accounts would imply. My obser- 
vations may be readily verified by the use of proper methods ^ and to 

2 Such as fixing in alcoholic picro-sulphuric acid, staining in Klein e nb erg' s 



Ill 

me it is clear from Roule's description that he has mistaken a stage 
at which the nuclei had already reached the surface for the stage im- 
mediately succeeding fertilization. This »cicatricule« is apparently 
the anläge of the blastoderm and his »ilots de blastolécithe« are the 
remaining cells scattered ovBr the surface of the yolk. This failure 
to perceive the true significance of these structures is undoubtedly 
due to his imperfect methods, under which, as he himself states »les 
éléments diminuent de volume, et leurs noyaux se condensent à l'excès, 
en faisant disparaître, d'habitude, la plupart des détails de leur struc- 
ture«. Further comment seems unnecessary. 

Bobretzky's account of the telolecithal segmentation of Oniscus 
is manifectly unsatisfactory and J. Nusbaum's opinion as to its oc- 
currence in Porcellio seems to be founded entirely on conjecture. 
The fact of the undoubted occurrence of the centrolecithal method in 
the four Oniscidae I have studied, (not to mention its probable occur- 
rence also in Ligia) , and their agreement in this respect with the 
AselUdae and with the majority of Crustacea are strong arguments in 
favor of the universality of the method throughout the entire group of 
the Isopoda. 

I find my observations on the development of Porcellio at variance 
with those of M. Roule in several other respects. I shall not 
however consider these here; they will be more readily understood 
from the detailed account of my results. 

University of Michigan, Ann Arbor, Mich. U. S. A., Dec. 31, 1894. 

2. Zur Kenntnis der myrmekophilen und termitophilen Arthropoden. 

Von E. Was mann, S. J. (Exaeten bei Roermond, Holland). 

eingeg. 15. Januar 1895. 

Der innige Zusammenhang zwischen Morphologie und Biologie 
ist auf wenigen zoologischen Forschungsgebieten so auffallend wie bei 
den sogenannten Gästen der Ameisen und Termiten. Die mannig- 
faltigsten Formen der Symbiose, vom echten Gastverhältnis (Myr- 
mecoxenie Emery's) bis zum bloßen Synoeketismus oder zur Myrme- 
cophagie und zum Parasitismus treten uns hier entgegen und finden 
oft ihren klaren morphologischen Ausdruck in der Körpergestalt oder in 
bestimmten Organbildungen, die nur unter dieser biologischen Rück- 
sicht verständlich werden. So sind z. B. bestimmte Büschel gelber 
oder rothgelber Haare bei myrmekophilen Coleopteren ein sicheres 
Zeichen, daß dieselben an den betrefienden Körpertheilen eines äthe- 

haematoxylin and washing in acid alcohol until all the stain is removed from the 
yolk. Then clear in oil of cloves and examine as a transparent object. 

7* 



112 

rìschen Öles wegen von ihren Wirthen beleckt werden; für diesen 
schon von Erichson und Lacordaire geahnten Zusammenhang 
liegen jetzt hundertfältige Belege vor. Eine andere Seite des echten 
Gastverhältnisses, die Fütterung der Gäste aus dem Munde der Wirthe, 
findet bei den myrmekophilen und termitophilen Aleocharinen ihren 
morphologischen Ausdruck in der Breite der Zunge, zumal wenn die- 
selbe mit einer Reduction der Lippentaster verbunden ist; hierzu 
kommt bei den betreffenden Termitophilen noch eine oft enorme 
Dicke des Hinterleibes. Bei einer neuen Art dieser physogastren 
Aleocharinen aus Venezuela, Termitomorpha Meinerti Wasm. , die 
ebenfalls eine sehr breite Zunge und verkümmerte Lippentaster hat, 
kann man aus der ungewöhnlichen Entwicklung der Kiefertaster so- 
wie aus der Breite und der Richtung der Muskelbündel in dem stark 
geschwollenen vorletzten Gliede derselben sogar den Schluß ziehen, 
daß dieser Gast in vita seine Wirthe durch Schläge mit den Kiefer- 
tastern zur Fütterung aufforderte, ähnlich wie die Claviger hierzu ihre 
Fühler und die Atemeies ihre erhobenen Vorderfüße benutzen. 

Bei der Familie der Clavigeriden zeigt sich die biologische Ab- 
hängigkeit dieser echten Gäste von ihren Wirthen als wichtiges mor- 
phologisches Familienmerkmal in der Verkümmerung der 
Taster, die bei den zunächst verwandten Pselaphiden so gut entwickelt 
sind, daß sie deswegen den Namen »Tastkäfer« erhalten haben. Da 
die Clavigeriden aus dem Munde ihrer Wirthe gefüttert werden, 
nebenbei auch an der Brut derselben schmarotzen , bedürfen sie kei- 
ner Organe zum Aufsuchen und Prüfen der geeigneten Nahrung; 
daher ihre rudimentären Palpen. Es giebt wohl kaum ein überzeugen- 
deres Argument für die Irrthümlichkeit der Behauptung Plateau's, 
daß die Palpen der nagenden Insecten functionell und speciell als 
Sinnesorgane bedeutungslos seien, als die Thatsache, daß bei Insecten, 
die der selbständigen Nahrungssuche überhoben sind, unter allen 
Mundtheilen zuerst die Taster und zwar primär die Lippentaster, 
rückgebildet sind ^ . Wäre Plateau's Ansicht richtig, so müßten alle 
nagenden Insecten rudimentäre Palpen zeigen. 

Unter den übrigen zahlreichen Belegen für den innigen Zusam- 
menhang der Biologie mit der Morphologie bei den myrmekophilen und 
termitophilen Arthropoden mögen hier nur noch die ecitophilen Sta- 
phyliniden Brasiliens, die Begleiter der bekannten Wanderameisen, 
erwähnt werden. Ohne daß bisher Detailbeobachtungen über deren 
Verhältnis zu ihren Wirthen vorliegen, können wir doch schon nach 
ihrer morphologischen Eigenart drei biologische Typen unterscheiden : 



1 Vgl. hierüber auch Nagel im Biolog. Centralbl. 1894. No. 15. 



113 

einen Mimicry-Typus, einen Schutzdachtypus und einen indiiferenten 
Typus. Besonders der erstere ist morphologisch nur daraus verständ- 
lich, daß seine Wirthe nahezu blind sind, dafür aber einen äußerst 
feinen Tastsinn der Fühler besitzen ; daher erklärt sich nämlich , daß 
bei den Ecitongästen in der Färbung keine Ähnlichkeit zwischen Gast 
und Wirth besteht, in der Sculptur (und Behaarung) und der Körper- 
gestalt jedoch eine um so größere; und je mehr die Körpergröße der 
Gäste des Mimicry-Typus derjenigen des Wirthes sich nähert, um 
so vollkommener wird die Nachahmung der Ecitongestalt, und um 
so vollkommener wird auch die zur activen Täuschung der Amei- 
sen dienende Ähnlichkeit der Fühlerbildung des Gastes mit jener des 
Wirthes. 

Das Studium der Wechselbeziehungen zwischen den Ameisen 
resp. den Termiten und ihren Gästen bietet somit nicht bloß für die 
Biologie und die vergleichende Psychologie, sondern auch für die ver- 
gleichende Morphologie, für die Physiologie der Sinnesorgane u.s. w. 
reichen und interessanten Stoff. Um dieses Forschungsgebiet für die 
Wissenschaft fruchtbar zu machen, war es vor Allem wünschenswerth, 
daß das gesammte einschlägige Material in einem übersichtlichen Ver- 
zeichnisse zusammengestellt und kritisch gesichtet würde ; kritisch be- 
sonders insofern, als die gesetzmäßigen Symbionten von den zufälligen 
Besuchern der Ameisennester und Termitennester streng geschieden, 
und bei ersteren wiederum die normalen Wirthe der betreffenden 
Gäste besonders hervorgehoben werden. Diesem Zwecke dient das 
kürzlich bei Dames in Berlin von mir veröffentlichte Werk: «Kri- 
tisches Verzeichnis der myrmekophilen und termitophi- 
len Arthropoden. Mit Angabe der Lebensweise und mit 
Beschreibung neuer Arten.« 

Der erste Theil des Buches, das Litteraturverzeichnis (56 S.), 
giebt die einschlägige Litteratur in alphabetischer Peihenfolge der 
Autoren und in chronologischer Reihenfolge der Arbeiten der einzel- 
nen Autoren. Wo nicht der Titel der Arbeit selbst schon eine hin- 
reichende Kenntnis des Inhaltes vermittelt, ist eine kurze Inhalts- 
angabe beigefügt, sowie auch eventuell berichtigende Bemerkungen. 

Der zweite Haupttheil , das Artenverzeichnis (p. 57 — 202), 
ist in systematischer Reihenfolge der Familien und Gattungen ange- 
ordnet; für die Arten innerhalb artenreicher Gattungen, wo auf andere 
Weise keine leichte Übersicht möglich wäre , ist eine alphabetische 
Keihenfolge gewählt , sonst eine biologische, indem jene Arten, deren 
Wirthe bereits genau bekannt sind, den übrigen vorangestellt wurden. 
Bei jeder Art ist Name des Wirthes, Vaterland und genaues Citat bei- 
gefügt, bei den zahlreichen neuen Angaben der Name des Finders und 



114 

der Sammlung, Da der Zweck der Arbeit nicht bloß war, die bisheri- 
gen Fundortsangaben kritisch zusammenzustellen und durch neue 
zu vermehren, sondern auch ein biologisches Compendium über 
den Gegenstand zu bieten , ist vor den einzelnen Familien ein kurzer 
Überblick über deren myrmekophile oder termitophile Lebensweise 
gegeben, ebenso auch Bemerkungen über l^ebensweise , Larven etc. 
bei einzelnen Arten. 

Die Zahl der myrmekophilen Arthropoden beträgt nach 
diesem Verzeichnisse 124ü gegen 588 des letzten allgemeinen Ver- 
zeichnisses von Ernst André (1874) ; da unter diesen 588 jedoch viele 
zufällige Gäste waren, die in das neue Verzeichnis nicht aufgenom- 
men wurden , ist der thatsächliche Zuwachs ein weit größerer als der 
Vergleich jener beiden Zahlen angiebt. Unter den 1246 Myrmeko- 
philen entfallen auf die Insecten 1177, auf die Arachnoideen 60, auf 
die Crustaceen 9 Arten; unter den 1177 myrmekophilen Insecten sind 
993 Coleopteren. 

Die Zahl der termitophilen Arthropoden beträgt 109, dar- 
unter 105 Insecten, unter diesen 87 Coleopteren. 

Möge dieses Verzeichnis, das Ergebnis zehnjähriger Arbeit, zu 
dem auch viele andere Collegen mitgewirkt haben 2, zu weiteren For- 
schungen auf diesem Gebiete anregen. Berichtigungen und Nach- 
träge zu demselben werden mir sehr erwünscht sein, sowie auch wei- 
tere Beiträge an Litteratur und Sammlungsmaterial, besonders aus 
den Tropen 3. 

3. Über einen neuen Parasiten der Säugethiere. 

Vorläufige Mittheilung. 
Von Prof. G. Canestrini in Padua. 

eingeg. den 15. Januar 1895. 

Die Familie der Listrophoriden enthält mehrere Parasiten der 
Säugethiere und besonders der Nagethiere. Zwei Listrop/iorus-Axteii 
[L. Leuckarti und L. gihbiis) sind schon seit 1800 und 1861 durch das 
Verdienst Pagenstecher 's bekannt, eine dritte Art [L. Pagenstecheri) 
hat Dr. H al 1er im Jahre 1879 beschrieben, und eine vierte (i.mwsi'e/ae) 
Dr. Mégnin im Jahre 1885. Von Myocoptes kennen wir seit 1869 
nur eine Art [M. musculinus) , welche von Clap a rede in seinen 



2 Joh. Schmidt (Histeriden), Bergroth (Heteropteren), Forel und Emery 
(Formiciden), Moniez (Thysanuren und Acarinen) , Adr. Dollfus (Isopoden) etc. 

3 Mit sorgfältiger Beifügung der betreffenden Wirthe (bei Pheidole- Arten und 
bei Termiten wenigstens Arbeiter und Soldaten) , und mit sorgfältiger Trennung 
des aus verschiedenen Nestern stammenden Materials (Separationsmethode, in klei- 
nen Tuben mit Alcohol). 



115 

Studien an Acariden beschrieben wurde. Im Jahre 1887 hat S. A. 
Poppe die Gattung Crintscantor geschaffen ^ welche vielleicht mit 
Myocoptes zusamemnfällt; er hat aber einen recht interessanten Para- 
siten des Hamsters [Cricetus frumentarius) gefunden, den Criniscantor 
criceti. Ganz neulich hat Dr. Trouessart mehrere hierher gehörige 
Parasiten auf ausländischen Säugethieren gefunden , so den Campylo- 
chirus ^ dem wahrscheinlich die Gattung Chirodiscus an die Seite zu 
stellen ist. 

Wie gesagt, die Gattung Myocoptes enthält nur eine Art [M. 
?nuscttlinus) , die auf der Maus lebt; dieser Art kann ich eine zweite 
beifügen, welche auf dem Siebenschläfer [Myoxus glis) lebt und die 
ich. 3Iyocoptes gUrinus benenne. Prof. Be rie se hat in seinem Werke 
»Acari, Myriapoda et Scorpiones hucusque in Italia reperta«, fase. 48, 
No. 10 eine Milbe unter dem Namen Myocoptes musculinus abgebildet, 
aber es handelt sich um den M. glirinus, der aus meiner Acariden- 
Sammlung stammt und auf Myoxus glis gefunden wurde. 

Folgende Diagnose möge genügen, um den Unterschied zwischen 
den zwei genannten Parasiten klar zu machen. 

Myocoptes glirinus n. sp. Männchen. Füße des vierten Paares 
schlank und so kurz , daß sie mit ihrem Tarsus den Hinterleib nicht 
überragen. Die Copulationsnäpfe sind von einander mehr entfernt 
als ihr Durchmesser beträgt. Jeder Schwanzlappen trägt nur zwei 
Borsten, eine sehr lange innere und eine kürzere äußere. Penis ge- 
krümmt. Länge 0,22 mm; Breite 0,13 mm. — Weibchen. Körper ge- 
drungen. Hinterrand des Körpers leicht ausgerandet. Epigynium sehr 
deutlich , zwischen den Hinterenden der vorderen Epimeren gelegen. 
Unterseite des Abdomens ohne zahnartige Fortsätze. Länge 0,29 mm; 
Breite 0,15 mm. 

Ich fand diese Milbe ziemlich häufig auf Myoxus glis in Südtirol. 

Padua, 13. Januar 1895. 

4. Die Zähne von Myliobates aquila. 

Vorläufige Mittheilung. 
Von Paul Treuenfels, Zahnarzt in Breslau. 

eingeg. 22. Januar 1895. 

Mit einer Bearbeitung der Zähne von Myliobates aquila in Bezug 
auf ihre Histologie und Entwicklung beschäftigt, will ich diejenigen 
Befunde, die es mir werth zu sein scheinen, bereits jetzt mittheilen, 
mir im Übrigen aber eine ausführliche Besprechung und Zeichnungen 
über diesen Gegenstand vorbehalten. 

Während des Wachsthums des Thieres wächst der Kauapparat in 



116 

seiner Gesammtheit nur an seinem beständig embryonalen Ende. Er 
verbreitert sich daselbst [so daß seine Form trapezförmig wird], indem 
sich die einzelnen Zahnkeime breiter anlegen. Er verlängert sich in 
der Eichtung von hinten nach vorn durch Vermehrung der Zahl seiner 
Zahnreihen neben geringer Längenzunahme der Zähne. Das Wachs- 
thum der Zähne in jeder Dimension, auch in der Höhe, ist bei dem 
Beginne der Abscheidung fester Zahnsubstanzen abgeschlossen. Die 
Mittelplatten des Gebisses entstehen aus je einem Zahnkeime und 
sind nicht zusammengesetzt. Bei zunehmender Größe des Thieres 
verbreitern sie sich schon in der ersten Anlage und wachsen nicht 
durch spätere Apposition. Was die Entwicklung des Gesammtcom- 
plexes anbetrifft, so geht diese in der zuerst von O. H er twig für die 
Rochen beschriebenen AVeise vor sich. Die Schleimhautnische über 
einem Theile der jungen Zähne entsteht durch Verödung des Cylinder- 
epithels, mit dem sie in ihrem innersten Theile über den jüngsten 
Keimen innig zusammenhängt. 

5. Liste der Reptilien und Batrachier der Insel Halmaheira nach den 
Sammlungen Prof. Dr. W. Kükenthal's. 

Von Prof. Dr. O. Boettger in Frankfurt a./M. 

eingeg. 25. Januar 1895. 

Auf den folgenden Seiten sollen Namenlisten der von Professor 
Kükenthal im Auftrage der Senckenbergischen naturforschenden 
Gesellschaft in Frankfurt a. M. auf Halmaheira gesammelten Kriech- 
thiere und Lurche gegeben und zugleich die Diagnosen der zahl- 
reichen angetroffenen Novitäten gebracht werden. Abbildungen dazu 
werden in dem Hauptwerk folgen , das im Laufe der nächsten Jahre 
in den Abhandlungen der Senckenbergischen Gesellschaft erschei- 
nen soll. 

I. Reptilien. 
a. Lacertilia. 

1) Gymnodactylus pJiilippmicus Stdchr. 

2) Hemidactylus fretiatus D. B. 

3) Gehyra mutilata (Wgm.) 

4) Gehyra marginata n. sp. 

Char. Verwandt der G. oceaiiica (Less.), aber größer, die Ohr- 
öffnung sehr klein , die Hautfalten längs Kinn , Hals , Kumpf und 
Vorder- und Hinterseite der kürzeren Gliedmaßen außerordentlich 
stark entwickelt — die Spannhaut in der Kniebeuge z. B. 7 mm 
breit — , die Spannhaut zwischen den Fingern und den Zehen eben- 
falls um das Doppelte breiter und kräftiger, fast die Hälfte der Zehen 



O^ Totallänge 


213 


Kopflänge 


34 


Kopfbreite 


24 


Rumpflänge 


83 



33 


35 mm 


47 


48 )) 


96 


100 » 



117 

verbindend. Supralabialen 13 — 15 (statt 11 — 13), Infralabialen 13 — 14 
(statt 9 — 11). Sch^vanz niedergedrückt, unten flacher, an den Seiten 
deutlich kantig, ziemlich deutlich geringelt, jeder Ringel aus 10 — 12 
Schuppenquerreihen bestehend. Sonst übereinstimmend. Vondernoch 
näher stehenden G. vorax Gir. getrennt durch kürzere Gliedmaßen, 
noch stärkere Ausbildung der Seitenfalten (auch am Vorderrande) 
der Hiutergliedmaßen, beinahe halbe Spannhaut zwischen Fingern 
und Zehen, die kleinere Zahl (34 — 35 statt 50 — 60) Femoralporen und 
die etwas größere Anzahl der Infralabialen (13 — 14 statt 11 — 12). 
— Oben uniform graubraun , unten weißlich , die Kehlseiten mit sehr 
verloschenen graulichen Querzeichnungen. 

Maße : 
218 mm Vordergliedmaßen 
33 » Hintergliedmaßen 
24 » Schwanzlänge 
86 « 
Fundort: Soa Konorra, Nord-Halmaheira, 2 ç^ (April 1894). 

5) Gecko vittatus Houtt. 

6) Calotes cristatellus (Kühl) var. moluccana Less. 

7) Lophura amhoinensis (Schloss.) 

8) Var anus indiens (Daud.) 

9) Tiliqua yigas (Schneid.) 

10) Mahuia multifasciata (Kühl). 

11) Lygosoma [Hinulia] consohrinum Pts. Dor. 

Diese Art besitzt 34 — 36, nicht 30 — 32 Schuppenreihen um die 
Körpermitte. 

12; Lygosoma [Hinulia] variegatum Pts. 

13) Lygosoma [Kenetizia] smaragdinum (Less.) 

14) Lygosoma [Liolepisma] noctua (Less.) 

15) Lygosoma [Liolepisma] fuscum (D. B.) 

16) Lygosoma [Liolepisma) novaeguineae Mey. 

17) Lygosoma [Emoa] cyamirum (Less.) 

18) Lygosoma [Emoa] Kuekenthali n. sp. 

Char. Verwandt dem L. Mivarti Blgr. , aber verschieden durch 
meist größere Anzahl der Schuppenreihen, leicht drei- bis fünf kielige 
Rückenschuppen, 44 — 58 Lamellen unter der vierten Zehe und etwas 
andere Färbung. — Habitus Zacerte - artig ; der Abstand von der 
Schnauzenspitze bis zur Insertion der Vordergliedmaßen ist 1 — 1 1/3 mal 
im Abstand zwischen den Insertionen der Vorder- und Hinterglied- 
maßen enthalten. Schnauze mäßig verlängert, stumpf zugespitzt. 
Unteres Augenlid mit einem ungetheilten, durchscheinenden Fenster. 



118 

Nasloch zwischen drei kleinen Schildern eingestochen — einem Nasale, 
einem Postnasale und einem Supranasale — ; Frontonasals breiter als 
lang, breit in Berührung mit dem Rostrale, schmäler mit dem Frontale; 
letzteres etwas kürzer und schmäler als das Frontoparietale, in Berüh- 
rung mit dem ersten und zweiten Supraoculare; vier Supraocularen; 7 
oder 8 Supraciliaren, das dritte am größten ; Frontoparietalen und Inter - 
parietale zu einem einzigen großen Schilde verschmolzen; Parietalen 
hinter diesem Schilde eine lange Sutur bildend; ein Paar Nuchalen 
und ein Paar Temporalen säumen die Parietalen; 5 Supralabialen vor 
dem großen Infraoculare. OhröfFnung oval, größer als das durch- 
scheinende Augenfenster, vorn mit 3 kurzen Loben. 40 — 46 (einmal 
nur 34) Schuppen um die Körpermitte, die Rückenschuppen mit 3 
oder 5 undeutlichen Kielen, die dorsalen am größten, die seitlichen 
am kleinsten. Praeanalschuppen schwach vergrößert. Das Hinterbein 
reicht, nach vorn gelegt, mit der vierten Zehe in die Mitte zwischen 
Achsel und OhröfFnung. Zehen mäßig verlängert, mit Ausnahme des 
distalen, comprimierten Endes ziemlich walzenförmig; Subdigital- 
lamellen glatt, 44 — 58 unter der vierten Zehe. Schwanz fast 2V2i^'al 
so lang wie Kopf und Rumpf zusammen. — Olivenbraun mit in un- 
regelmäßigen Querbinden stehenden helleren und dunkleren Schüpp- 
chen; jederseits eine vom Auge bis in die Körpermitte ziehende und 
von da an bis zur Insertion der Hindergliedmaßen in Flecken auf- 
gelöste tiefschwarze Seitenbinde, die gegen den Rücken hin durch 
eine Längsreihe weißer Fleckchen gesäumt wird. Weißliche Schüpp- 
chen sind auch an den Körperseiten, namentlich nach hinten zu, an 
den Seiten der Schwanzwurzel und auf den Gliedmaßen stets mehr 
oder weniger deutlich zu sehen. 

Maße: 
Totallänge 1641/2 238 243 mm Rumpflänge 42 59 53 mm 
Kopflänge 131/2 20 19 « Vordergliedm. 19 27 28 V2 " 

Kopf breite 10 12 1/2 I2V4 » Hintergliedm. 31 39 42 » 

Schwanzlänge 109 159 171 mm. 
Fundort: Soa Konorra und Tabello , Nord-Halmaheira, in 
Höhen bis zu 2500', Oba, West-Halmaheira, und Patani, Ost- 
Halmaheira, in ziemlicher Anzahl erbeutet. 
19) Lygosoma [Emoa] sorex n. sp. 
Char. Ähnlich dem L. cyanogaster (Less.), aber mit 28 — 32 
Schuppenreihen um die Körpermitte, 38 — 47 Lamellen unter der 
vierten Zehe und ohne dunkle Seitenbinde. — Habitus Lacerta-nrii^: 
der Abstand von der Schnauzenspitze bis zur Insertion der Vorder- 
gliedmaßen ist l'/o — 11/3 mal im Abstand zwischen den Insertionen 



119 



der Vorder- und Hintergliedmaßen enthalten. Schnauze verlängert, 
niedergedrückt, zugespitzt. Unteres Augenlied mit einem ungetheilten, 
durchscheinenden Fenster. Nasloch zwischen drei kleinen Schildchen 
eingestochen — einem Nasale , einem Postnasale und einem Supra- 
nasale — ; Frontonasale wenig breiter als lang, breit in Berührung 
mit dem Rostrale, hinten mit der Spitze das Frontale berührend; dieses 
so lang wie das Frontoparietale , in Berührung mit dem ersten und 
zweiten Supraoculare; 4 Supraocularen; 7 oder 8 Supraciliaren; Fronto- 
parietalen in ein einziges großes Schild verschmolzen; Interparietale 
deutlich, klein; Parietalen hinter diesem eine Sutur bildend; ein Paar 
Nuchalen und ein Paar Temporalen umsäumen die Parietalen; 5 (selten 
nur 4) Supralabialen vor dem großen Infraoculare. OhröfFnung rund- 
lich-oval, etwas kleiner als das Augenfenster, vorn durch 1 — 3 sehr 
kleine, stumpfe Loben verengt. 30 (selten 28 oder 32) Schuppenreihen 
um die Körpermitte, die Rückenschuppen mit leichter Andeutung von 
drei Kielen, die dorsalen am größten, die seitlichen am kleinsten. 
Praeanalschuppen wenig vergrößert, etwas strahlig gestellt. Das Hinter- 
bein reicht, nach vorn gelegt, mit der vierten Zehe bis zur Schulter 
oder etwas darüber hinaus. Zehen mäßig verlängert, mit Ausnahme 
des comprimierten distalen Endes deutlich depress ; Subdigitallamellen 
glatt, 38 — 47 unter der vierten Zehe. Schwanz doppelt so lang wie 
Kopf und Rumpf zusammen. — Olivenbraun grau mit grünem Metall- 
glanz, die Rückenschuppen häufig schmal dunkler eingefasst, mit 
zahlreichen helleren , schwärzlich begrenzten Fleckchen auf Rumpf, 
Körperseiten, Schwanz und Gliedmaßen. Unterseite elfenbeinweiß 
mit Goldglanz. Ein graulicher Strich längs der Oberkante der Supra- 
labialen ; Finger und Zehen hell und dunkel geringelt. 

Maße: 
Totallänge 158 161 164 mm Vordergliedra. 19 18 1772mm 
Kopflänge 1 41/2 13 14 )> Hintergliedm. 2 8 1/2 26 271/2 « 
Kopf breite 8V4 8 8 1/2 » Schwanzlänge 101 1/2 107 112 » 
Rumpflänge 42 41 38 » 

Fundort: Halmaheira, im Norden, Westen und Osten die 
gemeinste Eidechsenart, namentlich auf Waldboden, 
20) Ly go soma [Riopa) metitovarium n. sp. 

Char. Unterscheidet sich von L. n//escews (Shaw) durch geringere 
Schlankheit und etwas längere Gliedmaßen, etwas längere und spitzere 
Schnauze und 36 statt 28 — 30 Schuppenreihen um die Rumpfmitte; 
das Frontonasale berührt das Rostrale nur mit seiner Spitze, das 
sechste (nicht das fünfte) Supralabiale liegt unter dem Auge und alle 
Körperschuppen sind glatt und von gleicher Größe, — Körper mäßig 



120 

verlängert, Gliedmaßen kurz; der Abstand von der Schnauzenspitze 
bis zur Insertion der Vordergliedmaßen ist etwa lYgn.al in dem der 
Insertionen der Vorder- und Hintergliedmaßen enthalten. Schnauze 
kurz und stumpf. Unteres Augenlid beschuppt. Nasenloch zwischen 
einem Nasale und einem schmalen Supranasale; Frontonasale breiter 
als lang, vorn mit seiner Spitze in Berührung mit dem Rostrale, hinten 
in breitem Contact mit dem Frontale ; Praefrontalen klein ; Frontale 
kürzer als Frontoparietalen und Parietalen zusammen , in Berührung 
mit dem ersten und zweiten Supraoculare ; 5 Supraocularen, das fünfte 
sehr klein; 8 Supraciliaren, das erste wenig größer als die andern; 
Frontoparietalen deutlich; Interparietale deutlich, etwas größer als 
ein einzelnes Frontoparietale; Parietalen hinter dem Interparietale 
mit einander Sutur bildend, ein Paar Nuchalen und ein Paar Tempo- 
ralen rahmen nach hinten die Parietalen ein. Das sechste Supralabiale 
ist größer als die übrigen und unter der Mitte des Auges gelegen, von 
dem es getrennt ist durch einen vollständigen King von kleinen 
Schuppen. Ohröffnung oval, kleiner als die Augenöffnung, mit einer 
Reihe von 5 Läppchen am Vorderrande. 36 glatte Schuppen um die 
Rumpfmitte, die dorsalen kaum größer als die Seiten- und Bauch- 
schuppen, die beiden mittelsten Reihen der Rückenschuppen nicht 
größer als die Nachbarreihen. Praeanalen nicht vergrößert. Die nach 
vorn gelegten Hinterbeine berühren die nach hinten gelegten Vorder- 
beine nicht. Finger und Zehen kurz, zvisammengedrückt, Subdigital- 
lamellen leicht einkielig, 21 unter der vierten Zehe. Der dicke 
Schwanz ist mehr als 1 Y2 ^^^ so lang wie Kopf und Rumpf zusammen. 
— Oben braun, leicht opalisierend, mit etwa sieben undeutlichen 
schwärzlichen Querbinden über Nacken und Rücken. Lippen mit 
schwarzen Querbinden, die sich als lange. V-förmige Streifen über 
die Kehle hin fortsetzen ; schwarze winkelige Fleckenzüge zwischen 
Trommelfell und Insertion der Vordergliedmaßen; undeutliche, helle 
und dunkle Punktierung und Strichelung an den Körperseiten. 
Unterseite elfenbeinweiß. 

Maße: 
Totallänge 302 mm Vordergliedmaßen 28 mm 

Kopflänge 29 « Hintergliedmaßen 40 » 

Kopf breite 19 » Schwanzlänge 185 » 

Rumpf länge 88 w 

Fundort: Halmaheira, ein erwachsenes Stück. 

Bemerkungen: L. rufescens (Shaw), das sich nach Peters und 
Doria wie auch nach Boulenger auf der Nachbarinsel Ternate 
findet, ist auch in der Färbung der vorliegenden Form sehr nahe ver- 
wandt, unterscheidet sich aber durch eine so große Zahl von charakte- 



121 

ristischen Eigenthümlichkeiten , daß mir eine specifische Vereinigung 
beider ausgeschlossen erscheint. Näher in der Pholidose steht L. 
alhofasciolatum (Gthr.) aus Nord-Australien und Neu- Irland, das aber 
schlankeren Rumpf, längeres Frontale und kleineres Interparietale 
hat, dessen Frontonasale breiter in Contact ist mit dem Rostrale und 
bei dem die für unsere Art und für L. rufescens (Shaw) charakteristi- 
sche Kinn- und Halszeichnung vollkommen fehlt. 

21) Lyf/osoma [Homolepida) brevipes n. sp. 
Char. Von den verwandten Arten verschieden durch die stark 
vergrößerten Praeanalschuppen und die kurze Rostro-Frontonasalsutur. 
— Rumpf ziemlich verlängert, stämmig; Gliedmaßen kurz; der Ab- 
stand vom Schnauzenende bis zur Insertion der Vordergliedmaßen 
ist in dem Abstand der beiden Gliedmaßeninsertionen Vj^ — 2 mal 
enthalten. Schnauze kurz, stumpf, etwas über den Unterkiefer über- 
greifend. Rostrale hoch, nach hinten stark verschmälert auf die 
Schnauze übergebogen. Unteres Augenlied beschuppt. Nasenloch in 
einem großen Nasale eingestochen ; kein Supranasale ; Frontonasale 
breiter als lang, mit sehr schmalen Suturen nach vorn das Rostrale, 
nach hinten das Frontale berührend; dieses kürzer als Frontoparietalen 
und Interparietale zusammen, in Berührung mit dem ersten und dem 
zweiten Supraoculare ; 4 Supraocularen; 6 — 8 Supraciliaren, das erste 
das größte und häufig das Frontale berührend ; Frontoparietalen und 
Interparietale getrennt , letzteres wenig kleiner als die ersteren Schil- 
der; Parietalen eine Sutur hinter dem Interparietale bildend; keine 
eigentlichen Nuchalschilder; das fünfte Supralabiale groß, unter dem 
Auge , das durch einen vollständigen Schppenring von den Supra- 
labialen abgetrennt ist. Ohröffnung rundlich, groß, wenig kleiner als 
die Augenöffnung. 28 — 30 glatte Schuppen um die Rumpfmitte, die 
beiden mittelsten Rückenreihen stark verbreitert, die Bauchschuppen 
größer als die Seitenschuppen. Ein Paar stark vergrößerte Praeanal- 
schuppen. Die Hintergliedmaßen, die, nach vorn gelegt, die Finger- 
spitzen weitaus nicht berühren, sind so lang wie der Abstand von der 
Insertion der Vordergliedmaßen bis zum Augencentrum ; Zehen etwas 
comprimiert, vierte Zehe viel länger als die dritte, unten mit 11 — 16 
glatten Subdigitallamellen. Schwanz dick, etwa 1 1/2 mal so lang wie 
Kopf und Rumpf zusammen. — Erzbraun, alle Schuppen der Ober- 
seite schwarz gerändert, namentlich die der Körperseiten, wo in Folge 
dessen ein Netzwerk von schwarzen Längslinien und von diese durch- 
setzenden schwarzen Flecken entsteht. Lippen weiß und schwarz 
gewürfelt. Unterseite gelblich, Kehle und Schwanzunterseite braun- 
grau gefleckt und gepudert. In der Jugend ist Schnauze und Frontal- 
gegend auffallend hell, gelblich oder weißlich gefärbt. 

(Schluß folgt.) 



122 
6. Springen oder Fliegen? 

Von Dr. A. Ostro umoff, Sebastopol. 

eingeg. 2. Januar 1895. 

In No. 461 d. Zool. Anzeigers bemerkte ich, daß nach Prof. Dahl 
Pontella atlantica M. Edw. aus dem Wasser springt. Leider besitzt 
die Bibliothek der hiesigen biologischen Station nicht Giesbrecht's 
schätzbare »Monographie der pel. Copepoden des Golfes von Neapel«, 
wo diese Erscheinung, wie ich jetzt weiß, ebenfalls bei einigen Pontel- 
liden beschrieben ist. Doch glaubt Dr. Giesbrecht, daß von einem 
Fliegen, wie es den fliegenden Fischen zugeschrieben wird, bei seinen 
Copepoden wohl nicht die Rede sein kann. 

Das Fliegen der Pontellma mediterranea Cls. ist nach meiner 
Beobachtung unzweifelhaft. Vielleicht erklärt sich der Gegensatz 
meiner Auffassung mit der des Dr. Giesbrecht besser aus den 
folgenden Beispielen. 

Die ungeflügelte Heuschrecke und Delphinus delphis L. springen, 
aber Pteromys volans L. und Pontellina mediterranea Cls. fliegen, denn 
Pteromys hat in der Flughaut und Pontellma in den gefiederten Glied- 
maßen die Ausrüstung , welche als Fallschirm die Curve des Fallens 
verlängert. Von der activen Veränderung der anfänglichen Rich- 
tung kann bei Pontelliden wohl nicht die Rede sein. 

Sebastopol, Biologische Station. 

II. Mittlieiluiig:en aus Museen, Instituten etc. 

Noch einmal die Wiese'sche Conservierungsfiüssigkeit. 

Von A. B. Meyer, Dresden. 

eingeg. 16. Januar 1895. 

Auf meine Notiz in No. 463, p. 446 hat Herr Wiese in Hamburg 
in einem Briefe an mich Einiges zu Gunsten seiner Erfindung geltend 
gemacht und die Bitte daran geknüpft, dieses doch auch der Öffentlich- 
keit zu übergeben. Ich erfülle seinen Wunsch um so lieber, als in Herrn 
Wiese's Angaben einige nicht unwesentliche neue Gesichtspunkte 
enthalten sind, wie z. B. der, daß die Flüssigkeit nicht mit zu viel zu 
conservierendem Material besetzt werden dürfe und als ferner aus den 
betreff'enden Mittheilungen hervorgeht, daß das neue Mittel in Zu- 
kunft doch vielleicht noch Bedeutung gewinnen könnte , was gewiß 
allseitig, unter Anerkennung der Verdienste des Erfinders, mit Freude 
begrüßt werden würde. Nachdem Herr Wiese die von mir ange- 
gebene Zusammensetzung der Conserviernngsflüssigkeit als ungenau 
bezeichnet hat , jedoch ohne den betreffenden Fehler zu corrigieren, 
fährt er fort: 

«Sollten die Mißerfolge mit meiner Flüssigkeit nur ihr zuzu- 



123 

schreiben sein? Ich wage das Gegentheil zu behaupten. Während 
meiner langjährigen Thätigkeit habe ich so manche Ausbeute von 
Sammlern gesehen , aber eine Freude konnten mir die meisten ihres 
jämmerlichen Zustandes wegen nicht bereiten, und sonderbar, alle 
diese faulen Fische, Reptilien, Krebse u. A. Avaren in Alkohol ein- 
gelegt, welcher noch nie den Dienst versagt hat, Avenn man ihm nicht 
zu viel zumuthete. Wenn man nun schon dem Alkohol diese Rück- 
sicht schuldig ist, so ist eine solche um so mehr bei combinierten 
Flüssigkeiten geboten, wo die Wirkung eines jeden Cubikcentimeters 
berechnet ist; denn wer sich jemals mit Conservierung der Farben be- 
schäftigt hat, wird mir zugeben, daß in den meisten Fällen ein ganz 
bestimmter Procentsatz eines Reagens die Wirkung erzielt. Nach 
meinen Erfahrungen beansprucht jedes Object das 3 — 4fache seines 
Volumens an Conservierungsflüssigkeit. Ein Flusskrebs oder mittel- 
großer Goldfisch z. B. 190 ccm. Die Erhaltung des todten Indi- 
viduums in seinem natürlichen Aussehen ist Avohl ebenfalls bestimmten 
Gesetzen unterworfen; diese zu ergründen und festzuhalten bilden das 
Ziel, welches ich mir gesteckt habe, ihre Anwendungen müssen aber 
dann mit eben solcher Sorgfalt geschehen , als handle es sich um das 
Wohl eines lebenden Individuums. Wie wird nun aber meist ver- 
fahren? Zwei, auch drei Tage vorher, ehe ein Sammler seine Reise 
antritt, hat er alles Mögliche eingepackt und für den Hauptzweck 
seiner Reise, das Sammeln, ist fast gar kein Raum mehr übrig. Da 
Averden dann in aller Eile einige Liter Spiritus mitgenommen und 
hier, da ist noch ein Plätzchen frei, für ein Gläschen, wir wollen sagen 
Wiese'sche Flüssigkeit. An Ort und Stelle angekommen, wird nun 
in die Gefäße eingelegt so viel dieselben fassen können, es kommt 
sogar vor, daß von der Flüssigkeit etwas abgegossen wird, weil ja das 
Glas zu voll ist; daß man zu viel Thiere im Gefäß hat, daran denkt 
man nicht und man hat ja auch versprochen, recht viel mitzubringen. 
Nun kommen die Sachen in der Heimat an; das erste Glas, Avelches 
zum Vorschein kommt, ist das mit Wiese'scher Flüssigkeit; richtig, 
wie vorauszusehen Avar , Alles verdorben. Nun kommt das Glas mit 
Spiritus; alle Thiere sind etAvas Aveich und riechen unangenehm, der 
Spiritus ist wahrscheinlich zu schwach geAvorden, da muss schnell 
starker aufgegossen werden, dann sind die Sachen noch zu gebrauchen. 
Damit ist die Angelegenheit erledigt. Daß aber die Wie s e 'sehe 
Flüssigkeit auch zu schwach Averden kann, daran denkt Niemand, im 
Gegentheil, man scheint, wenn auch nicht erfreut, so doch zufrieden 
mit dem Mißerfolg zu sein , da — es ja vorauszusehen war. Die 
Thiere, welche ich hier im Hamburger Museum vor ZAvei Jahren ein- 
legte sind vollständig gut erhalten und lassen nichts zu Avünschen 



124 

übrig. Sammlern möchte ich noch rathen, indifferente Stoffe zwischen 
die einzelnen Schichten der Thiere zu legen, um das nöthige Volumen " 
herzustellen. Endlich möchte ich noch erwähnen, daß es mir gelungen 
ist , seit vier Monaten die wunderschönen Farben bei Crustaceen zu 
erhalten; da ich nach meinen Erfahrungen eine Crustacee als Prüf- 
stein in der Conservierungskunst betrachte, hoffe ich das mir gesteckte 
Ziel doch noch zu erreichen und die wissenschaftliche Welt in nicht 
allzu ferner Zeit mit meinen Arbeiten zu erfreuen.« 

So weit Herr Wiese, dem man gewiß in vieler Beziehung zu- 
stimmen wird. Ich selbst hatte mich ja auch , wie angegeben , über- 
zeugt, daß Thiere, die lange in der Flüssigkeit gelegen, wie frisch 
aussahen, allein ich hatte mich zugleich überzeugt, daß sie 
schon bei leiser Berührung zerfallen, so daß man die Conser- 
vierungsmethode nur bei Objecten anwenden kann, die leicht zu 
ersetzen sind. Herrn Wiese's Worte lassen nun nicht mit Sicherheit 
erkennen, ob seine weiteren Versuche den Nachtheil des leichten Zer- 
fallens überwunden haben; dieses bestimmt zu wissen, wäre sehr 
wichtig. Daß bei den von mir veranlaßten Proben in den Tropen zu 
wenig Flüssigkeit im Verhältnisse zu den zu conservierenden Thieren 
genommen worden sei, ist wahrscheinlich. Die Fische, die ich von 
Nord-Celébes bekam, lagen in Baumwolle eingebettet in nur etwa 
dem Doppelten ihres Volumens Flüssigkeit, statt dem 3 — 4fachen, wie 
Herr Wiese neuerdings vorschreibt. Ich werde meinen Versuch 
daher mit mehr Flüssigkeit wiederholen lassen und über den Erfolg an 
dieser Stelle berichten. Der von mir erwähnte Sammler auf Neu- 
Britannien kehrte vor Kurzem heim und gab auf meine Frage an, daß 
er nur ein den zu conservierenden Fischen gleiches Volumen oder 
etwas mehr Flüssigkeit angewandt habe , wie man es gewöhnlich mit 
Spiritus mache, also auch keinenfalls genug. Dagegen brachte er 
selbst noch einige in Baumwolle emballierte Fische mit , die in ^i\ 
Wies e 'scher Flüssigkeit und ■Y4 Spiritus lagen; von diesen waren 
die weicheren Arten dem Zerfalle nahe oder ganz zerfallen , wider- 
standsfähigere aber in nicht schlechtem Zustand und mit gut er- 
haltenen Farben. Ich legte letztere nun gleich in eine sehr reichliche 
Quantität Wiese'scher Flüssigkeit und werde erproben , wie sie sich 
halten. Es ist ja allerdings eine große Erschwerung für den Sammler 
in den Tropen unter ungünstigen Verhältnissen, das 3 — 4fache Vo- 
lumen Flüssigkeit für seine Thiere anwenden zu sollen und in den 
meisten Fällen wird dies praktisch undurchführbar sein. Manchmal 
aber, besonders auch bei gut ausgerüsteten größeren Expeditionen, 
dürfte es sich wohl thun lassen und möchte ich daher speciell dazu 
anregen; denn es wäre außerordentlich erwünscht, was bis jetzt nicht 



125 

gelang, Reptilien und Fische der Tropen noch mit ihren prachtvollen 
Farben heimzubringen, sei es auch nur um diese abzumalen, wenn sie 
sich nicht erhalten ließen; hierfür könnte man schon ein Opfer bringen. 
Ich will darum auch nicht schließen, ohne dem Wunsch Aus- 
druck zu geben, daß Herrn Wiese doch von Seiten einer wissen- 
schaftlichen Gesellschaft oder Akademie eine pecuniäre Beihilfe 
geleistet werden möge , damit er seine verdienstlichen Versuche fort- 
setzen könne. 

2. Statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Grofsen 

Plöner See. 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 



Seit dem 27. Januar trägt der Gr. Plöner See eine Eisdecke von 
ansehnlicher Dicke (12 bis 14 Zoll). Die herrschende Windstille be- 
günstigte das schnelle Zufrieren der über 30 Quadratkilometer großen 
Fläche, deren Gleichförmigkeit nur da und dort durch einige bewaldete 
Inseln unterbrochen wird. Die Planktonfange werden nunmehr in 
der Weise ausgeführt, daß das Netz an der 40m-Stelle durch eine in's 
Eis gehackte Öffnung in die Tiefe hinabgelassen wird, wobei wir uns 
eines mannshohen, transportablen Gestells bedienen, an welchem ein 
einfacher Rollen-Mechanismus angebracht ist , der eine vollkommen 
senkrechte Führung der Fang-Leine gestattet. Das emporgezogene, 
triefende Gaze-Netz gefriert natürlich jedes Mal innerhalb weniger 
Minuten zu einem steifen Trichter, der bei unsanfter Behandlung 
sofort Brüche bekommt und unbrauchbar wird. Diese Art der Be- 
schädigung ist durch die erwähnte mechanische Vorrichtung zum 
Heraufziehen des Netzes so gut wie ausgeschlossen , da dasselbe fast 
ganz unbewegt hängen bleibt, wenn der Fang durch Aufdrehen des Ab- 
flußhahnes am Filter aus letzterem entfernt wird. 

Wie schon in der vorigen Mittheilung hervorgehoben wurde, ist 
zu gegenwärtiger Jahreszeit (Februar) das Thierleben im Plankton 
nur sehr spärlich vertreten. Dagegen gedeihen gewisse mikroskopische 
Pflanzenwesen (xirten der Bacillariaceengattung Meloaira) in erstaun- 
lich üppiger Weise und erfüllen den ganzen See mit ihren 1 bis 2 mm 
langen, stabförmigen Zellverbänden. Ich zählte am 1. Februar für 
die Flächen-Einheit über 2 Millionen (2 355 000) solcher schwebender 
Stäbchen oder Fäden. Im Verhältnis dazu kam eine andere limnetische 
Kieselalge [Asterionella gracillima) nur in S2 425 sternförmigen Grup- 
pen vor, von denen aber jede aus 7 — 8 Einzelwesen (Zellen) besteht. 
Von Planktonthieren sind lediglich 2 Rotatorien- Species in einiger 
Häufigkeit vertreten {Synchaeta tremula wnà Polyarthra platyptera) — 
alles Übrige tritt zurück und erzielt, um es sportsmännisch auszu- 
drücken, einen sehr schlechten Record bei den Zählungen. Das 
Nähere ergiebt sich aus nachstehendem Protokoll : 



126 

a. 

Datum: 1. Februar 1895. Wassertemperatur : 0,7"Cels. 

Volumen: 20 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuen-Zahl: 

Stjnchaeta tremula 47100 

Folyartlira plaiyptera 51225 

* 

il/e^05«Va-Fäden 2 355 000 

Asierionella gracillima 82 425 

Vereinzelt (d. h. weniger als 20000 unter dem qm): 
Synchaeta pedinata^ Triarthra loiigiseta, Anuraea cochlearis, Hyalo- 
daphnia kahlbergensis , Bosmina longirostris, Cyclops oithonoides (und 
Larven desselben), Eurytemora lacustris. — Fragilaria crotonetiais. 

Während der nun fol2:enden 9 Tage (bis zum 10. Febr.) zeigt sich 
keine erhebliche Schwankung im Bestände der beiden häufigeren 
Räderthiere , Avohl aber eine merkliche Abnahme hinsichtlich der 
Bacillariaceen, die aber nur vorübergehend ist, wie das Protokoll c 
ausweist. 

b. 

Datum: 10. Februar 1895. Wassertemperatur: 0,5° Cels. 

Volumen: 16 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuenzahl: 

Synchaeta tremula 66 725 

Polyarthra platyptera 35325 

* * 

Melosira-YMen 1365900 

Asterionella gracillima 39250 

Vereinzelt (weniger als 20000 unter 1 qm): 
Synchaeta pedinata, Anuraea cochlearis, Bosmina longirostris, Cy- 
clops oithonoides (und Larven desselben), Diaptomus graciloides, Eury- 
temora lacustris. — Diatoma tenue, var. elongatum, Fragilaria sp. 

Von hohem Interesse ist es, die an und für sich schon reichliche 
Bacillariaceen - Production des Gr. Plöner Sees mit derjenigen im 
Vierer See zu vergleichen, welcher bekanntlich nur eine Einbuchtung 
des Hauptbeckens darstellt und nicht mehr als 1,34 qkm groß ist. Am 
11. Februar ergab die Zählung eines dort am gleichen Tage gemachten 
Fanges aus 10 m Tiefe über 108 Millionen ife/os«-a -Fäden unter der 
Einheit des Flächenmaßes, d. h. mehr als 80 mal so viel als im Gr. 
Plöner See, wo noch dazu die Fangstrecke das Vierfache (40 m) von 
jener betrug. 

c. 

Datum: 20. Februar 1895, Wassertemperatur: 0,5° Cels. 

Volumen: 16 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Individuenzahl: 

Synchaeta tremula 169925 



127 

Polyarthra platyptera 23 550 



* 

* 



Melosira-Yéiàen 1 848 675 

Aster ionella gracilUma 235000 

In der Zeit vom 10. — 20. Februar hat hiernach eine entschiedene 
Zunahme von Syncliaeta tremula und von Asterionella gracillima statt- 
gefunden , wogegen die Vereinzelung der in den Protokollen a und b 
aufgeführten Species, deren Individuenzahl weniger als 20 000 beträgt, 
noch fortdauert. Die Zahlen 23 550 (20. Februar) und 35 325 (10. Fe- 
bruar] für Polyarthra scheinen umgekehrt auf eine Verminderung 
dieser Rotatorien-Art hinzudeuten; aber mit Sicherheit kann eine 
solche auf Grund so geringer Differenzen (bei überhaupt kleinen Zähl- 
befunden) nicht behauptet weiden. Wer sich mit der in No. 464 des 
»Zool. Anzeigers« dargelegten Methodik des Zählens (und mit der sich 
daran knüpfenden Berechnung) vertraut gemacht hat, wird in der 
Lage sein, zu beurtheilen, daß nur zahlreich in den Fängen vor- 
kommende Species in ihrer Zu- und Abnahme mit annähernder 
Sicherheit controlliert werden können. Sind weniger als 100 000 Indi- 
viduen unter dem Quadratmeter Seefläche vorhanden, so wird der 
Zufall nicht hinlänglich eliminiert, daß mit der Stempelpipette bald 
unverhältnismäßig mehr, bald unverhältnismäßig weniger Exemplare, 
als der Wirklichkeit entsprechen , ergriffen werden. Die Möglichkeit 
zu irren ist also dann sehr groß , d. h. die Methode versagt in diesem 
Falle ihren Dienst. 



Bei Niederschrift des Protokolls vom 20. Januar (No. 469 des Z. A.) 
ist ein Versehen vorgekommen. Die ersten 5 Zeilen desselben sind wie 
folgt richtig zu stellen: »Die Anzahl der Melo sir a-Ydiàen (es ist vor- 
wiegend Melos, laevissima Grün.) hat innerhalb der zehntägigen 
Zwischenzeit um ein Weniges abgenommen. Ich zählte für den Quadrat- 
meter 877 000. Dagegen ist in Betreff einiger thierischer Planktonwesen 
eine Zunahme zu registrieren etc. 

3. Zoological Society of London. 

19tli February, 1895. — A report was read, drawn up by Mr. A.Thom- 
son, the Society's Head-Keeper, on the Insects bred in the Insect-house 
during the past season. — Mr. F. E. Beddard, F.R.S., read a paper in 
which he gave a description of the brain of the Glutton [Gulo lusctis). — 
A second paper by Mr. Beddard contained a description of the brain of 
different species of Lemurs that have died in the Society's Gartens, point- 
ing out the range of variation to be observed in the cerebral convolutions 
of this order. — A communication was read from Mr. C. Davies Sherborn 
and Dr .F. A. Jentink, in which were given the dates of the publication of 
the parts of Siebold's » Fauna Japonica« and Giebel's »Allgemeine Zoologie« 
(first edition). — A communication was read from Dr. J. de Bedriaga, 
C.M.Z.S. , »On the Fyrenean Newt, Molge aspera, Dugès« , dealing with 
the external , osteological , and larval characters of this imperfectly-known 
Batrachian, and giving an account of its habits. — P. L. Sclater, Se- 
cretary. 



128 

4. La Société Zoologique de France, 

7, rue des Grands Augustins, à Paris, vient de publier une édition nou- 
velle des Règles de la nomenclature des Etres organisés adoptées 
par les Congrès internationaux de zoologie (Paris, 1889; Moscou, 1892). 
Un exemplaire en sera adressé gracieusement à tout professeur de zoologie 
ou d'anatomie comparée, directeur de Musée, de bibliothèque ou de labora- 
toire, assistant ou préparateur, etc., ainsi qu'à toute Société savante qui 
voudra bien en faire la demande à M. le Dr. R.. Blanchard, secrétaire 
général. 

5. Deutsche Zoologische Gesellschaft. 

Versammlung in Strafsburg i. E. vom 4. — 6. Juni 1895. 
Zur gegenseitigen Begrüßung Aereinigen sich die Theilnehmer 
Montag den 3. Juni Abends im Civil-Casino. 
Dienstag Abend: Vereinigung beim Bier in der «Rheinlust«. 
Mittwoch Abend: Gesellige Zusammenkunft im Garten der Landes- 

Ausstellung. 
Donnerstag 5 Uhr Nachm.: Gemeinsames Mittagessen im »Bäcke- 

hieselc 
Freitag: Ausflug zur Hohkönigsburg, zurück über Rappoltsweiler. 

Gas thöfe. 
Hôtel National, am Bahnhof, 20 Minuten Trambahn bis zur Uni- 
versität. 
Englischer Hof, mitten in der Stadt. 

Hôtel Schmutz (für bescheidenere Ansprüche), wenige Minuten von 
der Universität. 
Mit Rücksicht auf die gegen den 1. Juni zu eröffnende Landes- 
Ausstellung empfiehlt es sich, Gasthofzimmer im Voraus zu be- 
stellen. 

Die Sitzungen finden im Zoologischen Institut der Uni- 
versität statt. 

Herr Prof. G o e 1 1 e bittet, alle Wünsche bezüglich der Demon- 
strationsmittel (Mikroskope etc.) möglichst frühzeitig an ihn 
richten zu wollen. 

Einen Vortrag hat ferner angemeldet: 
Herr. Prof. Korscheit (Marburg): Mittheilungen über Eireifung und 
Befruchtung (mit Demonstrationen). 
Um möglichst baldige Anmeldung weiterer Vorträge und 
Demonstrationen bittet der unterzeichnete Schriftführer. 

Prof. J. W. S pen gel (Gießen). 

III. Personal -Notizen. 

Sydney, N. S. W. — An Stelle des in Ruhestand tretenden Dr. E. P. 
Ramsay haben die Trustees des Australian Museum Mr. R. Etheridge 
jun., früher am British Museum, später Paläontolog am Australian Museum 
und am Bergbau-Departement, zum Curator des Australian Museum ge- 
vfählt und es hat derselbe diese Stellung am 1. Januar 1895 angetreten. 

Druck von Breitkopf li Hiirtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jahrg. 8. April 1895. No. 472. 

Inhalt: I. »issenschaftliche Mittheiluugen. 1. Boettger, Liste der Reptilien uud Batra- 
chier der Insel Halmaheira nach den Sammlungen Prof. Dr. W. Kükenthal's. (Schluß.) 2. Piersig, 
Einiges über die Hydrachniden-Gattungen « Arrenurus<i Dugès und il'liyas« C. L. Koch. II. Slittheil. 
ans Museen, Institnten etc. 1. Zacharias, Statistische Mittheilungeu aus der Biologischen Station 
am Großen Plôner See. 2. Zoological Society of London. 3. 3oo.iorH'iecKoe OT;;-fejieHÌe HsinepaTopc- 
Karo OömecTBa .110011X6.1611 EcTecTBOSHaniji , Ampono.ioriH ii 9THorpa*iii. 4. Malacological Society 
of London. 5. 65. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte. III. Personal-Notizen. 
Vacat. Litteratur. p. 105— 1'28. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Liste der Reptilien und Batrachier der Insel Halmaheira nach den 
Sammlungen Prof. Dr. W. Kiikenthal's. 

Von Prof. Dr. O. Boettger in Frankfurt a./M. 
(Schluß.) 
Maße: 
Totallänge 120 1/2 99 149 mm Vordergliedm. 91/2 10 10 mm 
Kopflänge 10 11 11 » Hintergliedm. 15 17 15 1/2 » 

Kopf breite 7 1/2 8 8 » Schwanzlänge 71 42 91 » 

Rumpf länge 39 V2 46 47 » (regen.) (regen.) 

Fundort: Soa Konorra, Nord-Halmaheira, 4 Stücke , und 
Oba, West-Halmaheira, 1 Stück. 

22) Dibamus tiovaeguineae D. B. 

b. Ophidia. 

23) Typhlops braminus (Daud.) 

24) Typhlops fiaviv enter Pts. 

25) Typhlops aier Schlg, 

26) Python amethystinus (Schneid.) 

27) Python reticulatus (Schneid.) 

28) Enygms carinatus (Schneid.) 

29) Tropiclonotus [Tropidonotus] punctiventris n. sp. 
Char. Im Gebiß ähnlich dem Tr. picturatus Schleg. , in der 

Pholidose dem Tr. chrysargus Schleg., in der Färbung dem Tr. spilo- 



130 

gaster Boie, aber mit 15 Schuppenreihen. — Oberkiefer schwach mit 
30 Zähnen, die hinteren allmähhch vergrößert. Auge groß, so groß 
wie der Abstand vom Vorderrande des Nasenlochs bis zum Auge. 
Rostrale schief abgestutzt, anderthalbmal breiter als lang, von oben 
eben noch sichtbar; Internasalen länger als breit, vorn breit abge- 
stutzt, ihre Sutur so lang wie die Praefrontalsutur; Frontale IY3 mal 
länger als breit, etwas länger als sein Abstand vom Schnauzenende, 
aber erheblich kürzer als die Parietalen. Frenale etwas höher als lang; 
2 Praeocularen, ?> Postocularen; Temporalen 2+3; neun Supralabi- 
alen, das vierte, fünfte und sechste ans Auge stoßend, das siebente 
weitaus am größten; fünf Infralabialen bilden mit den vorderen Kinn- 
schildern Sutur, die fast um das Doppelte kürzer sind als die hinteren. 
Schuppen zweiporig, stark gekielt, in 15 Reihen, die äußerste Reihe 
mit starkem^Kiel. 

Schuppenformel: Squ. 15; G. 1/1, V. 162, A. 1/1, Sc. 74/74+1. 
Oberseits dunkel olivengrau, undeutlich schwärzlich und graulich 
im Quincunx gewürfelt oder mit hellerer Maschenzeichnung, die 
Schuppenkiele, namentlich an den Schwanzseiten etwas heller; 2 weiße, 
schwarzumsäumte Fleckchen in der Parietalgegend; Lippen scharf 
abgesetzt j weiß, die Säume der vier ersten Supra- und Infralabialen 
schwarz. Bauch elfenbeinweiß, nach hinten grau mit etwa 6 Längs- 
reihen schwarzer Punctflecken , die auf der dunkelgrauen Schwanz- 
unterseite zu 3 undeutlichen Längsstreifen verschmelzen. 

Maße: 
Totallänge 461mm Schwanzlänge 116 mm 

Fundort: Soa Konorra, No rd- H al m ah e ira, 1 Stück. 

Bemerkungen: Diese Art steht in Gebiß und Schuppenzahl 
zweifellos dem Tr. picturatus Schleg. nahe , unterscheidet sich aber 
von ihm durch die Temporalenstellung 2+3, die Zahl von 9 Supra- 
labialen, von denen das vierte, fünfte und sechste in den Augenkreis 
treten, die scharfe Kielung der äußersten Schuppenreihe und die an 
Tr. spilogaster Boie erinnernde Fleckenzeichnung der Unterseite. 
30) Tropidonotus (Macropophis) hahnahericus n. sp. 

Char. Von Tr. hypomelas Gthr. und Tr. dendrophiops Gthr. u. A. 
verschieden diirch nur 15 Schuppenreihen und durch die Ventralen- 
zahl 172 — 180 gegen 196 bei ersterer und 157 bei letzterer. — Ober- 
kiefer mit 34 Zähnen, die beiden letzten nur schwach vergrößert. 
Auge groß, so groß wie der Abstand des Vorderrandes des Nasenlochs 
vom Auge. Rumpf und Schwanz sehr schlank. Rostrale doppelt so 
breit wie hoch, von oben eben noch sichtbar; Nasenloch groß; Inter- 
nasalen länger als breit, vorn breit abgestutzt, so lang oder etwas 



15; 


G. 


3/2, V. 


172, 


15; 


M 


1/1, )) 


173, 


15; 


» 


1 + 1/1, » 


174, 


15; 


» 


1/1, » 


180, 


15; 


» 


2+1/1, .) 


180, 



131 

länger als die Praefrontalen ; Frontale IY3 mal so lang wie breit, so 
lang wie sein Abstand vom Schnauzenende, kürzer als die Parietalen; 
Frenale etwas höher als lang; ein oder zwei Prae- und drei Postocu- 
laren; Temporalen 2+3; neun Supralabialen, von denen das vierte, 
fünfte und sechste an's Auge treten; fünf Infralabialen in Berührung 
mit den vorderen Kinnschildern, die erheblich kürzer sind als die 
hinteren. Alle Schuppen mit starken Kielen, zweiporig. Schwanz 
sehi lang, von 2/7-Gresammtkörperlänge. 

Schuppen formein: 

Squ. 15; G. 3/2, V. 172, A. 1/1, Sc. 57/57 +? 

1/1, » 107/1 07+? (leicht verletzt) 
1/1, » 92/92 +•? 
l/l, » 106/106+? 
1/1, .) 73/73 +? 
Kopf und meist auch die Schwanzoberseite einfarbig schwarz, 
Hals und vorderes Rumpfdrittel röthlichweiß mit grob gestrickter tief- 
schwarzer Fleckenzeichnung oder schwarz mit nach den Seiten deut- 
licherer röthlichweißer Flecken- und Makelzeichnung oder (Tabelle) 
mit weißen Halbringen , die etwas schmäler sind als die sie trennen- 
den schwarzen Zwischenräume. Vom zweiten Rumpfdrittel an über- 
wiegt oft die schwarze Färbung , und die helle Grundfarbe schwindet 
dann allmählich bis auf eine links und rechts auf den Rückenseiten 
oft noch bis zur Schwanzwurzel sichtbare Peihe runder röthlichweißer, 
etwa drei Schuppen einnehmender Flecken. In einzelnen Fällen, bei 
besonders hellen Stücken, reicht die röthlichweiße Färbung des ersten 
Rumpfdrittels bis zum Schwanzende. Supralabialen in ihrer oberen 
Diagonale schwarz, in der unteren weiß. Bauch im ersten Rumpf- 
drittel elfenbeinweiß , im zweiten schwärzlich gepudert und gefleckt, 
im dritten und unter dem Schwänze allmählich einfarbig braunschwarz 
und endlich tiefschwarz. 

Maße: 
Gesammtlänge 1102 mm Schwanz 334 mm (leicht verletzt) 
» 1294 » » 404 » (unvollständig). 

Fundort: Sumpf bei Soa Konorra, Nord-Halmaheira, 
3 Stücke, Tabelle, Nord-Halmaheira, 2 Stücke. — Wird von den Ein- 
geborenen »Ular darabang, fliegende Schlange« genannt. 
31) StyporhytirJms truncatus Pts. 
Diese Schlange erinnert in der Kopfform und in der Art und 
Variabilität ihrer düsteren Färbung etwas an Psammodynastes und 
entfernt sich auch habituell von den echten Tropidonotus-Axten durch 
den sehr kurzen Schwanz, die eingesenkte Zügelgegend, die etwas 



132 

vortretenden Brauenschilder, die hinteren Submentalen, die 2 — 3 mal 
so lang sind wie die vorderen und die drei auffallend großen Schilder, 
die den ganzen Temporalraum in der Stellung 1+2 ausfüllen. Auch 
zeigt der kräftige Oberkiefer bis 32 nahezu gleichlange, glatte Zähne, 
mehr also, als gewöhnlich die typischen Tropidonotus- Arten h-dben, 
und die hinteren Oberkieferzähne durchaus nicht größer als die mitt- 
leren. Der auffallend kräftige, massive Unterkiefer zeigt 29 nahezu 
gleichlange Zähne. Mit Tropidonotus kann diese Gattung also nicht 
vereinigt werden. 

32) Brachyorrhus albus (L.). 

33) Stegonotus bafjanensis (Gthr.). 

34) Dendrelaphis modestus Blgr. 

35) Dipsas irregularis (Merr.). 

36) Cerberus rhynchops (Schneid.). 

37) Platurus laticaudatus (L.). 

c. Emydosauria. 

38) Crocodilus porosus Schneid. 

d. Chelonia. 

39) Cyclemys amboinensis (Daud.). 

40) Chelone imbricata (L.). 

II. Batrachier. 

a. Ecaudata, 

1) Rana tigrina Daud. 

2) Rana moluccana n. sp. 

Char. Verwandt der R. temporalis Gthr. und R. varians Blgr. 
(Ann. Mag. N. H. 6. Bd. 14, 1894, p. 86), aber die Vomerzähne zwi- 
schen den Choanen. — Vomerzähne in zwei schiefen Reihen, die nach 
hinten nicht oder kaum über die Choanenlinie hinausragen. Kopf 
niedergedrückt, etwas länger als breit; Schnauze etwas zugespitzt, 
vorgezogen, anderthalbmal länger als der Durchmesser der Orbita; 
Nasenloch der Schnauzenspitze viel näher als dem Auge; Rostral- 
kante winkelig, Frenalgegend senkrecht, tief ausgehöhlt; Interorbital- 
raum etwas breiter als das einzelne Augenlid; Trommelfell von etwa 
Augengröße. Finger lang, erster viel länger als der zweite; Zehen mit 
^/4-Schwimmhaut, die bis zu den Haftballen der dritten und der fünf- 
ten Zehe reicht; die Spitzen der Finger und Zehen zu deutlichen 
Haftballen verbreitert; Subarticularhöcker kräftig, knopfförmig; zwei 
sehr deutliche Metatarsalhöcker, der innere stumpf, oval, der äußere 
rund; eine Tarsalfalte fehlt. Nach vorn gelegt überragt das Hinter- 
bein mit dem Tibiotarsalgelenk die Schnauze ein wenig. Tibia kürzer 
als die Vordergliedmaßen. Haut oben fein granuliert oder gekörnelt, 



133 

häufig nach hinten und an den Seiten mit einigen flachen Warzen; 
eine stark vortretende, aber schmale, gleichfarbige Dorsolateralfalte; 
eine breitere weißgefärbte Drüsenfalte zieht unterhalb des Trommelfells 
bis zur Schulter. — Oben hellgrau ; Frenai- und Temporalgegend 
dunkler, schwarzgrau oder schwarz ; ein breiter weißer Lippenstreifen ; 
Gliedmaßen mit kräftigen dunklen Querbarren; Hinterbacken hinten 
der Quere nach ziemlich scharf abgesetzt , oben hellgrau , unten 
schwarzgrau, ohne Makeln, oder undeutlich gelb gefleckt. Unterseite 
silberweiß, auf den Beinen gelbbraun oder braungrau, auf Kehle und 
Brust mit schwärzlicher Fleckung oder Bestäubung, auf Unterschenkel 
und Fuß mit undeutlicher schwarzgrauer Fleckung. — çf mit zwei 
inneren Schallsäcken, aber ohne Drüse auf der Innenseite des Ober- 
armes. 

Maße: 
$ Kopflänge 19 20 mm Länge der Tibia 30 37 mm 

Kopf breite 16 I8V2 » Trommelfell 41/4 5 » 

Rumpf länge 35 41 » Größte Haftscheibe 
Vordergliedra. 36 42 » am Finger 1 Y2 ^Vs " 

Hintergliedm. 95 114 » Gr. Haftscheibe an 

deri Zehen P/s 1^4 " 

Fundort: Auf ganz Hai m ah eira und Ternate, häufig. 
3) Cornufer corrugatus (A. Dum.). 

Phrynixalus n. gen. [Engystomatidaruin] . 
Char. Habitus von irra/e^s. Pupille horizontal. Zunge groß, breit 
oval, hinten nicht ausgerandet, nur in ihrem vorderen Drittel festge- 
wachsen, hinten und an den Seiten frei. Vomerzähne fehlen. Die 
Gaumenbeine bilden quer über den Gaumen hin eine scharfe, bogen- 
förmig (^^'-^) gestellte Leiste. Eine gezähnelte Querfalte zwischen 
den Tuben, Trommelfell ziemlich deutlich. Finger und Zehen frei ; 
ihre Spitzen in große, dreieckige Haftscheiben verbreitert. Äußere 
Metatarsalen vereinigt. Kein Praecoracoid ; Sternum knorpelig. Dia- 
pophysen der Kreuzbeinwirbel verbreitert. Endphalangen T-förmig. 
— Verschieden von Oreophryne durch den Ixalus-dnii^en Habitus, die 
scharfe, bogenförmige Leiste dicht hinter den Choanen, das deutlichere 
Trommelfell und die fehlende Schwimmhaut. — Hierher als einzige 
Art 4) Phrynixalus montanus n. sp. 

Char. Körper gedrungen mit langen Gliedmaßen. Kopf breit, 
breiter als lang und fast so breit wie der Rumpf. Schnauze sehr 
stumpf zugespitzt , kürzer als der Augendurchmesser. Rostralkante 
verrundet- winkelig, Frenalgegend merklich ausgehöhlt; Interorbital- 
raum breiter als ein einzelnes Augenlid. Trommelfell ziemlich scharf 
umgrenzt, von 1/3 — Ys Augengröße. Finger und Zehen lang, nieder- 



134 

gedrückt; erster Finger viel kürzer als der zweite; Zehen ohne 
Schwimmhaut, die Spitzen zu sehr großen, dreieckigen Haftscheihen 
verbreitert, die an den Fingern erheblich breiter und größer sind als 
an den Zehen. Größte liaftscheibe der Finger etwa so groß wie das 
Trommelfell; Subarticularhöcker sehr schwach entwickelt; innerer 
Metatarsaltuberkel schwach, länglich, zusammengedrückt; äußerer un- 
deutlich oder fehlend. Hinterbein, nach vorn gelegt, mit dem Tibio- 
tarsalgelenk zwischen Auge und Nasenloch reichend. Haut leicht 
gerunzelt und weichwarzig, die Wärzchen auf den Körperseiten deut- 
licher; Unterseite glatt oder nur auf dem hintersten Theile des 
Bauches leicht granuliert. — Röthlichbraun, schwärzlich gefleckt und 
marmoriert, ein mit der Spitze nach hinten gerichteter, dreieckiger 
Flecken und eine breite, W-förmige Zeichnung auf dem Vorderrücken 
schwärzlich; Gliedmaßen dunkel gefleckt, aber ohne deutliche Quer- 
binden ; Finger und Zehen gelb , schwärzlich geringelt. Mitunter ein 
breiter, silberweißer Spinalstreifen. Unterseite braungelb, auf Hals, 
Brust und Oberschenkeln schwärzlich gepudert oder gefleckt. 



13 mm 

IV2 ». 



Fundort: Nord-Halmaheira, in Höhen von 2200—2500' 
Anfang April 1894, 2 Stücke. 

Bemerkungen: Die Art macht in Form, Färbung, Zeichnung 
und Zehenbildung ganz den Eindruck eines Cornufer oder eines Ixa- 
lus mit mangelnder Schwimmhaut, während das Innere des Maules 
durchaus Charaktere der Engystomatiden zeigt. 
5) Xenoi'/nna dubia n. sp. 

Char. Habitus von Callaia. Körper gedrungen ; Kopf breiter 
als lang, Parietalgegend mit Längsrinne ; Schnauze stumpf dreieckig, 
aber doch vorn etwas zugespitzt , so lang wie der Augendurchmesser. 
Pupille horizontal ; Zunge groß und breit , langoblong, an den Seiten 
ausgedehnt frei, hinten festgewachsen. Eine glatte und dahinter eine 
gezähnelte Hautfalte quer über den Gaumen vor und zwischen den 
Tuben. Trommelfell undeutlich umschrieben, von fast 2/^- Augen- 
größe. Interorbitalraum etwas breiter als ein oberes Augenlid. Finger 
mäßig lang, erster kürzer als der zweite, der zweite und der vierte von 
gleicher Länge; Zehen lang, ohne Schwimmhaut, dritte Zehe viel 
länger als die fünfte. Fingerspitzen stumpf, ohne deutliche Haftschei- 







Ma 


Lße: 


Kopflänge 


91/2 


9 mm 


Unterschenkel 1 3 Y2 


Kopfbreite 


10 1/2 


1 » 


Haftscheibe d. drit- 


Rumpflänge 


I6V2 


I6V2 » 


ten Fingers 12/4 


Vordergliedm. 


17 


17 » 


Haftscheibe d. vier- 


Hintergliedm. 


391/2 


42 y> 


ten Zehe 1 V4 



Kopflänge 


8V2 


8 1/2 ™ïïi 


Unterschenkel 


Kopfbreite 


9 


91/2 » 


Haftscheibe am drit- 


Rumpflänge 


131/2 


151/2 » 


ten Finger 


Vordergliedm. 


13 


12 » 


Haftscheibe an der 


Hintergliedm. 


36V2 


35 » 


vierten Zehe 



135 

ben : Spitzen der Zehen zu kleinen runden Haftscheiben erweitert ; 
Subarticularhücker schwach entwickelt; der innere Metatarsalhöcker 
schwach, zusammengedrückt, der äußere fehlt. Hinterbein, nach vorn 
gelegt, mit dem Tibiotarsalgelenk etwa die Augenraitte erreichend. 
Haut ganz glatt, nur gelegentlich die Körperseiten schwach gerunzelt. 
Eine schiefe Falte über dem Trommelfell. — Oben schwarzgrau , ein- 
farbig oder undeutlich heller gefleckt und marmoriert, die Gliedmaßen 
mit wenigen, undeutlichen, weißgrauen Barren, Querfiecken und 
Ringen. Unterseite braungelb, über und über kastanienbraun ge- 
netzt oder kastanienbraun mit braungelber Marmorierung und Rund- 
fleckenzeichnung. Finger und Zehen hell mit dunkler Ringelung. 

Maße: 

11 11 mm 

Vs V2 » 

V4 V4 -> 

Fundort: Nord-Halmaheira, in Höhen bis zu 2200', zwei 
Stücke. 

Bemerkungen: Die vorliegende Art scheint mir gut in die von 
Peters, Mon.-Ber. Berlin. Akad. 1863, p. 82 aufgestellte Gattung 
Xenorhina zu passen, doch ist den dort angegebenen Gattungscharak- 
teren noch hinzuzufügen : « Pupille horizontal. Eine glatte und eine 
gezähnelte Hautfalte quer über den Gaumen, die erstere vor, die zweite 
zwischen den Tuben. Äußere Metatarsalen vereinigt. Kein Praecora- 
coid ; Coracoid distal stark verbreitert ; Sternum knorpelig. Endpha- 
langen T-förmig.« — Hauptcharakter für diese Gattung bleibt die über- 
all längs ihrer ganzen Mitte festgewachsene Zunge, sowie der Mangel 
der Haftscheiben an den Fingern und der Schwimmhaut an den 
Zehen, wodurch sie sich von der habituell ähnlichen Gattung Oreo- 
phryne unterscheidet. 

OreopliTijne n. gen. (Engystomatidarum). 
Char. Habitus von Callula. Pupille horizontal. Zunge groß, oval, 
hinten nicht ausgerandet, hinten und an den Seiten frei. Vomerzähne 
fehlen. Eine glatte und dahinter eine gezähnelte Hautfalte quer über 
den Gaumen, die erstere vor, die zweite zwischen den Tuben. Trommel- 
fell undeutlich begrenzt oder versteckt. Finger frei, Zehen mit Spann- 
haut; Spitzen der Finger und Zehen verbreitert. Äußere Metatarsalen 
vereinigt. Kein Praecoracoid; Sternum knorpelig. Diapophysen der 
Kreuzbein wirbel mäßig verbreitert. Endphalangen T-förmig. — Ver- 
schieden von Calophryiius , Sphenophryne und Chaperia durch den 



136 

Mangel der Praecoracoide , von Phrijnella durch das Aiiftreten querer 
Hautfalten im Gaumen. — Hierher als einzige Art: 
6) Oreophryne setickenbergiatia n. sp. 
Char. Habitus gedrungen. Schnauze stumpf zugespitzt, wenig 
kürzer als der Augendurchmesser; Interorbitalraum viel breiter als 
ein oberes Augenlid. Trommelfell undeutlich, dem Auge nahe ge- 
rückt, von etwa Ys-Augengröße, oft ganz versteckt. Finger mäßig ver- 
längert, erster kürzer als der zweite; Zehen verhältnißmäßig kurz, mit 
deutlicher Spannhaut bis fast Yg-Schwimmhaut; Spitzen zu großen, 
dreieckigen, vorn abgestutzten Haftscheiben verbreitert, die an den 
Fingern wie an den Zehen ziemlich gleichgroß sind; Subarticular- 
höcker undeutlich; innerer Metatarsalhöcker sehr schwach, zusammen- 
gedrückt, äußerer fehlend. Hinterbein, nach vorn gelegt, mit dem 
Tibiotarsalgelenk bis in die Gegend des Trommelfells oder bis zum 
Hinterrand des Auges reichend. Haut glatt; Bauch und Unterseite 
der Oberschenkel grobrunzelig granuliert. — Weiß mit grauer Mar- 
morierung und symmetrischer, tiefschwarzer Fleckenzeichnung; eine 
weiße Querbarre zwischen den Augen, ein schwarzer, oben und unten 
weiß eingefaßter Temporalstreifen; Körperseiten schwarz und weiß 
gefleckt; ein großer, schwarzer, breit weiß umsäumter Flecken in der 
Weichengegend besonders deutlich; Oberschenkel vorn und hinten 
rothgelb, ungefleckt. Unterseite braungelb mit weißer Fleckung und 
Marmorzeichnung. Finger dunkel mit weißen Ringen. Ein kleines 
Stück aus Supu von I9Y2 i^m Kopfrumpf länge ist einfarbig braungelb 
ohne jedes Abzeichen. — çf mit innerem subgularem Schallsack. 

Maße: 

Kopflänge 7Y2 mm \'ordergliedmaßen l3'/2 mm 

Kopf breite 8 » Hintergliedmaßen 32Y2 » 

Rumpf länge I8Y2 « Unterschenkel IIY2 » 

Haftscheibe am 3. Finger, IY2 mm Haftscheibe an der 4. Zehe 
IV5 mm. 

Fundort: Supu, Nord- Halmaheira, Dodinga, West-Hal- 
maheira, und Patani, Ost-Halmaheira, überall nur in einem 
Stücke gesammelt. 

7) Hyla doKchopsis (Cope) var. tenuigr emulata n. 
Char. Verschieden vom Typus durch schwächer oder stärker mit 
feinen, weichen Körnern granulierte Oberfläche und von der Form aus 
Ambon überdies dadurch , daß das Trommelfell kleiner als die größte 
Haftscheibe der Finger ist, während das Trommelfell bei der Form aus 
Südost-Neuguinea etwas größer als die größte Haftscheibe, bei der 
Form aus Ambon aber so groß wie die größte Haftscheibe der Finger 



er 


9 


104 


1 1 7 mm 


6 


8 » 


7 


9 .) 



137 

ist. — Grundfarbe etwas dunkler olivengrün, Zeichnung die gleiche. 
— Die schwarze Copulationsbürste des (j^ an der Außenseite des ersten 
Fingers, die beim Typus von Neu -Guinea niereuförmig oder zwei- 
lappig ist, zeigt sich bei der vorliegenden Varietät constant in zwei 
Rundmakeln getrennt, eine größere distale und eine kleinere proxi- 
male. 

Maße: 

er 

Kopfrumpf länge 95 

Trommelfell 6 

Größte Haftscheibe der Hand 7 

Fundort: Auf Halmaheira und Ternate allgemein ver- 
breitet. 

Bemerkungen: Eine Andeutung von Granulation findet sich, 
wenn auch sehr schwach entwickelt, schon auf Schnauze und Kopf 
gewisser Stücke dieser Art von Ambon und Neuguinea. 
8) Hy/a rueppelli n. sp. 

Char. Verschieden von H. amhoinensis Horst durch geringere 
Körpergröße, Stellung der Vomerzähne, die nicht mitten zwischen den 
Choanen, sondern etwas weiter nach hinten gerückt in einer Linie mit 
deren Hinterrande stehen , durch die weniger breite Spannhaut der 
Finger , kleineres Trommelfell und glatte Rückenhaut. — Kopf breit, 
breiter als der Körper; Schnauze gerundet, vorn senkrecht abgestutzt, 
so lang wie die Orbita ; Rostralkante abgerundet, Zügelgegend schief, 
leicht ausgehöhlt; Nasenlöcher der Schnauzenspitze genähert; Augen 
stark vorquellend; Interorbitalraum viel breiter als das einzelne 
Augenlid. Trommelfell scharf umschrieben, von etwa V3- Augengröße. 
Zunge oval, hinten leicht ausgerandet und wenig frei; Vomerzähne in 
zwei kleinen rundlichen Gruppen auf einer Linie mit dem Hinter- 
rande der relativ sehr großen Choanen. Finger mäßig lang, die bei- 
den äußeren mit reichlich halber bis -'j^. die mittleren mit knapp hal- 
ber bis ''4 -Schwimmhaut, die inneren am Grunde mehr oder weniger 
breit gesäumt; Zehen verhältnismäßig kurz mit fast vollkommener 
Schwimmhaut ; Subarticularhöcker schwach entwickelt ; Haftscheiben 
so groß oder etwas größer als das Trommelfell. Die Hintergliedmaßen 
reichen, nach vorn gelegt, mit dem Tibiotarsalgelenk bis zur Schnau- 
zenspitze oder etwas darüber hinaus. Haut oben ganz glatt, eine kräf- 
tige Falte zieht vom Auge über das Trommelfell hin bis zur Schulter; 
Bauch und Unterseite der Oberschenkel kräftig granuliert; häufig ein 
durch helle Farbe ausgezeichneter, undeutlicher, rundlicher Tuberkel 
auf dem Tibiotarsalgelenk. — Im Leben oberseits schwefelgelb ein- 
farbig oder schwärzlich gepudert, in Spiritus isabellgelb , rauchgrau 



138 

oder schwarzbraun, einfarbig oder leicht heHor röthlichgrau oder grau- 
weiß gefleckt und marmoriert, mitunter auch hellgrau mit zwei dunk- 
leren, undeutlichen, rautenförmigen Flecken auf Kopf und Rücken; 
meist ein undeutlicher, hellerer Flecken auf der Oberlippe unterhalb 
Auge und Trommelfell oder die ganze Oberlippe gelblich, schwärzlich 
gepudert und gefleckt. Unterseite einfarbig weißgrau. — (^ mit einem 
inneren subgularen Schallsack und zur Brunstzeit mit einer spitz- 
ovalen Copulationsbürste auf der Außenseite der Basis des ersten 
Fingers. 

Maße: 



Kopflänge 






15 


14 


14 


131/2 


13 mm 


Kopfbreite 






I6V2 


16 


15 


15 


I4V2 « 


Rumpflänge 






33 


30 


31 


291/2 


27 » 


Vordergliedmaßen 






29 


28 


28 


27 


26 » 


Hintergliedmaßen 






77 


76 


77 


74 


66 » 


Unterschenkel 






24 


25 


25 


25 


21 » 


Trommelfell 






2 


2 


2 


2 


2 » 


Haftscheibe des 3. 


Fingers 


21/2 


2V4 


21/2 


2 


2V4 » 


Fundort: In IS 


ord- 


-H 


almah 


aira 


weit verbreitet 


und häufi 



Das sind 48 von Prof Kükenthal erbeutete Arten. Nach frühe- 
ren Forschungen waren 21 Species von der Insel bekannt, nämlich 
7 Eidechsen, 12 Schlangen und 2 Schildkröten. Von diesen Arten 
fehlen auf Halmaheira wohl Bichex Ly go soma cy ano g aster (Less.). Tro- 
pidonotus picturatus Schleg., Stegonotus modestus [Schleg.), Dendrophis 
punctulatus Gray und Dipsas fusca Gray, die als Synonyme oder als 
mit anderen verwechselte Formen zu streichen sind. Die beiden sonst 
noch genannten Arten Testudo forsteni Schleg. (nach Schlegel) und 
Zamenis dipsas (Schleg.) (nach Peters u. Doria) dürfen wir wohl nicht 
anzweifeln; sie müssen aber sehr selten sein, da sie in der überaus 
reichhaltigen Kükenthal'schen Sammlung zum mindesten von Hal- 
maheira nicht vertreten sind. 

2. Einiges über die Hydrachniden -Gattungen »Arrenurus< Dugès und 
»Thyas« C. L. Koch. 

Von R. Piersig, Großzschocher-Leipzig. 

eingeg. 25. Januar 1895. 

Unter allen Hydrachnidengattungen stellt Arre?iurus Dugès die 
meisten Vertreter. Zählt man doch allein in dem engumgrenzten Ge- 
biete des Königreichs Sachsen bis jetzt 28 Arten , ohne daß damit die 



139 

Reihe abgeschlossen zu sein scheint, wie aus dem nachstehend Gege- 
benen zur Genüge hervorgeht. Viele von diesen Species sind in Folge 
der ganz characteristischen Ausstattung der Männchen mit sehr ver- 
schieden gestalteten Schwanzanhängen leicht zu unterscheiden und das 
umsomehr, als der Hinterrand des zuletzt genannten Gebildes in den 
meisten Fällen eine Chitinrinne, den Petiolus, trägt, dessen Form und 
Größe oft weitgehende Abweichungen erkennen lassen. Dazu kommt 
noch, daß der Rücken mehrere, bald spitze, bald gewölbte, bald weit 
von einander entfernte, bald genäherte oder fast verschmolzene 
Höckerpaare aufweist, die dem Körper besonders in der Seitenlage 
ein oft seltsames Aussehen geben. Bei einigen Arten indeß bedarf es 
wegen ihrer großen Ähnlichkeit eines eingehenden Vergleiches, ehe 
man für den ArtbegrifF werthvolle Merkmale auffindet. Ungleich 
schwieriger ist es aber, die aufgefundenen Species mit den von alten 
Autoren angeführten und abgebildeten zu identificieren. Aus diesem 
Grunde erklärt sich auch einerseits die fast beispielslose Verwirrung 
in der Synonymie gerade der Hydrachnideu. Freilich kann man an- 
derseits späteren Hydrachnidologen nicht immer den Vorwurf er- 
sparen, daß sie bei der Bestimmung ihrer Funde und deren Bezug auf 
ältere, von Müller oder Koch schon benannte Formen nicht immer 
den stricten Gesetzen einer exacten Naturforschung gefolgt sind , in- 
dem sie aus den gegebenen, den Hülfsmitteln entsprechend oft sehr 
guten Diagnosen wesentlich richtige Angaben ganz unberücksichtigt 
gelassen haben. So kann ich naich nicht mit dem Vorgehen Berlese's 
in seinem Sammelwerk (Acari , Myriopoda et Scorpiones hueusque in 
Italia reperta) einverstanden erklären, wenn er seinen Arrenurus tri- 
cuspidato?' auf die gleichbenannte Müller' sehe Art [Hydrachnae 
quas etc. p.35. Taf. HI Fig. 2) bezieht. Müller war ein viel zu guter 
und gewissenhafter Beobachter, als daß ihm die mit mittelstarker Lupe 
leicht zu constatierende Thatsache entgangen wäre , daß auf dem 
Rücken an der Grenze zwischen Rumpf und Anhang nicht bloß ein 
Höcker sondern drei neben einander stehen, von denen der mittelste 
(übrigens doppelspitzige) die beiden andern wesentlich überragt. In 
seiner Beschreibung sagt er jedoch wörtlich »Corpus antice, subemar- 
ginatum dorso gibberoso seu tuberculis tribus, apice acutis, horum 
duo pone oculos tertium postice seu in basi caudae latiusculum medio 
mucrone acuto instructum.« Mit den Buckeln hinter den Augen sind 
die dorsalen Vorderrandshöcker gemeint, die außerhalb des Rücken- 
bogens stehen, eine Thatsache, die auch die Müller' sehe Zeichnung 
deutlich wiedergiebt. 

Mit denselben zählt man aber nicht drei, sondern fünf hervor- 
ragende Erhebungen auf dem Rumpfrücken. Wie man aber weiter 



140 

aus den gegebenen Diagnosen wiederholt feststellen kann, betrachtete 
Müller die Thiere auch in der Seitenlage. Wie sollte da, frage ich, 
ihm die ganz eigene Form des hinteren Mittelhöckers entgangen sein, 
die sich bei schwacher Vergrößerung unverkennbar dem Auge dar- 
bietet? Das ist umso weniger glaubhaft, als er, wie ich weiter hinten 
überzeugend nachweisen werde, in seinem Arrenurus maculator, einer 
wesentlich kleineren Art, gerade darüber die klarsten, unzweideutig- 
sten Angaben macht. Aus alledem geht mit Sicherheit hervor, daß 
B erlese's Gründe, seinen Befund an die Stelle des von Bruzelius 
festgelegten Arr. tricuspidator Müller zu setzen, sich wissenschaftlich 
nicht als stichhaltig erweisen. Ein aufmerksames Durchlesen der von 
dem letztgenannten schwedischen Autor gegebenen ausführlichen Be- 
schreibung bringt außerdem noch die Überzeugung, daß sich jene im 
Großen und Ganzen noch eher mit den Angaben Müller's deckt als 
die von Beri e se. Heißt es doch wörtlich: Pa ryggen gar en framtill 
halfcirkelformig , bakât smâningom försvinnande, intryckt linie, som 
omsluter en nagotlägre,jemnare och platt yta. Pa hvardera sidan af 
denna linie star framtill en liten knöl, samt längre bakât öfver för- 
längningens rot tvenne dylika, temligen spetsiga knölar. Auf der 
Müller' sehen Zeichnung ist aber ebenfalls überraschender Weise 
ein auf gemeinschaftlicher Basis ruhender zweispitziger Doppelhöcker 
an der Grenze zwischen Rumpf und Anhang dargestellt. Wenn man 
nun weiter noch die Übereinstimmung der Größenangabe, bei Bru- 
zelius durch das Maß, bei Müller vermittelst einer Nebenfigur ver- 
anschaulicht, berücksichtigt, nach welcher Arr. tricuspidator Bruz. zu 
den größten Vertretern seiner Gattung gehört, so ist nicht einzusehen, 
warum die von Berle s e aufgefundene Species, die bis auf einige 
Abweichungen in der Beborstung des hinteren Anhangsrandes und 
die Gestaltung der dorsalen Haupthöcker meinen Ar7-etiiirtis maximus 
gleicht, nun plötzlich den Arrenurus tricuspidator Bruzelius im System 
verdrängen soll. Letzterer besteht vielmehr nach alledem noch immer 
zu Recht und der ihm beigelegte neue Name -Dhicuspidator Berlese« ist 

zu cassieren. 

(Schluß folgt.) 

II. Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Grofsen 

Plöner See. 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 

VI. 

Die Eisdecke des Sees besaß bis zum 18. März eine Stärke von 
25 cm. Von da ab trat Thauwetter ein , sodaß die Uferzone schon am 



141 

22. März in einer Breite von 3 — 4 m eisfrei war. Am 24. März ließ 
sich mit Hülfe des Feldstechers ein Zerfall des Eises in einzelne 
Schollen auch auf größere Strecken hin feststellen, sodaß voraussicht- 
lich zu Beginn des Aprilmonats das Befahren der Seefläche mit dem 
Boote wieder möglich sein wird. Die nachstehend verzeichneten 
Fänge sind sämmtlich noch vor Eintritt des Thauwetters gemacht 
worden. 

Datum: 1. März 1895. Wassertemperatur: 0,5° Cels. 

Volumen: 7,85 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Eurytemora lacustris 90589 

3Ielosira-¥Men 1483 650 

Asterio7iella gracillima 47 100 

Zurücktretend un d vereinzelt : 
Synchaeta tremula (78 882), Polyarthra platyptera (15 307), Hyalo- 
daphnia cj'istata^ Bosmi?ia longirostris , Cyclops oithonoides (20 096), 
Larven desselben (58 875), Diapt. graciloides. — Fragil, crotonensis und 
Fragil, capucina. 

Datum: 10. März 1895. Wassertemperatur: 0,5° Cels. 

Volumen: 10 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Synchaeta tremula 341475 

Eurytemora lacustris 133136 

* * 

Melosira-YMen 1603 175 

Asterionella gracillima 160396 

Zurücktretend und vereinzelt: 
Polyarthra platyptera (7850) , Triarthra longiseta., Hyalodaphnia 
cristata, Bosmiiia longirostris., Cyclops oithonoides (30 458), Larven des- 
selben (129 525). 

Bei Zählung dieses Fanges entdeckte ich auch das erste dies- 
jährige Exemplar von Ceratium hirundinella, der bekannten limne- 
tischen Süßwasserperidinee , welche bei zunehmender Wasserwärme 
einen numerisch sehr hervorragenden Bestandtheil der Fänge zu bil- 
den pflegt. Dieses und noch ein anderes am 18. März aufgefischtes 
Exemplar zeichneten sich dadurch aus, daß das rechte Hinterhorn bei 
beiden noch sehr kurz und wenig entwickelt war. Dasselbe verhielt 
sich seiner Länge nach zum linken Horn wie 1:6. 

Datum: 18. Märzl895. Wassertemperatur: 0,5°Cels. 

Volumen: 12 ccm (unter 1 qm Fläche). 

Synchaeta tremula 377271 

Eurytemora lacustris 67196 

Larven von Cyclops oithonoides . . . 195 936 

* * 

Melosira-Fààen 2 437 425 

Asterionella gracillima 1884000 

Synedra delicatissima 67196 



142 

Zurücktretend und vereinzelt: 
Ditiohryon stipitatum (1 Colonie), Mallomonas acaroides (l Exem- 
plar), Eudorina elegans (1 Colonie), GymnocUnium fuscum (l Exemplar), 
Ceratium hirmidinella (1 Exemplar), Staurophrya elegans (1 Exemplar), 
Polyarthra platyptera, Triarthra longiseta^ Anuraea cochlearis, Hyalo- 
daphnia cristata , Bosmina lo7igir o stris , Cyclops oithonoides (62 486), 
Diaptomus graciloides. — Fragil, crotonensis, Fragil, capucina^ Dia- 
toma tetiue^ var. elong atum. 

Am 1 . März hatte das Plankton des Gr. Plöner See's in quanti- 
tativer Hinsicht sein Minimum erreicht. Es betrug, wie das Protokoll 
vom genannten Tage zeigt , noch nicht 8 ccm für die Flächeneinheit 
(resp. für 40 Cubikmeter Wasser), welches in der That als ein fast ver- 
schwindender Betrag anzusehen ist. Von da an hebt sich die Produc- 
tion wieder und wir werden aus den Zählungen der Aprilfänge zu 
entnehmen in der Lage sein, wie die verschiedenen Arten von limne- 
tischen Pflanzen- und Thierwesen sich an der Vermehrung der leben- 
den Materie im Wasser betheiligen. Zur Zeit besitzt der Plöner See 
eine Temperatur von 0,5° Celsius, wogegen im Monat März des ver- 
flossenen Jahres bereits eine durchschnittliche Wasserwärme von 
3,6°Celsius zu registrieren war. Trotz des niedrigen Temperaturstan- 
des erscheinen aber die für Ende März (oder Anfang April) fälligen 
Organismen mit überraschender Pünktlichkeit, wie ein Vergleich des 
Protokolls vom 18. März mit den Periodicitätstabellen von 1894 aufs 
Klarste ausweist ^ Es scheint hiernach die Intensität der Beleuch- 
tung, wie sie die höher stehende Sonne zu spenden vermag, von ent- 
scheidenderem Einflüsse auf die Wiedererweckung des Lebens im Was- 
ser zu sein, als die erhöhte Erwärmung des letzteren. Und dies wird 
wieder aus dem Umstände begreiflich , daß viele limnetische Organis- 
men mit Chromatophoren ausgestattet sind, mittels deren sie im Lichte 
nach Art rein pflanzlicher Wesen assimilieren . Diese Urproducenten von 
Nahrung werden nun aber hauptsächlich von Räderthieren und Kreb- 
sen gefressen, sodaß dieselben Bedingungen, welche denersteren förder- 
lich sind, auch indirect eine Vermehrung der letzteren begünstigen. 
So erklärt es sich, meiner Ansicht nach, am ungezwungensten, daß 
das Vorhandensein einer abnorm niedrigen Wassertemperatur an- 
scheinend nur in sehr geringem Maße eine Störung in den Periodici- 
tätsverhältnissen der für das Frühjahrs-Plankton characteristischen 
Arten hervorruft. Eine entsprechende Verminderung der gleichzeitig 
einwirkenden Lichtintensität würde hingegen wohl die gesammte Öko- 
nomie des Thier- und Pflanzenlebens im Wasser hochgradig zu beein- 
trächtigen im Stande sein. Ich schließe auf die große Bedeutung des 
Lichtes für die limnetische Organismenwelt nicht bloß aus der Ein- 
flußlosigkeit der niederen Wassertemperatur hinsichtlich der Entfal- 
tung der Frühjahrswasserfauna, sondern auch aus der notorischen 
Thatsache, daß die Monate mit der längsten Tageszeit (also der größten 
Lichtfülle) zugleich auch diejenigen sind , in welchen die Plankton- 
production am ergiebigsten ist, d. h. die Monate Juni und Juli. 

' Vgl. die »Forsch ungs berichte aus der Biolog. Station zu Plön« 
für 1893 und 1894. Verlag von K. Friedländer & Sohn in Berlin. 



143 
2. Zoological Society of London. 

5th March, 1895, — The Secretary read a report on the additions 
that had been made to the Society's Menagerie during the month of February, 
and called special attention to a fine female Giraffe recently arrived from 
South Africa. This was believed to be the first example of the large, dark- 
blotched race ever seen alive in Europe, the Giraffes previously exhibited 
having belonged to the smaller and paler form found in Northern Tropical 
Africa. The Society has also purchased a pair of Sable Antelopes [Hippo- 
tragus nig er) and a pair of Brindled Gnus [Connochaetes taurina) , all in ex- 
cellent condition. — The Secretary exhibited on behalf of Mr. Walsey, 
of the Hudson's Bay Company, tvfo Martens' skins which had been received 
from two distinct districts widely apart. The peculiarity in these skins con- 
sisted in the fact that one of the fore legs in each skin was wanting, and 
there was nothing to indicate that a limb had ever existed at that part. — 
Dr. St. George Mivart, F.R.S., read a paper on some distinctive structu- 
ral characters in the hyoid bone in certain Parrots. The Author represented 
two lateral processes of the basihyal (for which he proposed the name para- 
hy al processes) as probably distinctive of the whole of the Psittaci. He found 
that in the genera Loritts , Eos, and Trichoglossus these processes were de- 
veloped into a remarkably delicate parahyal arch. He also described the 
h.yo\di oi Strivgops^ showing that it was completely Psittacine , buth with 
some special characters probably peculiar to it. — Mr. A. D. Michael read 
a paper on a new Freshwater Mite found in Cornwall , and belonging to the 
genus Thyas, of which only two species were previously known. It is a very 
handsome species, flattened in form, scarlet and orange in colour, and with 
remarkable whorls of large lanceolate spines tipped with scarlet on the legs. 
It was found near the Land's End in a small stream close to where the rapid 
falls into the sea. It is proposed to call it Thyas petrophilus. — Mr. G. A. 
Boulenger, F.R.S. , read a paper »On the Nursing-habits of two South- 
American Frogs«, and exhibited a specimen oiHylaGoeldii with the eggs on 
the back. He also made remarks on a male specimen of Phyllohates trinitatis 
from Venezuela , carrying its tadpoles on its back , in the same way as had 
previously been observed in frogs of the genus Dendrobates from Surinam 
and Brazil, — P. L. Sclater, Secretary. 

3. 3oojiormecKoe OT;i,*JieHÌe ÜMnepaTOpcKaro OomecTBa .Ilroôme- 

Jieil ECTeCTB03HaHÌa, AnTponOJIOrin h 9TH0rpa()|)ÌH. (Zoologische Ab- 
theilung der kaiserlichen Gesellschaft der Freunde der Naturwissenschaften, 
Anthropologie und Ethnographie.) 
Sitzung des 17. (29.) Januar, 1895. — lipo*. H. K). Borpca*!, (Prof. 
N. Zograf) machte eine Mittheilung über seine Studien an den Zähnen der 
russischen Störe. Früher wurden die Zähne bei Acipenseriden nur für eine 
Alterstufe beschrieben, wo die Thiere eben erst ausgeschlüpft waren, und 
Prof. Salenski setzte voraus, daß die Zähne beim Acipenser ruthenus gegen 
den zweiten Monat seines Wachsthums verschwinden. Aber schon im .Jahre 
1887 hatte Prof. Zograf gezeigt , daß bei einigen Fischen, deren Verbrei- 
tungsbezirk östlicher liegt , als der des Sterlet , wie bei Scaphirhynchus und 
bei Ac. stellatus, die Zähne sich bis in ein höheres Alter erhalten. Indem er 
diese Thatsachen und den Umstand in Betracht zieht, daß die Zähne von 
Polyodon gladius aus dem Jantsekiang das ganze Leben des Thieres bleiben und 



144 

große Dimensionen erreichen, setzte Zograf voraus, daß die Formen der 
störartigen Fische, welche die Gebiete zwischen dem Großen Ocean und dem 
Meridian des Uralgebirges bewohnen , ihre Zähne länger behalten müssen, 
als Ac. ruthenus , Ac. stellatus und Scaphirhynchus . Die Untersuchungen, 
welche Referent an geschlechtsreifen Acipenser Baerii aus dem Irtisch an- 
stellte, haben diese Voraussetzung bestätigt, und es fanden sich bei dieser 
Form Zähne in einem Alter, in dem sie bei den Wolgastören fehlen. Außer- 
dem überzeugten neuere Studien den Referenten , daß auch bei den früher 
von ihm untersuchten Fischen die Zähne länger sich halten , als er früher 
geglaubt hatte. So fand er Zähnespuren bei einem Sterlet, dessen Alter ein 
Jahr überstieg. 

H. <ï>. 3ojiothhi];kìh (N. Solotnizki) sprach über die Biologie des 
siamesischen Kampffisches [Betta pugnax), von dem zwei Exemplare lebend in 
der Sitzung demonstriert wurden (zum erstenmal in Moskau). 

C. A. 3epH0B'L (S. Sernow) machte Mittheilung über seine anato- 
mischen Untersuchungen an den eigenthümlichen , von Tömösvary entdeck- 
ten Kopforganen der Myriapoden. 

4. Malacological Society of London. 

March 8th 1895. — The following communications were read: — On 
the genus Nassodonta, byE. A. Smith; Notes on the Anatomy of Helix 
Quekettiana, byS. Race; Notes on West Australian landshells, byC.Hedley; 
Descriptions of new species of Clausiliae from Tapan and Yunnan, by E. R. 
Sykes. — Mr. G. F. Harris exhibited fossil species of Chama\ Dr. Cha- 
ster exhibited British species oi Lepton , Lasaea , and Kellta; Mr. Smith 
exhibited a sinistral Papuina leucophaea, from the Solomon Islands; Mr. Ï. 
H. Vanstone exhibited a living specimen of Crepidula from Essex; Mr. E. 
R. Sykes exhibited Clausiliae and Miocene fossils from the S. of France. 
— E. R. Sykes, Hon. See. 

5. 67. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. 
Lübeck, 16. bis 21. September 1895. 

Im Einverständnis mit den Geschäftsführern der 67. Versammlung 
deutscher Naturforscher und Ärzte haben wir die Vorbereitungen für die 
Sitzungen der Abtheilung 

No. 7, Zoologie, 

übernommen und beehren uns hiermit, die Herren Vertreter des Faches zur 
Theilnahme an den Verhandlungen dieser Abtheilung ganz ergebenst ein- 
zuladen. 

Gleichzeitig bitten wir Vorträge und Demonstrationen frühzeitig — bis 
Ende Mai — bei dem unterzeichneten Einführenden anmelden zu wollen, da 
die Geschäftsführer beabsichtigen , zu Anfang Juli allgemeine Einladungen 
zu versenden , welche eine vorläufige Übersicht der Abtheilungs-Sitzungen 
enthalten sollen. 

Der Einführende : Der Schriftführer : 

Realschullehrer Dr. phil. Lenz, Hauptlehrer Ad. Koch, 

Sophienstraße 4 a. Königstraße 97. 

Lübeck, im März 1895. 

Druck von Üreitkopf d Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CaruS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 

Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIIL Jahrg. 22. April 1895. No. 473. 

U.a und ihre Beziel.nn,en^,nter einaC^r^: "d ^^^ Bo£ S.'e n" Î'^SAf^^^lllT^^tr 
Les orgaû.s embryonnaires dn Si.haeroma serrahim Fabr 4 v ««HeîLf ti^u f ^ "'*' 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Einiges über die Hydrachniden- Gattungen «Arrenurus« Dugès und 
»Thyas« C. L. Koch. 

Von R. Pi ersi g , Großzschocher-Leipzig. 
(Schluß.) 
Im Anschluß an das soeben Gesagte möchte ich erwähnen, daß in 
bachsen eine der Arrenurus tricuspidator Bruzelius sehr nahe ver- 
wandte Art existiert, die sich nur durch folgende Merkmale unter- 
scheidet: Korperlänge ohne Petiolus nur 1,1 mm, letzterer 0,16 mm 
Färbung ziegelroth , Beine und Palpen heller. Rumpf zwischen den 
antenniformen Borsten und am vorderen Seitenrande schwach einge- 
buchtet. In den lateralen Winkeln zwischen Leib und Anhang je 
ein deuthcher Wulst mit 3-4 sichtbaren Haaren. Petiolus wie bei 
Arrenurus tricuspidator Bruzelius (f , doch die krummen Seitenborsten 
mit dem freien Ende merkbar überragend. Hyaliner Anhang mit 
scharf ausgezogenen Außenecken. Rückenhöcker wie bei Arrenurus 
afßms Koenike, mit etwas höheren gerundeten Kuppen, Doppel- 
hocker über dem hyalinen Häutchen eng verschmolzen, ein wenig 
vom Hinterrande abgerückt. Viertes Glied am letzten Fuße mit mäßig 
langem, gekrümmtem Fortsatz. Die Benennung behalte ich mir vor 
da mir bis jetzt die drei letzten Bände von Berlese's schon ano-e- 
fuhrten Sammelwerke nicht zugänglich waren und ich eine eventuelle 
üoppeltaufe vermeiden möchte. (Fig. 1). _ p. Kramer, dem ich die 



9 



146 



hier beigegebene Zeichnung übersandte , hält die Abgliederung für 
durchaus gerechtfertigt, zumal er in dem Besitz des echten Ai'renurus 
trtcuspidator Bruzelius ç^ zu sein glaubt , der sich von meiner neuen 
Species durch den Mangel eines hyalinen Häutchens unterscbeidet. 

Neben Arrenwus maculator Koenike (Eine neue Hydrachnide aus 
dem Karresch-See bei Deutsch-Eylau , Schriften der Naturforschen- 
den Gesellschaft zu Danzig, N. F. Bd. VII. 1. Heft. 1887, Tafel I 
Fig. 7 — 9) , von dem ich im Laufe von sechs Jahren nur zwei Exem- 
plare acquiriert und der möglicherweise ein unfertiges , nicht völlig 
ausgebildetes Männchen darstellt und deshalb nur mit Vorbehalt von 
mir mit dem Namen Arr. decipiens bezeichnet wird (Koenike hat 
sich bis heute noch nicht darüber ausgesprochen) , tritt viel häufiger 
Arrenurus maculator Müller auf. In Größe , Färbung , Gestalt und 
Ausstattung herrscht große Übereinstimmung zwischen beiden Arten. 
Der wichtigste und für die Benennung ausschlaggebende Unterschied 

Fig. 2. 
Fig. 1. 





tritt uns in der Bildung der Rückenhöcker entgegen. Während die- 
selben bei Arrenurus decipiens mihi oben eine ziemlich breite Ab- 
stumpfung zeigen (Fig. 2; siehe auch Koenike 1. c. Taf. I Fig. 8), 
sind sie bei Arrenurus maculator Müller an ihren freien Enden spitz 
und schwach nach vorn übergebeugt (Fig. 3) . Das entspricht auch 
dem klaren Wortlaut der Müll er' sehen Diagnose, die in Bezug auf 
die Rückenhöcker folgendermaßen lautet: «postice exurgit corniculum 
basi lata apice acuto anticam versus curvatum (O.F. Müller, Hydrach- 
nae quas etc. p. 34). Der sehr nahestehende, seltene, nur im Gebirge 
von mir beobachtete Arrenurus Leuckarti Piersig unterscheidet sich 
von der Müll er 'sehen Species durch eine größere Abrundung des 



147 

freien Petiolusendes sowie durch breitere und stumpfere Furcaläste. 
Die Endspitzen der Rückenhöcker sind bei derselben viel enger zu- 
sammengerückt. Außerdem steht Ai'renurus Leuckarti Piersig in der 
Größe ziemlich merkbar hinter Ai'renurus maculator Müller zurück. 
Bezüglich der Länge der Borsten auf dem verschmolzenen Doppel- 
höcker über dem gleichgestalteten hyalinen Anhang nimmt die letzt- 
genannte Art eine Mittelstellung zwischen Arrenurus decipie?is mihi 
und Arrenurus Leuckarti mihi ein . 

Weiter möchte ich darauf aufmerksam machen, daß C. L. Koch 
bez. C. Neuman mit Unrecht eine ihrer Arrenurus- Alien 2Lvd Arre- 
7iurus emarginator O. F. Müller beziehen. Sowohl die Diagnose als 
auch die beigegebene Zeichnung (Müller 1. c. p. 36, Taf. Ill Fig. 4) 
schließen eine Identificierung vollständig aus, und man begreift nicht, 
wodurch Koch zu seinem Vorgehen veranlasst worden ist. Neuman 
ist einfach nur nachgefolgt. Der Hinterrand des Schwanzanhanges 
von Arrenurus emarginator Koch und Arrenurus emarginator C. Neu- 
man ist so grundverschieden von demjenigen der Müll er 'sehen Art 
gleichen Namens, daß eigentlich schon der erste Blick genügt hätte, 
sich vor Irrthum zu bewahren. Da es sich in Folge der eben ange- 
führten Umstände nothw^endig macht, den Arrenurus emarginator 
(Koch) Neuman umzutaufen, so schlage ich für denselben den Namen 
Arrenurus Neumani vor. Damit glaube ich zugleich den verdienstvollen 
schwedischen Hydrachnidologen zu ehren, der in seiner Monographie 
der Wassermilben durch seine Zeichnungen so manche Art erst richtig 
abgegrenzt und festgelegt hat. Bei dem Studium der Krendowskij- 
schen Arbeiten fiel mir auf, daß in der letzten derselben unter dem 
Namen Arrenurus punctator C. L. Koch eine Milbe an den unrechten 
Platz gesetzt worden ist. Wie die beigegebene Zeichnung (Travaux 
de la Société des naturalistes à l'Université Impériale de Kharkow 
Tom. XVIII. 1884. p. 324—325, Tafel VII Fig. 11) lehrt, haben wir 
es hier nicht nur mit einer neuen Art, sondern mit einer neuen Gat- 
tung zu thun. Um den Irrthum Krendowskij's zu berichtigen, füge 
ich die vorerwähnte Hydrachnide einem neuen, von mir zu diesem 
Zweck geschaffenen Genus ein und benenne sie zu Ehren ihres Ent- 
deckers, der sich große Verdienste um die Feststellung der Hydrach- 
nidenfauna Südrußlands erworben hat, Krendotoskia latissima mihi. 

Die Gattung Thy as CL. Koch wird in Sachsen durch zwei Arten 
vertreten: Thyas venusta C. L. Koch und Thyas longirostris mihi, 
welch' letztere sich durch einen lang ausgezogenen Saugrüssel , eine 
viel reichere Behaarung und einen Geschlechtshof unterscheidet, 
dessen seitlich gestellte, nach hinten breiter werdenden Platten je drei 
Genitalnäpfe tragen, von denen einer am vorderen, einer am hinteren 

9* 



148 

Ende des Lumenrandes, der dritte aber auf einer Hautfalte unterhalb 
desselben in der Mitte des Geschlechtsfeldes steht. Beide Platten 
sind reichlich mit Borsten bestanden. Die Cuticula ist mit rundlichen 
Papillen und zahlreichen verschieden langen Härchen besetzt. Das 
fünfte, unpaare Auge liegt auf einem schmalen, median verlaufenden^ 
vorn und hinten zugespitzten, dicken Chitinstreifen. 
Großzschocher-Leipzig, den 23. Januar 1895. 

Nachschrift. 

Durch die Güte des Herrn Dr. Abendroth, der mir die An- 
schaffung des Beri e se 'sehen Werkes für die hiesige Universitäts- 
bibliothek avisierte, bekam ich Gelegenheit, einen Einblick in die mir 
fehlenden drei letzten Bände zu thun. Zu meiner Überraschung ent- 
deckte ich, daß der große italienische Acarinologe bezüglich des Arre- 
nurus maculator Müller zu demselben Resultate gekojnmen ist wie ich 
(1. c. Tafel 9 Fig. 2. Heft 52). Um so mehr muß ich mich wundern^ 
daß Koenike die nackte Behauptung aufstellen konnte, er fände 
sich mit Berlese in völliger Übereinstimmung, da ja die Bildung der 
Rückenhöcker der von beiden Autoren auch in der Seitenansicht 
dargestellten Thiere wesentlich verschieden ist. Koenike hätte 
wenigstens darauf hinweisen müssen, dass seine schriftlichen Angaben 
sowie ein Theil seiner Zeichnungen (1. c. Fig. 8) den Arreiuirus macu- 
lator Müller (^ nicht correct wiedergeben. Weiter wäre dann auch 
noch von ihm der Beweis zu erbringen gewesen, daß ihm ein jugend- 
liches , noch nicht vollausgewachsenes Männchen der obenorenannten 
Art vorgelegen habe. Diese Möglichkeit liegt offen, da nach meinep Be- 
obachtungen sämmtliche mit Spitzhöckern und Hörnern ausgestatteten 
Arrenurua- Arten kurz nach dem Ausschlüpfen thatsächlich stumpf 
gerundete Rückenhöcker aufweisen, die wie die Furcaläste erst später 
in ihre definitive Form aus wachsen. 

Könike's Schweigen berechtigt mich zu der Annahme, daß ihm 
diese die Rückenerhebungen betreffenden Entwicklungs-Zustände und 
-Übergänge zur Zeit nicht bekannt waren, oder daß das ihm zur Ver- 
fügung stehende Vergleichsmaterial seiner Species jeden Zweifel an 
der Selbständigkeit derselben von selbst ausschließt. Dann aber ist 
Arrenurus maculator Koenike (= Arrenurus decipiens mihi) nicht iden- 
tisch mit Arrenurus maculator O. F. Müller und das sollte bewiesen 
werden. 

Großzschocher, im Februar 1895. 



149 

2. Papillina, Osculìna und ihre Beziehungen unter einander und zu 
Bohrschwämmen. 

Von R. V. Lendenfeld, Czernowitz. 

eingeg. 31. Januar 1895. 

Im Jahre 1862 stellte O. Schmidt (1, p. 68) das Genus Papillina 
auf, und beschrieb zwei Arten desselben unter den Namen P. suherea 
(1, p. 69) und P. nigricans (1, p. 69). Nach Schmidt sind beide 
durch den Besitz von Papillen (oder einer Wabenstructur) an der 
Oberfläche , und einem Skelet characterisiert , welches ausschließlich 
aus tylostylen Nadeln besteht. 

Bei der Untersuchung meines Materials und der Originalexem- 
plare dieser Species in der Grazer Joanneums- Sammlung habe ich 
Folgendes gefunden : 

Papillina suherea hat wirklich nur tylostyle Nadeln, gehört dem- 
nach zu den Suheritidae und hat in dem Genus Papillhia zu ver- 
bleiben. Dieser Name ist jedoch, weil schon anderweitig vergeben, 
nach dem Vorgange Vosmaer's (2, p. 329) durch Papillella zu er- 
setzen. 

Bei einigen von meinen Papillella swèerea-Exemplaren fand ich 
im Inneren einen von Gängen durchsetzten Stein. Die Gänge waren 
von der Papillella ausgefüllt. Bei anderen Stücken war der durch- 
wühlte Stein nur von einer dünnen Schwammkruste theilweise über- 
zogen, im Übrigen aber kahl, während der Schwamm alle Hohlräume 
desselben ausfüllte. Im Übrigen stimmten diese Stücke mit den 
massigen vollkommen überein. 

Es unterliegt demnach keinem Zweifel, daß Papillella suherea ein 
Bohrschwamm ist , der , nachdem er den Stein , in welchem er seine 
Jugend verlebt, vollkommen zerstört hat, zu jenen großen, knolligen 
Gebilden auswächst, welche O. Schmidt als Papillina suherea be- 
schrieben hat. 

Hancock (7, p. 321 ff.), Hancock (8, p. 229 fi".) und Ridley und 
Dandy (9, p. 227) haben Bohrschwämme beschrieben, welche mit 
größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit als bohrende Jugend- 
formen von Papillella suherea in Anspruch genommen werden können. 
Ziemlich sicher kann die Cliona dissimilis von Ridley und Dendy 
(9, p. 227) als eine solche betrachtet werden. 

Die Papillina nigricans O. Schmidt besitzt, wie ich beim Studium 
eines Originalexemplares fand und wie mir Top sent auch später 
brieflich mitgetheilt hat, Spiraster. Sie gleicht in Bezug auf diese 
und auch sonst, gewissen, in der Adria sehr häufigen Bohrschwämmen, 
die oft auch den von ihnen bewohnten Stein mit einer Kruste über- 



150 

ziehen, so sehr, daß ich diesen Schwamm als freie Form jener Bohr- 
schwämme in Anspruch zu nehmen geneigt war. Nun habe ich neuer- 
lich auch von der Papillina tiigricatis Stücke mit einem durchwühlten 
und von dem Schwamm erfüllten Steinrest im Inneren gefunden, wo- 
durch jene oben ausgesprochene Vermuthung als richtig erwiesen 
erscheint. Der Kohrschwamm, welcher nach Vernichtung seines 
ursprünglichen Aiifenthaltsortes zur Papillina nigricans herauswächst, 
ist von O. Schmidt (l, p. 77) als Vioa viridis — allerdings unrichtig, 
ohne Erwähnung der Spiraster — , von Sollas (3, p. 65) als CUona 
subulata^ von Ridley (4, p. 129) als Vioa Carteri] und endlich von 
Carter (5, p. 346) als CUona caribbea beschrieben worden. Da die 
ersten für diesen Schwamm aufgestellten Namen Vioa viridis und 
Papillina nigricans sind, so muß er mit einem derselben bezeichnet 
werden. Ich wähle viridis und zwar aus dem Grunde, weil ich ihn 
im Genus Fïoa belasse und Schmidt mit diesem Gattungsnamen 
die Speciesbezeichnung viridis verband. Alle die übrigen angeführten 
Namen sind Synonyme von Vioa viridis. 

Unter meinen Triester Spongien befinden sich mehrere Stücke, 
welche in Bezug auf die äußere Gestalt, die merkwürdigen, mit aus- 
gefransten Lippen eingefassten Oscula und Porenfelder, und die 
Megasclere, mit dem von O. Schmidt (6, p. 3) als Osculina poly sto- 
rnella beschriebenen Schwämme so vollkommen übereinstimmen, daß 
ich nicht im mindesten an der Zugehörigkeit derselben zu dieser 
Species zweifle. Diese Triester Exemplare von Osculina pohj stornella 
besitzen Spiraster, welche mit den Spirastern von Papillina nigricans 
übereinstimmen. Bei näherer Betrachtung des letzteren Schwammes 
zeigt sich, daß auch dieser Andeutungen jener obenerwähnten merk- 
würdigen ausgefransten Oscular- und Porenfelder - Lippen besitzt 
und auch in jeder anderen Hinsicht mit Osculina poly stornella xùò^x- 
einstimmt. Der vermerkte Unterschied in der Deutlichkeit der Lippen- 
fransen beruht darauf, daß sie bei den als Osculina poly stornella zu 
bezeichnenden Exemplaren dilatiert, bei Papillina nigricans aber con- 
trahiert sind. Es ist demnach Osculina poly stornella mit Papillina 
nigricans identisch, und wie diese ein Synonym von Vioa viridis. Ich 
nehme dabei natürlich an, daß O. Schmidt die Spiraster bei Osculina 
polystomella ebenso übersah , wie er dieselben jedenfalls bei Papillina 
nigricans übersehen hat. 

Carter und Topsent (10, p. 563) haben daraufhingewiesen, daß 
das Bowerbank'sche Genus Paphyrus nichts Anderes als eine freie 
(ausgebildete) Form der bohrenden CUona (= Vioa] sei. Ich selbst 
habe Gelegenheit gehabt, eine australische Art dieses Genus genauer 
zu studieren (11, p. 562) und finde nun, da ich die adriatischen Bohr- 



151 

schwämme studiert habe, daß in der That kein Zweifel über die 
Richtigkeit dieser neuerlich, namentlich von Topsent vertretenen 
Ansicht bestehen kann. 

Es giebt zwar eine Anzahl von Bohrschwämmen, zu denen bisher 
noch keine zugehörigen freien Formen entdeckt worden sind, sicher 
aber ist es, daß einige Bohrschwämme sich zu freien Formen ent- 
Avickeln kötinen. Bei diesen ist der Bohrschwamm- Charakter nur 
als eine Eigenthümlichkeit des Jugendstadiums anzusehen und ent- 
behrt als solcher jener systematischen Bedeutung, welche ihm bisher 
vielfach beigelegt worden ist. 

Litteratur. 

1) O. Schmidt, Die Spongien des Adriatischen Meeres, 1862. 

2) G. V osma er, Klassen und Ordnungen der Spongien , 1887. 

3) W. J. Soll as, On two new and remarkable Species of Cliona. Annals and 
Mag. of Nat. Hist. Ser. 5. Bd. 1. 1S78. 

4) S. O. Ridley, Account of the Zoological Collections of the »Alert« in the 
Straits of Magellan etc. Proceedings Zool. Soc. London 1881. 

5) H, J. Carter, Some Sponges from the West Indies and Acapulca etc. 
Annals and Mag. of Nat. Hist. Ser. 5. Bd. 9. 1882. 

6) O. Schmidt, Die Spongien der Küste von Algier etc. 1868. 

7) A. Hancock, On the excavating powers of certain Sponges belonging 
to the genus Cliona. Annals and Mag, of Nat. Ser. 2. Bd. 3. 1849. 

8) A. Hancock, Note on the Excavating Sponges; with descriptions of four 
new Species. Annals and Mag. of Nat. Hist. Ser. 3. Bd. 19. 1867. 

9) S. O. Ridley and A. Dendy. Monaxonida. Challenger-Reports, Zoology 
Bd. 20. 1887. 

10) E. Topsent, Deuxième contribution à l'étude des Clionides. Archives de 
Zool. exper. et gen. Ser. 2. Bd. 9. 1891. 

11) R. V. Lendenfeld, Haphyrus hixonii etc. Proceedings Linn. Soc. New 
South Wales, Bd. 10. 1886. 

Czernowitz, den 28. Januar 1895. 

3. Les organes embryonnaires du Sphaeroma serratum Fabr. 

(Noie préliminaire.) 
Par Marie Rossy skaia-Koj evnikov a, Moscau. 

eingeg. 9. Februar 1895, 

Les organes embryonnaires (organes dorsaux) des crustacés offrent 
un grand intérêt au point de vue de phylogénie. Chez les crustacés 
supérieurs (Amphipoda, Isopoda, Schizopoda, Cumacea, Decapoda) ces 
organes sont de forme différente : tantôt ils ont l'aspect d'vine paire de 
petits feuillets {Asellus), tantôt l'organe dorsal présente une plaque 
dorsale {Oniscus, Ligia)\ mais le plus souvent il apparaît en forme dun 
(Amphipoda, Isopoda, Cumacea, Decapoda) ou de deux (Schizopoda) 
petits sacs, constitués de grandes cellules pyriformes (kugelförmiges 
Organ). Il existe un nombre d'hypothèses, concernant le rôle de ces 



152 



organes. Dernièrement est apparu un article de Jaworowski^, dans 
lequel l'auteur énonce la supposition suivante: l'organe dorsal impair 
et l'organe dorsal pair présentent des formations hétérogènes; dans 
les temps anciens les crustacés ont été des animaux terrestres, qui 
durant l'évolution s'adaptèrent peu à peu à la vie aquatique. L'organe 
dorsal pair présente les restes de l'appareil respiratoire aérien , tandis 
que l'organe dorsal impair, qui se trouve non seulement chez les 
crustacés, mais aussi chez les autres Arthropoda, les Mollusca, Bryo- 
zoa, Rotatoria, Annelida, a une toute autre valeur phylogénétique, 
tout à fait inéclaircie jusqu'à présent. 

En étudiant le développement embryonnaire du Sphaeroma ser- 
ratum sur le matériel que j'ai rassemblé à la station biologique de 
Sebastopol, j'ai trouvé un fait fort intéressant, nommément: l'embryon 
àvL Sphaeroma serratum possède les deux organes dorsaux à la fois: 
l'organe dorsal pair et l'organe dorsal impair, qui en se ressemblant 
parfaitement, apparaissent à temps divers. 

L'organe dorsal pair se forme d'abord. Quand l'oeuf est tout à 
fait couvert de blastoderme et la bandelette embryonnaire ventrale 
présente plusieurs couches de cellules , sur le dos de l'embryon appa- 
raissent deux petites rosettes , constitués de cellules pyriformes. Ces 
deux rosettes s'agrandissent peu à peu et atteignent leur grandeur 
maximale vers le temps de la formation de l'oesophage, des ganglions 
nerveux et des appendices (fig. 1 od']. 

Fig. 3. 



Fig. 1. 



Fig. 2. 




Au Stade de la formation du rectum sur le dos de l'embryon entre 
les deux rosettes de l'organe dorsal pair apparait l'organe dorsal impair 
aussi en forme d'une petite rosette. Quand l'embryon est coupé sym- 
métriquement, nous voyons sur la même coupe transversale toutes les 
trois rosettes, tout à fait pareilles, puisque les rosettes paires se trou- 



* A, Jaworowski, Das Dorsalorgan der branchiaten Arthropoden. Zool.Anz. 
1894. No. 455. p. 310—315. 



153 

vent déjà amoindries et la rosette impaire est encore au début de sa 
formation (fi^. 2 od' , od"). Le stade de la coexistence de deux organes 
dorsaux, pair et impair, est très-court; les rosettes paires disparaissent 
et la rosette médiane impaire s'agrandit (fig. 3 od") ; plus tard on y 
voit une petite cavité, contenant une petite masse brillante, se colorant 
fortement. La sécrétion de cette substance, que je n'ai pas remarqué 
dans les rosettes paires, présente la seule différence visible entre les 
deux organes dorsaux, pair et impair. Je n'ai pas encore étudié jusqu'à 
la fin le développement embryonnaire du Sphaeroma serratum^ mais il 
va sans dire, que l'organe dorsal impair disparait peu à peu, comme 
c'est le cas chez tous les autres isopodes. 

On ne peut remarquer aucune différence histologique entre l'or- 
gane dorsal impair du Sphaeroma serratum et celui des Amphipodes. 

Ce fait que les deux organes dorsaux, pair et impair, se trouvent 
ä la fois chez le même animal, est un fait nouveau dans l'embryologie. 
Je pense qu'il affirme l'hypothèse de Javt^orowski, que ces deux 
organes sont des formations phylogénétiquement différentes, autrement 
leur coexistence chez une même forme devient incompréhensible. 

Pour une grave preuve de la hétérogénéité de deux organes 
dorsaux, Jaworowski compte le fait suivant: »ein wichtiges Moment 
scheint jedoch diese beiden Arten von Dorsalorganen als heterogen 
aufzufassen , maßgebend zu sein , da in entwicklungsgeschichtlicher 
Beziehung das kugelige Organ vor der Bildung der Organe zur Aus- 
bildung gelangt , die scheibenförmigen , lappenförmigen oder flügel- 
artigen Rückenorgane nach der Anlage der Extremitäten sich ent- 
wickeln« (p. 314). Quand à Sphaeroma serratum, la chose se passe en 
sens inverse: l'organe dorsal pair apparaît très-tôt, avant la formation 
des organes, et l'organe dorsal impair se forme beaucoup plus tard, 
quand l'oesophage, les ganglions nerveux, les appendices et le rectum 
sont déjà présents. 

Moscou, 28. Décembre 1894. 

4. Mittheilungen über die Larven der Molche. 

(Fortsetzung!.) 
Von Dr. J. v. Bedri aga, Nizza. 

eingeg. den 15. Februar 1895. 
13. MoJ.ge aspera Dugès. 
Kennzeichen. 
Länge: 62 mm. Körperform ziemlich kräftig. Fünf Zehen. Kopf- 
breite wenigstens halb so groß wie die Entfernung der Insertionen 
von Vorder- und Hinterbeinen. Schwanz kürzer als der übrige Körper, 

1 Zool. Anzeiger 1891, p. 397. 



154 

körperlang oder wenig länger als Kopf nnd Rumpf, mit ziemlich 
hohem, am Ende zugerundeten oder kaum zugespitzten Flossensaume. 
Hintere Rückenhälfte mit Hautkamm. Augen mittelgroß. Längs- 
durchmesser des Auges etwas kürzer als der Raum zwischen Auge und 
Narine. Abstand vom Auge zur Narine ebenso groß oder etwas länger 
als der Internasalraum. 

Größenverhältnisse. 



mm 





cf 


9 


(f 9 


Totallänge 


581/2 


mm 56 mm 


Rumpf höhe 6 1/2 mm 51/2 


Kopflänge 


9 


» 8 1/2 » 


Rumpfumfang 2 4 w 20 


Kopfhöhe 


31/, 


» 3 « 


Vorderbein 91/2 « 8 1/2 


Kopfbreite 


61/2 


„ 51/2—6 » 


Hinterbein 9 » 8I/2 


Oberste Kieme 3 


)) 21/2 >' 


Schwanzlänge 30 » 28 


Rumpflänge 


191/2 


» 191/2 » 


Schwanzhöhe 6 1/2 « 51/2 



Der nach vorn etwas niedergedrückte, ganz allmählich ver- 
schmälerte Kopf ist beim Männchen kürzer, höher und breiter, beim 
Weibchen hingegen länger . niedriger und namentlich weniger breit, 
als im anderen Geschlechte. Er ist stets länger als breit und vom 
Halse mehr oder weniger deutlich abgesetzt. Die Kopfbreite ist 
wenigstens halb so groß wie die Entfernung der Insertionen von Vor- 
der- und Hinterbeinen. Die Kopfoberseite ist ziemlich flach, von den 
Augen an allmählich zum Mundrande abfallend. In der vorderen Kopf- 
hälfte fallen die Seiten ziemlich steil ab ((^) oder sie sind schief nach 
außen und unten gerichtet ($); hinten sind sie senkrecht. Die 
Schnauze ist beim Weibchen lang und sehr flach gerundet, beinahe 
gerundet abgestutzt, beim Männchen hingegen kürzer, höher und ge- 
rundet zugespitzt. Die NasenöfFnungen stehen an der Spitze der 
Schnauze; sie sind klein. Die ganz flach gewölbten, mittelgroßen 
Augen sind weit von der Schnauzenspitze entfernt und gegen die 
Seiten des Kopfes gerückt. Der Interpalpebralraum ist kleiner als der 
Raum zwischen den Narinen, kleiner als die Distanz vom Auge bis 
zur Nasenöflhung und bald größer, bald ebenso lang wie der Augen- 
durchmesser. Der Längsdurchmesser des Auges ist kürzer als der 
Internasalraum und kürzer als der Abstand vom Nasenloch und Auge. 
Die Distanz vom Nasenloch bis zum Lippenrand beträgt ein Fünftel 
oder ein Sechstel der Entfernung des Nasenloches vom vorderen Augen- 
winkel und des Internasalraumes. Die größte Breitenausdehnung des 
Lides übertrifft die Hälfte der Stirnbreite, zwischen den Augenhügeln 
gemessen. Das Auge ist oval, nach vorn zu deutlich verschmälert, mit 
runder Pupille; die Entfernung des Auges vom Lippenrande ist be- 
deutend größer als der Höhendurchmesser des Auges. Der Ober- 
lippenlappen mittellang, mehr nach vorn als nach hinten gerückt. Der 



155 

Mundschlitz endigt unter dem hinteren Augenwinkel oder erstreckt 
sich ein klein wenig weiter. Jederseits befinden sich drei ziemlich 
dicke Kiemenbüschel ; der Raum zwischen den längsten Kiemen ist 
bedeutend großer als der Oberarm, die Ansatzstelle der drei Kiemen 
und die Distanz vom hinteren Augenwinkel bis zur Narine. 

Der Rumpf ist bald bauchig verdickt (q^), fast walzig, bald schlank, 
im oberen Theile bisweilen schmal (Ç), nach unten zu in der Mitte 
schwach verdickt und mit flach gewölbter Unterseite. Der Rücken 
ist höchstens bis zu einem Drittel seiner Länge mit einem niedrigen 
Hautsaum versehen. Die längs der Rumpfseiten hinziehende Furche 
ist kaum angedeutet. 11 — 13 verticale Seitenfurchen sind am Rumpfe 
und etwa zehn transversale Furchen an den Bauchseiten. Die Beine 
sind kurz und stämmig, namentlich bei den männlichen Larven; die 
vorderen erreichen, nach vorn an den Kopf angelegt, die vorderen 
Augenwinkel {(j^) oder überragen um eine Kleinigkeit die hinteren 
Augenwinkel {Q), die hinteren ragen nicht über die Hälfte der Ent- 
fernung der Insertionen von Vorder- und Hintergliedmaßen hinaus. 
Hand und Fuß sind kurz und breit; die hintere Kante des Unter- 
schenkels ist bei den Männchen mit einer wenig vortretenden Hervor- 
o-agung versehen. Die Finger und Zehen sind kurz, abgeplattet und 
breit ; ihre Enden sind ziemlich spitz. Der dritte Finger ist der längste, 
der zweite nur etwas kürzer als dieser; zwischen dem vierten und 
ersten ist der Längenunterschied gering, jedoch der erste etwas kürzer 
als der vierte. Die Zehen gehen von der ersten bis dritten incl. auf- 
steigend; die vierte Zehe bedeutend langerais die zweite und die fünfte; 
die fünfte Zehe länger als die erste. Der Schwanz ist bald kürzer, 
bald ebenso lang oder etwas länger als der übrige Körper; an der Basis 
noch sehr ((^) oder mäßig [Q) dick, erscheint er bald seitlich zu- 
sammengedrückt, nach hinten im Ganzen äußerst wenig verschmälert, 
am Ende in eine bogenförmig zugerundete Spitze ausgehend. Der 
fleischige Theil des Schwanzes ist ziemlich hoch und mitunter sehr 
musculös [çf). Die Schwanzwurzel, der Quere nach gemessen, über- 
tviff't um geringes {Q) oder um ein gutes Stück die Fußlänge {(f). 
Der ziemlich niedrige, dickhäutige Schwanzsaum ist oftmals unten 
breiter als oben, seine Ränder sind ganz flach gerundet und bleiben 
fast parallel , nur ganz nach hinten zu wird der Schwanz etwas nie- 
driger. Die Cloake ist bei Exemplaren von 30 mm Länge kaum ge- 
wölbt, mit fortschreitendem Alter erscheint sie kissenartig {(f) oder 
birnenförmig [Q) gewölbt. 

Die Oberseite des Kopfes, Rumpfes und Schwanzes zeigt auf 
grauem, olivenbraunem oder braungrauem Grunde winzig kleine 
gelbliche Puncte. Rückenzone und Rumpfseiten sind bisweilen mit un- 



156 

deutlich begrenzten größeren und kleineren, bald runden, bald verschie- 
den geformten, aber stets abgerundeten, regellos vertheilten gelblichen 
oder schmutziggelben Flecken besetzt. Ahnliche helle Flecken wie 
am Rücken überziehen auch die obere fleischige Partie des Schwanzes: 
sie haben hier eine entschiedene Tendenz sich in zwei Liingsreihen 
zu stellen. In manchen Fällen verschmelzen diese hinter einander 
stehenden Flecken theilweise mit gelben Längsstreifen zusammen, 
die den muskulösen Theil des Schwanzes begrenzen; der obere Streifen 
ist gewöhnlich breiter , aber heller als der untere. Die Schwanzmitte 
zeigt dunkelbraune Flecken, manchmal aber nur gelbe Puncte auf 
grauem oder braungrauem Grunde, die durch stellenweises Zusammen- 
fließen große Flecken bilden können. Die Flossensäume sind im 
Leben durchsichtig, gelblichgrau mit dunklen Puucten und Flecken am 
Rande und ebensolchen dicht stehenden Abzeichen am Schwanzende. 
Die Rumpf- und Bauchseiten sind gelblichgrau oder hellgrau. Die 
Mitte des Unterleibes ist gelb, bald fleckenlos , bald durch mehr oder 
weniger ausgesprochene graubraune Puncte gesprenkelt, die entweder 
vereinzelt und zerstreut in der Mitte stehen, oder aber, wie es gewöhnlich 
der Fall ist, in größeren Partien gruppenweise an den Bauchseiten 
vereinigt sind. Die Kehle ist blaßgelb, fleckenlos oder höchstens nach 
hinten mit deutlichen Flecken versehen; die unteren Kieferränder 
sind braungrau punctiert. Die Kehlhaut ist sehr zart, fast durchsichtig. 
Die Oberseite der Beine ist grau, mit vielen gelblichen Pünctchen; 
die Unterseite ist gelblich oder schmutziggelb , mitunter mit verein- 
zelten grauen Punctfleckchen. Die Zehen sind oben abwechselnd 
gelb und grau quergestreift, die Zehenspitzen sind dunkelbraun. Ein 
nicht scharf abgegrenzter dunkler Postorbitalstreifen entspringt am 
liinterende des Auges. Die Kiemenbüschel sind unterwärts röthlich. 
oberwärts bräunlich. Die Pupille ist von einem goldenen Ringe um- 
geben; die Iris ist dunkelbraun. Die Schnauze ist mit dunkelbraunen 
reihenweise angeordneten Hautdrüsen besetzt. So weit der Character 
der Fälbung im Allgemeinen bei den ausgewachsenen Larven, welche 
ich im Lac d'Oncet (Pic du Midi, Pyrenäen) im August gesammelt 
habe; im Speciellen treten folgende Farben Verschiedenheiten auf: 

1) Bei Stücken, die im tiefen Wasser leben, nimmt die dunkle 
Farbe der Oberseite dermaßen überhand , daß von den hellen Tinten 
öfters nur ganz kleine helle Maschen übrig bleiben. 

2] Je mehr die Farbe verdunkelt und aus Grau durch ein 
schmutziges Braun oder dunkles Grau bis ins Blauschwarze oder 
Schwärzliche übergeht , desto undeutlicher werden auch in der Regel 
diese Maschen , so daß dieselben vielfach meist nur stellenweise an- 
gedeutet erscheinen, ja mitunter vollkommen fehlen. 



157 

3) In sonnig gelegenen, wenig tiefen Stellen sind die Larven sehr 
hell gefärbt und deutlich gelb gefleckt. Die Oberseite ist längs der 
Mitte des Vorderrückens häufig mit einer, wenn auch nur schwach 
ausgeprägten gelblichen Linie versehen. 

4) Ganz junge Larven sind auf gelblichem Grunde mit braun- 
grauen Puncten besetzt; ihre Unterseite ist weißlich. 

Nizza, den 12. Februar 1895. 

5. II genere Orchestia nel Benaco. 

Dal Dr. Adriano Garb ini, Verona. 

eingeg. 11. März 1895. 

Pochi giorni fa, dietro mia preghiera di portarmi dal lago di Garda 
dei Gammarus per fare alcuni raffronti, me ne mandarono moltissimi 
esemplari. — Ma fui sorpreso non poco nel vedere a primo aspetto in 
questi esemplari una differenza marcata con i Gammarus , e molto più 
quando, esaminatili, trovai che appartenevano anche ad una famiglia 
diversa. — Essi in vero presentano i caratteri decisamente spiccati del 
genere Orchestia; e la forma si avvicinerebbe alla 0. litorea Mont., 
che si trova nell' adriatico (Sto s sich). 

Questo fatto riesce interessante per la limnobiotica, perchè sarebbe 
la prima volta che si dà notizia di una tal famiglia nei laghi di Europa, 
nei quali, per quanto riguarda gli Anfipodi, non si sono rinvenuti che 
generi diversi di Gammaridae. La famiglia Orchestidae si sa 
rappresentata nelle acque dolci dell' Asia Minore ; e precisamente : in 
Cipro, dove fu trovata \0. cavimana Hell, da Kotschy sull' Olimpo 
(ora Monte-Croce) am. 1200 di altitudine (Heller); e nei laghi della 
Siria, dove furono pescate da Barrois \' 0. crasicornis Costa (lago Ti- 
beriade) e VO.Bottae Czern. (laghi: Tiberiade, Hoùleh, Homs). 

Con la specie trovata ora nel lago di Garda si viene ad aggiungere 
alla fauna tanto importante del Benaco, come alla limnofauna Europea, 
una famiglia nuova a tipo eminentemente marino ^ 

Verona, 9 marzo 1895. 

6. Berichtigung. 

Von Prof. Dr. O. Boettger in Frankfurt a/M. 

eingeg. 5. April 1895. 
Auf p. 116 — 117 habe ich eine Gehyra von Halmaheira als G. 
marginata n. sp. beschrieben, die schon bekannt und von G. A. Bou- 
lenger unter dem nämlichen Namen Gehyra marginata im Cat. Lizards 
Brit. Mus. Vol. HL 1887. p. 486 von Morty, Molucken, veröffentlicht 
worden war. Ich bitte dies Versehen zu entschuldigen. 

1 Lo studio di questo Anfipodo si pubblicherà fra qualche settimana. 



158 

li. Mittheiliingen aus Museen, Instituten etc. 

1. Eine schnelle Methode zur Herstellung des Böhmer'schen Hämatoxylins. 

Von Dr. H. J. Hansen, Pract. Arzt, Kopenhao;en. 

eingeg. 26. Januar 1894, 

Das färbende Princip in der Böhmer'schen Hämatoxylinlösung, 
noch immer der wichtigste Kernfarbstoff, ist wie bekannt das Häma- 
tëin, welches sich durch Oxydation des farblosen Hämatoxylins bildet. 
Je vollständiger diese Umwandlung in Hämatein, um so besser und 
schneller färbt die Bö hm er "sehe Lösung. Weil aber die Oxydation 
— das sogenannte »Keifen« — durch den Sauerstoff der atmosphäri- 
schen Luft nur langsam sich vollzieht, dauert es oft mehrere Wochen 
bis die genügende Färbkraft einer frisch zubereiteten Flüssigkeit er- 
reicht ist. Diesem Übelstande abzuhelfen, und ein constantes Frae- 
parat herzustellen versuchte mit Erfolge Paul Mayer, indem er oxy- 
diertes Hämatoxylin , das fabrikmäßig producierte Hämateinam- 
moniak, als sein Hämalaun der alten Böhmer'schen Lösung sub- 
stituierte. 

Früher hatte er versucht, Hämatoxylin direct zu oxydieren durch 
Kochen einer alcoholischen Hämatoxylinlösung mit Krystallen! 
von übermangansaurem Kali, an dessen Stelle er später Wasserstoff- 
superoxyd verwendete. Diese Versuche haben ihm wahrscheinlich 
keine völlig befriedigenden oder constanten Resultate ergeben , da er 
sie nur so nebenbei erwähnt und nicht weiter verfolgt hat. Er giebt 
genauere Vorschriften, damit man sich eventuell selbst eine g\ite Hä- 
mateinammoniaklösung darstellen könne, weil nämlich das fabrikmäßig 
hergestellte Praeparat nicht immer von gleicher Güte oder für histo- 
logische Zwecke gleich verwendbar ist; — eine Erfahrung, die wir auch 
in der hiesigen histologischen Anstalt i^emacht und die mich, — ohne 
daß ich die früheren Versuche von P. Mayer kannte, — bewogen hat, 
eine Methode ausfindig zu machen , nach welcher man eine frische 
Hämatoxylinlösung in kürzester Zeit sicher und genügend oxydieren 
kann , so daß sie an Güte und Constanz der Färbkraft der besten 
»ausgereiften« Lösung gleichkommt. 

Das Princip ist: eine schwach alcoholische Hämatoxylin- 
Alaun-Lösung mit der zur Überführung des Hämatoxylins in Häma- 
tein gerade not h wendigen Sauerstoffmenge in der Wärme zu 
oxydieren. 

Das Hämatoxylin ist: C)öHi40,; und krystallisiert in tetrago- 
nalen Krystallen mit 3 H2O — in rhombischen aber mit 1 H2O, woraus 
sich für die zwei H-Sorten eine geringe Differenz in der pro Gramm 
nothwendigen Sauerstoffmenge ergiebt. Das Sauerstoffquantum ist 
daher auf das tetragonale mit 3H.2O krystallisierten Hämatoxylin 
berechnet, denn ein kleiner Rest von unoxydiertem Hämatoxylin, wie 
es das rhombische Hämatoxylin geben würde, schadet gar nicht. 

Das Hämatein hat die Formel: 

CniHiaOe 
enthält also 1 Mol. Wasserstoff weniger als das Hämatoxylin. 

1 Mittheilungen aus der Zoologischen Station zu Neapel. Bd. X. Hft. I. p. 170. 
1891. 



159 

Aus diesen Formeln läßt sich die pro Gramm Hämatoxylin noth- 
"wendige Menge Sauerstoff, eventuell Sauerstoffspeuder berechnen. 

Als Oxydationsmittel kann verwendet werden: 1) Reiner Sauer- 
stoff, der in die warme Lösung geleitet wird; das ist aber etwas um- 
ständlich und nicht genügend leicht dosierbar. 

2) Wasserstoffsuperoxyd muß , Avenn es haltbar sein soll, in ver- 
dünnter und in schwach saurer! Lösung aufbewahrt werden — ist 
auch nicht constant. 

Dagegen haben mir 3) Chromsäure und doppelchromsaures Kali 
zwar sehr gute Kesultate gegeben, wenn sie vorsichtig zugesetzt wurden, 
das sich bildende Chromidsulfat kann aber störend wirken und ver- 
leiht leicht der Farbe einen dunkleren Ton. 

Allem vorzuziehen ist 4] das übermangansaure Kali, das leicht 
erhältlich, constant, schnell und sicher in seiner Wirkung ist und 
keine störenden Nebenproducte bildet; vorausgesetzt, daß die lieaction 
eben in einer, wie die Alaunlösung, schwach sauer reagierenden 
Flüssigkeit verläuft. 

Die chemische Reaction ist in der Hauptsache folgende: 
(I) 3 Al2(SOi)3 H- 2 Mn04K -f 3 HjO = 2 MUSO4 -f K2SO4 

-f6Al{^H + 50. 

(II) 5 (Ci«Hi40,) -1-50 = 5 (CjoHi-^Oe) + 5 H^O. 

Es bilden sich auf je zwei Moleküle Kaliumpermanganat fünf 
Atome Sauerstoff, weiter zwei Moleküle Manganosulfat , ein Mo- 
lekül Kaliumsulfat und sechs Moleküle lösliches basisches Aluminium- 
sulfat, 

Das Manganosulfat ist beinahe farblos, wird nur in sehr geringer 
Menge gebildet und verbindet sich außerdem mit Aluminiumsulfat zu 
einem Mangan-Alaun — dem Kali-Alaun ganz analog zusammenge- 
setzt — es kann also, wie der Versuch ergeben hat, gar nicht schaden. 

Die Lösung enthält aber auch ein wenig Alcohol, wovon natür- 
lich auch Einiges oxydiert wird. Es hat sich aber diese Oxydation als 
so geringfügig herausgestellt, daß sie ohne praktische Bedeutung ist. 

In erster Reihe wird die Hauptmenge des vorhandenen Häma- 
toxylins oxydiert. Endlich aber schadet es auch nicht, wenn etwas 
unoxydiertes Hämatoxylin übrig bleibt. 

Die unten per 1 g Hämatoxylin angegebene Menge von über- 
mangansaurem Kali ist dem entsprechend berechnet und reicht völlig 
hin um gleich eine vorzüglich färbende Böhmer 'sehe Hämatoxylin- 
Lösung herzustellen. 

Die speciellere Vorschrift ist folgende: 

a) 1 g Ilämatoxylinum krystall. wird in 10 g Alcohol abs. gelöst. 

b) 20 g Kalialaun werden in 200 g Aq. destill, in der Wärme ge- 
löst, nach der Abkühlung wird filtriert. 

Am anderen Tage werden beide Lösungen zusammengegossen. 
Die Mischung kann nun gleich oxydiert werden; es schadet aber auch 
nicht, wenn sie ein paar Tage gestanden hat. 

Die zur Oxydation von den 200 g Hämatoxylin-Alaunlösung er- 
forderliche Menge Kaliumpermanganat-Lösung beträgt 3 ccm 



160 

von einer bei 15° C. concentrierten wässerigen Auflösung 
(enthält 1 Theil Salz auf 1 G Theile Wasser) . 

Man mißt die 3 ccm mit einer Meßpipette in eine Porzellan- 
schale , dann gießt man die Hämatoxylin-Alaunlösung zu und mischt 
beide Flüssigkeiten. Unter stetem Umrühren erwärmt man sie all- 
mählich über einer Gas- oder Spiritusflamme bis zum Sieden. 

Je höher die Temperatur steigt, um so dunkler rothviolett färbt 
sich die Flüssigkeit. Man läßt '/2 — 1 Minute lang sieden. (Hei 100° 
ist die Farbe mehr röthlich.) Hernach kühlt man ab, am besten 
s ch n e 1 1 , indem man die Porzellanschale auf kaltem Wasser schwimmen 
läßt. Mit abnehmender Temperatur verändert sich die Farbe und 
nimmt den in's Purpurviolette ziehenden Ton eines guten alten 
Böhmer'schen Hämatoxylins an. 

Nach dem Erkalten wird am besten filtriert, obgleich, wenn sorg- 
fältig gearbeitet ist, sich kein Niederschlag bildet. 

Die Dauer der ganzen Procedur beträgt 5 — 10 Minuten. 

Die Lösung kann jetzt gleich verwendet werden und färbt vor- 
züglich scharf und schnell; wird übrigens wie eine gute Böhmer'sche 
Hämatoxylin-Alaunlösung angewandt. 

Die Vortheile dieses schnell oxydierten Hämatoxylins liegen auf 
der Hand. 

1) Die Herstellung ist leicht und nicht zeitraubend. 

2) Die Lösung hat gleich die volle Färbkraft. Das lästige «Reifen(f 
fällt weg. 

3) Es ist ein relativ constantes Praeparat. 

4] Es ist so gut wie keimfrei und darum haltbarer, als die nach 
der alten Methode hergestellten. 

Januar 1895. Die histologische Anstalt des zoologischen Museums zu 

Kopenhagen. 

2. Über die Tinctions-Eigenschaften des Franceins. 

Von Professor Dr. N. Léon, Jassy. 

eingeg. 2. Februar 1895. 

Als ich die Tinctions-Eigenschaften des von Professor Dr. Istrati 
entdeckten Franceins unter die Augen bekam, habe ich sofort an Tinctions- 
Eigenschaften in Bezug auf mikrochemische Färbungen gedacht , und Dank 
der Bereitwilligkeit des Herrn Professor Dr. Istrati, der mir gütigst eine 
Probe zur Verfügung gestellt hat, bin ich im Stande gewesen, solche zu 
versuchen. 

Ich gebe hier die nach seinen Arbeiten ^ bedeutendsten Eigenschaften 
des Franceins an : 

»Les Franceines, nouveaux corps colorants appartenant à la série aro- 
matique, ne contiennent pas de l'azote, sont chlorés, bromes ou iodés. Ils se 
produisent grâce à une réaction, qui est générale et due à l'action de l'acide 
sulfurique , sur les noyaux aromatiques , surtout quand ils sont chlorés, 
bromes ou iodés. Ce sont des quinones et phénols en même temps et peuvent 

1 Anuarul Laboratorului de Chemie organica pe anul Bugetar 1888 — 1889 de 
C. J. Istrati. Volumul, I. Bukarest. 



161 

donner facilement des sels avec des bases minérales ou organiques. Ils sont 
solubles dans l'acide sulfurique, l'alcool, Téther, le chloroforme et la benzine. 
Les solutions alcooliques sont généralement très dichrolques. Leur couleur 
rouge est d'autant plus intense à l'état solide ou en solution sulfurique, 
potassique, alcoolique etc., que la Francéine contient plus de chlore. Leur 
point de fusion est situé à près de 300°. Ce sont de corps très stables. 

»Leur solutions alcooliques ou les solutions acqueuses de leurs sels 
alcalins donnent, seuls ou avec divers mordants, des nuances d'une finesse 
et d'une fixité remarquables. Les couleurs peuvent aller du plus beau rose 
claire jusqu'au vieux rose très intense, au gris d'argent ou au jaune d'or, et 
jusqu'au brun rougeatre ou au noir foncé.« 

Aus den verschiedenartigen Versuchen , die ich mit dieser Substanz 
sowohl an Mikroorganismen, als auch an Geweben von "Wirbel- und wirbel- 
losen Thieren gemacht habe , kann ich schließen, daß wir mit einem neuen 
histologischen Tinctions-Mittel zu thun haben, welches zwar in einfacher 
wässeriger Lösung eine nur difi"use Wirkung hat, dem wir aber eine elective 
Wirkung je nach den chemischen Verbindungen, in denen wir es auflösen, 
zugestehen können. 

So haben wir folgende drei Franceinlösungen praepariert: eine boraci- 
sche, eine pikrische und eine ammoniakalische. 

1) Boraxfrancëin. 

Francein lg 

Borax 2 » 

Wasser 100 « 

Alcohol 95 300 » 

Wir haben zuerst Francein in warmem Wasser gelöst, und dem Borax 
zuletzt Alcohol hinzugefügt ; dieses gut gemengt und filtriert. 

2) Für das Picrofrancëin haben wir das Picrocarmin Paul Mayer's 
nachgeahmt, indem wir 2 g Francein in 25 ccm Wasser mit einer genügen- 
den Quantität Ammoniak auflösten. Die Solution wurde 10 Tage an der Luft 
gelassen und dann 4 Volumina von einer gesättigten Picrinsäurelösung hin- 
zugegossen. 

3) Ammoniakalisches Francein. 

Francein lg 

Starke ammoniakalische Lösung . 4 » 
Wasser 50 » 

Francëin wird in einer Ammoniaklösung gekocht, gut gemengt, und 
dann Wasser hinzugegossen und so gelassen, bis der Ammoniakgeruch ver- 
schwindet. 

Diese Lösungen haben die Eigenschaft . die Zellenkerne dunkler und 
das Protoplasma schwächer zu färben, so daß man mit Hilfe dieser Lösungen 
die verschiedenen Theile eines Gewebes in Relief haben kann. Außerdem 
haben die Lösungen die Eigenschaft das Chitin der Insecten intensiv zu 
färben. 

Allein das was mich bewogen hat , die Tinctionseigenschaften des 
Franceins zu veröfi'entlichen, ist die Kraft desselben, die Schleimdrüsen des 
Dentaliums und wahrscheinlich auch die Drüsen anderer Mollusken intensiv 
zu färben. 

Längsschnitte durch Dentalien wurden in einer Y2 Picrinsäure- und 
1/2 Sublimat-Lösung fixiert und 12 Stunden in einer boracischen Francëin- 



162 

Lösung gehalten. Dann flüchtig in destilliertem Wasser gewaschen, ein bis 
zwei Minuten lang in Böhmer" scher Hämatoxylinlösung übergefärbt, danach 
wieder 5 — 10 Minuten mit Wasser gewaschen xmd dann in Alcohol 7 bis 
90 etc. durchgeführt. Die Schleimdrüsen werden in allen diesen Präparaten 
granatroth gefärbt. 

Dieser Umstand hat mich am meisten bewogen, die Aufmerksamkeit 
der Techniker zu erregen, indem, wenn sie mit diesen Substanzen in reichen 
Laboratorien , wo sie hinlänglich über ein verschiedenartiges Material ver- 
fügen , experimentieren würden , sie ausgezeichnete Färbungsmethoden er- 
zielen könnten. 

Jassy, den 1. Februar 1895. 

3. Sur les indications du grossissement dans les dessins micrographiques. 

Par le Dr. Dav. C a r a z z i , La Specia. 

eingeg. T. Februar 1895. 

Il y a encore des naturalistes qui conservent la mauvaise habitude 
de ne pas donner les indications du grossissement employé dans les 
dessins micrographiques joints à leurs mémoires; mais, sans doute, 
presque tous sont convaincus de la nécessité d'une indication si im- 
portante. La règle en usage est d'écrire avec l'explication du dessin 
le n°. de l'oculaire et de l'objectif, le nom du constructeur et la lon- 
gueur du tube. Dans le Zool. Anz. du 1887 (lO'^« ann. p. 197) le 
Ur. De Vescovi démontrait que ces trois éléments de mesuration 
ne suffisaient pas , et qu'il fallait tenir compte aussi de la grandeur 
réelle des objets et de celle du dessin, obtenu avec la chambre claire. 

Avec toutes ces précautions nous avons la certitude de connaître 
les dimensions réelles de l'objet dessiné. Mais ces opérations sont 
longues et ennuyeuses et il y aura très peu d'observateurs qui voudront 
se soumettre à ce travail. Il résulte que d'ordinaire l'on fait mention 
seulement de l'objectif et de l'oculaire employés , avec la longueur du 
tube et le nom du constructeur. 

Or je me propose de démontrer: a) que cette méthode d'indication 
n'est pas pratique; b) qu'elle n'est d'aucune utilité; c) qu'il y a une 
manière très simple, très pratique, très utile de donner, avec beaucoup 
d'approximation, le grossissement des dessins micrographiques. 

a) Tous les micrographes et tous les opticiens constructeurs sont 
persuadés de la nécessité d'adopter désormais une numeration égale 
et rationelle pour tous les microscopes, mais, au contraire, jusqu'ici 
une notation rationelle se fait seulement pour les systèmes apochro- 
matiques; et il faudra attendre encore bien d'années avant d'arriver 
à généraliser cette notation unique et rationelle. Voilà pourquoi nous 
avons besoin d'ajouter le nom du constructeur, pour faire connaître 
le grossissement du système optique. Mais cette méthode d'indiquer 
l'objectif et l'oculaire n'est pas pratique , parce que pour être compris 
des lecteurs il faudrait que chacun fût en possession de tous les cata- 
logues des constructeurs de microscopes. Il ne suffirait pas de posséder 
un seul catalogue pour chacun des constructeurs , parce que jadis on 
construisait des objectifs qu'on ne construit plus aujourd'hui. Et si 
l'on se souvient que nous avons en Europe plus dune douzaine de 



163 

constructeurs on trouvera très peu pratique de se servir d'une notation 
familière seulement aux possesseurs d'un système pareil au système 
adopté par l'auteur. J'avoue d'être tombé dans cette faute que je 
signale; mais je trouve qu'écrire, par exemple: oc. 4, obb. 7, Leitz, 
c'est un rébus pour tous ceux qui ne connaissent pas les microscopes 
de ce constructeur. 

b) Même en supposant tous les micrographes possesseurs de 
tous les catalogues des constructeurs, la notation susdite n'a pas 
d'utilité. En effet le lecteur qui trouve, par exemple, écrit: oc. 3., 
obb. F, Zeiss, t. 160, croira à' un grossissement de 790 diamètres, parce 
que c'est le chiffre qui correspond à cette indication dans le catalogue 
de Zeiss. Je ne dois pas répéter ici tout ce qu'on peut lire dans les 
traités techniques sur les causes d'erreur dans les mesurations micro- 
graphiques; il suffira seulement en rappeler deux: les variations dans 
la distance de l'oeil de l'objet, et l'exagération de l'image projetée par 
la chambre claire sur le papier. 

Or il faut se demander: comment pourra le lecteur mesurer la 
portée de ces deux erreurs tout à fait personnelles à l'observateur, et 
dues aux conditions visuelles de celui-ci , et à la distance à laquelle 
se trouvait le papier lorsqu'il dessinait? C'est pour obvier à ces incon- 
vénients que l'on proposait d ajouter la grandeur réelle de l'objet et 
celle du dessin. Mais ce serait augmenter le travail du micrographe, 
sans ôter la difficulté exposée dans le paragraphe a. 

c) En conservant la règle de noter la grandeur réelle de l'objet 
et du dessin projeté avec la chambre claire dans les cas (d'ailleurs très 
rares) qui exigent une rigoureuse exactitude, je trouve qu'il est mieux 
d'adopter une méthode plus simple. Voilà brièvement en quoi elle con- 
siste. Chaque observateur mettra le tube du microscope à la longueur 
qu'il préfère, et qui dépendra de la hauteur de son corps, de la gran- 
deur du statif, de la chaise dont on fait usage ect. En général pour 
les grands statifs il sera plus aisé de tenir le tube intérieur tout à fait 
fermé. Après cela on mettra sur la platine le micromètre objectif et 
en appliquant la chambre claire on dessinera sur le papier l'échelle du 
micromètre. Il faudra essayer que l'oeil reste toujours à la même 
distance de la lentille de l'oculaire. Il faudra aussi que le papier soit 
tenu près de la platine, et à un niveau déterminé (en général au 
niveau de la platine). Il sera opportun de dessiner chaque échelle 
dans deux directions, l'une normale à l'autre, pour corriger les erreurs 
de grandeur qu on fait lorsque le dessin s'éloigne beaucoup de la 
platine. 

L'opération doit être répétée avec tous les systèmes d'oculaires et 
d'objectifs en usage pour dessiner à la chambre claire. Ensuite il 
suffira faire une proportion entre la dimension moyenne du dessin et 
la longueur réelle des divisions du micromètre , pour avoir le grossis- 
sement. Lorsqu'on aura contrôlé les résultats on rédigera un tableau 
en écrivant pour chaque système le chiffre obtenu. On trouvera des 
différences notables avec les grossissements donnés par les construc- 
teurs, et aussi avec le grossissement que l'on obtiendrait du système 
optique en mesurant l'image sans la projeter sur le papier avec la 
chambre claire. 



164 

Les indications du tableau construit de cette manière ne sont pas 
rigoureusement exactes, mais elles représentent des valeurs moyennes, 
et qui correspondent aux conditions personnelles de l'observateur 
(vision, distance de l'oeil, distance du papier etc.). En accompagnant 
chaque dessin du seul et simple chiffre que l'on trouve dans son 
tableau on sera compris par tout le monde , et l'on exprimera le gros- 
sissement du dessin avec une approximation suffisante , certainement 
préférable à l'exactitude prétendue des données jusqu'ici en usage. 

La Spezia, 4. fér. 1895. 

4. Zoological Society of London. 

19th March, 1895. — Lt.-Col. H. H. Go dwin- Aus t en, F.R.S., 
F.Z.S., presented a paper on behalf of Mr. Walter E. Collinge, F.Z.S., and 
himself, »On the Structure and Affinities of some New Species of Molluscs 
from Borneo«. Three new species were described, viz. Damayantia Smithi, 
Microparmarion Pollonerai , and M. Simrothi. Details were given of their 
structure and comparisons instituted with other members of the genera and 
allied Indian genera. One, perhaps, of the most interesting features was the 
similarity they show anatomically to shell-bearing molluscs of Borneo. That 
these slug-like forms of Borneo have the same close relationship to the shell- 
bearing mollusca among whom they are now found living, as the Indian 
forms bear to Macrochlamys and allied shell -bearing genera, there can be 
little doubt, and any true attempt at classification must be based on these 
lines, and would place a wide gulf between Girasia and Austenia on the one 
side, and Parmarion and Microparmarmi on the other. — Mr. F. E. Bed- 
dard, F.R.S., read a preliminary account of new species of Earthworms 
belonging to the Hamburg Museum. These worms belong chiefly to the 
genera Acanthodrilus and Microscolex ^ and had been collected in South Ame- 
rica. — Prof. F. Jefi'rey Bell, F.Z.S., communicated, on behalf of Prof. 
Alphonse Milne-Edwards, F.M.Z.S., Jardin des Plantes, Paris, the de- 
scription of a new species of Crab of the genus Hyastenus^ obtained near the 
Straits of Magellan during the »Challenger« Expedition, and proposed to be 
described as H. consobrinus. — Dr. A. G. Butler gave an account of two 
collections of Lepidoptera received by the British Museum. One from Zomba, 
made by Mr. J. McClounie, remarkable for the number of specimens of the 
fine Butterfly genus Charaxes it contained. The other made at Fwambo, 
Lake Tanganyika, by Mr. Alexander Carson, interesting as including not 
only rare species previously only received from Zomba and Lake Mweru, 
but several novelties, the finest of which was Jimonia pavonina^ a new form 
allied to /. artaxia. — Mr. P. Chalmers Mitchell. F.Z.S., read a paper in 
which he gave a description of the proventricular crypts he had found in a 
specimen of the African Tantalus {Pseudotantalus ibis) recently living in the 
Society's Gardens. — P. L. Sclater, Secretary. 



Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Yictor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVin. Jahrg. 6. Mai 1895. No. 474. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilnngen. 1. Shitkov, Über die Fortpflanzung des Iso- 
dadyliuiit Schrenlii Strauch. 2. Dahl, Die Schwarmbildung pelagischer Thiers. 3. Rhninbler, Über 
die phylogenetische Bedeutung der entosolenen Lageninen. 3. Silrestri , Beitrag zur Kenntnis der 
Chilopoden und Diplopoden-Fauna der palaearktischen Region. II. Slittheil. ans Unseen , Insti- 
tuten etc. Vacat. III. Personal-Notizen. Vaoat. Berichtigung. Litteratnr. p. 145 — 106. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. über die Fortpflanzung des Isodadyliunfi Schrenki Strauch. 

Von B. Shitkov, Stud. d. Natur w., Moskau. 
(Aus dem Laboratorium des Zool. Museums der Universität Moskau.) 

eingeg. 18. Februar 1895. 

Während meines Aufenthaltes am Ostabhange des Uralgebirges 
im Frühling des vorigen Jahres, hatte ich Gelegenheit, in der Nähe 
von .Jekaterinburg die Fortpflanzung des Isodactylium Schrenki 8tr. 
zu beobachten. Die von mir erlangten Thatsachen lassen sich in Fol- 
gendes zusammenfassen. 

Die Eier werden von den Weibchen in besondere gelatinöse 
Säcke abgelegt , welche mit einem Ende an einer Pflanze oder irgend 
einem anderen Gegenstande in der Pfütze, wo die Entwicklung vor 
sich geht, befestigt sind, und zwar nicht weit (2 — 3 cm) vom Wasser- 
spiegel; das andere Ende des Säckchens hängt im Wasser frei herab, 
so daß es bei der geringsten Bewegung des Wassers hin und her ge- 
schaukelt wird. Die Größe des Sackes beträgt ungefähr 15 ccm; da- 
bei ist er stark in die Länge gestreckt (die Länge beträgt ungefähr 
15 cm, die Breite des zusammengefallenen leeren Säckchens 2 cm), 
gebogen und nach der inneren Seite dicht gefaltet. Was das Material, 
aus welchem der Sack besteht, anbetrifft, so möchte ich voraussetzen, 
daß seine Wände desselben Ursprungs , wie die Eiweißschalen selbst 
sind. Außer Zweifel steht es aber , daß jedes Ei seine eigene Schale 

10 



166 



Fig. 1. 



hat , was ich , obwohl ich selbst in Folge meiner späten Ankunft in 
Jekaterinburg keine frisch abgelegten Eier gesehen habe , — daraus 
schließe, daß die Larve gerade vor ihrem Ausschlüpfen noch von einer 
durchsichtigen gelatinösen Schicht umgeben ist , von welcher sie sich 

gleich nach ihrem Ausschlüpfen 
befreit. Die Zahl der Eier, welche 
ein Sack enthält, beläuft sich auf 
50—60. 

Was die Legezeit und die 
Dauer der Entwicklung anbetrifft, 
so habe ich nähere Auskünfte von 
dem Praeparator des Jekaterin- 
burgschen Museums des Ural- 
schen Vereins der Freunde der 
Naturwissenschaften Herrn A. 
H a ekel, welcher die erwähnten 
Amphibien im Aquarium aufge- 
zogen hatte , erhalten. Herr 
Hackel war so freundlich mir 
mitzutheilen, daß er die erwachse- 
nen Isodactylien am 2L April in's 
Wasser gesetzt habe, und daß noch 
in derselben Nacht die Eier ab- 
gelegt worden seien. 

Die Larven, welche sich in 
einem den Sonnenstrahlen aus- 
gesetzten Aquarium befanden, 
schlüpften nach 14, in dem nach 
Norden zu stehenden nach 23 Ta- 
gen aus. Zur Zeit meiner Ankunft 
in Jekaterinburg (Ende Mai) 
hatten die Larven im Aquarium des Herrn Hackel schon die Größe 
von 3 cm erreicht und beide Paar Füße erhalten. Um dieselbe Zeit 

fand ich im Freien, in 




Der Sack, in welchem sich die Eier 
entwickeln. 



Fig. 2. 




der Nähe von dem See 
Schartasch, etwa sechs 
Werst weit von Jeka- 
terinburg in Pfützen 
die genannten Säcke, 
welche noch Larven 



Eine eben ausgeschlüpfte Larve. 

enthielten, wobei die letzteren freilich zum Ausschlüpfen reif waren. 
Also waren die von mir gefundenen Larven im Vergleich mit den von 



167 



mir erwähnten künstlich aufgezogenen in ihrer Entwicklung bedeutend 
zurückgeblieben, was aller Wahrscheinlichkeit nach durch das kalte 
Wetter , das in Ostrußland im Mai des vorigen Jahres anhielt , zu er- 
klären ist. Leider gelang es mir weder selbst das Ablegen der Eier 
zu beobachten , noch etwas Genaueres in Betreff dieses Processes zu 
erfahren. 

Alle Larven, deren Ausschlüpfen zu beobachten ich Gelegenheit 
hatte, vollführten dieses, indem sie den unteren Theil des Sackes zer- 
rissen. Ich muß hierbei bemerken, daß die Larven, welche aus einem 
und demselben Sacke sich befreien, oft nicht ganz gleich entwickelt 
sind, was man am besten an den Kiemen bemerken kann. Die ver- 
schiedenen Entwicklungsstufen lassen sich meiner Meinung nach 



Fig. 3. 




Fig. 5. 



Fig. 4. 





Verschiedene Stadien der Entwicklung der Vorderextremität. (Fig. 3 70 mal vergr. 

Figg. 4—6 30 mal vergr.) 

durch die Lage des Sackes, welcher nämlich mit einem Ende dem Ein- 
flüsse der wärmeren Luft ausgesetzt ist , mit dem anderen bedeutend 
tiefer im Wasser liegt, erklären. 

Die eben ausgeschlüpfte Larve ist etwa 1 mm lang und zeichnet 
sich durch die bedeutende Länge (ungefähr 1 mm) der Saugnäpfe aus. 
Die Kiemen der mehr entwickelten Formen tragen zwei bis drei Kie- 
menäste; bei den weniger entwickelten trägt nur der zweite Kiemen- 
büschel zwei Äste. Die Vorderextremitäten sind schon als kleine 
Höcker bemerkbar. Im Laufe der weiteren Entwicklung wachsen die 

10* 



168 

genannten Höcker zu flossenartigen Vorderextremitäten an, deren 
compacterer basaler Theil auf den Längsschnitten (außer dem pig- 
mentierten Epithel) als eine Masse von mesodermalen Zellen erscheint, 
während das abgeplattete distale Ende in seinem Centrum aus durch- 
sichtigem Bindegewebe besteht. Mitten in dem Organe auf der Grenze 
des basalen und distalen Abschnittes differenziert sich später durch 
Anhäufung der mesodermalen Zellen das Skelet der Finger, wobei 
zuerst der erste und zweite Finger auf der radialen Seite der Extre- 
mität differenziert wird. Beim Anfange der Differenzierung des dritten 
Fingers fangt der distale Abschnitt an zu atrophieren , während zu 
gleicher Zeit die Larve die viel schwächer und dünner gewordenen 
Saugnäpfe verliert. Zu dieser Zeit ist die* Larve ungefähr bis zu 16 mm 
herangewachsen. Bei Larven, welche die Größe von etwa 3 cm er- 
reicht haben, erscheint der aus Bindegewebe bestehende Theil der 
Extremität nur als eine dünne Membran zwischen den Fingern , die 
später völlig verschwindet. Die Hinterfüße erleiden denselben Proceß, 
bleiben aber der Zeit nach in ihrer Entwicklung stark zurück , indem 
sie zu der Zeit, wo die Vorderfüße schon zwei Finger tragen, nur als 
Höcker vorhanden sind. 

Das sind die wenigen Thatsachen, die ich bei einer flüchtigen 
Durchsicht meines wenn auch ungenügenden, so doch nicht uninter- 
essanten, wie es mir scheint, Materials erlangt habe. Ich benutze nur 
noch die Gelegenheit, meinen ergebensten Dank dem Herrn Secretar 
des Uralschen V. d. F. d. N. — O. E. Klerc nebst seinen Söhnen, 
deren liebenswürdigen Rathschlägen und Hilfe während meines Auf- 
enthaltes in Jekaterinburg ich in bedeutendem Maße den Erfolg mei- 
ner Arbeit verdanke, — auszusprechen. 

2. Die Schwarmbildung pelagischer Thiere. 

Von Prof. Dr. Friedr. Dahl in Kiel. 

eingeg. 21. Februar 1895. 

Wenn eine kleine Abhandlung von M raze k über die Gattung 
Miracia^ mir Veranlassung zu einer kurzen Erwiederung giebt, so 
habe ich weniger die Absicht, mich gegen Herrn Dr. Mrazek zu 
wenden, als vielmehr den Wunsch allen Denjenigen, welche sich mit 
dem Fange pelagischer Thiere beschäftigen , einige praktische Winke 
zu geben. — Um unsere Kenntnis über die horizontale und verticale 
Verbreitung pelagischer Thiere zu erweitern, ist es durchaus nicht 
unbedingt nöthig, daß nach der Hens en' sehen Methode vertical ge- 
fischt werde. Auch Horizontalfischerei und Oberflächenkätscherei 



1 Sitzgsber. d. böhm. Ges. d. Wiss. Math.-nat. Cl. 1894. p. 39. 



169 

können wichtio^e Resultate liefern. Eins aber ist unbedingt erforder- 
lich: Es muß bei jedem Fange genau angegeben werden, wie und 
unter welchen Bedingungen er gemacht wurde. Für wünschenswerth 
würde ich es allerdings auch halten , wenn öfter ein offenes Netz bis 
auf wenigstens etwa 100 m herabgelassen und senkrecht heraufgezogen 
würde, da Fänge dieser Art unabhängig vom Wetter und von der Tages- 
zeit sind, wie dies namentlich aus den von dem Engländer Rattray 
in der Bucht von Guinea gemachten und von Scott untersuchten 
Fängen hervorgeht -. 

Mräzek erwähnt den Fall, daß ein Thier, welches in den Hen- 
dorff 'sehen Fängen sonst immer nur einzeln sich findet, in einem 
Fange zu Tausenden vorkommt. Es handelt sich um Miracia efferata 
Dana, die, wie die meisten schön gefärbten und mit großen Augen 
versehenen Formen an der unmittelbaren Wasseroberfläche sich auf- 
zuhalten pflegt. Ich möchte aus diesem Fall nicht ohne Weiteres 
auf einen Schwärm schließen , kann mir denselben vielmehr auch in 
anderer Weise recht wohl erklären. 

Wenn auf der Plankton-Fahrt bei ganz schwachem Winde ge- 
fischt wurde , so wurden durch das langsam seitwärts treibende Schiff 
die unmittelbar an der Oberfläche lebenden oder gar schwimmenden 
Thiere gewissermaßen zusammengeschoben. Sie kamen auf der Lee- 
seite dicht gedrängt vor , während sie an der Luvseite nur ganz ver- 
einzelt bemerkt wurden. Wenn man also nach längerem Treiben des 
Schiffes an der Leeseite die Oberfläche abkätschert, so wird der Fang 
den Eindruck eines Schwarmes machen. 

Herr Dr. Michaelsen machte auf seiner Reise nach der Süd- 
spitze von Südamerika täglich kleine Fänge, indem er das Badewasser 
filtrierte. In einzelnen dieser Fänge, welche um die Mittagszeit, viel- 
leicht auch bei vollkommen ruhiger See gemacht wurden , finde ich 
fast nur Corycaeus gracilis Dana, diese aber in großer Zahl. Ich bin 
weit davon entfernt, ajis diesem Befunde zu schließen, daß es sich um 
einen Schwärm von Corycaeus gracilis handelt , glaube vielmehr , daß 
ein senkrechter Fang von etwa 100 m Tiefe aufwärts dort mindestens 
30 Copepoden-Arten enthalten haben würde. Ja, ich 'glaube sogar, 
daß an derselben Stelle auch Miracia efferata an der Oberfläche vor- 
kam, und daß man von dieser Art fast reines Material bekommen 
haben würde, wenn man nur hinreichend langre mit einem etwas weit- 
maschigeren Netz gefangen hätte. Wie sehr es auf die Dichtigkeit 
des Netzes ankommt, das zeigen uns die Fänge von Timm '^ bei Helgo- 
land. Er führt Oithona similis als eine sehr seltene Form an, und doch 

2 Transact, of the Linn. Soc. of London. 2. Ser. Zoology. Vol. 6. p. 1 fF. 

3 Wissensch. Meeresunters. 1. Bd. No. 7. p. 157. 



170 

bin ich fest überzeugt, daß sie das ganze Jahr hindurch bei Helgoland 
die häufigste Copepodenart ist. 

Ich möchte hier übrigens einem Mißverständnis begegnen, der 
Ansicht nämlich, als ob das Auftreten von Schwärmen mit der Hen- 
s en 'sehen Forschungsmethode unvereinbar wäre. Ich kann in dieser 
Beziehung auf die Ausführungen von Mensen^ und Brandt^ ver- 
weisen. Die Resultate der Plankton-Expedition zeigen,daß die Seh warm- 
bildung bestimmter Thiere immer als Ausnahme von der Regel zu 
betrachten ist, als Ausnahme, deren Ursache besonders erforscht Aver- 
den muß. In erster Linie handelt es sich um Thiere, welche an der 
unmittelbaren Oberfläche des Wassers leben und theilweise sogar über 
dieselbe vorragen. Wie das Sargassokraut, so findet man auch jene 
Thiere oft dicht zusammengedrängt und man darf wohl annehmen, 
daß Wind und Strömung die Ursachen jener Ansammlungen sind. 
Unter den Copepoden bilden sicher die Pontellineu bisweilen der- 
artige Ansammlungen und höchstw^ahrscheinlich wird sich Miracia 
jener Unterfamilie anreihen. 

Die Arten der Gattung Copilia zeigten sich außerordentlich 
gleichmäßig verbreitet, namentlich C vitrea (Hseck.). Die geringen 
Difi'erenzen einzelner Arten lassen sich vielleicht auf ein actives 
Zusammenscharen zurückführen. Ganz besonderen Verhältnissen 
begegnet man in der Nähe der Küsten*' und diese sind es bekannt- 
lich in erster Linie , in deren Nähe bisher die sogenannten Thier- 
straßen beobachtet wurden. 

So viel über Schwarmbildung. Was nun die Beziehungen der 
beiden Gattungen Miracia Dana und Setella Dana anbetriff't, so er- 
weist sich wieder einmal das reichhaltige Material der Plankton-Ex- 
])edition als aufklärend in schwierigen Fragen. Mräzek hat eine 
kleinere Art mit Miracia gracilis Dana identificiert , nicht weil die 
Beschreibung ihm durchaus zwingend erschien , sondern , um die Sy- 
nonymie nicht unuöthiger weise zu vermehreji. Ein durchaus zu 
billigendes Verfahren. Dieselbe Identificierung war übrigens schon 
früher von Claus" vorgenommen. — Da ich nun die wirkliche 3Ii- 
racia gracilis Dana in einer größeren Zahl von Exemplaren vor mir 
habe, sehe ich, daß sie von der Claus-Mrazek' sehen Art, welche 
ich ebenfalls besitze, abweicht. Jene Art besitzt zwar die kurze 
Furca iTud die Augenlinsen der JüVacm- Arten, steht aber in allen 
anderen Merkmalen der Gattung ^e^e//a sehr nahe. Es wird also durch 



4 Die Plankton-Expedition und HDeckel's Darwinismus. Kiel 1891. p. 31 ff. 
^ Ergebnisse der Plankton-Expedition, Reisebeschreibung. Kiel 1892. p. 356 ff. 
ß Man vgl. Verhandlungen der deutsch. Zool. Ges. 1894. p. 63 und Schrift, d. 
naturw. Ver. f. Schlesw.-Holst. 10. Bd. Hft. % 1895. p. 381 ff. 

7 Arb. Zool. Inst. Wien u. Triest, Wien 1S91. 9. ßd. Hft. 3. p. 13. 



171 

sie die Ansicht von Claus, daß beide Gattungen verwandt sind, 
noch mehr bestärkt. Die mir vorliegende Miracia gracilis Dana , für 
welche ich einen neuen Genus -Namen Oculosetella vorschlafen 
möchte, besitzt sehr schlanke Vorderfühler und Beine wie Setella , fer- 
ner ein bewegliches nach unten vorragendes Rostrum und einfache 
Hinterfühler ohne Nebenast. Das dritte und vierte Glied der Vorder- 
fühler sind aber beim Weibchen mit einander verschmolzen und das 
vierte Glied ist beim Männchen sehr dick. Der Name dieser Art wird 
also sein Oculosetella gracilis (Dana). Da die zweite Miracia-kxt 
nun den Namen M. gracilis nicht tragen kann , müßte ich ihr einen 
neuen geben , wenn sie nicht schon seit kurzer Zeit einen neuen Na- 
men hätte. Sie -wurde im vorigen Jahre von Scott 3Iiracia mitior 
genannt, ein Name, der demnach vollkommen zu Recht besteht. Als 
Synonym würde nur hinzuzufügen sein Miracia gracilis Claus et Mra- 
zek non Dana. 

Da hier einmal von der Scott' sehen Arbeit die Rede ist, möchte 
ich gleich einen Irrthum aufdecken , der bei der Gattung Aegisthus 
vorliegt. Scott stellt eine neue Art auf. Wie ich aber sehe hat Scott 
Theile von ganz verschiedenen Arten als von einem Individuum 
stammend neben einander gezeichnet. Die eine Art weicht so stark 
ab, daß ich für sie einen neuen Genus-Namen Hensenella vorschlage. 
Als am meisten in die Augen springende Unterschiede dieser Gattung 
sind die vollkommen gerundete Stirn, die schlanken Vorderfühler mit 
viergliedrigem nicht dreigliedrigem Grundtheil, der rudimentäre Neben- 
ast der Hinterfühler mit nur einer Endborste, und die Zweigliedrigkeit 
des rudimentären fünften Beines zu nennen. Nach den Nomenclatur- 
regeln der Zoologischen Gesellschaft habe ich, der ich die Scott' sehe 
Art in zwei Arten auflöse, zu entscheiden , welcher der beiden Arten 
der Sc Ott' sehe Name longirostris verbleiben soll. — Da die Hense- 
nella gar kein Rostrum besitzt, fällt die Wahl nicht schwer. Ich setze 
den Sc Ott 'sehen Namen mit dem Vermerk »part.« als Synonym zu 
Aegisthus mucronatus Giesbr. und nenne die zweite meinerseits Hen- 
senella mirabilis mihi. — Erwähnen möchte ich noch, daß ich die 
drei Gattungen Pontostratiotes Brady, Aegisthus Giesbr. und Hense- 
nella n. g. für so stark von allen anderen Formen abweichend halte, 
daß ich für sie eine neue Unterfamilie aufstelle , welche den Namen 
Henselleninae bekommen möge. Sie unterscheidet sich von den 
übrigen Harpacticiden am auffallendsten durch die langen, mit einan- 
der verwachsenen Furcaläste und durch die echten Sägeborsten am 
Ende der Beine. 

Wenn ich hier nur den einen Irrthum der Scott" sehen Arbeit 
genannt habe, so soll damit durchaus nicht gesagt sein, daß es sonst 



172 

keine Irrthümer in der genannten Arbeit gebe. Auf die übrigen Irr- 
thümer einzugehen, behalte ich mir für eine spätere Gelegenheit vor. 

3. Über die phylogenetische Bedeutung der entosolenen Lageninen. 

Von Dr. L. Rhumbler, Privatdocent und Assistent in Göttingen. 

eingeg. den 21. Februar 1S95. 

Vor einigen Jahren hat bereits Ne urna y r gegen die seither land- 
läufige Auffassung, daß die einkammerigen Lageninen die Stamm- 
form, der mehrkammerigen Nodosarinen seien, Front gemacht (Litt. 7). 

Die Nodosarien treten schon im unteren Silur auf und bil- 
den vom Perm ab eins der gewöhnlichsten und am weitesten ver- 
breiteten Vorkommnisse von Thalamophoren in den geologischen 
Schichten (Brady, 3, p. 490). Die Lageninen sind erst aus dem 
oberen Silur bekannt (Brady, 3, p. 450), und zwar ist hier ihr Vor- 
kommen noch durchaus zweifelhaft , da es sich dabei um schwer zu 
identificierende Steinkerne handelt (Neumayr, 8, p. 184) oder nicht 
entschieden werden kann, ob nicht bloß künstliche Trümmer von 
Nodosarien vorliegen; jedenfalls ist selbst aus dem Trias nur eine 
einzige, ebenfalls nicht zweifellose Form bekannt, während sie in 
irgend erheblicher Zahl (9 Genera) erst im Lias auftreten (Brady, 3, 
p. 450). 

Neumayr leitet im Einklang mit dieser Thatsache die Lage- 
ninen von den Nodosarinen ab, und schließt die Nodosarinen 
an das im Kohlenkalk häufige und auf diese Formation beschränkte 
Genus Nodosinella an, dessen Schalenwandung zwischen sandschaliger 
und kalkiger Structur schwankt. Hierin stimme ich Neumayr voll- 
ständig bei. Ich bin durch meine systematischen Studien , wie ich an 
einer anderen Stelle (Rhumbler, 10) aus einander gesetzt habe, zu 
der Überzeugung gekommen , daß sich dieNodosinellen, also die 
Stammgruppe der Nodosarien aus ursprünglich ungekammerten 
Sandröhren dadurch entwickelt haben, daß diese ungekammerten 
Sandröhren ein periodisches Wachsthum annahmen , und dabei die 
einzelnen Zuwachssegmente, d. h. die Kammern, möglichst weit auf- 
bauschten, um durch Raumgewinnung die Nothwendigkeit der Kam- 
merneubildung, welche naturgemäß den Weichkörper in seinen übri- 
gen Lebensfunctionen, in der Nahrungsaufnahme etc. beeinträchtigen 
mußte, auf ein Minimum zu beschränken. Die Aufbauschuns der 
Kammern hat dann zur Zerbrechlichkeit der Schalen an den Kammer- 
hälsen geführt, als allmählich spröder Kalk an die Stelle der sandigen 
Schalenwand trat, und war dann schließlich Schuld daran , daß jede 
neugebildete Kammer bald nach ihrem Aufbau von dem sie aufbauen- 



173 

den Mutterthier abgetrennt wurde; in ähnlicher Weise, wie nach den 
Beobachtungen Schaudinn's (Litt. 11) die ursprünglich sternför- 
mige Schale von Calcituba in einzelne selbständige Stücke aus einan- 
der bricht, wenn sie eine gewisse Größe erreicht hat. Die einkam- 
merigen Lageninen sind also nach meiner Auffassung dadurch aus 
den mehrkammerigen , sich an die Nodosi nellinen anschließen- 
den, Nodosarinen entstanden, daß die neugebildeten Kammern 
ursprünglich vielleicht durch rein äußere Gewalten (bei Calcituba be- 
wirkt die Schwerkraft nach Schaudinn die Zertrümmerung der 
Schale), später durch selbstthätige Handlung des Schalenträgers von 
der Mutterschale losgetrennt wurden. Ich nehme also in dieser Be- 
ziehung einen anderen Standpunct ein als Neumayr, welcher die 
Lageninen für rückgebildete Nodosarinen hält, welche die Fähig- 
keit verloren hätten, neue Kammern zu erzeugen (Litt. 8). 

Meine kurz mitgetheilten Anschauungen geben, so weit ich sehen 
kann, eine recht annehmbare Erklärung für die sonst ganz unver- 
ständliche Entstehung der Entosolenien. Ich werde diese Erklä- 
rung hier kurz darzulegen versuchen. 

Als Entosolenien hat man bekanntlich diejenigen Lagen en 
bezeichnet , deren Kanimerhals anstatt , wie in der Regel , von der 
Kammeroberfläche nach außen hervorzuragen, von hier aus sich nach 
dem Innenraum der Kammer einstülpt und gegen das Kammercen- 
trum vordringt oder dieses sogar noch überschreitet (Fig. 1, siehe 
umstehend) . 

Die Entosolenien sind dadurch entstanden, daß sie selbst nach 
der Trennung in einzelne Kammern die stammesgeschichtliche Wei- 
terentwicklung der nicht aus einander gefallenen Nodosa rien mitge- 
macht haben — eine merkwürdige Erscheinung, welche übrigens bei 
den Thalamophoren häufiger beobachtet werden kann, und in anderen 
Fällen zur Entstehung an ihrer Wurzel zusammenhängender Parallel- 
reihen geführt hat (Isomorphismus). 

Als ursprünglichste direct an die Nodosarinen anschließende 
Vermehrungsart der Lageninen muß jedenfalls diejenige angesehen 
werden , daß die Sarcode aus der Kammer hervortrat und auf dem 
langen Lagenahalse eine neue Kammer anbaute , die sich dann bald 
von dem schlanken Halse loslöste. 

Die sogenannten ZAveikammerigen Varietäten, von denen Häus- 
ler (4, T. V Fig. 19 — 39) eine ganze Keihe aus der schweizerischen 
Jura- und Kreide-Formation abgebildet hat , mögen solche in Ver- 
mehrung be<^rifFenen Lageninen darstellen. Die abgeschnürte La- 
gena in der Figur 4 mit II bezeichnet , würde nach der Lostrennung 
von I außer der auf dem Halse gelegenen Schalenmündung {m) eine 



174 



Öffnung an der Abschnürungsstelle (o) aufweisen, wie denn auch 
Schalenöffnungen an dieser Stelle bei mehreren Lageninen immer 
{Distoma-Gru-p'pe), bei anderen gelegentlich angetroffen werden (erste 
Stufe : distome Lagena) . 

Da wo diese zweite Öffnung immer angetroffen wird , wie z. B. 
bei Lagena gracillima und bei L. distoma, da mag diese einfache Yer- 
mehrungsart bis heutigen Tages noch Regel geblieben sein (Fig. 2 u. 3) . 




Fig. 1, 7, 8, 9 u. 10. Lagena globosa Walker u. Jakob nach Brady (Litt. 3, Text- 
band p.441). 1. entosolene Form. 7. u. 8. distome, entosolene Form. 9. monostome, 
entosolene Form. 10. monostome, asolene Form. In Fig. 7 u. 9 ist die wahrschein- 
liche Lage der Mutterkammer, in Figur 10 diejenige der Tochterkammer von mir 
durch gestrichelte Linien eingezeichnet worden. 

Fig. 2 u. 3. Lagena vulgaris var. distoma-polita Park. u. Rup. Jones nach Ry- 
mer Jones (Litt. 5, Taf. 19 Fig. 55 u. 57). Durch Bruch von 3 (bei o) ist jedenfalls 
2 hervorgegangen. 

Fig. 4. Eine Lagena sp., welche vor ihrer Mündung ein kleineres Exemplar 
angeheftet trägt. Nach AI cock (Litt. 1, Taf. IV Fig. 6). 

Fig. 5. Nodosaria hispida var. suhlineata Brady. 

Fig. 6. Nodosaria hispida Brady. 6 aus 5 dadurch entstanden , daß sich die 
späteren Kammern über die Hälse der früheren hinübergelagert haben. 

In allen Figuren bedeutet : I Mutterschale ; II Tochterschale ; m ursprüngliche 
Schalenmündung; o secundäre Schalenöffnung, durch Trennung der Tochterschale 
von der Mutterschale entstanden. 

Andere Lageninen haben sich dagegen, wie hervorgehoben, in 
ihrer Stammesgeschichte denNodosarinen in Parallelen angeschlossen. 
Es haben sich nämlich einige der langhalsigen Nodos arinen vor 
dem Schicksale ihrer Artgenossen, in einzelne Kammern aus einander 
zu fallen, dadurch bewahrt, daß die Sarcode bei Neuanlage einer Kam- 
mer über den lansren Hals der vorangehenden Kammer zurückfloß 



175 

und die neue Kammer wand nicht auf den zerbrechlichen Kammerhals 
sondern in weiterem Umfange auf die viel kräftigere Wand der vor- 
ausgehenden Kammer aufsetzte (cf. Fig. 5 u. 6). 

Dasselbe haben die Lageninen gethan , ohne die auf anderer 
Grundlage erhaltene Fähigkeit der Kammertrennung aufzugeben. 
Beim Aufbau eines neuen Individuums legte sich der aus der Hals- 
münduns: des Mutterthieres hervortretende Sarcodeballen über den 
Hals der Mutterkammer I (Fig. 7) hinüber, so daß dieser von der 
Tochterkammer gänzlich umschlossen und bei der Trennung der bei- 
den Schalen der Tochterschale II mitgegeben wurde (cf. Fig. 1 u. 9). 
So sind aus ursprünglich ectosolenen Lageninen die palaeontologisch 
jüngeren Entosolenien (cf. Häusler, 4, p. 179) entstanden. 

Im Anfange mag auch die Tochterschale außer dem inneren vom 
Mutterthier abgetrennten Halse noch einen besonderen Hals ausge- 
bildet haben, wie dies aus Fig. 7 hervorzugehen scheint und worauf 
auch das von Brady abgebildete Exemplar von Lagena aspera Reuß 
(Litt. 3, Taf. LVII Fig. 12) eine der palaeontologisch ältesten Lagenen 
hinweist (2. Stufe: distome, entosolene Lagena). 

Ich vermuthe, daß ursprünglich die Trennung zweier Nodosaria- 
kammern zu einkammerigen Lagenen viel langsamer vor sich ge- 
gangen ist, als späterhin : es ließe sich so wenigstens begreifen, warum 
Häusler im Jura und der Kreide so viel zweikammerige Exemplare 
angetroffen hat, Avährend sie aus recenten Materialien meines Wissens 
nur zweimal wdeder erwähnt werden (Alcock, 1 u. Rymer Jones, 5, 
vgl. die Abbildungen 3 u. 4 hier), zum mindesten aber zu den Selten- 
heiten gehören, da ich z. B., obgleich ich mich seit vier Jahren, von 
geringen Unterbrechungen abgesehen, mit Aufsuchen und Unter- 
suchung von Thalamophoren beschäftige, noch keine gefunden habe. 
Man muß sich dabei natürlich nicht von jungen oder auch ausgewach- 
senen zweikammerigen Nodosarien täuschen lassen. Wenn aber die 
Theilthiere der Lageninen längere Zeit zusammenblieben, so ist es 
sehr wahrscheinlich, daß die neugebildete an der Mutterkammer fest- 
sitzende Tochterkammer der ursprünglichen Kammermündung [m] 
noch bedurfte, welche ihr durch Vererbung überliefert war, denn die 
Sarcode mußte auch während der Zeit des Zusammenbleibens beider 
Kammern Nahrung aufnehmen oder diejenigen anderen Functionen 
übernehmen können, zu deren Erledigung die Kammerhälse überhaupt 
gebildet worden sind. Im Laufe der Zeit wird sich der Lostrennungs- 
proceß der neugebildeten von der mütterlichen Kammer schneller 
vollzogen haben , da recente zweikammerige Exemplare weit seltener 
sind; sie trennen sich zu schnell um öfter gefunden zu werden. 

Je schneller sich aber der Lostrennungsproceß beider Kammern 



176 

vollzog , desto unnöthiger wurde die vordere Mündung der Tochter- 
kammer (w), denn das sich vom Mutterthier loslösende Individuum 
konnte gleich nach der Trennung den von der Mutterschale abge- 
trennten Hals als Mündung (o) benutzen, und auch das Mutterthier 
hatte in dem ihm verbliebenen Rest des Halses eine gleich große 
Schalenmündung (Fig. 9 o). Die vordere Mündung wurde mit der Be- 
schleunigung des Trennungsprocesses von der natürlichen Auslese 
immer mehr vernachlässigt und ihre Bildung ist dann bei den meisten 
Lageninen gänzlich verschwunden, so daß die heutigen Entosolenien 
nur ausnahmsweise noch zAvei Mündungen tragen, die Mehrzahl der- 
selben aber nur die eine, entosolene Mündung besitzt (3. Stufe : mo- 
nostome, entosolene Lagena). 

Wenn somit die Entstehung der Entosolenien dadurch erklärt ist, 
daß das den Mutterhals umfassende Tochtergehäuse den Schalenhals 
der Mutter als Aussteuer mitbekam, so thut sich doch hier wieder eine 
neue Frage auf; nämlich folgende: Wie ist es möglich, daß eine Ento- 
solenia, deren Hals nach innen gerichtet ist, bei ihrer Fortpflanzung 
(durch Abstoßung einer neuen Kammer) dieser Tochterkammer nun 
ihrerseits wieder einen Hals mitgiebt, da doch der im Inneren der 
Mutterkammer gelegene Hals unmöglich von der Tochterkammer um- 
faßt werden kann. 

Die Antwort auf diese Frage ist in den von Brady, Litt. 3, p. 441 
gezeichneten Figuren k und / lückenlos enthalten [k hier als Fig. 8 
copiert). Die Entosolenia baut nämlich einfach einen neuen äußeren 
Hals an, der für das Tochterthier bestimmt ist. In Fig. 8 wird man sich 
die Lage der künftigen Tochterkammer nach Art der Fig. 7 leicht er- 
gänzen können. Das Exemplar der Fig. / bei Brady loc. cit. hätte 
wohl einem Doppelindividuum, wie es bei Bütschli: »Protozoa« 
Taf. VII Fig. 22 abgebildet ist, den Ursprung gegeben. 

Da nun aber der Hals durch diese merkwürdigen Vorgänge, wäh- 
rend der Hauptlebenszeit der Thiere, nämlich die Zeit vor der Fort- 
pflanzung ausgenommen, wo ein Hals für das Tochterthier aufgebaut 
werden mußte, nach dem Inneren gerichtet war und blieb, wo er 
augenscheinlich seinen Hauptnutzen eingebüßt haben muß , so wurde 
auch er mehr und mehr der Selection entzogen und wird nun bei vie- 
len Formen gar nicht mehr gebildet (4. Stufe: monostome, asolene 
Lagena, Fig. 10). Bei anderen Formen tritt er nur noch gelegent- 
lich auf. 

Wenn die auf das Studium des Schalenbaues gegründete Phyloge- 
nie des Theilungsactes der Lagenen, Avie ich sie hier angegeben habe, 
richtig ist, woran kaum zu zweifeln sein dürfte , so folgt daraus, daß 
die Tochterkamraern der letzten phylogenetischen Stufe nunmehr 



177 

gerade mìb bei den Süßwassermonothalamien während des Theilungs- 
actes mit ihren Mündungen aufeinander stehen, nicht aber — wie man 
nach Analogie mit den Polythalamien (Fig. 5 und 6) erwarten sollte 
und wie auch thatsächlich anfangs der Fall war (Fig. 3 und 4) und bei 
einigen Formen noch heute geschieht (Formen mit zwei Mündungen) , 
— ihre Mündungspole nach ein und derselben Richtung wenden. Es 
ist hiermit die Kammerbildung und deren Lostrennung auf die größte 
Einfachheit zurückgeführt, die sich erreichen läßt. 

Noch einige wenige Bemerkungen. Wenn sich die vorgebauten 
für die Tochterkammern bestimmten Hälse der Entosolenien (Fig. 8) 
durch ihre rauhe, kalkige Beschaffenheit von den glatten nach innen 
gerichteten Hälsen der meisten normal ausgebildeten Entosolenien 
unterscheiden, so läßt das vermuthen, daß außer dem Halse auch noch 
ein gewisser Vorrath von Kalk dem Tochterindividuum mitgegeben 
wird , vermuthlicher Weise , damit es um so schneller seine an- 
fänglich nur dünnwandige Schale so weit festigen kann, als zum 
freien Leben nothwendig ist , und damit der Theilungs Vorgang recht 
schnell verlaufen kann. Es läßt sich diese Kalkablagerung ceteris im- 
paribus mit der extrathalamen Aufspeicherung von Gehäusematerial 
vergleichen, wie ich sie früher für Difflugia acuminata Ehrbg. aus dem 
Titimoor festgestellt habe (Litt. 9). Jedenfalls ist dieser rauhe Kalk- 
belag kein Grund dagegen, daß der innere Hals der Entosolenien 
aus dem von Brady abgebildeten vorgebauten derselben in der ge- 
schilderten Weise entstanden sei, denn in Fig. 7 sehen wir. daß ein 
mit rauhem Kalkbelag versehener Hals ebenfalls im Inneren einer 
Kammer liegt, also dieselbe Stellung, wie die im späteren Leben 
glatten, inneren Hälse anderer Entosolenien einnimmt. 

Die von Mars son (Litt. 6) aufgestellte Gattung Capitellina ist 
meiner Ansicht nach eine gewöhnliche Lagena , welche bereits einen 
besonderen Aufsatz, nämlich die Mündung und die Ansatzfläche für 
die neue Schalenwand des Tochterthieres angesetzt hat; auch Mars- 
son glaubt, daß der Ansatz «gewissermaßen die Anlage zu einer zwei- 
ten Kammer bildet« ; er hält ihn aber für eine rudimentäre Bildung, 
die nicht zur weiteren Entwicklung gelange , sondern nur den Über- 
gang zu den Nodosarien anbahne. 

Wenn sich wirklich alle phylogenetischen Stufen von einer ur- 
sprünglich an die Polythalamien erinnernden Kammerbildung bis zum 
einfachen Theilungsacte heut zu Tage noch an ein und derselben 
Lage nine nachweisen lassen, wie aus den von Brady zu einer Spe- 
cies gezogenen, abgebildeten Exemplaren (Fig. 1, 7, 8, 9 und 10) 
hervorzugehen scheint, so beruht das jedenfalls auf einem auffallend 
weitgehenden Atavismus, 



178 

Noch eine Frage läßt sich an den behandelten Vermehrungsvor- 
gang der Lageninen anknüpfen, nämlich die, oh die Lageninen sich 
einzig und allein auf die angegebene Weise fortpflanzen oder ob noch 
ein anderer Fortpflanzungsmodus bei ihnen vorkommt. 

Ich halte das Letztere für äußerst wahrscheinlich , da der Kam- 
merabschnürungsproceß unseren Erwägungen zufolge nur der Kam- 
merbildung der Folythalamien, nicht aber der Brutbildung entspricht, 
wie sie Schaudinn für eine große Reihe von Thalamophoren fest- 
gestellt hat (Litt. 12). Es könnte aber die ursprüngliche Fortpflan- 
zungsweise allmählich ganz durch den Kammerabschnürungsproceß 
verdrängt worden sein. 

Den vorstehenden Erörterungen zufolge sehe ich in dem Schalen- 
bau der Entosolenien, der auf eine Trennving vorher vereinigter 
Kammern schließen läßt, neben den palaeontologischen ïhatsachen 
einen neuen Beleg dafür, daß die Lageninen von den Nodosa rien 
abgeleitet werden müssen, und nicht umgekehrt die Nodosarien 
von den Lageninen. Es soll hiermit aber vorläufig nicht be- 
stritten werden, daß nicht ein oder die andere Lagenine nachträg- 
lich doch wieder zu einer Nodosaria geworden sein könnte , indem 
sie von der Trennung ihrer Kammern Abstand nahm. Wenn die 
Fähigkeit, die Kammern zusammenzuhalten, in früheren Zeiten vor- 
handen war, kann sie jedenfalls auch später wieder als eine Art Rück- 
schlag auftreten. Ich halte es nur für absolut unmöglich , daß eine 
einkammerige Lagena als Stammtypus mit einem Male die Fälligkeit 
erlangt haben soll, vor ihrer Mündung neue Kammern aufzubauen. 
Die Kammerung ist auch bei den Nodosarien, wie dies für andere 
polythalame Formen schon anerkannt ist, durch Segmentierung einer 
anfänglich ungekammerten Röhre entstanden. 

Citierte Litteratur: 

1) Th. Alcock, »Questions regarding the life-history of the Foraminifera, 
suggested by examination of their dead .shells.« Memoirs of the Literary and Philo- 
sophical Society of Manchester. 3. series. Vol. III. London 1868. p. 175 — 181. 
Taf. IV. 

2) H. B. Brady, »A monograph of Carboniferous and Permian Foraminifera.« 
(The Genus Fusiilina excepted), in: The Palaeontographical Society. Vol. for 187tj. 
XXX. London 1876. p. 1—166. PL I— XII. 

3) H. B. Brady, »Keport on the Foraminifera etc.« in : Report of the scientific 
results of the voyage of H. M. S. Challenger. Zoology. Vol. IX. London 1884. 

4) R. Häusler, »Die Lageninen der schweizerischen Jura- und Kreideforma- 
tion." Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. Jahrg. 1887. 
Bd. L p. 177—190. Taf. IV u. V. 

5) F. W. Owen Rymer Jones, »On some recent forms of Lagenae from Deep- 
sea Soundings in the Java Seas«, in: »The Transactions of the Linnean Society of 
London.« Vol. XXX. 1875. p. 45—70. Taf. XIX. 



179 

6) Th. M ars son, «Die Foraminiferen der weißen Schreibkreide der Insel liü- 
gen.« Mittheilungen aus dem naturwiss. Vereine von Neu-Vorpommern u. Rügen, 
X. Jahrg. 1878. p. 115—196. Taf. I— V. 

7. M. Neu m ay r, »Die natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse der schalen- 
tragenden Foraminiferen.« Sitzungsberichte der Kais. Akademie der Wissenschaften. 
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe. Bd. XCV. 1. Abtheilung. Wien 1887. 
p. 156—186. 

8) M. Neumayr, »Stämme des Thierreichs.« Wien 1889. 

9) L. Rhumbler , »Beiträge zur Kenntnis der Rhizopoden.« I. »Über Ent- 
stehung und secundäres Wachsthum der Gehäuse einiger Süßwasserrhizopoden.« 
Zeitschrift für wissensch. Zoologie. Bd. LH. 1891. p. 515—550. T. XXXII. 

10) L. Rhumbler, »Entwurf eines natürlichen Systems der Thalamophoren.« 
Nachrichten der K. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. 1895. Heftl. (Im 
Erscheinen begriffen.) 

11) F. Schaudinn, »Untersuchungen an Foraminiferen.« I, Calcituha poly- 
morpha 'Rohoz. Inaugural-Dissertation. Berlin 1894. 

12) F. Schaudinn, »Die Fortpflanzung der Foraminiferen und eine neue Art 
der Kernvermehrung.« Vorlauf. Mittheil, in: Biologisches Centralblatt, Bd. XIV. 
1894. p. 161—166. 

Göttingen, 21. Februar 1895. 

4. Beitrag zur Kenntnis der Chilopoden und Diplopoden-Fauna der 
palaearktisohen Region. 

Von Filippo Silvestri, Genua. 

eingeg. 23. Februar 1895. 

Lithobius [Archilithohius] Vinciguerrae , sp. n. 

Q Robustus, ochraceus totus. Antennae dimidio corpore breviores, 
27-articulatae. Ocelli utrimque 10 triseriati. Coxae pedum maxilla- 
rium dentibus 6 armatae. Laminae dorsales omnes angulis posticis 
rotundatis. Pori coxales uniseriati, transversales, 5, 4, 4, 4. Pedes 
anales sat longi, lingue singulo, infra calcaribus 0, 1, 2, 1, armati, 
articuli primi margine laterali inermi. Genitalium femineorum unguis 
integer, calcarium paria quatuor. 

Long. corp. mm 26; lat. corp. mm 3. 

Habitat. Transkaspien : Askabat. 

Clarissimo Prof. Decio Vinciguerrae, qui primus hoc Studium 
me hortatus est, banc novam speciem grato animo dico. 

Mesacanthus geminatus^ sp. n. 
Corpus antice vix, postice aliquantum angustatum, ochraceo-ferru- 
gineum nel flavescens. Lamina cephalica fere duplo latior quam lon- 
gior; antennae breves, crassae. Pedes maxillares flexi marginem fron- 
talem attingentes, coxis inermibus. Laminae dorsales bisulcatae. 
Laminae ventrales area porosa longa, transversali, antice parum con- 
vexa, postice concava, lateribus rotundatis notatae. Lamina ventralis 
ultima brevissima, lata. Pleurae posticae parvae , poris nullis. 



180 

Pedes anales pedibus paris praecedentis longiores. inermes, in femina 
sat graciles, in mare perorassi. 

Pedum paria Ç 81, (^ 79. 

Long. corp. mm 84; lat. corp. mm 2-5. 

Habitat. Transkaspien : Askabat. 

Polydesmus Dadayi, sp. n. 

Q^ Sat elongatus, angustus; pallido-rufescens. Antennae latitu- 
dine corporis vix longiores. Segmentum primum subellipticum , late- 
ribus rotundatis, tuberculis setigeris minus manifestis. Segmenta cae- 
tera sculptura manifesta, carinarum angulo antico subrecto , postico 
acute producto, marginibus dentibus 3 — 4 parvis. Pedes breves. Pedes 
copulativi, parvi, arcuati, apice tripartito, processu medio maiore, la- 
teraliter processu sat longo, in cavitate pulvillo instructi. 

Long. corp. mm 8-5; lat. corp. mm 0-9. 

Habitat. Karpaten : Marmaros. 

Ohs. Polydesmo tatrano hatz. finitimus, sed forma segmenti primi, 
carinarum et pedum copulati vorum distinctus. 

Clarissimo Dr. Eugenio Dadayo hanc novam speciem dico. 

Callipus orientalis^ sp. n. 

Q Antica et postice angustatum, supra vix depressum; fusco-ru- 
fescens, dorso fascia media ochracea et lateribus etiam maculis ochra- 
ceis, pedibus ochraceis. Oculi ocellis e. 35. Antennae longissimae, 
Frons convexa. Segmentum primum supra carinatum, antice rotunda- 
tum, lateribus angustatis. Segmenta caetera carinis magnis , integris, 
omnino instructa. Pedes longi. 

çf Frons plana. Pedes copulativi perlongiores , biarticulati , ar- 
ticulo secundo ad basim interne processu brevi, revoluto, acuminato, 
apice bipartito, parte altera longiore, integra, subtiliore, altera brevi- 
ore, sub apice processibus aculeiformibus. 

Segmentorum numerus e. 62. 

Long. corp. mm 38; lat. corp. mm 2-6. 

Habitat. Transkaspien: Askabat. 

Obs. Callipo riifelÌ7ieato [C.^Koch] ^nìi\m.vi%, sed latitudine , seg- 
mentorum numero, et carinarum magnitudine distinctissimus. 

Berichtigung. 

Der Verfasser des in No. 473, p. 158 abgedruckten Aufsatzes: »Eine 
schnelle Methode zur Herstellung des Böhmer'schen Hämatoxylins« ist nicht 
»Dr. H. J. Hansen«, sondern «Herr F. C. C. Hansen, prakt. Arzt« in 
Kopenhagen. 



Dmck Ton üreitkopt m Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Yictor CarUS in Leipzig. 
Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jahrg. 20. Mai 1895. No. 475. 

Inhalt: I. ^Vissenschaftliche Mittheilougen. 1. Fuhriuann, Die Taenieu der Amphibien. 
2. Blazka, Die Molluskenfauna in den Gärten Ton Prag. II. Mittheil, ans Museen, Instituten etf. 
1. Zaeharias, Statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Großen Plöuer See. 2. Bio- 
logische Anstalt auf Helgoland. 3. Zoological Society of London. 4. Malacological Society 
of London. 5. SociorniecKoe OT;i'i;.ieHÌe UianepaTopcKaro OömecTBa .iKöuTe.ie« EcTecTBosaaniH, AHxpo- 
no.iorin 11 9THorpa*iii. 6. Demande. III. Personal-Notizen. Necrolog. Litteratur. p. 157 — 172. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Die Taenien der Amphibien. 

Vorläufige Mittheilung. 
Von Dr. Otto Fuhrmann, Assistent am Zoologischen Institut der Universität 

Basel. 

eingeg. 23. Februar 1895. 

Es liegt die Untersuchung der Taenien dieser Thierclasse druck- 
bereit vor mir. Die Resultate kurz zusammenfassend darzustellen, ist 
der Zweck dieser Zeilen. Bis jetzt ist ein einziger Cestode, Taenia 
dispar Goeze und dieser nur der äußeren Gestalt nach bekannt. Die- 
ser im Darme vieler sowohl geschwänzter als un geschwänzter Amphi- 
bien vorkommende Parasit und eine im Darme von Necturus macula- 
tus Raf. schmarotzende neue Taenienform, waren der Gegenstand der 
Untersuchung. 

Zunächst eine kurze Beschreibung der beiden nur durch wenige 
Charactere mit einander verbundenen Cestoden. 

Taenia dispar Goeze mißt im Maximum 240 mm, zeigt äußerlich 
nur hinten deutliche Strobilation; vorn am dicksten nimmt ihr Durch- 
messer nach hinten stetig ab. Die letzten Glieder, die im Verhältnis 
zum Durchmesser sehr lang sind, werden successive abgestoßen und 
halten sich lebhaft bewegend in der Cloake des W^irthes auf. Der 
Querschnitt ist überall ein vollkommen kreisrunder. Der Scolex ist 
mit vier kleinen Saugnäpfen bewaffnet und geht ohne Einschnürung 
in den Bandwurmkörper über. Die Musculatur besteht außer aus 
den fast allen Taenien zukommenden Ring- und Längsmuskelsystemen 

11 



182 

unter der Cuticula uud im Parenchym, noch aus zahlreichen nach 
allen Richtungen das letztere durchziehenden Muskelfasern. Das 
Wassergefäßsystem setzt sich aus zwei Längsstämmen zusammen , die 
am Hinterrande jeder Proglottis durch netzförmig aufgelöste Quer- 
anastomosen mit einander verbunden sind. Die beiden ventral ver- 
laufenden Gefäße lösen sich im Scolex in ein Gefäßkörbchen auf, das 
zwei kurze dorsal von ersteren verlaufende feine Gefäßstämme nach 
hinten schickt. Das Nervensystem besteht aus einer Ganglienmasse, 
die zwei mächtige Längsnerven nach hinten entsendet; diese verlau- 
fen auf der Höhe des dorsalen Gefäßes und außerhalb desselben die 
Längsmusculatur fast berührend. Die Wassergefäßstämme und der 
Längsnerv liegen ventral von den Ausführgängen der Geschlechts- 
drüsen. Die Geschlechtsorgane zeigen in Lage und Form Eigenthüm- 
lichkeiten, die sich wohl zum Theil aus der Kürze und der unge- 
wöhnlichen Form des Querschnittes derStrobilen erklären. Die männ- 
lichen Geschlechtsorgane bestehen aus zwei großen, dorsal neben 
einander liegenden Hodenbläschen, die zwei in der Mittellinie zum 
Vas deferens sich vereinigende Vasa efFerentia entsenden. Das Vas 
deferens ist sehr mächtig und macht, bevor es in den langen cylindri- 
schen Cirrusbeutel eintritt, nur wenige Windungen. Umkleidet ist es 
von sehr großen sogenannten Prostatazellen. Der Cirrusbeutel besteht 
fast ausschließlich aus Längsmusculatur, hinten heftet sich an ihn 
ein zum gegenüberliegenden Rand des Gliedes verlaufender starker 
Retractor an. Der Cirrus mündet hinter der Vagina in der Mitte der 
Proglottis in die Geschlechtscloake. Die weiblichen Geschlechts- 
organe liegen ventral, am meisten das Ovarium, das als kugelrundes 
Gebilde in der Mitte des Gliedes liegt. Ausgezeichnet ist es außer 
durch die Form, auch durch die geringe Zahl (bis circa 90) der großen 
Eizellen. Dorsal von ihm führt der Oviduct direct, ohne deutliche 
Anschwellung zu einem Receptaculum seminis, zur Ausmündungs- 
stelle. Der Endtheil der Vagina ist wie der Cirrus gebaut und besitzt 
wie dieser einen aus Längsmuskelfasern bestehenden Muskelbeutel. 
Der Dotterstock von gleicher Form wie das Ovarium, nur etwas kleiner, 
liegt auf der den Geschlechtsausführgängen gegenüber liegenden 
Seite, zwischen der Keimdrüse und den Hoden. Sein weiter Ausführ- 
gang mündet nach kurzem Verlauf in den Oviduct. Dieser wie auch 
jener sind erfüllt von Sperma. Die Eier wandern vom Keimstock bis 
in die Nähe des Dotterstockes, wo sie in den auf Sagittalschnitten huf- 
eisenförmigen Uterus eintreten. Die Wandung des Uterus verschwin- 
det bald und es erfolgt die Bildung der je drei bis vier Eier umhüllen- 
den Eicysten. Ihre Entwicklung und ihr Bau ist zu compliciert, um 
hier dargestellt werden zu können ; ich verweise hierfür auf meine 



183 

ausführliche mit Zeichnungen versehene Arbeit. Die 0,027 mm im 
Durchmesser messenden Embryonen sind von drei Schalen umhüllt. 

Ichthyotaenia Lönnbergii nov. spec, wohnt im Darme von Nectu- 
rus maculatus Raf. und zeigt vollkommen anderen anatomischen Bau 
als Taenia clispar. Das einzige mir zur Verfügung stehende Exemplar 
war leider nicht bis zur vollständigen Geschlechtsreife entwickelt. 
Die Länge der Taenie beträgt 190 mm, ihre größte Breite 1,4 mm. 
Von Segmentierung ist äußerlich fast nichts zu sehen. Der Scolex ist 
deutlich abgesetzt, von Gestalt kugelig und trägt vier mächtige Saug- 
näpfe. Das Wassergefäßsystem besteht aus zwei in enger Spirale ver- 
laufenden Stämmen, die wie bei T. dispar durch netzförmig aufgelöste 
Queranastomosen mit einander verbunden sind. In den einzelnen 
Profflottiden finden sich ventral ausmündende Seitenäste. Die Ge- 
schlechtsorgane zeigen vollkommene Ähnlichkeit mit denjenigen von 
CalUohothrium coronatum Diesing. Wie dort sind die zahlreichen 
Hodenbläschen (ca. 140) zu beiden Seiten einer freien medianen Zone 
in einfacher Lage angeordnet. Der Cirrusbeutel und das Vas deferens 
sind nicht vollständig entwickelt und es mündet ersterer im vorderen 
Drittel der Proglottis aus. Die weiblichen Geschlechtsorgane, die 
sich etwas später als die männlichen entwickeln , finden sich nur in 
der Anlage; doch kann man die Anordnung der einzelnen Organe 
und ihrer Leitungswege deutlich sehen. Die Vagina mündet vor dem 
Cirrus aus, sie läuft in der Mittellinie der Proglottis nach hinten, 
nimmt dort die Ausführgänge der beiden tiefgelappten Keimstöcke 
auf und wendet sich dann nach unten, eine kurze Strecke umhüllt von 
den Zellen der Schalendrüse. Nachdem sie die Dottergänge getroffen, 
geht sie nach einer kurzen Biegung nach oben , in den am meisten 
ventral gelegenen Uterus über , der bis zum Vorderrand des Gliedes 
reicht. 

Taenia dispar uno. Ichthyotaenia Lönnbergii zeigen nur wenige ge- 
meinsame Merkmale, die ihrerseits wieder nicht denselben allein eigen- 
thümlich sind. Es ist also nicht möglich sie als Amphibien taenien 
von den übrigen Taenien abzugrenzen, wie es für die Fisch- und 
Vogeltaenien versucht worden ist. Gemeinsam haben beide Taenien 
in der äußeren Form die undeutliche Strobilation. Der Scolex ist bei 
beiden nur mit vier Saugnäpfen bewaffnet. Von den inneren Verhält- 
nissen sind die verzweigten Queranastomosen der beiden Längsstämme 
des Wassergefäßsystems, die sich im Scolex in ein Netz von Gefäßen 
auflösen, ferner die Ausmündung der Vagina vor dem Cirrus, beiden 
gemeinsam. 

Taenia dispar Goeze zeigt in der Art der Ausmündung der Vagina 
vor dem Cirrus, sowie auch im Fehlen einer Vesicula seminalis, an 

11» 



184 

deren Stelle das aufgewickelte Vas deferens tritt, Fischtaenien- 
Charactere. Als solche sind auch die undeutliche Strobilation und 
die Bewaffnung des Kopfes mit nur vier Saugnäpfen aufzufassen. Die 
weiblichen Geschlechtsorgane zeigen in ihrer Stellung und Gestalt, 
wie auch in der Bildung der Eier und Eicysten eigenthümliche Ver- 
hältnisse, die sich nicht mit anderen Taenien in Beziehung bringen 
lassen. 

Anders lchtht/oiae?iia Lönnbe7-gn nov. spec, die, wie der Name 
schon sagt, eine Fischtaenie ist. Sie zeigt in der Topographie der Ge- 
schlechtsorgane fast vollkommene Übereinstimmung mit Calliobo- 
thrium coronatufnDiesing. L önnb e rg^ trennt wohl mit Recht die 
Fischtaenien von den übrigen als besonderes Genus ab, mit welchen 
sie »nicht viel mehr als die Sauggruben gemeinsam haben«. Suchen 
wir nach einem Platze, an dem dieses Genus untergebracht werden 
kann, so haben wir, wie die oben beschriebene Ichthyotaenie des 
deutlichsten zeigt, denselben eher in der Nähe von CaUiobothrium, als, 
wie Lönnberg will, von Tetrabofh7'tu?n zu finden, da ersteres Genus 
in der Anordnving der Geschlechtsorgane viel größere Ähnlichkeit mit 
den Fischtaenien zeigt. Die Scolices sind bei beiden complicierte Ge- 
bilde, bei Tetrabothrium allerdings etwas einfacher gebaut. 

Basel, den 21. Februar 1895. 

2. Die Molluskenfauna in den Gärten von Prag. 

Mitgetheilt von Franz de P. Blazka in Prag. 

eingeg. 27, Februar 1895. 

Meine vieljährige Beschäftigung mit dem Studium der Mollusken, 
speciell der böhmischen Schnecken und Muscheln, haben mich ver- 
anlaßt, meine Beobachtungen über Vorkommen und Verbreitung der- 
selben in Böhmen theil weise schriftlich niederzulegen. Sehr inter- 
essant ist auch die Molluskenfauna der großen Städte^ wovon bis jetzt 
nur wenig zur Kenntnis gekommen ist. 

Um nun die Anregung zur Theilnahme an diesen Bestrebungen 
in weitere Kreise zu tragen, gebe ich hier meine Beobachtungen von 
Schnecken in der Hauptstadt von Böhmen — Prag. 

Bis jetzt wurden folgende Arten in den städtischen Gärten von 
Prag gefunden : 

1) Amalia marginata Draparnaud. (Kielschnecke.) 
Grundfarbe des Thieres ist zart röthlichgrau, Kiel bis zum Hinterrande 
des Schildes verlaufend. Auf dem Schilde fließen die schwarzen Puncte zu 



1 E. Lönnberg, Über eine neue 'Tetrabothrium-S])ecies und die Verwandt- 
schaftsverhältnisse der Ichthyotaenien. Centralblatt für Bakteriologie u. Parasiten- 
kunde. 15. Bd. 1894. 



185 

zwei seitlichen, bogenförmigen Bändern zusammen. Auch ganz junge Thiere 
zeigen schon die Färbung der ausgewachsenen. Schleim ist weiß, sehr zäh. 
Länge 60 — 80 mm, Breite 6 — 9 mm. Aufenthalt: In Wäldern und Ruinen, 
unter Steinen und todtem Laube. 

Amalia marginata , eine der schönsten einheimischen Nacktschnecken, 
ist besonders durch den von der Schwanzspitze bis zum Schilde reichenden 
Rückenkiel ausgezeichnet. Sie findet sich nur im Vorgebirge und kommt 
nur unmittelbar nach warmem Regen zum Vorschein. In den Gärten von 
Prag habe ich manchmal einige Stücke gesammelt. 

2) Amalia gracilis Ley dig. 
Die Sohle ist zweifarbig. Körper des Thieres ist viel zarter als die 
Amalia marginata ; auch die bogenförmigen Bänder auf dem Schilde fehlen. 
Länge 50 — 60 mm, Breite 5 — 7 mm. Aufenthalt: An feuchten, schattigen 
Orten. Sie wurde wahrscheinlich in die Gärten mit den kultivierten Pflan- 
zen verschleppt, lebt aber jetzt ganz gut im Freien. An drei Orten in Prag 
gefunden , immer nur vereinzelt, da sie auch bei uns zu den seltensten 
Schnecken gehört. 

3) Limax agrestis Linné. (Egelschnecke.) 
Körper am Ende des Rückens stark gekielt. Runzeln des Körpers groß ; 
Sohle gelblichweiß, Schleim weiß, kalkreich. Länge 30 — 50 mm, Breite 5 
— 6 mm. Aufenthalt: In Gärten, Wäldern, Feldern und Wiesen. Limax 
agrestis j die gemeinste böhmische Nacktschnecke, legt den ganzen Sommer 
hindurch Eier. In feuchtwarmen Jahren vermehrt sie sich daher sehr stark 
und kann besonders in Gemüsegärten sehr schädlich werden. 

Die Varietät ohne Pigment, schön schneeweiß oder wenig angehaucht 
gelblich, stellen wir zu var. coneolor Uliò. Sie kommt nur sporadisch unter 
typischen Formen vor. 

4) Vitrina pellucida 'blviW.ex . (Glasschnecke.) 

Gehäuse gedrückt kugelig, grünlich; Gewinde groß, Umgänge drei, 
rasch zunehmend, an der Naht gefaltet. Länge 4 — 5 mm, Breite und Höhe 
3 mm. Aufenthalt : An feuchten, schattigen Orten, im Gebüsch, unter Stei- 
nen, todtem Laube, unter faulem Holze. In der Ebene ist das Gehäuse schön 
meergrün, in höheren Gebirgsgegenden meist farblos. Am häufigsten finden 
wir in den Gärten von Prag nur die ausgestorbenen Gehäuse, im Grase oder 
unter Steinen. 

5) Hyalinia glabra Studer. (Glanzschnecke.) 

Gehäuse sehr glatt, stark glänzend ; Nabel sehr eng , fast stichförmig. 
Breite 10 — 12 mm, Höhe 5mm. Aufenthalt: An feuchten, schattigen Orten, 
unter Steinen und todtem Laube. In Prag gefunden nur in den Baumgärten. 

6) Hyalinia celiarla Müller. 
Gehäuse niedergedrückt, unregelmäßig gestreift; Nabel ofi"en, ziemlich 
weit und tief. Aufenthalt: An Felsen und alten Mauern, an Quellen, in 
Kellern, unter faulem Holze , unter Steinen und todtem Laube. Diese Art 
ist unter den einheimischen Arten dieser Gruppe die größte ; ja manchmal 
finden wir Exemplare, welche die normalen Dimensionen weit übertreffen 
(Breite 16 mm) und die als forma major Ulic. bezeichnet werden. 



186 

7) HyaUnia nitens Michaud. 
Der letzte Umgang gegen die Mündung sehr rasch an Weite zunehmend 
und sehr stark herabgebogen. Breite 7 — 9 mm, Höhe 3 mm. Aufenthalt: 
In Wäldern unter Moos und todtem Laube. In den städtischen Gärten 
wurde sie einige Male gesammelt. 

8) Hyalinia Hammonis Ström. (== radiatula Gray). 
Gehäuse oben deutlich und dicht gestreift; Nabel eng und tief. Breite 
4 mm, Höhe 2 mm. Aufenthalt: In Wäldern unter todtem Laube. In dem 
Kin sky 'sehen Garten einige Stücke gefunden. 

9) HyaUnia [Vitrea] crystallina Mailer . (Krystallschnecke.) 
Gehäuse mit deutlich offenem Nabel, Breite 3 — 4 mm, Höhe 1,5 mm. 
Aufenthalt: Auf feuchtem Boden, unter Laub und Steinen, in lockerer, 
feuchter Erde, in der Nähe der Flußufer. Nur ausgestorbene Gehäuse, 
welche wahrscheinlich mit der Thonerde verschleppt wurden. 

10) Hyalinia [Zonitoides] nitida Müller. (Dolchschnecke.) 
Gehäuse dunkelbraun gefärbt. Breite 5 mm, Höhe 3 mm. Aufenthalt: 
Auf feuchten Wiesen , an Grabenrändern, unter Steinen und Blättern, in 
Erlenbrüchen und Ziegeleien. Sie gehört an geeigneten Örtlichkeiten zu den 
häufigeren Arten. 

11) Hyalinia [Conulus] fulva Müller (== Ernstia fulva) . (Kegelchen,) 
Gehäuse ungenabelt, Gewinde kegelförmig. Breite 3 mm, Höhe 3 mm, 
Aufenthalt: An feuchten Orten, in Wäldern und Gebüschen, unter der Rinde 
der Stöcke, unter todtem Laube. In der Ebene kommt sie nur selten vor. 

12) Arion subfuscus Fér. (Lyraschnecke.) 
Schild rothbraun mit dunkler Lyrazeichnung, die sich als dunkles Band 
an den Seiten des Körpers bis zur Schwanzspitze fortsetzt, aber häufig auch 
verwaschen ist; Schleim orangegelb. Länge 50 mm. Aufenthalt: In Wäl- 
dern, an feuchten Orten, unter Steinen und Laub. 

13) Arion Bourguignati Mabille. 
Farbe rein grau, Schild mit dunkler Lyrazeichnung, die sich als scharf 
begrenzte Seitenbinde bis zur Schwanzdrüse hinzieht. Unter dem dunklen 
Seitenbande stets ein breiter , heller Raum. Schleim der Sohle hell. Länge 
40 mm. Aufenthalt: In Wäldern und Gärten, unter Laub, in der Erde, an 
Pilzen und modernden Pflanzenresten. In den Gärten von Prag gehört diese 
Art zu den häufigsten aller Arionen. 

14) Arion empiricorum Férussac. 
Schleim weißlich. Länge bis 140 mm. Aufenthalt: In Wäldern (Buchen- 
wald), Gebüschen, Gärten, unter todtem Laube. In dem Strahover Garten 
kommt die rothe Varietät vor, welche wir als A. rufus L. bezeichnen. 

15) Arion hortensis Fér. 

Grundfarbe schmutzig schwärzlich, nach der Rückenmitte dunkler wer- 
dend, Schleim der seitlichen Sohlenfelder orangefarbig. Länge 40 mm. 
Aufenthalt : In Gärten , Baumgärten , auf Feldern , nicht im Walde , da die 
Thiere Kräuterfresser sind. 



187 

Diese seltene Art wurde bei uns bis jetzt nur in Prag gefunden; von 
anderen Örtlichkeiten Böhmens nicht nachgewiesen und wahrscheinlich mit 
Arion Botirguigiiati vertauscht. 

16) Arion Vej'dovski/i Bah. & Ks. 

Kleinste und zierlichste Art von böhmischen Arionen. Zuerst beschrie- 
ben von Jarow bei Zavist, beinahe 2 Stunden südlich von Prag, unweit 
der Moldau. Kommt nur vereinzelt auch in die Gärten der Hauptstadt 
Böhmens. 

17) Patida pt/fftnaea Dra^amdina. {Schüsselschnecke.) 

Gehäuse winzig klein. Breite 1,2 mm, Höhe 0,5 mm. Aufenthalt: 
In Wäldern, auf feuchten Wiesen, unter todtem Laube, unter Steinen, an 
faulem Holze. Eine der kleinsten aller Schnecken , wird nur wegen ihrer 
winzigen Gehäuse leicht übersehen. 

18) Paiula rotundata Müller. 
Gehäuse sehr niedergedrückt, mit rothbraunen, deutlichen Flecken. 
Breite 6 mm, Höhe 2,5 mm. Aufenthalt: In Wäldern und Ruinen, unter 
Steinen, unter Baumrinde und todtem Laube. Überall in den Gärten finden 
wir einige Stücke. 

19) Helix [Vallonta] pule/iella Müller. 
Gehäuse klein, glatt, weißlich; der letzte Umgang an der Mündung 
nicht herabgebogen. Breite 2,5 mm, Höhe 1,3 mm. Aufenthalt: Aufwie- 
sen, in Gärten, Hecken, Gräben, unter Steinen, im Grase. Gemein. 

20) Helix [Vallonia) costata Müller. 
Gehäuse mit starken, sehr regelmäßig gestellten, häutigen Rippen be- 
setzt; der letzte Umgang an der Mündung etwas herabgebogen. Größe und 
Aufenthalt : wie bei der vorigen Art. Zerstreut unter Exemplaren von Helix 
pulchella\ immer spärlich. 

21j Helix C/esstm Ulic. 
Gehäuse gelblichweiß, kugelig; Mundsaum scharf, mit sehr schwacher 
Lippe belegt. Breite 7 mm, Höhe 4,5 mm. Aufenthalt: Im Grase unter 
Gebüsche. Besonders am Strahon kommt diese Art häufiger vor. 

22) Helix hispida Linné. 
Gehäuse weit genabelt, mit kurzen gekrümmten Härchen bedeckt. Breite 
6 — 8 mm, Höhe 3,5 — 4,5 mm. Aufenthalt: In Wäldern, an Flußufern, 
Grabenrändern , in Gärten unter Gesträuch , unter Steinen und todtem 
Laube. Außerdem können wir unterscheiden: var. concinna Jeffreys, mit 
sehr wenig erhobenem Gewinde, Nabel weit, ofi"en. 

23) Helix rubiginosa Ziegler. 
Gehäuse eng genabelt, mit feinem , weißlichem Haarüberzug. Farbe 
braun. Breite 5 — 6 mm, Höhe 4 mm. Aufenthalt: An feuchten Orten, 
Bach-, Graben- und Sumpfrändern, auf nassen Wiesen, in Ziegeleien, unter 
Steinen und Ziegeln, an faulem Holze. Kommt zerstreut an einigen Orten 
in Prag vor. 

24) Helix strigella Draparnaud. 
Gehäuse gedrücktkugelig, weit genabelt, gestreift, mit weißlichem 
Band auf der Mitte des letzten Umganges. Breite 13 — 15 mm, Höhe 9 mm. 



188 

Aufenthalt: An trockenen, grasigen Orten, Laubhölzern, Gebüschen, 
Hecken. Helix strigella Drap, gehört nicht gerade zu den häufigeren Arten, 
tritt auch meist nicht in großer Individuenzahl auf. 

25) Helix fruticum Müller. 

Gehäuse kugelig, ofi"en und tief, aber ziemlich eng genabelt. Gewinde 
kegelförmig, sehr erhoben. Breite 18 — 20 mm, Höhe 15 — 18 mm. Auf- 
enthalt: In Wäldern, Gebüschen, an Flußufern, in Obstgärten. Die gebän- 
derten Stücke finden sich seltener als die ungebänderten. Diese Art ist eine 
keineswegs sehr häufige Schnecke ; in den Gärten von Prag besonders nur 
selten. 

26) Helix incarnata Müller. 

Gehäuse tief aber eng genabelt; Spindelrand zurückgeschlagen, jedoch 
den Nabel nur sehr wenig deckend. Mündung innen mit stark fleischrother 
Lippe belegt. Breite 12 — 15 mm, Höhe 7 — 9mm. Aufenthalt: In Wäldern 
und Gebüschen, unter todtem Laube, unter Steinen, an Mauern. 

Helix incarnata Müll, ist eine der gemeineren Arten auch in den städti- 
schen Gärten. 

27) Helix pomatia Linné. (Weinbergschnecke.) 
Außer der typischen Form finden wir auch Stücke mit höherem Ge- 
winde, welche als forma conoidea bezeichnet werden können. 

28) Helix hör tenus Müller. 
Die ungebänderten Exemplare kommen häufiger vor. Auch die braun- 
gelippte var. fuscolahiata Kreglinger einmal gefunden. 

29) Helix austriaca Mühlfeldt. 
Das fünfte Band sehr breit und sehr eng um den Nabel gelegt. Als 
Seltenheit wurde forma expallescens Zgl. gesammelt. 

30) Helix obvia Hartm. (= candicans Zgl.). 

Aufenthalt : Auf kurzgrasigen Wiesen , trockenen Heiden , an Stein- 
haufen unter Hecken und Gebüsch. Nur im Kinsky'schen Garten unweit 
Felder getrofi"en. 

31) Helix striata Müller (= costulata Zgl.) . 

Gehäuse kugelig, klein, mit radial gerippten Umgängen. Aufenthalt: 
An kurzgrasigen, sonnigen Abhängen. Nur am Marienschanz. 

32) Brdimimis obscurus Müller. (Thurmschnecke.) 
Gehäuse länglich - eiförmig , mit Nabelritz. Höhe 8 mm. Aufenthalt: 
An alten Mauern, Felsen, Baumstämmen. Nur sporadisch an einigen Orten 
in Prag. 

33) Cionella lubrica Müller. (Achatschnecke.) 
Gehäuse länglich-eiförmig, sehr glatt und glänzend. Höhe 5 mm. Auf- 
enthalt : An schattigen Orten, im Grase, unter Steinen, Moos, faulem Holze. 
Cionella lubrica ist wohl die gemeinste aller Gehäuseschnecken. Eine etwas 
schlankere und constant kleinere Form, var. exigua Mke. (= lubricella Zgl.), 
findet sich hier und da. Außerdem kann auch var. nitens Kok. angeführt 
werden. 

34) Cionella [Caecilianella] acicula Müll. (Blindschnecke.) 
Augen fehlend (rudimentär). Gehäuse sehr schlank, spindelförmig. 



189 

Höhe 4 — 5 mm. Aufenthalt: Die Schnecke ist lebend sehr selten gefunden 
worden. Wie es scheint^ lebt sie tief in der Erde, an morschem Holze, viel- 
leicht an Pflanzenwurzeln. Leere Gehäuse einige Mal in den Gärten von Prag. 

35) Pupa muscorum Linné. (Puppenschnecke.) 
Gehäuse eirund- walzenförmig. Höhe 2,5 — 3 mm. Aufenthalt: An 
trockenen , kurzgrasigen Orten , unter Hecken und Steinen , an Felsen und 
Mauern. Kommt nicht zahlreich vor. Die Form mit einem Zähnchen auf 
der Mündungswand dürfte als die typische zu betrachten sein; auch fehlt 
dieser Zahn : forma edentula Slav. 

36) Claiisilia laminata Montg. (Schließmundschnecke.) 
Gehäuse spindelförmig, fast glatt. Länge 15 — 17 mm. Aufenthalt : An 
moosigen Baumstämmen, Ruinen, feuchten, bemoosten Felsen, bei Regen 
steigend. In den Gärten nicht häufig. 

37) Claiisilia plicata Draparnaud. 
Länge des Gehäuses 15 — 16 mm. Aufenthalt: An alten Mauern und 
Felsen und unter todtem Laube. Nur am Strahow, vereinzelt. 

38) Claiisilia biplicata Montagu. 
Gehäuse dicht rippenstreifig, an der Naht weiß gestrichelt. Länge 16 
bis 17 mm. Aufenthalt: An Felsen , altem Gemäuer, unter Steinen und 
Baumrinden, unter todtem Laube und im Grase. Die gemeinste aller Clau- 
silien. Wir können von Prag auch noch die zwei Varietäten anführen, näm- 
lich var. albilamellaia Parr. und var. sordida Zgl. 

39) Succitiea oblonga Drap. (Bernsteinschnecke.) 
Gewinde verlängert , zugespitzt , fast die Hälfte der Gehäuselänge be- 
tragend. Länge 5 — 7 mm. Aufenthalt: Feuchte Orte in der Nähe des Wassers, 
an Grabenrändern, unter Steinen und Hecken. Wahrscheinlich mit der 
Dammerde in die Gärten verschleppt. 

40) Planorbis umbilicatus Müll. (= marginattis Drap.). (Tellerschnecke.) 
Letzter Umgang doppelt so breit als der vorletzte , mit stumpfem Kiel, 
welcher sich fadenförmig sehr tief am letzten Umgang ansetzt. Breite 10 
bis 14 mm. Aufenthalt: In stehenden Gewässern aller Art. Nur in dem Gar- 
ten des ehemaligen alten Museums gefunden , da aber zahlreiche Individuen 
(besonders Junge). 

41) Planorbis crista Linné. 
Gehäuse sehr klein, in regelmäßigen Zwischenräumen mit wulstigen 
Rippen versehen, die sich am Rande zu mehr oder weniger vorspringenden, 
häutigen Schuppen erheben, welche dem Kiel kammartig aufsitzen. Breite 
2 mm. Aufenthalt: In stehenden Gewässern, an Wasserpflanzen, besonders 
an Conferven. Im botanischen Garten der Universität in künstlichen Bassins, 
an der Unterseite der Wasserpflanzen. Nachdem verschleppt. 

42) Sphaerium [Caliculina) lacustre Müll. (Häubchenmuschel.) 

Muschel wenig aufgeblasen , etwas ungleichseitig ; sehr dünnschalig 

und zerbrechlich. Wirbel fast genau mittelständig , röhrenartig verlängert, 

mit sehr deutlich abgesetztem Wirbelhäubchen geschmückt. Aufenthalt : 

In schlammigen Gräben iind Lachen, Auch nur in dem Garten des Museums. 



190 

43) Pisìdium foìitinale C. Pfeifif. (Erbsmuschel.) 
Muschel eiförmig, Wirbel etwas vom Hinterrande entfernt. Länge 
3 — 4 mm. Aufenthalt: In Gräben und langsam fließenden Gewässern, in 
Lachen und Teichen. In der Pfütze der Museumsgärten sehr zahlreich. 

Die Molluskenfauna von Prag ist daher durch 43 Arten und 
11 Varietäten vertreten. Doch steht allerdings zu erwarten, daß mit 
der stets weiter fortschreitenden Cultur , der Regulierung zu Bau- 
plätzen etc. manche Arten zuletzt vom Boden der Hauptstadt Böhmens 
gänzlich verschwinden werden. 

Pra^, Böhmen, am 27. Februar 1895. 

II. Mittlieilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Grofsen 

Plöner See*. 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 

eingeg. 30. April 1895. 

VII. 

Am 1. April war, wie das anhaltende Thauwetter voraussehen 
ließ, die ganze Oberfläche des Sees wieder eisfrei. Nur in der Nähe 
der Biologischen Station hielten sich einige Schollenreste noch kurze 
Zeit. Die Eisbedeckung währte im Ganzen 56 Tage; sie begann aui 
27. Januar und endigte am 24. März. 

Die Zählungen ergaben für den Aprilmonat was folgt: 

a. 

Datum: 1. April 1895. Wassertemperatur: l°Cels. 

Volumen: 13,3 ccm (unter 1 qm). 

Gymnodinium fuscum 88313 

Synchaeta tremula 1460 100 

* * 

Melosira-FMew 1042 525 

Fragilaria crotonensis 482 725 

Diatoma tetiue, var. elongata .... 400 350 

Synedraulna 178 980 

Synedra delicatissima 323900 

Aster ionella gracillima 4838315 

Zurücktretende Species : 
Dinohryoti stipitatum, Eudorina elegans , Polyarthra platyptera, 
Hyalodaphnia cristata, Bosmina lotig ir o stris , Cyclops oithonoides, Lar- 
ven desselben, Diaptomus graciloides^ Eurytemora lacustris. — Stepha- 
nodiscus astraea^ var. spinulosa (66 150) und Fragilaria capucina. 



1 VgL die vorhergehenden Zählprotokolle in No. 464, 466, 468, 469, 471 und 
472 dieser Zeitschrift. Z. 



191 

b. 

Datum: 10. April 1895. Wassertemperatur: 3,7° Cels. 

Volumen: 15,7 ccm (unter 1 qm). 

Dinohryoii stipitatum 98125 

Synchaeta tremula 2 884 875 

Cyclops oithonoides 157000 

* * 

» Melosira-Yi.àexi 4 023125 

Fragil, er otonensis 333625 

Diatoma tenue ^ var. elong ata . . . . 1 499 350 

Synedra delicatissima 706500 

Asterionella gracillima 6652500 

Zurücktretend und vereinzelt: 
Eudorina elegans ^ Gymnodhiium fuscum, Ceratium Jiirundinella 
(19 625), Synchaeta pedinata , Polyarthra platyptera^ Anuraea aciileata^ 
Larven von Cyclops oithonoides (23 550), Eurytemora lacustris. — Ste- 
phanodiscus astraea^ var. spinulosa, Fragil, capucina und Synedra Ion- 
gissima. 

C. 

Datum: 20. April 1895. Wassertemperatvir: 5,8°Cels. 

Volumen: 78,5 ccm (unter 1 qm). 

Dinohryon stipitatum 78500 

Ceratium hiruiidinella 88967 

Synchaeta tremula 1805000 

Polyarthra platyptera 86 350 

Cyclops oithonoides 96817 

* * 

Melosira-FMQn 8 556 000 

Stephanodiscus astraea 157000 

Fragil, er otonensis 1256000 

Fragil, capucina 549 500 

Diatoma tenue^ var. elongata .... 8 949 000 

Synedra longissima 628000 

Synedra delicatissima 2983000 

Asterionella gracillima 9106000. 

Zurücktretend: 

Eudorina elegans (26 167), Gymnodinium fuscum^ Synchaeta pecti- 
nata, Triarthra longiseta., Anuraea cochlearis, HyalodapJinia eristata, 
Larven von Cyclops oithonoides (10 467), Diaptomus graciloides, Eury- 
temora lacustris. 

Der Betrag von 7,9 ccm für 1 qm Seefläche (bei 40 m Fangtiefe) 
ist der niedrigste' seit dem 1, October 1894. Am 20. Februar d. J. war 
das quantitative Ergebnis noch doppelt so groß (16 ccm). Der 1. März 
bezeichnet somit das Datum der höchsten Planktonarmuth für den 
Großen Plöner See. Von da an ist aber die Zunahme groß und augen- 
scheinlich, wie ein Blick auf die nachstehenden Volumenziffern be- 
weist: 



192 

1. März 7,9 ccm 

10. » 10,0 » 

20. » 12,0 » 

1. April 13,3 » 

10. » 15,7 » 

20. )) 78,5 » 

27. » 97,0 » 

Es ist namentlich die außerordentlich üppige Vermehrung der 
limnetischen Bacillariaceen, wodurch das Volumen sich im Laufe 
des April um etwa das Siebenfache vergrößert hat. Die 3 numerisch 
zahlreichsten Species verhalten sich in dieser Beziehung wie folgt: 

Melosira laemssima: Diatoma tenue: Asterionella ffracülima: 

I.April 1042 525 400 350 4 838 315 

10. April 4 023 125 1499 350 6 652 500 

20. April 8 949 000 8 949 000 9 106 000 

Obige Ziffern bezeichnen die Menge der Fäden, Zickzack-Ketten 
und Sterne, unter deren Form die Einzelzellen der betreffenden Spe- 
cies, in einer gewissen durchschnittlichen Anzahl vereinigt, aufzu- 
treten pflegen. Bei Melosira beträgt dieselbe für jeden Faden 10 — 20, 
bei Diatoma für jede Kette 8 — 15, bei Asterionella iüx '^eàew Stern 
6 — 8. Jede der oben mitgetheilten Mengenziffern müßte also noch 
mit dem entsprechenden Coëfficienten multipliciert werden, wenn die 
Zahl der unter 1 qm vorhandenen Individuen festgestellt werden soll. 

Noch größer als im See selbst gestaltet sich die Bacillariaceen- 
Production in den vom Hauptbecken mehr oder weniger abgeschlosse- 
nen Buchten. Dies zeigte sich am 10. April bei einer Prüfung des 
wenig tiefen Vierer Sees, der durch einen schmalen, kurzen Canal 
mit dem Großen Plöner See verbunden ist. Ein Fang aus nur 5 m 
Tiefe ergab dort 47 Millionen Melosira-Y'é.àen und 9 Millionen Sterne 
von Asterionella. Eine bloß durch vorgelagerte Inselchen (sogenannte 
Werder) vom Hauptsee geschiedene Bucht (der Bischofs-See] lieferte an 
demselben Tage unter den gleichen Verhältnissen für 1 qm 44^/2 Mil- 
lionen Synedra delicatissima, 5 Millionen Diatoma tenue, 2 1/2 Millionen 
Asterionella, 1 y2 Millionen Synedra delicatissima und 1 Million Syne- 
dra ulna. Dazu auch noch 800 000 Stück il/(e/oÄ^ra-Fäden. Was das 
heißt , läßt sich am besten durch einen Vergleich mit der Production 
im Hauptbecken ermitteln, welches am nämlichen Tage (10. April) 
bei derselben Fangtiefe (5 m) nur 35 326 Stück Synedra delicatissima, 
123 641 Rollen von Diatoma, 276 713 Sterne von Asterionella und 
129 500 3/e/o«Va-Fäden für die Flächenheit ergab. 

Die Erzeugung limnetischer Bacillariaceen in den Buchten ist 
somit eine ganz erstaunliche , wie ich durch den unmittelbaren Ver- 
gleich festzustellen in der Lage war und es ist sehr wahrscheinlich, 
daß ein großer Theil dieses Reichthums gelegentlich durch Strömun- 
gen in den freien See hinausgeführt wird , um dort einen plötzlichen 
starken Zuwachs für die daselbst schon vorhandene mikroskopische 
Lebewelt zu bilden. 



193 

Eine ganz analoge Thatsache hat V. H e n s e n 2 in Betreff des 
Meeres beobachtet. Es handelte sich dort aber nicht um Bacillaria- 
ceen, sondern um Limnochlide flos aquae, eine jener Phycochromaceen, 
welche das sogenannte »Blühen« des Wassers hervorrufen, llensen 
fand diese Alge im Stettiner Haff so gewaltig wuchernd vor, daß er 
1,76 Millionen Zellen für den Quadratmeter nachweisen konnte. 
Wenige Tage später fieng er dann bei Fehmarn in der westlichen Ost- 
see 10 Millionen solcher Zellen unter 1 qm, und die grünen aus dem 
Stettiner Haff entweichenden Ströme ließen sich noch S Seemeilen 
von der nächsten Haffmündung (bei den Greifswalder Oie) deutlich 
wahrnehmen. Es werden somit nicht bloß Bacillariaceen, sondern ge- 
geleutlich auch andere Gattungen von Algen massenhaft in dem 
engeren Bezirk einer Bucht erzeugt und dann auf weite Entfernungen 
hin durch das Einsetzen des Windes verbreitet. 

2. Biologische Anstalt auf Helgoland. 

Diejenigen Herren Fachgenossen, die im laufenden Jahre einen 
Arbeitsplatz in der Biologischen Anstalt wünschen, bitte ich sich mög- 
lichst bald an mich zu wenden unter Angabe, wann und wie lange sie 
hier zu arbeiten gedenken. Die Benutzung der Arbeitsplätze ist im 
Allgemeinen kostenfrei, jedoch hat jeder Benutzer dem Bibliotheks- 
fonds der Anstalt eine angemessene Zuwendung im Betrage von min- 
destens zehn Markfür jede Nutzungszeit bis zu drei Monaten zumachen. 
Außerdem ist ein Theil der gelieferten Chemikalien und Arbeitsuten- 
silien der Anstalt nach dem Selbstkostenpreise zu ersetzen. In der 
Anstalt sind 4 Arbeitsplätze verfügbar, vom August d. J. an wahr- 
scheinlich 6 bis 7. Im vorigen Jahre haben 14 Zoologen und Botaniker 
hier gearbeitet. 

Der Director der Anstalt. 
Heincke. 

3. Zoological Society of London. 

2nd April, 1895. — The Assistant-Secretary read a report on the 
additions that had been made to the Society's Menagerie during the month 
oi' March 1895. — The Acting-Secretary, Mr. Howard Saunders, exhi- 
bited, on behalf of Lord Lilf o r d, a specimen of the American Wigeon lately 
obtained in Yorkshire by Sir R. Payne-Gallwey, Bart. — Mr. H. E. Dres- 
ser, P\Z.S. , exhibited and made remarks on Dr. Radde's types of Picus 
quadrifasciatus and Lanius obscurior from the Caucasus. — Mr. Holding 
exhibited and remarked on some Horns of Cattle , which showed a singular 
variation in colour. — Mr. B o ul enger exhibited the type specimens of 
two new Chameleons from Usambara, German East Africa. Special interest 
attached to them from the fact that they appeared to be more nearly related 
to the Madagascar species than to any of the numerous forms now known 
from Continental Africa. — Mr. Walter E. Collin ge, F.Z.S., read a paper 
on »The Sensory Canal System of Fishes« , treating of the morphology and 
innervation of the system in the Physostomous Teleostei. Descriptions were 
given of eight species referable to seven genera in the families Siluridae, 

2 Vgl. Die Expedition in der östlichen Ostsee. 6. Ber. d. Commission z. wissen- 
schaftlichen Unters, der deutschen Meere, 18S7/89. p. 119. 



194 

Esocidae, Salmonidae and Muraenidae. — Dr. Mivart, F.R.S., read a paper 
descriptive of the skeleton in Lorius ßavopalliatus, comparing it with that of 
Psittacus erithacus , and pointed out a number of differences in detail. — 
Mr. G. A. Boulenger, F.R.S., made remarks on some cranial characters 
of the Salmonoid Fishes, and expressed the opinion that there was no justi- 
fication for separating Coregonus and Thymallns from the Salmonidae as had 
been proposed by Cope and Gill. — Prof. T, W. Bridge read a paper in 
which he pointed out certain features in the skull of Osteoglossum. The 
author directed attention to the existence of a peculiar oral masticatory me- 
chanism in Osteoglossum formosum^ distinct from that furnished by the upper 
and lower jaws and their teeth. The mechanism consists of a linear series 
of opposable teeth implanted in the oral surface of each mesopterygoid and 
a small cluster of teeth supported by the parasphenoid. By the lateral slid- 
ing motion of the proximal elements of the mandibular arch (metapterygoids) 
on a pair of special horizontally disposed condyles furnished by the para- 
sphenoid the two series of mesopterygoid teeth become capable of alternation, 
approximation , and separation in the median line of the oral cavity. The 
masticatory action of the mesopterygoid may also be supplemented by the 
vertical movements of the well-known dentigerous »tongue«. The existence 
of an essentially similar mechanism in the Ganoid Lepidosteus osseus is also 
described, and the conclusion suggested that the two genera ofi'er in this 
respect an interesting example of parallelism in evolution. — P. L. Scla- 
ter, Secretary 

4. Malacological Society of London. 

April 19th 1895. — Dr. H. Woodward, F.R.S., Vice-President, in 
the Chair. In addition to specimens in illustration of papers, the following 
were shown : a series of Mollusca from a Pleistocene deposit at Crayford, 
by Mr. A. S. Kennard; two species of E's^Äer/o from Persia and S.Algeria, 
by Mr. S. Pace; specimens from a Pleistocene deposit at Chelmsford, by 
Mr. W. M. Webb; a distribution Chart of Clausilla , by E. R. Sykes. — 
The following communications were read: — 1) On some new species of 
British Mollusca from the »Triton« Expedition, by H. K. Jordan. — 2) The 
Anatomy of Natalina caffra, Fér, By M. F. Woodward. — 3) Descriptions 
of new species of Mollusca of the genera Bullia , Mangelia^ Trochus, etc., 
from the Mekran Coast, by G. B. So wer by. — 4) List of Land and Fresh- 
water Mollusca from New Providence Isle, Bahamas, by W. Bendali. — 
5) Notes on two cases of the transport and survival of Terrestrial Mollusca in 
the New Forest, by T. Leighton. — E. R. Sykes, Hon. Sec. 

5. 3ooJiorinecKoe OT;i.t.JieHÌe IlMiiepaTOpcKaro Oóm,ecTBa .IroóHTe- 

JieÄ EcTeCTBOSHania, ÀHTponO.lOrÎH II 9TH0rpa(|)ÌH. (Zoologische Ab- 
theilung der kaiserlichen Gesellschaft der Freunde der Naturwissenschaften, 
Anthropologie und Ethnographie.) 
Sitzung des 7. (19.) Februar 1895. — iL II. me-iKaHOBiüeBt (J. P. 
Schelkanovzew) machte eine Mittheilung über die Mundtheile von Pulex 
irritans. Es gelang dem Referenten folgende neue Thatsachen zu beobach- 
ten: 1) im Labium existieren, entgegen den Beobachtungen von Landois, 
sowohl Längs- wie Quermuskeln ; 2) jede Mandibula hat das Aussehen eines 
dünnen Rohres , dessen äußere Wand convex , die innere aber concav ist ; 



195 

3) die Basis jeder Maxilla erscheint als ein Ring, der nach oben vorgezogen 
ist und eine Fortsetzung der inneren unteren Wand der Maxiila bildet; 

4) es existiert ein besonderer hervorschiebbarer Apparat der Mundwerkzeuge 
in Form von drei Chitinplatten , an deren obere Enden die Mandibeln (an 
die seitlichen) und das Labium (an die mittlere) befestigt sind. Diese 
Platten sind eine Verdickung des Vorderrandes des basilaren Theiles des 
Kopfes. 

M. A. KoateBHHKOBa (M. A. Kogevnikowa) sprach über die em- 
bryonalen Dorsalorgane der Crustaceen, speciell Sphaeroma serratum. (Siehe 
Zool. Anz. No. 472.) 

A. A. THXOMiipOB'B (Prof. A. Ti cho miro w) machte eine Mittheilung 
über die Afterfüße der Schmetterlingsraupen. Referent zeigte 1) daß das 
von ihm zuerst beschriebene (Cornalia sprach nur davon, daß die Mitte 
der Sohle sich in Gestalt eines Bläschens hervorstülpen kann, aber gar nicht 
von einem Polster, welches in der Reihe der Klauen steht) Polster zwischen 
den Klauen auf der Mitte des Innenrandes der Sohle eines jeden Afterfußes 
bei Bombyx mori durchaus nicht als die Stelle angesehen werden kann, 
welche neue Klauen entstehen läßt, wie dieses Verson voraussetzt, da die 
das Polster stützenden Chitinstäbchen, welche das Ansehen nicht entwickel- 
ter Klauen haben , bei der Häutung abgeworfen werden ohne jegliche Ver- 
änderung; 2) daß die rudimentären Klauen des Außenrandes der Sohle 
nicht nur im ersten Wachsthumsalter beobachtet werden, sondern auch nach 
der ersten und zweiten Häutung. 

Sitzung des 26. Februar (10. März) 1895. — A. A. THXOMHpOBi., 
A. H. Kop^arHHt h V. A. Ko2teBHHKOBi> (Prof. A. A. Tichomirow, 
A. N. Kortschagin und G. A. Kogevnikow) machten Mittheilungen 
über die zoologischen Sammlungen, die von Dr. N. W. Sliunin (H. B. 
Cjtiohiih^) an den Küsten von Kamtschatka und an den Commander- 
Inseln für das zoologische Museum der Moskauer Universität gesammelt 
waren. 

H. H. MaKapOBX (N. N. Makarow) machte eine Mittheilung über 
die Bildung neuer Segmente bei den Oligochaeten. Die Beobachtungen des 
Referenten an Tubifex Bonneti führten ihn zu folgenden Schlußfolgerungen. 
1 ) In der Höhe des Anus bildet das Entoderm zwei hohle Auswüchse, von 
denen in den Raum zwischen Ento- und Ectoderm besondere Zellen hinein- 
wachsen, welche den ersten Anfang des Mesoderms vorstellen. 2) Beim Schlie- 
ßen des Darmes und der Körperwand schnürt sich der obere Theil des primären 
Darmes ab, verliert seinen Hohlraum und geht in eine massive Zellenmasse 
über, welche in dem Raum zwischen Darmwand und der Körperwand ein- 
gelagert ist. 3) Im selben Stadium verdickt sich das Ectoderm, in Folge 
Vermehrung der Zellen, auf der Bauchseite und wird mehrschichtig. Einzelne 
Zellen an den Seiten der Mittellinie, die sich durch ihre Größe auszeichnen, 
treten aus dem Ectoderm in' s Innere hinein und lagern sich an den Seiten 
in Gestalt zweier Häufchen. Sich ferner vermehrend, bilden sie zwei Zellen- 
polster, welche der Körperwand eng anliegen, aber von dem Darm durch 
einen breiten Sinus getrennt sind, und offenbar die vom Ectoderm herein- 
gewachsenen Zellen nach oben und innen drängen. 4) Auf der mittleren 
Bauchlinie, zwischen zwei Seitenpolstern, bildet sich eine Ectodermver- 
dickung, welche mit der weiteren Entwicklung mehr und mehr sich in's 
Innere hineinstülpt und den Anfang der Ganglienkette vorstellt. Nach Ab- 



196 

schnürung derselben vom Ectoderm vereinigen sich mit ihr von den Seiten 
und von oben die Zellenmassen , welche offenbar aus den unteren Enden 
der Mesodermpolster sich differenzieren. 5) Die Anfangs massiven Meso- 
dermpolster erhalten in Folge Auseinandertretens der Zellen je zwei Höh- 
lungen in ihrem oberen und mittleren Theil, deren weiteres Auswachsen zur 
Bildung der Körperhöhle führt. 6) Gleichzeitig mit der Bildung der Körper- 
höhle entsteht in der Zellenmasse , welche zwischen Darm und Körperwand 
liegt, ein Raum, der mit dem obenerwähnten Sinus , welcher den Darm von 
unten und von den Seiten umgiebt , zusammenfließt, so daß das Entoderm 
von allen Seiten vom Sinus umgeben erscheint. 7) In Folge Erscheinens 
von Septen differenziert sich der Sinus auf der Oberseite in das Rücken- 
gefäß , an den Seiten und unten verwandelt er sich in die Capillaren des 
Darmcanals. Was aber das Ba^uchgefäß anlangt, so trennt sich dieses vom 
unteren Theil des Sinus ab noch lange vor Auftreten der ersten Spuren der 
Körperhöhle. 8) Die innere Auskleidung des Blutgefäßsystems stammt 
offenbar von den Zellen des primären Mesoderms her (das aus dem Ento- 
derm entstand), während die sogenannten Chloragogenzellen aus der Peri- 
tonealschicht , d. h. aus dem secundären Mesoderm (welches aus dem Ecto- 
derm entstand), herrührten und nichts Anderes vorstellen, als ein verändertes 
Endothel der Körperhöhle. 

6. Demande. 

MM. Wl. Schimké witsch, Prof. de Zoologie, et D. Pédaschenko, 
conservateur, à l'Université de St. Pétersbourg demandent des Copépodes 
parasites en échange des invertébrés divers de la mer Blanche. 

III. Personal-Notizen. 

Graz. Dr. August von Moj siso vi -"s hat den Titel und Charakter 
eines k. k. ord. öff. Professors der technischen Hochschule erhalten. 

Neapel. Herr Dr. P. Schiemenz hat die Stellung als Bibliothekar 
an der Zoologischen Station in Neapel aufgegeben. Sein Nachfolger wird 
Herr Dr. E. Schöbel sein. 

Dr. R. Hanitsch, bisher Demonstrator of Zoology in University 
College, Liverpool, ist zum Director des Museums und der Bibliothek zu 
Singapore ernannt worden, und erbittet von Ende Mai ab Zuschriften unter 
der Adresse »Raffles Library and Museum, Singapore«. 

Necrolog. 

Am 17. Januar starb in New York City George N. Lawrence, der 
ausgezeichnete Ornitholog. 

Am 29. Januar starb in Levallois-Perret Charles Frédéric Girard, der 
vortreffliche Ichthyolog und Herpetolog , welcher 1847 mit L. Agassiz 
nach Nord- Amerika gegangen und seit 1850 an der Smithsonian Institution 
thätig war. Er war am 9. März 1822 in Mühlhausen geboren. 

Am 26. März starb in Philadelphia Professor John Adams Ryder, der 
bekannte verdienstvolle Embryolog. Er war 1852 in London, Franklin Co, 
Pennsylvania, geboren. 

Am 5. Mai starb in Genf Prof. Carl Vogt (geb. 5. Juli 1817), der 
bekannte Naturforscher. 

Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVm. Jahrg. 27. Mai 1895. No. 476. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilnngen. 1. Bömer, Drei neue Gordiiden von Borneo 
und Halmaheira. 2. Petersen, Hat die Ostsee einen echten Schollenbestand? 3. Bröleinann, 
Haplosomum Strubelii Verhoeif. 4. Terhoeflf, Aphorismen zur Biologie, Morphologie, Gattungs- und 
Art-Systematik der Diplopoden. II. Jlittheil. aus SInseen, Instituten etc. 1. Zoological Society 
of London. 2. Malacological Society of London. III. Personal-Notizen. Necrolog. Berichtigung. 
Litteratnr. p. 173— 1S4. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Drei neue Gordiiden von Borneo und Halmaheira. 

Von Dr. phil. F. Römer, Assistent am zoologischen Institut der Universität Jena. 



Die von Herrii Professor Kükenthal auf seiner Molukken-E,eise 
gesammelten Gordiiden , welche mir freundlichst zur Bearbeitung 
überlassen waren, erwiesen sich als drei neue Species, die ich hier 
kurz characterisieren will. Die ausführliche Beschreibung mit Ab- 
bildungen soll später folgen. 

1) Chordodes baramensis Ç, nov. spec, 
vom Barumfluß an der Nordküst-e Borneos; aus dem Ab- 
domen einer Mantide. 

Das vordere Körperende ist stark verjüngt. Nach hinten zu wird 
der Körper allmählich dicker und erreicht etwa auf dem ganzen vierten 
Fünftel seiner Gesammtlänge den größten Durchmesser, um dann 
wieder ein wenig an Dicke abzunehmen. Er endet mit einer knopf- 
förmigen Anschwellung, die nach der Bauchseite umgebogen ist. 
Die Endfläche bildet eine Grube, in deren Mitte auf einer helleren 
Erhebung die Genitalöffnung liegt. 

Die Länge des Wurmes beträgt 263 mm, der größte Durchmesser 
2,2 mm, die Farbe ist schwarzbraun; das Vorderende sowie die Unter- 
seite etwas lichter gefärbt, die äußerste Spitze des Kopfendes fast 
weiß. Eine dunklere Rücken- und Bauchlinie ist vorhanden. 

Die ganze Oberfläche ist dicht mit Papillen bedeckt, Papillen von 

12 



198 

verschiedener Gruppierung, nicht aber von verschiedener 
Größe. Alle haben dieselbe Form eines abgestutzten Kegels mit 
mäßig verbreiterter oder auch verjüngter Spitze und sind unregelmäßig, 
aber ziemlich dicht über die ganze Oberfläche vertheilt. Sie stehen zer- 
streut, d.h. einzeln oder in ungleichen und unregelmäßigen Gruppen, 
in welchen eine Anzahl von sechs bis acht oder zehn Papillen dicht 
neben einander stehen und sich fast mit ihren Längsseiten berühren. 
Diese Gruppenpapillen unterscheiden sich aber weder in der 
Form noch in der Größe von den Einzelpapillen. Am Scheitel 
vieler erscheint ein Kranz von durchsichtigen Haaren, welche schopf- 
artig aus der Mitte hervorragen und kaum die halbe Länge der Pa- 
pillen erreichen. 

Characteristisch ist die Art und Weise, wie die Papillengruppen 
sich in der Bauch- und Rückenlinie anordnen. Erstere wird durch zwei 
Reihen von Papillengruppen gebildet, welche in der Mitte den nur 
mit Einzelpapillen besetzten Bauchstrang zwischen sich fassen und 
ihn »wie die Pappelreihen längs einer Chaussee« begleiten. Letzterer 
kommt durch vier bis fünf longitudinal verlaufende Reihen von Pa- 
pillengruppen zu Stande. 

Eine derartige Gruppierung der Papillengruppen in der Rücken- 
und Bauchlinie ist bisher nur von Möbius^ bei dem Chor do des pilo - 
sus aus Angostura und von Grenacher^ bei dem Chordodes or- 
natus von den Philippinen beschrieben worden. Mit letzterem zeigt 
der Chordodes baramensis auch in seinem ganzen Habitus große Ähn- 
lichkeit und ist unstreitig mit ihm nahe verwandt. Chordodes ornatus 
hat aber Papillen von zweierlei Größe, kleinere Einzelpapillen und 
größere Gruppenpapillen, von denen die beiden centralen besonders 
kräftig und groß sind. Aber die übereinstimmende Form und Größe 
der Einzelpapillen , die bisher noch bei keinem einzigen Gordius be- 
obachtet worden ist, halte ich für so außerordentlich characteristisch, 
daß an eine Identificierung mit den anderen Gordiiden des malayischen 
Archipels nicht gedacht werden kann und daher die Aufstellung einer 
neuen Species berechtigt ist. 

Diesen ersten bekannt gewordenen Gordiiden Borneo's vom 
Baramfluß nenne ich Chordodes baramensis. 

2) Chordodes compressus $, nov. spec, 
ebenfalls vom Baramfluß an der Nordküste Borneos. 

Obschon aus demselben Gebiet wie die vorige Art, ist er doch 

* K. Möbius, Chordodes pilosus, ein Wurm aus der Familie der Gordiaceen, 
in: Zeitschr. f. wiss. Zool. 1855. 4. Bd. p. 428. 

- H. Grenacher, Zur Anatomie der Gattung Gordius. in: Zeitschr. f. wiss. 
Zool. 1868. 18. Bd. p. 322. 



199 

in Folge seiner gänzlich verschiedenen Körperform und Größe einer 
anderen Species zuzurechnen. Der Körper ist dorsoventral abge- 
plattet und stellt ein schmales Band mit abgerundeten Seiten dar. Die 
beiden Körperenden sind stark verjüngt, denn die Breite der Mitte be- 
trägt 1 mm, die des Körperendes aber nur etwa 0,2 mm. Die Dicke 
mißt 0,5 mm und die Gesammtlänge 178 mm. Das Hinterende ist 
abgerundet, leicht nach unten gekrümmt und endet ohne jegliche 
Anschwellung. Die Farbe ist hellbraun, das Kopfende ein wenig 
lichter. 

Die Haut hat zwei Sorten von Papillen aufzuweisen, welche sich 
bei schwacher Vergrößerung als feine dunkle Pünctchen und Flecke 
auf dem hellbraunen Untergrunde abheben. Bei schärferer Vergröße- 
rung erweisen sie sich als Einzelpapillen und Papillengruppen, von 
denen erstere die ganze Oberfläche des Körpers dicht und gleichmäßig 
bedecken, während letztere unregelmäßig mit größerem oder ge- 
ringerem Abstände dazwischen gelagert sind. Auch hier besteht kein 
Größenunterschied zwischen den Einzelpapillen und den Papillen der^ 
Gruppen; sie sind zwar erheblich kleiner als die Papillen des Chor- 
dodes haramensis aber im Ganzen doch alle gleich groß. Ihre Höhe 
nimmt an dem Körperende allmählich ab, so daß die äußersten 
Spitzen nur von ganz niedrigen Schüppchen bedeckt sind. Eine 
Rückenlinie ist nicht vorhanden, wohl aber ein Bauchstrang, an wel- 
chem sich zwei Reihen von Papillengruppen in ähnlicher Weise 
ordnen wie bei CJwrdodes haramensis\ auch sie begleiten den Bauch- 
strang »wie die Pappelreihen eine Chaussee«. Zwischen den Papillen 
stehen hier und da durchsichtio^e , haarartio^e Fortsätze und auf den 
Papillen vielfach ein Kranz von kurzen, durchsichtigen Borsten. 

Chordodes compressus ist somit der zweite Gordiide von Borneo, 
welcher dem ersten in Folge der gleichen Papillen allerdings sehr nahe 
steht, sich aber von ihm wesentlich unterscheidet durch die geringere 
Größe, die abgeplattete Körperform, den Mangel einer Kückenlinie. 

3) Chordodes molu/ckanus Q , nov. spec, 
von Soa Konorra an der Nordostküste Halmaheiras. 

Das Vorderende ist stark verjüngt, das Hinterende kaum merk- 
lich dünner als der übrige Körper und endet abgeri^ndet ohne jegliche 
Anschwellung. Die GenitalöfFnung liegt terminal in der Mitte eines 
hellen, runden Bezirkes. Der Körper ist ebenfalls dorsoventral ab- 
geplattet, seine Breite beträgt 1,3 mm, seine Dicke dagegen nur 
0,6 mm, die Länge beträgt 172 — 218 mm. Die Farbe ist gleichmäßig 
hellbraun; nur die äußerste Spitze des Kopf- und Schwanzendes, das 
Genitalfeld, fast weiß. Auf der Rücken- und Bauchseite verlaufen 

12* 



200 

deutliche Längslinien, die sich bei Betrachtung mit der Lupe als zwei 
seichte Rinnen erweisen und den Körper auf seiner ganzen Länge 
begleiten. Sie endigen am Rande des hellen Bezirkes, in dessen Mitte 
die GenitalöfFnung liegt. Durch die Färbung werden diese Linien 
nicht hervorgerufen, ebensowenig durch eine dichtere Ansammlung 
der Papillen. 

Die ganze Oberfläche ist mit einer einzigen Sorte von Papillen 
bedeckt. Es sind niedrige, warzige Erhebungen, von durchweg runder 
Form, die außerordentlich dicht stehen und sich mit ihren Basen 
berühren. Zwischen ihnen findet man ganz vereinzelt kleine, leicht 
gekrümmte, durchsichtige Borsten. 

Bezüglich seiner einförmigen Papillen hat der Chordodes moluk- 
hanus Ähnlichkeit mit dem Chordodes gratianopolensis von Ceylon, 
aber ihre Form ist eine regelmäßigere und ihre Vertheilung eine viel 
dichtere. Auch haben beide sonst nichts mit einander zu thun, denn 
das Weibchen des Chordodes gratianopolensis hat das außerordentlich 
typische dreilappige Hinterende. 

Ich muß daher eine neue Species dafür aufstellen, für die ich als 
den ersten auf den Molukken gefundenen Gordiiden den Namen mo- 
lukkanus vorschlage. 

Jena, Zoologisches Institut, den 2. März 1895. 

2. Hat die Ostsee einen echten Schollenbestand? 

Von Dr. C. G. Joh. Petersen (Kopenhagen). 

eingeg. 7. März 1895. 

Durch eine Äußerung des Herrn G. Dunckerin No. 46S des 
Zoolog. Anzeigers, p. 54 über die Geburt von Schollen [Pleur onectes 
platessa) in der Ostsee sehe ich mich veranlaßt mitzutheilen, daß eine 
Arbeit von mir »Om vore Flynderfiskes Biologi og om vore Flynder- 
fiskeriers Aftagen« etc. (»Über die Biologie unsrer Butte und über den 
Rückgang unsrer Buttfischereien«) , 146 p. 8^, mit 2 lith. Tafeln, 
1 Karte und IS Tabellen bereits als »IV. Beretning til Indenrigs- 
ministeriet fra den danske biologiske Station« im Sonderabdruck er- 
schienen ist. Binnen w^enigen Tagen wird sie auch englisch inFiskeri- 
Beretningen for 1893 — 94« (C. F. Drechsel) vorliegen. Dort wird 
Herr Duncker die Begründung meiner Hypothese finden 
können. 

Kopenhagen, 1. März 1895. 



201 

3. Haplosomum Strubeln Verhoeff. 

Par Henry "VV. Brölemann, Paris. 

eingeg. 10. März 1895. 

En 1893 le Dr. C. Verhoeff, de Bonn, dont tous ceux qui 
s'occupent de Myriapodes connaissent et apprécient les intéressants 
travaux, publie dans le »Zoologischer Anzeiger« No. 437, un genre 
nouveau et une espèce nouvelle, provenant d'une grotte des Molusques, 
auxquels ils donna les noms de; Haplosoma Strubelli^. Je ne sais 
pas que l'existence d'aucun autre exemplaire de cet arthropode ait été 
signalée depuis lors. 

Ce n'est que récemment en examinant une collection de Myria- 
podes rapportée des Philippines par le savant arachnologiste français, 
Monsieur E. Simon, qui a bien voulu me la soumettre, que j'ai re- 
trouvé un exemplaire, malheureusement unique, de ce Polydesmide. 
Il fut recueilli, comme l'indique son étiquette de provenance, dans 
une grotte de Luçon, située près du village d'Antipolo, et dite «Cueva 
de Antipolo« ou »Cueva de Talbac«, c'est à dire dans les mêmes con- 
ditions que les individus décrits par le Dr. Verhoeff. 

Ce n'est pas sans un très vif intérêt que j'ai examiné ce curieux 
animal et que j'ai retrouvé en lui tous les caractères, tant généraux 
que spécifiques, mis en lumière par le savant allemand. Ce genre, 
comme le genre Brachydesmus^ se distingue à première vue des autres 
Polydesmides par le nombre des segments dont il se compose à l'état 
adulte, savoir: 19 segments au lieu de 20. Mais si les Brachydesmus 
rappellent les Polydesmus par la coupe de leurs segments carénés, 
ainsi que, mais sous une forme déjà simplifiée, par leurs pattes copu- 
latrices, le Haplosomum Strubelli s'écarte du type de la famille par un 
faciès moniliforme, sans carènes toutefois, qui rappelle fort bien le 
rapport, dans la famille voisine des Chordeumides, du genre Craspe- 
dosoinum au genre Air act o samum. Quant aux pattes copulatrices, 
comme l'a fort j ustement fait ressortir le Dr. Verhoeff, elles repré- 
sentent la réduction la plus simplifiée que nous connaissions, du type 
de ces organes chez les Polydesmides, ne présentant ni division, ni 
apophyse, ni même de pulvillum piligerum. Ces caractères, joints à 
celui à tirer de la structure biarticulée des soies dont le Haplosomum 
Strubeln est revêtu, sont certainement plus que suffisants pour justifier 
la création d'un genre nouveau. 



1 Pour se conformer aux règles de nomenclature, adoptées par les Congrès de 
Zoologie de Paris et de Moscou , il est nécessaire de donner la terminaison latine à 
ce nom, qui devient : Haplosomum. 



202 



Quant aux caractères secondaires, il est inutile de les passer en 
revue; on les trouvera décrits tout au long dans le »Zoologischer An- 
zeiger« No. 437, 1893. Je me bornerai seulement à souligner les 
points qui me paraissent de nature à donner une idée plus précise 
encore de l'animal qui nous occupe. 

Le premier segment, convexe, est étroit, c'est à dire, ne dépasse 
pas la largeur de la tète. Le metazonite du second segment est très 
développé antérieurement et presque rabattu en avant; par suite le 
prozonite est invisible; le metazonite se rétrécit rapidement en arrière, 
de façon à former un cône, tronqué postérieurement, dont la partie 
large enchâsse le premier écusson. Les 3e et 4e segments affectent 
également la forme de cône tronqué , mais sont moins larges que le 
deuxième segment. Enfin, sur le 5e segment et les suivants, le meta- 
zonite est de moins en moins brusquement coupé en devant, et perd 
la forme conique pour se rapprocher de la forme 
sphérique. Le dessin schématique ci-contre fera 
mieux comprendre la silhouette de la partie anté- 
rieure de l'animal. 

J'ai dit que cette espèce présente un aspect 
moniliforme, j'ajoute, vu par la face dorsale; en 
effet les segments ne sont pas carénés, mais les 
flancs sont boursouflés de telle sorte que chaque 
somite apparaît fortement étranglé en son milieu. 
La partie découverte du prozonite, vue au micro- 
scope sous un fort grossissement , est labourée de 
fines stries régulièrement espacées, se recoupant à 
angle presque droit, qui déterminent un dessin en 
carrelage, chaque espace rectangulaire étant lisse 
et brillant. La suture transversale prend les proportions d'une large 
ceinture dont le fond est fortement rugueux. 

Pour ce qui est des pores répugnatoires, ce Myriapode présente 
une particularité sur laquelle je désire attirer l'attention. Ces pores 
percés comme de coutume à la partie supérieure des flancs de l'animal 
et dans la région moyenne du metazonite, sont constitués par une 
dépression cratériforme, au centre de laquelle se dresse un prolonge- 
ment court, à bords arrondis en bourrelet, et percé à son sommet par 
le canal répugnatoire. L'extrémité de cet appendice forme saillie sur 
les flancs. 

Cette structure n'a été rencontrée jusqu'ici sur aucun autre 
Myriapode, que je sache, et je suis d'avis qu'on peut, jusqvi'à nouvel 
ordre, la considérer comme caractéristique du genre Haplosomum. 
Paris, Mars 1895. 




203 \ 

4. Aphorismen zur Biologie, Morphologie, Gattungs- und Art-Systematik^ 

der Diplopoden. ^ 

Von Dr. phil. Carl Verho eff , Bonn a/Rhein. 
(Mit 3 Figuren.) 

Cv'ngeg. 13. März 1895. 

1 . Vor Jahren schon habe ich beobachtet, daß Palaeoiulus sabur 
losus Latz, bei hellem Tage auf Eanunculus-Blüthen steigt und Pollen 
frißt. Daß gewisse Diplopoden frisches Laub verzehren, ist aber 
meines Wissens bisher nicht bekannt geworden: Ich besuchte am 
24. September 1894 Morgens um 8 Uhr bei feuchter, nebeliger Wit- 
terung einen Wald in der Nähe von Laibach. An schattigeren 
Waldstellen bemerkte ich, anfangs vereinzelt, später in größerer 
Menge, auf der Oberseite, besonders der Blätter von Anthriscus, 
Galeopsis undRubus, Brachydesmus hungaricus Daday und Atrac- 
tosoma athesinutii Fedrizzi. Frische Wundstellen an den Blättern 
lehrten, daß die mit dem Munde an diesen Fraßstellen sitzenden Diplo- 
poden das Blattparenchy m von oben her ausnagen. Bei 
Anthriscus greifen sie auch die Dolden an. Auf einer Pflanze 
habe ich wiederholt 6 — 8 Stück dieser beiden Arten angetroffen. Auf- 
gestört suchen sie meist davonzueilen. Außer den drei genannten 
Pflanzen wurden auch Cicendia, Gentiana und ein Farnkraut 
befallen, jedoch weniger oft. Neben den beiden Thieren habe ich 
zweimal auch ein Exemplar von Strongylosoma palUpes Olivier auf den 
Pflanzen beobachtet. An Anthriscus, wo ich besonders das Atrac- 
tosoma bemerkte, klettern die Thierchen bis zu den höchsten 
Spitzenblättern. Die Brachydesmus bevorzugten in erster Linie Ga- 
leopsis. Ihrer sonstigen Nährmethode getreu gehen sie gern an 
herabhängende, faulende Blattstücke. Zwischen den sechs genannten 
Pflanzen standen auch noch in bunter Abwechslung Urtica, Sam- 
bucus und Tilia in Strauchform, aber ich habe trotz langem Suchen 
auf diesen nie einen einzigen Diplopoden gefunden. Bei Urtica 
dürften die Brennhaare abschreckend wirken, bei Sambucus und 
Tilia mögen die Parenchymzellen Stoff'e enthalten, welche den Diplo- 
poden nicht behagen; sicherlich kommt auch der weitere Weg zu den 
Blättern in Betracht und jedenfalls ist der Geschmack dieser Thiere so 
ausgebildet, daß sie die Blätter bestimmter Pflanzen bevorzugen. Von 
Atractosoma athesinum nahm ich 42 Exemplare mit und diese gehörten 
sämmtlich der letzten 28-segmentirten Entwicklungsstufe an und 
waren ausnahmslos Weibchen! Von Brachydesmus hungaricus dagegen 
fielen mir reife Männchen und Weibchen zahlreich in die Hände. 
Die beiden Strongylosoma palUpes waren reife q^ c^. Das Gesagte be- 



^ 204 

rveist, daß die Veranlassung zum Besteigen der Gewächse nicht im 
Sexuellen Triebe zu suchen ist, sicherlich nicht bei Atractosoma. 

2. Man ist bisher der Ansicht gewesen, daß der Copulations- 
apparat dei: Lysiopetaliden aus einem Beinpaare entstanden sei, näm- 
lich dem vorderen des 7. Körperdoppelsegmentes. Latzel^ sagt 
in dieser Hinsicht Folgendes: «Daß nur das vordere Beinpaar des 
7. Segmentes in Copulationsorgane umgewandelt ist, trotzdem diese 
vielästig und oft sehr compliciert erscheinen, geht aus Folgendem 
hervor: 1) sitzen alle beweglichen und unbeweglichen Theile der 
Copulationsfüße auf einer gemeinsamen, untheilbaren (gewöhnlich 
blasig aufgetriebenen) Basis; 2) haben die Männchen nur ein Beinpaar 
weniger als die Weibchen; 3) lehren dies die Beinpaare mit ausstülp- 
baren »Hüftwärzchen«, von denen bei $ das 16. Paar das letzte ist; 
bei (^ (J' aber stehen hinter den Copulationsfüßen, d. h. hinter dem 
7. Paare von Laufbeinen nur noch acht solche, deren Hüften die Wärz- 
chen zeigen können; 7 + 8 = 15 und das in Copulationsfüße umge- 
wandelte Paar hinzugerechnet, macht auch 16.« 

Um die Richtigkeit dieser Beweisführung Latz e l' s zu erproben, 
habe ich folgende fünf Arten untersucht : 

1) Lysiopetalum illyricum Latzel (Istrien), 

2) » alternans Verhoeff (Portugal) , 

3) » Vinciguerrae Silvestri (Italien), 

4) » foetidissimum Savi (Italien), 

5) )) Koelbelii n. s-p. (Fiume). 

Ich finde nun, daß bei allen diesen Arten der Copu - 
latio nsapparat aus zwei deutlich getrennten, paarigen 
H aupttheilen besteht, von denen jeder auf einer Stütze 
(Tracheentasche) sitzt. Ferner ist stets das vordere Paar von Co- 
pulationsorganen das kleinere und einfachere, das hintere das 
größere und compliciertere. Ich erkläre daher den Beweis- 
grund 1), welchen Latzel anführt, als falsch, indem Latzel das 
hintere Paar der Stützen übersehen hat. — Der Copulations- 
apparat der Lysiopetaliden erinnert in den Grundzügen seines Baues 
auffallend an den mancher luliden, indem man auch hier außer den 
zwei Paar Stützen drei Paar Blätter unterscheiden kann. Nur 
könnte man die betreffenden Orgaue hier besser Äste nennen, denn 
sie sind mehr stab- als blattartig. Doch behalte ich des vergleichend- 
morphologischen Gesichtspunctes halber den Namen «Blätter« bei. Die 
vorderen Stützen sind bei den typischen Ly s ioj) e fahim- Arten 



1 Myriopoden der osterreichiscli-ungarischen Monarchie. 2. Bd. Diplopoda. 
p. 217. Wien 1884. 



205 

(Subgen. Lysiopetalum mihi s. str.) m us che If ö ni; ig gestaltet und 
sehr ffioß ; sie stoßen in der Mediane mit den Innenrändern theilweise 
zusammen. Auf ihnen sitzen, durch zwei Gelenke damit verbunden, 
die Vor der blatter. Bei einigen anderen Lysiopetalum- Arten 
(Subgen. Silvestria mihi) bemerkt man , daß die Vorderstützen viel 
kleiner sind, nicht muschelförmig, sondern balkenartig; auch bleiben 
sie Meit aus einander. Die Vorderblätter sind aber auch hier gegen sie 
beweglich. — Das hintere Paar von Copulationsorganen ist viel 
complicierter als das vordere und besteht immer aus zwei Paaren 
deutlich gegen einander abgesetzter Äste. Von denen geht einer 
direkt in die hintere Stütze über und ist mit ihr aus einem Gusse ge- 
bildet, der andere nimmt seinen Ursprung von der Basis des ersteren 
her und ist gelenkig gegen ihn bewegbar. Letzterer, dem secundären 
Hinterblatte der höheren luliden homodynam, ist auch hier als Hin- 
terast oder Hinter bla tt zu bezeichnen. Ersterer, welcher mit der 
Hinterstütze verschmolz, ist dem Mittelblatte gewisser luliden 
homodynam und auch hier so zu bezeichnen. Da wir nun wissen, daß 
es niedere luliden giebt, bei denen die secundären Hinterblätter noch 
nicht differenziert sind, so ist, zumal bei den sonstigen Differenzen der 
luliden und Lysiopetaliden, an eine directe Ableitung des Copulations- 
apparates der letzteren von dem der ersteren nicht zu denken. Es ist 
bei Lysiopetaliden also eine ähnliche Differenzierung der Klam- 
merfüße in drei Hauptpaare eingetreten wie bei vielen luliden und 
zwar unabhängig von diesen. Und ebenso wie die Verbindung 
der Copulationsfüße mit ihren Stützen bei den luliden ist sie bei den 
Lysiopetaliden beschaffen; die vorderen articulieren mit 
ihren Stützen, die hinteren sind mit den ihrigen verschmolzen. 
— Eine der größten Differenzen zwischen den beiden Familien, näm- 
lich das Bestehen des Copulationsapparates der luliden aus zwei, 
der Lysiopetaliden aus nur einem Gliedmaßenpaar, ist hiermit 
als auf irrthümlicher Beobachtung beruhend nachgcAviesen. 

DerPunct 2) und 3) der Latzel'schen Beweisführung ist von mir 
ebenfalls geprüft worden und kann ich ihm hierin vollkommen bei- 
stimmen. Nur kann ich diese Puncte durchaus nicht als Beweis 
dafür ansehen, dass der Copulationsapparat der Lysiopetaliden 
rur aus einem Gliedmaßenpaare entstanden sein soll. Ich finde 
nämlich, daß das çf am Ende des Körpers ein Beinpaar mehr besitzt 
als das Q. . Also Lys. illyricum Latz. : 



206 

d. 6 ersten S. mit 7 B. 

(C. A.) 



die 6 ersten S. mit 7 


Beinp. 


C? 


d. 6 ersten S 


. mit 7 B. 


das 7 S. » 2 


» 




d. 7 S. 


» » 


das 8.-44. S. » 74 


» 




d. 8.-44. S. 


)) 74 » 


das 45.-46. S. « 


» 




d. 45. S. 


» 1 » 


83 


» 




d. 46. S. 


» » 



82 B. 
Aile von mir untersuchten Exemplare besitzen im çf Geschlecht 
46 S. und 82 Beinpaare, im Q. Geschlecht 46 S. und 83 B. 

Lysiopetalum aliernans Verh. hat im reifen Zustande 50 S. und 
86 Beinpaare beim (^, 87 B, beim Ç, nämlich: 

Ç die 6 ersten S. mit 7 B. rf d. 6 ersten S. mit 7 B. 

das 7. S. » 2 » das 7. S. » » (C. A.) 

das 8.-46. » 78 » das 8.-46. » 78 » 

das 47. — 50. » » das 47. » 1 o 

87 B. das 48.— 50. » » 



S 6 B.2. 
Es ist auch ganz richtig, dass beim ç^ auf den Copulations- 
apparat noch 8 Paare von Beinen folgen, deren Coxae die ausstülp- 
baren Säckchen besitzen, während bei dem Ç auf die 9 ersten 
Körperbeinpaare der 7 ersten Segmente solche mit säckchentragenden 
Coxae nur in 7 Paaren folgen. Das legt allerdings die Annahme nahe, 
das 1. jener S Paare beim (J* gehöre noch dem Copulations-Doppelring 
an. Aber es ist auch wirklich nur ein Hi nweis für die Möglichkeit einer 
solchen Deutung, kein Beweis für die thatsächliche Richtigkeit» — 
Ich gebe für Punct 2) und 3) folgende Erklärung: Bei den freien 
Ventralplatten ist die theilweise Verschiebung derselben mit den zuge- 
hörigen Beinpaaren von einem Ring zum anderen (wie schon Latzel 
hervorhob) sehr leicht möglich. Nun lagern die Copulationsorgane im 
7. Doppelringe des q^ stark nach vorn geschoben. Das hintere Paar 
derselben ist stark an das vordere herangedrängt. Es wird also im 

7. Doppelsegmente hinten Platz zur Aufnahme des 1. Beinpaares des 

8. Ringes mit seiner Platte, und indem sich alle Beinpaare, welche 
weiterhin folgen, etwas verschieben, ist am Ende des (^ Körpers für 
ein Beinpaar mehr Platz als beim Ç . Damit dürfte auch die Zahl der 
Coxalsäckchen harmonieren, mag man sich dieselben nun als primär 
allen Beinpaaren zukommend vorstellen oder als secundäre Errungen- 
schaft an den genannten Segmenten. Ich will übrigens hervorheben, 
daß bei Lys. carinatum Brandt und ilhjricum Latzel die Coxae des 
1. und 2. Beinpaares bei ç^ und Q der Säckchen entbehren, wenig- 
stens sieht man sie bei keinem Exemplar, w^elches sonst alle übrigen 



Vgl. ferner No. 4. Lijs. Koelbdii m. ! 



207 

hervorgestülpt hat. — Erwähnt sei auch noch, dass Latzel 1. c. p. 220 
von seinem Lys. dégénérons selbst sagt, dass der Copulationsapparat 
«aus drei Paaren von schmalen, stäbchenförmigen Ästen besteht«. 

3. Zu den beiden im Vorigen angedeuteten Subgenera stelle ich 

die Arten folgendermaßen : 

L. foetidissimum Savi \ ^ , ^., , . , 

^ -^^ _^ , i bnhsen. òilvestria^ m... 

L. alternans Verh. ; 

L. illyricum Latzel \ 

L. Koelbeîi^ Verh. l Subgen. Lysiopetalum m. 

L. Vinciguei'rae Silv. j 

In Lysiop. s. str. sind nach L a tz e l' s Darstellungen 1. c. auch noch 
folgende Arten zu stellen : 

1) fasciatum Latz.; 2) degenerans Latz.; 3) carinatum Bra.; 
4) anceps Latz. 

Ich bemerke aber ausdrücklich, daß ich diese vier Arten nicht 
nachgeprüft habe. 

Silvestria ist die einfacher gebaute Untergattung. 

4. Lysiopetalum Koelbeli n. sp. (^ Ç. Länge des ç^ 17'/2 ^is 
20 mm, des Q 171/2 — 18 72 inm. Körper bei ç^ und Ç aus 38 Rumpf- 
segmenten zusammengesetzt. Q mit 66, ç^ mit 65 oder 67 Bein- 
paaren (beide geschlechtsreif!) 



die 6 ersten S. 


mit 7 B. 


cf die 6 ersten S. mit 7 B, 


das 7. S. 


» 2 » 


das 7. S. » .) (C.-A.) 


das 8.-35. S. 


» 56 » 


l das 8.-36. S. » 58 » 


das 36. S 


» 1 » 


das 37. S. » (oder 2) B. 


das 37.-38. S. 


» » 


das 38. S. » B. 




66 B. 


65 (67) B. 



[Es kommt mithin auch vor, daß d a s Ç am letzten beintragenden 
Körperringe nur ein Beinpaar besitzt, was sehr für meine obige Er- 
klärung (No. 2) spricht.] 

Körper graubraun, craspedosomenartig gestaltet. Stirn des Q ge- 
Avölbt, des (^ eingedrückt in Form einer seichten, rundlichen Grube. 

Die hinteren, vorwiegend von außen sichtbaren Ringe der Doppel- 
segmente sind dicht mit fingerförmigen Wülsten besetzt, welche nach 
hinten ziemlich spitz auslaufen und an dieser Spitze steht immer eine 
deutliche Borste. Diese Borsten an den Spitzen der Fingerwülste 
bilden vor dem Hinterrande jedes Segmentes zusammen einen 
Borstenkranz. Die Spitzen der Wülste liegen etwas vom Hinterrande 
entfernt. Die Wülste entsprechen den bei anderen Arten vorkom- 

3 Benannt nach dem Myriopoden-Forscher Filippo Silvestri (Genua.). 
^ Hiermit ehre ich Herrn Custos Dr. C. Koelbel in Wien. 



208 

menden Kanten. Auf dem Collum fehlen die Läugswülste ganz, auf 
den drei folgenden Segmenten rücken sie allmählich von den Seiten 
gegen die Rückenmitte vor. Die Foramina repugnatoria sind meist 
deutlich und durch kleine Knötchen angedeutet, stets zwischen zwei 
Längswülsten gelegen und deren Vorderende genähert. An den 
vorderen Segmenten sind sie schwer zu verfolgen, sie fehlen an den 
drei letzten. 

Analsegment stark eingezogen, von oben wenig sichtbar, die 
Ajialklappen sind wie gewöhnlich durch eine schräge Querfurche in 
der oberen Partie eingeknickt. 

Ocellen sehr deutlich, in großem, dreieckigem Haufen, dessen 
Spitze der Stirn zugekehrt ist. 

Das lange Tarsenendglied des 1., 2. und 3. Beinpaares des ç^ 
besitzt an der Unterseite einen aus dicht gedrängten und spitzen 
Stacheln bestehenden Kamm, der ein wenig vom Vorder- und 
Hinterende des Gliedes entfernt bleibt. Distal von ihm steht noch eine 
vereinzelte, längere Borste. — Eine solche Bildung fehlt den Aveiter 
folgenden Beinpaaren, sie zeigen an der Stelle nur einige kurze, feine 
Haare. Coxalsäckchen fehlen am 1. und 2. Beinpaar, am 3. — 7. und 
den beiden auf den Copulationsapparat folgenden sind sie deutlich 
ausgebildet. 

Am Copulationsapparat sind die auf großen, muschelartigen 
Vorderstützen gelenkig aufsitzenden Vorderblätter am einfachsten 
gebaut. Sie verschmälern sich allmählich gegen das Ende und ragen 
dort in einer Spitze etwas nach hinten. 

Neben ihrer Basis findet sich eine dicht mit kleinen Tastborsten 
besetzte Stelle. Von den beiden anderen, bedeutend längeren Paaren 
von Organtheilen zeigen die Mittelblätter am Ende eine lappen- 
artige Umkrümmung (Greifhand), an deren Ende ein Zahn und in 
deren Concavität feine Spitzchen stehen. Auf der anderen Seite gehen 
von der Endhälfte viele starke, stiletförmige Stacheln ab. Die an 
der Krümmungsstelle des Endlappens befindlichen sind besonders 
lang und wallen wie ein Federbusch nach unten herab. In der mitt- 
leren Partie bemerkt man einige kleine Tastborsten, darunter eine 
vorspringende Ecke und neben dieser einen langen Stachel. Die 
Hinterstützen, mit den Mittelblättern verschmolzen, springen nach 
hinten in ein Kissen vor. Die Hinter blatter, dunkler pigmentiert 
als die übrigen, erinnern etwas an ein Hirschgeweih. Ein im Inneren 
verlaufender Can al ist nur theilweise zu verfolgen wegen der dunkeln 
Färbung. Sie springen nach vorn in einem gebogenen Aste vor, der 
noch eine Nebenspitze und an der Basis einen Lappen trägt. Der 
terminale Hauptast ist etwas kürzer als das Mittelblatt, hinten in zwei 



209 

Zähne und am Ende in eine Spitze ausgezogen. Unter der Spitze geht 
ein kleiner, wurmförmiger Anhang ab. Die Hinterblätter sind elastisch 
gegen die Mittelblätter bewegbar. — 2 çf und 2 Q fand ich an Wald- 
rändern hinter dem Kirchhofe von Fiume unter Steinen. Sie sind 
im Gegensatze zu illyricum Latz., einer trägen Art, außerordentlich 
lebendig und machen sogar durch heftige Seitenwendungen Sprünge. 
5. Lysiopetalum (Subg. Sihestria) alternans Verh. Im Zoolog. 
Anz. No. 418 und 419, 1893 konnte ich nur das Q beschreiben; es 
folge nun auch die Erörterung des ç^ . — Zu berichtigen habe ich, daß 

1) die geschlechtsreifen alternans 50 Segmente besitzen und 
86 Beinpaare (die früher beschriebenen Q Q waren noch unreif) und 

2) diese unreifen Formen nicht 45 sondern 46 Segmente besitzen. 
(Ich hatte das eingeschobene Analsegment nicht mitgezählt; cf. auch 
No. 2 oben.) 

Die Copulationsorgane sind die einfachsten, welche ich bis- 
her von Lysiopetaliden gesehen habe 5. [Ungefähr ebenso einfach 
sind die yon foeticUssimum Savi.]' 

Die Vorderblätter sind von ihren Stützen deutlich abgesetzt, 
an|der Basis am dicksten und werden gegen das Ende ganz allmählich 
immer dünner. Es sind lange, gerade, natürlich innen hohle, am dün- 
nen Ende abgerundete Stäbe, welche jeder sonstigen Auszeichnung 
ermangeln. Die Vorderstützen haben balkenartige Gestalt, sind 
in der Mitte in rechtem Winkel geknickt und an der Knickungsstelle 
und dem distalen Ende verbreitert. Der proximale Theil liegt beinahe 
horizontal. Zwischen den Vorderblättern steht jederseits auf der ge- 
bräunten Haut, die als ein Rest der Ventralplatte anzusehen ist, eine 
schräge Gruppe von Tastborsten. Die Mittel blatter bilden die 
directe Fortsetzung der am distalen Ende etwas nach vorn ge- 
krümmten Hinterstützen. Sie sind wirklich etwas blattförmig, aber 
dieser blattförmige Theil macht nur die Endhälfte des ganzen Mittel- 
blattes aus und ist breiter als die Stützen. Er bleibt ziemlich gleich- 
breit und ragt am Ende hinten in einem abgerundeten Höcker vor. 
Auf dem blattförmigen Theile sind Poren zerstreut und in diesen 
stehen sehr winzige Börstchen. Unter ihm geht nach vorn ein großer 
Lappen ab, der sich nach innen umschlägt. Die Mittelblätter sind die 
äußersten, sie hängen ziemlich gerade herab. Zwischen ihnen und 
den nach hinten übergeneigten Vorderblättern erstrecken sich die 
Hinterblätter, welche im Allgemeinen stabförmig gestaltet sind. Sie 
inserieren sich an der inneren Seite der Mittelblätter, in der Nähe des 



5 Ich erinnere hier wieder daran, daß die portugiesische Fauna überhaupt rela- 
tiv viel einfach gebaute Myriopoden enthält. 



210 

Beginns der Hinterstützen, mit einer keuligen Anschwellung und sind 
elastisch gegen die Mittelblätter beweglich. Anfangs biegen sie sich 
nach vorn, dann nach unten und schließlich wieder nach hinten, 
so daß sie ungefähr einen Halbkreis beschreiben, und hinten ragen sie 
über die Mittelblätter vor. 

Am distalen Ende sind sie in zwei kurze Aste getheilt, von 
denen der obere zu einem Knoten angeschwollen ist, welcher vor- 
wiegend häutig erscheint. Nach drei verschiedenen Richtungen 
gehen von der Basis des Knotens Spitzen ab, von denen die längste 
nach vorn zurückgekrümmt ist. Der untere Ast ist kurz, etwas ge- 
krümmt und dornenartig gegen den Knoten gerichtet. In ihm und 
weiterhin im Hinterblatte bis zu dessen Basis verlaufend bemerke ich 
einen Kanal. 

Durch Herrn Prof. P. deOliveira erhielt ich 1 (^ und mehrere 
Q Q aus der Nähe von Coimbra, 

6. hatzelia n. gen. 

In »neue Diplopoden aus dem österreichischen Küstenlande« ^ 
beschrieb ich im Q. Geschlechte als neue Art Chordeuma oculo- 
distinctum. Im . letzten Herbst besuchte ich den istrischen Monte 
Maggiore abermals und fand wieder mehrere Exemplare dieses 
Thierchens, leider abermals keine Männchen. Ich hatte aber das 
Glück, bei Abbazia im leeren Vrutki-Bachbette im Genist gleich- 
falls eine Anzahl dieses Chordeumiden zu entdecken. Ich sandte die 
Stücke lebend nach Bonn und erzog um Weihnachten ein geschlechts- 
reifes ç^. Dieses ist zu meiner Überraschung so different von den 
bekannten Chordeuma- Arien gebaut, daß ich es als Repräsentant einer 
neuen Gattung ansehen muß. 

Während nämlich am Copulationsapparat der (f Chordeuma- 
Arten vier Beinpaare betheiligt sind, das hintere des 6., die beiden 
Beinpaare des 7. und das vordere des 8., treffen wir bei Latzelia das 
für die meisten Chordeumiden geltende Vorkommen von nur 
zwei Bein paaren am Copulationsapparat, nämlich denen 
des 7. Körpersegmentes. Das hintere Gliedmaßenpaar des 
6. und das vordere des 8. Segmentes sind normale Lauf- 
beinpaare. 

In Habitus, Färbung und Sculptur erinnern diese Formen außer- 
ordentlich an Chordeuma gallicum Latz, und gallicum rhenanum Verh. 

Latzelia illyricum mihi, synonym Chordeuma oculodistinctum 
Verh. 1893. 

Das 1. und 2. Beinpaar des çf sind klein und ziemlich dünn, das 
3. und 4. größer und viel dicker, das 5., 6. und 7. noch länger» 

6 Berlin, entomol. Zeitschr. 1893. 3. Hft. p. 269. 



211 

aber diese werden auch nach und nach wieder dünner. Die auf den 
Copulationsapparat folgenden Beinpaare haben die normale Länge 
und Dicke. 

An der Unterseite des letzten, langen Tarsengliedes des 1 . und 
2. Beinpaares des (J' steht ein Kamm von mäßig dicht geordneten, 
nadelartigen Stacheln. An den folgenden Beinpaaren fehlen dieselben. 
Das 1. und 2. Beinpaar besitzen auch nur zwei Tarsalia, während 
den folgenden deren drei zukommen. 

Die einzige Auszeichnung, welche das 7. Beinpaar (das 2. des 
6. S.) besitzt, besteht in einem kurzen dreieckigen Höcker mit papil- 
löser Structur und einer Tastborste an der Innenwand der Coxa. — 
Ausstülpbare Coxalsäckchen finden sich nur am 1. und 2. Beinpaar 
des 8. Segmentes. Das im Übrigen normale 1. Laufbein dieses Seg- 
mentes besitzt an seiner Coxa noch eine zweite Auszeichnung, näm- 
lich einen auswärts vom Säckchen befindlichen, diesem an Form nicht 
unähnlichen, abgerundeten und an der Basis verschmälerten Fortsatz, 
der fast so lang ist wie die Coxa selbst. 

(Fortsetzung folgt.) 

II. Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. Zoological Society of London. 

7th. May, 1895. — The Secretary read a report on the additions that 
had been made to the Society's Menagerie during the month of April 1895, 
and called attention to two specimens of the newly described Irish Stoat, 
presented by Viscount Powerscourt; also to two Polar Hares from Norway, 
presented by Mr. O. Gude; and to specimens of the peculiar Parrakeet of 
Antipodes Island [Cyanorhamphus vnicolor] , presented by the Countess of 
Glasgow, Sir Walter E. Buller, and Mr. W. E. Collins. — A letter was read 
from Dr. F. A. Jentink, F.M.Z.S., concerning a Monkey lately described as 
Cercoceims aterrimus, of which the type had lately been acquired by the Leyden 
Museum. Dr. Jentink considered this Monkey to be the same as Cercocebus 
albigena, Gray. — Mr. J.H. Gurney, F.Z.S., exhibited and made remarks 
on a rare Kingfisher [Alcedo Beavani) obtained in Ceylon by Mr. A. L. But- 
ler. — Mr. G. F. Scott Elliot, F.L.S., F.R.G.S., made some remarks on 
the fauna of Mount Ruwenzori, in British Central Africa. Mr. Scott Elliot 
stated that Elephants occur in great numbers on the east side of Ruwenzori. 
There were also many still living and vast stores of ivory in the Congo Free- 
State, just beyond the south-west corner of the English sphere of influence. 
He pointed out the presence of the Hippopotamus in the Albert-Edward 
Nyanza, and its extraordinary abundance in the Kagera River. The Rhino- 
ceros was found frequently in the country of Karagwe , txsually near the 
marshy lakes leading to the Kagera. On the alluvial plains about the east 
of Ruwenzori Jackson's Hartebeest [Bahalis Jackso7ii), the Kob [Cohus hob) ^ 
and another Waterbuck (perhaps of a new species) were common. No Buffa- 
loes were seen. A Bushbuck also occurred on Ruwenzori from 7000 to 
8000 feet. Of Monkeys, Mr. Scott Elliot had noticed the presence of a black 



212 

and white Colobus, which he could not identify, and of at least two other 
species , probably a Cercopithecus and a Baboon. Some small Mice brought 
home had not yet been identified. Leopards were numerous, and Lions 
were also common on the lower grounds. Two species of Sunbird were 
brought back, one of which ascends to 1 1 000 feet on Ruwenzori. Mr. Scott 
Elliot concluded by remarking that the general idea of distribution gathered 
from the flora seemed to confirm such data as he could gather from the 
fauna of the country which he traversed during his journey. — Mr. F. E. 
Beddard, F.R.S. , and Mr. P. Chalmers Mitchell, F.Z.S., made a com- 
munication on the structure of the heart in the Alligator, as observed in 
specimens that had died in the Society's Menagerie, — Mr. Chalmers Mit- 
chell, M.A., F.Z.S., described the anatomy of the Crested Screamer [Chauna 
chavaria) , pointing out some resemblances between the alimentary canal of 
that bird and the Ostrich , and giving a detailed comparison of the structu- 
res of Chauna chavaria and Palamedea cornuta. — A communication was read 
from Dr. Percy Rendali, F.Z.S., containing field-notes on the Antelopes 
of th.e Transvaal. — Dr. Mivart, F.R.S. , read a paper on the skeleton of 
Loritis ßavopalliatus as compared with that of Psittaciis erithacus. — P. L. 
S dater, Secretary. 

2. Malacological Society of London. 

Friday, May 10th. — Prof. G. B. Howes, President, in the Chair. 
On behalf of Miss de Burgh were shewn specimens illustrating the variation 
of Columhella mercatoria , Lin. Mr. Da Costa exhibited a collection of uni- 
valve Mollusca from Lakes Tanganyika and Victoria Nyanza and pointed 
out the entirely different characters of their molluscan inhabitants. On behalf 
of Mr. C. S. Cox were exhibited living specimens of Glandina from Italy. Mr. 
E. H. Sykes showed specimens of Achatinella from the Island of Lanai 
illustrating their variation. The following communications were read: 
1) Notes on Trochonanina and other genera of the Land Mollusca with refe- 
rence to the animals of Martensia mozambicensis Pfr. , and other species, by 
Lt.-Col. H. H. Godwin-Austen. 2) Report on the land and freshwater 
shells collected by Mr. H.H. Smith at St. Vincent, W.I., by E. A. Smith. 
3) Note on the larval Oyster, by M. F. Woodward. — E. R. Sykes, 
Hon. Seer. 

III. Personal - Notizen. 

Necrolog. 

Am 15. April starb in New Haven Professor James Dwight Dana, 
Verfasser der beiden berühmten Bearbeitungen der Zoophyten und der Cru- 
staceen der Wilkes' sehen Exploring Expedition, und anderer Werke. Er 
war am 12. Februar 1813 in Utica, N. Y. , geboren. Seit 1846 war er 
Mitherausgeber des American Journal of Science, an dessen Spitze sein 
Schwiegervater, Prof. B. Silliman, stand. 

Berichtigung. 

In No. 474 ist auf p. 171, 6. Zeile von unten anstatt ,Henselleni- 
nae' zu lesen »Hen senellinae«. 

Druck von Breitkopt' & Uärtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVm. Jahrg. lO. Juni 1895. No. 477. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilongen. 1. VerhoefT, Aphorismen zur Biologie, Mor- 
phologie, Gattnngs- und Art-Systematik der Diplopoden. 2. Herrick, The Reproduction of the 
Lobster. 3. Packard, On the Phylogeny of the Lepidoptera. 11. Ulittheil. aus ainseen, Instituten 
etc. Vacat. III. Personal-Notizen. Yacat. Litteratnr. p. 185—196. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Aphorismen zur Biologie, Morphologie, Gattungs- und Art-Systematik 

der Diplopoden. 

Von Dr. phil. Carl Verhoeff, Bonn a/Rhein. 

(Mit 3 Figuren.) 
(Fortsetzung.) 

Nach vorn ist er umgekrümmt und besitzt besonders hier starke 
Papillenstructur , an der Seite auch eine Tastborste. An der ge- 
streckten Coxa der hinteren Keine des 8. Körperringes ist ein ähn- 
licher, aber kleinerer und dünner Fortsatz vorhanden, der etwas nach 
innen gekiümmt erscheint und die Tastborste an der Basis trägt. 

Die Copulationsorgane lassen sich schwerlich mit denen 
irgend einer Ciiordeuma-Kxt vergleichen. Das vordere Paar besteht 
jederseits aus einem etwas muschelartigen, hyalinen Blatt, einem 
starken, ziemlich spitzen Zahn, der neben dessen Concavitätsseite 
steht und davon abgerichtet ist, und zwei cirrusartigen , in feine 
Fäserchen aufgelösten Büscheln. Die Vorderstütze ist gegabelt. 

Das hintere Paar erscheint jederseits als ein Höcker, über den 
sich eine reichlich mit langen Tastboisten besetzte Warze erhebt. 
Von der inneren Basis der Höcker hängen zwei gestreckte Ge- 
bilde herab, deren eines an das Flagellum der lulus erinnert, aber im 
Inneren keinen Hohlraum erkennen läßt und am Ende auch nicht so 
fein peitschenartig ausläuft. Unter der scharfen Spitze findet sich ein 
winziges Widerhäkchen. Muskeln gehen an dieses Pseudoflagellum 

13 



214 



nicht heran. Das andere Gebilde ist pinselförmig, in dem beson- 
ders in seiner Endhälfte viele feine Spitzchen abstehen, auch geht von 
ihm in der Mitte noch ein kleiner Nebenpinsel ab. 

Die Latzelien sind außerordentlich hurtige Moos- und Genist- 
bewohner, von denen ich an den genannten Orten viele Q Ç und 
Unreife sammeln konnte. Bei Berührung suchen sie anfänglich durch 
spiraliges Einrollen der Gefahr zu entrinnen. 

7. Von Craspedosoma Rmolinsii (Leach) Latzel habe ich in »einem 
Beitrag zur mitteleuropäischen Diplopoden-Fauna^« die westdeutschen 
Individuen vorläufig als var. simile unterschieden, ein Verfahren, das 
ich jetzt als durchaus gerechtfertigt erwiesen sehe, da ich in den Be- 
sitz österreichischer Formen, welche Latzel's Beschreibungen zu 
Grunde lagen, gelangt bin. Ich fasse meine Formen nunmehr als 
westliche subsp. simile, da sie gut zu charakterisieren ist, was ich 
demnächst genauer durch Zeichnungen erläutern Avill. Diejenigen 
Latzel's sind für derartig genaue Unterscheidungen nicht ausreichend. 
Ich deute aber hier kurz die wichtigsten DiiFerenzen an: 

Rawl. simile Verh. 
An der Querplatte ist der mitt- 
lere , unpaare Oberlappen mit 
dem entsprechenden Unterlappen 
nicht verbunden und die Pa- 
pillenstructur fehlt oder ist doch 
nur schwach auf dem Unterlappen 
ausgebildet. Der mittlere Ober- 
lappen ist nicht knopfartig ver- 
dickt und ragt nur sehr wenig 
über seine Seitenlappen hervor. 
Die unteren Seitenlappen sind 
groß und überragen ihren Mittel- 



Rawlinsii Latz. 
An der Ventralplatte des hin- 
teren Segmentes des Copulations- 
ringes, welche als eine Querplatte 
erscheint, an der dreiOber-und 
drei Unterlappen zu unter- 
scheiden sind, ist der unpaare, 
mittlere Oberlappen mit dem ent- 
sprechenden Unterlappen ver- 
bunden zu einem Ganzen und 
nebst den benachbarten Mulden 
durch starke Papillenstruc- 
tur ausgezeichnet. Er ist außer- 
dem knopfartig verdickt und 
überragt bedeutend die oberen 
Nebenlappen. Auch die unteren 
Nebenlappen sind klein. 

8. Von Craspedosoma (Srotherpes) troglodytes Latzel ist bislang 
nur l Q bekannt, das der Autor in der Adelsberger Grotte entdeckte. 
Ein 2., leider ebenfalls Ç Stück habe ich im September 1894 in der 
Magdalenengrotte in einem feuchten, von Steintrümmern am Boden 
bedeckten Gange aufgefunden. 

9. Auch von Craspedosoma siygium Latzel, ebenfalls aus der 

■î Berlin, entomol. Zeitschr. 1891. 1. Hft. p. 128. 



läppen. 



215 

Adelsberger Grotte, war das ç^ bisher nicht bekannt, denn Latzel hat 
zwar eines besessen, dieses aber, weil es nur eines war, nicht be- 
schrieben!! Ich war so glücklich, in den oberen Luegger Grotten 
2 (;5^ 1 Q und ein Junges von einem Craspedosoma aufzufinden, das 
ohne Zweifel mit Latzel's stygium identisch ist. 1 Pärchen traf ich 
in Copula an. 

Am Copulationsring ist das hintere Gliedmaßenpaar auf zwei 
rundlich- viereckige, mit einigen Tastborsten besetzte Höcker reduciert, 
welche sich in der Mediane berühren und gemeinschaftlich in einem 
Ausschnitt der queren, großen und wohlausgebildeten Ventralplatte 
sitzen, in der sogar in der Mitte der Seitenpartien Stigmen mün- 
den, über Avelchen typische Tracheentaschen bemerkt werden. Von 
jedem der Rudimenthöcker geht eine schräge Falte ab. Das hintere 
Beinpaar des 7. Segmentes ist also gar nicht activ bei der Co- 
pula betheiligt, sondern trägt durchaus den Charakter rudimen- 
tärer Organe, indem wir die Höcker als Coxalreste ansehen können. 
Die nahezu typische Ventralplatte zeigt aber auch, daß dieses Glied- 
maßenpaar überhaupt nie am Copulationsapparat in hervorragendem 
Maße betheiligt gewesen ist, wir müßten sonst ein ganz anders- 
artiges Rudiment erwarten. 

Stark ausgebildet sind die vorderen Gliedmaßen des 7. Seg- 
mentes und sie bilden den eigentlichen Copulationsapparat. Es han- 
delt sich um zwei sehr plumpe, dicke, za n gen artig gegen einander 
gerichtete Arme, welche an der Basis am engsten sind und sich gegen 
das Ende zu einer Keule verbreitern : Nach innen springen sie am 
Ende in einen kräftigen, spitzen Zahn vor, an der Basis außen in 
einen Höcker. So weit sind die ganzen Gebilde opak, grau-milchig ge- 
trübt, undurchsichtig, an der Oberfläche größtentheils fein gekörnt. 
Es geht aber ferner von der Außenwand der Zangen her ein schön 
chitingelber, blattartiger, etwas zur Basis gekrümmter und gleich- 
zeitig nach innen gerichteter Arm aus, der eine zweite Zangenspitze 
vorstellt. Der Arm bleibt ziemlich gleichbreit, verschmälert sich erst 
kurz vor dem Ende und ist an diesem abgestutzt, hier und daneben 
sehr fein gefranst. Dieser Arm springt nach innen weiter vor als die 
scharfe Spitze der Keule. Die vordere Ventralplatte des 7. Rin- 
ges ist auch noch deutlich erhalten, aber nicht mehr in der typischen 
Gestalt. Sie ist in zwei hinter einander gelegene Stücke getheilt, 
deren eines quer oblong ist mit einem verdickten Strich in der Mediane, 
während das andere eine unsrefähr V-förmise Gestalt aufweist. An 
der Basis ist dieses V ausgebuchtet und von der Bucht geht jederseits 
ein nach außen gekrümmter Wulst aus. Auf diesem V-förmigen Stück 
findet sich ein Aufsatz von etwas häutiger Beschaffenheit, der am Ende 

Vi* 



216 

eingesattelt ist (cf. C. MawKnsn, wo der Aufsatz dieser Bauchplatte 
ein sehr compliciertes Gebild^ ist!). Die Stützen der Copulations- 
zaugen sind recht kurz und mit ihnen in einem Gusse verschmolzen. 
Es gehen nur Muskelfasern heran, nicht Tracheenbüschel. 

Das dem Copulationsapparat vorangehende 7. Beinpaar ist zwar 
im übrigen als normales Laufl)einpaar gebaut, aber die Coxae be- 
sitzen höchst merkAvürdige Anhänge, wie ich sie in ähnlicher "Weise 
noch bei keinem Diplopoden gesehen habe. Die Coxae sind nämlich 
an einer Seite stark aufgeblasen und entsenden große Fortsatz- 
ausstülpungen, welche Anfangs nach innen gerichtet sind, dann 
mit den Innenwänden an einander stoßen und hart an einander ge- 
drängt gerade nach unten herabhängen. 

So an einander geschmiegt verlaufen sie um mehr als das Dop- 
pelte der Coxalänge, divergieren dann und richten sich schräg nach 
außen, indem sie die Gestalt zweier Stierhörner darstellen. In der 
Mitte des Verlaufes, wo sie an einander gedrängt sind, springen sie 
nach außen vor und sind angeschwollen. 

Auf der Rückseite stehen, an der Innenfläche entlang und auf 
den Hörnern vertheilt, in großen Gruben starke Tastborsten, deren 
ich auf jedem Ausstülpungsfortsatz 13 — 14 zähle. Die Hörner sind 
im Inneren auch hohl und die ganzen Fortsätze, welche fast so lang 
sind wie die ganzen Beine, zeigen an der Oberfläche allenthalben 
feine, körnige Structur. Ihre Farbe ist eine grau-milchige, — Auf 
dem langen letzten Tarsalgliede steht innen ein Besatz feiner, distal- 
wärts gerichteter Dörnchen. Dasselbe beobachtete ich am 6. Beinpaar 
und dem hinter dem Copulationsringe gelegenen 8., an welch letz- 
terem die Coxae auch in Säckchen ausgestülpt sind (nicht so am 6. 
und 7. B.j. Auch sechs beliebige aus der Mitte des Körpers genommene 
Beinpaare zeigten den Tarsalbesatz, aber keine Coxalsäckchen. 

Sehen wir voù den Anhängen des 7. Beinpaares ab, welche 
Stimulationsorgane zur Reizung der Ç Ç sein werden, so ist der 
Copulationsapparat von C. stygium Latzel auffallend einfach gebaut, 
wenigstens einfacher als bei allen bisher genauer beschriebenen Cras- 
pedosomen. Weil 1) das hintere Paar von Anhängen des Copulations- 
ringes so einfach und so reduciert ist; 2) die Coxae des 7, Beinpaares 
die genannten Anhänge besitzen, gründe ich für stygium Latzel die 
neue Untergattung Attemsia mihi^. 

Vielleicht ist sie als besondere Gattung zu fassen, wenn einmal 
die Chordeumiden noch mehr durchstudiert sind. 



8 Benannt nach meinem Collegen, Herrn Dr. Graf C. Attems (Wien). 



217 

10. Paratia n. gen. 9. 
Type: Craspedosoma mutabile Latzel. 

Der Körper besitzt an den Seiten der Segmente bekanntlich 
kräftige Knoten, wodurch er ein wenig rosenkranzförmig wird. Die 
Beborstung ist stark und lang. 

Ausschlaggebend für die Aufstellung einer besonderen Gattung 
ist der Besitz langer Pseudoflagella an den Hinterblättern 
cf. Latzelia], wie sie sonst bei keiner genauer bekannten Craspe- 
dosoma- Art vorkommen. Die Pseudoflagella führen, wie schon oben 
angedeutet, diesen Namen deshalb, weil sie gestaltlich im Übrigen 
zwar den Flagella der luliden entsprechen, an der Basis aber nicht 
durch Muskeln frei bewegt werden können, denn sie sind 
mit den hier auch thatsächlich blattförmigen Hinterblättern fest 
verkittet 1^'. Im Innern der Pseudoflagella läuft ein canalartiger, 
feiner Hohlraum fast bis zu deren Spitze, welche peitschenartig fein 
ist. Anfangs biegen die Pseudoflagella zur Basis der ziemlich typischen 
Ventralplatte ab, dann wieder um, ragen über das Ende der Hinter- 
blätter hinaus und biegen dann abermals um. Die Stützen münden 
seitlich in der Ventralplatte als Stigmen, denn es gehen dichte 
Tracheenbüschel an sie heran, deren eines proximal und seitlich nicht 
weit vom Stigma, deren anderes am distalen Ende eintritt. — Auf den 
Hinterblättern sitzen kräftige Stacheln und lange, gefaserte Gran- 
nen. — Am vorderen Segment des Genitalringes kommen außer den 
zangenartigen Haupttheilen des Copulationsapparates zwischen 
ihnen noch zwei Paare spießartiger, langer Gebilde vor^^. 

Craspedosoma s. str. hat keine Pseudoflagella an den hinteren 
Organtheilen , auch sind dies keine mit Stacheln und Grannen be- 
setzte Blätter und zwischen den vorderen Zangen stehen nicht zwei 
Paar spießartiger Organe. An dem hinteren Paare der Copulations- 
organe ist das Hauptstück ein ungefähr cylindrischer, länglicher, mit 
Borsten besetzter Theil, der als Rest der eigentlichen, umgemodelten 
Beine anzusehen ist [ßavescetis , moniliforme und oribates Latz.), oder 
diese Beine sind ganz reduciert und auf der hinteren Ventralplatte 
erheben sich zweimal drei Lappen hinter und über einander iJRatv- 
linsii [Leach] Latz, und Raivl. simile Verb.), oder diese Lappen fehlen 
ganz und die Rudimente der Beine sind sehr klein, aber die Coxae 
des 7. Beinpaares besitzen Anhänge (Subg. Attemsiam.). Es istnatür- 



9 Benannt nach meinem CoUegen, Herrn Dr. C. O. v. Po rat (Jönköping). 

10 Dafür spricht auch Latzel's Fig. 83 1. c, doch ist es möglich, daß sie mit 
den ganzen Hinterblättern bewegt werden können. 

11 Ob diese durch Muskeln frei beweglich sind, kann ich aus Mangel an weite- 
rem Material vorläufig nicht angeben. 



218 

lieh, daß auch die obigen drei Arten als Subg. zusammengefaßt wer- 
den müssen und ich schlage den Namen Haasea^'- vor, so daß als in 
die Untergattung Craspedosoma gehörig zunächst nur Raivlinsii und 
simile übrig bleiben. 

Ich gebe folgende kurze Tabelle der hier in Betracht kommenden 
Formen : 

a. Copulationsapparat der çfçj^ aus dem 2. Beinpaare des 6. , den 
beiden B. des 7. und dem 1. B. des 8. Segmentes gebildet 

I. Gatt. Chordeuma m. 
aa. Copulationsapparat der ç^çj^ nur aus den beiden Gliedmaßen- 
paaren des 7. Segmentes gebildet, jedenfalls sind das 2. B. des 
6. und das 1. B. des 8. Segmentes im Ganzen normale Lauf- 
beine b. 

b. Seiten des Körpers nicht rosenkranzförmig gestaltet, indem 
keine vorragenden Knoten entwickelt sind. Die Beborstung fehlt 
oder ist schwach. Pseudoflagella an den Hinterblättern sind 

vorhanden II. Gatt. Latzelia m. 

bb. Seiten des Körpers etwas rosenkranzförmig, indem kräf- 
tige Knoten vorragen. Die Beborstung ist stark und lang. 
Pseudoflagella an den Hinterblättern sind vorhanden. 

III. Gatt. Poratia m. 
bbb. Seiten des Körpers etwas rosenkranzförmig, indem 
kräftige Knoten vorragen. Die Beborstung ist mäßig stark. 
Pseudoflagella sind an den Hinterblättern nicht vor- 
handen IV. Gatt. Craspedosoma m, 

a. Die Coxae des 7. Beinpaares der cfcf ^^i^^^ i^ lange An- 
hänge ausgestülpt ^nh^. Attemsia m. 

aa. Die Coxae des 7. Beinpaares der cTo^ sind nicht in 

lange Anhänge ausgestülpt ß. 

ß. Die hinteren Gliedmaßen des Copulationsapparates sind 
rudimentär, die zugehörige Ventralplatte aber ist gut aus- 
gebildet und auf ihr erheben sich zAvei Paare von je drei 

Lappen über einander Subg. Craspedosoma m. 

ßß. Die hinteren Gliedmaßen des Copulationsapparates sind 
nicht rudimentär, sondern als längliche, cylindroide, 
am Ende beborstete Gebilde erhalten. Die zwei Paare 

von je drei Lappen fehlen Subg. Haasea m. 

11. Atractosoma «/^«co/wm Verhoeff beschrieb ich bisher nur im Q. 
Geschlecht in meinen »Beiträgen zur Diplopoden -Fauna Tirols« ^3. 

12 Benannt nach dem verstorbenen Zoologen Dr. Erich H aase. 

13 Verhdlg. d. zool.-botan. Ges. in Wien, 1894. p. 21. 



219 

çfçf verdanke ich meinem Freunde dem Faunisten Herrn Amtsrich- 
ter Carl Roettgen (Bonn), welcher dieselben auf dem Pie Padella 
bei Samaden (Schweiz) auffand ^K Sie stimmen in Gestalt und Sculp- 
tur mit den Q Q überein und sind auch chocoladenbraun gefärbt. 

Die Copulationsorgane erinnern etwas an die von Craspedo- 
soina Rawlinsii (!) , die hintere Ventralplatte an die von Atractosoma 
athesinum. 

Die vorderen Gliedmaßen sind in kräftige, graugelbliche Zan- 
gen umgewandelt, an denen man einen ungefähr viereckigen Basal- 
theil und einen gebogenen, nach innen gerichteten Arm unterscheiden 
muß. Der Arm geht von der äußeren, distalen Ecke des viereckigen 
Basaltheiles aus , bleibt ziemlich gleich dick , ist am Ende abgerundet 
und trägt in der Mitte einen Nebenzahn. 

Die innere , distale Ecke des Basaltheiles springt als Zahn vor, 
der innen abgestutzt ist. 

An der Basis steht innen ein stark gekrümmter, wurmförmiger 
Dorn. Gegen die Stütze bildet die Zange eine Knickung, ist aber mit 
ihr verwachsen. Die Stütze selbst ist, außen in der Höhe der Zangen- 
basis , auch wieder rechtwinklig geknickt und erhebt sich dort nach 
außen in einen Höcker. Im Übrigen ist sie sehr plump gestaltet, kurz 
und distalwärts noch verbreitert. Der innere Canal ist rudimentär. 
Tracheen treten nicht mehr heran. Die zwischen den Zangen ge- 
legene Ventralplatte besitzt einen complicierten Aufsatz, der in zwei 
geweihartigen Hörnern, mit je zwei Nebenästen und einem kleineren 
Zähnchen und zwei unter den Hörnern liegenden Buckeln besteht. 
Auf den Buckeln finden sich (wie bei Craspedosoma Rawlinsii) nach 
innen gerichtete, dicht neben einander geordnete, lange Grannen 
mit stumpfen Spitzen. Von der Mitte der Ventralplatte erhebt sich 
nach innen und oben ein starker, am Ende abgerundeter, endoskelet- 
taler Fortsatz, an welchen von beiden Seiten Muskeln herantreten. — 
Die hinteren Glieder des Copulationsringes sind vollkommen 
reduciert. Die Ventralplatte aber ist gut ausgebildet, quer gestreckt 
und seitwärts münden in ihr die Stigmen. Auch sie besitzt in der 
Mitte einen Aufsatz, der freilich viel einfacher ist als der der vorderen 
V. Er besteht in zwei , mit starker Papillenstructur ausgezeichneten, 
hinter einander gelegenen Höckern , deren einer einfach zugerundet, 
deren anderer dreitheilig ist. Die Stützen sind als Tracheentaschen 
ausgebildet und springen nach innen proximal in einen spitzen Fort- 
satz vor. In diesen , eine ihm gegenüberliegende Oifuung außen und 
eine distal, nicht weit vom Ende befindliche , treten Tracheenbüschel 



1* Ich habe diesen Fund um so höher zu schätzen, als mein Freund die Resul- 
tate dieser Excursion fast mit dem Verluste des Gehörs hätte bezahlen müssen. 



220 

ein. — Die Ränder des Copiilationsringes springen unten seitlich in 
der Mitte in einen abgerundeten Höcker vor. An der Unterseite des 
letzten Tarsengliedes aller daraufhin untersuchten Beine stehen zahl- 
reiche , winzige , bläschenartige Hautgebilde, welche bisweilen etwas 
zugespitzt sind. 

12. Von Atractosoma LatzeliYexix. ist bisher erst ein çf unter- 
sucht worden und von diesem konnte ich über die Theile der Ventral- 
seite des hinteren Segmentes des Copulationsriuges leider keine ge- 
nauere Mittheilung machen, üie des vorderen Segmentes aber sind 
ausreichend bekannt und bin ich jetzt in der Lage mittheilen zu 
können , daß in Figur 4 meiner » Beiträge zur mitteleuropäischen 
Diplopoden-Fauna« ^^ der zangenartige, eigentliche Copulationsfuß des 
vorderen Segmentes, in Figur 5 der complicierte Aufsatz der vorderen 
Ventralplatte dargestellt worden ist. Diese 1. c. beschriebenen Theile 
sind immerhin die wichtigsten und genügen, um zu beweisen, daß ein 
Atractosoma, welches mir Herr H. W. Brölemann (Paris) in drei (^ 
und drei Ç zusandte, eine französische Parallelform zu dem 
englischen Latz eli ist. Sie Avurde von B. bei Boran s./Oise ge- 
sammelt. Ich fasse sie als 

A. Latzeli Verh. subsp. gallicum mihi. 

Stimmt in Gestalt, Farbe und Sculptur mit der Stammform über- 
ein, bleibt aber kleiner, erreicht eine Länge von 12 — 15 mm (die 
Stammform wird 18 — 20 mm lang). 

Am Copulationsapparat sind auch die in Zangen mit enter- 
hakenartig umgebogenem Ende versehenen Vordergliedmaßen denen 
der Stammform gleich. Der mittlere Ventralplattenaufsatz aber weicht 
ab. Er springt als ein starker Kegel vor. Zu Seiten der Kegelbasis 
finden sich durch eine Einschnürung abgesetzte Polster. Distalwärts 
von denselben gehen unter beinahe rechtem Winkel jederseits wie 
Flügel kammartig angeordnete, lange Grannen ab, deren Ende abge- 
stumpft ist. Ein umgebogener Haken neben den Grannen (wie bei 
der Grundform) ist nicht vorhanden. In der Mitte ragt der Kegel 
noch über die Grannen hinaus und schlägt sich dann in einer blatt- 
artigen, in zwei lange Spitzen gespaltenen Lamelle um, welche von 
der Basis gegen das Ende ganz allmählich sich verschmälern. (Bei der 
Grundform bleiben die Zipfel der Lamelle bis über die Mitte gleich- 
breit, verschmälern sich dann ganz plötzlich und laufen schließlich in 
eine lange Spitze aus.) 

Von den hinteren Gliedmaßen des Copulationsriuges ist als Ru- 
diment nur eine häutige, im Inneren mit dunklem Pigment erfüllte, 

15 1. c. 1S91. p. 164. 



221 

kleine Ausstülpung jederseits vor der Ventralplatte übrig geblieben, 
auf deren Ende noch ein kleines Wärzchen als Rest eines zweiten 
Gliedes sitzt. Die hintere Ventralplatte ist gut ausgebildet, trägt 
in der Mitte einen starken Fortsatz , der sich in zwei kurze , am Ende 
abgerundete Hörner gabelt und an jeder Seite ein Paar von Lappen- 
fortsätzen, deren vorderer der größere ist. Die hinteren Stützen sind 
gut ausgebildete Tracheentaschen und stimmen im Wesentlichen mit 
denen des Vorigen überein. 

Die Unterseite des letzten Tarsengliedes des 1. und 2. Beinpaares 
des c;;^ ist mit ziemlich weitläufig stehenden Stacheln besetzt. An der 
entsprechenden Stelle der übrigen Beinpaare findet man dicht 
stehende, winzige, mit der Spitze distal gerichtete Dörnchen. Coxal- 
säckchen habe ich an keinem Beinpaar bemerkt. 

13. E. V, Daday hat in den «Myriopoda extranea nova vel minus 
cognita in coUectione musaei nationalis hungarici«. Vol. XVI. 1893, 
p. 104 einen iiPolydesmus gallicusv. beschrieben. 

Dazu bemerke ich, daß : 

a) schon im Jahre 1884 von Latzel in seinen »Myriapodes de la 
Normandie« ein Polydesmus gallicus Latz, beschrieben worden ist, den 
ich allerdings für ein ganz mysteriöses Thier halte , weil er durch 
ZAvei Figuren erläutert wurde (1 und la) , die ganz verschiedenen 
Species angehören ! 

b) uns merkwürdigerweise auch Daday zu seinem yigallicusv^ zwei 
ganz differente Zeichnungen von Copulationsfüßen liefert (Taf. V 
Fig. 1 und 3) , so daß jetzt schon vier französische Polt/desmus-Arten 
unter dem Namen gallicus publiciert wären, vorausgesetzt, daß die 
Abbildungen naturgetreu ausfielen 'c. 

c) erinnert D.'s Fig. 3 so stark an die betreffende Darstellung zu 
meinem Polydesmus rlienanus Fig. 1, 1. c. 1891, p. 121, daß ich, zumal 
da auch in Gestalt und Sculptur (nicht aber Größe) Übereinstimmung 
herrscht, an der Identität beider Formen nicht zweifle. 

14. Was R. J. Po cock in seinen »Contributions to our knowledge 
of the Diplopoda of Liguria«, Res ligusticae, Sept. 1894, p. 519 als 
y)Polydesmus Thomasin von Luzern beschreibt, habe ich bereits früher 
als Polydesmus helveticus m.. vom Genfer See bekannt gemacht. Sein 
i)Polydesmus platynotus«, 1. c. p. 508, ist, wie man aus der beigegebenen 
Fig. 10 mit Sicherheit ersieht, nichts Anderes als der gemeine cow- 
planatus Linné! 



16 Daday sagt allerdings, daß seine Fig. lund 3 von verschiedenen Sei- 
ten aus aufgenommen seien, aber daraus kann doch nicht solche Differenz ent- 
stehen, wie thatsächlich zu sehen ist. 

13»* 



222 



Gleichzeitig erlaube ich mir die Bemerkung, daß die Figuren 2, 
3, 4a, 5 und 6 doch so dürftig sind, daß man mit Grund an ihrem 
Werthe starken Zweifel haben kann. 

Daß Fig. 1 [Polydesmus genuensis Poe.) sehr schlecht ist, vermag 
ich avif Grund eines Praeparates zu behaupten, das ich nach einem 
durch F. Silvestri erhaltenen Thiere hergestellt habe. 

15. Von Polydesmus edentulus C.Koch unterscheide ich als subsp. 
hidentatus mihi eine östliche Form, welche Stellvertreterin des 



Fig. 1. 



Fig. 2. 



Fig. 3. 





E 




westlichen, typischen edentulus ist. Letzteren kenne ich besonders 
aus Tirol, die subsp. hidentatus aus der Umgebung von Graz und 
Adelsberg. Sie ist etwas kleiner als die typische Form und die Beu- 
len auf den Seitenflügeln sind schwächer. 

Die obenstehende Fig. 2 stellt den Copulationsfuß von edentulus 
CK. (Latzel), 

Fig. .3 den von edentulus hidentatus m. vor. 

Bei letzterer Form Avird der Hauptarm gegen das Ende viel 
dünner als bei edentulus. Der große, neben dem Haarbüschel stehende 
Zahn (a) ist schlanker und in der Mitte gekrümmt, der dreieckige 
Zahn (y) ragt stärker vor , der gestreckte Zahn daneben ((3) ist mehr 
zurückgekrümmt. Die Zahl der in der Armconcavität stehenden 
Stacheln ist geringer als bei edentulus und es fehlen diejenigen, welche 
vor der Mitte dichotomiert sind. (Von solchen kommen bei edentulus 
drei vor.) 

16. Im Zool. Anz. No. 418 und 419, 1893 habeich unter Anderem 
einen Polydesmus pectiniger aus Portugal beschrieben. Auf diese Form, 
welche die einfachste mir bisher bekannte der Gattung ist, gründe ich 
die Untergattung Propolydesmus m. : 

1) fehlt das an der Mündung der Samenhöhle sonst befindliche 
Haarbüschel. 

2) ist noch deutlich durch Demarcationslinien und Einschnürun- 
gen eine Differenzierung der Copulationsfüße in Coxa, beborste- 



223 

ten Femur, nackte Tibia und Tarsus erhalten. (In der Tibia 
mündet die Samenhöhle.) 

17. Im »Zool. Centralblatt« 1894, No. 13 , p. 527 wies ich darauf 
hin, daß mir Graf Attems in seiner Arbeit über »die Copulationsfüße 
der Polydesmiden« ^^ insofern einen ungerechtfertigten Vorwurf ge- 
macht hat, als ich »mit den anderen Autoren« den beborsteten Theil 
der Copulationsfüße für die Coxa gehalten hätte, wogegen mein Ar- 
tikel über Haplosoma im Zool. Anz. No. 437 spricht. 

18. Da es noch immer sehr schwer ist, sich eine Vorstellung zu 
machen , wie die anfängliche Ausbildung der Polydesmiden-Copula- 
tionsfüße erfolgt sein mag, will ich daran erinnern, daß es bei ge- 
wissen Beinen einiger Strongylosomen und anderer Formen auch 
das Tibienglied ist, welches die Drüse und die Anschwellung be- 
sitzt und die Hypothese beifügen, daß vielleicht eine ähnliche Bildung 
auch den CO. der Polydesmiden vorhergieng, diese Drüse in ihrem 
Reservoir Spermatozoon aufzunehmen begann und dann schließlich 
eine Umbildung erfuhr. 

19. Brachydesmus Broelemanni n. sp. çf '^ (cf. Fig. 1). Länge 10 
bis 11 mm. Körper graubraun, etwas glänzend, aus Kopf und 19 Seg- 
menten bestehend. 

Die Kanten der Seitenflügel sind deutlich 3— 4 zähnig. Die Buckel 
der Felderreihen der Rückens child er sind im Allgemeinen sehr deut- 
lich ausgeprägt. In der 3. Reihe unterscheidet man deutlich 6, in der 
2. Reihe 4 Felder. Die Furche zwischen der 1. und 2. Felderreihe ist 
sehr tief. Die Buckel der 1. Felderreihe sind auch kräftig, aber die 
Grenze zwischen den äußeren und inneren Buckeln ist schwach ver- 
tieft. Der große Buckel der Seitenflügel ist durch eine schwache 
Querfurche in zwei Buckel abgesetzt. Ein Fingerwulst vor den Hin- 
terecken ist deutlich erhoben. Deutliche Borsten stehen nur am Hin- 
terrande der vier letzten Körperringe und am Vorderrande des 
Collum. Auf letzterem bemerkt man 6 Felder vor dem Hinterrande. 

Die Copulationsfüße (Fig. 1) ähneln am meisten denen des 
Brachydesmus silvanus Broel. 1894. Der Hauptarm ist in der Mitte am 
dicksten, gegen das Ende allmählich verschmälert und etwas einge- 
krümmt. Das Ende selbst ist ziemlich stumpf. Gleich über dem be- 
borsteten Femoraltheil springt die Armbasis in eine dreieckige Spitze 
vor. In der Concavität steht ungefähr in der Mitte das Haarpolster, 
proximal daneben ein spitzer Zahn, distal daneben ein lappenartiger, 
stumpfer Zahn, noch weiter hinter diesem ein zweiter, ebenfalls sehr 



" Wien, Januar 1894, p. 2. 

18 Benannt nach meinem Collegen, Herrn Henry W. Brölemann (Paris) 



224 

spitzer Zahn. Auf der Mitte der convexen Seite findet sich eine Reihe 
etwas gebogener, vertiefter Parallelstrichel. 

Das einzige ç^ erhielt ich von Prof. Paulino de Oliv eira aus 
Co im bra. Es ist der erste von der Pyrenäenhalbinsel bekannte 
Brachydesmus und wohl überhaupt der südlichste bisher gefundene 
Repräsentant dieser Gattung. 

20. Schizophyllum (Subgen. Eleutheroiulus) lusitanum n. sp. rf Q. 
Zur Orientierung über diese Art, insbesondere im Vergleich mit an- 
deren Portugiesen, schicke ich eine kurze Tabelle voraus: 

1) Analschuppe in eine Spitze verlängert , welche die Länge des 
ziemlich kurzen Analfortsatzes erreicht oder fast erreicht. Fora- 
mina dicht an der Naht gelegen, bisweilen auch ein wenig da- 
hinter. Schwarz und gelblichgrau geringelt. Die Rückenmitte 
kann eine Reihe schwarzer Fleckchen aufweisen 

S. lusitanum mihi. 

1.1) Analschuppe in eine Spitze verlängert, welche bedeutend 

kürzer ist als der Analfortsatz 2) 

1,1,1) Analschuppe nicht in eine Spitze verlängert. ... 3) 

2) Beine rosafarben , Streifung der Hinterringe ziemlich schwach. 
Foramina dicht an der Naht gelegen . . . S. Oliveirae Verh. 

2.2) Beine dunkel, Streifung der Hinterringe stärker, Rücken mit 
zwei hellen Binden. Foramina dicht an der Naht gelegen 

S. dorsovittatum Verh. 

3) Analfortsatz ziemlich kurz. Vorderringe verworren nadelrissig. 
Foramina hinter der Naht gelegen. Hinterringe äußerst dicht 
gestreift *S'. méditer raneum Latz. 

3.3) Analfortsatz lang, dachig. Vorderringe schräg gestreift. Hin- 
terringe tief und stark, aber nicht sehr dicht gestreift. Foramina 
etwas hinter der Naht gelegen, diese selbst mit Ausbuch- 
tungen. 

a) Körper einfarbig, Beine gelblichrosa .... *S'. Karschi Verh. 

b) Mit hellen Flanken , blassen Beinen und meist auch zwei röth- 
lichen Rückenlängsbinden oder Fleckenreihen 

S. sabulosum [h .) Latz. 
S. lusitanum mihi : Länge 34 — 40 mm; Breite 37-2 ni™- Körper 
glänzend, unbehaart bis auf die wulstigen Ränder der Analklappen. 
Ocellenhaufe deutlich convex. Stirn mit feiner Medianfurche. Schei- 
telgruben und Scheitelborsten fehlen. Über dem Labrum 6 deutliche, 
tiefe Gruben. Backen des çf nach unten in einem abgerundeten Lap- 
pen vorspringend. Vorderringe fein und etwas unregelmäßig längs- 
gestreift, auf der Rückenhöhe stehen die Streifen mehr quer. Hin- 
ge terrinziemlich fein und weitschichtig regelmäßig längsgestreift. 



225 

Analfortsatz dreieckig , ziemlich kurz , beborstet. Collumseiten mit 
t — 2 schwachen Streifen. 1. Beinpaar des çf klein, häkchen- 
förmig. das Häkchen unbeborstet. Coxa des 2. Beinpaares des çf 
unbewehrt, die übrigen Glieder desselben dick, gedrungen, der 
Trochanter ist reduciert. Femur , Tibia und die 3 Tarsalglieder sind 
unter einander ziemlich gleich lang. Das 1. und 2. Tarsalglied trägt 
an der Unterseite ein großes, stark gestreiftes Polster, das distalwärts 
noch über das Glied hinausragt. 

Die vorderen Klammerblätter sitzen gelenkig auf ihren Stützen. 
Sie sind noch etwas länger als diese, am Ende abgerundet, am Innen- 
rande gerade begrenzt und außen zwischen Mitte und Ende dreieckig- 
abgerundet ausgeschnitten. An der inneren Basis springen sie nach 
oben in einem abgerundeten Lappen vor. Die Stützen sind innen 
concav, nach unten i'' zu verbreitert, sonst ziemlich gleich dick. 

Die Mittelblätter verschmolzen mit den hinteren Stützen 
zu einem Stück. Eine kleine Einschnürung zeigt die Trennungsstelle 
an und unter derselben springt vom Mittelblatt nach innen der starke 
Innenast vor, der in der Mediane sein Gegenüber berührt. Die 
Stütze schwillt distalwärts stark keulenartig an. Der Inn en as t ist 
dicker als das Mittelblatt an seiner Basis. Letzteres läuft am Ende in 
einen spitzigen Zahn aus. Ein zweiter solcher steht auf der Außen- 
seite unter ungefähr rechtem Winkel ab und findet sich etwas distal- 
wärts der Mitte. Papillose Structur fehlt. Flagella fehlen voll- 
ständig. 

Die Hinterblätter sind recht compliciert: Fovea, Iland- 
wulst und Spermaballen sind auch hier deutlich zu bemerken. 
Die weite, länglich-runde Fovea- Öffnung ist nach vorn gerichtet. 
Die Spermalapparate (Fovea etc.) liegen innenwärts von den 
eigentlichen Hinterblättern, welche aus drei Haupttheilen be- 
stehen. Die beiden äußeren armartigen sind an der Basis verwachsen. 
Von ihnen wieder der äußere ist der längste von allen, bleibt ziemlich 
gleich breit, resp. dünn und ist am Ende, das eine etwas schuabel- 
artige Gestalt besitzt, spitz ausgezogen. Die Außenfläche ist leicht 
gebogen, die Innenfläche fast gerade. Dieser längste Arm ist schön 
chitingelb gefärbt, der innere dagegen fast hyalin , farblos. Letzterer 
ist etwas breiter , mehr blattartig , fast gerade und läuft am Ende in 
eine etwas umgebogene, zarte Spitze aus. Der 3. und innerste Theil 
des eigentlichen Hinterblattes ist von den beiden äußeren durch eine 
tiefe Bucht getrennt und stellt einen großen, gelblichen, ungefähr 
dreieckigen, am Ende abgerundeten Höcker vor, neben dessen Außen- 

19 "Unten« und »oben« sind gemeint nach der natürlichen aufrechten Lage des 
Thieres. 



226 

Seite sich noch eine Falte erhebt , die am Ende in eine hyaline, den 
Höcker überragende Haut ausläuft, deren Spitzensaum aber noch 
nicht die Länge des kürzeren der beiden äußeren Arme erreicht. 
Durch ein gelbes Bälkchen ist der Spermalapparat an das eigentliche 
Hinterblatt angekittet. 

(Schluß folgt.) 

2. The Reproduction of the Lobster. 

By Francia H. Herrick, Adelbert College, Cleveland, Ohio, U.S.A. 

eingeg. 20. März 1895. 

An article on «Lobster Reproduction« by Mr. S. Garman has re- 
cently appeared in the Zoolog. Anzeiger (No. 467, Feby. 4th, 1895), 
in which he enumerates some interesting observations originally 
published in a report to the State Fishery Commission of Massachu- 
setts, in 1S92. The impression is conveyed, quite unintentionally no 
doubt , that until the publication of the original paper , little was de- 
finitely known regarding the breeding habits of the lobster. "While 
pointing out that this is not the case , I do not wish to detract from 
the interest and value of his work. 

In May, 1891, I published two short papers on the lobster i, which 
I sent to Mr. Garman at his request. In September, 1891, Bumpus 
published a careful work on the embryology of the lobster^ , in which 
many important facts bearing upon the problems of reproduction Avere 
accurately stated. The report by Garman , addressed Dec. 17th 1891 
to the Massachusetts State Fishery Commission , and published in the 
Annual Report of the Fishery Commissioner for 1892, is summarized by 
the author as follows: »1) The female lobster lays eggs but once in 
two years, the laying being two years apart; 2) the normal time of 
laying is when the water has reached its summer temperature, vary- 
ing in different seasons and places, the period extending from about 
the middle of June till about the 1st of September, and 3) the eggs 
do not hatch before the summer following that in which they were 
laid, the time varying with the temperature, and the period extending 
from about the middle of May until about the first of August.« 

In regard to the first point, the frequency of spawning, I had 
made the following observations in my paper just referred to: »The 

1 Notes on the Habits and Larval Stages of the American Lobster , and The 
Reproductive Organs and Early Stages of Development of the American Lobster. 
Johns Hopkins University Circulars, Vol. X. No. 87. Baltimore, May, 1891. An ab- 
stract of these papers was also published in the Zoologischer Anzeiger, Nos. 361 
and 362, April— May, 1891. 

2 Journal of Morphology, Vol. V. No. 2. Sept. 1891. 



227 

lobster does not breed annually. This is abundantly proved by the 
slow growth of the ovarian eggs , by the immature condition of the 
ovaries at the time when the young are hatched, and by the large per- 
centage of non egg-bearing female lobsters taken in the winter and 
spring.« — »Soon after hatching a brood the lobster may molt, but 
eggs are not laid again until at least another year.« This is equivalent 
to saying that it is not possible for the lobster to produce eggs oftener 
than once in two years. That it requires this time for the ovarian eggs 
to reach their normal size is an inference which Avas drawn from the 
anatomy of the organs. Over 100 dissections were made in the summer 
of 1890 (June 28 — August 19) to determine this and other points. No 
one so far as I know has ever kept a female lobster during the entire 
period from one egg-laying to another. 

In reference to the second point , the period of egg-laying , very 
explicit statements had been made both by Bumpus and myself. The 
following extracts are taken from my earlier paper already referred to. 
»The spawning season is confined to the summer months 3, and the 
eggs which are then laid, are carried by the female through the fall, 
winter and spring, and are not hatched under natural conditions until 
the following summer.« »The period during which eggs were laid this 
year (1890) began about July 1st, and extended until about August 20th,« 
»In 1889 the spawning was somewhat earlier.« 

The third point- that the eggs which are laid in the summer do 
not hatch until the summer following (May — July), was also clearly 
stated by both Bumpus and myself. In addition to the statement made 
above, the following extracts from my paper published in May, 1891, 

illustrate it still further »The eggs laid in summer develop 

with comparative rapidity and eye-pigment is formed in 27 — 30 days. 
Development slows up in the fall, and comes nearly though never 
quite to a standstill in winter.« »The hatching period at Woods' Holl 
(determined for the seasons 1889, 1890) extends over a period of six 
to eight weeks, from about May 15th, to July 15th.« 

The rate of embryonic development at Woods' Holl was tabulated, 
and various other facts bearing upon the life history of the lobster 
were given in this paper. 

In view of the foregoing facts the first ]mrt of the paragraph with 
which Mr. Garman closes his paper is rather surprising: »I am plea- 
sed to see that Mr. F. H. Herrick in the Zoologischer Anzeiger, 
No. 454. Aug. 13. 1894. p. 29, confirms my observations on times, 



3 I have since shown that this statement is inexact, and that a considerable 
number of lobsters extrude eggs at other times of the year. (See Zool. Anz. No. 454. 
Aug, 13th. 1894. p. 29, and the close of this article.) 



228 

rates and on variations along our coasts, etc., even though he does no 
make it entirely clear Avhy he should prefer to give the impression 
that my work was first published in the Aquarium of January, 1894.« 

While questions of priority are not of the first importance, one 
does not like to have the imputation made that what he puts forth as 
an original contribution merely confirms the work of a previous writer, 
when nothing could be farther from the truth. Neglecting my earlier 
paper published in 1891, still the facts recorded in »The Reproduc- 
tion of the Lobster« to Avhich reference ismade(Zool. Anz. No. 454. 
Aug. 13th. 1894) do not confirm Mr. Garman's »observations on 
times, rates , and on variations along our coasts , etc.« in one very im- 
portant particular, the time of spawning. While the majority offe- 
male lobsters capable of spawning, lay eggs in the months of July and 
August on the New England Coast, possibly as many as 2 — 25^ 
extrude eggs at other times, in the fall, winter or spring. This varia- 
tion is perfectly normal and leads to a corresponding variation in the 
time of hatching. It is moreover independent of change of place and 
season. During a period of seven consecutive months five traps were 
kept set in the harbor of Woods' Holl, Mass., Dec. 1st, to June 3üth, 
and were visited daily. Altogether 108 egg lobsters were taken, and 
44 or 25,6^ of the number, bore external eggs which had been laid 
in the fall or winter. A corresponding variation was observed on the 
coast of Maine. 

1 regret that I should have had access only to The Aquarium, 
where Mr. Garman's report appears, since there is no statement 
whatever in that periodical to show , either from what source it had 
been reprinted, or that it had been previously published at all. Had 
I known of its earlier pviblication , I would have gladly acknow- 
ledged it. 

Adelbert College, Cleveland, Ohio, March 6th, 1895, 

3. On the Phytogeny of the Lepidoptera. 

By A. S. Packard. 

eingeg. 26. März 1895. 

The taxonomic importanceof Walter's^ interesting discovery that 
Eriocephala calthella has maxillae constructed on the type of those 
of biting or mandibulate insects, i. e. with an inner (galea) and outer 
lobe (lacinia), besides the palpi, was apparently overlooked by him as 
well as by others, though its bearings on the phylogeny of the Lepido- 
ptera insisted on by Walter are, it seems to us of the highest inter- 

1 Beiträge zur Morphologie der Schmetterlinge. 1885. 



229 

est. The presence of two maxillary lobes, homologous with the galea 
and lacinia of the Mecoptera [Panorpidae), and Neuroptera [Corydalus, 
Myrmeleon as well as the Dermaptera, Orthoptera, Coleoptera etc.), in 
what in other important respects also is the »lowest« or most primitive 
genus of Lepidoptera (the lacinia being a rudimentary, scarcely func- 
tional haustellum or tongue , and not merely a vestigial structure), is 
of great significance from a phylogenetic point of view. This feature 
also affords a basis for a division of the Lepidoptera into two grand 
divisions or suborders, for which I would propose the names Lepido- 
ptera laciniata and Lepidoptera haustellata. 

Walter thus writes of the first pair of maxillae: »The other 
mouthparts also of the lower Micropteryginae have a most primitive 
characteristic. In the first pair of maxillae of Micropteryx calthella^ 
aruncella, anderschella and aureatella cardo and stipes are present 
as two clearly separate pieces. The former in M. calthella and arun- 
cella in comparison with the latter, is larger than in anderschella 
and aureatella. In the last two species the cardo is still tolerably 
broad, but reduced. The stipes is considerably longer than the cardo 
in the two last species, while it is of the same thickness. From the 
stipes arises the large 6-jointed palpus maxillaris, making two or 
three bends and concealing the entire front of the head and all the 
mouthparts. At its base, and this is unique among all the 
Lepidoptera, two entirely separate maxillary lobes arise 
from the stipes. The external represents the most primi- 
tive rudiment (anläge) of a lepidopterous tongue«. It is 
evident from Walter's figures and description that this structure 
which I have also observed in E. calthella , is not a case of reduction 
by disuse, but that it represents the primitive condition of this lobe, 
the galea of the maxilla, and this is confirmed by the presence of the 
lacinia, a lobe of the maxilla not known to exist in any other adult 
Lepidopterous insect, it being the two galeae which bocome elongated, 
united and highly specialized to form the so-called tongue haustellum 
or glossa of all Lepidoptera above the Eriocephalidae^, which we may 
therefore regard as the types of the Lepidoptera laciniate a. 

Another most important feature correlated with this and not 
known to exist in Lepidoptera haustellata is the presence of two lobes 
of the second maxillae, besides the 3-jointed labial palpi , and which 



2 In his paper on the larva of Eriocephala , etc. (Trans. Ent. Soc.London, 1894. 
p. 335) Dr. Chapman separates the old genus Micropteryx into two families: 
Eriocephalidae and Micropterygidae. His group Eriocephalidae I have regarded 
as comprising the types of the suborder Lepidoptera laciniata, orProto- 
lepidoptera. 



230 

correspond to the mala exterior and mala interior of the second 
maxillae of Dermaptera , Orthoptera, Platyptera, Perlidae, Termitidae 
and Odonata, and also, as Walter states, to the ligula and paraglossae 
of Hymenoptera. In this respect the laciniate Lepidoptera are more 
generalized insects than the Trichoptera or Mecoptera. 

Walter thus describes the two lobes or outer and inner mala of 
the second maxillae : »Within and at the base of the labial palpi is a 
pair of chitinous leaves provided with stiff bristles, being the exter- 
nal lobes of the un der lip formed by the cosolidationofthe 
second pair of maxillae, and which reach when extended to about 
the second third of the length of the second palpal joint. Its inner 
edge is directly connected with the inner lobe (Mala interna). The 
latter are coalasced into a short wide tube which by the greater size 
of the hinder wall opens externally on the point, also appearing as if 
at the same time cut oif obliquely from within outwards.« 

»The outer exterior edge of the tube forms a strongly chitinous 
semicircle which becoming thinner finally passes into the delicate 
membranous hinder wall. Also anteriorly a delicate membrane appears 
to cover the chitinous portion.« 

»We have here in opposition to the weak naked under lip repre- 
sented by a triangular chitinous plate in other Lepidoptera , a true 
ligula formed by the coalescence of the inner lobes of the second max- 
illae into a tube, as in many Hymenoptera, and with free external 
lobes, which correspond to the paraglossae of Hymenoptera.« 

Walter has also detected a paired structure which he regards as 
the hypopharynx as he states : » A portion of the inner surface of the 
tube-like ligula is covered by a furrow- like band which close to the 
inner side is coalesced with it, and in position, shape, as well as its 
appendages or teeth on the edge may be regarded as nothing else than 
the hypopharynx.« While he refers to Burgess' discovery of a hypo- 
pharynx in Daiiais archippus, he remarks that this organ in the lower 
Micropteryginae [Eriocephalidae) exhibits a great similarity to the re- 
lations observable in the lower insects, adding: »The furrow is here 
within coalesced with the inner side of the labium, and though I see 
in the entire structure of the head the inner edge of the ligula-tube 
extended under the epipharynx as far as the mandible I must also 
accept the fact that here also the hypopharynx extends to the mouth- 
opening, as in all other sucking insects with a well developed under 
lip, viz., the Diptera and Hymenoptera.« 

Another feature of importance diagnostic of this suborder , is the 
mandibles, which in form, size and the presence of teeth are closely 
related to those of the lower mandibulate orders, being, as Walter 



231 

states, in the form of true gnawing jaws, like those of the biting in- 
sects. They possess powerful chitinous teeth on the opposed cutting 
edge, 12 to 15 on each mandible, and also the typical articulating 
hook-like processes by which they are jointed to the genae, and fit in 
corresponding cavities in the latter. In Micropterrjx and other of the 
more generalized moths the mandibles in a very reduced form have 
survived as functionless vestiges of the condition in Eriocephala. 

Turning now to the head and trunk, we find other primitive cha- 
racters correlated with those just mentioned. 

The head is of moderate size , as well as the body, with small 
compound eyes, and with two ocelli. The occipital region is Avell de- 
veloped , as is the epicranium ; the clypeus and labrum are of mode- 
rate size. 

The generalized nature of the thorax is especially noteworthy. 
The prothorax is very much reduced , the two tergites being separate 
and minute, not readily seen from above. The rest of the thorax is 
very long, exhibiting but little concentration. 

The mesothorax is but slightly larger than the metathorax , the 
mesoscutum is very short , the scutellum rather triangular than scu- 
tellate. 

The metathorax is but little shorter and smaller than the meso- 
thorax and remarkable for the widely separated halves of the scutum, 
a Neuropterous character (compare Ascalaphus and Corydalus)^ in 
which it differs from Microptei'yx. The shape of the scutellum is that 
of a low flattened triangle. 

As regards the abdomen, attention should be called to the dispar- 
ity in size and shape between the sexes , also to the male genital ar- 
mature which is very large and completely exserted , and reminds us 
of that of Corydalus , in which however the lateral claspers are much 
reduced, and also of that of certain Trichoptera {Sericostoma, Tinodes, 
Stenophylax, Hydropsyche^ etc.). 

The larval characters of this suborder it would be difficult to give, 
for in the remarkable larva of Eriocephala calthella as described and 
figured in Dr. Chapman's elaborate account 3, we appear to have 
a highly modified form, entirely unlike the simple apodous larva of 
Micropteryx and perhaps quite unlike the primitive stem-forms of 
lepidopterous larvae. Chapman's well represented its form, as we 
can testify from mounted specimens in a slide kindly given us by 
him. The body is broad and flattened, the segments very short in 
proportion to their width , the prothoracic segment , however , very 

3 Trans. Ent. Soc. London, 1894, p. 335. I am indebted to Dr. Chapman for 
mounted specimens of the larvae, and for examples of the imago. 



232 

long in proportion to the others, but the surface rough aud cor- 
rugated, not with a hard smooth dorsal plate, as in many Tineidae, 
Tortricidae, Cossidae, etc., since it is not a boring insect. The eight 
pairs of abdominal proplike tubercles , which we should hardly regard 
as homologous of the abdominal legs, are, like those of the Panorpidae, 
simple tubercles armed with a spine. The 1 0th or last abdominal seg- 
ment is armed with a pair of dorsal spines, each arising from a tubercle. 
The singular flattened and fluted setae represented by Chapman are 
unique in Lepidopterous larvae. He also describes a trefoil-shaped 
sucker on the under side of the 9th and 10th abdominal segments, 
»very unusual«: though as it appears to be paired it does not, as 
Chapman thinks, seem to me to indicate »a further point of relation- 
ship to Limacodids«. 

Chapman states that »the head is retractile, so far, that it may 
occupy the interior of the 2d thoracic segment«, and he says that «the 
antennae are remarkably long for a lepidopterous larva«. He remarks 
that there are two strong mandibles, with four brown teeth«, and 
adds: »Two pairs of palpi are also visible — two and three-jointed, 
apparently those usual in lepidopterous larvae, but I have not defined 
their relations. There is also a central point (spinneret?). 

The labrum is less divided than usual in lepidopterous larvae, but 
it is not except in this respect much unlike that of Tineids e.g. Graci- 
laria (See Dimmock's Fig. 2. p. 100. Psyche, HI). The four-jointed 
antennae, ending in two unequal setae, are of very unusual size and 
length, and so are the maxillary palpi, which are much larger than in 
any caterpillar known to me, and are greatly in disproportion to the 
maxillary lobes. The maxilla itself differs notably from that of other 
caterpillars; what appears to be the lacinia is palpiform and 2-jointed. 
The labium and its palpi are much as in Gracilaria, but the palpi 
appear to be 3-jointed, with a terminal bristle (it is possible that there 
are but two joints). Unlike the larva of 3Iicroptcrijx that of Erioce- 
phala does not appear to possess a well marked spinneret; while it is 
easy to see it in the former genus, in Eriocephala I can only detect a 
lobe, which appears to be simply the rudiment (anläge) of a spin- 
neret (unless the latter is in my specimens bent under the head) ; but 
the organ needs further examination on fresh specimens. It would be 
interesting if it should be found that the spinneret is in a generalized 
condition, _^as compared with that of Micropteryx. 

The pupa. Unfortunately we are as yet ignorant of the pupa 
form. Dr. Chapman has only found the head-piece of the pupa, but 
refers it to the »Incompletae«, and thinks it probable that the pupa 
has the »3d and following abdominal segments free«. 



233 

The egg, according to Chapman, is «large and spherical«, in 
confinement as little groups, to the number of twenty-five in all. 

Diagnostic Characters of the Lepidoptera laciniata. — 
I add the characters of this suborder. Imago : Maxilla with a well deve- 
loped lacinia and galea, arising as in mandibulate insects from a definite 
stipes and cardo, the galeae not elongated, united, and differentiated 
into a haustellum, each being separate from its fellow. The maxillary 
palpi enormous, 6-jointed; mandibles large, scarcely vestigial, with a 
broad-toothed cutting edge , and with three apparently functional 
hinge-processes at the base, as usual in mandibulate insects. Hypo- 
pharynx well developed, somewhat as in Diptera and Hymenoptera. 
The 2d maxillae divided into a mala exterior and interior recalling 
those of mandibulate insects; palpi 3-jointed. Thorax with prothorax 
very much reduced ; metathorax very large with the two halves of the 
scutum widely separate. Venation highly generalized; both fore and 
hind wings with the internal lobe or »jugum« as in Trichoptera; veins 
as in Micropte7-yx and showing no notable distinction compared with 
those of that genus ; scales generalized ; fine scattered setae present 
on costal edge and on the veins. Abdomen elongated, with the male 
genital armature neuropteroid, exserted, the dorsal, lateral, and sternal 
appendages very large. 

Egg spherical. Larva in form highly modified compared with 
that of Micropteryx^ with large 4-jointed antennae and very large 
3-jointed maxillary palpi; no spinneret? No abdominal legs, their 
place supplied by a pair of tubercles ending in a curved spine, on 
segments 1 — S; a sternal sucker at the end of the body. Pupa libera? 

Suborder II. Lepidoptera haustellata^ 

This group may be defined thus : Maxillae with no lacinia, the 
galeae being highly specialized and united with each other to form a 
true tubular haustellum or glossa, coiled up between th elabial palpi. 
The maxillary palpi large and five or six-jointed in the more generalized 
forms, usually vestigial or entirely wanting in the more modern spe- 
cialized families. Mandibles absent, as a rule, only minute vestiges 
occurring in the same generalized forms. Wings both jugate and 
frenulate, mostly the latter; tending to become broad and with highly 
specialized scales, often ornamented with spots as well as bars, the 
colors and ornamentations often highly specialized; the thorax highly 
concentrated, the metathorax becoming more and more reduced and 



4 If the term haiistellata should be thought inapplicable from its use by former 
authors the term Lepidoptera glossata could be used instead. 



234 

fused with the mesothorax ; the abdomen in the generalized forms 
elongated, and with large exserted abdominal male genital armature. 

Pupa incomplete, the abdominal segments 3 to 6 or 7 free ; in the 
more generalized primitive forms the end of the maxillary palpi form- 
ing visible subocular pieces or »eye collar«; or a flap-like piece on the 
outside of the maxillae; the labial palpi often visible; clypeus and 
labrum distinct; paraclypeal pieces distinct; no cremaster or only a 
rudimentary one in the generalized primitive forms. 

Larvae with usually a prothoracic dorsal chitinous plate; the 
armature consisting in the primitive forms of minute 1 -haired tuber- 
cles, the four dorsal ones arranged in a trapezoid on abdominal seg- 
ments 1 — 8, becoming specialized in various ways in the later families 
into fleshy tubercles, or spines of various shapes, 5 pairs of abdominal 
legs, with booklets or crochets forming a complete circle in the more 
generalized forms (in Hepialidae several complete circles, the hook- 
lets in the later, more specialized groups usually forming a semicircle 
situated on the inner side of the planta. 

This suborder may be subdivided into two series of superfamilies 
and families, the Palaeolepidoptera, and the Neolepidoptera. 
I. Palaeolepidoptera (Pupae liberae). 

The characters of the group are those of Micropteryx^ as this is 
the only genus yet known. Its larva has a well developed spinneret; 
though it has no abdominal legs, the other features are so truly lepi- 
dopterous that the absence of legs may be the result of reduction by 
disuse, rather than a primitive feature. 

The pupa has entirely free antennae, mouth-parts and limbs, and 
bears considerable resemblance to that of a caddis-fly. 

The mandibles are enormous and as described by Chapman, 
are adapted for cutting through the dense cocoon. The maxillae are 
separate and curled up on each side and partly concealed by the 2d 
maxillary (labial) palpi, not extending straight doAvn as in the Pupae 
incompletae and obtectae; the maxillary palpi situated just in 
front of the mandibles, extends outwards and forward reaching to the 
antennae. The labrum is deeply cleft, and strongly setose, as is the 
epicraniura, the clypeus is square with a singular white delicate mem- 
brane projecting from it, the use of which is unknown. The hind legs 
extend beyond the end of the abdomen, which is simple, not termi- 
nating in a cremaster; the sides of the segments bear a single large seta. 

The trunk characters are much as in EriocepJiala. The head is 
larger and squarer, the eyes very small, there are two ocelli present, 
the clypeus and labrum are short and small. 

The prothorax is very much reduced, much as in Eriocephaia] 



235 

the metathoracic scuta show an advance over those of Eriocephala in 
being united on the median line instead ef separated; the meta- 
scutellum is very large, longer and more scutellate than that of Erio- 
cephala. 

The shape and venation of the wings are nearly identical with 
those ot Eriocephala, being long, narrow, and pointed; both pairs 
nearly alike in size and except that on the hinder pair there is a »ju- 
gum« or angular anal fold, as inTrichoptera; the scales are of genera- 
lized shape all over the wings. 

II. Neolepidopter a. 

This series may be divided into two sections, corresponding in 
the main to the Pupae incompletae of Chapman (the Erioce- 
phalidae and Micropterygidae included by Chapman being removed), 
and his Pupae obtectae, for the first of which we would suggest 
the names Tineoids, and for the second comprising the large broad- 
winged forms or Macroplepidoptera, or Platylepidoptera. 

1) Tineoids or Stenop t erygia. 

These are Tineoid forms with many vestiges of archaic features, 
usually with narrow wings, of dull hues or with metallic bars, or with 
highly specialized shapes of scales and spots, and the venation genera- 
lized in the earlier forms. The maxillae are sometimes aborted (wholly 
so in Hepialidae , palpi either well develepod, more or less reduced, 
or wanting; mandibles rarely occurring as minute vestiges; the thorax 
Neuropteroid, in the more primitive forms becoming shorter and the 
segments fused together in the later or more specialized groups. 

The pupae are incomplete; the more primitive forms with the 
eye-collar; labial palpi visible; paraclypeal pieces distinct; abdomen 
often in the most primitive forms with no cremaster. 

Larvae with 1-haired tubercles, the four dorsal ones arranged in a 
trapezoid on abdominal segments 1 to 8, usually a prothoracic dorsal 
plate ; the abdominal legs sometimes wanting in certain mining forms 
and Cochliopodidae ; larvae often case-bearers or borers; crochets on 
the abdominal legs in the primitive types arranged in two or more 
complete circles ; in the loAvest forms a well marked spinneret. 

From the generalized types, many offshoots or lines of descent 
arose whose position is difficult to assign until we know more about 
the pupae, as well as the venation, so that the following grouping is 
entirely provisional ; the more generalized forms are evidently archaic 
and very primitive, and the members of the groups may be briefly called 
for convenience Tineoids, from their general resemblance to the Tineina. 

The following is a provisional genealogical tree of the order, 
based mainly on the pupal and imaginai characters. 



236 



Lycaenidae 



Papilionidae 

Hesperidae 

Castniidae 

Noctuida 



Nymphali dae 



Pieridae 



Sphingidae 



Agaristidae Hemileucidae 

I I 

Saturniidae 



Geometridae 



Ceratocampidae 
Notodontidae 



Platypterygidae 
Endromidae 



Hypsidae 

Lasiocampidae 



Bombycidae 
Perophoridae 



Liparidae 



Syntomidae 



Diopti dae Arctiidae 

I Nolidae 



Cyllopodidae 
Nyctemeridae 



Lithosiidae 
Chalcosiidae 
Zygaenidae 



Megalopygidae 
Cochliopodidae 



Psychidae 
Palaeporidae 



Tineina 
(15—20? families) 



Sesiidae Pyralidina 
Pterophoridae 
Thyrididae Alucitidae 
Cossidae I Tineoiidae 



Prodoxidae Hepialidae Tortricidae 



2. Neolepidoptera (Pupae incomf)letae and Pupae obtectae). 

l.Palaeolepidoptera (Pupae liberae. 3Iicropterygidae). 

Suborder II. Lepidoptera hauatellata. 

Suborder I. Lepidoptera laciniata (Protolepidoptera. Eriocephalidae). 

Brown University, Providence, R. L, March 15tti, 1895. 



Druck von Breitkopf Ä Hârtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 



herausgegeben 

von Prof. J. Yictor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmaim in Leipzig. 



XVIU. Jahrg. 24. Juni 1895. No. 478. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Dlittheilungen. 1. Verhoeff, Aphorismen zur Biologie, Mor- 
phologie, Gattnngs- und Art-Systematik der Diplopoden. (Schluß.) 2. Lutz, Das Bluten der Coccinelli- 
den. II. Mittheil, ans Mnseen, Instituten etc. 1. Zacharias, Statistische Mittheilungen aus der 
Biologischen Station am Großen Plöner See. 2. Janet, Sur le mode l'indication du grossissement dans 
les dessins. III. Personal-Notizen. Necrolog. Litteratur. p. 197 — 212. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Aphorismen zur Biologie, Morphologie, Gattungs- und Art-Systematik 

der Diplopoden. 

Von Dr. phil. Carl Verhoeff, Bonn a/Rhein. 
(Mit 3 Figuren.) 
(Schluß.) 
Auch der Spermalapparat besteht aus drei Haupttheilen, 
nämlich erstens der blasenartigen Fovea, deren Wandung auch hier 
ziemlich dünn ist und um die Öffnung herum den dicken Randwulst 
besitzt, zweitens und drittens armartigen, emporragenden Theilen. 
Von diesen ist der äußere der einfachere; ein langer, etwas nach 
außen ragender, sehr allmählich verschmälerter, spießartiger Fortsatz 
von gelblicher Farbe, der am Ende spitz ausläuft und ein wenig nach 
innen gekrümmt ist. An der inneren Basis hängt er mit der Grund- 
masse durch eine hyaline , am Saum in feine Spitzchen ausgezogene 
Haut zusammen. Der innere Aufsatz ist complicierter gestaltet. Es 
handelt sich um eine glasige, nach vorn etwas aufgetriebene Masse, 
an deren vorderer Oberfläche fast allenthalben, besonders am Ende, 
mehr oder weniger dicht gedrängte Stachelchen stehen. Sie wird am 
Ende von einem kleinen Spitzchen überragt, in dem der Spermagang 
mündet, welcher basalwärts nach der Fovea zu in der dicken und auf- 
geblasenen Masse des bestachelten Theiles übrigens nicht deutlich 
weiter zu verfolgen ist. Die Rückseite des inneren Aufsatzes ent- 
behrt der Bestachelung. Nach innen ist er gelblich gefärbt und distal- 
wärts allmählich etwas nach außen gebogen. An der inneren Basis 

14 



238 

der Fovea mündet in diese der gekrümmte Gang einer Drüse ein, 
welche die von Graf Attems als »Prostata« bezeichnete Drüse sein 
dürfte 2". In der Mediane zwischen den Spermalapparaten befindet 
sich natürlich eine verbindende Haut und diese springt hinten jeder- 
seits in einen starken , am Ende abgerundeten Lappen vor , welche 
beide durch einen tiefen Einschnitt getrennt sind. 

Aus Portugal (Coimbra) erhielt ich S. liisitanum durch Herrn 
Prof. Paulino de Oliveira in beiden Geschlechtern zahlreich und 
scheint die Art nächst Karschi Verh. daselbst am häufigsten zu sein. 

21. lulus monticagus Latzel fand ich bei Fiume an Waldrändern 
zwischen Laub und Steinen häufig in Gesellschaft der var. elucens 
Latz. 21. 

21. lulus alemannicus Verh. ist auch in Steiermark, Kärn- 
then und Krain verbreitet und stellenweise sehr häufig. Es ist da- 
her undenkbar, daß Latzel 1. c. unter seinem /. vagahundus nicht 
auch theilweise den alemannicus m. gemeint haben sollte. Trotzdem 
fallen beide Arten keineswegs zusammen. Denn außer den Diffe- 
renzen an den Hinterblättern ist hervorzuheben, daß die Vorderblätter 
von alemannicus eines Innenzahnes völlig entbehren, während Latzel 
1. c. p. 320 sagt, daß die von vagahundus »auf der Innenseite einen tie- 
fen, gerundeten Einschnitt besitzen, wodurch ein großer, stumpfer 
Zahn entsteht«. [Wollte ich mich über solche deutliche, morphologische 
Unterschiede hinwegsetzen, so entkleidete ich die Artsystematik ihres 
wissenschaftlichen Characters !] 

23. Ich habe jetzt noch zwei neue Itilus- Äxten mitzutheilen, 
welche auch in die schwierige Untergattung Leptoiulus 
gehören und einander sehr nahe stehen. Es ist am besten, die unter- 
scheidenden Merkmale beider Arten von einander und anderen Ver- 
wandten hervorzuheben und die übrigen Details zu übergehen: 

hilus Braueri mihi-^s. lulus Broelemanni mihi. 

Länge des Q bis 27 mm, des Länge des Ç bis 40 mm, des 

(^ 17—22 mm. q^ 28—30 mm. 

Streifung der Hinterringe Streifung der Hinterringe 

ziemlich seh w ach, die Streifen deutlich, die Streifen stehen 

stehen weitschichtig. Foramina dichtan einander. Foramina weit 

sehrweithinter derNahtgelegen. hinter der Naht gelegen. 

Körper im Allgemeinen Körper rückenwärts dunkel 



20 Zool. Anz. No. 458. 1894. 

21 Übrigens sind bei beiden Formen die Vorderblätter sehr gestreckt und ent- 
behren des Innenzahnes. 

22 Benannt nach dem berühmten Wiener Zoologen, Herrn Prof. Dr. Friedrich 
Brauer. 



239 



schwarz gefärbt , die Flanken 
sind nicht aufgehellt. 

Analfortsatz ziemlich lang, 
dreieckig, spitz. 

Backen des (^ anliegend, 
nicht vorspringend. 

Coxae des 2. Beinpaares des 
(j^ ohne Fortsätze. 

Beine des ç^ am 2. und 3. letz- 
ten Gliede mit kräftigen, gestri- 
chelten Polstern. 

An den Copulationsorganen 
sind die Vorderblätter nur 2 mal 
so lang wie breit, ohne Innen- 
zahn. Das helle Fenster über 
der Basis derselben ist sehr groß, 
quer-rundlich. Am Ende der Vor- 
derblätter findet sich hinten keine 
Grube. 



gefärbt, die Flanken bis fast zu 
den Foramina hinauf aufgehellt. 



Analfortsatz recht lang und 



spitz. 



Backen des çj' ebenso. 

Coxae des 2. B. des çf ohne 
Fortsätze (nur Rudimente oder 
Andeutungen solcher). — Beine 
des çf am 2. und 3. letzten Gliede 
mit kräftigen, fein gestrichelten 
Polstern. 

An den Copulationsorganen 
sind die Vorderblätter 3 — 4 mal 
länger als breit, mit stumpfem 
Innenzahn versehen. Das helle 
Fenster über der Basis ist groß 
und länglich. Am Ende der Vor- 
derblätter findet sich außen und 
hinten eine Grube, veranlaßt da- 
durch, daß der wulstige Rand 
vorspringt. 
Die Hinterblätter sind bei beiden Arten ganz nach dem Typus ge- 
baut, der auch sonst von den Leptoiulus bekannt ist, also ist die Du- 
plicatur hinter ihnen vorhanden, welche in der Mediane eingeschnitten 
ist und ungefähr bis zur Mitte dieser Blätter reicht. [Sie enthält übri- 
gens starke Muskeln, welche sich an ihrem Ende befestigen.] Vorhan- 
den ist ferner an der Innenseite der Hinterblätter der bekannte Fort- 
satzstachel, am Ende der stiefelschaftartige Lappen, welcher sich außen 
am Ende umklappt (was besonders bei Broelemanni deutlich ist) und 
vor ihm zwei Fortsätze in der Concavität des Lappens. 

Braueri m. Broelemanni m. 

Der vordere dieser Fort- Der vordere dieser Fort- 

sätze läuft in eine sehr scharfe sätze läuft in eine zarte, hyaline 

Hautaus, welche sich nach außen 
zackig abstuft. Der » Velum«-Lap- 
pen ist etwas schwächer und steht 
mehr basalwärts. 
Der hintere Fortsatz ist bei beiden Arten übereinstimmend ge- 
bildet und in ihm endet eine Rinne, welches diejenige ist, von wel- 
cher Graf Attems 1. c. spricht. Es ist aber nichts der Fovea bei 
SchizophyUum irgendwie Ahnliches vorhanden. 

14* 



Spitze aus. Außen springt er in 
einen zarten »Velum«-Lappen vor. 



240 

/. Bi'aueri vf\xxà.e von meinem Freunde Carl Roettgen in 3 Q 
und 2 çf auf dem Pic Padella und am Albula-Paß aufgefunden. 

/, Broelemanni erhielt ich vom Artpathen in mehreren Pärchen 
aus der Lombardei mit der Anfrage, ob es sich um »/. chilopogon 
Latz.« handeln könne. Letzteres ist jedoch ausgeschlossen, weil 

a. »/. chilopogona keine Tarsalpolster besitzt, 

b. die Coxae des 2. Beinpaares der ç^ç^ den characteristischen 
Warzenfortsatz tragen. 

Im Übrigen sind die Copulationsorgane des ytchilopogonc noch nie 
beschrieben und daher wird er wahrscheinlich nicht wiedererkannt 
werden. — Vielleicht ist /. Braueri der alpine Vertreter des /. Broele- 
manni. 

24. In die von mir im Zool. Anz. No. 456, 1894 neu beschriebene 
Gattung Megaphyllum m. gehören von bereits bekannten Arten noch 

hinein : 

1) /. austriacus Latzel. 

2) /. unüineatus C. Koch. 

3) /. podabrus Latzel. 

C. Attems (Zool. Anzeiger No. 458) hebt mit Recht hervor, daß 
diese drei Arten nicht in den Rahmen von hdus Verh. hineinpassen. 
Ich muß aber eben so hervorheben, daß ich für diesen Fehler kei- 
nerlei Verantwortung übernehme, denn ich habe damals (»Anatomie 
und Systematik derluliden«, 1894) meine Angaben über diese drei 
Arten lediglich von Latzel übernommen und angenommen, daß 
ihnen secundäre Hinterblätter zukämen, da aus den sehr kurzen und 
unzureichenden Beschreibungen dieses Autors 1. c. p. 298 [austriacus) 
und p. 304 [imili?ieatiis) nicht das Gegentheil hervorgeht, ^ei poda- 
brus wird in Fig. 153 sogar ausdrücklich ein Mittelblatt, mit )C(( be- 
zeichnet, dargestellt. Podabrus J^Sitz. (aus Cattaro) besitze ich auch 
jetzt noch nicht, vertraue aber der Angabe von C. Attems. Die Co- 
pulationsorgane der beiden anderen Arten hatte ich damals auch noch 
nicht untersucht, unilineatus erst im letzten Sommer aufgefunden. Ich 
kann nun die Angabe von C. Attems über unilineatus und austriacus 
vollkommen bestätigen. 

M. projectum Verh. ist, von anderen Differenzen abgesehen, von 
imilineatus leicht durch den viel schlankeren Analfortsatz, von austria- 
cus durch die dichtere Streifung zu unterscheiden. 

Reichthum an Hautdrüsen im Bereich der Hinterblätter ist 
proj., unilin. und austr. gemeinsam. 

25. Ich weiß nicht, wesshalb C. Attems 1. c. mir vorwirft, ich 
spräche dem /. pelidnus ein Flagellum zu , da diese Mittheilung doch 
von Latzel stammt! Auch hier habe ich lediglich Latzel 's Angaben 



241 

vertraut , mich jetzt aber ebenfalls durch in Österreich gesammelte 
pelidnus überzeugt, daß die Behauptung von C. Attems richtig ist. 

Die von Attems entdeckte Art Micro2)odoiiilus eurypus ist keine 
Veranlassung, diese Gattung aufzugeben, da der Autor ja selbst sagt, 
daß das »erste Beinpaar ein höckerförmiges« ist und «an den Hüften 
des stark verdickten 2. Beinpaares« sich »lange LöfFelfortsätze« befin- 
den. Das sind ja die beiden Hauptcharacteristica von Micropodoiulus 
und diese verursachen eine etwas andere Art der Copvila. 

Sieht man von den eben genannten . durch Latzel veranlassten 
Irrthümern in meiner luliden-Gruppierung 1894 ab, so wird dieselbe 
von C. Attems ganz bestätigt. Nur ist es entschieden unstatthaft, 
daß er die Tachypodoiuhis-'^ und Palaioiulus zu einer Gruppe ver- 
einigen will, was ich weiterhin begründen werde. Hiervon aber ab- 
gesehen, sind wir über die natürliche Gruppierung, d. h. über die 
Fassung der einzelnen Gruppen ganz in Übereinstimmung. Ob 
nun der Eine die einzelnen Gruppen Untergattungen oder der 
Andere Gattungen nennt, das ist nebensächlich und mehr Sache der 
subjectiven Anschauung. Ich gebe aber zu bedenken, daß die von mir 
angenommenen Gattungen im Vergleich zu den in anderen Thier- 
gruppen geltenden Grundsätzen eher zu weit als zu eng gefaßt sind. 
Und wenn man luhis, Pachyiulus^ Palaioiulus etc. m. als Untergattun- 
gen fassen will, so muß man für deren Untergruppen wieder besondere 
Ausdrücke creiren. 

Ich habe ferner zwar gezeigt, daß die Hinterblätter von den Mit- 
telblättern abzuleiten sind , aber Mittelformen zwischen den 4- und 
den 6-blättrigen Gruppen sind nicht bekannt und das ist für mich 
ein wichtiger Umstand, die Gruppen als Gattungen zu fassen. 

Ich finde aber die Eintheilung der alten Gattung lulus von Graf 
C. Attems in nur zwei Untergattungen auch desshalb unglücklich, 
weil doch Pachyiulus und MegapJiyllum mit einander eben so nahe 
verwandt sind, wie etwa Megaphyllum und lulus m. oder Pachyiulus 
und Palaioiulus. 

Von Tachypodoiulus albipes C. Koch habe ich mir in den «Bei- 
trägen zur Anatomie und Systematik der luliden« Wien 1894 »eine 
genauere Untersuchung« der Copulationsorgane »vorbehalten«. Deren 
Resultat ist nun interessant genug. Es bestätigt zunächst eine Ver- 
muthung, welche ich schon lange gehegt habe, daß nämlich albipes 
mit den anderen Tachypodoiulus doch nicht in einer Gruppe zu be- 
lassen ist. 

Es kommen bei albipes Spermaballen vor, ganz analog denen von 



^'ï sabulosus gehört übrigens nicht zu Tachypodoiulus. 



242 

Palaioiulus. Während sie aber bei letzteren 2/3 einer Kugel oder fast 
eine ganze Kugel darstellen , sind sie bei T. alhipes von der Gestalt 
eines niedrigen Kugelabschnittes , machen also etwa Y3 einer Kugel 
aus. Damit hängt zusammen, daß bei T. alhipes die Fovea zwar 
auch vorhanden ist, aber viel schwächer ausgebildet als bei Palaio- 
iulus. Bei letzteren handelt es sich um eine fast kugelige Blase mit 
vorderem , rundlichen Eingang. Bei alhipes ist die Fovea eine ziem- 
lich flache Grube, welche vorn eine weite Öffnung besitzt. 

Der Samengang kommt als offene Halb rinne von dem inner- 
sten der Lappen des Hinterblattes, welcher nur die Andeutung zu 
einem Semiflagellum aufweist, zum Rande der Fovealöffnung und da- 
selbst springt in diese ein dreieckiger Lappen vor. Ein ähnlicher, 
dreieckiger Lappen springt auch weiter innen vor. Gäbe es sonst 
keinen Unterschied von Palaioiulus , so würde ich alhipes allerdings 
als Untergattung zu Palaioiulus stellen. Es fällt aber auf, daß die 
Hinterblätter außerordentlich weit von den Mittelblättern ab- 
gerückt sind, so weit wie ich es bei keinem anderen luliden gesehen 
habe , während die Mittelblätter sehr dicht an die Vorderblätter ge- 
drängt sind. Diese Eigenthümlichkeiten hängen zusammen mit einer 
ganz enormen Entwicklung der Ventral platte des hinteren 
Segmentes des Copulationsringes. Dieselbe ist in der Mediane ge- 
spalten und stellt zwei gestreckte Balken dar, welche von Drüsen- 
poren durchsetzt werden und am Vorder- und Hint er ende stark 
anschwellen. Sie sind so groß wie die Stützen der Mittelblätter, aber 
noch etwas kräftiger. Auf der hinteren Anschwellung sitzen die Hin- 
terblätter, auf der vorderen die Mittelblätter. Die vorderen Anschwel- 
lungen sind dreieckig, am Vorderrande abgerundet zugestutzt und die 
Mittelblätter , welche an der Stelle , wo Blatt und Stütze in einander 
übergehen, innen in einen großen, rundlichen Lappen erweitert 
sind , stützen sich mit dem Oberrande desselben auf das Vorderende 
der vorderen Balkenanschwellung. — Bei T. peliclnus , nanus und sty- 
ricus fehlt nun eine derartige in zwei Balken gespaltene, hintere Ven- 
tralplatte. Der Samengang ist als Rinne ausgebildet, aber die Samen- 
gruben sind noch schwächer als bei alhipes. Da sich nun die drei 
genannten Arten von alhipes außerdem durch Größe, Farbe, Ocellen- 
form, Sculptur der Vorderringe und Lage der Foramina rep. auszeich- 
nen, so müssen sie eine eigene Gattung bilden: 

A. Kleine , blaßgefärbte Formen , bei denen die Ocellen in eine 
schwarze Fläche zusammengeflossen sind, die Foramina rep. dicht 
hinter der Naht liegen und die Vorderringe spiegelglatt sind. Flagella 
fehlen. Drei Blattpaare vorhanden. Die secundären Hinterblätter 



243 

sind nicht weiter differenziert. Fovea sehr schwach ausgebildet. 
Die hintere Yentralplatte des Copulationsringes ist rudimentär. 

Gattung Leptophyllum mihi (hierhin pelidnus Latz, iianus Latz, sty- 
ricus Verh.i . 

ß. Mittelgroße , dunkelgefärbte Formen , bei denen die Ocellen 
gut unterscheidbar sind und stark convex, die Foramina rep. 
eine Strecke weit von der Naht abgerückt und die Vorderringe 
quergestreift sind. Flagella fehlen. Drei Blattpaare vorhanden. 
Die secundären Hinterblätter sind nicht weiter differenziert. Fovea 
ffut ausgebildet, aber flach. Die Mittel- und Hinterblätter sind stark 
von einander abgerückt und stützen sich beide auf die zwei große, 
lanffffestreckte Balken bildende , hintere Ventralplatte des 

DO 

Copulationsringes. Gattung Tachypodoiulus mihi (hierhin nur alhipes 
C. Koch). 

C. Mittelgroße bis große, mehr oder weniger dunkel gefärbte 
Formen, bei denen die Ocellen gut unterscheid bar sind, die Fora- 
mina rep. bald die Naht berühren, bald davon abgerückt, die Vorder- 
ringe bald glatt, bald gestrichelt, bald längsgestreift sind, quergestreift 
aber höchstens auf der Rückenmitte. Flagella fehlen. Drei 
Blattpaare vorhanden. Die secundären Hinterblätter sind in tertiäre 
Hinterblätter und Spermalblätter differenziert. Fovea 
stark ausgebildet, blasenartig. Die Hinterblätter stehen nicht 
auffällig von den Mittelblättern ab. Die hintere Ventralplatte des Co- 
pulationsringes ist rudimentär. Gattung Schizophyllum mihi [= Pa- 
laioiulus Veih.2^]. 

26. Durch H.W. Bio elemann erhielt ich von St. Raphael d./Var 
(Provence) ein lulus Q. als alholineatus Luc, was wahrscheinlich dieser 
Art wirklich entspricht, da Lucas sein Exemplar aus dieser Gegend 
besaß. Wahrscheinlich handelt es sich aber nicht um lulus ^ sondern 
um ScJiizophyllum , denn das eingesandte Exemplar besitzt (außer der 
schmalen weißen Rückenlinie) an den Vord erringen etwas schräge, 
deutliche Längsstreifung. Die Foramina berühren die Naht von 
hinten her und die Ocellen sind sehr convex. Scheitelgruben fehlen. 
Demnach handelt es sich in keinem Falle um einen Leptoiulus und 

die Berechtigung des riparius Verh. steht sonach außer Frage. 

* * 

* 

Über die meisten der hier besprochenen Puncto werde ich in einer 
späteren , von Tafeln begleiteten Arbeit zurückkommen. — Ein be- 
trächtlicher Theil dieser Forschungsergebnisse ist veranlaßt durch 
eine Reise in Österreich-Ungarn, für Avelche mir die »Académie der 



2* Ich gebe diesen Namen auf, weil er unzweckmäßig ist. 



244 

Wissenschaften« in Berlin ein Stipendium von 500 Mark aussetzte. 
Ich halte mich für verpflichtet , hierfür schon an dieser Stelle meinen 
wärmsten Dank auszusprechen. 
Bonn a/Rh., 12. März 1895. 

2. Das Bluten der Coccineliiden. 

Von K. G. I; u t z , Stuttgart. 

eingeg. 27. März 1895. 

An der Erforschung der Insectenwelt , insbesondere der Käfer 
und Schmetterlinge, Avird seit nahezu zwei Jahrhunderten von hervor- 
ragenden Forschern gearbeitet; trotzdem herrschen noch über wichtige 
Vorgänge im Leben überall häufig vorkommender Kerfe große Mei- 
nungsverschiedenheiten, so u. a. über das Bluten der Coccineliiden. 

Schon de Geer ^ berichtete über die letzteren: »Im Ruhestande 
schlagen diese Insecten die Schenkel ^ an die Seiten der Hüften und 
ziehen beide dicht an den Leib zusammen , daß man keine Beine ge- 
wahr wird, wenn man sie von oben ansieht. Berührt man sie, so geben 
sie am Ende der Hüften ein Tröpflein gelber, übelriechender, schlei- 
michter Flüssigkeit von sich. Folglich müssen die Hüften hier eine 
Öö'nung haben, die ich aber nicht habe entdecken können. 
Eigentlich quillt die Feuchtigkeit aus der Fuge der Hüfte und des 
Schenkels hervor, und in dieser Fuge muß die Öffnung befindlich sein.« 

In ähnlicher Weise äußerten sich Brandt und Ratzeburg^: 
»Die Käfer lassen aus jedem Kniegelenk einen großen Tropfen eines 
dunkel guttigelben, nach frischen Erbsen , oder wie Einige meinen, 
nach Opium riechenden Saftes, welcher nach dem Austrocknen eine 
glänzende, bittere Masse zurückläßt und gewiß den Feinden der Coc- 
cinellen sehr unangenehm ist, woraus es sich auch erklärt, warum sie 
so selten von Spinnen gefangen Averden , die wir doch häufig in ihrer 
Nähe , besonders im Herbst auf Kiefern , sehen und die doch so viele 
andere Käfer fangen. . . Es läßt sich nur vermuthen , daß sie einen 
flüchtigen, scharfen, vielleicht dem Cantharidin ähnlichen Stofl" be- 
sitzen . . . Die gelbe Flüssigkeit, die aus den Gelenken tritt, wird 
auch beim Oflhen des Hinterleibes im Fettkörper in Tröpfchen zer- 
streut gefunden. . . Zerreibt man sie (die Käfer) zwischen den Fingern 
und bestreicht das Zahnfleich damit, so empfindet man ein Brennen, 
der Speichel fließt zusammen , auch wollen Einige das Gefühl einer 
angenehmen Kälte wahrnehmen.« 

i De Geer, Abh. z. Geschichte d. Insecten. Übers, v. J. A. E. Göze. 1781. 
5. Bd. p. 424. 

2 De Geer bezeichnet die Schiene als Schenkel, den Schenkel als Hüfte. 

3 J. F. Brandt u.J. T. C. Ratzeburg, Medic. Zoologie, 1829. p.231. 



245 

Genauer untersucht wurde die von diesen Käfern ausgeschiedene 
Flüssigkeit erstmals von Leydig^, der nachwies, daß dieselbe in der 
That gleichbedeutend ist mit den im »Fettkörper zerstreuten Tröpf- 
chen«, nämlich mit dem Blut der Coccinelliden. Diese Käfer {Cocci- 
nella sep fet7i-pu?i.c fata), schreibt er, «sondern bekanntlich bei Berührung 
einen gelben Saft aus den Kniegelenken ab, den man bisher allgemein 
aus , Drüsenbälgen' hervorkommen ließ. Ich kann demgegenüber mit 
aller Bestimmtheit behaupten, daß fraglicher in Tropfen vor- 
quellende Saft nicht Secret einer Drüse, sondern daß es die unver- 
änderte Blutflüssigkeit des Thieres ist, welche hier zu Tage tritt. 
Wem hierüber Bedenken aufsteigen, der fange ohne alle Beimischung 
die gelben Tropfen zur Untersuchung auf, und falls ihm das Insecten- 
blut aus Erfahrung bekannt ist, so wird er bei dem ersten Blick 
in das Mikroskop das intensiv gelbe Plasma und die farblosen Blut- 
kügelchen von rundlicher , spindelförmiger oder strahliger Gestalt 
unterscheiden. Man stelle darauf den Gegenversuch an, schneide 
eine Antenne durch , und fange den austretenden , gleichfalls gelben 
Tropfen, dessen Blutnatur keinem Zweifel unterliegt, auf. ixnd die ver- 
gleichende Untersuchung weist die Identität der beiden Flüssigkeiten 
nach. Noch mag bemerkt sein, daß sich unter der Haut der Kniege- 
lenke keine anderen drüsigen Bildungen vorfinden, als die erwähnten 
gewöhnlichen Hautdrüsen. . . Die Öffnung am Kniegelenke, 
durch welche die Blutflüssigkeit nach außen kommt, mit 
dem Mikroskop zu sehen, ist mir nicht gelungen, die Unter- 
suchung stößt hier auf eigenthümliche Schwierigkeiten. 
Doch kann ich mit Bezug auf die weitere Structur des Kniegelenkes 
anführen, daß außer den einzelligen Hautdrüsen nichts von einem 
absondernden Apparat zugegen ist; der Raum wird von Muskeln 
und Tracheen eingenommen, wobei sich die Muskeln zum Theil an 
lange innere Chitinstäbe (oder Sehnen) festsetzen.« 

Nach den Untersuchungen Leydig's konnte es sich nur noch 
darum handeln, den Mechanismus, der das Hervortreten des Blutes 
ermöglicht, näher zu erforschen. Statt dessen aber kamen mehrere 
Zoologen von dem Wege , der bis dahin beschritten worden war , ganz 
ab. Nach Altum^ »scheint zur Vertheidigvmg der Marienkäfer ein 
gelblicher, scharfer, stark riechender Saft zu dienen, der bei der Be- 
rührung aus den Seiten (des Körpers!) hervorquillt«. In derselben 
Weise äußert sich Ludwige! bezüglich des letzteren Punctes: »Bei 

* L ey d ig , Zur Anatomie der Insecten ; Archiv f. Anat., Physiologie etc. 1859. 
p. 35—37. 

•^ B. Alt um, Forstzoologie, 3. Bd. Berlin 1S74. p. 324. 

^ J. Le un is, Synopsis der Thier künde, 3. Aufl. v. H. Ludwig. 2. Bd. p. 204. 

14»* 



246 



Berührung schlagen die Käfer die Fühler und Beine ein und lassen 
aus den Seiten einen gelblichen, stark riechenden Saft hervor- 
quellen.« Auch der bekannte Entomologe Taschenberg', ferner 
Masius^ u. A. lassen den gelblichen Saft aus den Seiten der 
Marienkäfer hervorquellen. 

Leydig9 hatte nicht nur für Coccinella septem-punctata L., 
sondern auch für Timarcha coriaria Fabr. und Meloë proscarabaeus L. 
den Nachweis geliefert, daß die durch das Kniegelenk austretende 
Flüssigkeit nichts Anderes sei als das Blut derselben. Mit den ge- 
nannten Geschlechtern, besonders aber mit der Familie Vesicantia 
[Meloë, Cantharis, Mylahris und Cercocoma) hatten sich in der Folge 
italienische und französische Gelehrte eingehender beschäftigt, von 
denen ich hier Magretti, de Bono, Beauregard und Cuénot 
namhaft mache ^^^ Die drei erstgenannten Forscher konnten sich der 
Ansicht Ley dig 's nicht anschließen. Sie fanden nämlich die schon 
von Le y dig beschriebenen einzelligen Drüsen im Kniegelenk und 
glaubten nun, wie Beauregard^' sich ausdrückt, »annehmen zu 
dürfen«, daß diese hypodermal gelegenen Drüsen auf eine besondere 
Art functionieren und daß sie sich in größerer Anzahl gruppieren, 
um die Absonderung, um die es sich handelt, hervorzubringen.« 

Cuénot, der die Flüssigkeit in der von L ey dig angegebenen 
Weise untersuchte, kam dagegen wieder zu dem Ergebnis, daß die- 
selbe zweifellos gar nichts Anderes sei als das Blut des Thieres. Aber 
auch damit war die Frage nach der Herkunft dieses »ganz besonderen 
Safteso noch nicht endgültig beantwortet. So kann sich Kolbe'^^ 
wie es scheint, weder für die eine noch für die andere Annahme ent- 
scheiden. Er schreibt nämlich in dem citierten Werke unter dem 
Kapitel »das Blut«: »der bei manchen Käfern, z. B. Arten von Cocci- 
nella, TimarcJia und Meloë, aus den Beingelenken abgesonderte gelbe 
Saft ist nach Ley dig nur Blutflüssigkeit«; später dagegen lesen wir 
unter dem Kapitel »Stinkdrüsen« : »Die Ölkäfer [Meloë, Lytta] und die 
Marienkäfer [Coccinella) lassen gelbe Tropfen aus den Gelenken treten, 
wenn sie berührt werden.« 



' Brehms Thierleben, 3. Aufl. 9. Bd. von E. L. Taschenberg. p. 206. 
^ H. Masius, Zoologie, in: Gesammte Naturwissenschaften. 2. Bd. p. 750. 

9 1. c, p. 36 u. 37. 

10 Magretti, Del prodotto di secrezione particolare in alcuni Meloidi. Boll. 
Scient. No. 1. 1881. — De Bono, Sull'umore segregato dalla Timarcha pimelio- 
ides. Il Naturai. Siciliano 1889. p. 24 fi". — Beauregard, Les Insectes vesicants. 
Paris 1890. — Cuénot, Le sang des Meloë et le rôle de la cantharidine dans la 
biologie des Insectes vésicantes. Bull. Soc. Zool. Fr. Bd. XV. p. 126 — 128. 

" 1. c, p. 223. 

12 H. J. Kolbe, Einführung in die Kenntnis derinsecten, Berlin 1893. p. 545 
u. 611. 



247 

Aus dem Seitherigen geht wohl zur Genüge hervor, daß man »über 
das Mechanische beim spontanen Blutschwitzen der Meloë und ge- 
wisser Coccinellen, auch jetzt noch, wie Graber^^ s. Z. bemerkte, 
»ebenso wenig weiß, wie betreffs der meisten übrigen Absonderungen«. 
Nach einer neueren Publication hat Cuénot'^ an Timarcha tenehricosa 
Fabr. und T. coriaria Fabr., Aclimonia tanaceti Fabr., Coccinella septem- 
punctata L. und C. hipwictata L. , sowie an Meloë proscarahaeus L., 
31. majalis L. und 31. autumnalis Oliv, weitere Untersuchungen an- 
gestellt und abermals gefunden, daß Ley dig 's Behauptung richtig 
gewesen, daß der austretende Saft nämlich direct aus dem Innern des 
Käfers kommendes Blut darstelle. Cuénot denkt sich den Vorgang 
so, daß der Druck des plötzlich zum Stillstand gebrachten 
Blutes die Haut in den Puncten geringsten Widerstandes 
sprengt und dann ein Tropfen herausgepresst wird , worauf sich die 
Wunde fast sogleich in Folge von Bildung eines Blutgerinnsels wieder 
schließt. 

Daß diese Annahme aber lediglich auf einer theoretischen Erwä- 
gung und nicht auf thatsächlichen Beobachtungen beruht, bedarf kaum 
besonders hervorgehoben zu Averden. Und so steht auch Cuénot noch 
ganz auf dem Puncte, den Ley dig mit seiner Untersuchung im Jahre 
1859 erreicht hatte; denn er hat, wie er am Schluß seiner ersten 
Publication '5 ausdrücklich hervorhebt, bis jetzt noch nicht heraus- 
bringen können, ob in den Kniegelenken besondere Vor- 
kehrungen getroffen sind, die dem Blut gestatten, nach 
außen zu entweichen. Gerade die Auffindung dieser Vorkehrungen 
ist aber der Punct, um den es sich nach dem gegenwärtigen Stand der 
Forschung in erster Linie handelt. So ist es z. B. für Jeden , der die 
Angabe Ley dig 's betr. die Identität des ausgetretenen Stoffes mit 
dem Blute des Käfers, nicht ohne Weiteres als richtig hinnehmen will, 
eine leichte Aufgabe, dies mit Hilfe des Mikroskpps festzustellen. 
Und was die Stelle anlangt, an welcher das Blut heraustritt, so genügt 
ein flüchtiger Blick, um beurtheilen zu können, daß es nicht aus den 
Seiten des Körpers kommt. Man darf eben die Vorstellung nicht 
aufkommen lassen, daß das, was sich an den Seiten eines Käfers be- 
findet, auch hier aus dem Körper desselben hervorgekommen sein 
müsse. Sollten aber die relativ großen Tropfen aus Drüsen abgesondert 
werden , dann müßten die letzteren auch eine entsprechende Größe 
besitzen und bei der Untersuchung sofort auffallen. Es ist deshalb 



13 V. Graber, Die Insecten. 1877. II. Theil. p. 209. 

1* L. Cuénot, Le rejet de sang comme moyen de defense chez quelques colé- 
potères. Compt. rend. Acad, selene. Paris T. 118. 1894, p. 87.5—877. 
15 1. e, p. 128. 



248 

geradezu merkwürdig, wie man auf den Gedanken, die ausgeschiedene 
Flüssigkeit sei eine Drüsenabsonderung, hat kommen können , nach- 
dem L e y d i g den wahren Sachverhalt dargelegt hatte. »An das 
Studium des Kerflebens kann man,« wie Graber ganz richtig schreibt, 
»nicht vorurtheilslos und nüchtern genug herantreten.« 

Die »eigenthümlichen Schwierigkeiten« , welche man beim Auf- 
finden der Öffnung am Kniegelenk, durch welche die Blutflüssigkeit 
nach außen kommt, zu überwinden hat, sind nicht bei allen in Be- 
tracht kommenden Arten gleich groß. Wenn man sich hierbei vor- 
zugsweise an die größeren Käfer, also an Meloë, CantJiaris, Timarcha, 
gehalten und von den Coccinelliden, als den kleinsten Arten, meist 
ganz abgesehen hat, so war dies insofern ganz natürlich, als bei den 
ersteren die Kniegelenke sammt der in Rede stehenden Einrichtung 
viel größere Dimensionen haben und deshalb angenommen werden darf, 
es werden sich leichter entsprechende Längs- und Querschnitte an- 
fertigen lassen als bei den letzteren. Es stellt sich jedoch bald heraus, 
dass diese Annahme nicht zutreffend ist'^. 

Wie man an Halyzia-MeÌQ.en unschwer sehen kann , enthält das 
Femur der Coccinelliden drei Muskeln: 

a. den Extensor der Tibia (e), welcher sich auf der Dorsalseite 
des Femur ansetzt und an den Dorsalfortsatz der Tibia angreift. Die 
Sehne desselben ist auf der einen Seite chitinisiert (bei ch) und läuft 
im Bogen um den letzteren [v], der dem Anscheine nach ebenfalls aus 
Cellulose ^'^ besteht wie die innere, unter dem Chitin liegende gelbliche 
Schicht der Cuticula. 

b. den Flexor der Tibia, der sich auf der Ventralseite des 
Femur ansetzt und durch seine gegabelte Sehne mit den beiden ven- 
tralen Fortsätzen der Tibia in Verbindung steht. 

c. den Flexor der Krallen, welcher sich nahe am Grunde des 
Femur ansetzt, zwischen dem Extensor und Flexor der Tibia liegt und 
dessen lange Sehne von der Mitte des Femur durch diesen , durch die 
Tibia und die Tarsenglieder hinzieht, um an den Krallen zu inserieren. 

•6 Die Beine von Timarcha, Meloë etc. sind nämlich viel härter und deshalb 
auch spröder und liefern beim Schneiden nur selten ganze Schnitte. (Durch Ein- 
legen in Eau de Javelle kann diesem Übelstand allerdings einigermaßen abgeholfen 
werden.) Bei den Coccinelliden ist es bei der Kleinheit der Beine zwar ebenfalls 
schwer, einen guten Schnitt zu bekommen, da dieselben beim Schneiden leicht ganz 
aus dem Paraffin brechen ; doch bleiben die Schnitte, da sie weniger hart und spröde 
sind, eher ganz. Auch lassen sich, so namentlich bei Halyzia, ganze Beine unter- 
suchen, da sie durchsichtig sind, was bei keiner der größeren Arten der Fall ist. 
Zum Einbetten der zu untersuchenden Beine sollte weder Paraffin von hohem, noch 
solches von niederem Schmelzgrad verwendet werden : in ersterem werden sie zu 
spröde, in letzterem haben sie zu wenig Halt. 

" Vgl. J. Vosseier, Die Körperbedeckung der Inaecten. Jahreshefte des 
Vereins f. vaterl. Naturk. in Württemberg. 1894. p, LCCCVI. 



249 



In der Tibia liegt nur der Flexor des ersten Tarsengliedes; 
er greift an der ^'entralseite des ersten Tarsengliedes an. 

Das Kniegelenk der Coccinelliden ist, wie bei den Insecten über- 
haupt, ein echtes Scharniergelenk, das nur Bewegungen in einer 
Ebene zuläßt. 

Nach vielen vergeblichen Versuchen ist es mir endlich gelungen, 
einen guten Schnitt zu erhalten, welcher den erwünschten Aufschluß 
gab. Die nebenstehende Abbil- 
dung giebt ein genaues, mit Hilfe 
des Prismas gezeichnetes Bild des 
äußeren Theils eines Median- 
schnittes 'S durch das Kniegelenk 
von Coccinella Septem- punctata. 
Die einzelnen Theile desselben 
sind unter der Figur näher be- 
zeichnet. Bemerkenswerth sind 
die aus Cellulose bestehenden, 
sehr elastischen Gelenkhäute 
(Ä), welche die Öffnung des Femur 
an der Stelle, wo die Sehne des 
Extensors (e) heraustritt, verschlie- 
ßen und deren äußere bei o eine 
Spalte besitzt. 

Contrahiert sich der Extensor 
der Tibia, so wird das Bein ge- 
streckt. Das Hervortreten des 
Blutes unterbleibt jedoch, weil die 
Spalte mit der sie tragenden Gelenkhaut (welche sich dabei nach Art 
eines rollenden Papierstreifens bewegt) auf die Sehne [s) gedrückt, 
d. h. geschlossen wird; denn das Gelenk wirkt als Excenter, und die 
Spalte wird zwischen Sehne und Gelenkhaut, bezw. Femur, einge- 
klemmt. 

Daß diese Annahme richtig ist, läßt sich experimentell feststellen. 
Klebt man nämlich Coccinellen mit den Tarsen auf Papier, so wehren 
sie sich natürlich aus Leibeskräften, um loszukommen; trotz un- 
sanfter Berührung unterbleibt aber das Bluten aus den angeführten 
Gründen. 

Contrahirt sich der Flexor der Tibia, so legt sich die letztere an 

18 Der Schnitt ist etwas schräg, von der Mitte des Femur nach der oberen 
Seite der Tibia, geführt worden. Da die Spalte in der Mitte liegt, wird man sie nur 
dann zu Gesicht bekommen, wenn über und unter ihr, also nicht durch die Mitte 
geschnitten wird; auch darf der Schnitt nicht zu dünn sein. 




Medianschnitt durch das Kniegelenk von 
Coccinella septum-punctata L. 180/1. — 
/Femur, t Tibia, v Fortsatz derselben, 
e Extensor tibiae, s Sehne desselben (bei 
eh chitinisiert), h Gelenkhaut, o Spalte. 



250 

die Ventralseite des Femur. Das Bluten kann auch so nicht erfolgen, 
weil die Spalte nun an das Femur zu liegen kommt und zwischen der 
Gelenkhaut bezw. Sehne und Femur eingeklemmt ist. 

Wird aber beim »Sichtodtstellen« das Blut in Folge starker Zu- 
sammenziehung der Hiuterleibssegmente in die Beine gepreßt und 
gleichzeitig am Zurückfließen gehindert ^9, so wird durch die Con- 
traction des Flexors der Tibia, vorausgesetzt, daß sie das gewöhnliche 
Maß übersteigt, die Bahn frei. Durch die starke Beugung der Tibia 
lockert sich nämlich der feste Verschluß 20 zwischen Sehne und Femur, 
und indem die Tibia zwischen den beiden Kanten des Femur (ähnlich 
wie sich die Klinge eines Messers in das Heft einlegt) eingedrückt 
wird, was eine Verringerung des Femur-Hohlraumes bedingt, tritt 
in Folge des erhöhten Druckes das Blut durch die Spalte 
der Gelenkhaut aus dem Kniegelenk. 

Bei Coccinella Septem- punctata habe ich öfters beobachtet, daß 
sie die Tarsen während des Blutens an den Rand der Vertiefung, in 
welche die Beine eingelegt werden, anstemmen, wodurch die Beugung 
der Tibia noch wesentlich unterstützt wird. Sobald die Contraction 
des Hinterleibes und damit die Zurückdrängung des Blutes, sobald 
ferner die verstärkte Contraction des Flexors der Tibia aufhört, ist 
auch die Möglichkeit des Blutens nicht mehr vorhanden. 

Der Weg, den das Blut beim Austritt aus dem Hohlraum des 
Femur nimmt, kann experimentell nur an durchsichtigen Beinen (z. B. 
von Halyzia) festgestellt werden. Sucht man durch vorsichtiges 
Drücken einen Theil des Blutes aus dem Femur des abgeschnittenen 
Beines zu entfernen, so daß an dessen Stelle Luft tritt, und legt man 
dasselbe nun in venetianischen Terpentin so ein, dass der Tro- 
chanter in die Nähe des Deckglasrandes zu liegen kommt, so bekommt 
die Öffnung des Trochanters bald einen festen Verschluß. Übt man 
jetzt bei ca. 300facher Vergrößerung mit Hilfe des Objectivs oder 
einer Nadel einen leichten Druck auf das Präparat aus, so wird die im 
Femur enthaltene Luft nach dem Kniegelenk und durch die Spalte 
der Gelenkhaut hinausgetrieben. Die Luftblasen gehen, wenn man 
mit dem Drucke nachläßt, so lange sie noch in unmittelbarer Nähe 
des Kniegelenks liegen, häufig sofort wieder auf demselben Wege 



19 Um ein einfaches Stillstehen des Blutes (cf. Cuénot) kann es sich nicht 
handeln; vielmehr wird das Zurückfließen desselben aus den Beinen in Folge der 
plötzlichen Contraction des Abdomens erschwert bezw. unterbrochen. 

20 Bei dem Schnitt (vgl. die Abbildung) ist die Tibia wahrscheinlich beim 
Schneiden etwas nach links verschoben worden. Beim Austritt des Blutes wird sie 
aber in Folge starker Beugung so zu liegen kommen, und die Spalte wird nun nahezu 
quer stehen. Sobald der Tibia-Vorsprung in seine frühere Lage zurückkehrt, ist die 
Spalte wieder geschlossen. 



251 

zurück ; man kann auf diese Weise die Stelle, an welcher die Luft und 
natürlich auch das Blut durch die Gelenkhaut tritt, genau feststellen, 
was für das Auffinden der Spalte an Längsschnitten von großem 
Werthe ist. 

Bei der relativen Größe der Blutstropfen ist es leicht erklärlich, 
warum so kleine Käfer, wie die Coccinellen ausnahmslos sind, nicht 
mehr als höchstens zwei bis dreimal unmittelbar nach einander bluten 
können, und warum Käfer nicht nothwendig krank sein müssen, wenn 
sie, z. B. in Gefangenschaft, kein Blut mehr austreten lassen. Ge- 
fangenschaft in trockener Lvift, verbunden mit Nahrungsmangel erträgt 
Coccinella Septem - punctata allerdings nicht besonders lange, da ihr 
Blut, wie ich annehme, in kurzer Zeit zu viel Wasser durch Ver- 
dunstung verliert. Dies ist wohl auch der Grund, warum diese Käfer 
mit Vorliebe an feuchten Stellen, zwischen Gras, Laub, Steinen etc., 
überwintern. Im Herbst 1893 sah ich Hunderte solcher Coccinellen, 
welche in einer kleinen Sandgrube am Boden zwischen Laub, Moos 
und Steinen, und zwar in der Nähe der östlichen, ca. y^ m hohen 
Wand derselben, ihr Winterquartier bezogen. Die hier überwintern- 
den Käfer ließen während des ganzen Winters und auch noch im 
Frühjahr bei un'sanfter Berührung sofort Blut fließen. Will man 
Coccinellen in Gefangenschaft überwintern, so gelingt dies nach 
meiner Erfahrung am leichtesten, wenn man sie in einer etwa bis zur 
Hälfte mit Moos angefüllten Schachtel unterbringt und das Moos öfters 
befeuchtet. 

Vielfach tritt aus allen sechs Beinen gleichzeitig Blut aus; manch- 
mal beim ersten Anstoßen nur aus den Vorderbeinen, beim zweiten 
aus den mittleren und zuletzt auch aus den Kniegelenken der Hinter- 
beine. Vom Knie aus gelangt das Blut häufig an die Epipleuren und 
auf den oberen Rand der Flügeldecken. Dadurch ist wohl die An- 
nahme, der Saft trete aus den Seiten des Körpers hervor, veranlaßt 
worden. 

Die Blutflüssigkeit trocknet rasch und ist dann klebrig und zäh, 
so daß die Käfer manchmal mit ihrem eigenen Blute angeklebt wer- 
den, Cu énot bemerkt, bei den von ihm untersuchten Arten bilde sich, 
sobald ein Tropfen außen erscheine, fast unmittelbar darauf ein ziem- 
lich dichtes Gerinnsel, und die Wunde werde alsbald durch 
dieses natürliche blutstillende Mittel geschlossen. Wenn die 
Vorrichtungen, welche das Bluten ermöglichen, bei Timarcha^ Meloëctc. 
dieselben sind wie bei den Coccinelliden, und es ist hieran kaum zu 
zweifeln, so darf, wie aus meinen Untersuchungen hervorgeht, weder 
von einer Wunde noch von einem Verschluß derselben durch blut- 
stillende Mittel gesprochen werden. 



252 

Daß die Käfer das anhaftende Blutgerinnsel keineswegs als Wund- 
pflaster betrachten, geht schon daraus hervor, daß sie sich, wie man es 
öfters zu beobachten Gelegenheit hat, alle Mühe geben, dasselbe zu 
entfernen. Am 7. November 1893 fiel mir ein Chilocorus bipustu- 
latus L., der an den Flügeldecken und an den Beinen kleine Blut- 
klümpchen in größerer Zahl hängen hatte, auf den Tisch und kam 
dabei auf den Rücken zu liegen. Sofort begann ein lebhaftes Spiel 
mit den Beinen. Die mittleren rissen die Anhängsel von den Vorder- 
beinen und Epipleuren; die Hinterbeine nahmen ihnen die losgerisse- 
nen Stücken ab und beförderten sie nach rückwärts. Die Schnellig- 
keit und Geschicklichkeit, mit der diese Reinigung innerhalb weniger 
Minuten beendet wurde, läßt darauf schließen, daß der Käfer dieses 
Geschäft nicht zum ersten Mal ausführte. 

Das Bluten der Coccinelliden erfolgt, wie schon erwähnt, nur 
während des »Sichtodtstellens«. Früher glaubte man, die betreffeiiden 
Insecten handeln beim letzteren mit Bewußtsein, also aus Überlegung; 
gegenwärtig ist man jedoch ziemlich allgemein der Ansicht, sie ver- 
fallen vor Angst und Schrecken in eine Art Starrsucht, sie haben, 
wie Graber^i gjc]^ ausdrückt, «so zarte Nerven, seien so überaus sen- 
sibel, daß, wenn ein stärkerer Reiz (ein Stoß oder Schall), auf sie ein- 
wirke, theils ihre Muskeln sich krampfhaft zusammenziehen, theils 
gewisse Drüsen zur Entleerung ihres Secrets veranlaßt werden ; das 
Sichtodtstellen sei ein Tetanus, denn sichere Beweise für die Will- 
kürlichkeit der betreffenden Vorgänge seien nur wenige erbracht«. 
Beruht das Sichtodtstellen auf einem Tetanus, so ist auch das Bluten 
die Folge eines solchen; wird das erstere aber willkürlich ausgeführt, 
so geschieht auch das Bluten wahrscheinlich willkürlich. 

Daß willkürliches Blutspritzen vorkommt, ist bekannt; so z. B. 
bei Eugaster Guyoni Serv. Von dieser in der Sahara lebenden Heu- 
schrecke schreibt Vosseier 22 u. A. Folgendes: »Sobald Eugaster sein 
Leben bedroht und die Flucht in sein Versteck abgeschnitten sieht, 
stellt er sich wie ein geübter Schütze in Position und zielt mit den 
Beinen in der Richtung der drohenden Gefahr. Ehe sich's der Sammler 
versieht, treffen auf 40, ja 50 cm Entfernung zwei kräftige Strahlen 
einer gelblichgrünen Flüssigkeit die beutegierige Hand. Wirkt das 
erste Geschoß nicht abschreckend genug, so folgt eine gleiche, aller- 
dings etwas schwächere zweite Ladung. . . . Ich versuchte dem Ursprung 
und der Bedeutung dieser eigenthümlichen Waffe auf den Grund zu 
kommen und fand, daß^die Flüssigkeit aus schmalen länglichen Poren, 



21 1. c, p. 205. 

22 J. Vosseier, Biolog. Mittheilungen über einige Orthopteren aus Oran. 
Jahreshefte d. Ver. f. vaterl. Naturk. in Württemberg. 49. Jahrg. 1893. XCIV. 



253 

welche je eine an der dünnhäutigen Oberseite zwischen Coxa und 
Trochanter der zwei ersten Beinpaare 2^' sich befinden, unter hohem 
Drucke ausgespritzt wird. Ich erprobte häufig genug die Treff'sicher- 
heit des schwarzen Sechsfüßlers und muß meine Bewunderung aus- 
drücken über die Geschicklichkeit, mit der beide Strahlen conver- 
gierend gegen die zugreifenden Fingerspitzen, divergierend (oft alle 
vier Strahlen auf einmal) gegen die plötzlich über ihn gehaltene 
Handfläche ergossen wurden. Je nach der Stellung der Beine werden 
die Strahlen nach den Seiten, nach vorn oder hinten ganz nach Be- 
dürfnis gerichtet.« 

Da nun das Bluten der Coccinelliden als ein Vertheidigungsmittel 
gegen insectenfressende Thiere angesehen werden muß — auch Cué- 
not betrachtet es als ein solches — , so ist dasselbe ebenfalls als ein 
willkürlicher, durch Vererbung überkommener Vorgang zu be- 
trachten, wenn das Blut auch nicht wie bei Eugaster dem Angreifer 
entgegengeschleudert wird, sondern mehr gegen dessen Geruch- und 
Geschmacksinn gerichtet ist^^. Die Beschaffenheit der Spalte, welche 
von einer doppelt contourierten Haut gebildet wird, aber weist klar 
darauf hin, dass sie nicht erst unmittelbar vor dem Blutaustritt ent- 
steht, sondern daß sie der Käfer schon beim Verlassen der Puppen- 
hülse besitzt. 

Betreffs der widerlichen Eigenschaften des Coccinellen-Blutes hat 
Cuénot constatiert, daß Marienkäfer, von Eidechsen und Amphibien 
aus Unachtsamkeit verschlungen, sofort wieder ausgeworfen werden. 
Im Herbst 1893 habe ich ähnliche Versuche angestellt. Am 8. Oktober 
sperrte ich zu Epeira diademata Cl. und Ep. marmorea (var. pyranii- 
data) Cl. zwei Fliegen, welche mit Blut von Coccinella septem-punctata 
bestrichen worden waren. Nach Verfluß von etwa fünf Stunden 
tödtete Ep. marmorea die eine derselben, ließ sie aber unversehrt im 
Gewebe hängen. — Ein altes Weibchen von Ep. diademata erhielt 
allseitig mit solchem Blut bestrichene Fliegen, rührte aber keine der- 
selben an. — Ep. umlratica CL, die den Tag über unbeweglich in ihrer 
Ecke saßen, verließen ihren Ruheplatz, sobald eine mit Coccinellen- 
Blut bestrichene Fliege in ihre Nähe kam. — Xysticus cristatus Cl. floh 
ebenfalls vor derartigen Fliegen. — Eine zweite Ep. marmorea (var. 
pyramidata) wich Anfangs vor einer am Hinterleib bestrichenen Fliege 
zurück; umwickelte sie dann aber, ohne sie zunächst weiter zu be- 



23 Nach einer mündlichen Mittheilung des Herrn Dr. Vosseier hat Eugaster 
Gui/oni auch, am dritten Beinpaar derartige Poren. 

'^ Auch das schon erwähnte Anstemmen der Tarsen während des Blutens 
spricht dafür, daß wir es nicht mit einem Tetanus sondern mit einem willkür- 
lichen Vorgang zu thun haben. 



254 

rühren; blieb hierauf ca. zehn Minuten neben der Fliege und betastete 
sie mit ihren Tastern; endlich biß sie in deren Brust und fieng an zu 
saugen; nach einiger Zeit drehte sie die Fliege, um nun auch den 
Hinterleib zu zerkauen und auszusaugen, hielt sie jedoch plötzlich von 
sich weg und ließ sie fallen : der mit Blut bestrichene Hinterleib wurde 
nicht berührt. 

Eine weibliche Ep. diademata, die fünf Tage lang gehungert 
hatte, stürzte sofort auf die in ihrem Netz hängen gebliebene, mit Blut 
bestrichene Fliege; machte jedoch 1 cm vor derselben Halt und gieng 
wieder zurück, ohne sie zu berühren. Eine andere ihr dargereichte, 
nicht bestrichene Fliege nahm sie dagegen sofort von der Pincette. 
Eine halbe Stunde später brachte ich wieder eine bestrichene Fliege 
zu der Spinne, welche sie nach einigem Bedenken sehr rasch, indem 
sie dieselbe weit von sich weghielt, umspann. Nun näherte sich die 
Spinne der Fliege wieder und biß hinter dem Kopf in die Brust ein ; 
ließ jedoch bald los und zog Minuten lang dicke Fadenstränge ihres 
Gewebes durch den Mund, um sich von dem jedenfalls nicht angenehm 
schmeckenden Blute zu reinigen '-^^. Als ich ihr den Leichnam, den 
sie wieder ergriffen hatte, später wegnahm, verschlang sie wieder 
längere Zeit Fäden ihres Gewebes und zog dieselben mit den Beinen 
wieder aus dem Munde. Ich reichte ihr den Kadaver noch mehrmals 
und stets wurde er sofort angenommen. Ich tauchte ihn aufs Neue 
in Coccinellen-Blut, die Spinne achtete nicht mehr darauf, sondern 
sog sofort an ihm. Eine frische Fliege umspann sie und ließ sie 
hängen. Als sie später doch anbiß, fuhr sie zunächst mindestens zehn- 
mal nach einander rasch von der Fliege weg, um diese endlich doch 
zu verzehren. Einen in ihr Netz gehängten Käfer [Coccinella 1 -punctata] 
fiel sie sofort an; das Chitin leistete jedoch Widerstand. An einem 
todten Marienkäfer, dem die Flügeldecken fehlten, sog die Spinne über 
Y2 Stunde lang; als ich ihr denselben mit der Pincette wegzunehmen 
versuchte, wollte sie ihn durchaus nicht loslassende. Auf Coccinella 
dispar, den ich ihr nun vorlegte, gieng sie augenblicklich los, wich 



25 Beauregard (1. c, p. 224) berichtet: »... alsbald sah ich, wie die Eidechse 
(welche eine Melo'ê ergriffen hatte) den Angriff aufgab und einen Satz rückwärts 
machte, den Kopf von einer Seite zur andern drehte, dann ihre Kiefer am Grase 
rieb, um sich von der brennenden Flüssigkeit zu befreien.« 

'^6 Gué not (1. c., p. 128) berichtet, er habe den Unterleib einer Gryllotaljya vul- 
garis mit dem Blut von Meloe liroscarahaeus bestrichen und sie dann in ein großes 
Glas zu vier Caraben [Carabus auratus L.), die sehr lebhaft und ausgehungert waren, 
gebracht. Drei Tage lang sei die Werre unverletzt geblieben; sie sei zwar öfters von 
den Caraben angegriffen worden, aber diese haben sich, sobald ihre Mundwerkzeuge 
deren Haut berührten, schnellstens entfernt. Am dritten Tage jedoch sei die Werre 
verzehrt worden : »entweder sei die Schutzdecke verloren gegangen oder habe der 
Hunger den Ekel überwunden«. 



255 

aber ebenso rasch zurück und zog ihre Kiefertaster und Tarsen durch 
den Mund; dies wiederholte sie mehrmals und ließ den Käfer unbe- 
helligt. 

Aus diesen Versuchen geht hervor, daß trotz des letzten Beispiels 
das Blut der Coccinellen den Spinnen und Avohl allen insectenfressen- 
den Thieren zuwider ist, woraus es sich erklärt, w^arum sie so wenige 
Feinde habend" und sich unter günstigen Verhältnissen (z, B, 1893) 
so außerordentlich vermehren können. Einzelne Spinnen jedoch, 
welche den Ekel überwinden, nehmen sowohl mit solchem Blut be- 
strichene Fliegen als auch die Käfer selbst an^s. So haben wir auch 
bei den Coccinelliden die bekannten Beziehungen zwischen Färbung 
des Thieres und Beschaffenheit der Blutflüssigkeit: Warnungsfarbe 
verbunden mit Ungenießbarkeit, bezw. Unschmackhaftig- 
keit (vgl. Zygaena). Diese Käfer können sich ohne jede Gefahr den 
Blicken insectenfressender Thiere aussetzen. Macht eines derselben, 
weil es jenen vielleicht das erste Mal begegnet, trotzdem einen Angriff 
auf sie, so erhält es sofort eine Probe dessen, was es zu erwarten hat: 
sechs Tropfen des Aviderlichen Blutes treten aus, und diese genügen 
wahrscheinlich meist, um dem Feinde den Appetit gründlich zu ver- 
derben und zwar für immer. 

Die Ergebnisse der vorstehend mitgetheilten Untersuchungen 
lassen sich in folgenden Sätzen kurz zusammenfassen : 

1) Das bei den Coccinelliden aus den Kniegelenken kommende 
Blut tritt durch eine Spalte, welche sich in der äußeren der beiden 
die Sehne des Extensors der Tibia umgebenden Gelenkhäute befindet. 

2) Das Bluten erfolgt bei starker Contraction des Hinterleibes und 
des Flexors der Tibia und ist ein willkürlicher Vorgang. 

3) Es ist ein Vertheidigungsmittel, denn das Blut wirkt auf in- 
sectenfressende Thiere höchst abstoßend. 

4) Bei Timarcha (in dem Fall, daß dieselben nicht durch den 
Mund, sondern am Kniegelenk Blut austreten lassen), Meloë u. a. sind 
die Vorkehrungen, welche dem Blute gestatten, nach außen zu ent- 
weichen, sehr wahrscheinlich dieselben, wie bei den Coccinelliden. — 

Ich will nicht versäumen, meinem verehrten Lehrer, dem Herrn 
Privatdocenten Dr. J. Vosseier, für die mannigfachen Rathschläge, 
welche er mir bei Ausführung dieser Arbeit ertheilte, auch hier bestens 
zu danken. 



-"' Kirbyu. Spence (Einleitg. in die Entomologie. 1823. p. 292) schreiben 
dagegen: »Selbst die Hopfenbauern erkennen ihre (der Coccinellen) Nützlichkeit 
und dingen Buben, um die Vögel abzuhalten, damit sie sie nicht zerstören.« 

■■28 Gefährlicher ist das Blut von Timarcha pimelioides, das nach de Bono 
Fliegen innerhalb weniger Minuten tödtet und für Warm- und Kaltblüter giftig ist 
(l. c). 



256 
II. Mittheiliingen aus Museen, Instituten etc. 

1. statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Grolsen 

Plöner See'. 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 

eingeg. 15. Mai 1895. 

VIII. 
Die außerordentlich starke Vermehrung der limnetischen Bacil- 
lariaceen hält auch während des Maimonats noch an. Die Vertreter 
des thierischen Lebens lassen zwar gleichfalls eine entschiedene Zu- 
nahme erkennen , aber ihre Vervielfältigung ist eine bei Weitem ge- 
ringere, als diejenige der pflanzlichen Organismen des Plankton. Dies 
läßt sich aufs klarste aus den nachstehenden Zählergebnissen ent- 
nehmen : 

a. 

Datum: 1. Mai 1895. Wassertemperatur: 9° Geis. 

Volumen: 78,5 ccm (unter 1 qm). 

Dinohryon diver gens . 232360 

Eudorina elegans 103620 

Staurophrya elegans'^ 99 433 

Synchaeta tremtda 588750 

* * 

* 

Melosira-FMen 2 355 000 

Fragilaria crotonensis 990875 

Fragilaria capucina 353250 

Diatoma tenue ^ var. elongatum . . . 31 674 750 

Synedra longissima 942000 

Synedra delicatissima 3238095 

Synedra ulna 883 125 

Asterionella g racillima 2590500. 

Zurücktretende Species: 
Dinohryon stipitatum (53 380), Ceratium hirundinella (6280) , Foly- 
arthra platyptera (59 660), Anuraea cochlearis (6000), Anuraea aculeata 
(3140), Cyclops oithonoides [lo 7 00), Larven desselben (6280).— Cyclo- 
tella comta, var. radiosa (37 680). 

b. 

Datum: 10. Mai 1895. Wassertemperatur: 9,2° Gels. 

Volumen: 196 ccm (unter 1 qm). 

Dinohryon stipitatum 2590500 

Dinohryon div er g ens 4710000 

Uroglena volvox 98 000 

Ceratium hirundinella 78 500 

Polyarthra platyptera 227 650 

* 

1 Beschrieben: »Forschungsberichte aus der Biologischen Station zu Plön«, 
I. Theil, 1S93. p. 18—20. 



257 

3Ielosira-Fé.àen 942 000 

Fr affilar ta crototiensis 2826000 

Fragilaria capucina 700500 

Diatoma ienue^ var. elongatmn . . . 91374 000 

Synedra longissima 471000 

Sytiedra delicatissima 5652000 

Synedra ulna 824 250 

Asterionella gracillima 4003500 

Zurücktretende Species: 

Asterosiga radiata'^, Eudorina elegans (47 000), Dileptus tracheli- 
oides^, Codonella lacustris , Tintitinidium fluviatile, Carcltesium polypi- 
num^ Staurophrya elegans, Synchaeta tremula (54 950), Triarthra longi- 
seta, Bipalpìis vesiculosus^, Anuraea cochlearis, Conochilus volvox^ 
Lepi odora hy alina , Bosmitia longirostris , Cyclops oithonoides {4:7 \ 00), 
Larven desselben (sehr vereinzelt), Eurytemora lacustris (39 250). — 
Einzelne Fäden von Melosira varians. 

Ein Netzzug an demselben Tage (10. Mai), bei welchem eine nur 
5 m hohe Wassersäule durchfischt wurde, lieferte ein dem Fange aus 
40 m nur wenig nachstehendes Ergebnis. Die bezüglichen Volumina 
verhielten sich (nach 24stündigem Absetzen im Messglase) wie 20:25. 
Hieraus geht also hervor, dass */-^ des Plankton in den obersten 
Wasserschichten enthalten gewesen sind — eine Thatsache, welche 
sich aus dem Lichtbedürfnis der massenhaft im Wasser schwebenden 
Bacillariaceen erklärt, die in ihrer Gesammtheit den überwiegenden 
Bestandtheil der hier in Frage kommenden Fänge ausmachen. Die 
von den Kieselalgen lebenden thierischen Wesen werden ihrerseits 
wieder durch den Nahrungstrieb in die von ersteren erfüllten Schich- 
ten geführt, so dass das Plankton als Ganzes die Tendenz zeigt, sich 
ziemlich nahe der Oberfläche anzusammeln. Dies gilt namentlich vom 
Frühjahrs- und Sommerplankton, in welchem die vegetabilischen 
Wesen eine Hauptrolle spielen. 

Die Vervielfältigung mancher Species grenzt da manchmal ans 
Fabelhafte. Als ich am 13. Mai morgens auf den Anlegesteg bei der 
Biologischen Station trat, bemerkte ich eine derartige Trübung des 
Wassers, dass schon die in 1 m Tiefe nahe beim Ufer liegenden Steine 
keine ganz scharfen Umrisse mehr zeigten. Eine sofort angestellte 
quantitative Untersuchung ergab denn auch, dass innerhalb 2 Tagen 
(vom 10. Mai bis 13.) die Anzahl der zickzackförmigen Ketten von 
Diatoma tenue von 91 Millionen auf 190 Millionen (für 1 qm Fläche) 
gestiegen war. Die schon früher erwähnte (weißlackierte) Blechscheibe 
von 34 cm Durchmesser verschwand bei dieser Wasserbeschaifenheit 
schon in 3 m Tiefe den Blicken, wogegen sie am 1. Mai (wo nur 

2 Beschrieben im II. Theil der »Forschungsberichte aus der Biolog. Station zu 
Plön«, 1894. p. 76—77. 

3 Beschrieben ebendaselbst, p. 78 — 83 und abgebildet auf Taf. II. 

* Beschrieben in der »Zeitschr. f. wissenschaftl. Zoologie«; Bd. LVI. 2. p. 236 
— 240. (Neue Rotatorien des Süßwassers von A. Wier zej ski und O. Zacharias,) 
Abgebildet ebendaselbst Taf. XIII Fig. 1—4. 



258 

31 Millionen Diatoma tenue vorhanden waren) noch bei 4 m zu sehen 
gewesen war. 

Außer dem gewöhnlichen Fang (bei 40 m) wurde am 13. Mai auch 
noch ein ganz kurzer Netzzug aus bloß 8 S cm Tiefe nahe beim Ufer 
gemacht. Die durchfischte Wassersäule hatte in diesem Falle ein 
Volumen von bloß 3 1. Die nachfolgende Durchzählung des Fang- 
ergebnisses ergab später, dass ein einziges Liter Wasser an jenem 
Tage (13. Mai 1895) bereits 54 500 Ketten you Diatoma tenue, 1000 
Bänder von Fragilaria crotonensis und 3500 Sterne von AsterionelJa 
enthielt. Mit bloßem Auge und bei durchfallendem Lichte betrachtet, 
erschien damals jede aus dem See geschöpfte Wasserprobe wie mit 
einem feinen Staube durchsetzt. Auch am folgenden Tage (14. Mai) 
dauerte diese hochgradige Trübung des Sees noch fort. 

Das vollständige Fangprotokoll für den 13. Mai lautet wie folgt: 

c. 

Datum: 13. Mai 1895. Wassertemperatur: ll°Cels. 

Volumen: 137 ccm (unter 1 qm). 

Dinohryon stipitatum 1727 000 

Dinobryoti divergens 4160500 

Uroglena volvox ........ 196250 

Eudorina elegans 183 166 

Ceratium hirmidinella 117 750 

Dileptus trachelioides 235 000 

Tintimiidium fluviatile 196 000 

Polyarthra platyptera 392 000 

* * 

* 

Melosira-YMen 1099000 

Cyclotella comta, VQ.X. radiosa . . 471000 

Fragilaria crotonensis 2590000 

«nur die langen\ 

Fragilaria capucina 314 000 ^ Bänder wur- > 

I den gezählt / 

Diatoma tenue, var. elongatum . . 190 362 500 (!) 

Synedra longissima 5102500 

Synedr a delicatissima 22372500 

Synedra ulna 1962500 

Aster ionella gracillima 12167500 

Zurücktretend: 
Anuraea cochlearis {18Ò00) und Diaptomus graciloides {39 2b0). 

Dieses Protokoll zeigt uns, welche großen Veränderungen das 
Süßwasser-Plankton schon innerhalb 4 S Stunden in den quantitativen 
Verhältnissen seiner einzelnen Bestandtheile erleiden kann — Ver- 
änderungen, von denen ein Beobachter, welcher nur in größeren 
Zwischenräumen Untersuchungen anstellt, sich gar keine Kenntnis 
verschaffen kann. Hier aber in Plön, wo wir in der Lage sind, das 
Plankton täglich in Bezug auf seine Beschaffenheit zu prüfen, ist 
zum ersten Male Gelegenheit gegeben, ganz eingehende Studien über 
die flottierende Flora und Fauna eines großen Binnensees zu machen. 



259 

Hätte die Begründung der hiesigen Anstalt auch nur diesen einen 
Zweck gehabt, so würde schon damit ihre wissenschaftliche Berechti- 
gung erwiesen sein — wie erfreulicherweise nun auch immer mehr in 
Fachkreisen anerkannt wird. Diese Anerkennung spricht sich am 
besten in der Thatsache aus, daß die Begründung von Süßwasser- 
stationen nicht auf Deutschland beschränkt geblieben ist, sondern daß 
auch in den Nachbarländern jetzt mehrfach solche Anstalten errichtet 
und in Thätigkeit getreten sind. 



NB. Während des Monats Juni bin ich in Schlesien mit Plank- 
ton-Untersuchungen beschäftigt und daher außer Stande, gleichzeitig 
auch die Zählung der Pione r Fänge vorzunehmen. In Folge dessen 
"wird die regelmäßige Veröffentlichung der Plankton-Protokolle im 
»Zoologischen Anzeigertf eine kurze Unterbrechung von drei bis vier 
Wochen erleiden, was ich hiermit zur Kenntnis der resp. Interessenten 
bringe. Z. 

2. Sur ie mode d'indication du grossissement dans les dessins. 

Par Ch. Janet, Ingénieur à Beauvais. 

eingeg. 29. April 1895. 

Le Dr. Dav. Carazzi a donné dans le Zoolog. Anzeiger (T. 18, 
p. 162) une note dans laquelle il insiste, avec raison, sur les incon- 
vénients qu'il y a à se contenter , pour l'indication du grossissement 
d'un dessin, de la désignation de l'oculaire, de l'objectif et de la longueur 
du tube, données auxquelles il est, d'ailleurs, nécessaire d'ajouter la 
distance de l'oeil au papier. Il est évidemment préférable de donner, 
comme le fait le Dr. Carazzi, par un simple nombre, le grossissement 
linéaire réel , c'est-à-dire le rapport d'une des dimensions linéaires du 
dessin à la dimension linéaire correspondante de l'objet. Dans les 
»Règles de la nomenclature des Etres organisés« (Voy. Zool. Anz. T. 18, 
p. 128), on recommande d'indiquer, par une barre, si le grossissement 
est linéaire, par un carré, si le grossissement est donné en surface. 
C'est là une complication inutile car l'indication de grossissements en 
volume et en surface n'est pas recoramaiidable et le grossissement liné- 
aire est, en réalité, le seul qui soit employé couramment. 

Le naturaliste est également amené, parfois, à donner des dessins 
d'ensemble réduits, et l'indication du grossissement ou de la réduction 
du dessin revient à en donner l'échelle comme le fait l'ingénieur, 
l'architecte ou le topographe. 

Il y a, quelquefois, avantage à faire les dessins sans employer 
de chambre claire. Dans ce cas particulier, voici la méthode que j'em- 
ploie. Je remplace le micromètre oculaire ordinaire par un micromètre 
quadrillé dont les carrés ont mm 0,5 de côté et je dessine sur une 
feuille de papier quadrillée au crayon. 



260 

Je sais à l'avance, par un tableau que j'ai établi une fois pour 
toutes , quelle est sur l'objet examiné la dimension linéaire correspon- 
dant au côté des carrés du micromètre oculaire et je puis ainsi, en 
choisissant convenablement le quadrillage du papier, exécuter le dessin 
à une échelle commode pour y faire figurer tous les détails nécessaires. 

Supposons une combinaison d'oculaire, d'objectif et de longueur 
de tube tels que le côté d'un carré du quadrillage du micromètre ocu- 
laire représente mm 0,075 de l'objet. On aura par exemple, suivant la 
grandeur du quadrillage du papier, les grossissements suivants : 
côté des carrés du quadrillage du papier mm 5,6 7,5 10,0 11,25 15 22,5 
grossissements correspondants » 75 100 133,3 150 200 300 

Le quadrillage d'une petite feuille de papier à dessin étant une 
opération qui peut être exécutée en deux ou trois minutes, on a, là, un 
moyen très simple de représenter l'objet au grossissement le plus con- 
venable. On peut ainsi faire, successivement, sans changer d'ocu- 
laire, ni d'objectif ni de longueur de tube, plusieurs dessins à 
des grossissements quelconques fort différents: 75 et 300 par exemple; 
et permettant de représenter un plus ou moins grand nombre de détails. 

Cette manière d'opérer est particulièrement commode avec les ob- 
jectifs apochromatiques de Cari Zeiß. 

Quant à la formule à employer, pour indiquer l'échelle du dessin, 

on peut écrire par example : 

1/ . . . ^ÛO 

1/4; gr. nat.; — ; 

ou mieux: 

E,éd. 0,25; gr. nat.; gross. 100. 

Beauvais, 28 avril 1895. 

III. Personal-Notizen. 

Die Adresse des Herrn Herbert Haviland Field ist bis zum 
20. August dieses Jahres 

Great Neck, L. J., New York, U. S. Amer, 

Necrolog. 

Am 13. Januar starb in Morella, Mexico, Dr. Eugenio Dugès. In Mont- 
pellier geboren gieng er 1865 nach Mexico, wo er als Arzt in Guanajuato 
thätig war. Später wurde er Vorstand des naturhistorischen Museums in 
Morella. Er ist bekannt als tüchtiger Coleopterolog. 

Am 30. März starb in Bournemouth James Mortimer Adye, ein ge- 
schätzter Lepidopterolog, im 35. Lebensjahre. 

Am 4. Mai starb in Budleigh Salterton Henry John Carter, lange Zeit 
Sanitätsbeamter der Armee in Bombay. Er war ein fruchtbarer Schrift- 
steller über Foraminiferen, Spongien u. a. niedere P'ormen. 

Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIU. Jahrg. 8. JuM 1895. No. 479. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilnngen. 1. v. Beàvìa,g&, ÏJbei Lacerta praticola Eversm. 
und L. peloponnesiaca Bibr. 2. Dendy, Preliminary Notes on the Reproductive Orgaus of Peripatns 
oiiparus. 3. ßoettger , Neue Frösche und Schlangen von den Liukiu-Inselu. 4. Schenk , Alcyona- 
ceen von Ternate nach den Sammlungen Prof. Dr. W. Kükenthal's. 5. Sjöstedt, Mei/aloi/lussus Woer- 
manni Pgst. II. Mittheil, ans Mnseen, Instituten etc. 1. Deutsche Zoologische Gesellschaft. 
2. Zoological Society of London. III. Personal-Notizen. Necrolog. Litteratnr. p. 213 — 236. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. über Lacerta pratìcola Eversm. und L. peloponnesiaca Bibr. 

Von Dr. J. v. Bedri aga, Nizza. 

eingeg. 27. März 1895. 

Im J. 1832 und 1839 haben Bibron und 'Dviva.éxiì Algiroides 
moreoticus beschrieben, in 1885 habe ich das Originalstück in Händen 
gehabt und die Angaben dieser Forscher in Betreff der Körpermaße 
bestätigen können. Ungefähr zehn Jahre später entdeckte Werner 
diese Art auf Kephallonia, und da die Beschreibung des Original- 
stückes vom Binnenlande auf seine Insulanerin nicht passte, so zog er 
mich zur Rechenschaft heran, statt die genannten Autoren herbeizu- 
holen'. Ähnliches ist mir neuerdings von Herrn L. v. Méhely 



1 In meiner letzthin im Zool. Anzeiger erschienenen Erwiederung an Herrn 
Werner habe ich die Beweise geliefert, daß ich A. moreo<ici<s richtig gemessen 
habe. Was aber Herr W. mit seiner im heiteren Tone gehaltenen Entgegnung 
eigentlich erreichen wollte, ist mir nicht klar. Die Ironie wäre vielleicht am Platze 
gewesen, wäre es ihm gelungen durch Thatsachen zu beweisen, daß er den Gegen- 
stand, über den er zu discutieren versucht hat, beherrscht. Mit Spaßen machen wir 
keine Fortschritte, um solche aber zu verzeichnen, müssen wir Naturforscher auch 
die »Eidechsenschwänze« bisweilen »in Schutz nehmen« und so geringfügig auch 
dieser Körpertheil alleweile Herrn W. zu scheinen mag, hat er ihn doch zum Stein 
des Anstoßes gewählt. Wegen » Eidechsenschwänzen« habe ich allerdings mit ihm 
keine Seefahrten unternommen, sondern vielmehr abgewartet, bis mir dieselben in 
den Schoß fallen und so habe ich denn auch das Pariser Originalstück von A. mo- 
reoticus hier in Nizza zu untersuchen Gelegenheit gehabt. Vermögensverhältnisse, 
über die es Herrn W. beliebt in dieser Zeitschrift zu sprechen, können in ähnlichen 
Fällen doch nicht als Entschuldigung für etwaige Mängel in der Arbeit dienen. Es 

15 



262 

widerfahren. Er entdeckte nämlich eine Eidechse in Ungarn, die er 
L. j>f'aticola nennt; da diese Ungarin »meist drei unpaare Schildchen 
zwischen den beiden Parietalen — wie schon Eversmann mit Recht 
betont hat« — zeigt, meint der glückliche Finder : »Dr. J. v. B edriaga 
konnte gewiss nur in Folge seines ungenügenden Untersuchungs- 
materiales Eversmann's wohl begründete Äußerung bezweifeln und 
die Äußerung thun, dass: Gerade in Bezug auf die von den Parietalen 
begrenzten medianen Schildchen weist L. jora^^co/a nichts lîemerkens- 
werthes auf«'^. In Anbetracht dessen, daß mir ordentlich bange zu 
Muth wird, meine Arbeiten noch vor Jahreswende sammt und sonders 
von meinen Kritikern zu Staub verrieben zu sehen, will ich, nachdem 
ich Herrn Werner bereits erwidert habe, nunmehr Herrn L. v. Mé- 
hely auf Folgendes aufmerksam machen. 

Ein flüchtiger Blick in unsere Litteratur zeigt uns, dass Evers- 
mann nur ein einziges Exemplar von L. praticola vorgelegen hat, als 
er seine Diagnose formulierte. Da dieses eine Exemplar ein über- 
schüssiges Schildchen zwischen den Parietalen besessen hat und diese 
Anomalie auch bei der Mauereidechse, wie L. v. Méhely selbst zu- 
giebt, »ziemlich häufig« vorkommt, so lag die Vermuthung nahe, daß 
es sich lediglich um eine Unregelmäßigkeit in der Kopfpholidose 
handelt, um so mehr als Boettger^ auf verschiedene Anomalien 
gerade bei L. praticola hingewiesen hat. Im Vergleich zu Evers- 
mann's Material scheint mir das meinige ein genügendes. Evers- 
mann hat überhaupt nur ein Stück untersucht, mir hingegen haben 
zwei Exemplare aus meiner Sammlung vorgelegen und nachträglich 
habe ich über ein Dutzend in Händen gehabt; sie hatten alle nur zwei 
Schildchen zwischen den Parietalen. Diese Stücke stammten aller- 
dings nicht aus Ungarn, sondern aus Russland, aber, und das ist von 
Wichtigkeit, gerade Russland ist das Fundgebiet der echten L. pra- 
ticola. Auch lagen mir andere Gründe vor, die Anomalien in der 
Kopfbeschilderung bei dieser Art nicht als »ausgesprochene Merk- 
male« anzusehen. Einem ganz tüchtigen Herpetologen, dem ver- 
storbenen Prof. Kessler war jene Schilderung Eversmann's in 
Betreff der drei unpaaren Schildchen zwischen den Parietalen nicht 
entgangen, denn er sagt in seinem in russischer Sprache veröffent- 



sind übrigens stets Mittel und Wege vorhanden — und diese habe ich auszunutzen 
gesucht und zwar in Hinblick darauf, daß die Veröfi'entlichung unserer Arbeiten 
einem Dritten Unkosten verursachen, — um sich das nothwendige Material ohne 
Auslagen zu verschaffen und sorgfältig zu arbeiten. 

2 Math. u. Naturw. Berichte aus Ungarn, 12. Bd. p. 255. 

3 In: Radde, Die Fauna und Flora des südwestlichen Caspi-Gebietes. Leip- 
zig 1885. 



263 

lichten Berichte über eine zoologische Reise nach Transkaukasien^ 
ungefähr Folgendes: »Als E vers mann seine Beschreibung von L. 
praticola niederschrieb , stand ihm nur ein Stück zur Verfügung, 
das er in der Nähe der Narzan-Quelle erbeutet hat. Bei diesem Exem- 
plar war das Interparietale der Quere nach in zwei Theile gespalten : 
in einen größeren vorderen und in einen kleineren hinteren, wie es 
auch auf dem Bilde Eversmann's zu sehen ist. Der Verfasser ist 
geneigt gewesen, diese Spaltung als eine normale zu betrachten und 
nahm sie sogar unter die Kennzeichen auf, während dieselbe doch eine 
ganz zufällige ist und sonst auch bei anderen Eidechsen in seltenen 
Fällen vorkommt. Von den 13 Stücken von L. praticola^ welche ich 
in den Händen gehabt habe, wies kein einziges eine derartige Spaltung 
des Interparietale auf.« 

Auch jetzt , trotz des genügenden ungarischen Materials L. v. 
Méhely's, würde ich mich auf das russische Material und auf die 
Worte Kessler's stützend, genau das nämliche über Eversmann's 
Äußerung wiederholen, was ich vor zehn Jahren gesagt habe. Kess- 
ler's Werk ist 1878 erschienen, das meinige in 188C, folglich hätte 
L. V. Méhely eher Kessler als mir eine Bemerkung über seinen 
Mangel an Material machen können. Eine Orientirung in der Litte- 
ratur ist stets am Platz. So finde ich, daß Boulenger^ und Boett- 
ger^ jene drei unpaaren Schildchen bei L. praticola nicht erwähnen. 
Auch andere Charactere von L. praticola finden sich beim v. Mé- 
hely'schen Thiere nicht. Boulenger giebt ausdrücklich an : »The 
bind limb reaches the axilla.« Bei den ungarischen Eidechsen sind 
die Hinterbeine bedeutend kürzer, doch wage ich nicht auf diesen 
Punct näher einzugehen, weil mir nur zwei in Budapest gekaufte und 
vielleicht nicht authentische Stücke vorliegen. 

Mit Bezug SLuf W ern er ^ s Lac. peloponnesiaca mit ))gezähneltem 
Halsband« und der »Granulareihe zwischen Supraocularen und Supra- 
ciliaren« von den jonischen Inseln "^ muß ich sagen, daß sie mir höchst 
verdächtig vorkommt; einer solchen Eidechse zuliebe ist es nicht rath- 
sam an der Diagnose von L. peloponnesiaca etwas zu ändern. 

Nizza, den 23. März 1895. 



4 Arbeiten d. St. Petersburger Ges. d. Naturforscher. 8. Bd. Beilage. St. Pe- 
tersburg 1878. 

5 Catalogue of the Lizards in the Brit. Mus. Vol. III. London 1887. 

" 1. c. Auch in Bericht üb. die Senckenberg. Naturforsch. Gesellsch. in Frank- 
furt a. M. 1892. p. 139. 

^ Zoolog, botanisch. Ges. 44. Bd. Abhandl. p. 228. 



15* 



264 
2. Preliminary Notes on the Reproductive Organs of Peripatus oviparus. 

By Arthur Dend)% D.Sc; Professor of Biology in the Canterbury College, 
University of New Zealand. 

eingeg. 8. April 1895. 

Having lately convinced my self by a careful anatomical comparison 
of the two , that the oviparous Australian Peripatus with fifteen pairs 
of claw-hearing legs is really specifically distinct from the externally 
closely similar viviparous species found in New South Wales , I have 
decided to apply the name Peripatus oviparus to the egg-laying species. 
A systematic description of the new species will appear shortly in the 
Proceedings of the Linnean Society of New South Wales. The exter- 
nal characters of the oviparous species have been dealt with by me in 
previous papers, in several of which I, as it now appears erroneously, 
made use of the name Peripatus Leuckartii ^ 

As far as I have yet been able to discover, the only absolutely di- 
stinctive features which characterize the oviparous species lie in the 
structure of the female reproductive organs and the egg-laying habit. 

In the adult female, in place of the usual genital papilla, there is 
a very conspicuous organ which may be termed an ovipositor. This is 
an ovoid body of a pale yellow or orange colour, projecting backwards 
from between the legs of the last (15th) pair. In adult specimens ordi- 
narily contracted in spirit the ovipositor is as large or larger than the 
legs between which it lies ; it is , however , capable of great extension. 
Its surface is uniformly ornamented with minute, spine-bearing papillae 
and at its apex it bears a large slit placed parallel to the long axis of 
the body of the animal. The ovary consists of right and left halves 
united in front and behind and attached by a mesentery to the peri- 
cardial septum in the mid-dorsal line. The oviducts are long and con- 
voluted ; they have a common origin from the posterior end of the ovary, 
to which they are attached. Near to its point of origin each bears an 
oval receptaculum seminis with two ducts. It is important to observe 
that each oviduct is divided into three parts. All three parts are narrow 
except where swollen out by the contained eggs. The first is very short 
and extends from the point of attachment to the ovary to about the 
level of the receptaculum ; its Avail is greatly folded and provided with 
little excrescences on the side opposite to the receptaculum. The 
middle and last portions of the oviduct are of about equal length. The 
middle portion has very thick , apparently glandular walls. The last 
portion has very thin , membranous walls. At their hinder ends the 



1 All my previous papers dealing with Victorian specimens of Peripatus with 
fifteen pairs of claw-bearing legs refer to P. oviparus. 



265 

oviducts unite in a thick-availed , triangular sac whose posterior angle 
is continued into the ovipositor. 

I have found eggs in the middle and last portions of the oviduct, 
but much more abundantly in the last. Their number varies greatly ; 
in one specimen, for example, there were three eggs in each oviduct; 
in a second there were seven in one and six in the other; in a third 
there were eight in one and nine in the other. 

The eggs at the time of laying shew no appearance of embryos 
within them. They consist of a quantity of milky fluid, containing 
very many yolk granules, enclosed in a very thick, tough, but rather 
soft envelope of a pale yellow colour and beautifully sculptured on the 
outside. The sculpturing consists of little crumpled papillae, some- 
what resembling worm-casts, arranged at fairly regular intervals over 
the surface, and with much finer, meandering ridges occupying the 
spaces between them. The eggs are oval in shape and measure about 
1-9 by 1-5 mm. 

A careful re-investigation of my material has led me to the follow- 
ing conclusions with regard to the egg-envelope. The envelope really 
consists of three membranes. 1) A very thin, transparent membrane 
immediately surrounding the yolk and probably to be regarded as a 
vitelline membrane. 2) A very thick membrane which is apparently 
formed as a secretion in the thick-walled part of the oviduct. In sec- 
tions of a female containing eggs in the oviduct this membrane is very 
conspicuous and is seen to have a thickness of about 0-036 mm. It is 
of a pale yellow colour and has a very finely granular appearance. In 
a former paper I erroneously stated that the egg-membrane is smooth 
or nearly so w^hile still in utero. It is true that the complete sculp- 
ture is not formed till the time of laying, but my recent observations 
have shewn conclusively that the foundations of that sculpture are al- 
ready present when the eggs are lying in the last portion of the ovi- 
duct. These foundations consist of a number of little rounded protu- 
berances regularly distributed over the surface of the thick membrane 
and each having a diameter of about 04 mm. They are not very ob- 
vious in fresh specimens and require careful looking for, but in speci- 
mens which have lain for a long time in alcohol previous to dissection 
the thick egg-membrane assumes a rather dark brown colour and the 
protuberances are conspicuous in surface view as much darker, well- 
defined circular areas. 3) The fortunate discovery of an egg partially 
extruded from the greatly distended ovipositor in a specimen preserved 
in alcohol indicates the formation of a thin, transparent membrane 
outside the thick one just described. This membrane appears to be 
formed as a secretion, probably by the walls of the triangular sac at 



266 

the base of the ovipositor. The abnormal conditions in the case men- 
tioned have prevented its even deposition and the amber-coloured, 
chitinous (?) material is mostly collected in a large plug attached to 
what was the inner end of the egg. I have little doubt that the wrinkl- 
ing of this chitinous (?) membrane as it dries upon the already em- 
bossed underlying membrane gives rise to the complete sculpture of 
the perfect egg-shell , for the smooth papillae of the thick membrane 
exactly correspond in arrangement with the crumpled papillae of the 
perfect shell. 

The development of the embryo within the egg-shell appears to 
occupy a long time , for, as I have stated in a previous paper, one of 
the eggs laid in my vivarium in Melbourne hatched out after an in- 
terval of a year and five months from the time of laying. 

In the male the genital papilla is situated in the same position as 
in the female, but is much less prominent. On either side of it, in the 
angle between the leg and the body , is a white papilla bearing the 
aperture of an accessory gland. Behind it and just in front of the anus 
are a pair of apertures belonging to other accessory glands. Crural 
glands occur in all the legs from the second to the thirteenth and 
possibly also in the fourteenth. The aperture of the crural gland is 
situated on the under surface of the leg, and the nephridial aperture 
lies inside it except in the fourth and fifth legs. *The white papilla 
which bears the aperture of the crural gland may be either prominent 
or sunk in a depression, according to the state of contraction, and 
hence the number of these white papillae on the under surfaces of the 
legs may appear to vary in diiferent specimens. I have been unable 
to find any crural glands in the female. 

3. Neue Frösche und Schlangen von den Liukiu-Inseln. 

Von Prof. Dr. O. Boettger in Frankfurt a./M. 

eingeg. 12. April 1895. 

1) Hana okinavana n. sp. 

Char. Im Allgemeinen ähnlich der R. lateralis Blgr., aber kurz- 
schnäuziger und stämmiger. — Vomerzähne in zwei rundlichen Häuf- 
chen, die auf einer Linie mit dem Hinterrande der Choanen beginnen 
und von diesen wie unter einander durch gleichgroße Zwischenräume 
getrennt sind. Kopf mäßig groß ; Schnauze kurz , vorn leicht zuge- 
spitzt und etwas vorgezogen, so lang wie der Augendurchmesser, Nas- 
loch von Auge und Schnauzenspitze gleich weit entfernt. Frenal- 
kante winkelig , Zügelgegend der Länge nach leicht eingedrückt ; 
Interorbitalraum kaum breiter als das obere Augenlid; Trommelfell 
sehr deutlich, 'y4-Augengröße. Finger mäßig laug, der erste länger 
als der zweite; Zehen mit ^ò" Schwimmhaut und außerdem mit leich- 



267 

ten Säumen bis zum letzten Phalangenglied; die Spitzen der Finger 
und Zehen zwar stumpf aber ohne deutliche Haftscheiben; die Sub- 
articularknötchen gut entwickelt; ein ovaler, vorragender innerer 
Metatarsalhöcker, der aber noch nicht die halbe Länge der Innenzehe 
erreicht; kein äußerer Metatarsalhöcker. Das Bein reicht, nach vorn 
gelegt, zAvischen Vorderrand des Auges und Nasloch. Haut auf Kücken 
und Bauch ziemlich glatt, auf den Seiten mit großen, flachen Warzen; 
eine schmale, hohe, beiderseits stark aufgewulstete drüsige Dorsolate- 
ralfalte und eine zweite, die unterhalb desx\uges ansetzt und oberhalb 
der Schulter in zwei runden oder ovalen drüsigen Anhäufungen endet. 
Oberseits grau , häufig mit feiner , etwas hellerer Spinallinie, ein 
schwarzer, vom Nasloch durch das Auge bis über die Temporalgegend 
hin ziehender Keilflecken; eine schwärzliche Linie säumt die Ober- 
lippe und ist vom Frenotemporalflecken durch eine rein weiße Binde 
getrennt, die in den drüsigen Anhäufungen oberhalb der Arminsertion 
ihr Ende erreicht. Trommelfell braun. Die Dorsolateralfalte ist nach 
außen schwärzlich eingefaßt, oft sind auch die ganzen Seiten schwärz- 
lich; die Hintergliedmaßen zeigen dunkle Querbinden, die Hinter- 
seiten des Oberschenkels sind weißgelb mit schwarzer Fleckung und 
Marmorzeichnung. Die Unterseite ist weißgelb, überall sehr reichlich 
schwarzbraun gefleckt und gepunctet, nur die Kopfunterseite ist meist 
einfarbig schwarzgrau. 

Maße: 
Q Kopfrumpf länge 40 42 46 mm 

Kopflänge 16- I6V2 17 « 

Köpft reite 15 151/2 16 » 

Trommelfell 31/2 S'/a 4 » 

Vordergliedmaßen 22 V2 241/2 25 » 

Hintergliedmaßen 67 73 76 » 

Untersciienkel 20 1/2 221/2 231/2 » 

'Fundort: Liukiu- Inseln, angeblich von Okinawa in der 
mittleren Gruppe, 3 Q (Mus. Senckenberg. und Bremen), wie die 
folgenden Arten vom japanischen Sammler meines Freundes B. 
Schmacker in Shanghai gesammelt und mir zur Bestimmung über- 
geben. 

2) Mana Eif fing eri n. sp. 

Hallowell, Proc.Acad. Nat. Sc. Philadelphia, Bd. 12, 1860, p.501 
[Polypedates Buer g eri -part., non Schleg.). 

Char. Abweichend von der japanischen H. Buergeri Schleg. nach 
directer Vergleichung namentlich durch die kleinen, ovalen, schwach 
entwickelten Vomerzahnhäufchen, die in der Mitte sehr weit von ein- 
ander getrennt sind, durch die im Vergleich zu der Größe des Trom- 
melfells kleineren Haftscheiben und durch die geringere Körpergröße. 
— Vomerzahnhäufchen zwischen den Choanen stehend, schwach ent- 
wickelt, klein, oval, durch einen sehr weiten Zwischenraum von ein- 
ander getrennt. Kopf breiter als der Rumpf, kurz, sehr breit, Schnauze 
kurz dreieckig, vorn abgestutzt; Auge größer und mehr vorquellend 
als heiR. Buergeri Schleg. Alles Übrige wie bei dieser, aber der Rücken 
weniger warzig, ein kleines weißes Höckerchen außen auf dem Tibio- 



268 

tarsalgelenk und eine Reihe kleiner, isolierter weißer Höckerchen 
längs dem Hinterrande des Vorderarmes und des Tarsus, und die Hin- 
tergliedmaßen kürzer. Das Hinterbein reicht, nach vorn gelegt, mit 
dem Tibiotarsalgelenk bis zum Vorderrand des Auges (bei R. Buergeri 
bis zum Nasloch oder bis zur Schnauzenspitze). Die Haftscheiben an 
Fingern und Zehen sind etwas kleiner als das Trommelfell. Färbung 
ganz übereinstimmend , aber die Hinterseite der Oberschenkel heller, 
bräunlichgelb mit großen schwärzlichen Flecken und Marmorzeich- 
nungen. 



Maße: Rana Eiffingeri Rana Buergeri 


Kopfrumpf länge 


35 


mm 55 mm 


Kopflänge 


I2V2 


)) 18 


Kopfbreite 


14 


n 21). 


Trommelfell 


2V4 


» 3 » 


Vordergliedmaßen 


22 


» 35 » 


Hintergliedmaßen 


57 


)) 95 » 


Unterschenkel 


18 


« 30 » 


Größte Haftscheibe 


2 


)) 3V4 » 


adort: Liukiu-Inseln, 


entweder und Avahrscheinlich von 



Okinawa, der mittleren Gruppe, oder von Ohoshima, der Nordgruppe, 
ein Q. — Benannt nach Herrn Georg Eiffinger, einem tüchtigen 
Schmetterlingskenner, in Frankfurt a. M. 

3) Coluber Schmackeri n. sp. 

Char. Verschieden von dem nächstverwandten südchinesischen 
C. Moellendorffi 13ttgr. durch vollkommen glatte Schuppen, dadurch, 
daß das Praeoculare das Frontale nicht berührt, und durch vier 
schwarze Längsstreifen auf dem Schwänze. — Rostrale breiter als hoch, 
von oben sichtbar; Internasalen breiter als lang, ^/s so lang wie die Prae- 
frontalen; Frontale etwas länger als breit, so lang Avie Praefrontale 
+ dem halben Internasale , ein wenig kürzer als die Parietalen. Fre- 
nale anderthalbmal so lang wie hoch ; ein nicht in Berührung mit dem 
Frontale stehendes, großes Praeoculare; darunter ein Suboculare : zwei 
Postocularen; Temporalen 2 + 4; 9 oder 10 Supralabialen, das fünfte 
und sechste oder das sechste und siebente in den Augenkreis tretend; 
6 Infralabialen in Berührung mit den vorderen Kinnschildern, die 
etwas länger sind als die hinteren. Schuppen ungekielt, in 27 Reihen, 
mit zwei Endporen. Ventralen mit deutlichem, stumpfem Seitenkiel. 
Squ. 27; G. 2 + 1/1, V. 260, A. 1/1, Sc. 104/104 + 1. 

Grüngrau , nach hinten in Lehmgelb übergehend, mit einer 
Rückenreihe von W- oder X-förmigen schwärzlichen Querflecken, die 
gegen den Schwanz hin an Zahl und Intensität zunehmen. An den 
Körperseiten stehen weniger deutliche schwärzliche Längsflecken und 
dunkle Schuppenränder, die ebenfalls nach hinten an Größe und In- 
tensität zunehmen, so daß das letzte Rumpfdrittel an den Seiten fast 
schwarz erscheint mit lehmgelben Flecken. Auf dem Schwänze so- 
wohl oben Avie unten eine helle Medianlinie und außerdem je ein 
heller Seitenstreifen; diese vier hellen Längsstreifen durch vier 
schAvarze Längsstreifen von einander getrennt. Lippen bräunlichgelb ; 
ein dunkelgrauer Längsstrich zieht vom Hinterrande des Auges bis 



269 

zur Rachencommissur. Die Unterseite ist graugelb mit reichlicher 
schwärzlicher Fleckung und Makelung, namentlich längs dem Hinter- 
rande aller Ventralen ; die aufgebogenen Theile der Ventralen zeigen 
eine vielfach unterbrochene Reihe von quadratischen schwärzlichen 
Flecken, die sich auf der Schwanzunterseite zu den beiden bereits er- 
wähnten regelmäßigen schwarzen Längsstreifen verdichten. Über 
dieser dunkeln Fleckenreihe zieht jederseits eine nach hinten deut- 
lichere, vielfach unterbrochene helle Längsbinde. 

Maße: Gesammtlänge 2080 mm, Schwanzlänge 445 mm. 

Fundort: Liukiu-Inseln, angeblich von Yaeyama auf Mija- 
koshima, Südgruppe, ein erwachsenes Stück. — Diese große und 
schöne Schlange nenne ich nach meinem um die Zoologie Chinas und 
Japans verdienten Freunde B. Schmacker in Shanghai, dem ich die 
Zuwendung der vorliegenden interessanten Reptil- und Batrachier- 
sendung verdanke. 

4) Ahlahes Herminae n. sp.'; 

Char. Verschieden von^. semicarinatus (Hallow.) durch 17 Schup- 
penreihen, gedrungeneren Bau, kürzeren Schwanz und durch nur 
gegen den Schwanz hin angedeutete Kielung der Rückenschuppen. 
— 17 nahezu gleichgroße Oberkieferzähne. Schnauze zugespitzt; 
Rostrale klein, ein wenig breiter als hoch, eben noch von oben sicht- 
bar; Nasale getheilt; Auge nur so groß wie die Hälfte seines Abstandes 
von der Schnauzenspitze, mit runder Pupille: Internasalsutur etwas 
mehr als halb so lang wie die Praefrontalsutur ; Frontale so lang wie 
sein Abstand von der Schnauzenspitze , viel kürzer als die Parietalen ; 
Frenale etwa doppelt so lang wie hoch; ein Prae- und zwei Postocu- 
laren ; Temporalen 1 -f- 2. 8 Supralabialen, von denen das vierte und 
fünfte in den Augenkreis treten; 4 Infralabialen in Berührung mit 
den vorderen Kinnschildern, die etwas kürzer sind als die hinteren. 
Schuppen etwas breit, mit stumpfer Spitze , ohne Endporen , und nur 
gegen den Schwanz hin die mittleren Rückenreihen mit der Andeu- 
tung eines leichten Kieles auf der Vorderhälfte der Schlippen. 
Squ. 17; G. 1/1 -j- 2, V. 163, A. 1/1, Sc. 2/2 -f 2 + 54/54 -|- 1. 

Oberseits aschgrau, unterseits weißgelb, die dunkle Färbung noch 
auf die Ventralen übergreifend und an Stelle einer Ventralkante 
scharf gegen die helle Unterseite abgesetzt. Rücken mit unregel- 
mäßig gestellten, kleinen schwärzlichen Punctfleckchen, die nament- 
lich auf den drei untersten Seitenreihen zahlreicher sind und die Mitte 
der Schuppen einnehmen; außerdem die Ränder zahlreicher Rücken- 
schuppen schmal schwärzlich gesäumt. Oberlippe weißgelb mit schma- 
len grauen Schildrändern. Subcaudalen an der Seite mit einem 
dunkelgrauen Längsstreifen. 

Maße: Gesammtlänge 580 mm, Schwanzlänge 107 mm. 

Fundort: Liukiu-Inseln, angeblich von Yaeyama auf Mija- 
koshima, Südgruppe, ein Stück. 

5) Trimeresurus luteus n. sp. 
Char. Kopf in Beschilderung und Zeichnung ähnlich dem von Tr. 
finvoviridis (Hallow.), aber ohne besonders vergrößerte Schuppen über 
der Frenalkante, mit zwei Schuppeureihen zwischen Infraoculare und 



270 

Siipralabialen und mit Kielen, wenigstens auf den hinter den Supra- 
ocularen liegenden Kopfschuppen. — Rostrale breiter als hoch; obere 
Kopfschuppen sehr klein, vorn pflasterformig , auf dem Hinterkopf 
dachziegelig und deutlich gekielt; Supraorhitale groß, viel größer als 
das Auge; Nasale getheilt; keine vergrößerten Internasalen; 12 bis 
13 Schuppen quer über den Kopf zwischen den Supraocularen ; 2 oder 
3 kleine Postocularen und ein langes, schmales Infraoculare , das von 
den Supralabialen durch zwei Schuppenreihen getrennt ist. 7 bis 8 
Supralabialen, von denen das dritte und vierte besonders groß sind; 
das zweite bildet den Vorderrand der Frenalgrube. Schuppen mit 
Ausnahme der äußersten glatten Reihe kräftig gekielt. Schwanz nicht 
zum Greifschwanz umgewandelt. 

Squ. 23; G. 4/4, V. 182, A. 1, Sc. 72/72 + 1, 
,> 25; G. 7/7, V. 186, A. 1, Sc. 74/74 + 1. 

Oben dunkel lehmgelb mit einer Rückenreihe von rautenförmigen, 
theilweise zu einem Zickzackbande zusammenfließenden, dunkleren, 
schwärzlich gerandeten Makeln und einer Seitenreihe von kleineren 
und mehr undeutlichen Flecken. Eine schwärzliche Binde zieht vom 
Auge über die Mundwinkel nach hinten. Unterseite hell lehmgelb, 
über und über grau gewürfelt oder gewölkt ; Subcaudalen jederseits 
mit einer undeutlichen graulichen Längsbinde. 

Maße: Gesammtlänge 945 mm, Schwanzlänge 164 mm. 

Fundort: Liukiu-Inseln, angeblich von Yaeyama auf Mija- 
koshima, Südgruppe, 2 Stücke. 

4. Alcyonaceen von Ternate nach den Sammlungen Prof. Dr. W. Kiikenthal's. 

Von A. Schenk, Jena. 
(Aus dem zoologischen Laboratorium der Universität Jena.) 

eingeg. 23. April 1895. 

1) Xeniidae. 

Von der Lamarck 'sehen Gattung Kenia sind bis jetzt 6 Arten be- 
schrieben worden , zu denen nach den vorliegenden mir zur Bearbei- 
tung anvertrauten Sammlungen 8 neue Arten treten , die sämmtlich 
aus der Litoralzone von Ternate stammen. Die ausführliche Be- 
schreibung nebst Abbildungen soll in dem demnächst in den Abhand- 
lungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft er- 
scheinenden Reisewerke erfolgen, und ich will mich hier auf kurze 
Diagnosen der neuen Arten und den Versuch ihrer systematischen 
Eingliederung beschränken. 

Die Gattung Xenia wird durch folgende Merkmale characterisiert : 
Doldenartig auf der oberen Fläche eines compacten Stammes stehende 
Polypen, mit 8 nicht zurückziehbaren Tentakeln, die innen Reihen 
kurzer oder langer Fiederchen (Pinnulae) tragen. Der Basaltheil ist 
dick, weich, einfach oder mehr oder weniger verästelt. Zahlreiche 
Kalkkörperchen von der Form runder oder ovaler Scheiben, 10 — 25 u. 



271 

im Durchmesser haltend und den menschlichen Blutkörperchen 
ähnlich. 

Die von Kölliker beschriebenen »Zooide«, die eine zweite Form 
von Polypen darstellen sollen, sind nur unentwickelte Polypenknospen. 
An den mir vorliegenden Exemplaren ließen sich alle Übergänge von 
der tentakellosen kleinen Knospe bis zum entwickelten Polypen ver- 
folgen. 

Zur Classifizierung der Species können Charactere , wie : Größe 
der Kalkkörperchen nicht verwandt werden, auch die Gestalt des Ba- 
saltheiles der Colonie ist bei derselben Art sehr verschiedenartig, 
ebenso wie Größe und Gestalt der Polypen innerhalb einer Art be- 
trächtlichen Schwankungen unterworfen sein kann. 

Nur die Gestalt und die Stellung der Tentakelfiederchen , der 
»Pinnulae«, ist ausschlaggebend. 

Nach diesem Gesichtspuncte lassen sich drei Untergattungen auf- 
stellen: 

I. Xeniiden mit langen »Pinnulae« auf der ganzen Länge des Ten- 
takels. 

II. Auf jedem Tentakel stehen zwei Arten von »Pinnulae«, an der 
Basis sind sie kurz und warzenartig, am oberen Ende langgestreckt. 

III. Die langen Pinnulae fehlen vollkommen und an ihrer Stelle 
ist die ganze Innenseite des Tentakels mit Wärzchen besetzt. 

Nehmen wir nun eine systematische Gruppierung sämmtlicher 

14 Arten in diese Untergattungen vor, so erhalten wir Folgendes: 

Zur ersten Untergattung, mit langen Pinnulae, gehören 

1) Xcnia umbellata Sav. 

Auf jeder Seite der Mittellinie des Tentakels stehen lange und 
sehr schlanke Pinnulae in drei bis vier uairegelmäßigen Reihen , die 
Achse des Tentakels ist in ihrer ganzen Länge frei. 

Basaltheil der Colonie cylindrisch , glatt , länger als breit und 
mehr oder weniger verzweigt. Die schlanken Tentakeln tragen 12 bis 

15 Pinnulae auf jeder Reihe. 

Farbe hellgrau, weiß, graublau oder gelblich. 

2) Xenia fuscescens Ehrenb. 

Die Pinnulae gleichen denen der vorhergehenden Art, die kurzen 
»knospenartigen Polypen« sind sehr zahlreich. 

Der Basaltheil der Colonie ist gewöhnlich dick, nach oben hin ein 
wenig verbreitert, weniger hoch als breit, oft von Glockenform. 

Die Farbe ist hellgrau oder weiß. 

Tentakeln mit 2 oder 3 Reihen langer und schlanker Pinnulae 
auf jeder Seite der Mittellinie. 



272 

3) Xenia coerulea Ehrenb. ist nach Klunzinger eine Varietät 
von Xenia umhellata. 

4) Xenia crassa n. sp. 

Kurze, dicke, conische Pinnulae in drei unregelmäßigen Reihen 
auf jeder Seite der Mittellinie des Tentakels stehend. Sie lassen die 
Achse nicht in ihrer ganzen Länge frei. 

Basaltheil der Colonie in Form eines Stammes , der nach oben 
etwas verbreiteter, aber ungetheilt ist. 

Die Polypen stehen auf einer stark convexen Oberfläche, sind 
dick, groß, zahlreich und stehen daher eng bei einander. 

Die dicken Tentakeln haben auf jeder Reihe 15 — 18 Pinnulae. 
Im Weingeist ist die Farbe grau-bräunlich. 

5) Xenia fusca n. sp. 

Conische, kurze dicke Pinnulae , die in 6 — 7 unregelmäßigen 
Reihen auf der Innenseite des Tentakels stehen, und nur selten einen 
kleinen Theil der Achse freilassen. 

Basaltheil der Colonie in Form eines dicken, weichen, fleischigen 
einfachen, gelappten und vollständig getheilten Stammes. Die Polypen 
sind ziemlich lang und dick, außerordentlich zahlreich und stehen 
eng bei einander. 

Die Tentakeln sind kurz und haben 13 — 14 Pinnulae auf jeder 
Reihe. 

Die Farbe der Colonie ist im Weingeist dunkelbraun. 
6) Xenia membranacea n. sp. 

Conische, dicke, mehr oder weniger lange Pinnulae, die auf jeder 
Seite der Mittellinie des Tentakels 3 — 4 unregelmäßige Reihen bilden, 
und niemals die Achse in ihrer ganzen Länge frei lassen. 

Der Basaltheil der Colonie besteht aus verschiedenen schwach 
verzweigten Stämmen, welche an ihrer Basis durch eine häutige 
Fläche verbunden werden. Die kleinen, dicken und kurzen Zweige 
tragen die ziemlich langen, sehr engen, von schlanken und spitzen 
Tentakeln gekrönten Polypen. Die Tentakeln haben 20 — 25 Pinnulae 
in jeder Reihe. 

Die Farbe in Weingeist ist dunkelgelb. 

II. Untergattung: Pinnulae an der Tentakelbasis kurz, warzen- 
artig, am oberen Ende langgestreckt. 

7) Xenia viridis n. sp. 

Die Pinnulae stehen in drei regelmäßigen Reihen auf jeder 
Seite der Mittellinie und lassen die Achse des Tentakels in ihrer gan- 
zen Länge frei. An der Basis des letzteren haben sie die Form kleiner, 
runder Wärzchen, die sich allmählich verlängern und an der Spitze zu 
kleinen dicken Pinnulae werden. 



273 

Basaltheil der Colonie in Form eines fleischigen, glatten unge- 
theilten Stammes. Die Polypen sind ziemlich groß , aber nicht sehr 
breit und zahlreich. Sie erheben sich auf einer großen, convexen 
Oberfläche. Die Tentakeln sind nicht sehr lang und tragen 14 bis 
15 Pinnulae in jeder Reihe. 

Die in Formol (Blum) conservierten , ausgezeichnet erhaltenen 
Colonien zeigten eine grünliche bis graue Farbe. 

8) Xenia ternatana n. sp. 

Die Pinnulae stehen in zwei regelmäßigen Reihen auf jeder Seite 
der Mittellinie des Tentakels, und sind an der Basis einfache, kleine 
Wärzchen, die in die Form von langen, schlanken Fiederchen über- 
gehen. Die Achse des Tentakels bleibt bis zu einer gewissen Höhe 
frei, und wird dann von einer regelmäßigen Reihe von Pinnulae 
bedeckt. 

Basaltheil der Colonie ein gleich hoher wie breiter, nach oben zu 
etwas erweiterter Stamm, der eine convexe Fläche bildet, auf welcher 
sich die engen, länglichen Polypen erheben, die mit schlanken Ten- 
takeln versehen sind. Ein Tentakel trägt 18 — 22 Pinnulae in jeder 
Reihe. 

Farbe des Stammes im Weingeist dunkelgrau, die der Polypen 
hellgrau. 

9) Xenia Blwnii n. sp. 

Pinnulae in drei regelmäßigen Reihen auf jeder Seite der Mittel- 
linie des Tentakels. An der Basis sind es kleine runde Erhebungen, 
die allmählich nach der Spitze zu langen Pinnulae werden. Die Achse 
bleibt in ihrer ganzen Länge frei. 

Basaltheil der Colonie in Form eines dicken, fleischigen unge- 
theilten Stammes. Die obere Fläche trägt die Polypen, welche lanzen- 
förmige Tentakeln besitzen. Auf jedem stehen 18 — 20 Pinnulae in 
jeder Reihe. 

Der Stamm ist dunkelgrau, der Polypenkörper hellgrau. 

III. Untergattung: sämmtliche Pinnulae sind warzenförmige Er- 
hebungen. 

10) Xenia eloiigata Dana. 

Tentakeln mit 3 — 4 Reihen schlanker Wärzchen besetzt. Polypen 
schlank, mit mittelmäßig großen Tentakeln. 

Farbe dunkelgrau. 

11) Xenia ßoridaJ)a.nsi. 
Tentakeln mit drei Reihen sehr kurzer Wärzchen. 
Ziemlich dicke Polypen mit lanzenförmigen Tentakeln. 
Farbe bläulich. 



274 

12) 'K.enia plicata n. sp. 

Tentakeln mit drei regelmäßigen Keihen sehr kurzer und runder 
Wärzchen auf jeder Seite der Mittellinie. Die Achse des Tentakels 
bleibt in ihrer ganzen Länge frei. 

Basaltheil der Colonie in Form eines dicken, von Längsfalten 
durchzogenen Stammes , dessen oberes Ende eine leicht eingebogene 
Fläche ist. Auf dieser stehen die ansehnlichen von langen Ten- 
takeln gekrönten Polypen. Die Tentakeln tragen in jeder Reihe 18 bis 
22 Wärzchen. 

Der Stamm ist dunkelgrau. Die Polypenkörper hellgrau. 

13) Xema ruhens n. sp. 

Tentakeln mit 5 — 6 unregelmäßigen Keihen sehr kurzer Wärz- 
chen, welche die ganze innere Oberfläche des Tentakels bedecken. 

Basaltheil der Colonie in Form eines längeren als breiten, glatten, 
gelappten Stammes. Seine breite convexe Oberfläche trägt zahlreiche 
Poplypen. In jeder Reihe stehen 18 — 20 Pinnulae. 

Die Farbe des Stammes ist im Formol röthlich, die des Polypen- 
körpers graugelb. 

14) Xema samoënsis Köllik. 

Da sich in der kurzen Beschreibung dieser Form keine Angabe 
über Größe, Zahl und Gestalt der Pinnulae findet, läßt sich diese 
Species nicht in eine der drei Untergattungen einreihen. 

Jena, den 22. April 1895. 

5. Megaloglossus Woermanni Pgst. 

Diagnose des erwachsenen Männchens. 
Von Yngve Sj östedt, Upsala. 

eingeg. 2. Mai 1895. 

Megaloglossus Woermanni Pgst. 
Mas adult, feminae similis sed scuto pectorali lato albo distin- 
guendus. 

Habit. Kamerun, Ekundu; Febr. 1892. 

II. Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. Deutsche Zoologische Gesellschaft. 

Fünfte Jahresversammlung in Straßburg i/E. 
vom 4. — 6. Juni 1895. 

1. Sitzung: Dienstag, den 4. Juni, 10 Uhr Vorm. 
Ansprache des Vorsitzenden. 
Bericht des Schriftführers. 



275 

F. E. Schulze: Bericht über den Stand des Unternehmens: »Das 

Thierreich« . 
Derselbe : Bericht über das zoologische Adreßbuch, 
AI. Go ette: Referat über den Ursprung der Wirbelthiere. 
Nachmittag: Besichtigung des zoologischen Institutes. 

H. Ziegler, Demonstration von Schnitten von Torpedo-Embryonen. 

2. Sitzung: Mittwoch, den 5. Juni, 9^/4 Uhr "Vorm. 

Zum Versammlungsort des nächsten Jahres wird Bonn gewählt. 

O. Bürger: Referat über die Verwandtschaftsbeziehungen der Nemer- 
tinen. 

B. Haller: Über den Ursprung des Nervus vagus bei den Knochen- 
fischen. 

H. Zie gier: Untersuchungen über die Zelltheilung. 
Nachmittag: R, Lauterborn: Demonstration: Kerntheilung bei Diato- 
meen. 

L. Döderlein: Demonstration: Mimicry bei Schmetterlingen. 

3. Sitzung: Donnerstag, den 6. Juni, 9Y4 Uhr Vorm. 

O. Zur Straßen: Entwicklungsmechanische Beobachtungen an Ascaris . 

E. Korscheit: Mittheilungen über Eireifung und Befruchtung (mit 
Demonstrationen) . 

O. Ja ekel: Über die Organisation der Cystideen. 

H. Simroth: Über Färbung pelagischer Cephalopoden. 

Th. Eimer: Über Artbildung und Verwandtschaft bei den Schmetter- 
lingen. 
Nachmittag: Besichtigung des geologischen Institutes. 

O. Bütschli: Demonstration : Photographien von Bactérien und Ver- 
wandten. 



Der Gesellschaft sind seit dem 1. April d. J. folgende Herren als 
neue Mitglieder beigetreten: 

Dr. A. Fritze (Freiburg i. B.). 

Dr. C. Hi lg er (Karlsruhe). 

Dr. R. Lauterborn (Ludwigshafen a/Rh.). 

Dr. M. Luhe (Königsberg i. Pr.i. 

Dr. B. Nöldeke (Straßburg i. E.). 

Prof. Dr. O. N ü ß 1 i n (Karlsruhe) . 

James Robb (Paris). 

Dr. Ijudwig Schmidt (Straßburg i. E.). 

Dr. K. Camillo Schneider (z. Z. Leipzig . 

Dr. O. Zur Straßen (Leipzig). 
Gießen, den 17. Juni 1895. Der Schriftführer: 

Prof. J. W. S pen gel. 



276 
2. Zoological Society of London. 

21st May, 1895. — Mr. Sclater made some remarks on the Zoologi- 
«al Institutions he had recently visited in Egypt. These were the new Zoo- 
logical Garden at Gizeh, the Zoological Museum in the Government Medical 
School at Cairo, and the Ostrich-farm at Matarieh. — Mr. Howard Saun- 
ders exhibited and made remarks on a hybrid Duck. — Dr. R. Bowdler 
Sharpe gave an account of the ornithological collection made by Dr. Do- 
naldson Smith during his recent expedition into Somaliland and Gallaland. 
The present series contained about 500 specimens, which were referred to 
182 species. Of these twelve were considered to be new to science. — Mr. 
G. A. Boulenger, F.R.S., read a synopsis of the genera and species of 
Apodal Batrachians, and gave a description of a new genus and species pro- 
posed to be called Bdellophis vittatus. — Lt.-Col. H. H. Godwin-Austen, 
F.R.S., read a list of the Land-Molluscs of the Andaman and Nicobar 
Groups of Islands in the Bay of Bengal, and gave descriptions of some new 
species, together with a complete account of the distribution of all the spe- 
cies in the various islands of these two groups. — A communication was 
read from Dr. J. Anderson, F.R.S. , containing the description of a new 
species of Hedgehog from Somaliland, which he proposed to name Erinaceus 
Sclateri. — A communication from Mr. R. Lydekker contained notes on 
the structure and habits of the Sea-Otter [Latax lutris) . — A communication 
was read from Dr. B. C. A. Windle containing remarks on some double 
malformations observed amongst fishes. — Mr. F. E. Beddard, F.R.S. , 
read a paper on the visceral and muscular anatomy of Cryptoprocta , dealing 
chiefly with the brain , alimentary canal, and muscles of this Carnivore. — 
P. L. Sclater, Secretary. 

in. Personal-Notizen. 

Cincinnati. Mr. Charles D. Aldright, now at the University of 
Munich , has been elected to the instructorship in biology in the University 
of Cincinnati, U.S.A. 

Necrolog. 

Am 3. Januar 1895 starb in Washington, D.C., Dr. Georg Marx, der 
bekannte Archaeolog. Er war am 22. Juni 1838 in Laubach, Großherzog- 
thum Hessen, geboren, war 1860 nach Nordamerica gegangen, im Secessions- 
kriege schwer verwundet worden , und hatte an der entomologischen 
Abtheilung des Department of Agriculture die Stelle als Vorstand der 
Illustrationsabtheilung inne. 

Am 29. Juni starb in London Thomas Henry Huxley; geb. 4. Mai 
1825 in Ealing. 



Drnck von Breitkopf k Hfirtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CaruS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilielm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jahrg. 22. Juii 1895. No. 480. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 1. Sassonow, Über Pterylosis der Embryonen 
des Struthio cainelus. 2. Grenacher, Über die Retina der Cephalopoden. 3. Stafford, Aspidogaster 
conchicola. 4. Andrews, On the Conjugation of Cambarus. 5. Karawaiew, Beobachtungen über 
die Structur und Vermehrung von Aulacantha scolymantha Haeck. II. Dlittheil.ans SInseen, Insti- 
tuten etc. 1. Zoological Society of London. 2. Linnean Society of New South Wales. III. Per- 
sonal-Notizen. Vacat. Litteratur. p. 2;)7— 260^ 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. über Pterylosis der Embryonen des Struthio camelus. 

Vorläufige Mittheilung. 
Von N. Nassonow, Professor an der Warschauer Universität. 

eingeg. 28. April 1895, 

Bei einem Straußenembryo von ungefähr 12 Tagen erscheinen 
die Federkeime an der Rückenseite des Rumpfes in zvï^ei nach rück- 
wärts sich verbreitenden Längsstreifen (Pterylae spinales) angeordnet 
(Fig. 1 und 2 a) , welche von einander durch einen längs der Wirbel- 
säule verlaufenden federlosen Streifen (Apt. spinale) getrennt sind 
iFig. Ih). An der Bauchseite des Rumpfes lassen sich nur Spuren 
einer beginnenden Bildung der Pterylae gastraei wahrnehmen (Fig. 2 h) 
und zwar in Form von zwei weit von einander entfernten Gruppen 
einige Federkeime. Der Kopf, der Hals, die vorderen Gliedmaßen und 
die übrigen Rumpftheile entbehren der Federfluren vollständig. Die 
hinteren Gliedmaßen tragen deutliche Fluren — Pterylae femorales 
(Fig. 2e). 

Zu beiden Seiten des Schwanztheiles hinter der Blase, welche 
für dieses Stadium sowie für die ihm nahestehenden characteristisch 
ist (Fig. 2 c und 3a)i, befinden sich zwei kleine auf besonderen Erhö- 
hungen liegende Fluren (Pterylae caudae) (Fig. 2<^Zund 3ô). 

Bei einem Straußenembryo von ungefähr 14 Tagen sind die bei- 
den Pterylae spinales viel breiter geworden (Fig. 4 und 5 a) und fließen 
in der hinteren Rumpfregion zusammen (Fig. 4 a), so daß Apter. spi- 

1 Die Höhle dieser Blase ist die Erweiterung der Nervenröhre. 

16 



278 



naie sie nicht mehr völlig von einander trennt und hinten verschwin- 
det (Fig. 4 è). 

Pterylae gastraei haben sich zu zwei Streifen entwickelt , welche 
durch Apter. mesogastraei (Fig. 5/") vollständig von einander getrennt 

Fig. 2. 
Fig. 1. 






'^l^ 



Fig. 1. Rumpf eines Straußenembryo von ungefähr 12 Tagen von der Rucken- 
seite. 

Fig. 2. Rumpf eines Straußenembryo von ungefähr 12 Tagen von der linken 
Seite. 

Fig. 3. Schwanzende und Genitalien (c) desselben Embryo. 

sind. Pterylae femorales erscheinen doppelt (Fig. 4 und 5e und c,). 
Pterylae caudae haben sich stark verbreitet. 

Außer diesen Fluren, welche schon auf den vorhergehenden Ent- 
wicklungsstadien vorhanden waren , beginnt hier die Bildung einer 

Fig. 4. 

Fig. 5. 



-f 



b- 





Seite. 



Fig. 5. Rumpf eines Straußenembryo von 
ungefähr 14 Tagen von der linken und ven- 
tralen Seite. 



Fig. 4. Straußenembryo von ungefähr 14 Tagen von der rechten und dorsalen 



Kopfflur und zwar jederseits oberhalb der Ohren, an der oberen Kör- 
perfläche zwischen den Augen (Fig. 4/). 



279 



Im Stadium von 1 6 cm Länge erscheint der Embryo in bedeuten- 
dem Maße mit jungen Federn bedeckt. Kopf und Hals sind fast ganz 
mit kleinen conischen Federchen bedeckt und nur in der Gegend der 
Augen und Ohren bleiben ansehnliche Stellen nackt. Apter. spinale ist 
länglich oval und ganz geschlossen, als kleine Lücke in der Rückgrat- 
flur (Fig. 6f'. Pteryla spinalis erscheint in Form eines rückwärts sich ver- 
breiternden Streifens (Fig. 6 a), welcher hinten in die Pterylae caudae 
übergeht (Fig. Id), und vorn sich auf Hals und Schulter fortsetzt 
(Fig. 6 u. Ic). Apt. mesogastraei, die sich an der Brust verbreitern und 

Fi?. 6. Fig. 7. 




Fig. 0. Dorsalansicht des Rumpfes eines Straußenembryo von 16 cm Länge. 
Fig. 7. Ventralansicht des Rumpfes eines Straußenembryo von 16 cm Länge. 

an der Basis des Halses verschwinden (Fig. 7/), und Pterylae gastraei 
in der vorderen Region vereinigen sich mit dem Hals- und Schulter- 
gefieder. 

Außerdem bleiben am Rumpfe nur noch die Apt. trunci laterales 
erhalten , welche den Raum zwischen Pterylae spinales und gastraei 
einnehmen und sich auf der inneren Oberfläche der Extremitäten ver- 
breiten. In der hinteren Region des Rumpfes vereinigen sie sich mit 
dem Unterrain (Fig. 6 u. Iff) . 

Die hinteren Extremitäten haben noch besondere Pterylae femo- 
rales (Fig. 6 u. le), welche durch das Verschmelzen zweier getrennter 

16» 



280 

Federkeimfluren entstanden sind. Spuren des paarigen Ursprungs 
jeder dieser Oberschenkelfluren sind noch in deren Mitte in Gestalt 
einer federfreien Stelle vorhanden (Fig. iJi) . 

Später nach diesem Stadium, wie es bekannt-^, sind die Raine 
kleiner und bei erwachsenen Vögeln erscheint der Körper mit ganz 
lückenlosem Gefieder bedeckt, was früher für eine primäre Erschei- 
nung galt. 

Auf den ersten zwei angeführten Stadien lassen sich an den Flü- 
geln noch keine Federanlagen Avahrnehmen. Im ersten Stadium sind 

alle Finger einander genähert und der 

Fig. 8. , , . . 

zweite Finger hat eine Einfassung in Gestalt 

'(/]/ ^ einer Hautfalte, welche einen Vorsprung in 

Jr^h) der Richtung des dritten Fingers bildet und 

Uji // auf diesen übergeht (Fig. 8a). Am 1. und 

(( / 2. Finger sind Spuren von Krallenbildung 

I [ vorhanden in Form von länglichen, walzen- 

/ förmigen Erhöhungen an der Dorsalseite der 

"""^ 1 Fingerspitzen (Fig. 8 b]. Fast dasselbe Bild 

/ bietet der Flügel im zweiten Stadium dar, 

y ... . 

nur ist hier der l. Finger noch rückwärts 

Fiff. 8. Vorderextremität j j ^.r x 

„ _ , von den anderen entlernt. 

eines Straußenembryo von o, ,. i • i 

ungefähr 12 Tagen. '■^ dritten Stadium verschwindet die 

Einfassung der Finger und der l.und2. Fin- 
ger tragen an der Spitze deutliche Krallen (Fig. 6 und 1 1). Die jungen 
Federn bedecken von der Dorsalseite die ganze Schulter; auch sind 
die Anlagen von Arm- und Handschwingen, Deckfedern und Alulae 
vorhanden (Fig. 6K). An der Ventralseite des Flügels giebt es nur eine 
Reihe unterer Deckfedern (Fig. iK). 

2, Über die Retina der Cephalopoden. 

Bemerkungen von Dr. H. Grenadier, Prof. in Halle a S. 

eingeg. 30. April 1895. 

In der Zeitschrift f. wiss. Zool. 58. Bd. p. 636—660 hat Herr 
M. von Lenhossék in Würzburg einige Mittheilungen über die Ce- 
phalopoden-Retina veröff"entlicht, die ich doch nicht ganz ohne Rand- 
bemerkungen lassen möchte. Diese beziehen sich vornehmlich auf 
des Verf.'s Angaben einmal über die von mir beschriebenen intracellu- 
lären und als Nervenelemente gedeuteten , dann aber ebenso auf die 
intercellulären , von mir als Limitansfasern bezeichneten Gebilde; 

2 Beatrice Lindsay, Proc. Zool. Soc. 1885. — Hans Gadow, Bronn's Classen 
und Ordnungen des Thierreichs. 6. Bd. 4. Abth. Aves. 



281 

erstere möchte er überhaupt als nichtexistierend gestrichen sehen, 
bezüglich der letzteren beanstandet er wenigstens meine Darstellung. 

Da ich dem in meiner Arbeit über diese Retina (18S4) Gesagten 
nichts Thatsächliches hinzufügen . aber ebenso auch nichts davon 
zurücknehmen kann, so glaube ich dem von Herrn von Lenhossék 
(p. 652) geäußerten Wunsche auf Ausbleiben einer Polemik dadurch 
entgegenzukommen, daß ich diejenigen Herren Collegen, die sich über 
die Sachlage ein Urtheil bilden wollen, und die der Zufall oder Ab- 
sicht nach Halle führt , hiermit höflichst einlade , das betreffende 
Praeparat, welches meiner Fig. 3 als Vorlage gedient hat, und welches 
die beschriebenen Structuren noch genau so gut zeigt wie früher, ge- 
fälligst selbst im Zoologischen Institut in Augenschein nehmen zu 
wollen. Dasselbe hat bisher noch jeden Saulus in einen Paulus ver- 
wandelt, und wird es hoffentlich auch fernerhin noch vermögen. 

Wohl aber sehe ich mich veranlaßt, bei aller Betonung des That- 
säc h liehen, bezüglich der Deutung jener als Nervenfasern bezeich- 
neten Elemente einer Modification das Wort zu reden. Ich habe schon 
längst ernstlich Zweifel gehegt, ob jene Nervenfasern wirklich als 
solche anzusprechen seien. Da in der Zeit, als ich meine Untersuchun- 
gen anstellte, noch so gut wie nichts über die Pigmentbewegung im 
Cephalopodenauge bekannt war, konnte ich nicht gut jene Fasern 
damit in Beziehung bringen. Jetzt aber möchte ich wenigstens auf 
diese, wenn auch entfernte, Möglichkeit hinweisen; glaube aber, aus 
naheliegenden Gründen, mich einer weiteren Ausführung enthalten 
zu dürfen. Wohl aber dürfte der ausdrückliche HiuAveis, daß jene 
Fasern bisher bloß an Octopus zur Beobachtung kamen, immerhin am 
Platze sein. 

Die am Schlüsse seiner Arbeit (p. 65 6 ff.) von Herrn von Len- 
hossék niedergelegten allgemeinen Betrachtungen über die Be- 
ziehungen der Cephalopodenretina zur Haut des Regenwurms haben 
mich um so mehr interessiert, als sie einen gewissen Parallelismus 
zeigen zu meinen eigenen Ansichten, wie ich sie am Ende meiner 
Untersuchungen über das Auge von Pterotrachea zu entwickeln ver- 
suchte. Daß ich mich hierbei in einem ungleich engeren Fahrwasser, 
der Morphologie des Auges der Cephalophoren, bewegte, wird hoffent- 
lich meine Aufstellungen gegenüber denen des genannten Verfassers, 
der ganz heterotypische Verhältnisse heranzog, nicht völlig ent- 
werthen. 



282 
3. Aspidogaster conchicola. 

Preliminary Note. 
By J. Stafford, Zool. Lab. Leipzig. 

eingeg. 3. Mai 1895. 

Having been occupied for some months with researches into the 
structure and development of Aspidogaster conchicola, I desire to state 
here, as briefly as the subject permits, a few of my results. Details 
will appear in a future paper. 

Cross sections of the adult animal show a transverse muscular 
septum separating the intestine, vitellaria, and end organs of the 
sexual system above from the large vessels of the excretory system, 
the lateral nerves and the hermaphrodite genital glands below. At 
the posterior end of the intestine the septum thins out and its indivi- 
dual fibres are lost in the parenchym, so that here the infra- and supra- 
septal portions of the body pass directly into one another. Underlying 
the infraseptal division and separated from it by a limiting membrane 
is the ventral disk — a highly complex sucker-apparatus. Into the 
structure of this as well as of the body parenchym and musculature 
I do not purpose here to enter. I only mention the above stated facts 
to indicate the relative positions of the chief organs of the body, since 
Voeltzkow states that the »Expulsionsschlauch« and the lateral ner- 
ves lie in the »Saugscheibe« and posteriorly pass out of it into the 
body. They are in fact situated right and left from ovary and testis, 
from which they are separated only by parenchym; above them 
stretches the septum and below them the limiting membrane of the 
ventral disk. Voeltzkow could not have meant to call the whole 
infraseptal part a »Bauchscheibe«, for then the sexual organs would be 
in the sucker. The part of the animal below where the septum joins 
the body walls on the sides and front, however, adapts itself to the 
conditions of contraction and expansion of the ventral sucker, being 
sometimes much lengthened while sometimes it is much broader than 
the upper part of the body. It acts so much as a unit, that one is 
tempted to give it the particular name of foot in contradistinction to 
the neck and supraseptal part. 

On each side, in the ventral sucker, is a longitudinal nerve with 
a collateral plexus system , the whole in communication with the mar- 
ginal sense organs by means of thick lateral branches. 

Both Voeltzkow — in his work of 1887 — and Zacharias in 
a publication of the beginning of the present year state that they were 
unable to find »Trichterorgane«. This I had already done before the 
publication of the latter work. As near as I can judge, the three 



283 

blindly ending capillaries described by the former author , instead of 
ending blindly , as he thought, divide again in threes, each one of 
which latter branches is terminated by a »Trichter«. The capillaries 
are without cilia. The ciliary cone of the funnel is shorter and , rela- 
tively to its length . broader than that of the vessels and at its base is 
a nucleated funnel-cell. The whole funnel-organ is so far characte- 
ristic that when one has educated his eye to it one can find them quite 
easily and can at once distinguish the »Flimmerung« of a »Trichter« 
from that of the conducting vessels. I will only state further in this 
connection that in the embryo before it leaves the shell there are at 
least two pairs of funnels present — immediately behind the anterior 
and in front of the posterior suckers — and that in the adult there are 
two pori excretorii. 

Regarding the genital organs I find that the »dreieckiger Raum« 
is not the ootype. Its cilia extend from the opening of the unpaired 
vitelline duct to the tuba and act in this direction. The receptaculum 
vitelli with its duct are the Laurer's canal. Pursuing the oviduct 
outwards , at a distance from the opening of the vitelline duct equal 
to that of the latter from the Laurer's canal , one finds the shell- 
gland with its radiating ducts, and immediately succeeding it a widen- 
ing in the oviduct with thickened walls, the ootype. Beyond this is 
generally a contracted portion with again an expansion filled to di- 
stention, in the sexually adult animal, with sperm-cells. The latter is 
the part designated by Loos s »Receptaculum seminis uterinum«. 
These organs have been hitherto overlooked. 

The penis is a highly complex organ and decoyed Voeltzkow 
into numerous errors. Between the »Penisschlauch« and the ductus 
ejaculatorius is no epithelium and no space filled with a watery fluid 
but a continuous parenchym. The bulbus is , at least as to its essen- 
tial structure, a large papilla-like forward growth into the greatly 
widened ductus from the posterior end of the »Penisschlauch« 
through the centre of which passes the continuation of the vesicula 
seminalis opening at the anterior tip of the bulbus. The walls of 
the ductus are posteriorly incorporated into the bulbus structure but 
along its outer surface are a number of longitudinal infoldings 
where the ducts from the prostate gland grow inwards carrying 
with them the parenchym. These infoldings meet with the outer 
walls of the forwardly projecting papilla and coalesce with it forming 
the septa figured, but incorrectly, by Voeltzkow. At the broadest 
part of the bulbus there are about a dozen septa between which are 
somewhat wide canals, the latter receiving the ends of the prostate 
ducts. More anteriorly the septa fail and the intervening canals fuse 



284 

into a space completely encircling the tip of the bulbus. Through the 
septa the parenchym surrounding the ductus meets with that of the 
bulbus proper. 

This complexity of structure can of course only be clearly ex- 
hibited by drawings. 

I shall make mention of only one more organ — namely the vitella- 
ria which consist of a longitudinal canal on each side of the intestine 
from whose sides pass off numerous short ducts, the necks of the flask- 
shaped follicles : about two thirds of its length from the anterior end 
each longitudinal canal bends downwards and gives off the transverse 
canals figured by Voeltzkow and which unite at the vitelline sac 
to form the unpaired vitelline duct. 

4. On the Conjugation of Cambarus. 

By E. A. Andrews , Baltimore. 

eingeg. 7. Mai 1895. 
Some observations upon the breeding habits of Cambarus afßnis 
show that there are important differences between the American cray- 
fish , Cambarus , and the European crayfish Astacus and that certain 
structures hitherto known only as specific and generic characters are 
necessary accessory reproductive organs. 

1) When kept in confinement Cambarus afßnis conjugated in 
November and in February, March and April. 

2) The process lasts several hours. 

3) The male exhibits great skill and persistency and is visibly 
excited throughout the process while the female is from the first pas- 
sive and inert and shows scarcely any evidence of excitement. 

4) The sperm is introduced into the cavity in the aiiuulus, which 
thus serves as a sperm receptacle as in the lobster, Homarus america- 
nus^ as described by Professor Bump us (Journal of Morphology, V. 
1891.) 

5) The well known hook on the ischiopodite of the third walking 
leg of the male is used in the process of conjugation to firmly attach the 
male to the female. The tip of the hook depresses the membrane be- 
tween the coxopodite and the basiopodite of the fourth walking leg of 
the female and the hook catches firmly against a stiff ridge on the 
basiopodite. 

6) The sperm is conveyed down the groove of the stylet or first 
pleopod of the male from the penis-like everted end of the vas defe- 
rens into the cavity of the annulus of the female. The annulus be- 
comes filled and a plug of sperm and protective secretion projects from 
its orifice after conjugation. 



285 

7) At a definite stage in the process the male always passes either 
the right or the left fifth, or last, walking leg across under his thorax 
so that it projects horizontally from the other side. This limb then 
holds the first and second male pleopods, the intromittent apparatus, 
depressed at an angle of more than forty-five degrees from the ven- 
tral surface of the male and thus ensures their entrance into the annu- 
lus when the male moves forward over the female. 

8) During the process the ventral sides of the two animals are 
closely applied to one another and the abdomen of the male partly 
encloses the abdomen of the female. The latter lies in the back or 
partly on one side and is firmly held by both large chelae of the male 
which grasp all the chelate appendages of the female. 

9) There is no wide distribution of sperm as has been described 
for Astacus : it is all placed in the annulus. The oviducts of the fe- 
male are not concerned in the process of conjugation. 

Since the sperm rapidly disintegrates when removed from the 
protecting secretion that envelops it in spermatophore like masses and 
the male organs in this species are so nicely adjusted to convey it to 
the annulus, we may assume that the different forms the annulus pre- 
sents in difi'erent species may be correlated with the well known 
differences in the male organs so that in all the sperm is placed in a 
protected cavity by tools that will not operate in other species thereby 
tending to maintain specific distinctness. 

During the process of conjugation the small pleopods of the first 
abdominal segment of the female lie with their tips near the annulus 
and the male intramittent organs. As they tend to disappear or are 
quite lost in Astacus, Avhere no such carefully adjusted process of 
sperm-transfer takes place, we may suppose that in Gambarus they 
function as sense organs to assist in the more accurate adjustment of 
the male and female organs. 

In the one case in which eggs were laid in captivity the nervous 
system of the female was very irritable for several days. During this 
time by assiduous labour with both of the fifth walking legs she care- 
fully removed all foreign matter from the ventral surface of the ab- 
domen and from the pleopods. 

The sperm plug remained in the annulus for two days after the 
eggs were laid and then disappeared. It was probably removed by the 
female. The process was, however, abnormal and the eggs did not 
develop. 

Johns Hopkins University , Baltimore Md., U.S.A. 



286 

5. Beobachtungen über die Structur und Vermehrung von Aulacantha 
scolymantha Haeck. 

Von W. Karawaiew, 
Assistent am zoologischen I,aboratorium der Universität Kiew. 

eingeg. 14. Mai 1895. 

Noch vor kurzer Zeit war man der Ansicht, daß die überwiegende 
Mehrzahl der Protisten sich mittels der directen Kerntheilung ver- 
mehrt ; inzwischen haben die Befunde der letzten Jahre gezeigt , daß 
bei denselben die Kernsegmentierung viel öfter vorkommt, als man 
das vermuthen konnte. 

Während meines Aufenthalts auf der zoologischen Station in 
Villafranca im verflossenen Winter bemühte ich mich die Kernthei- 
lung bei den Radiolarien näher zu studieren, bei denen die Kernseg- 
mentierung noch niemals beobachtet wurde. Die Möglichkeit der- 
selben schien mir um so wahrscheinlicher, da sie bei den ihnen nahe 
stehenden Heliozoen gefunden wurdet 

Das geeignetste Object schien mir wegen der beträchtlichen Größe 
des Kernes die Phaeodarie Aulacantha scolymantha zu sein , welche 
ich bei der dortigen reichen Fauna fast täglich in genügender Anzahl 
bekommen konnte. Indessen war vielleicht die Jahreszeit für die 
Untersuchung der Vermehrung nicht sehr günstig, da ich Individuen 
im Zustande der Vermehrung verhältnismäßig selten traf. 

Bei Aulacantha fand ich wirklich zwei Stadien der Kernsegmen- 
tierung, von denen das eine sogar große Eigenthümlichkeiten dar- 
stellt ; aber obgleich ich einige Hunderte von Exemplaren untersuchte, 
blieb die Keihe doch unvollständig. 

Was die technische Behandlung des Materials betrifi"t, so fand 
ich nach langem erfolglosen Probieren ein gutes Fixierungsmittel in 
einer Mischung von einem Theil der starken Flemming'schen Flüssig- 
keit mit einem Theil Eisessig und nachfolgender Behandlung mit 
reiner Flemming'scher Flüssigkeit. In der ersten Flüssigkeit blieben 
die Objecte einen Tag, in der letzten einen bis mehrere Tage. Nach- 
dem wurden sie mit Paraffin durchtränkt (manchmal mit Paraffin 
und Celloidin gleichzeitig, nach der schönen neuen Methode von 
Field und Martin^ und geschnitten. Die Schnitte wurden mit Safra- 
nin gefärbt und in angesäuertem absoluten Alkohol ausgewaschen. 



1 Vgl. A. G rub er, Über Kerntheilungsvorgänge bei einigen Protozoen. Zeit- 
schrift f. wiss. Zool. 38. Bd. 1883. — R. Hertwig, Die Kerntheilung bei Actino- 
sphaerium Eichhorni. Jena 1884. — A. Brauer, Über die Encystierung von Acti- 
nosphaerium Eichhoriii. Zeitschr. f. wiss. Zool. 58. Bd. 1894. 

2 Field u. Martin, Mikrotechnische Mittheilungen. Zeitschr. f. wiss. Mi- 
kroskopie. 9. Bd. 



287 

Bei directer Fixierung der Aulacantha mittels reiner Flemming'scher 
Flüssigkeit, sowie mittels Osmiumsäure, Sublimat, Sublimat-Essig- 
säure, scbrumpft sie außergewöhnlich zusammen und die Membran 
der Central-Kapsel hebt sich stark von dem Endoplasma ab. Ein an- 
dereres gutes Fixierungsmittel ist reiner Eisessig, aber ich benutzte 
ihn weniger wegen der Unmöglichkeit nachher mit Anilinfarben gut 
zu färben. 

Bevor ich nun zur Beschreibung der beobachteten Theilungs- 
Vorgänge bei Aulacantha scolymantha übergehe, möchte ich einige 
Bemerkungen über ihre Structur im Ruhezustand machen. 

"Wie R. HertwigS richtig bemerkt, liegen die beiden Membranen 
der Central-Kapsel (Ecto-undEndocapsa) bei der \^qx\ò.qxi Aulacantha 
unmittelbar an einander und der Zwischenraum entsteht nur infolge 
ungeeigneter Fixierung. Bei Fixierung mit der erwähnten Mischung 
von Flemming'scher Flüssigkeit und Eisessig kommt er gar nicht zum 
Vorschein. Der Rand der Ectocapsa auf der Grenze des Operculum 
ist, wie es R. Hertwig zeichnet*, verdickt. In Anschluss an denselben 
Forscher scheint mir auch das Operculum selbst aus beiden Mem- 
branen zu bestehen, von denen sich die Ectocapsa außerordentlich 
verdünnt und an die Endocapsa dicht anlegt. Im Gegentheil konnte 
ich bei Aulacantha scolymantha die radiäre Streifung des Operculum 
nicht bestätigen. Die scheinbare Streifung des Operculum wird viel- 
leicht bei der Untersuchung in to to ausschließlich hervorgerufen durch 
die besondere Structur des Endoplasma unter dem Operculum, welche 
schon R. Hertwig bemerkte, aber bei den damaligen Untersuchungs- 
methoden nicht näher untersuchen konnte und von welcher die Rede 
weiter sein wird. Haeckel^, welcher derselben Ansicht ist, wie der ge- 
nannte Forscher und das Operculum bei allen Phaeodarien für gestreift 
hält, untersuchte dieselben auch nur in toto; indessen kann diese 
Frage besser bei Combinierung der beiden Methoden — der Schnitt- 
methode und der Untersuchung in toto entschieden werden. Die 
Frage über die vermeintliche radiäre Streifung des Operculum bei den 
Phaeodarien im Allgemeinen scheint mir also noch nicht entschieden. 

Nach Hae ekel 's Beschreibung wäre anzunehmen, daß die Struc- 
tur des Endoplasraas im Bereich aller drei Öffnungen derKapsel-Mem- 

3 R. Hertwig, Der Organismus der Radiolarien. 1879. 

4 1. c. Taf. X Fig. 1 a. 

5 E. Haeckel, Report on the Radiolaria collected by H. M. S. Challenger 
during the years 1873 — 1876. Second Part. — Osculosa [Nassellaria and Fhaeodaria). 

in : Report on the scientific Results of the Voyage of H. M. S. Challenger 

Zoology. Vol. XVIII. Second Part. 1887. — Derselbe. Die Radiolarien [Rhizopoda 
radiarla). Eine Monographie. III. u. IV. Theil. Die Acantharien und Phaeodarien. 
1888. 



288 

bran ganz gleich ist, daß sie namentlich eine fibrillare Streifung zeigt; 
indessen unterscheidet sich die Structur des Plasmas unter der Astro- 
pyle sehr Avesentlich von der unter den Parapylae. Während man im 
Bereich der Parapylae feine Fibrillen wahrnimmt, welche von den- 
selben in das Plasma radienartig hineinstrahlen, bemerkt man auf 
Schnitten durch das Endoplasma unterhalb des Operculum, in der 
Richtung quer zur Hauptachse, schleifenförmige Gebilde, welche aus 
sehr dünnen, dicht neben einander liegenden Lamellen bestehen 
(Fig. 1). Die Lamellen sind radial gestellt, so daß ihre Fläche durch 
die Hauptachse durchgeht. Am centralen Rand geht die Lamelle der 

Fig. 2. 





Fig. 1. Schnitt durch das Endoplasma von Aulacantha scolymantha in der 
Gegend des Operculum, quer zur Hauptachse. Zeiss Apoehr. 3 mm, C. Ocul. IV. 

Fig. 2. Längsschnitt durch Aulacantha scolymantha. Zeiss Apoehr. 8 mm, C. 
Ocul. XII. 



einen Seite in die Lamelle der anderen über, am peripheren Hand da- 
gegen erstrecken sie sich zum Operculum. Was die Breite der La- 
mellen betrifft, so ist sie sehr verschieden ; die breitesten reichen fast 
bis zum Centrum, viele dagegen erstrecken sich sehr wenig in der 
Richtung zu demselben. Wenn man das Endoplasma quer zur Haupt- 
achse der Central-Kapsel so zerschneidet, dass die Fläche durch die 
Grenze des Operculum und des übrigen Theiles der Kapsel-Membran 
durchgeht , so ist das zugleich die dem Kern der Radiolarie zuge- 
wandte Grenze der Lamellen. Was die Natur der Substanz der La- 
mellen und ihre Function anbelangt , so kann man, scheint mir, 
darüber noch nichts Bestimmtes sagen. Die Lamellen färben sich gut 
mit Hämalaun , mit Safranin aber fast gar nicht. 

Außer den schon längst bekannten gerundeten Vacuolen mit 



289 

Fett-Kürnchen im Inneren, beobachtete ich im Endoplasma auf 
Schnitten eigenthümliche canalformige Vacuolen [Fig. 2). Dieselben 
verlaufen in verschiedener Tiefe des Endoplasmas und in verschiede- 
nen Richtungen, etwas wellenartig gewunden; manchmal sieht man, 
daß solch ein Canal sich umbiegt und in umgekehrter Eichtung fort- 
läuft. Die Zahl der Canale ist sehr beträchtlich, so daß das Endo- 
plasma manchmal wellenartig gestreift aussieht; ihr Lumen ist sehr 
verschieden, so daß man einige derselben kaum bemerkt. Daß die 
Canale in irgend welcher Beziehung zu den gewöhnlichen gerundeten 
Vacuolen ständen , habe ich niemals mit Sicherheit gesehen. Gegen 
die Vermuthung, daß es nicht Vacuolen, also Flüssigkeit enthaltende 
Räume, sondern Ausscheidungen irgend einer durchsichtigen contrac- 
tilen Substanz seien, spricht nach meiner Ansicht der Umstand, daß sie 
oft ihre Richtung ändern ; wie ich schon bemerkt habe, biegen sie oft 
um und laufen in entgegengesetzter Richtung weiter. Die Contraction 
solcher Gebilde möchte also für den Organismus keinen bestimmten 
Zweck haben. (Schluß folgt.) 

II. Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. Zoological Society of London. 

18th June, 1895. — The Secretary read a report on the additions 
that had been made to the Society's Menagerie during the month of May, 
and called particular attention to the following animals: — a Blackbilled 
Sheathbill, captured at sea, 52° S. , 55° W. , and presented by Mr. John 
Gunn; a female Grysbok, presented by Mr. J. E. Matcham, of Port Eliza- 
beth, South Africa : and a young male Panolia Deer, from Southern China, 
presented by Mr. Julius Neumann, C.M.Z.S. — Mr. Sclater exhibited and 
made remarks on the head of a Barbary Sheep [Ovis (raffelap/itis), obtained 
by the late Capt. Dunning on the Nile above Wady Halfeh , and the skin of 
a Humming-bird [Anthocephala Berlepschi) ixoxa. Columbia, received from 
Mr. R. B. White, C.M.Z.S, — Prof. Howes exhibited and made remarks 
on the skull of a Rabbit showing abnormal dentition. — A letter was read 
from Dr. Hubrecht, F.M.Z.S., showing that a supposed new mammal from 
Sumatra, which he had described as Trichomanis Hoevenii, was probably noth- 
ing more than an Arctomjx. — Mr. Sclater exhibited and made remarks 
on a specimen of Loder's Gazelle [Gazella Loderi) , recently obtained in the 
western desert of Egypt. — Mr. W. Saville Kent exhibited a drawing of a 
Nudibranch from Western Australia , remarkable for its large size and bril- 
liant colour. — Mr. J. Graham Kerr read a paper on some points in the 
anatomy of Nautilus pompilius. He described the perivisceral cavity, drawing 
attention to the large development both of coelom and haematocoele, the 
headward section of the body-cavity containing the crop, vena cava, etc. 
belonging to the latter. The coelom consisted of two chambers — a genital 
and a pericardial — separated from one another by a perforated septum. 
The latter opened to the exterior through the viscero-pericardial pores, which, 
together with their adjacent renal sacs , represented the pair of nephridia of 



290 

this segment. The author believed that the genital ducts of the female were 
homologous with the viscero-pericardial pores , and that they, together with 
the anterior pair of renal sacs , represented the nephridia of the genital seg- 
ment. The extremely archaic character of the ovary was described as well as 
the origin of the ova from syncytial masses of protoplasm. He also attempted 
to show that the penis was a paired structure, developed from the outer skin, 
one moiety remaining rudimentary , and having lost its communication with 
the true genital duct (here the pyriform sac). Certain points in the arrange- 
ment of the nervous system were touched upon , and it was suggested that 
a continuation backward on each side of the nerve-trunk , the branches of 
which innervated the gills, to the region of the post-anal papilla represented 
the supra-anal commissure of the Amphineura. The curious laminated or- 
gan ventral to the buccal mass in the female, which had been believed to be 
olfactory , was pointed out as probably having some connection with repro- 
duction — apparently being a glandular apparatus to which the spermato- 
phore of the male became attached. The question of the morphological 
meaning of the arms in Cephalopods was discussed briefly. It was pointed 
out that the only strong basis on which the hypothesis of the pedal nature 
of these organs rested was that derived from the consideration of their in- 
nervation by the »pedal« ganglion or a derivative of it. And the force of 
this evidence was completely dependent upon the assumption that this gan- 
glion was precisely homologous with the pedal ganglia of Gasteropods ; and 
this assumption appeared to be unjustified, the evidence of comparative ana- 
tomy pointing to the independent phylogenetic development of the several 
ganglia of Gasteropods , and of the similarly named ganglia in the higher 
Cephalopods, from a condition of continuous nerve-strands such as occurred 
in Chiton^ Nautilus, and other archaic forms. The author advocated the ab- 
andonment of the view that the arms are pedal, and the resumption of what 
appeared the inherently more probable view , that they are processes of the 
head-region. In conclusion, the author drew attention to certain indications 
which appeared to point to the Amphineura, and especially to the Chitons, 
as being of all living Mollusca those which most nearly approximate to the 
ancestral form of the time when the Cephalopods diverged from the main 
Molluscan stem. — A communication was read from Mr. F. E. Bed dard, 
F.R.S., and Mr. A. C. Haddon, containing an account of a collection of 
Nudibranchiate Mollusca recently made by the latter in Torres Straits. — 
Mr. Boulenger read a paper on a large collection of fishes made by Dr. C. 
Ternitz in the Rio Paraguay. Among the new species were : — Plagioscion 
Ternitzii (allied to P. surinamensis , Blkr., with the formula D. X, I 33 — 35. 
So. 95 — 100 ^' ~ ; 1. 1. 48 — 50), Geojihagus duodecimsjnnosus (D. XII 14. 
A. Ill 9, Sc. 30 j^; 1. 1. j-) , Oxydoras Eigenmanni , connecting Oxydoras 
and Rhmodoras (agreeing with the former in the serrature of the dorsal spine, 
with the latter in all other respects), Chaetostomus gigas (closely allied to Ch. 
acideatus , but with the belly studded with rough shields) , and Anacyrtus 
prognathus (characterized by a strongly projecting, squarely truncated snout). 
— A communication was read from the Babu Ram Bramha S any al, 
C.M.Z.S., giving an account of the moulting of some Birds of Paradise in 
the Zoological Gardens , Calcutta. — A communication was read from Mr. 
O. Thomas and Col. J. W. Yerbury, giving a description of a collection 
of Mammals made at Aden by Col. Yerbury in the winter of this year. It 



291 

was shown that thirty-six species of Mammals were now known to occur in 
the Aden District. — A communication was read from Mr. Edwyn C. Reed, 
C.M.Z.S,, containing a list of the Hemiptera-Heteroptera of Chili. — Mr. 
H. H. Druce, F.Z.S. , read a paper on Bornean Butterflies of the family 
Lycaenidae, in which he had catalogued all the species already recorded from 
that island, and gave descriptions of a considerable number of new Species, 
principally from Mount Kina-Balu. Mr. Druce stated that the number of 
Butterflies of this family previously recorded from Borneo was about 75, 
and that his paper contained references to about 220. — A communication 
was read from Dr. A. G. Butler, F.Z.S. , containing an account of a small 
collection of Butterflies , sent by Mr. R. Crawshay from the country west of 
Lake Nyasa. Five species were described as new to science. — Mr. J. An- 
derson, F.R.S., read a paper describing a collection of Reptiles and Ba- 
trachians made by Col, Yerbury at Aden and its neighbourhood during the 
past winter, — Mr. Boulenger, F.R.S., gave an account of the Reptiles and 
Batrachians collected by Dr. A.Donaldson Smith during his recent expedition 
in Western Somaliland and the Galla country. — P. L. S dater, Secretary. 

2. Linnean Society of New South Wales. 

April 24th, 1895. — 1) Description of a Fly-catcher, presumably new. 
By C. W, De Vis, M.A., Corr. Mem, The name Arses lorealis is proposed 
for a fly-catcher from Cape York , with the lower surface entirely white in 
the male , ochreous in a band on the lower throat in the female , and with 
white lores in both sexes. — 2) On the specific Identity of the Feripatus, 
hitherto supposed to be P. Leuckarti , Sänger. By J. J. Fletcher. During 
his recent visit to England Professor Baldwin Spencer was successful in ob- 
taining a translation of the portion of Sanger's paper (in Russian) descrip- 
tive of the Australian Feripatus. From this it appears that the type speci- 
men was found N, W. of Sydney, and that it was possessed of fifteen pairs 
of legs, one without claws, and fourteen with them, like P. irej;/*, Blanchard. 
Hence the expression »fünfzehn Paar Fußstummel« of Leuckart's notice, which 
has hitherto been incorrectly interpreted as excluding the oral papillae. 
Since then P. insignis^ Dendy, must become a synonym of P. Leuckarti, 
Sang., the question arises, how is the common Feripatus of New South 
Wales and Queensland , with fifteen pairs of claw-bearing legs , to be desi- 
gnated? Important light is shed on this point by the recent acquisition of 
specimens of a Feripatus with fifteen pairs of walking legs, but without an 
accessory tooth at the base of the fang of the outer jaw blades, from West 
Australia. Under the old régime this might equally well have been called 
P.instffnis, var., with 15 pairs of walking legs, or P. Leuckar ti, \a.r., without 
an accessory tooth; or in the absence of males , even P. novae-zelandiae. If 
specific rank is accorded to the Eastern form, so must it be also to the 
Western form. As four species of Australian Feripatus would in the wri- 
ters opinion be an over-supply, he would prefer the following classification, 
more especially as Dr. Dendy has recently recognised as a var. of P. novae- 
zelandiae a New Zealand Peripatus with 16 pairs of walking legs: 

Peripatus Leuckar ti, Sang. Australian Peripatus with 14 or 15 pairs of 

walking legs. Without or with an accessory tooth at the base of the fang 

f the outer jaw blade, or with several (three in one case, indications of 

ven more in another). Males with a pair of (accessory genital) pores be- 

ween the genital papilla and the anus; with a white tubercle on each leg of 



292 

the first pair only , or of the last pair only, or of all or only some of the 
pairs with the exception of the first. I. P. Leuckarti ^ Sang., var. typica [P. 
Leuckarti, Sang., non auct. ; P. insignis, Dendy). With 14 pairs of walking 
legs. No accessory tooth. New South Wales, Victoria, Tasmania. 2. P.Leu- 
ckarti, Sang., var. occiclentalis. With 15 pairs of walking legs. No accessory 
tooth. West Australia (Mr. A. M. Lea). 3. P. Leuckarti, Sang., var. orien- 
talis [P. Leuckarti y Sang., auct., non Sänger). With 15 pairs of walking 
legs. With one or more accessory teeth. Viviparous. Queensland, New South 
Wales. [4. The Victorian Peripatus described by Dr. Dendy as P. oviparus. 
Victoria and Tasmania (probably — for a specimen in the Macleay Museum).] 
— 3) Description oî Peripatus ovipams. By A. Dendy, D.Sc. , F.L.S. In 
the light of the knowledge gained from the translation of Sanger's descrip- 
tion of P. Leuckarti, already referred to, and the consequent necessary re- 
vision of the nomenclature at present in use, the author deals at length with 
the larger Victorian Peripatus which he proposes to call P. ovipartis. No 
viviparous females with fifteen pairs of legs have yet been found in Vic- 
toria. Eggs showing no appearance of embryos have been met with in both 
the middle and last portions of the oviducts , in number varying from 3 — 8 
in one oviduct, and 3 — 9 in the other. The egg-envelope is regarded as 
consisting of three membranes: 1. a thin vitelline membrane; 2. next a very 
thick membrane apparently formed as a secretion in the thick-walled part of 
the oviduct ; and 3. externally a thin transparent membrane outside the 
thick one , and probably secreted by the walls of the triangular sac at the 
base of the ovipositor. Even at the time of laying eggs showed no sign of 
contained embryos. The period of development is believed to be lengthy, 
as much as a year and five months in one case under observation. — 4) No- 
tes on the Sub -Family Brachyscelinae , with Descriptions of New Species. 
By W. W. Froggatt. This paper comprises notes upon the classification 
and systematic position of the gall-making Coccids, some corrections in the 
earlier descriptions of Brachyscelis Thorntoni^ together with descriptions of 
three new species proposed to be called B. dipsaciformis , B. sessilis, and B. 
rosiformis. — 5) On a Fiddler Ray [Try gonorhina fasciata) with abnormal 
Pectoral Fins. By J. P. Hill, F.L.S. The specimen observed, a young male 
26-9 cm long, presents a striking appearance by reason of the anterior por- 
tion of each pectoral fin being separated from the head by a wide and deep 
notch. The significance of the abnormality is discussed at some length. — 
Mr. Brazier exhibited a varied collection of zoological and botanical spe- 
cimens found by F. C. Brazier at Nelson Bay Beach (Bronte) , Waverly, 
during the southerly gales of April 11 — 13th last, comprising Sepia apama. 
Gray, common; S. elongata^ Orb., rare, one imperfect specimen; S. capetisis, 
Orb., thirty specimens; S. australis, Orb., eight specimens in very fair con- 
dition; laiithina caerulata, Reeve, two hundred living specimens ; I. fragilis. 
Lam., eight living specimens; Spirula Peroni , Lam., five imperfect speci- 
mens, with portion of the animal attached to the shells; Lepas Hilli, Leach, 
on Sepia apama, Gray, on slag from furnace fires, and a large nut from Pa- 
cific Islands; L. pectinata, Spengler, on Spirula Peroni, Sepia capensis, laii- 
thina caerulata, on corks, pieces of packing cases, and slag from furnace 
fires; three species of fishes; two species of crabs; numerous specimens of 
candle nuts Aleurites trilobata] and the fruit probably of Barring tonia speciosa. 
Drnch von Breitkopt' & Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 
Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVin. Jahrg. 5. August 1895. No. 481. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilnngen. 1. Karawaie^v, Beobachtungen über die Strnc- 
tur und Vermehrung von Aulacaniha scolymantha Haeck. (Schluß.) 2. Piersig, Eine neue Hydrachna- 
Speeies. 3. Vanliöflfen, Das Leuchten vou Metridia longa Lubb. II. Slittheil. aus Museen, Insti- 
tuten etc. 1. Zacharias, Statistische Mittheilungen aus der Biologischen Station am Großen Plöner 
See. III, Personal-Notizen. Necrolog. Litteratur. p. 261 — 2S0. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Beobachtungen über die Structur und Vermehrung von Aulacantha 
scolymantha Haeck. 

Von W. Karawaiew, 

Assistent am zoologischen I-aboratorium der Universität Kiew. 

(Schluß.) 

Zwischen den Lamellen unter dem Operculum und dem Kern, 
näher zu dem ersten, zeichnet R. Hertwig^ bei Aulacantha im Endo- 
plasma eine Schicht von Körnchen. Dieselben beobachtete ich auch; 
sie sind gerundet und durch einen dünnen Zwischenraum vom Plasma 
abgetheilt; von dem sie umgebenden Plasma unterscheiden sie sich 
gar nicht ihrem Aussehen nach und besitzen dasselbe Färbungsver- 
mögen. 

Den größten Theil des von der Kapselmembran umschlossenen 
Inhalts bildet der bei den Phaeodarien außerordentlich große Kern. 
In seiner Form wiederholt er annähernd die der Centralkapsel und 
ist eiförmig; sein zugespitztes Ende ist also zum oralen Pol gerichtet. 
Im Gegentheil zu 11. Hertwig und Haeckel finde ich, daß sein 
Durchmesser in der Richtung der Hauptachse den in der Richtung 
der Querachse etwas übertrifft, oder sie sind gleich. Eine außerordent- 
lich feine Membran scheint bei dem ruhenden Kerne vorhanden 
zu sein. 



fi 1. c. Taf. X Fig. 10. 

17 



294 

Den Inhalt der Kernmembran beschreibt K. Hertwig' haupt- 
sächlich auf Grund seiner Untersuchungen von lebendem Material in 
der Weise, daß sich in einer feinkörnigen Grundmasse eine wechselnde 
Anzahl von eingebetteten »Nucleolencc befindet. »Bei vielen im frischen 
Zustand untersuchten Aulacanthen scheinen sie sowohl in beträcht- 
licher Anzahl vorhanden, als auch recht groß zu sein.« Manchmal sah 
er ein Netz, in dessen Knotenpuncten sich je ein »Nucleolus« befand. 
Solche Bilder beschreibt für die Phaeodarien auch Haeckel^ und 
führt daraus die hypothetische Vermuthung, daß die »zahlreichen 
Nucleoli unmittelbar zu den Kernen, oder zu den Mutterkernen der 
Nuclei der Geißelsporen werden«. 

Die Untersuchung von zahlreichen Kernen auf Schnitten mit 
Hilfe der neueren Färbungsmethoden hat mich indessen zu einer 
von der geschilderten abweichenden und bestimmteren Auffassung 
der Kernstructur geführt. Im gewöhnlichsten Falle stellt derselbe 
ein grobes spongioses Gerüst dar (Fig. 2) , welches sich intensiv mit 
Safranin färbt '^j also aus Chromatin besteht. Manchmal ist das Gerüst 
gröber, manchmal feiner; manchmal lockerer oder dichter. Die peri- 
pheren Partien erscheinen oft, wie es auf der Figur (v. supra p. 288) 
abgebildet ist, mehr strangförmig und radienartig geordnet; die peri- 
pheren Enden dieser Stränge sind unregelmäßig verzweigt und mit 
einander verbunden. Auf einem Schnitt durch den Kern erscheinen 
selbstverständlich die Aste der Stränge in Form unter einander nicht 
verbundener Theilchen. 

Außer dem Chromatin beobachtete ich auf diesem Stadium noch 
sehr spärliche Theilchen einer anderen Substanz, welche sich in Sa- 
franin gar nicht färbte; dieselbe war in Form unregelmäßiger Klümp- 
chen mit dem Chromatingerüst verbunden. Nur in einem Fall sah ich 
den Zwischenraum zwischen dem Chromatingerüst vollständig von 
einer sehr feinkörnigen Masse ausgefüllt, welche sich mit Safranin 
nicht färbte , aber es scheint mir nicht ausgeschlossen zu sein, dass 
das ein künstliches Product wäre, irgend ein Niederschlag aus dem 
Kernsaft. 

Wenn wir uns jetzt wieder zu der früheren Beschreibung des 
Kernes der Phaeodarien von K. Her twig und Haeckel wenden , so 
wird es uns vielleicht verständlich sein, dass der Kern der Aulacantha 
bei der Flächenansicht ein ähnliches Täuschbild darstellen kann, 

7 1. c. p. 97. 

« 1. 1. c. 

"^ In diesem, wie auch in allen übrigen Fällen, wo es sich um Safraninfärbung 
handelt, wurde das Object, wie oben schon erwähnt wurde, mit einer Mischung von 
Flemming'scher Flüssigkeit und Eisessig fixiert und das Safranin mit angesäuer- 
tem absolutem Alcohol ausgezogen. 



295 

wie man ihn beschrieb ; die Stränge werden dann bei der Ansicht von 
oben den »Nucleolen« entsprechen, deren Astchen den Verbindungs- 
fäden des Netzwerks. 

Seltener beobachtete ich Kerne , bei denen das Chromatin sich 
noch schwach verdichtet hatte und dessen unregelmäßige Klumpen 
von einander durch ziemlich dünne Zwischenräume geschieden waren ; 
entsprechend der schwachen Verdichtung des Chromatins färbten sich 
diese Klumpen viel schwächer. Solche Bilder scheint mir schon 
R. Her twig beobachtet zu haben. 

In einem Fall endlich beobachtete ich einen Kern, in welchem 
das Chromatin so gleichmäßig vertheilt war, dass er nur ein schwach 
wolkiges Aussehen hatte. Dem entsprechend färbte sich der Kern fast 
gar nicht. 

Ehe ich zur Beschreibung des Phaeodiums übergehe, will ich 
vorher der merkwürdigen Gebilde gedenken, deren Bedeutung noch 
ganz räthselhaft bleibt. Bei einigen Aulacanthen beobachtete ich 
namentlich im Calymma in der Nachbarschaft des Phaeodiums Massen 
von zusammengedrängten Bläschen (von einem Durchmesser 0,003 — 
0,0035 mm) mit dünner lichtbrechender, aber wegen der Schrumpfung 
undeutlich begrenzter Membran. Manchmal schien es, daß zwei 
oder drei Bläschen zusammen in eine secundäre Membran einge- 
schlossen wären. Es färbten sich weder die Membran der Bläschen, 
noch ihr Inhalt. 

Unter dem Namen »Phaeodium« versteht man bekanntlich eine 
Pigmentansammlung, welche bei den Phaeodarien hauptsächlich die 
Astropyle umhüllt und vermöge welcher diese Radiolariengruppe von 
Haeckel ihren Namen erhalten hat. Das Phaeodium ist aus eigen- 
artigen Plasmaklumpen, welche in sich Pigmentkörnchen ein- 
schließen , und freien Pigmentkörnern gebildet. Die Plasma- 
klumpen wurden von Haeckel Phaeodellen genannt. Ihre mikro- 
skopische Beschaffenheit ist bis jetzt noch sehr ungenau untersucht, 
noch weniger ist ihre morphologische Natur aufgeklärt. 

In seiner älteren Radiolarien- Monographie ^o spricht Haeckel 
die Meinung aus , dass einige von diesen Gebilden Zellen sind , die 
anderen nicht. Derselben Ansicht bleibt er auch in seiner letzten 
großen Arbeit über die Challenger-Radiolarienii; dabei stützt er sich 
auf die Untersuchungen von Dr. John Murr ayi2^ welcher bei Phaeo- 
dellen verschiedenster Radiolarien der Challenger -Expedition den 



10 Haeckel, Die Radiolarien [Rhizupoda radiarla). 1862. 

11 1. 1. c. 

12 John Murray, Challengerida. Preliminary Reports on Work done on board 
the Challenger. Proc. Roy. Soc. London, Vol. XXIV. (1876.) p. 471-536. 

17* 



296 

Kern oft gesehen haben will. Derselbe untersuchte lebende Eadiola- 
rien und getÖdtete in Glycerin, mit Carmin gefärbt, aber nur in toto. 

Aus K,. Hertwig's Beschreibung der Phaeodellen geht es end- 
lich hervor, dass er sie nicht als Zellen ansieht. 

Jetzt Avill ich mich an meine eigenen Untersuchungen des Phaeo- 
diums bei Aulacantha scolymantha wenden, welche an Schnitten aus- 
geführt sind. 

Die Form der Phaeodellen ist gerundet, aber, im Allgemeinen, 
nicht ganz regelmäßig. Die Größe des Durchmessers schwankt 
zwischen 0,0015 — 0,025 mm '3. 

Was die Grundmasse der Phaeodellen anbelangt, so scheint sie 
plasmatischer Natur zu sein. 

Bei Untersuchung der Phaeodellen auf feinen Schnitten durch das 
Phaeodium unterscheidet man in ihrem Plasma folgende Einschlüsse : 

1) Pigmentkörnchen von unregelmäßiger Form und verschiedener 
Größe; die Farbe derselben ist braun bis ganz undurchsichtig; 

2) sehr kleine stark lichtbrechende Körnchen, welche gar nicht 
färbbar sind; 

3) Einschlüsse verschiedenartiger Form und Größe, unter ihnen 
sehr viel dünne Stäbchen ; alle diese Gebilde sind farblos und 
ganz unfärbbar ; 

4) Einschlüsse verschiedener Größe , unregelmäßiger Form und 
Structur, wellenartig geschichtet und geschrumpft; diese Ge- 
bilde färben sich mit Safranin. 

5) Außer dem Pigment, welches in den Phaeodellen in Form von 
Körnchen eingeschlossen ist, sieht man noch in manchen der- 
selben Pigment, welches so gleichmäßig vertheilt ist (vielleicht 
gelöst?) , daß man sogar bei starken Vergrößerungen keine 
Körnchen wahrnimmt. 

Zwischen den Phaeodellen, also außerhalb des Plasma derselben, 
bemerkt man folgende Gebilde : 

1) dieselben Gebilde, welche, unter No. 4bezeichnet, inden Phaeo- 
dellen eingeschlossen vorkommen ; hier sind sie aber oft von 
bedeutenderer Größe; 

2) undurchsichtige Pigmentkörner, oft so groß wie die Phaeo- 
dellen, unregelmäßiger Form, manchmal zersplittert; 

3) unverdauliche Reste verschiedenartiger kleinster Organismen, 
wie Diatomeenschalen und dgl. 

Was die physiologische Bedeutung der Phaeodellen betrifft, so 
sind darüber drei Hypothesen aufgestellt. 

13 Hae ekel hat bei einigen Phaeodarien noch größere Phaeodellen, bis 0,05 mm 
gesehen. 



297 

Nach der ersten sollen die Phaeodellen einzellige Algen dar- 
stellen, ähnlich den Zooxanthellen der übrigen Radiolarien. Dabei 
sollen aber selbstverständlich die Phaeodellen echte Zellen sein und 
einen Kern haben. Bei meinen Untersuchungen der Phaeodellen der 
Aulacantha scolymantha konnte ich indessen keinen Kern wahr- 
nehmen, vielmehr scheinen sie mir abgesonderte Theile des Proto- 
plasmas zu sein. Gegen die Annahme, daß sie Zellen seien, spricht 
nach meiner Ansicht auch der Umstand , dass sie von verschieden- 
artigster Größe sind. 

Nach der zweiten Hypothese sollen die Phaeodellen einfachste 
Augen sein. 

Nach der dritten endlich spielen die Phaeodellen eine große 
Rolle in der Assimilation der Nahrung. Diese Hypothese scheint mir 
die wahrscheinlichste zu sein, erstens weil ich zwischen den Phaeo- 
dellen unverdauliche Nahrungsbestandtheile fand, welche nirgends 
mehr im Calymma vorkommen, zweitens soll noch die nahe Beziehung 
des Phaeodiums zur Astropyle hervorgehoben sein , auf was schon 
Haeckel aufmerksam gemacht hat. R. Her twig' s Ansicht i* aber, 
daß die Phaeodellen selbst »halb assimilierte Nahrungs-Bestandtheile« 
seien, scheint mir nicht gerechtfertigt zu sein , denn die Grundmasse 
der Phaeodellen ist dem Plasma zu ähnlich ; vielmehr sind einige von 
den Einschlüssen derselben, so vielleicht die »wellenförmig geschich- 
teten« Körper halb verdaute Nahrungs-Bestandtheile. Das Pigment 
spielt vielleicht auch eine gewisse Rolle in der Verdauung. 

Jetzt will ich mich zur Darstellung der beobachteten Theilungs- 
vorgänge wenden. Die erste Vorbereitung zur Theilung des Kernes 
wird in der Veränderung des Chromatingerüstes bemerkbar. Das 
grob-spongiöse Gerüst wird allmählich feiner, in der Peripherie nimmt 
es eine Faden-Struktur an und endlich wandelt sich die ganze Chro- 
matinmasse in einen dichten stark gewundenen Fadenknäuel um. 
Ob das ein einziger Faden ist, oder mehrere, ist nicht möglich zu ent- 
scheiden, denn der Knäuel ist zu dicht. Die Dicke des Fadens be- 
trägt 0,001 — 0,0015 mm. Außer dem Chromatinfaden konnte ich 
manchmal nur sehr spärliche Quantitäten einer anderen, nicht färb- 
baren, Substanz beobachten ; dieselbe war in Form kleiner Klümpchen 
von unregelmäßiger Gestalt vorhanden. 

Die nächste Veränderung des Chromatinfadens besteht darin, 
daß er sich der Länge nach theilt (Fig. 3a) ; dieser Zweitheilung des 
Fadens geht eine Differenzierung desselben in eine Reihe von Kügel- 
chen voraus, so daß sich eigentlich schon die Kügelchen zweitheilen; 

» 1. c. p. 99. 



298 

diese beiden Processe folgen aber so rasch aufeinander, daß es scheint, 
als ob sie gleichzeitig vor sich gehen. Die neu entstandenen Fäden 
sind also aus einer Reihe äußerst kleiner Kügelchen zweiter Ordnung 
zusammengesetzt und liegen parallel dicht neben einander (Fig. 3b) ; ob 
die Kügelchen mittels irgend einer feinen, nicht färbbaren Substanz 
(dem Linin entsprechend?) in ihrer Lage zusammengehalten werden, 
konnte ich mit Sicherheit nicht beobachten, dasselbe ist aber voraus- 
gesetzt sehr wahrscheinlich; diese Substanz muss aber auf einen sehr 

geringen Raum zwi- 
schen den Kügelchen 
beschränkt sein, denn 
der Kernsaft, welcher 

den Zwischenraum 
zwischen den Fäden 
ausfüllt , erscheint auf 
den Schnitten ganz ho- 
mogen , ganz durch- 
sichtiff. 







»^'ß«*Mt 



Die Zweitheilung 
der Kügelchen und da- 
mit die Spaltung des 
Chromatinfadens ge- 
schieht also vor der 
Bildung der Aquato- 
rialplatte, so Avie nach 
den neueren Unter- 
suchungen bei den 
Heliozoen [Actino- 
sphaerium)^^ , mit dem 
Unterschied, daß sich 
bei dem letzten isoliert 
liegende, äußerst kurze 
Chromosomen theilen. 
Ob bei Aulacantlia ein einziger Chromatinfaden vorhanden ist, oder 
eine Anzahl derselben , von welchen dann jeder ein Chromosom oder 
Kernsegment darstellen möchte, können wir jetzt noch nicht ent- 
scheiden. 

Während der Zweitheilung der Chromatinfaden beobachtet man 
im Endoplasma sehr oft, aber nicht immer, höchst eigenthümliche 
Gebilde, deren Bedeutung für mich ganz unverständlich bleibt; die- 



Fig. 3. a. Ein Viertel eines Querschnittes durch 
eine Aulacantlia während der Zweitheilung der Chro- 
matinfaden. Im Endoplasma sieht man außer den 
gerundeten die canalförmigen Vacuolen. Zeiss Apochr. 
8 mm. C. Ocul. XII. 6. Die getheilten Chromatin- 
faden bei stärkerer Vergrößerung. Zeiss Apochr. 
3 mm. C. Ocul. XII. 



15 A. Brauer, 1. c. p. 204. 



299 



Fig. 4. 



selben stellen gerundete Kliimpchen dar, von einem Durchmesser von 
0,003 mm, mit einer lichtbrechenden Membran versehen, welche bei 
der Untersuchung gewöhnlich stark geschrumpft erscheint; einen 
Kern konnte ich in diesen Gebilden (Zellen?) niemals unterscheiden. 
Diese Kliimpchen befinden sich in Vacuolen; manchmal scheint es, 
daß sich in einer Vacuole einige Kliimpchen befinden ; öfters sind 
mehrere Vacuolen zusammengedrängt und bilden ansehnliche Haufen; 
die Anzahl derselben ist bisweilen sehr groß und das Endoplasma ist 
von ihnen , den aboralen Pol desselben ausgeschlossen , stark aus- 
gefüllt. 

Man kann nicht leugnen, dass die beschriebenen Gebilde eine 
gewisse Ähnlichkeit mit schon oben beschriebenen Gebilden im Exo- 
plasma, also im Calymma, zeigen, indessen konnte ich aber zwischen 
den einen und den anderen keinen Zusammenhang beobachten. 

Das Stadium der Längstheilung der Chromatinfäden kann 
man ziemlich oft beobachten und ich habe davon mehrere Präparate 
bekommen, dagegen sind die nächstfolgenden Veränderungen bei der 
Kerntheilung gewiss sehr rasch vorübergehend, denn es ist mir 
nicht geglückt, zwischen dem 
beschriebenen Stadium der 
Längstheilung der Chroma- 
tinfäden und dem des Über- 
gangs des Chromatins der neu 
gebildeten Kerne in den spon- 
giösen Zustand mehr als ein 
einziges Zwischenstadium zu 
beobachten , und zwar habe 
ich von demselben nur ein ein- 
ziges Exemplar der Aulacantha 
gefunden. 

Auf diesem Stadium (Fig. 4) 
haben sich schon alle Bestand- 
theile des Kernes vollständig 
getheilt ; die entstandenen Hälf- 
ten stellen zwei dicke runde 
Platten dar, welche von einan- 
der ziemlich entfernt sind. Die Platten sind nicht homogen, sondern 
bestehen aus zwei verschiedenen Substanzen. Die Hauptmasse be- 
steht aus einer verhältnismäßig schwach färbbaren Substanz , welche 
auf der zum Centrum zugekehrten Fläche der Platten in das Endo- 
plasma in Form von zahlreichen fingerförmigen Auswüchsen hinein- 
ragt ; die zur Peripherie gekehrte Oberfläche ist glatt. Diese Haupt- 




Fig. 4. Querschnitt durch eine Aulacan- 
tha scolymantha während des Kernplatten- 
stadiums. Zeiss Apochr. 3nini. C. Ocul.IV. 



300 

masse der Platten wird von zahlreichen quer gestellten Fäden durch- 
drungen, welche aus Reihen äußerst kleiner Kügelchen bestehen und 
sich lebhaft mit Safranin färben, also die Eigenschaft des Chromatins 
zeigen. 

Fast der ganze übrige Innenraum der Centralkapsel wird vom 
Endoplasma ausgefüllt ; der Kernsaft bleibt nur im Innern von zwei 
spaltförmigen Höhlungen an der äußeren Oberfläche der Tochter- 
platten; diese Höhlungen werden vom Plasma durch eine dünne, 
etwas weniger durchsichtige Schicht abgetrennt. Im Allgemeinen 
bleibt die Beschaffenheit des Endoplasma dieselbe, wie gewöhnlich, 
nur zwischen den Tochterplatten enthält es keine Vacuolen und hat 
ein homogenes Aussehen. An der Peripherie hat das Endoplasma ein 
lockeres , faseriges Aussehen ; es enthält hier zwischen den Plasma- 
strängen viel Flüssigkeit. Mit solchen feinen Piamasträngen sind 
auch die Flüssigkeitsansammlungen an der äußeren Oberfläche der 
Tochterplatten durchzogen; sie gehen hier den Platten parallel. Auf 
Schnitten nahe von dem oralen Pol, welche die Tochterplatten kaum 
berühren, beobachtete ich im Plasma zwischen den Tochterplatten 
eine denselben parallele Streifung ; ich konnte sie auch auf mehreren 
folgenden Schnitten verfolgen ; hier gieng sie zwischen den Rändern 
der Tochterplatten und der Membran der Centralkapsel in einer 
zur ersten rechtwinkeligen Richtung, aber nur auf einer Seite. 

Die radialen Platten im Plasma unterhalb des Operculum zeigen 
auf diesem Stadium eine Tendenz zur Theilung, indem sie sich um 
zwei nahe stehende Centra anordnen. 

Die Membran der Centralkapsel ist vorhanden , aber weniger 
sichtbar als gewöhnlich. Von den Parapylae sind auch zwei vor- 
handen. 

Von den folgenden Theilungsvorgängen habe ich die schon 
längst von R. Hertwig und Haeckel beobachteten Stadien mit zwei 
ganz ausgebildeten Kernen in einer Centralkapsel, die Theilung der 
Centralkapsel selbst und zwei neu entstandene Centralkapseln oft 
gesehen. Die Kerne haben aber auch in diesem Fall niemals die Struc- 
tur, wie sie R. Hertwig und Haeckel zeichnen, nämlich ein Netz- 
werk mit »Nucleolen(f in den Knotenpuncten, das Chromatin derselben 
hat eine spongiöse Structur. 

Nach der Zweitheilung der Centralkapsel kommt es sehr oft 
nicht gleich zu einer Vertheilung der übrigen Bestandtheile der Aula- 
rantha, des Calymma mit dem Exoplasma, Phaeodium und Skelet- 
nadeln zwischen den neugebildeten Centralkapseln , sondern die 
Theilung der Kerne und der Centralkapseln schreitet weiter, so daß 
es zu einer zeitweise dauernden Colonie führt. Die Theilunof der 



301 

Kerne geht nicht immer gleichzeitig, so daß, während ein Kern die 
spongiöse Structur zeigt, der andere schon in die fadenförmige über- 
gegangen ist, oder der Faden sich sogar schon gespaltet hat. So ent- 
stehen Colonien mit einer geraden und ungeraden Zahl der Central- 
kapseln. Die größte Zahl der Centralkapseln einer Colonie, die ich be- 
obachtet habe, Avar vier. Nach einer mündlichen Mittheilung von Dr. 
A. Borgert trifft man aber sogar Colonien mit fünf Centralkapseln. 
Was die Vertheilung und Richtung, in welcher sich die Centralkapseln 
in der Colonie befinden, betrifft, so ist die eine und die andere sehr 
verschieden und regellos ; die Hauptachsen der Centralkapseln liegen 
in sehr verschiedenen Richtungen gegen einander, doch ist der orale 
Pol immer in das Phaeodium eingesenkt ; einmal beobachtete ich eine 
Colonie aus drei Centralkapseln, welche parallel dicht neben ein- 
ander gestellt waren. Die äußere Form der Colonie, also die äußere 
Form der Oberfläche des Calymma mit seinen tangentialen Skelet- 
nadeln, und die Richtung der größeren Nadeln stehen in einem ge- 
wissen Verhältnis zu der Stellung der Centralkapseln, wobei die- 
selben als Centra dienen , um welche sich diese Theile gruppieren ; 
also die Oberfläche des Calymma stellt Theile von Kugeloberflächen 
dar, in deren Centren sich die Centralkapseln befinden; um diese 
letzten stellen sich die großen Skeletnadeln radial herum. 

2. Eine neue Hydrachna-Species. 

Von E.. Piersig, Großzschocher-Leipzig. 

eingeg. 16. Mai 1895. 

Im Anschluss an eine Mittheilung Koenike's über zwei neue 
Hydrachna- Äxten theile ich kurz mit, daß dieselben auch der Fauna 
Sachsens angehören. Ich war im Begriff dieselben unter den Namen 
Hydrachna hivirgulata (= Hydr. Leegei Koenike) und Hydraclma cru- 
enta (Müller) Krendowskij zu veröffentlichen, als ich den unten ange- 
führten Aufsatz Koenike's 1 durch den Verfasser zugeschickt erhielt. 
Bezüglich der letztgenannten HydracJma-Yovm. möchte ich daraufhin- 
weisen, daß dieselbe schon im Jahre 1884 von dem russischen Natur- 
forscher Krendowskij2 eingehend beschrieben und abgebildet worden 
ist. Wenngleich nun die Identificierung dieser großgeschilderten 
Art mit Hydrachna cruenta Müller bez. Hydrachna cruenta Latr. sich 
auf nur spärliche Angaben gründet, so spricht doch zu Gunsten der- 

1 F. Koenike, Die Hydrachniden-Fauna von Juist etc. Abhdlgn. d. naturw. 
Ver. zu Bremen, 1895. 13. Bd. p. 227 ff. 

2 Krendowskij, Die Süß wassermilben Südrußlands, Travaux de la Soc. des 
naturalistes à l'Univ. Imp. de Charkow. Tom. IS. ISSI. p. 343. Taf. 8 Fig. 22. 



302 

selben der Umstand, daß keines der sonst noch von den älteren 
Autoren angeführten Merkmale der Annahme Krendowskij's wider- 
streitet. Nach meinem Dafürhalten ist die Deutung dieser Forscher 
in dem gegebenen Falle mindestens ebenso berechtigt, wie manche 
andere, der der vollständige Mangel störender Abweichungen nicht 
zugesprochen werden darf; man denke nur an Curvipes variabilis 
(C. L. Koch) Koenike = Curvipes decoratus Neumann. Unter Be- 
rücksichtigung der eben angeführten Gesichtspuncte ist es einfach ein 
Act der Billigkeit , wenn der Name HydracJma Schneideri Koenike zu 
Gunsten der alten Bezeichnung HydracJma cruenta (Müller) Kren- 
dowskij beseitigt wird. 

Außer den bis jetzt bekannten Hydrac/maS'pecies: Hydr. globosa 
de Geer, Hydr. geographica Müller, Hydr. Leegei Koenike und Hydr. 
cruenta (Müller) Krendowskij findet man in Sachsen noch eine fünfte 
Art, die ich Hydrachna inermis mihi benennen will. Beide Geschlechter 
sind mir bekannt geworden. Das Weibchen wird bis 5,00 mm groß. 
Die Körperfarbe ist ein sammetartiges , mehr oder weniger dunkles 
Roth. Bezüglich der Körpergestalt herrscht Übereinstimmung mit 
Hydr. globosa de Geer. Die weich chitinisierte Cuticula, die bei 
Quetschpräparaten wie siebartig durchlöchert erscheint (Durchmesser 
der bis 0, 02 mm aus einander stehenden lochartigen Stellen=0, 1 2 mm) , 
ist wie bei Hydrachna cruenta (M.) Krendowskij mit eng neben ein- 
ander gestellten, fast stachelspitzigen 0,012 mm hohen Papillen be- 
setzt. Außer den beiden kleinen, länglichen Haarplättchen, die inner- 
halb des Augenabstandes das punctförmige , mittelständige Sinnes- 
organ seitlich begleiten und den Innenrändern der randständigen 
Doppelaugen ziemlich genähert sind, findet man auf dem Vorder- 
rücken keine ins Auge fallende Panzerbildungen vor. Die den Saug- 
rüssel darstellenden, bis auf eine den Rücken entlang laufende Furche 
vollständig verwachsenen Maxillen beherbergen zwei ungefähr 2, 25 mm 
lange, den für die Gattung typischen Bau wiederholende Mandibel, 
deren in ein verdicktes, schwach hakig gekrümmtes Ende auslaufender 
Grundtheil annähernd 0,63 mm tief in das Leibesinnere hineinragt. 
Bei der neuen Art weisen die 1,6 mm langen Palpen nur wenig über 
die Vorderspitze des Rüssels hinaus. Wie bei Hydr. cruenta (M.) 
Krendowskij trägt das vordere Streckseitenende des ersten Palpen- 
gliedes zwei kurze, kräftige Säbelborsten. Der höckerige Rücken des 
nächstfolgenden Gliedes ist verhältnismäßig dürftig mit kurzen 
Dornen bewehrt, auch findet man auf der Außenseite nur eine einzige 
mäßig lange Borste. Entsprechend den Verhältnissen der oben ange- 
zogenen Vergleichsart reicht der schwach gekrümmte Zahnfortsatz am 
Außenende des vorletzten Gliedes fast bis an die Spitze des beweg- 



303 

lichen Endgliedes heran. Bei den von mir untersuchten Exemplaren 
fiel mir durchgängig die starke Verdickung der Hüftplattenränder auf. 
Die vordere Innenecke der dritten Epimere läuft in eine kurze, keil- 
förmige Spitze aus. Was die Form der letzten Platte anbelangt , so 
gleicht sie mit ihrer merkbar ausgezogenen, aber am Ende breit abge- 
rundeten hinteren Innenecke am meisten derjenigen von ^yr/r. cruenta 
(M.) Krendowskij. Subcutane Randsäume und Vorsprünge treten auf, 
doch sind sie bei den verschiedenen Individuen so ungleich entwickelt 
oder reduciert, daß eine allgemein gültige Beschreibung derselben 
nicht gegeben werden kann, ein Umstand freilich, der auch bei den 
anderen Hydrachna-Krters. zu beachten ist. Die Behaarung der Beine 
ist reichlich. Das äußere Genitalorgan besteht der Hauptsache nach 
aus zwei in der Mittellinie vollständig verwachsenen Napfplatten , die 
zusammen eine ungefähr 0,42 mm lange und 0,64 mm breite abge- 
stumpft herzförmige Chitinscheibe bilden, deren Oberfläche mit Aus- 
nahme einer schmalen, median verlaufenden Mittelrinne zahlreiche 
kleine Genitalnäpfe trägt. Der zackig gebrochene, stark verhornte 
Hinterrand dieser Doppelplatte bedeckt die GeschlechtsöfTnung, an 
deren Seiten eine Anzahl steifer Borsten inseriert sind. Das aus der 
Schamspalte heraustretende Legerohr (Ovipositor), von Dugès zum 
ersten Male bei Hydr. globosa de Geer beobachtet und von Neuman 
(Om Sveriges Hydrachnider p. 111) beschrieben, weicht nur wenig 
von demjenigen der oben genannten Art ab. Mit Hilfe dieser Lege- 
scheide setzt, wie Dugès ganz richtig ausführt, das Weibchen seine 
Eier an Wasserpflanzen und Spongien, nach meiner Beobachtung auch 
unter Umständen im Schlamme ab, nicht aber, wie Koenike an- 
nimmt, an Wasserinsekten. Wie man sich im August, bez. schon 
Juli überzeugen kann, schwärmen die Larven frei im Wasser umher, 
um schließlich eine Nepide oder einen Wasserkäfer zu befallen , ein 
Verhalten, das auch Kramer bei im Aquarium lebenden Thierchen 
kennen lernte. Koenike' s Gründe, das Freileben der Larve anzu- 
zweifeln, sind wenig glücklich gewählt. Daß nicht alle Nepiden und 
Dytisciden mit schmarotzenden und schon verpuppten Hydrachna- 
larven besetzt sind und besetzt sein können, erklärt sich vor Allem 
daraus, daß in der Regel nur diejenigen Individuen als Wirth dienen, 
die sich zu der Zeit, in welcher die Hydrachnalarven ausschlüpfen und 
herumschweifen, noch nicht bis zum definitiven Thiere durchgehäutet 
haben. Bei diesen jugendlichen Formen zeigt das chitinöse Haut- 
skelet noch nicht jene Härte, die eine Anbohrung desselben äußerst 
schwierig, wenn nicht unmöglich macht. — Wenn dann Koenike 
zur Unterstützung seiner Annahme, daß die Hydrachnaweibchen ihre 
Eier direct dem Wasserinsekt anhängen, Linné' s mehr als zweifei- 



304 

hafte Beobachtung über eine nicht bestimmbare Hydrachnide anführt 
und über einen Milbenfund berichtet, den er unter den Flügeln eines 
Wasserkäfers [Dyticusmarginalis] gemacht hat, so ist meines Erachtens 
nichts Beweiskräftiges angeführt worden. Was nun die letzte Angabe 
anbetrifft, so muß ich darauf aufmerksam machen, daß unter den 
Flügeln größerer Wasserkäfer die oft erbsengroßen Puppen der Hij- 
draclina geographica Müller angeheftet sitzen, aus denen die acht- 
füßigen Nymphen hervorgehen. Jedenfalls ist die von Koenike 
aufgefundene, schon vertrocknete Milbe mit einer solchen identisch, 
keineswegs aber ein Weibchen, wie er irrthümlicher Weise annimmt. 
Hätte Koenike nicht das unsichere Gebiet der Speculation betreten, 
sondern wäre wie Kramer und ich bemüht gewesen , durch Züch- 
tungsversuche und langanhaltende Beobachtungen sich Aufklärung 
zu verschaffen, so würde er ohne Schwierigkeit gefunden haben, daß 
man die Weibchen in von Nepiden und Dytisciden freien Aquarien 
zur Eiablage bringen und zahlreiche sechsfüßige Larven ziehen kann. 
Großzschocher, den 14. Mai 1895. 

3. Das Leuchten von Meiridia longa Lubb. 

Von Dr. Vanhöffen, Kiel, Zoolog. Institut. 

eingeg. 19. Mai 1895. 

In Nr. 437 dieser Zeitschrift macht Dahl auf Grund mündlicher 
Mittheilung Angaben über meine Beobachtung des Leuchtens von 
Metridia longa. Giesbrecht, der das Leuchten der Copepoden des 
Mittelmeeres untersuchte, wendet sich gegen die von Dahl an meine 
Beobachtung geknüpfte Behauptung , daß bei der Gattung Metridia 
die Leuchtmasse noch nicht bestimmt localisiert sei (Mitth. aus der 
Zooh Station zu Neapel, 11. Bd., 4. Heft, pag. 660). Da ich so in die 
Debatte gezogen bin, scheint es mir nöthig, früher, als ich es sonst ge- 
than hätte, meine Beobachtungen zu publicieren. 

Am 12. Februar 1893 hatte ich in der Station am Karajak, Nord- 
grönland, Gelegenheit verschiedene leuchtende Thiere, darunter, nach 
der Bestimmung von Professor Dahl, Metridia longa zu untersuchen. 
Unter dem Mikroskop sah ich das Leuchten des Copepoden, der mit 
einem Deckglas bedeckt war, besonders am Kopf, etwa im Nacken. — 
nicht ganz an der Stirn wie bei Pleur onima nach Giesbrecht — und 
am Abdomen dicht über der Furca. Zuweilen erschien der ganze 
Körper wie von bläulichem Licht Übergossen. Beim Druck auf das 
Deckglas trat leuchtende Flüssigkeit in einem Strahl ausströmend 
aus, die sich dann im Wasser vertheilte. Beim Zerdrücken desThieres 
wurde die Leuchtmasse über einen großen Raum ausgebreitet. 



305 

Ferner beobachtete ich, daß Metridia longa lebend farblos ist, nur 
zwei moosgrüne Flecken am Hinterkopf hat , die anscheinend auch 
verschmelzen können und zuweilen — nicht bei allen Exemplaren — 
eben solche grüne Flecken auch am Ende des letzten Abdominalseg- 
ments und der Furca besitzt. Da nun Giesbrecht bei anderen 
Copepoden grüne Flecke von ähnlicher Anordnung als Drüsen er- 
kannte, in denen der Leuchtstoff produciert wird und auch bei Metri- 
dia die grünen Flecke die Stellen bezeichnen, an denen das Leuchten 
zuerst auftritt, ferner auch beim conservierten Thier an jenen Stellen 
Drüsen sich finden, so scheint mir damit der Nachweis geliefert, daß 
auch Metridia mittels Leuchtdrüsen leuchtet, ^^wie es Giesbrecht 
auf Grund der Verwandtschaft mit Pleuromma und der kurzen Be- 
merkung Dahl' s über meine Beobachtung richtig erschloß. 

Ob dagegen die Beobachtung Giesbrecht's richtig ist, daß das 
Leuchten erst beginnt, wenn das Drüsensecret austritt und mit Wasser 
in Berührung kommt, dafür habe ich keine Beweise. Nach dem was 
ich gesehen, scheint es mir, als ob das Secret auch innerhalb des 
Thieres leuchtet. Jedenfalls trat die Leuchtmasse beim Herüber- 
fluthen vom Kopf zum Abdomen nirgends über die Körpergrenzen 
hinaus und erst bei stärkerem Druck ergoß sie sich — wie ich damals 
annahm durch Zerreißen der Körperwand — nach außen. Indessen 
habe ich keinen Grund die umfassenden Versuche Giesbrecht's an- 
zuzweifeln, da sich die Ausbreitung der Leuchtmasse im Lmern des 
Körpers vielleicht durch Zerreißen der Drüse beim Druck auf das 
Deckglas erklären läßt. 

II. Mittheiliingen aus Museen, Instituten etc. 

1. statistische Mittlieilungen aus der Biologischen Station am Grofsen 

Plöner See. 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 

eingeg. 23. Juli 1895. 

IX. 

Die Zählprotokolle vom 1., 10. und 13. Mai (vgl. No. 478 des 
Zool. Anzeigers) verschaffen uns einen Begriff von der bedeutenden 
Mengenzunahme, welche das Plankton des Gr. Flöner Sees beim Ein- 
tritt der wärmeren Jahreszeit erfährt. Dem Volumen nach steigerte 
sich die Planktonproduction in den ersten 3 Wochen des genannten 
Monats von 78,5 ccm (für den Quadratmeter Wasserfläche bei 40 m 
Fangtiefe), die am 1. Mai zu verzeichnen waren, bis 235,5 ccm. 
Letzteres Quantum wurde für den 20. Mai festgestellt und war haupt- 
sächlich auf die sehr üppige Vegetation einer Bacillariaceen-Art 
[Diatoma tenue, var. elongatum) zurückzuführen, welche in der zweiten 
Maihälfte ihr Maximum erreichte. Aus dem alsbald erfolgenden 



306 

lliickgange dieser Species erklärt sich auch die rasche Verminderung 
des Volumens, welches am 1. Juni nur noch ein Drittel von dem be- 
trug, welches der gleiche Fang 10 Tage zuvor ergeben hatte, d. h. 
78,5 ccm. Hätten zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juni keine wei- 
teren quantitativen Plankton-Untersuchungen stattgefunden, so wäre 
durch die übereinstimmenden Messungsergebnisse, die für jene beiden 
Tage vorliegen , der Anschein erweckt worden, als ob das Volumen 
die ganze Zeit über constant geblieben wäre. Man sieht hieraus, daß 
solche volumetrische Bestimmungen mehrmals im Laufe eines Monats 
gemacht werden müssen, wenn wir eine richtige Vorstellung von den 
wechselnden Quantitätsverhältnissen des Plankton gewinnen wollen. 
Die specielle Durchzählung des Fanges vom 1. Juni er. ergab 
folgendes Resultat : 

a. 

Datum: 1. Juni 1895. Wassertemperatur: 18,6° Geis. 

Volumen: 78,5 ccm (unter 1 qm). 

Dinohryon stipitatmn 541 850 

Dinohryon divergens 478850 

Bipalpus vesiculosus 23 550 

Schwimmende Eier desselben ... 54950 

Hyalodaphnia kaldbergends . . . . 117 750 

Bosmina longirostris (incl. var. cornuta) 722 200 

Dreissensia-hdiX\en 39250 

Fragilaria crotonetisis 2276500 

Diatoma tenue, var. elongatum . . . 23707000 

Synedra lotigissima 1099000 

Synedra delicatissima 3689600 

Synedra ulna 314 000 

Asterionella gracillima 3454000 

Spärlich vertreten waren: 

Eudorina elegans, Ascomorpha agilis^ Polyarthra platyptera, Triar- 
thra longiseta, Anuraea cochlearis, Anuraea aculeata^ HyalodapJmia 
cristata , Cyclops oithotioides , Eurytemora lacustris , Diaptoinus graci- 
loides. — Fragilaria capucina, Gloeotrichia echinidata. 

Die zur Familie der Nostocaceen gehörige GloeotricJna ist eine 
Algenspecies, welche alljährlich massenhaft im Plankton des Gr. Plöner 
Sees aufzutreten pflegt. Ich beobachtete sie heuer zuerst am 11. Mai, 
aber nur in geringer Anzahl. Am 31. Mai konnten die freischweben- 
den kugeligen Verbände dieser von P. Richter eingehend beschrie- 
benen Arti schon in beträchtlicher Anzahl erbeutet werden. Auffällig 
ist es deshalb, daß der Fang vom 1. Juni nur wenige Exemplare da- 
von enthielt. Gegen Ende desselben Monats lieferte aber jeder Zug 
mit dem Verticalnetz eine recht ansehnliche Menge von Gloeotrichia. 
Dadurch erklären sich auch die reichlichen Volumina von 157 ccm 
(für den 25. Juni), von 392,5 ccm (für den 8. Juli) und von 863,5 ccm 

1 Vgl. Forschungsberichte aus der Biologischen Station zu Plön. II. Theil. 
1894. p. 31—47 (mit Abbildungen). 



307 

(für den 17. Juli). Die anderweitigen Veränderungen in der Zu- 
sammensetzung des Plankton (seit 1. Juni) sind aus nachstehendem 
Protokoll ersichtlich : 

b. 

Datum: 25. Juni 1895. Wassertemperatur: 20° Cels. 

Volumen: 157 ccm (unter 1 qm). 

Dinohryon diver gens 39250 

Mudorina elegans 25120 

Ceratium Mrundinella 282 600 

Polyarthra platyptera 70 650 

Triarthra longiseta 47100 

Bipalpus vesiculosus 109 900 

Schwimmende Eier desselben . . . 66 750 

Anuraea loiigispina 31400 

Anuraea cochlearis 78500 

Anuraea aculeata 27 425 

Üyalodaphnia kaldhergensis . . . . 133 450 
Bosminalongirostris[uic\.\?LX. cornuta) 1 189 275 (!) 

Cyclops oithonoides 110275 

Eurytetnora lacustris 54950 

Fragilaria crotonensis 3297000 (Bänder) 

Asterionella gracillima 7 379 000 (Sterne) 

Gloeotrichia echinulata 112516 (Kugeln) 

Anahaenaßos aquae 353 250 (Knäuel). 

Numerisch sehr zurücktretend: 

Asplanchna helvetica und Ascomorphco agilis. 

Ein Vergleich dieses Protokolls mit dem vom 1. Juni läßt zunächst 
die vollständige Abwesenheit von Diatoma tenue und das inzwischen 
erfolgte zahlreiche Auftreten von Anahaena erkennen. Es ergiebt 
sich daraus aber noch weiter eine sehr große Zunahme der limneti- 
schen Räderthiere und eine recht ansehnliche Verstärkung des bis- 
herigen Bestandes an Bosmina longirostris. Letztere Krebsspecies dürfte 
damit ihre höchste jährliche Mengenziffer erreicht haben. Uroglena 
volvox pflegt im Juni ebenfalls als numerisch bedeutender Plankton- 
bestandtheil hervorzutreten. Aber eine nachträgliche Zählung dieser 
Monaden-Colonien war an den Fängen, die während der Dauer 
meiner mehrwöchigen Abwesenheit von Plön in Chromsäure aufbe- 
wahrt worden Avaren, nicht mehr möglich. Die kugeligen Gallertlager 
hatten sich inzwischen aufgelöst und die Zahl der winzigen Einzel- 
wesen festzustellen, wäre zwecklos gewesen. Es empfiehlt sich über- 
haupt, die für chemische Einwirkungen überaus empfindlichen Uro- 
glenaSt'öcke in ganz frisch- conserviertem Zustande zu zählen. Sie 
zerfallen oft schon nach ganz kurzer Zeit. 

c. 

Datum: 19. Juli 1895. Wasserteraperatur : 17,2°Cels. 

Volumen: 628 ccm (unter 1 qm). 

Dinobryon stipitatum 157 000 



308 

Uro glena Vi oh ox 235500 

Ceratium hirundinella SOS 500 

Codonella lacustris 104333 

Epistylis lacustris 196250 

Asplanchna helvetica 78500 

Polyarthra platyptera 300917 

Anuraea loiigispma 157000 

Anuraea cochlearis 549500 

Anuraea aculeata 91583 

Conochilus VolvOX 117 750 (EinzeltMere) 

Hyalodaphnia kahlbergensis . . . . 143 916 

Bosmifia longirostris {incl.yar. cornuta) 340 166 

Cyclops oitho7ioicles 196250 

Eurytemora lacustris 130833 

Larven von Dreissensia 261 666 

* * 

* 

Fragilaria crototiensis 109375000 

Synedra delicatissima 1177500 

Aster ionella gracillima 63 585 000 

Gloeotrichia echinulata 183 916 

Anahaenaflos aquae 143916 

Nume r is ch zurücktreten deSpecies: 
Synchaeta tremida, Bipalpus vesiculosus, Leptodora liyalina. — Fra- 
gilaria capucina. 

Von nun ab werden diese Protokolle wieder regelmäßig an dieser 
Stelle erscheinen und bis Ende October d. J. fortgesetzt werden, so 
daß ein einigermaßen vollständiger Einblick in die Mengenverhältnisse 
des Süß Wasserplankton während der auf einander folgenden Jahres- 
zeiten ermöglicht wird. 

III. Personal-Notizen. 

Necrolog. 

Am 6. Mai starb in Columbia, Mo., Joseph Granville Norwood, be- 
kannt als Geolog und kenntnisreicher Paläontolog. 

Am 9, Juni starb in Parma Dr. Pellegrino Strobel, Professor der 
Geologie daselbst, bekannt als Conchyliolog. 

Am 13. Juli starb in Falkenstein a/Taunus Dr. Ferd. Schmidt, Pri- 
vatdocent an der Universität Gießen. 

Am 20. Juli starb in Greifswald Dr. Adolf G erstae cker , Professor 
der Zoologie an dortiger Universität. 



Druck von Breitkopf & Hârtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jalirg. 1 9. August 1 895. No. 482. 

Inhalt: I. Wissenschaftl. llittheilan^en. 1. Mräzek, Berichtigunsj. 2. (ïreuacher, Übpr 
die Nesselkapseln von Hydra. 3. Oademans, Einige Bemerkungen über zwei sudafrikanische Schild- 
kröten. II. Mittheil, ans Museen, Instituten etc. Vacat. III. Personal-Notizen. Litteratur. 

p. 281—300. 



I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Berichtigung. 

Von AI. Mräzek, Prag. 

eingeg. 18. Mai 1895, 

In seiner Mittheiliing in Nr. 474 d. Z. sagt Prof. Dahl, daß die 
von mir versuchte Identificierung einer kleineren Miracta-Axt mit 
M. gracilis Dana »übrigens schon früher von Claus vorgenommen 
wurde«. Dementsprechend wird auch weiter diese Form als » Claus - 
Mrazek'sche Art« oder ))3L gracilis Claus et Mräzek non Dana« be- 
zeichnet. Dazu muß ich bemerken, daß Claus, wie man sich aus 
seinen Schriften leicht überzeugen kann , außer M. efferata keine 
andere Miracia- Kxl gesehen hat, somit dieselbe auch nicht mit Mir. 
gracilis Dana identificieren konnte. An der von Dahl angeführten 
Stelle 1 ist bei Claus keineswegs von M. gracilis die Eede, sondern 
von Setella gracilis (vgl. darüber auch Claus, Monogr. 1863. p. 137). 
Die zufällige Identität der Artbezeichnung hat offenbar Prof. Dahl 
zu einer irrthümlichen Verwechslung verleitet. 

Die Arbeit Scott's erhielt ich vom Autor zugesandt erst nach- 
dem meine Jf/ra«a- Arbeit bereits erschienen war'^. Wie schon Dahl 
richtig bemerkt hat, finden sich in der Scott' sehen Arbeit manche 
Irrthümer und auch die Darstellung seiner Mir. minor (= M. gracilis 

1 Arb. Zool. Inst. Wien, 1891. 9. Bd. 3. Hft. p. 13. 

2 Transact. Linn. Soc. London fehlen in Prag und da unglücklicherweise gerade 
die Arbeit Scott's im Zool. Anz. nicht angezeigt wurde, so blieb mir dieselbe bei 
der Abfassung meiner Arbeit unbekannt. 

18 



310 

Mrâzek non Dana) ist nicht fehlerfrei. Es kann hier z. B. angeführt 
werden, daß Scott auf Taf. 11 Fig. 29 das Endglied des 5. ç^ Fußes 
verkehrt abgebildet hat. 

Bei dieser Gelegenheit dürfte es vielleicht erlaubt sein, zu con- 
statieren, daß die von Scott aufgestellte neue Gattung Heterocalanus 
identisch ist mit der Gattung Schmackeria (Poppe & Richard 1890) = 
Weismannella (Dahl 1894)3. 

2. Über die Nesselkapseln von Hydra. 

Von Dr. H. Grenacher, Prof. d. Zoologie, Halle a/S. 

eingeg. 27. Mai 1895. 

Über den Bau , die Function und die Entwicklung der Nessel- 
kapseln im Allgemeinen, die der Hydra im Besonderen, haben uns die 
letzten Jahre so viele Mittheilungen gebracht, daß man fast denken 
sollte, das Thema müßte, wenigstens hinsichtlich derPrincipienfragen, 
allmählich erschöpft sein , oder es müßten doch die Anschauungen 
darüber, wie der Bau und die Function sich gegenseitig bedingen, 
sich bis zu einem gewissen Grade geklärt haben, so daß für wesent- 
liche Abweichungen in der Auffassung wenig Spielraum mehr bliebe. 
Ein Blick auf eine unlängst erschienene, dem Leuckart' sehen Insti- 
tut entstammende Arbeit ^ belehrt uns aber, daß dem doch nicht so 
ist, und die Eingangs in historischer Reihenfolge aufgeführten An- 
sichten zahlreicher Autoren weisen uns eine solche Fülle von unter 
sich unvereinbaren Beobachtungen und Deutungen auf, daß man am 
Ende resigniert sagen darf, wir wären jetzt um kein Haar klüger, als 
vor 20, 30 Jahren. Das sieht wie ein schwerer Vorwurf für unsere 
modernen Forschungsergebnisse und -Methoden aus, soll es aber 
natürlich nicht sein. Aber ich möchte wenigstens den Versuch 
machen, durch kritische Beleuchtung einiger Functe, und, bei dieser 
Gelegenheit, Mittheilung einiger an sich kleiner, vielleicht aber 
doch nicht ganz gleichgültiger Beobachtungen den Beweis zu führen, 
daß die jetzt meist üblichen Arten der Interpretation noch nicht nach 
iederRichtung hin einwandfrei sind, selbst wenn es die thatsächlichen 
Befunde, aus denen die Deutungen hervorgegangen sind, in jeder 
Hinsicht wären. Man hat ja jetzt fast allgemein die früher herrschende 
Auffassung über die Entladungsweise verlassen: an die Stelle des 



3 Vgl. darüber mehr in einer in Verbindung mit Herrn Poppe demnächst er- 
scheinenden Arbeit in Hamb. Jahrbuch. 

1 Lewis Murbach, Beiträge zur Kenntnis der Anatomie und Entwicklung 
der Nesselorgane der Hydroiden. in: Arch. f. Naturgesch. 60. Jhg. 1894. p. 217 — 
254, Taf. XII. 



311 

automatisch gedachten Vorgangs (directe Keizübertragung auf die 
Nesselkapsel selbst und spontane Entladung in Folge des Reizes ist 
eine Vorstellung getreten, -welche viel compliciertere Mechanismen in 
Bewegung setzt. Durch das Cnidocil sollte der empfangene Reiz ent- 
weder zum Protoplasma der die Kapsel umgebenden Zelle, oder 
zu Längsmuskeln am, oder zu Ringmuskeln um den Kapselleib, selbst 
zu Nervencentren, und von diesen erst wieder zu jenen Muskeln über- 
tragen werden , und erst auf diesen mehr oder weniger weiten Um- 
wegen sollte der Entladungsimpuls zur Auslösung kommen. Nicht 
minder eifrig ist die Wirkungsart der sich entladenden Nesselkapsel 
in Frage gestellt: statt der früher fast allgemein angenommenen An- 
sicht vom Eindringen des sich ausstülpenden Fadens in das die Ent- 
ladung verursachende i>eutethier hat man aus noch sehr der Prüfung 
bedürfenden Gründen einer bloßen Adhäsion desselben an der äußern 
Oberfläche des Thieres den Vorzug geben zu müssen geglaubt. Diese 
Puncte sollen hier etwas näher erörtert werden ; von der Entwicklung 
der Nesselkapseln habe ich hier völlig abzusehen. 

Ichbeginne mit dem letzteren Puncte, der Wirkungsart der Nessel- 
kapseln. Es fällt mir natürlich nicht ein, ein äußerliches Anhaften 
derselben auf der Oberfläche des Beutethieres in Abrede stellen 
zu wollen; dasselbe mag sehr häufig, ja sogar bei der Mehrzahl aller 
Entladungen vorkommen. Ich neige aber aus einer Reihe von 
Gründen zu der Ansicht, daß selbst in solchen Fällen das Wort von 
den vielen Berufenen, aber wenigen Auserwählten gilt: fast wie bei 
den Spermatozoen, wo eine erdrückende Majorität ibren Beruf zu ver- 
fehlen pflegt, mag auch hier die Zahl der Fehlschläge bedeutend über- 
wiegen ; ihr wahrer Zweck wird sich nicht aus einer solchen numerischen 
Statistik ableiten lassen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie die in 
der Kapsel enthaltene giftige Flüssigkeit ihre Wirkung auf die Beute 
ausüben soll, wenn sie nicht direct in das Innere derselben gelangen kann . 
Diese Flüssigkeit ist doch eine wässerige, d. li. mit Wasser in jedem 
Verhältnisse mischbare, welches auch sonst ihre chemische Zusam- 
mensetzung sein mag. Eine mit Wasser nicht mischbare Flüssigkeit 
als Inhalt könnte doch höchstens, da wir andere in dem thierischen 
Organismus nicht kennen, eine ölige, d. h. ein flüssiges Fett sein; 
dies würde sich schon durch die Lichtbrechung verrathen, und außer- 
dem die ganze Frage noch viel räthselhafter erscheinen lassen. Tritt 
aber eine wässerige Flüssigkeit aus der Nesselkapsel, meinetwegen 
durch eine terminale Öffnung des Fadens, wie Einige , freilich ohne 
thatsächliche Grundlage, auch ohne logische Nothwendigkeit, an- 
nehmen zu müssen glauben; oder sei es auf dem für mich näher 
liegenden Wege der I)iff"usion durch die so überaus dünne Faden- 

18* 



312 

Wandung in's umgebende Medium (Wasser) , so wird sie von diesem 
doch im Nu so unendlich verdünnt , sowie durch die Beweguus: der 
beiden betheiligten Thiere hinweggespült, daß ich mir beim besten 
Willen keine Wirkung davon mehr vorstellen kann, Muthet man ihr 
nun außerdem noch zu, durch Diffusion durch Epithelien, oder gar 
durch eine chitinige Cuticula hindurch in's Innere des Beutethieres zu 
dringen, wozu doch bekanntlich eine nicht unerhebliche Zeit gehört, 
die wieder eine Verdünnung in's Unendliche zuläßt , so wird für mich 
die Sache vollends unfaßbar. 

Ich kann aber noch mit gewichtigeren Argumenten dienen, die 
schwerer in's Gewicht fallen als diese logischen Deductionen, mit Be- 
obachtungen nämlich. Unter meinen Skizzen befand sich bis vor 
wenigen Jahren eine, die mir leider seither abhanden gekommen ist ; 
sie stammte aus den Jahren 1867 — 69, meiner Würzburger Zeit. Ich 
habe sie aber häufig genug vor Augen bekommen , um sie in allem 
Wesentlichen aus dem Gedächtnisse hier reprodu- 
cieren zu dürfen (Fig. 1). Sie entstand aus einer Be- 
obachtung , die ich bald nach der Leetüre der kurz 
vorher erschienenen bekannten Arbeit von Möbius 
über die Nesselkapseln machte, und schien mir ein 
nicht zu unterschätzendes Argument gegen die Auf- 
fassung: des Genannten zu sein. Gezeichnet wurde 

Fig. 1. . , 

sie nach einer Hartnack'schen trefflichen Wasser- 
Imm. X. Eine Culicidenlarve, mit Hydra im gleichen Gefäße be- 
findlich, trug eine Nesselkapsel an sich : der Körper der Kapsel be- 
fand sich außerhalb der Cuticula [et) , der Faden hatte bei der Aus- 
stülpung diese in senkrechter Richtung durchbohrt, war eine kurze 
Strecke geradlinig vorgedrungen, dann plötzlich rechtwinklig abgelenkt 
worden. Daß er nicht völlig zur Ausstülpung gekommen war, bewies 
seine relativ geringe Länge. An der Stelle der Umbiegung hatte sich 
ein lebhaft rothes Fetttröpfchen [a, Fig. 1) abgelagert, wohl als Folge 
des Reizes durch den Eindringling. Ob die Verhinderung der totalen 
Ausstülpung des Fadens durch den Widerstand des Gewebes, das dem 
allmählich abnehmenden Druck der gespannten Kapselmembran ge- 
wachsen war, oder durch eine Ruptur des Fadens an der Umknik- 
kungsstelle, durch welche die Kapselflüssigkeit entweichen konnte, 
zu erklären ist, ist für uns gleichgültig — die Hauptsache ist, daß eine 
Nesselkapsel im Momente der Entladung eine relativ feste und zähe 
Cuticula zu durchschlagen , und ihren Faden in's Innere des Thieres 
eindringen zu lassen im Stande war. 

Ein weiteres Beispiel: Im Winter 1875/76 beobachtete ich in der 
Zoologischen Station in Neapel ein Exemplar der Salpa democratico- 




313 

mucronata^ dessen Mantel eine .eigenthümliche Stelle aufwies; bei 
näherer Besichtigung mit starker Vergrößerung stellte sich heraus, 
daß hier einige hundert Nesselkapseln einer im gleichen Gefäß in 
zahlreichen Exemplaren vorkommenden Siphonophore (einer Diphyes- 
Art, wenn ich mich recht erinnere) aufsaßen, deren ausgestülpte 
Fäden sich tief in die Gallerte des Mantels hinein in geradliniger 
Richtung verfolgren ließen. Auch hier waren, wie ich ausdrücklich 
hervorheben möchte, die Kapseln der Oberfläche des getroffenen Thie- 
res dicht aufsitzend, und die Richtung der Fäden annähernd senk- 
recht zu dieser Oberfläche. 

Beide Fälle , wie sie mir lediglich der Zufall vorführte , sind in 
ihrer Art instructiv wegen der Gegensätze des vom vorgestülpten 
Faden perforierten Materials : dort die feste , resistente Cuticula , die 
zu durchbohren eine gewisse plötzlich wirkende Percussionskraft er- 
forderlich macht; hier die viel weichere, aber dafür um so zähere 
Masse des Salpenmantels , deren Durchbohrung eine gewisse Nach- 
haltigkeit der Kraftwirkung voraussetzt. 

Wie hat man sich nun das Zustandekommen dieser Durchbohrun- 
gen durch einen so außerordentlich dünnen und biegsamen Faden zu 
denken? Ein Durchtreten mit dem äußersten, schon zur Ausstülpung 
gelangten Fadenende voraus ist ja ganz selbstverständlich ausgeschlos- 
sen. Wohl aber ist als einzig zulässige Annahme anzusehen, daß der 
Faden sozusagen in statu nascendi, im Momente der Ausstülpung ein- 
mal die Geschwindigkeit, dann aber auch die anderen Bedingungen 
besitzt, um ihm eine solche Wirkung zuzuschreiben. 

Es giebt in der Thierwelt sozusagen Modelle der Nesselkapseln 
in großem Maßstabe, an denen die Art des Eindringens des Fadens 
derselben sich sehr bequem und übersichtlich studieren läßt; nur sind 
sie leider nicht überall zu haben. An den Nesselkapseln selbst dürfte 
das Verfolgen des Vorganges sowohl der Kleinheit der Objecte wegen, 
als auch wegen der großen Schnelligkeit, mit der die Procedur vor 
sich geht, ihre Schwierigkeiten haben. Mit jenen Modellen meine ich 
die Rüssel von Tetrarhynchus , die ja so vielfach studiert und abge- 
bildet worden sind, und die ich selbst an aus Belone stammenden 
Scolices früher mit größtem Interesse beobachtet habe. Die musculöse, 
mit Flüssigkeit erfüllte Ampulle entspricht dabei der Membran der 
Nesselkapsel, der mit Haken besetzte ausstülpbare Rüssel dem Nessel- 
faden; nur der im Inneren des Rüssels befindliche Retractor findet in 
der Kapsel kein Analogon. (Auch an Echinorhynchen-Rüsseln kann 
man Einiges studieren, wenn auch nicht so bequem wie dort.) 

Stülpt sich nun so ein Rüssel aus, um in die Schleimhaut einzu- 
dringen, so erfolgt dies durch die Contraction der musculösen Wand 



314 

der Ampulle, welche die Flüssigkeit in den Rüssel drängt, und diesen 
so hervortreiht. Dabei treten die vorher im Inneren gelegenen Wider- 
haken an der Stelle, wo die Ausstülpung fortschreitend stattfindet, 
nach der Außenseite über; ihre Spitze wird vorwärts, zugleich aber 
auch in einem Halbkreis von innen nach außen getrieben, dringt 
dabei in das vorliegende Gewebe der Mucosa ein, und hakt sich darin 
fest. Dadurch bietet der Haken dem nächsten sich vordrängenden 
Rüsselabschnitt mit seinem Hakenbesatz einen Halt oder Stützpunct, 
und so fort, bis der ganze weiche biegsame Faden des Rüssels, von 
der Basis in der Nähe der Ampulle aus beginnend, tief in die 
Mucosa versenkt ist. 

Genau so bei der Nesselkapsel, die durch den Contact mit irgend 
einem Thiere zur Entladung gelangt. Unter dem Druck der aufs 
äußerste gespannten , sehr elastischen Kapselmembran wird die 
Flüssigkeit in den rapid vorschießenden und sich umstülpenden Faden 
hineingepreßt, und dieser dringt, namentlich wenn das die Entladung 
veranlassende Thier in nächster Nähe sich befindet, und vom vor- 
schießenden Faden annähernd senkrecht getroffen wird, genau so ein 
wie ein Tetrarhynchus-Hüssel in die Mucosa. Dem Faden der Nessel- 
kapseln fehlt es ja auch an den das Eindringen ermöglichenden Häk- 
chen nicht, wie schon aus den allbekannten Abbildungen von Mö- 
bius zu ersehen. Auch bei Hydra fehlen sie nicht, wenigstens finden 
sich außer den drei Stileten (Fig. 4,5) noch eine Anzahl feinerer 
Haken dicht darüber. Wie weit man berechtigt ist , sie auch als 
am Faden selbst vorhanden anzunehmen, ist eine nicht leicht zu 
entscheidende Frage. Ich habe mich nur mit den großen Nessel- 
kapseln der Hydra beschäftigt; am unteren Drittel des Fadens aber 
sieht man bei sehr starken Vergrößerungen jene leicht spiraligen 
Längslinien hinaufsteigen , die für die Anordnung der Häkchen 
charakteristisch sind. Lassen sich an diesen selbst die Häkchen , weil 
vielleicht für unsere optischen Hilfsmittel zu winzig, auch nicht nach- 
weisen, so läßt doch der Umstand, daß von Cam. Schneider an den 
kleinen Nesselkapseln von Hydra solche Häkchen nachj^jewiesen 
worden sind, diese Deutung der Linien als erlaubte erscheinen. Wie 
dem nun auch sein mag , im Ganzen ist die Analogie eine vollkom- 
mene; nur ist bei dem Tetrarhync/nis-Küssel die vortreibende Muskel- 
kraft eine constante, und kann in jedem Augenblick in ihrer Wirkung 
gehemmt, sowie (durch den Retractor) rückgängig gemacht werden, 
während die lediglich durch ihre Elasticität wirkende Membran der 
Nesselkapsel nur im ersten Moment der Entladung mit explosions- 
artiger Vehemenz wirkt, aber nachher bald nachläßt. Wenn die Kap- 
seln so zur Wirkung kommen , so kann auch ihr giftiger Inhalt durch 



315 

die überaus dünne Fadenwand hindurch diffundieren und seinen ver- 
hängnisvollen Einfluß ausüben, eventuell auch aus liißstellen, wie 
gelegentlich der Fig. l erwähnt, direct austreten. Als ich vor vielen 
Jahren auf denCap-Verden einmal die für mich als Zoologen ja immer- 
hin ganz interessante , sonst aber für mich als Menschen keineswegs 
angenehme Erfahrung des Brennvermögens der Physalia an einigen 
Fingern meiner rechten Hand machte, da erfolgte die Schmerzempfin- 
dung, die ich am ehesten der Berührung mit einem glühenden Eisen 
vergleichen möchte, so blitzschnell, daß ich an eine gemächliche Difl'u- 
sion aus dem Wasser durch die Epidermis hindurch erst dann glauben 
werde, wenn sie mir anders wahrscheinlich gemacht wird, als durch 
die bisherigen Argumente. 

Ich halte demnach bis auf Weiteres, und gestützt auf Gründe, die 
ich für hinlänglich triftige anzusehen mich berechtigt fühle , fest an 
der von den Meisten aufgegebenen Ansicht vom Eindringen des 
Fadens in das Beutethier, wenn nicht anders derselbe seine Mission 
verfehlt, als welches ich das bloße äußerliche Anhaften betrachten 
muß; nicht minder auch daran, daß die Triebkraft für den vor- 
schnellenden Faden in der elastischen Spannung der Kapselmembran 
zu suchen ist. 

Hinsichtlich dieses letzteren Punctes haben die Ansichten sich 
auch sehr gewandelt; Muskelfasern sollten, wie schon erwähnt, ganz 
oder wenigstens theilweise an die Stelle der elastischen Spannung der 
Kapselmembran treten. Ich muß leider, da mir meine ausschließlich 
auf Hydra sich beziehenden Untersuchungen ein Eingehen auf die 
Frage nach der Existenz dieser Elemente nicht gestatten , hier jeder 
Discussion darüber aus dem Wege gehen; es mag ja wohl am Ende 
Alles seine Richtigkeit haben , aber es reicht für mich deshalb doch 
nicht aus, den Entladungsvorgang anschaulich zu machen oder zu er- 
klären. 

Muskelelemente , die am inneren (hinteren) Kapselpol sich in- 
serierend von da nach der Tiefe treten, werden bei ihrer Contraction 
doch in erster Linie die Kapsel nach innen ziehen; eine andere Wir- 
kung kann ich ihnen beim besten Willen als normale nicht zuschrei- 
ben. Sollte auch eine oder die andere der Kapseln durch einen be- 
sonders heftigen Ruck zur Entladung kommen, so wäre das nur Folge 
einer Gleichgewichtsstörung zwischen Kapselspannung und ihrem 
Widerstand; die Entladung selbst zu veranlassen ohne diese andere 
Annahme wäre diese Einrichtung kaum im Stande. — Günstiger stünde 
es natürlich um eine Ringmusculatur, welche den Körper der Kapsel 
in ihrem Äquator umfaßte; hier würde eine Contraction derselben 
eine Entladung herbeizuführen im Stande sein, namentlich wenn man 



316 

sich ihre Wirkung als eine Auslösung denkt, gerade genügend, die 
der Kapselspannung entgegenstehenden Widerstände überwinden zu 
helfen. Will man aber das Vortreten des Fadens ganz allein auf ihr 
Conto sehreiben, ohne die Kapselspannung hinzuzurechnen, so scheint 
mir ihre Wirkung für die meisten Fälle unzureichend; Muskelcontrac- 
tionen gehen auch hei den Coelenteraten mit einem relativ gemäßig- 
ten Tempo vor sich , und wenn auch das Eindringen des Fadens in 
weiche Gewebe, die dabei hübsch stille haltenden Thieren angehören, 
ebensowohl denkbar ist, wie das Eindringen des Teirarhynchus-^üssels 
in die Mucosa des Darmes, so würde es doch resistenteren Geweben 
(Cuticula) gegenüber meist versagen. Man denke dabei auch an die 
»latente Reizung« des Muskels, von der die Physiologen sprechen, 
d. h. an den Umstand, daß die Muskelcontraction nicht vom ersten 
Moment der Reizung an mit voller Energie einsetzt , sondern eine ge- 
wisse Zeit braucht , um ihre volle Intensität zu entfalten — das Alles 
vc^ürde die Entladung zeitlich so verlangsamen und den Vorgang zu 
einem so trägen stempeln, daß die Wirkung recht fragwürdig er- 
scheinen müßte. 

Führt man aber nun gar erst eine Reizleitung vermittels des 
Cnidocils zu Nervenbahnen — sei es durch directe Reizübertragung, 
sei es auf dem Umweg über in der Tiefe gelegene Nervencentren zu 
den Muskeln — ein, so compliciert sich die Sache noch weit mehr; 
der ganze Proceß erfordert dann so viel Zeit, durch die verschiedenen 
physiologischen Widerstände, daß agile Thiere längst außer Schuß- 
weite sein können , bis das Projectil hervortritt. 

Nun habe ich selbst Beobachtungen über eine ganz eigenartige, 
an Nesselkapseln von Hydra befindliche Structur gemacht, die selt- 
samerweise den doch recht zahlreichen neueren Untersuchern dieser 
Thiere bis jetzt entgangen zu sein scheint, und die ich mir nur als in 
Zusammenhang mit dem Entladungsvorgang stehend denken kann. 
Sie ist freilich nicht leicht zu sehen; mit Trockenlinsen, selbst den 
stärksten und besten, sieht man gar nichts davon, mit Wasser-Immer- 
sionen nur Andeutungen ; es sind Apochromate mit homogener Im- 
mersion erforderlich, um sie zu erkennen, und auch damit bleibt noch 
viel zu wünschen. Außerdem sieht man auch schwerlich viel davon, 
wenn man, wie es jetzt meist geschieht, die Objecte in Harzen unter- 
sucht; diese Praeparate, besonders wenn kunstgerecht gefärbt, sehen 
zwar sehr elegant aus, aber das Feinste der Structuren verschwindet 
nur gar zu häufig durch die allzugroße Transparenz. 

Mein Material stammt noch aus Rostock (hier habe ich leider an 
den relativ seltenen, und noch dazu immer winzig kleinen grünen 
Hydren auf eine Nachprüfung über einige noch weniger klare Puncte 



317 



verzichten müssen), und die Form ist die gleiche, die Fr. E. Schulze 
iu seiner CordijlojjJtora -kxheit als i/yc/^-a yz/òr« bezeichnet hat. Die 
Praeparate wurden in der Weise gewonnen , daß einzelne Thiere in 
Uhrgläsern mit möglichst wenig Wasser vermittels einer Glasröhre 
voll l^iger Osmiumsäure, die man rasch zerfließen ließ, plötzlich ge- 
tödtet wurden, sobald sie sich vollständig ausgestreckt hatten; dann 
wurden sie, um zu intensive Bräunung zu verhüten, rasch in eine 
größere Schale mit Wasser gegossen , aus dem sie nach kurzem Ver- 
weilen in Alcohol von allmählich gesteigerter (concentration überge- 
führt wurden. Aus absolutem Alcohol kamen die abgetrennten Fang- 
arme, auf die es mir allein ankam, auf den Objectträger in Ricinusöl, 
das ich schon früher wegen seines zwischen Glycerin und den Harzen 
mitteninne stehenden Brechungsexponenten als Einschlußflüssigkeit 
für bestimmte Zwecke empfohlen habe, und darin haben sich die 
meisten sehr schön erhalten. 

Ich habe auch Hydren nach der Tödtung in Osmiumsäure , statt 
mit Wasser, mit Kl e i neu b erg' scher Picrinschwefelsäure ausge- 



Fig. 2. 



Fig. 3. 



Fig. 4. 



U* 





F.g. 7. 




waschen; von diesen wird noch besonders die Rede sein. — Die er- 
läuternden Figuren (3—7) sind zwar nach der Natur gezeichnet, aber 
leicht, namentlich in Bezug auf die Größenverhältnisse, schematisiert. 
Die gleichen arabischen Ziff'ern bezeichnen überall die gleichen Ge- 
bilde. 

Im Profil und in situ gesehene Nesselkapseln zeigen ihre derbe 
Membran (/) noch umschlossen von einer mindestens ebenso starken 
Hülle (2), die zum Zellleib gehört, und sich an den bloß mit Wasser 
abgespülten Hydren dicht an die erstere anschmiegt (Fig. 2, 5). Anders 



318 

bei dem mit Picrinsäure nachbehandelten Materiale (Fig. 3) : hier hat 
sich ein weiter , mit Flüssigkeit erfüllter Hohlraum zwischen beiden 
gebildet. Diese äußere Hülle dürfte es wohl sein, die von Einigen als 
liingmuskellage in Anspruch genommen wird; da ich nichts davon zu 
sehen bekommen habe , was an Muskeln erinnern könnte, will ich 
mich dabei nicht weiter aufhalten. Ich kann bloß eine besonders 
stark differenzierte Schicht von protoplasmati schem Charakter darin 
erblicken. Sie überragt das äußere Ende (den Entladungspol) der 
Nesselkapsel um ein weniges , in Gestalt eines hohlen , meist etwas 
schräg abgeschnittenen, und, wie ich mit Anderen glaube, offenen 
Schlotes (Fig. 2, 3,5, 3), auf dessen höchster Erhebung sich das Cnido- 
cil [4] bemerklich macht. Im Inneren der Nesselkapsel sehen wir, 
zur hinteren Hälfte von den Windungen des Fadens umgeben, die 
zusammengelegten drei Stilete [5), umschlossen von dem dünnen Hals- 
stück {6), das bei entladenen Kapseln gewöhnlich etwas gerunzelt 
zwischen Kapselleib und jenen Stileten (Fig. 4) wahrgenommen wird. 
Am Entladungspol selbst ist die Kapsel noch durch das prall nach 
außen vorgewölbte Deckelchen (7 1 abgeschlossen, dessen Überreste 
man an entladenen Kapseln noch häufig am vorderen Rand der 
Kapselwand in Form von zusammengeschnurrten Fetzchen (Fig. 4, 7) 
anhaftend findet. 

So weit wären das Alles ganz bekannte Dinge. Sieht man aber 
vom Entladungspol her auf günstig gelegene Nesselkapseln in der 
Richtung ihrer Achse, so kommen, unter der Voraussetzung zureichen- 
der optischer Hilfsmittel, die erwähnten Structurverhältnisse zu Ge- 
sicht; es ist aber sehr zu empfehlen, sich auch des sonst, außer bei 
Testobjecten, so selten angewandten schief einfallenden Lichtes zu 
bedienen, wenigstens bis man sich im Allgemeinen orientiert hat. 
Nämlich da, wo sich das Cnidocil aus der Schlotwandung erhebt (Fig. 6) 
zeigt sich rechts und links von demselben eine äußerst zierliche radiär 
gestellte Streifung (Fig 6, bei +), die in einiger Entfernung von ihm 
kürzer und undeutlicher wird, und schließlich ganz verschwindet; 
sie nimmt etwa 1/4, höchstens '/^ des (rundlichen oder abgerundet 
dreieckigen) Schlotumfanges ein. Diese Streifung sieht oft so präg- 
nant aus, als ob sie durch einen winzigen Stäbchenkranz hervorgerufen 
wäre; ich glaube aber, sie ist das nicht, sondern der optische Ausdruck 
für eine äußerst feine Fältelung, deren Sitz die Schlotwand ist — frei- 
lich ist völlige Gewißheit darüber zur Zeit unmöglich. Auch an Profil- 
ansichten kann man sie sehen (Fig. 2, 5, bei +), aber mit etwas mehr 
Schwierigkeit; wendet man hier senkrecht zur Achse einfallendes 
schiefes Licht an, so kann man die feinen Linien eine Strecke weit 
nach hinten verfolgen bis etwas über das Deckelchen hinaus, wo sie 



319 

dann spurlos verschwindend In Fig. 7 habe ich versucht die Dinge 
wiederzugeben, wie sie sich an meinem Picrinsäure-Material dar- 
stellen; die Streifung erscheint hier ungleich weniger prägnant, viel 
zarter und feiner ; wenn sie sich viel w^eiter nach hinten zu erstrecken 
scheinen, so rührt das aber nur daher, daß man von der ballonförmig 
aufgeblähten Hülle (Fig. 3, 2) vom Entladungspole her einen größeren 
Theil übersehen kann. 

Wenn ich nun die Ansicht , die ich mir über den Sinn , die Be- 
deutung dieser Einrichtung gebildet habe , in Kürze darlegen darf, 
so ist das folgende. Die durch die eingeschlossene Flüssigkeit prall 
gespannte und äußerst elastische Kapselmembran sucht durch steten 
Druck auf ihren Inhalt eine Entladung herbeizuführen. Der Entladung 
aber stellen sich für gewöhnlich zwei Widerstände entgegen, jeder 
einzelne schwächer, beide zusammen aber stärker als die von der Kapsel 
entwickelte Spannkraft. Der eine dieser Widerstände rührt von der 
Membran des Deckelchens her , die mit dem vorderen Rand der Kap- 
selmembran verwachsen ist, und denselben zusammenhält ; der zweite 
von einer Umschnürung des Entladungspoles von Seiten der zum Zell- 
leib gehörenden Umhüllungsmembran (2 der Figg.), welcher das Cni- 
docil eingepflanzt ist. Diese Umschnürung ist herbeigeführt dadurch, 
daß diese Membran an dieser Stelle in Falten gelegt ist, und diese 
Faltung, optisch als Streifung hervortretend, ist der Ausdruck eines 
kräftigen Tonus (nach Art der Sphincteren) an dieser Stelle. Kommt 
nun ein vorbeischwimmendes Thier mit dem Cnidocil in kräftigere 
Berührung, so tritt durch Reizübertragung von Seiten dieses aus dem 
gleichen Materiale hervorgewachsenen Protoplasmafortsatzes eine 
plötzliche Erschlaffung ein, die Falten plätten sich aus, und damit 
kommt der von ihnen geleistete Widerstand in Wegfall; dann reicht 
auch der Widerstand des Deckelchens nicht mehr aus, es reißt ein, 
und die Kapselmembran treibt ihren Inhalt mit großer Vehemenz 
nach außen. 

Um das Willkürliche und nach mehreren Seiten hin Hypothe- 
tische, das dieser von den jetzt üblichen Anschauungsweisen über den 
Entladungsmodus weit abweichenden Ansicht anzukleben scheint, 
noch nach Kräften abzuschw^ächen, muß ich noch auf einige specielle 
Puncte hinweisen. In dem mit Picrinsäure nachbehandelten Material 
finden sich Entladungen von Nesselkapseln in großer Zahl, während 
sie bei dem anderen zu den großen Seltenheiten zählen. Bald sind die 



' üb die von Fr. E. Schulze bei Syncoryne beschriebenen Streifen beider- 
seits neben dem Cnidocil etwas mit den vorliegenden Structuren zu thun haben, 
läßt sich wohl erst nach erneuter Prüfung mit Hilfe der modernen Systeme ent- 
scheiden. 



350 

Kapseln herausgerissen worden, bald aber ist bloß der Faden mehr 
oder weniger weit hervorgeschnellt. An allen Kapseln aber ohne Aus- 
nahme gewahrt man die in Fig. 3 im Profil dargestellte Abhebung der 
Hülle von der Kapselmembran, bei Ansichten en face die Verblassung 
der Streifung wie in Fig. 7. Spielte nun die Hülle um die Kapsel bei 
der Entladung durch Druck auf die Membran in der Äquatorialgegend 
etwa eine active Rolle, so müßte man doch wohl annehmen, daß jene 
Hülle unmittelbar vor ihrem Absterben durch das Reagens noch einen 
kräftigen Druck auf die Kapsel ausgeübt habe, dann aber plötzlich in 
so ungeheuerem Maße erschlafft sei , daß jener weite Abstand von der 
Membran sich habe ausbilden können. Diese Annahme scheint mir 
aber kaum zulässig; weit eher stimmt die Verblassung der Falten- 
linien (Fig. 7) , die auf einen nachlassenden Tonus gegen Fig. 6 hin- 
weist, mit meiner Annahme, daß die Rolle der Hülle bei der Ent- 
ladung in der Aufhebung eines Widerstandes am Entladungspol. nicht 
im Ausüben eines Druckes weiter hinten bestehe. — Warum freilich 
nicht überall eine Entladung erfolgte, vermag ich nicht anzugeben. 

Wenn ich nun noch wage, eine bescheidene, weil von keiner per- 
sönlichen Erfahrung getragene Ansicht über die bei einer Reihe von 
Forschern eine wesentliche Rolle spielenden Nerven etc. zu äußern, 
so mag es in folgender Frage geschehen : wäre es undenkbar , daß 
solche Verbindungen der Nesselkapseln mit den unterliegenden Ge- 
weben existierten zu dem Zweck , durch die Übertragung des Reizes 
vom Zellplasma auf die Muskeln diese zu einer kräftigen Contraction 
nach der Seite hin , von woher der Reiz kommt , und damit zum Er- 
fassen der Beute zu veranlassen? — Diese Vermuthung ist ja nicht 
neu aber längst wieder verlassen worden; ob mit Recht, wird sich ja 
wohl im Laufe der Zeit herausstellen. 

Zum Schlüsse: wie man sieht, habe ich mich im Allgemeinen 
streng an das mir allein zu Gebote stehende Material gehalten ; darin 
glaube ich eine gewisse Stärke der von mir genommenen Position zu 
sehen, verhehle mir freilich ihre Schwächen auch nicht. Wie sich die 
Dinge bei marinen Cnidariern präsentieren mögen, darüber steht mir 
kein Urtheil zu. Aus den zahlreichen von mir durchgesehenen Ar- 
beiten Schlüsse zu ziehen , muß ich mir versagen; am fremdartigsten 
stehen meiner Anschauungsweise die Beobachtungen von v. Lenden- 
feld ^ gegenüber, die ja ganz berechtigt sein mögen, aber dann frei- 
lich Structuren voraussetzen , für die es , glaube ich , bei Hydra kein 
Analogen giebt. Darüber mögen Andere entscheiden, die in der Lage 
sind, an der See eine Fülle von verschiedeneu Formen vergleichend 
untersuchen zu können. Es ist ja, bei den großen sonstigen Organi- 

2 The function of Nettle-Cells (Quart. Journ. Mier. Sc. 1887. p. 393). 



321 

sationsverschiedenheiten und Abstufungen in der Ausbildung der ein- 
zelnen Organsysteme, nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich, 
daß auch mancherlei Specifisches seinen Ausdruck findet hinsichtlich 
des Nesselapparates; aber eine erneute, und zwar kritische Revision, 
und unter Berücksichtigung auch der hier dargelegten Gesichtspuncte, 
scheint mir bei dem wirren Durcheinander von Ansichten , wie sie in 
unserer Litteratur niedergelegt sind , doch allmählich an der Zeit zu 
sein. Wenn diese Zeilen dazu Veranlassung böten, so wäre ihr Haupt- 
zweck erreicht. 

Nachtrag. 
Seit Absendung des Manuscriptes des vorstehenden Aufsatzes 
habe ich ein paarmal bei ganz ausnahmsweise günstigen Beleuch- 
tungsverhältnissen Gelegenheit gefunden mich zu überzeugen , daß 
auch bei den kleinen Nesselkapseln von Hydra die oben geschilderte 
Streifung am Entladungspole sich findet. Sie ist aber ganz außer- 
ordentlich zart, und deshalb sehr schwer wahrzunehmen; sie riva- 
lisiert darin mit den feinsten Structuren der schwierigsten Test- 
objecte, und macht optisch etwa den Eindruck einer Perlung des 
kreisrunden Saumes. Auch schien es mir, als ob sie im gesammten 
Umfang des Entladungspoles gleichmäßig entwickelt wäre, also darin 
abwiche von den großen Nesselkapseln. Bei diesen letzteren erstreckt 
sich die Streifung übrigens , wie ich bei den gleichen Gelegenheiten 
constatieren konnte, auch merklich weiter um den Entladungspol 
herum, als in meinen, bei weniger günstigen Beleuchtungsverhält- 
nissen angefertigten Skizzen angegeben ist. — Daß ich darin eine 
weitere Stütze für meine Annahme erblicke, nach welcher diese eigen- 
artige Structur mit dem Entladungsvorgang im Zusammenhang steht, 
wird man wohl natürlich finden. 

3. Einige Bemerkungen über zwei südafrikanische Schildkröten. 

Vorläufige Mittheilung. 
Von Dr. J. Th. Oudemans in Amsterdam. 

eingeg. 27. Mai 1895. 

Im Begriff die von Prof. Max Weber von seiner Reise nach Süd- 
afrika heimgebrachten Reptilien zu bearbeiten, kommt es mir nicht 
unerwünscht vor, schon jetzt über zwei Arten von Schildkröten eine 
kurze Mittheilung zu veröffentlichen , weil die Publication über die 
gesammten Reptilien, wegen der Reichhaltigkeit des Eidechsenmate- 
rials, noch längere Zeit auf sich warten lassen wird. Die zwei Arten 
sind: Homopus areolatus Thunb. und Testudo Verreauxt Smith. 

Homopus areolatus Thunb. 
Die vierzehn mitgebrachten Exemplare, alle in Alcohol aufbe- 
wahrt, bieten ein schönes Material zur Vergleichung dar. Von den- 



322 

selben wurden dreizehn in Knysna (Südküste der Capcolonie. circa 
34° S.B. und 23" O.L.) gefunden, während das vierzehnte Stück von 
Port Elizabeth (idem, fast 34"S.B. und 26°0. L.) herstammt. 

Sofort fiel es mir auf, daß nicht weniger als fünf Thiere eine ab- 
normale Zahl von Hornschildern auf dem Carapax zeigten, theilweise 
was die Zahl der V'ertebralia , theilweise was die der Costalia betrifft. 
Die Zahl der Marginalia schwankte außerdem zwischen 21 und 25. 

Über diese Art, von welcher in der Sammlung des British Museum 
1889 (Catalogue of Chelonians in the British Museum by G. A. 
Boulenger, p. 147) außer den trockenen Exemplaren nur zwei junge 
Thiere in Alcohol aufbewahrt vorkamen, wurde 1890 eine ergänzende 
Notiz von Boulenger veröffentlicht; Proc. Zool. Soc. 1890, p. 521, 
Note on the secondary sexual characters in the South African Tortoi- 
ses of the Genus Homopus. Darin theilt Boulenger mit, daß er zwei 
lebendige, erwachsene Thiere dieser Art, ein Männchen und ein Weib- 
chen, aus Port Elizabeth erhalten habe, »in illustration of the fact 
that the male is armed on the back of the thighs with a bony tubercle, 
which I stated, on the evidence of the specimens in the British Mu- 
seum, to be absent in that species. The tubercle is, however, compa- 
ratively small and rounded, not conical, very much less developed than 
in H. femoralis and H. signatus., it is to be found, but in a quite ru- 
dimentary condition in the female from Port Elizabeth». Wenn ich 
nun die vierzehn mir vorliegenden Thiere in dieser Hinsicht mustere, 
so stellt es sich heraus , daß der Femoraltuberkel ebenso oft fehlt als 
er vorhanden ist, unabhängig von der Größe oder dem Geschlecht des 
Thieres. Dieses Merkmal kann also für die Diagnose der Art auf 
keinerlei Weise gebraucht werden. 

Weiter bemerkt Boulenger, daß das Männchen sich vom Weib- 
chen durch folgende Vier secundäre Geschlechtsmerkmale unter- 
scheide: 

1) durch den größeren Kopf; 

2) durch den längeren , spitzen , etwas nach vorwärts gerichteten 
Schnabel ; 

3) durch die größere Länge der Mandibularsymphysis; 

4) durch die größere Ellbogenschuppe. 

Die drei erstgenannten Unterschiede, welche also auf einen kräf- 
tigeren Kopf bei dem Männchen hindeuten, kann ich vollkommen be- 
stätigen, jedoch mit dieser Einschränkung, daß sie nur für die ganz 
erwachsenen Thiere gelten, d. h., daß der größere Kopf bei den Männ- 
chen von circa 90 mm Carapaxlänge vorkommt, Avährend zwei an- 
dere, von 70 — 80 mm den Kopf kaum vergrößert zeigen. 

Was das vierte Merkmal angeht, die Ellbogenschuppe, so wechselt 
diese bei meinen Thieren nur sehr wenig in Größe , ist aber bisweilen 
bei kleineren Thieren desselben Geschlechts umfangreicher als bei 
größeren. 

Einen Horntuberkel am Schwänze, von Boulenger an nur einem 
seiner Exemplare wahrgenommen, habe ich bei keinem meiner Thiere 
entdecken können. 

Eine Einbuchtung irgend welcher Art am männlichen Plastron 



323 

^iebt es ebenso wenig, wohl aber ist die Gestalt des erwachsenen 
Weibchens etwas dicker und plumper als jene des Männchens. 

Den besten und zweifellosen Unterschied der erwachsenen Thiere 
beiderlei Geschlechtes zeigt der Kopf; weiterkommen in Betracht der 
etwas längere Schwanz beim Männchen und die plumpere Gestalt des 
Weibchens. 

Fassen wir die erwähnten Thatsachen zusammen , so können wir 
sie in der folgenden Tabelle leichter übersichtlich machen. 

Kopf 2. 
klein 



paxlänge 


Geschlecht. 




Anzahl der 




Femoral- 


in mm 


Vertebralia, 


, Costalia'. 


Marginalia. 


tuberkel. 


101 


weiblich 


5 


4+4 


23 


groß 3 


96 


» 


5 


4+4 


23 


klein 


91 


» 


6 


4 + 4 


25 


sehr klein 


90 


» 


5 


4 + 5 


23 


fehlt 


86 


» 


5 


4 + 4 


23 


klein 


78 


» 


5 


4 + 4 


23 


fehlt 


73 


» 


5 


4 + 4 


21 


klein 


65 


)) 


5 


4 + 4 


23 


fehlt 


96 


männlich 


4 


5 + 4 


25 


fehlt 


93 


» 


6 


4 + 4 


23 


klein 


92 


» 


5 


4 + 4 


23 


fehlt 


89 


» 


5 


4+4 


24* 


sehr klein 


79 


» 


6 


5 + 4 


25 


sehr klein 


69 


» 


5 


4 + 4 


23 


fehlt 



groß 



klein 



Testudo verreauxi Smith. 

Von dieser sehr seltenen Art enthält die Sammlung drei Exem- 
plare, zwei erwachsene Thiere, ein Männchen und ein Weibchen, in 
Alcohol aufbewahrt und die Testa eines jugendlichen Individuums, 
als Buchut äschchen (Riechpulverbehälter) der Namaquas mitgebracht. 

Von dieser Art sind, so weit ich habe auffinden können, nur ein 
einziges vollständiges Thier und drei Panzer bekannt. 

Das erstere, ein Männchen, lag der ursprünglichen Beschreibung 
zu Grunde^: leider blieb mir unbekannt, wo es sich gej^enwärtig be- 
findet. Es hatte eine Länge von ungefähr 93 mm. Fundort: »near 
the sources of the Orange River«. 

Ein Buchutäschchen aus Groß-Namaland, von Boettger be- 
schrieben'* und im Hesitze des Sammlers, Dr. H. S chin z in Zürich, 
verblieben. Länge 56 mm. 

Zwei Panzer, ebenfalls aus Groß-Namaland und auch von Dr. 
Schinz gesammelt und in der Sammlung der Senckenb. Gcsellsch. in 
Frankfurt a/M. befindlich. Beschrieben von Boettger'. Länge 84 
und 104 mm. 



' üie linke Zahl deutet auf die linken Costalia und umjïekehrt. 
- Unter »Kopf groß« verstehe ich hier, daß die drei von Bou lenger erwähn- 
ten Merkmale gut entwickelt sind. 
3 3 mm im Durchmesser. 
* Eine gerade Zahl wegen des Vorhandenseins von zwei Supraanalia. 

5 Smith, Illu.strations of the Zoology of South Africa, Reptilia, 1849. PI. 8, 
ohne Paginatur. 

6 Berichte der Senckenb. Gesellschaft, 1887. p. 1.39. 
'' Berichte der Senckenb. Gesellschaft, 1889. p. 282. 



324 

Von den drei mir vorliegenden Exemplaren stimmt das Buchu- 
täschchen in jeder Hinsicht mit Boettger's Heschreibung überein. 
Länge 58 mm, Fundort Klein-Namaqualand Capcolonie), wenigstens 
dort von einem Namaqua, der es trug, erhalten. 

Die zwei prachtvollen Alcohol -Exemplare, gesammelt bei Jak- 
halswater (Klein-Namaqualand, Capcolonie, fast 1S°0. L. und fast 
29°S.B.), geben zu den folgenden Bemerkungen Anlaß, wobei ich je- 
doch , Weil eine ausführlichere Beschreibung später folgen wird , nur 
auf ein Paar Hauptsachen hinweisen will. 

Erstens erreicht das Thier eine weit ansehnlichere Größe als bis 
jetzt bekannt war. Während das mir vorliegende Männchen 94 mm 
lang ist, weist der Carapax des Weibchens eine nicht geringere Länge 
als 144 mm auf. Damit ist die Art zu der größten in der Geometrica- 
Gruppe 's. lat.) promoviert. 

Weiter ist bemerkenswerth, daß diese Art einen gut entwickelten 
Femoraltuberkel hat. Dieser Tuberkel, welcher bei dem weiblichen 
Thiere einen Durchmesser von 7 — 8 mm hat beim Männchen im Ver- 
hältnis fast ebenso groß), conisch und nach dem Schwänze gerichtet 
ist, wird von einem Kränzchen viel kleinerer, flacher Tuberkel um- 
geben, von welchen der meist distale, wenigstens beim Weibchen, 
zwei- bis dreimal so groß ist als die übrigen. Faßt man nun nur die- 
sen und den großen centralen in's Auge, so könnte man auch von zwei 
hinter einander gelegenen Tuberkeln sprechen. Dieses hat gewiß 
Smith gemeint, als er schrieb: »hinder legs and tail covered with 
small scales, and at the base of the latter, near the outer and hinder 
angle of each anal plate, there are two pointed horny tubercles, one 
behind the other«. Weil an der Ventralseite des Schwanzes durchaus 
keine Tuberkel zu finden sind (die Dorsalseite ist dagegen ganz mit 
flachen Tuberkeln bedeckt) und der große Femoraltuberkel genau 
die erwähnte Stelle am Plastron berührt, schließe ich daraus, daß 
Smith »latter« schrieb, wo »former« gemeint war. 

Also gehört diese Art zu der Gruppe der Testudo tentoria Bell etc. 
und nicht zu der Gruppe der Testudo geometrica L. (s. str.) , wo kein 
Femoraltuberkel vorkommt. 

Der Wiukel zwischen den seitlichen Marginalia und den Costalia 
ist bei dem Männchen gering , besteht bei dem weit größeren Weib- 
chen giir nicht; drei dieser seitlichen Marginalia zeigen bei jenem eine 
longitudinale Furche, welche ebenfalls dem Weibchen abgeht. Wahr- 
scheinlich hat man hier mit Characteren zu thun , welche bei dem 
alten Thiere wegfallen. Der Schwanz meines Männchens ist ziemlich 
lang und ragt 15 mm aus dem Panzer hervor; der Schwanz des Weib- 
chens ist kürzer, aber viel breiter, 

III. Personal-Notizen. 

Illinois, U. S. Dr. W. S. Nickerson leaves the University of Co- 
lorado to take the position of Instructor in Biology in Northwestern Univer- 
sity at Evanston, 111., U. S. A. 



Druck von Breitkopf Ä Hârtel in Lnipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XYIII. Jahrg. 2. September 1 895. No. 483. 

Inhalt: I. Wisseuschaftl. Jlittlieiluntren. 1. Schenk, Alcionaoeeii von Ternate nach den 
Sammlungen Professor W. Kükenthal's. 2. Westhoff, Über das Vorkommen des Triton palmatus 
Schneid, in Westfalen. 3. Samter, Die Yeränderung der Form und Lage der Schale von Leptodora 
liyalina Lillj. während der Entwicklung. 4. Ude, Über zwei neue Lnmbriciden-Arten aus Nordamerika. 
II. Uittheil. aus Museen, Instituten etc._ 1. Linnean Society of New South Males. 2. 67. Ver- 
sammlung deutscher Natui'forscher und Ärzte in Lübeck. III. Personal-Notizen. Vacat. Litte- 
ratnr. p. 301—31(3. 



I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Alcyonaceen von Ternate nach den Sammlungen 
Professor W. Kükenthal's. 

Von A. Schenk. 
(Aus dem Zoologischen Laboratorium der Universität Jena.) 

eingeg. 31. Mai 1895. 

2) Clavularidae uiid Alcyonidae. 

Die Clavulariden haben in neuester Zeit einen eingehenden 
Bearbeiter gefunden in Hickson (A revision of the genera of the 
Alcyonaria stolonifera, in: Transactions of the Zoological Society of 
London, Vol. XIII. P. 9. 1894), welcher sie zusammen mit den Tubi- 
poriden als Stolonifera zusammenfaßt. Die Familie der Cornulari- 
dae von Stud er und Wright läßt er in seine Familie der Clavularidae 
aufgehen. 

Von dieser Familie der Clavularidae im Hickson 'sehen Sinne 
standen mir nur Vertreter des Gentis Clamdaria Quoy et Gaimard 
zur Verfügung, deren Beschreibung ich anbei gebe. 

I. Clav ul aria Quoy et Gaimard. 
Nach Hickson' s Revision ist die Gattungsdiagnose folgende : 
Clavulariden mit membranösem oder netzförmig verzweigtem 
Stolo, in welchen die Polypen nicht vollkommen eingezogen werden 
können. Spicula gewöhnlich vorhanden. Das Ectoderm bildet keine 
hornige Ausscheidung. 

19 



326 

1) Clavularia ternatana n. sp. 

Auf einer dünnen Basal-Membran erheben sich zahlreiche, eng 
bei einander stehende Polypen. Sie sind sehr lang, von schwankender 
Dicke, theils rigid und gerade gestreckt, theils etwas zurückgebogen. 

Die Polypen messen 30 mm in der Länge bei einer Dicke von 
4 — 6 mm. Ihr Körper wird in seiner ganzen Länge von 8 Furchen 
durchzogen, die mit der Ursprungsstelle der Tentakeln correspondie- 
ren; oft sind diese Furchen sehr wenig sichtbar. Die Tentakeln sind 
nicht zurückziehbar und erreichen eine Länge von 12 mm, sie sind 
schlank und ihre Dicke überschreitet niemals 1 mm. Auf jeder ihrer 
Seiten tragen sie eine unregelmäßige Reihe von 30 — 40 cylindrischen, 
langen und engen Pinnulae. 

Bei 3 anderen Exemplaren haben die Polypen dieselbe Gestalt 
behalten, sind aber viel kürzer, ihre Länge übersteigt niemals 15 mm. 

Der ganze Polypenkörper, sowie die Basis, die Tentakeln und die 
Pinnulae sind bei allen mit kurzen Spiculis in Form von Stöckchen, 
und nur mit ganz kleinen Stacheln versehen, gefüllt. Sie sind einan- 
der sehr ähnlich, 0,057 mm lang und 0,015 mm breit. Farbe der Co- 
lonie im Alcohol gelblich-grau. 

Eine andere Varietät trägt Polypen , die mit den vorherbeschrie- 
benen vollständig identisch sind und nur etwas entfernter von einan- 
der stehen. Sie erheben sich jedoch auf kriechenden, netzförmig ver- 
bundenen Stolonen und nicht erst auf einer Membran. Diese Stolonen 
sind auf Überresten von Ascidien befestigt. 

Wir ersehen hieraus , daß die Gestalt der Basis nicht zur Unter- 
scheidung herangezogen werden kann , indem dieselben Polypen bald 
auf einer Membran bald auf cylindrischen Stolonen stehen. 
2) Clavularia inßata n. sp. 

Auf einer engen und dünnen Basalmembran erheben sich in klei- 
nen Zwischenräumen von einander die Polypen. Ihr Körper ist bald 
gerade, bald ein wenig eingebogen, cylindrisch oder in seiner oberen 
Region aufgeblasen. Sie messen 6 — 15 mm in der Länge bei einer 
Dicke, die zwischen 4 — 5 mm schwankt. Ihre Kelche sind spindel- 
förmig, in der Mitte etwas aufgeblasen und messen in der Länge 3 bis 
4 mm bei einem Durchmesser von 2,5 — 3,5 mm; 8 starke und abge- 
rundete Rippen, von einander durch tiefe Furchen getrennt, laufen 
längs der Kelche hin und enden in S Wärzchen , welche um die Öff- 
nung der Polypen herum stehen. Der Kelch und die Tentakeln sind 
nicht immer im Inneren des Polypenkörpers zurückgezogen. Die Ten- 
takeln sind kurz, ziemlich dick und von 17 — 20 langen cylindrischen 
Pinnulae begrenzt. In den Pinnulae und den Tentakeln haben die 
Kalkspicula 3 Hauptformen, bald sind sie kleine, kurze und enge 



327 

Stöckchen 0,075 — 0,085 mm lang und 0,01—0,012 mm breit; bald 
kreisrunde oder ovale Scheiben. Die kreisrunden Kalkkörperchen 
haben im größten Durchmesser 0,008 mm, die ovalen haben im größten 
Durchmesser 0.03 — 0,04 mm, im kleinsten nur 0,01 — 0,012 mm. Die 
Spicula in Stöckchenform befinden sich in der Achse der Tentakeln 
und der Pinnulae und sind von den kreisrunden und ovalen Scheiben 
umgeben. In dem Kelche sind die Spiculae lange, enge, ganz glatte 
spindelförmige Nadeln, die in der Länge 0,95 — l mm, in der Breite 
0,05 mm messen. 

Die Spicula der Wand des Polypenkörpers sind sehr groß und 
stark, stehen eng bei einander und sind 1,4 — 1,8 mm lang und 0,115 — 
0,13 mm breit, in der Basalmembran sind sie etwas kleiner und messen 
nur 0,76 — 0,855 mm in der Länge, bei 0,076 — 0,095 mm in der Breite. 
Diese Spicula sind spindelförmig, bald gerade, bald ein wenig ge- 
bogen, an ihren Enden oft gabelförmig. Ihre Oberfläche ist mit ganz 
kleinen Wärzchen bedeckt. Farbe der Polypen und der Basis gelblich- 
grau, Farbe der Tentakeln und der Pinnulae weiß. 

3) Clavularia aspera n. sp. 
Große und dicke Polypen, 10 — 17 mm lang und 7 — 8 mm breit, 
gerade und rigid , erheben sich auf einer engen membranösen Basis. 
Die Kelchpartie wie Tentakeln sind vollständig in das Innere des 
Polypenkörpers zurückgezogen. Die obere Region dieses letzteren 
trägt 8 starke, abgerundete Rippen, die durch breite und tiefe Furchen 
von einander getrennt sind. Die untere Körperfläche der Polypen 
und die Membran sind mit sehr großen, zahlreichen, eng bei einander 
stehenden, geraden oder gebogenen stöckchenförmigen Spiculis ge- 
füllt, die an ihren Enden dünner werden und dort vollständig mit 
kleinen, spitzen Unebenheiten, in ihrer mittleren Region jedoch mit 
abgerundeten Wärzchen bedeckt sind. Sie sind 0,38 — 2 mm breit. 
Die obere Region des Polypen ist mit Spiculis besetzt, welche dieselbe 
Gestalt beibehalten, aber niemals mehr als 0,323 — 0,703 mm in der 
Länge und 0,057 — 0,095 mm in der Breite messen. Farbe braun. 

IL Alcyoiiium Lin. 

l ) Alcyonium polydacUjlum. Klunzinger, Korallenthiere des rothen 
Meeres, p. 26. Taf. I Fig. 6 a—/. 

Lobularia polydactyla. Ehrenberg, Korallenthiere des rothen 
Meeres, p. 5S. 

Es liegen zwei Exemplare verschiedener Größe vor, von 45 und 
75 mm Durchmesser resp. von 30 und 90 mm Höhe. Sie stimmen 
vollkommen mit den von PLhrenberg und Klunzinger beschriebe- 
nen Exemplaren überein. Ein drittes von 120 mm Höhe und 100 mm 

19* 



328 

üurchmesser zeigt hingegen beträchtliche Abweichungen , indem die 
Läppchen, welche auf den stark verästelten Zweigen sitzen, sehr viel 
länger als breit sind und sich an einander drängen. Die Farbe der 
typischen Exemplare ist hellgrau, die der Varietät gleichmäßig braun. 

2) Alcyoniam leptoclados. Klunzinger, Korallenthiere des rothen 
Meeres, p. 26, Taf. I Fig. 7a— r/. 

Lobularia leptoclados. Ehrenberg, Korallenthiere des rothen 
Meeres, p. 58. 

Auch von dieser Art liegt außer einem dem Typus entsprechen- 
den Exemplare eine Varietät vor, bei der die Läppchen ebenfalls 
länger als breit sind. Läppchen wie Äste stehen weiter aus einander 
als bei dem typischen Exemplare. 

III. S or cop hy tum Lesson. 
lì Sarcophytum Boettgeri n. sp. 

Das Zooanthodem des vorliegenden Exemplares dieser neuen Art 
ist ziemlich klein, 25 mm hoch und 42 mm breit. Davon kommen auf 
den Stamm 15 mm in der Höhe und 30 mm Dicke, während die ziem- 
lich rigide Scheibe 5 mm dick ist. Drei seichte Falten streben vom 
Rande dem Centrum zu, ohne es zu erreichen. Die Anthozooide sind 
sehr zahlreich — auf 1 cm stehen etwa 10 — 12. — Die Öffnung der An- 
thozooide besitzt einen Durchmesser bis 0,75 mm. Die Siphonozooide 
sind ebenfalls sehr zahlreich und sehr klein. Alle Polypen sind retractil. 

Die Rindenspicula haben die Form von Stäbchen, Spindeln oder 
Keulen, alle 3 Formen stets besetzt mit kurzen spitzen Stacheln. Die 
Spicula messen 0,19, 0,38, 0,57 mm auf eine Breite von 0,038, 0,07, 
0,076 mm. 

Die Spicula des Stammes sind an Größe sehr verschieden, es sind 
mit Stacheln bedeckte Spindeln von einer Größe von 0,855 — 0,532 mm 
bei einer entsprechenden Dicke von 0,136 — 0,095 mm. Dazwischen 
giebt es einzelne schlankere und noch längere, welche bei einer Länge 
von 0,95 mm eine Breite von 0,09 mm haben. 

Die Spicula des Coenenchyms der Scheibe haben die Form kleiner 
beiderseitig zugespitzter Stäbchen, die entweder geradlinig oder ein 
wenig gebogen sind und einige wenige conische Stacheln tragen. Sie 
sind 0,342 mm lang und 0,038 mm breit. 

Farbe des Exemplares im Alcohol hellgrau bis dunkelgrau. 

Genannt zu Ehren von Herrn Prof. Dr. Boettger in Frankfurt 
am Main. 

2) Sarcophytum fungiforme \\. sp. 

Die Colonie des vorliegenden Exemplares mißt 3,5 cm in der 
Breite, 7 cm in der Höhe. Der Stamm ist mit Längsfalten versehen 
und hat eine Höhe von 3,5 cm bei einem Durchmesser von 3,5 cm. 



329 

Die Scheibe ist stark durch 3 tiefe Rinnen eingefaltet, 3,5 cm 
hoch, 4,5 cm breit. 

Die gänzlich zurückgezogenen Anthozooide sind gleichmäßig auf 
(1er Oberfläche der Scheibe verbreitet, in der Zahl 6 bis 7 auf 1 cm 
Länge; jede Polypenöffnung mißt im Durchmesser 0,5 — 1 mm. Die 
sehr zahlreichen deutlichen Siphonozooide sind in Kreisen um die 
Öffnungen der Anthozooide angebracht. 

Die Rindenspicula sind kurz und gerade, hier und da mit kleinen 
Spitzen besetzt, mitunter von Keulenform; sie messen 0,095, 0,152, 
0.266, 0,2S5 mm in der Länge bei einer Breite von 0,03, 0,038, 0,057, 
0,076 mm. 

Die Spicula des Stammes haben drei Hauptformen ; bald sind sie 
kurz und dick . mit einzelnen dicken Stacheln besetzt mit verdickten 
oder zugespitzten Enden , 0,342, 0,38 mm lang, 0,133 — 0,2 mm breit; 
andere wieder sind an einem Ende gegabelt, andere endlich sind 
länger, spindelförmig, gerade oder gebogen und mit einigen kleinen, 
sehr spitzen Stacheln besetzt; sie messen 0,513, 0,608 mm bei einer 
respectiven Breite von 0,057, 0,095 mm. Dann giebt es auch noch 
dicke Spindeln mit groben Stacheln, 0,57 mm lang und 0,19 mm breit. 

Die Spicula des Coenenchyms der Scheibe sind lang und gerad- 
linig, oft an einem Ende etwas verdickt und mit kleinen conischen 
zerstreuten Warzen besetzt. Ihre mittlere Länge beträgt 0,38 — 0,461 mm 
bei einer Dicke von 0,05 mm. Doch giebt es auch ganz kleine Spicula 
von 0,13 mm Länge, 0,02 mm Breite. 

Die Farbe der Colonie ist im Alcohol hellgrau. 
3) Sarcophyfum lieichenbachi n. sp. 

Der Stamm verbreitert sich an seinem oberen Ende und trägt eine 
sehr kleine concav eingebuchtete Scheibe. Die ganze Colonie ist 
4,5 cm lang, 4,5 cm breit. 

Der Stamm ist lang und geradlinig, 4 cm hoch und 4,5 cm breit. 
Nur wenig ist der Scheibenrand eingefaltet. Die nicht sämmtlich ein- 
gezogenen Anthozooide sind sehr kurz, 3 mm hoch, 1 mm dick, und in 
regelmäßigen Reihen auf der Oberfläche und am Rande der Scheibe 
angeordnet. Auf einen Centimeter kommen 8 — 10 Anthozooide, der 
Durchmesser ihrer Öffnung ist nur 0,5 mm. Die Siphonozooide sind 
nicht Zvahlreich. 

Die Spicula der Rinde sind kleine Keulen, bald mit kleinen 
Stacheln, bald mit längeren Erhabenheiten besetzt, ihre Länge ist 
0,133, 0,152, 0,209, 0,266, 0,323 mm bei einer Breite von 0,038— 
0,057 mm. 

Die Spicula des Stammes sind gestreckte Spindeln, einige Reihen 
spitzer Stacheln tragend, 0,38 mm lang und 0,057 mm breit. 



330 

Die Coenenchyraspicula der Scheibe sind denen des Stammes 
ähnlich, aber größer, bis 0,475 mm bei 0,057 mm Dicke. 

Die Farbe des Stammes ist in Alcohol graubraun, die der Scheibe 
dunkelgrau, und der Polypen ein helles Graugelb. 

Genannt zu Ehren von Herrn Prof. Dr. Reichenbach in Frank- 
furt a/M. 

4) Sarcophytum trocheliophorum Marenz. var. moluhkanum Schenk. 

Das einzige Exemplar der Sammlung hat eine Höhe von 30 mm 
und eine Dicke von 75 mm. 

Der Stamm ist kurz und nur 20 mm hoch, seine Durchmesser be- 
tragen 45 und 20 mm. 

Die Scheibe ist fast eben, hat aber fingerförmige Verlängerungen, 
auf deren unterer Fläche sich die Ränder der Scheibe einbiegen. Die 
Durchmesser der Scheibe sind 75 mm und 45 mm. Von diesen Ver- 
längerungen giebt es 7, sie sind 10 — 15 mm lang und schwanken in 
der Breite zwischen 15 — 20 mm. 

Die zahlreichen nicht sämmtlich eingezogenen Anthozooide sind 
8 mm hoch und 1 mm breit. Auf 1 cm Länge kommen 8 — 10 Antho- 
zooide. Die Siphonozooide zahlreich, aber nicht sehr deutlich. 

Die Rindenspicula sind kleine mit kleinen Warzen bedeckte 
Stöckchen oder Keulen. Ihre Länge ist 0,095, 0,152 mm; ihre Breite 
0,03 — 0,038 mm. 

Die Spicula des Stammes sind lange, dicke und große, mit dicken 
Stacheln besetzte Körper; sie sind gerade oder gebogen und messen 
0,304, 0,437, 0,518 mm in der Länge und 0,133, 0,162, 0,19 mm in 
der Breite. 

Die Coenenchymspicula messen 0,38, 0,475 mm in der Länge und 
0,038 mm in der Breite. 

Die Farbe der Colonie ist im Alcohol dunkelbraun. 

Diese Art ist der S. trocheliophorum Marenz. sehr ähnlich, sowohl 
in der Zahl der Anthozooide, wie in Gestalt der Spicula, nur sind 
letztere bedeutend größer. 

5) Sarcophytum dispersimi n. sp. 

Die Colonie ist 25 mm hoch und 70 mm breit. 

Der Stamm ist sehr kurz, nur 15 mm hoch und 30 mm dick. Er 
hat querlaufende Falten xind ein borkenartiges Aussehen. 

Die Scheibe mißt 60 mm in der Länge und 50 mm in der Breite, 
sie bedeckt nicht vollständig den Stamm und scheint außerhalb des- 
selben zuriickgebogen zu sein. 

Die nicht sämmtlich eingezogenen Anthozooide sind nicht regel- 
mäßig auf der ganzen Oberfläche angeordnet. Die Ränder der Scheibe 



331 

sind etwas eingebogen. Im Allgemeinen sind die Anthozooide wenig 
zahlreich vorhanden, auf 1 cm Länge kommen 4 — 5. Ihr Körper ist 
3 mm lang und 0,5 mm breit, ihre Tentakehi 0,75 mm lang und 
0,25 mm breit. 

Die Siphonozooide sind zahlreich, aber sehr klein. 

Die Rindenspicula haben Keulenform und 0, 1 mm in der Länge 
bei 0,017 mm Breite. Manchmal, aber selten, können sie eine Dicke 
von 0,038 mm erreichen. Ihre Warzen sind sehr klein. 

Die Spicula des Stammes sind kurz und dick, verstümmelt, gerade 
oder gebogen und mit dicken Warzen besetzt. Ihre mittlere Länge 
beträgt 0,323, 0,418 mm bei einer Breite von 0,133, 0,209 mm. 

Die Spicula der Scheibe sind bald dünne Spindeln , die kleine 
vereinzelte Stacheln tragen und 0,4 mm in der Länge bei 0,038 mm 
Breite messen, bald sind sie 0,4 mm lange und 0,08 mm breite Keulen. 

Im Alcohol schwankt die Farbe der Colonie zwischen grau und 
hellbraun. 

6) Sarcophytum plicatum n. sp. 

Dieses Exemplar ist das größte und seine Scheibe ist am meisten 
gefaltet. Die Colonie hat 12 cm in der Höhe und 8 cm in der Breite. 

Der Stamm ist 5 cm breit und 8,5 cm hoch, er ist weich und an 
seinem oberen Theil von den Falten der Scheibe bedeckt. 

Die Scheibe besteht aus 7 Hauptfalten, von denen jede 2,5 cm 
breit und 4 — 4,5 cm hoch ist. 

Die Anthozooide sind außerordentlich zahlreich, 10 — 13 auf 1 cm 
Länge. Sie sind nicht alle eingezogen, 3 — 4 mm lang und 1 mm breit. 
Ihre Tentakeln sind niemals länger als 0.25 mm. Die Siphonozooide 
sind klein, sehr zahlreich und ziemlich deutlich. 

Die Rindenspicula sind groß, keulen- oder stöckchenförmig, 
0,095, 0,19, 0,209, 0,342, 0,456 mm lang und 0,038— 0,076mm breit. 

Die Spicula des Stammes sind große, gerade oder gebogene, mit 
dicken, verzweigten Warzen bedeckte Spindeln. Ihre Länge ist 0,47, 
0,76, 0,855, 0,988 mm zu einer Breite von 0,114, 0,133, 0,152, 
0,247 mm. Andere sind kleiner und messen nur 0,171 mm in der 
Länge und 0,038 mm in der Breite. 

Die nadeiförmigen Spicula der Scheibe haben eine Länge von 
0,703 mm und eine Breite von 0,038 mm. 

Die Farbe ist dunkelbraun. Das Exemplar sitzt auf einem Ko- 
rallenzweiff. 



Die sämmtlichen beschriebenen elf Arten stammen aus der Lito- 
ralzone von Ternate. 

Jena, den 30. Mai 1895. 



332 
2. Über das Vorkommen des Triton palmatus Schneid, in Westfalen. 

Von Dr. Fr. Westhoff, Münster i/W. 

eingeg. 1. Juni 1895. 

Bereits im Jahre 1890 konnte ich in meinen »Beiträge zur Rep- 
tilien- und Amphibienfauna Westfalens« ^, nachdem Triton palmatus 
Schneid, im oberen Sauerlande (Kreis Siegen bei Hilchenbach) in 
zahlreichen Exemplaren aufgefunden war, die Vermuthung aus- 
sprechen , daß dieser Molch in den Sauerländischen Gebirgen eine 
weitere Verbreitung besitzen würde , als bis jetzt bekannt sei. Diese 
Ansicht wurde von mir 1893 in meiner Bearbeitung des »Westfälischen 
Faunengebietes(f in den »Reptilien und Amphibien der Nordwest- 
deutschen Berglande (c von W. Wolter s torff^ wiederholt und von 
Letzterem auch auf die Gebirgszüge des Teutoburger Waldes ausge- 
dehnt 3. 

Nunmehr bin ich in der Lage die Thatsache constatieren zu können, 
daß unsere gemeinsame Vermuthung zur Gewißheit geworden. Bereits 
im Frühjahre vorigen Jahres bekam ich die Mittheilung , daß Triton 
palmatus Schneid, in der Nähe von Osnabrück im Teutoburger Wald 
entdeckt worden sei, und daran schloß sich in diesem Frühjahre eine 
Sendung von Arnsberg, welche das Vorkommen desselben Molches im 
unteren Sauerlande außer allen Zweifel stellte. 

Die erstere Nachricht, w eiche ich dem Herrn Landgerichts-Secre- 
tär Zeiske zu Osnabrück verdanke, spricht sich über den Fund etwa 
also aus: Am 14. Mai 1894 gelang es meinen mehrjährigen Nachfor- 
schungen den Leistenmolch am Fuße des Musenberges in der Bauer- 
schaft Draper, etwa 2 Stunden südöstlich von Osnabrück in einem 
Tümpel sehr kalten Quelhvassers zu entdecken. Der Tümpel war 
eines der 5 zusammenliegenden, offenbar zum Flachsrötten angelegten 
Löcher, welche von demselben Bergbache gespeist Averden, der vorher 
schattige Bergwälder durchrieselt. Der Tümpel, in dem der Leisten- 
molch sich aufhielt, war der unterste, von etwa 2 m Flächengehalt, 
seicht und ohne bewachsenen Untergrund, so daß nur einige Algen- 
inseln und in den Wasserspiegel hineinragendes Ufergras den Insassen 
guten Unterschlupf gaben. Daneben bot aber der lehmgelbe Boden, 
besonders wenn er von der Sonne beschienen wurde, den Molchen ein 
vorzügliches Deckungsmittel. So geschah es, daß der Leistenmolch 
mir anfangs nicht auffiel , erst als ich , mit dem Fange der anderen 



1 Jahrestf'ericht der zoologischen Section des westf. Provinzial-Ver. f. Wissen- 
schaft u. Kunst, p. 1887—90. Münster 1890. p. 84. 

2 Magdeburg 1893. p. 234. 

3 Ebd. p. 238. 



333 

dunkelgefärbten Molcharten beschäftigt , vermittels meines Erlen- 
stockes, dessen Spitze ich weiß geschält hatte, in seine Nähe kam, 
wurde er lebendig und wohl in der Meinung, die weiße Stockspitze 
sei irgend ein Beutethier , folgte er dieser, bis er in meinen Bereich 
kam und von mir gefangen wurde. 

Der Entdecker des Leistenmolches im unteren Sauerlande, also 
im Ruhrgebiete, ist Herr Postsecretär Mack iii Arnsberg. Seiner 
brieflichen Mittheilung, mit welcher er eine Sendung lebender Leisten- 
molche unterm 22. April dieses Jahres an das westfälische Provinzial- 
Museum für Naturkunde begleitete, entnehme ich bezüglich seines 
Vorkommens in dortiger Gegend Folgendes: Dem geäußerten Er- 
suchen um Übersendung eines Paares des Leistenmolches habe ich 
bisher leider nicht entsprechen können, da der Hauptfundort, ein 
Teich im Seufzerthale bei Arnsberg einige Jahre hindurch ausgetrock- 
net war. Ich habe zwar wiederholt einzelne Exemplare im Eichholz- 
teiche gesehen, dieselben aber leider nicht erwischen können. In- 
zwischen ist der Teich im Seufzerthale neugedämmt worden , und 
meinem ersten Beutezuge sind unter anderen Molchen auch die über- 
sandten Triton pahnatus zum Opfer gefallen. Ob dieser Molch auch 
im übrigen Sauerlande vorkommt, habe ich bisher nicht feststellen 
können, glaube jedoch nicht daran zweifeln zu dürfen. Bei Arnsberg 
habe ich denselben bereits im Anfang der achtziger Jahre gefunden 
und zwar in einigen nunmehr ausgetrockneten Wiesengräben. 

Ich glaube , daß man diese Ansicht über das Vorkommen des 
Leistenmolches getrost als richtig hinnehmen kann , wenngleich an- 
dere Kenner und eifrige Sammler an anderen Puncten des Sauer- 
landes bisher mit weniger Glück operiert haben. Nachdem der Triton 
■pahnatus Schneid, bei Hilchenbach, Elberfeld^, Arnsberg und Osna- 
brück aufgefunden, dürfen wir ihm getrost das Bürgerrecht im ganzen 
Bergrevier Westfalens zuerkennen, der überall im Gebiete dort zu 
ünden sein wird, wo man ein ihm zusagendes Unterkommen (seichte 
Tümpel mit unbewachsenem Boden und kaltem, klarem Wasser an- 
trifft. Er wird wahrscheinlich mit den letzten Ausläufern desselben 
gegen die norddeutsche Ebene auch die Grenze seines Verbreitungs- 
bezirkes erreichen, da er, wie anderweitig bereits hervorgehoben^, für 
ein ausgesprochener Bergbewohner gelten muß, obgleich er einmal 
auch im nördlichen Tieflande bei Oberneuland (unweit Bremen) ge- 
fangen wurde 6. Letzteres Vorkommen ist wohl sicher auf eine Ent- 



* Behrens, »Die Amphibien und Reptilien der Umgegend von Elberfeld.« 
Jahresb. d. naturw. Ver. in Elberfeld. Hft. 6. 1884. 

■^ Wolterstorff, 1. c. p. 240. 

ß F. Brüggemann, »Über einige Amphibien und Reptilien der Fauna von 
Bremen.« Abhandl. herausg. v. naturw. Ver. zu Bremen. Bd. 4. Hft. 2. 1874. 



334 

führung durch die Wasser der Weser zurückzuführen. Aus diesem 
Grunde wohl ist der Leistenmolch auch heute noch von keinem 
Puncte aus der Tiefebene des Münsterischen Beckens bekannt, selbst 
in den oft weit ausgedehnten Hügelgeländen desselben, in denen sein 
Artgenosse, Triton alpestris Litiur. , der mit ihm doch sonst dieselbe 
Geschmacksrichtung theilt, gar nicht selten heimatet', ist er bisher 
niemals bemerkt worden, obwohl von mir und Anderen fortgesetzt 
auf ihn gefahndet worden ist. Ein Bewohner des Münsterlandes ist 
demnach Tritoti palmatus Schneid, nicht. 

Übrigens geht aus dem letzten Satze der Mack' sehen Angaben 
hervor, daß ihm die Priorität der Entdeckung des Leistenmolches in 
Westfalen zufällt und nicht , wie bisher nur bekannt und auch der 
Öffentlichkeit übergeben^, dem Herrn Rieh. Becker in Hilchenbach, 
der das Thier auf meine Anregung hin zuerst im Frühjahre 1890 bei 
Hilchenbach suchte und auffand. 

3. Die Veränderung der Form und Lage der Schale von Leptodora 
hyalina Lillj. während der Entwicklung. 

Von Max Samter in Berlin. 
(Aus dem zoologischen Institut der Universität Berlin.) 

eingeg. 6. Juni 1895. 

In der zweiten Hälfte des April und im Anfang Mai fieng ich im 
Wannsee in der Umgegend Berlins Jugendformen von Leptodora 
hyalina, welche bereits Müller^ und S ars ^ beschrieben haben. Diese 
erste Generation àex Leptodora, von Weismann als Frühlingsbrut 
bezeichnet , entwickelt sich bekanntlich aus befruchteten Winter- 
eiern, während die folgenden Generationen, die Sommerbrut, aus un- 
befruchteten Eiern parthenogenetisch hervorgeht. Zwischen der Früh- 
lingsgeneration und der Sommerbrut besteht der interessante Unter- 
schied , daß die erste im geschlechtsreifen Zustande das pigmentierte 
Nauplius-Auge noch aufweist. 

Müller und S ars haben nun bei der aus befruchteten Winter- 
eiern hervorgehenden Frühlingsbrut in Bezug auf die Lage der Schale 
eine Beobachtung gemacht, welche Weismann^ auf Grund seiner 
Funde im Lago maggiore in Abrede stellt. 



■^ Westhoff, I.e. siehe Note 1. p. 83. Ders. in »Westfalens Thierleben. 3. Bd.« 
Paderborn 1892. p. 149 f. Wolterstorff , 1. c. p. 238, 240. 

s Westhoff, 1. c. p. 847. Ders. I.e. p. 158. Westhoff bei Wolterstorff, 
1. c. p. 234. 

1 P. E. Müller, Bidrag til Cladocerernes forplantnings-historie Kjöbenhavn, 
1868. 

2 G. O. Sars, Om en dimorph Udvikling samt Generationsvexel hos Leptodora. 

3 A. Weismann, Über Bau und Lebenserscheinungen von Leptodora hyalina. 
Leipzig 1874. 



335 

Da nun seit der Arbeit von Weismann dieser Punct fraglich ist 
und gerade bei Leptodora hinsichtlich seiner phylogenetischen Be- 
deutung geeignet erscheint, die Aufmerksamkeit auf sieh zu lenken, 
so mag es nicht ohne Interesse sein, die Verhältnisse kurz klarzulegen. 

Nach der in dänischer Sprache geschriebenen Arbeit von Müller 
entspringt die Schale unmittelbar hinter dem Sattel am Anfange des 
Thorax in der Maxillarregion und erstreckt sich, den Thorax über- 
deckend, bis gegen den Anfang des ersten Abdominalsegmentes. In 
seiner Zeichnung läßt Müller sie in einen abgerundeten Zapfen nach 
hinten auslaufen, auf dessen Bedeutung ich später zurückkomme. 
Auch Sars stimmt mit diesen Angaben überein. 

Wären die von Müller und Sars gemachten Beobachtungen 
auch für den geschlechtsreifen Zustand der Frühlingsbrut gültig , so 
wäre ein auffallender Dimorphismus zu constatieren, der in der Ur- 
sprungsstelle und in der Größe der Schale zwischen der Frühlings- 
generation und der Sommerform bestände, und den wir mit Weis- 
mann als Saisondimorphismus bezeichnen müßten. 

Die Angaben von Weismann, welcher dieselbe Form im Früh- 
jahr, wie bereits erwähnt, im Lago maggiore fischte, decken sich nun 
auffälligerweise nicht mit denen, die Müller und Sars gemacht 
haben. Im Gegensatz zu ihnen läßt Weis mann die Schale nicht am 
vorderen sondern am hinteren Ende des Thorax entspringen und 
glaubt hinsichtlich dieses Punctes für die Winterform dasselbe Ver- 
halten constatieren zu müssen, wie er es vorher in derselben Arbeit 
für die Sommerform beschrieben hat, nämlich den Ursprung am hin- 
teren Thoraxende. 

Das wirkliche Verhalten bei der Frühlingsbrut ist jedoch fol- 
gendes : 

Es findet bei derselben ein auffälliges Wandern der Schale von 
vorn nach hinten statt. In ganz jugendlichen Stadien befindet sich 
die Ursprungsstelle der Schale in der Maxillarregion am Vorderrande 
des Thorax, genau wie dieses Müller in seiner Arbeit abbildet. 

Je größer das Thier wird und je mehr es sich der Geschlechtsreife 
nähert, desto weiter nach rück- Fig- i- 

wärts ist die Ursprungsstelle der 
Schale anzutreff"en, bis sie im aus- 
gewachsenen , geschlechtsreifen 
Thiere am Anfange des Abdomens ^^^.^ 
gelegen ist. Erst dann triff't das zu, 
was Weismann bei der Früh- 
lingsgeneration beobachtet hat ; 
die junge Frühlingsbrut hingegen zeigt in ihrem ursprünglichen Ver- 




336 

halten die Eigenschaften, die Müller und Sars beschrieben haben. 
Das Wandern der Schale habe ich in Fig. 1 — 3 Aviederzugeben versucht. 

Fier. 2. 




Fig. 1 zeigt ein noch jugendliches Thier, dessen Ovarien noch 
von kugliger Gestalt sind. Die Schale hebt sich unmittelbar hinter 



Fig. 3. 




dem Sattel von dem Kiickenintegument ab und, etwa 1/3 der Seiten 
des jungen Thieres überdeckend, reicht sie kaum bis gegen den x\n- 



337 

fang des ersten Abdominalsegmentes. Sie umschließt das Herz und 
den größten Tlieil der Schalendrüsen. Es ist also in der That richtig, 
daß das Herz unter der Schale liegt, was We is mann für unmöglich 
hält. Die rundlichen Ovarien liegen am Ende des ersten und in dem 
kleinen zweiten Abdominalsegment und sind von dem Schalenende 
um das ganze erste Abdominalsegment und den letzten Thoracaltheil 
entfernt. So lange die Ovarien ihre kugelige Gestalt beibehalten, 
bleibt ihre Ursprungsstelle am Vorderende des Thorax. 

Mit der Streckung der Ovarien beginnt die Schalenduplicatur mit 
ihrem Ursprung nach hinten zurückzuweichen. Wir finden alsdann 
den Schalenursprung, wie dies Fig. 2 zeigt, auf der Mitte des Thorax, 
und das Herz , dessen Lage doch wohl als constante anzunehmen sein 
dürfte, wird nur noch zur Hälfte von der Schale bedeckt. Ebenso be- 
wahren die Schalendrüsen ihre Lage, so daß sie nicht mehr in der- 
selben Ausdehnung in die Schale hineinragen. 

Der rundliche Zapfen, den Müller in der Fig. 13 seiner Abhand- 
lung abbildet , und welcher ursprünglich eine seichte , aber enge 
Rinne darstellt , wächst mit dem Wandern der Schale bedeutend in 
die Breite und verflacht sich, so daß er in älteren Stadien nur noch 
Avenig gewölbt erscheint. 

Wenn dann die Jugendform der Geschlechtsreife sich nähert, 
wenn also die Ovarien zu den Ovarial- Schläuchen des völlig ausge- 
wachsenen Thieres sich entwickelt haben, ist die Schale mit ihrem 
Ursprung bis an den Anfang des ersten Abdominalsegmentes gelangt. 
Das Herz liegt alsdann frei und unbedeckt im Thorax, und die Scha- 
lendrüsen sind nur noch mit ihren letzten Enden in der Schalen- 
duplicatur zu finden (Fig. 3). Der bereits vordem stark abgeflachte 
Zapfen ist sehr gewachsen und bedeckt nunmehr in Gestalt einer 
ovalen Schuppe die ersten Abdominalsegmente. 

Der auffallende Widerspruch in den sich diametral gegenüber- 
stehenden Angaben Weis mann 's zu denen der beiden dänischen 
Forscher erklärt sich also dadurch, daß Weismann nur ältere Sta- 
dien, welche der Geschlechtsreife bereits sehr nahe standen, zu Ge- 
sicht bekommen hat. 

Diese für die Fhylogenie der Leptodora nicht bedeutungslose 
Thatsache des Wanderns des Schalenursprunges köunen wir auch bei 
der aus unbefruchteten Eiern hervorgehenden Sommerbrut beobach- 
ten. Ohne Weiteres war dies nicht anzunehmen, da die Sommergene- 
rationen scheinbar weniger zähe ursprüngliche Charaktere bewahrt 
haben. Die Untersuchungen jedoch ergaben, daß auch bei ihnen ganz 
junge Embryonen, welche sich noch im Brutraum des Mutterthieres 
befinden, oder solche Stadien, die gerade erst ausgeschlüpft sind, 



338 

genau ebenso wie die Frühlingsbrut ursprünglich die Schale am Vor- 
derrande des Thorax in der Maxillarrogion haben ; auch hier wandert 
erst mit dem Wachsthum des Thieres die Schale über den Thorax bis 
an den Anfang des Abdomens. Nachdem ich eine größere Zahl der 
verschiedenen Entwicklungsstadien der Frühlings- und der Sommer- 
brut untersucht habe , will es mir scheinen , daß bei der Sommerbrut 
die Schale bereits in einem früheren Zeitpunct ihre Ursprungsstelle 
zu verlegen beginnt, als dies bei der Frühlingsbrut der Fall ist. 

P. E. Müller nimmt an, daß die Sommergenerationen der Lep- 
todora sich direct ohne jede Metamorphose entwickeln. Ich glaube, 
daß das Verlegen des Schalenursprunges, welches auf eine bedeutende 
Umgestaltung des Thieres schließen läßt und welches, wie ich im Fol- 
genden ausführen werde, mit einer vollständigen Umbildung der ur- 
sprünglichen Schalengestalt verbunden ist , als Metamorphose in An- 
spruch genommen werden muß. So würde sich alsdann nicht nur für 
die Frühlingsgeneration dieselbe constatieren lassen, die Sars 1873 
beschrieb, sondern auch für die Sommergeneiation und auch bei Lej)- 
todora in der Ontogenese ein Theil ihrer Phylogenese enthalten sein, 
wie dieses Weismann bereits vermuthete. 

Die auf Anregung und Veranlassung meines hochverehrten Leh- 
rers, des Herrn Geheimrath Prof. Dr. Schulze, angestellte Unter- 
suchung, auf welche Weise die Ursprungsstelle der Schale verlegt 
wird, ergab zugleich die Thatsache, daß mit dem Wandern derselben 
zugleich eine völlige Umgestaltung der Schale verbunden ist, die als- 
dann ihrerseits wiederum die Art des Wanderns erklärt. Bei allen 
erwachsenen Thieren aller Generationen hat die Schale die Gestalt 
einer Schuppe mit nach innen umgebogenem Rande, welche aus einer 
Hautduplicatur des Rückens gebildet wird und in Folge dessen aus 
zwei Lamellen besteht. Diese Lamellen, aus einer dünnen Chitinlage 
und einer darunter befindlichen Matrix hoher Zellen zusammengesetzt, 
werden, wie dies bereits Weismann beschrieb, durch feine auf den 
Lamellen senkrecht stehende Chitinstäbchen gestützt und von ihrer 
ürsprungsstelle an in ihrem ganzen Verlaufe ungefähr in gleichem 
Abstände von einander gehalten. In schwach gebogener Linie ent- 
springen beide Lamellen von dem Rückenintegument und haben an 
ihrer Ursprungsstelle genau den gleichen Abstand von einander wie 
an ihrem äußersten Ende. Wie eine überall gleich starke Schuppe 
mit nach innen umgeklapptem Rande ragt sie frei über den Rücken, 
indem sie mit ihrer breiteren Mittel- und Endpartie etwas über die 
Seiten des Thieres hinausreicht. Von dem Umschließen des Körpers, 
wie es bei der Schale der typischen Daphniden der Fall ist, ist dieses 
Verhalten der Schale also weit entfernt. (Schluß folgt.) 



339 
4. Über zwei neue Lumbriciden-Arten aus Nordamerika. 

Vorläufige Mittheiking von Dr. H. Ude, Hannover. 

In Kürze sei hier über zwei neue Regenwurm-Arten berichtet, 
deren ausführlichere Beschreibung an anderer Stelle erfolgt. 

Allolobophora Gieseleri n. sp. aus Savannah, Ga. Borsten paarig, 
nicht ornamentiert. 1. Rückenporus in der Intersegmental furche 5/6. 
Clitellum umfaßt die 10 Segmente 20 — 29 sattelförmig, ohne Tuber- 
cula pubertatis. Rückengefäß einfach mit 5 Paar Lateralherzen. Der 
Darmcanal besitzt im 11. und 12. Segment eine Erweiterung der 
Wand, in deren Falten Kalkkrystalle liegen; im 17. und 18. Segment 
liegt ein Muskelmagen. Ohne Samentaschen, 

Diplocardia verrucosa n. sp. aus Nebraska. Borsten paarig, ven- 
tral und lateral, mit Geschlechtsborsten. Gürtel umfaßt sattelförmig 
die Segmente 14 bis 18. Ventral auf den Segmenten Va^^ ^^^ ^/;5 22 
ein drüsiges Feld mit zwei tiefen Längsfurchen und einer Anzahl Ge- 
schlechtspapillen. Die Längsfurchen erstrecken sich von der Mitte 
des 19. bis zur Mitte des 21. Segmentes. Prostatadrüsenöffnungen auf 
19 und 21, Samenleiteröffnungen auf Segment 20. Zwei Paar Samen- 
taschen in den Segmenten 8 und 9. Rückengefäß einfach, Darmcanal 
mit doppeltem Muskelmagen im 5. und 6. Segmente, ohne Erweite- 
rung im 14. und 15. Segmente. 

Hannover, den 10. August 1895. 

II. Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. Linnean Society of New South Wales. 

May 29th, 1895. — 1) Oological Notes, continued. By A. J. North, 
F.L.S. With the exception of an immature egg of the first named bird re- 
corded by the author, the eggs of the following species are now, it is believed, 
described for the first time: — Eudynamis cyanocephala , Lath., Megalwus 
galactotes, Temm., Platalea melanorhyncha, Reich., Ar detta pusilla, Vieill. — 
2) Note on the Correct Habitat of Patella [Scutellastra] Kermadeoensis, F'ûshvy. 
By T. F. Cheeseman, F.L.S. , Curator of the Auckland Museum. The 
author visited the Kermadecs in 1887, and is in a position to settle the 
doubts which have been expressed as to the correct habitat, as he himself 
collected on Sunday Island the specimens which served as Mr. Pilsbry's 
types. The limpets occur plentifully on every suitable part of the coast of 
the island. They were afterwards found to be as plentiful on Macaulay Island 
and other small islands of the group. — 3) On two new Genera and Spe- 
cies of Fishes from Australia. By J. Douglas Ogilby. Centropercis (Fam. 
Percojihidae) , and Tropidostethus (Fam. Atherinidae) are proposed for the re- 
ception of some small but interesting fishes obtained at Maroubra by Mr. T. 
Whithelegge. The Atherinids are essentially surf-fishes, which at times are 
swept up into the pools on the reef. — 4) Descriptions of New Species of 
Australian Coleoptera. Part 11. By Arthur M. Lea. This paper comprises 



340 

descriptions of over one hundred species, for the most part referable to the 
Families Malacodermidae , Mordellidae , Anthicidae , and Corylophidae. — 
5) Life-Histories of Australian Coleoptera. Part III. By W. W. Froggatt. 
The life-histories, and food plants of the following species are described in 
this paper: — Aphannsium australe, Boisd. | Sfrongylurus scutellatus, Hope; 
Atei-pus cuUratus, Fabr.; Eurhynchus laevior, Kirby; Axi'dcs dorsalis, Pasc; 
Äletadoiicus pes filcms, Ollis ; Maec/iidius tibialis blanch.; M. rugosus, Blanch.; 
Cadmus flavocinctu s , Saund. ; Melobasis iridescens, L. and G.; M. splendida, 
Don. ; Cisseis maculata, L. and G. ; C. semiscabrosa , L. and G.; and Epi- 
lachna 26-punctata ^ Dej. — Mr. Edgar R. Waite exhibited a number of 
living «Waltzing« Mice, quite recently received from Japan , where these 
curious animals appear to have originated. They were first made known in 
Europe by M. C. Schlumberger, in 1893. Last year he published a descrip- 
tion with figures copied from Japanese ivory carvings representing these 
mice (Mém. Soc. Zool. de France, 1894, p. 63). M. Schlumberger' s mice 
and also Mr. Waite' s are white variegated with black ; the exhibitor had bred 
some entirely white but with discernible faint fawn marks indicating what 
portions would normally be black. These mice are constantly rotating, and 
this trait constitutes the peculiarity which gives to them their trivial name. 
— Mr. Fletcher exhibited specimens of a Land Nemertine obtained by 
Mr. R. Helms at Prett)^ Point, Mt. Kosciusco Plateau, probably Geonemertes 
ausiraliensis , Dendy. Also specimens collected by himself near Gosford , of 
a richer darker red than even the reddest examples of Geoplana sanguinea, 
Moseley , for which when quiescent the animal otherwise might on casual 
examination fairly pass. The only other record for New South Wales, is of 
a similar red specimen obtained by Mr. R. Helms in the Richmond River 
District some years ago*. Professor Spencer had obtained some Tasmanian 
examples which were longitudinally striped with red ; but all the examples 
from New South Wales yet seen , with the exception of those from Mt. Ko- 
sciusco, are still more pigmented. The animal is rather a rare one in this 
colony. 

2. 67. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Lübeck 

vom 16. — 21. September 1895. 

Abtheilung Zoologie. Einführender: Dr. phil. H. Lenz, 
Lehrer an der Realschule. Schriftführer: Hauptlehrer Ad. Koch. 

Angemeldete Vorträge: 1) Prof. Dr. W. B las iu s -Braun- 
schweig: Thema vorbehalten. 2) Privatdocent Dr. C. Apstein-Kiel: 
Biologie des Süßwasserplankton. 3) Derselbe: Demonstration der 
Plankton-Apparate und der Zählmethode. 4) Dr. H. Lenz- Lübeck: 
Demonstrationen. 5) Prof. Dr. K. Brandt-Kiel: Über die Schließ- 
netzfänge der Plankton- Expedition. 6) Privatdocent Dr. H. Loh- 
mann: Über die Verbreitung der Appendicularien im atlantischen 
Ocean. 7) Dr. H. Brockmeier-M. -Gladbach : Einige Mittheilungen 
über Mollusken. 8) Prof. F. H e in cke- Helgoland: Thema vorbehalten. 



* P.L.S.N.S.W. 1891. Second Series. Vol. VI p. 167. 



DrucK von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CaruS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



IVin. Jahrg. 16. September 1895. No. 484. 

Inhalt: I. Wissenschaftl. Mittheilungen. 1. Samter, Die Veränderung der Form und Lage 
der Schale von Leptodora hyalina Lillj. während der Entwicklung. (Schluß.) 2. Mordwilko, Zur Ana- 
tomie der Pflanzenläuse, Aphiden. II. Mittliell. ans Museen, Instituten etc. 1. v. Nathnsius, 
Über Größenangabe bei Mikrographie. 2. Zacfaarias, Statistische Mittheilungen aus der Biologischen 
Station am Großen Plöner See. 2. Linnean Society of New South Males. III. Personal-Notizen. 
Vacat. Litteratur. Vacat. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. Die Veränderung der Form und Lage der Schale von Leptodora 
hyalina Lillj. während der Entwicklung. 

Von Max S am ter in Berlin. 

(Aus dem zoologischen Institut der Universität Berlin.) 

(Schluß.) 

Bei jungen Thieren zeigen dagegen schon Totalpraeparate ein 
gänzlich anderes Bild. Hier steht die Schale nicht wie eine Schuppe 
am Vorderrande des Thorax frei vom Körper , nur den Bücken über- 
deckend, ab, sondern scharfe an den Seiten des Körpers verlaufende 
Contouren zeigen, daß die Schale halbkreisförmig gebogen die Flanken 
des Thieres überdeckt. Fig. 1 zeigt den Contour bei einem noch jun- 
gen Thiere als eine rundlich erst nach unten, dann nach oben ausge- 
bauchte Linie , die in den frei über den Bücken hervorragenden 
Zapfen übergeht. 

Bei älteren Thieren fehlt bereits die nach unten vorgewölbte 
Partie in ihrem vorderen Theile , und bei fast erwachsenen Thieren 
ist diese ganz geschwunden, und von dem folgenden Theil nur noch 
eine schwache Ausbuchtung nach unten wahrzunehmen, während der 
Zapfen zur definitiven Schale geworden ist. 

Ursprünglich wird die Schale also angelegt, als wenn sie nach 
Art der Daphniden-Schale den Körper des Thieres lateral umschließen 
wollte und erst durch die Beduction dieser Anlage und durch das 
flache Auswachsen des Endtheiles nimmt sie eine schuppenförmige 
Gestalt an. 

20 



342 



Auch die Art, wie ursprünglich die Duplicatur von dem Körper- 
integument entspringt, ist völlig von der, wie sie das geschlechtsreife 
Thier zeigt, verschieden. Schnitte durch die verschiedenen Entwick- 
lungsstadien zeigen diesen einschneidenden Unterschied. Er ist in- 
sofern von Bedeutung, als er beweist, daß bei Leptodora die erste 
Anlage der Schale daphnidenartig d. h. zweiklappig ist, woraus sich 
dann weitere Consequenzen ergeben. 

Fig. 4 stellt einen Querschnitt aus der Nähe des Schalenursprungs 
eines noch jungen mit Sublimatalcohol fixierten und mit alcoholi- 
schem Alauncarmin gefärbten Thieres dar. Zu beiden Seiten des 
Körpers finden sich zwei seitliche noch sehr flache Ausbuchtungen 
des Körperintegumentes [seh). Der Schnitt zeigt die Schalendrüsen 
ischdr] an den Ausbuchtungsstellen getroffen. Ferner ist außer den 
Fettkörpern ifkr) und dem Darmcanal [d) das Herz (c) angeschnitten. 
Auf den folgenden Schnitten werden die Ausbuchtungen tiefer und 
greifen weiter um die Seiten des Körpers. Fig. 5 stellt einen Schnitt 



Fig. 4. 



Fig. .5. 



schdr. 



d^. 





schdr. 



seh. 



dar, welcher etwa durch die Mitte der Schale geführt ist. Das Seiten- 
integument des Thorax hat sich bereits zu einer tiefen Falte ausge- 
baucht, die von dem Körper um mehr als ihre eigene Breite beträgt 
absteht. Der letzte Theil des Herzens ist bereits in den vorhergehen- 
den Schnitten getroffen. Die Schalendrüsen zeigen sich deutlich als 
drei Canale und liegen auf der Grenze zwischen Falte und Körper. 
Wie auf den vorhergehenden und den folgenden Schnitten, ist auch 
hier zu bfiden Seiten der Fettkörper getroffen, welcher bis zum After 
durch das ganze Thier hindurchläuft. 

Indem auf den folgenden Schnitten die Stellen, von denen die 
Falten auf beiden Seiten abgehen, sich immer tiefer einbuchten und 
sich in Folge dessen nach innen einander nähern , gelangen wir im 
letzten Theile der Schale zur völligen Abschnürung derselben. Fig. (i 
zeigt die Abschnürung, Fig. 7, als einer der letzten Schnitte, die los- 
getrennte Schale mit ihrer Matrix und ihren Chitinstäbchen. 

Nach einer Reconstruction erhalten wir also bei jungen Thier en 



343 



eine zweiklappige, durch tiefe Faltenbildung des Körperintegumentes 
gebildete Schale, welche sich in ihrem letzten Theile von dem Körper 
als frei über denselben emporragende kleine, aus zwei Lamellen be- 
stehende, gebogene Schuppe darstellt. Im Körper, dem Rücken ge- 
nähert, liegt an der Ursprungsstelle der seitlichen Faltenbildungen 
das Herz, auf der Grenze zwischen der ursprünglichen Körperwand 
und den Falten , parallel dem unteren Faltenrande verlaufen die 
Schalendrüsen. 

Mit dem Wachsthum und einer damit verbundenen Häutung des 
Thieres erfährt die Schale, wie bereits hervorgehoben, eine Gestalt- 
veränderung , Avelche auf Wachsthumsverschiedenheiten der Schale 
beruht \ind ihr Wandern erklärt. Je größer das Thier wird, desto 
mehr verschwinden von vorn her die Seitenfalten und desto stärker 
nimmt die kleine Schalenschuppe nach hinten an Ausdehnung zu. 
Durch allmähliches mit der Häutung in Verbindung zu bringendes 
Verstreichen der seitlichen Schalenfalten ist demnach das Wachsthum 



Fig. 6. 



Fig. 7. 





seh. 



fkr. 



-d. 



des vorderen Thoracaltheiles und die Gestaltveränderiing der Schale 
zu erklären. Hierbei gewinnen gleichzeitig die unter der Schalen- 
schuppe gelegene Partie des Thorax und diese selbst durch directes 
Wachsthum beträchtlich an Ausdehnung. Auf diese Weise kommt 
alsdann im geschlechtsreifen Thiere die definitive ZyC^^or/ora-Schalc 
zu Stande. 

Die Thatsache, daß die Schale der Leptodora in ihrer ursprüng- 
lichen Anlage eine zweiklappige nach Art der typischen Daphniden 
gebaute ist, legt die Vermuthung nahe, daß die Gl au s 'sehe Annahme, 
nach welcher Leptodora als eine aberrant entwickelte Daphnidenform 
aufzufassen sei, gegenüber der von Weismann in der Wiesbadener 
Naturforscher -Versammlung aufgestellten Hypothese größere Wahr- 
scheinlichkeit besitzt. Nach dieser letzteren Hypothese würde bekannt- 
lich Leptodora eine Urdaphnide darstellen, während die gedrungenen, 
typischen Dapliniden erst durch allmähliche Reduction des Ab- 
domens und durch die hierdurch hervorgerufenen Umbildungen aus 

20* 



344 

der gestreckten Kürperform der Leptodora entstanden seien. Nach 
We is mann war die Urdaplmide also vollständig in Kopf, Thorax, 
Abdomen und Postabdomen scharf gegliedert. Wie es scheint, glaubt 
er daher, eine Entwicklungsreihe aufstellen zu können, in welcher 
Leptodora das Anfangsglied , und die typische Daphnidenform das 
Endglied bildet, und welche durch Bytiiotrephcs , Polyphemus und 
die Lynceiden hindurchgeht. Leptodora besitzt bekanntlich 4 deut- 
lich unter sich und vom Thorax gesonderte Abdominalsegmente. Ihr 
am nächsten steht Bythotrephes mit nur einem deutlich abgegrenzten 
Abdominalsegmente, dann folgt Polyphemus, bei dem Thorax und Ab- 
domen bereits verschmolzen sind, und an ihn schließen sich die Lyn- 
ceiden und Daphniden, bei denen die Gliederung noch stärker redu- 
ciert ist. Hand in Hand mit dieser Reduction geht nach Weismann 
die Umbildung der Schale. Die »napfförmige« Leptodora-^c\\?i\e ist 
nach ihm daher die ursprüngliche Schalenform. Aus ihr würde die 
Schale des Polyphemus entstehen, welche bereits die Seiten des Kör- 
pers bis über die Basis der Fußpaare umgreift, und schließlich Avürde 
sie sich zur zweiklappigen Daphniden-Schale umbilden. 

Die ursprünglich zweiklappige Anlage der Ze/j^foc/ora-Schale zeigt 
hingegen den umgekehrten Entwicklungsgang; die Entwicklung ist 
daher eine entgegengesetzte: die «napfförmige« Schale der Leptodora 
ist aus der zweiklappigen Schale der Daphniden hervorgegangen. 

Da nun ein Vergleich von Leptodora^ Polyphemus und den Daph- 
niden zeigt, daß mit der Streckung des Körpers eine Verflachung der 
Schale Hand in Hand geht, so dürfte wohl aus dieser zwischen Kör- 
pergestalt und Schalenform bestehenden Beziehung folgern, daß auch 
die Körperform der Leptodora in ihrem ursprünglichen Verhalten 
daphnidenartig gewesen ist. Auch das Wandern der Schale deutet 
auf eine Streckung hin, da andernfalls erst biologische Gründe zum 
Verständnis des Wanderns herangezogen werden müßten. 

Alsdann wäre auch die von Weismann aufgestellte Reihe ent- 
wicklu7igsgeschichtlich umzukehren; die gedrungene Daphnide würde 
Aen Ausgangspunct , Bythotrephes, Polyphemus und die Lynceiden 
würden Ubergangsformen , Leptodora dagegen die am weitesten ab- 
weichende Endform darstellen, wie dieses bereits auch Claus ver- 
muthet hat. 

Vielleicht wird das Studium der Entwicklungsgeschichte der 
Leptodora, mit welchem ich mich bereits längere Zeit beschäftige und 
welches ich in Kürze zum x\bschluß bringe, noch weitere Aufschlüsse 
ergeben. 



345 

2. Zur Anatomie der Pflanzenläuse, Aphiden. 

(Gattungen: Trama Heyden und Lachnus IlHger.) 

Von A. Mordwilko, Warschau. 

(Aus dem Zoologischen Laboratorium der Warschauer Universität.) 

eingeg. 7, Juni 1895. 

In vorliegender kurzer Abhandlung nehme ich mir vor, die Er- 
gebnisse meiner Studien aus einander zu legen, welche die Anatomie 
von Trama troglodytes Heyden (Fig. 1) und einiger Arten der Gattung 
Lachnus 111. [L. vÌ77imalis Boy er de Fonsc. , L. pineus m. und einiger 
anderen) zum Object hatten , vor Allem aber den Bau ihres üarm- 
canals , des Nervensystems und der Safthöcker (letztere bei der Gat- 
tung Lachnus) . Der Bau des Darmcanals bei den genannten Aphiden, 
■welche die Gruppe Lachninae in dem von mir begrenzten Sinne 
bilden , bietet im vollkommen entwickelten Zustande Eigenthümlich- 
keiten , welche bis jetzt, so weit man darüber nach den litterarischen 
Angaben urtheilen darf, bei keinem anderen Insect beobachtet wur- 
den ^ Diese Eigenthümlichkeiten liegen in den Beziehungen des 
Hinterdarmes zu dem vorderen auf einer gewissen Strecke verengten 
Abschnitte des Magens. 

I. Trama troglodytes Heyden. 

Die Gattung Trama Heyd. unterscheidet sich von allen anderen 
Aphidengattungen durch den Bau der Hinterbeine. Bei allen Aphi- 
den sind die Hinterfüße zweigliederig; während jedoch bei anderen 
Gattungen das erste Glied sehr scharf vom zweiten geschieden ist und 
dabei alle drei Beinpaare fast gleich lange Tarsen besitzen, sind bei 
Trama die Hinterfüße fast dreimal länger als die Vorder- und Mittel- 
füße und außerdem ist an ihnen das erste Glied sehr unscharf vom 
zweiten geschieden, sehr klein, und hat ganz das Aussehen eines 
durch eine schwache ringförmige Einschnürung abgetrennten Basal- 
theiles des ersten Gliedes (Fig. 1)2. — TV. troglodytes Heyd. besitzt 
keine Safthöcker, während letztere bei TV. radicis Kalt, sehr deut- 
lich sind 3. 

Die Mundöffnung wird oben durch die untere Wand des Vorder- 



1 Die Gattung Puracletus Heyd. macht eine Ausnahme, auch wurde sie von 
mir in die Gruppe Lachninae nur provisorisch eingeschlossen (s. Zoolog. Anz. 
No. 469. 1895). 

2 In meiner Abhandlung : »Zur Biologie und Systematik der Baumläuse« (Zool. 
Anz. No. 469 u. 470. 189.5) sind die Hinterfüße bei Traina unrichtig als eingliederig 
bezeichnet; auch ist das erste Glied nur schwer unterscheidbar, besonders bei 
lebenden Individuen. 

3 Kaltenbach, Monographie der Familien der Pflanzenläuse. Aachen 1843. 



346 

kopftheiles (Fig. 2), welcher weiter unmittelbar in die Oberlippe über- 
geht, von unten aber durch den Hypopharynx begrenzt, außerdem von 
den Seiten und auch vorn von unten durch besondere Fortsätze des 



Fig. 1. 





^'«s^x 



7(7- 



, - -tf. 




hb. 



Fig. 1. Trama troglodytes von oben, k Kopf; 
/ — III Thoracalsef!;mente ; 1 — 9 Hinterleibs- 
segmente; «M.s das 9. Analsegment; oc Augen; 
ant Fühler; co Coxa ;/e Femur; i« Tibia; ^«Tar- 
sus; * erstes Tarsenglied; ** zweites Tarsen- 
glied. 

Fig. 2. Vorderkopf von Lachnus Bofjdanoici , in Kalihydrat gekocht, von 
unten. ** verdickter Theil der unteren Vorderkopfwand oder sogar Vorderlippe, 
welche nach vorn die unmittelbare Fortsetzung der oberen Schlundwand bildet — 
Hypopharynx von Dreyfus; ä^:> Hypopharynx; zwischen ihnen befindet sich die 
Mundöffnung o; /5r Oberlippe; W Rinne in der Unterwand der Oberlippe, eine 
Fortsetzung von ** bildend; v.a Fortsätze des Vorderkopfes, welche nach Wit- 
laczil durch ein Verwachsen besonderer Auswüchse des Vorderkopfes mit den 
Maxillartastern entstanden sind; Ar Hinterrand dieser Fortsätze von der Unterseite ; 
* Rinnen an dem Innenrande der Fortsätze; kh Kieferborsten; c/Chitinfortsätze- 
Stäbchen , welche von der Unterwand des Vorderkopfes hinter dem Hinterrande 
der Fortsätze des Vorderkopfes entspringen und einander fast parallel unter dem 
Schlünde [ph) verlaufen, frei in der Nähe des Chitinstabes von Witlaczil endend 
(an die hintere Hälfte dieser Stäbchen heften sich theilweise Muskeln an, welche 
von dem hinteren concaven Rande der Speichelpumpe [sp.p] abgehen); t Chitinstab 
von W itlaczil; as Arcus superiores; «< Arcus inferiores ; es Costae superiores; 
ci Costae inferiores ; tr Trabeculae (diese 5 letzteren Namen werden von mir nach 
Dreyfus gebraucht); hr.v hinterer Rand des Vorderkopfes von oben. 

Vorderkopfes verdeckt, welche dem vorderen Vorderkopftheile und 
Hypopharynx von unten anliegen. Diese Fortsätze wurden von Wit- 
laczil* bemerkt. Diese sind namentlich nach Witlaczil durch ein 



* E. Witlaczil, Zur Anatomie der Aphiden (Arbeit, aus d. zoolog. Institut 
Wien. T. IV. 3. Hft. 1882). 



347 

Verwachsen besonderer Auswüchse des Vorderkopfes mit den Maxillar- 
tastern entstanden^. 

Witlaczil jedoch theilt nichts von der Bedeutung dieser Fort- 
sätze mit. Es erweist sich, daß ihre an einander stoßenden Innenrän- 
der ganz gerade sind und je eine bis an's Ende des Fortsatzes ver- 
laufende Rinne (Fig. 2*) enthalten. Indem sich die Fortsätze an ein- 
ander legen , müssen sie ein Kohr bilden in dessen Inneres die aus 
dem Kopfe austretenden Kieferborsten zu liegen kommen. Beim Auf- 
drücken eines Deckgläschens oder einfach einer Praepariernadel auf 
den Vorderkopf, weichen zuweilen die Fortsätze etwas avis einander 
(Fig. 2) und dann lassen sich die Maxillar- oder Mandibularborsten 
sehen, Avelche in den Rinnen gebettet sind. An die Seiten- und Vor- 
derränder (in Bezug auf den Kopf] der erwähnten Fortsätze des Vor- 
derkopfes heften sich die Muskeln, Protractores der Kieferborsten, an. 
Die untere Wand des Vorderkopfes, welche (Fig. 2**) vor der Mund- 
öffuung die unmittelbare Fortsetzung der oberen Schlundwand bildet, 
weist in ihrer Mitte (wenn von oben oder unten betrachtet) eine ziem- 
lich dicke Chitinplatte (Fig. 2**), in deren Mitte einige der Länge 
nach gelegene helle Fleckchen gewahrt werden. Diese Platte ist es, 
welche Dreyfus'' unrichtig für Phylloxera als Hypopharynx abbildet 
und beschreibt. Die erwähnte Platte liegt in einer Art Vertiefung im 
vorderen Theile des Vorderkopfes, welche weiter in die längs der 
Unterseite der Oberlippe (Fig. 2 Ibr') verlaufende Rinne {r.l) über- 
geht. — Indem die unteren Fortsätze des Vorderkopfes mit ihren Vor- 
dertheilen gewöhnlich dem vorderen Theile des Vorderkopfes eng an- 
liegen, pressen sie die Kieferborsten gegen die erwähnte Chitinplatte 
(Fig. 2 **) des Vorderkopfes. Die Kieferborsten kommen weiter in die 
Rinne der Oberlippe zu liegen, was zuweilen aufs deutlichste beobach- 
tet werden kann, wenn der Schnabel etwas von der Oberlippe nach 
rückwärts entfernt wird. Der Schnabel (Unterlippe) trägt unmittelbar 
nicht zur Begrenzung der Mundöffnung bei , indem er weit nach hin- 
ten fast au die Basis des Kopfes gerückt erscheint; bei einer lebenden 
Pflanzenlaus jedoch schmiegt er sich fest an die untere Fläche des 
Vorderkopfes, an deren Fortsatz und weiter an die Oberlippe , welche 
ihrer ganzen Länge nach die Rinne des Schnabels verdeckt. Außer- 
halb des Bereiches der Oberlippe verlaufen die Kieferborsten schon 
ausschließlich in der Schnabelrinne. 



5 E. Witlaczil, Entwicklungsgeschichte der Aphiden (Zeitschr.f. wiss. Zool. 
40. Bd. 2. Hft. 1884). 

ß L.Dreyfus, Zu J. Krassilstschik's Mittheilungen über die »verglei- 
chende Anatomie und Systematik der Phytophtires« mit besonderer Bezugnahme 
auf die Phylloxeriden (Zool. Anz. No. 449, 450, 451. 1894). 



348 



Fig. 3. 



ph. 



ed 
e d.' 
ed'.' 



Auf den in querer Richtung erweiterten und innen mit einer 
ziemlich dicken Chitinhülle versehenen Schlund (Fig. 2 ph) folgt die 
enge Speiseröhre, Avelche sich über die Chitinquerleiste (»Chitinstab« 
von Witlaczil) biegt und ihren Weg nach dem Thorax nimmt. Ihre 
Innenfläche ist mit einem sehr dünnen Chitinhäutchen bekleidet und 
ihre Epithelialwandung besteht aus kleinen Zellen mit in einander 
verschmolzenem Protoplasma. An der Übergangsstelle zum Magen 
stülpt (Fig. 3) sich der Oesophagus etwas in diesen ein, ähnlich wie 
es bei anderen schon früher untersuchten Aphiden beobachtet wurde. 
Während jedoch bei den anderen Aphiden der Magen eine mehr oder 

weniger ovale gegen die Mitte 
erweiterte , zuweilen fast ku- 
gelige oder auch in die Länge 
gezogene Form besitzt, weist 
er bei Tr. troglodytes und bei 
einigen oder vielleicht auch 
allen Lachnus ~ Arten ^ , nur 
im hinteren in den Dünndarm 
übergehenden Theil eine 
breitovale Form auf; der vor- 
dere Theil (Fig. 3 v') dagegen 
Fig. 3. Schematische Zeichnung stellt den erscheint auf einer gewissen 
vorderen verengten Theil des Magens (.') , in Strecke verengt und in fast 
welchen sich die Speiseröhre loes) einstülpt, -r» • i -, 

1 A \ f t.u •} A V i. A / j, • querer Kichtung bogenartig 

und den Aniangstheil des Hinterdarmes [ed) im ^ & & & 

Durchschnitt dar. — An dieser Stelle umgiebt gekrümmt ; nach hinten zu 
der Hinterdarm (ed) mit einem doppelten Ringe geht der Magen in den Dünn- 
den verengten Theil des Magens {v'). ed" innere darm über, welcher in seinem 
Wand des Hinterdarmes, welche unmittelbar Yerlaufe mehrere Bo 
den vorderen Theil des Magens («') umfaßt ; 
ed' Außenwand des Hinterdarmes; v. erweiter- 
ter Hintertheil des Magens; in Dünndarm; 
r ein Theil des Hinterdarmes , welcher gerade ßen Epithelialzellen des Ma- 
nach rückwärts verläuft. Der Pfeil zeigt die gens bilden an dessen Innen- 
Richtung, in welcher sich die flüssige Nahrun 



i 




gen in 

der Nähe des Magens bildet. 
Die ziemlich hohen und gro- 



im Darmcanal bewegt, an. 



fläche unregelmäßig geformte 
Vorsprünge — und dieses so- 
wohl an dem breiten wie an dem verengten Magenabschnitte (Fig. 4 t' ') ; 
die Epithelialschicht des Dünndarmes dagegen besteht aus Zellen, 
welche eine fast gleiche Höhe mit den Magenzellen besitzen, jedoch viel 
breiter und nach innen zu nur schwach erhaben sind. 

Am hinteren Ende des Thorax angelangt, geht der Dünndarm in 



"^ In dieser Hinsicht habe ich den Bau des Darmcanals bei L. vimmalis Boyer 
de Fonsc, L. 2nneus mihi, L. Bogdanoioi m. , L. jnneti Fab. , L. nudus De Geer, L. 
quercus L. untersucht. 



349 

den breiten dünnwandigen Hinterdarm über, dessen Epithelschicht 
aus sehr flachen mit einander verflossenen Zellen besteht (Fig. 4 ed\ r) . 
Während jedoch bei den anderen schon früher untersuchten Aphiden 
der breite Hinterdarm vom Thorax an sich unmittelbar nach rück- 
wärts richtet und hinten am Abdomen mit einer Analöffhung endet, 
tritt er bei den Gattungen Trama und Lachnus , ehe er die gerade 
Richtung nach rückwärts einschlägt, in ziemlich originelle Beziehun- 
gen zum vorderen schmalen Magenabschnitte (Fig. 3 u. 4). Am besten 
lassen sich diese Beziehungen auf folgende Weise klar legen. Stellen 
wir uns vor, daß der bogenartig gekrümmte hohle Schlauch dem- 
jenigen Theile des Darmcanals der genannten Aphiden entspricht, 
welcher einerseits in den Dünndarm, andererseits in den dünnwandi- 
gen Hinterdarm übergeht, ferner, daß die Wand der convexen Seite 
unseres hohlen Schlauches auf einer gewissen Strecke eine Rinne 
bildet, wodurch das Lumen des Schlauches auf Querschnitten nicht 
rund, sondern mehr oder weniger hufeisenförmig erscheint (Fig. h ed). 
In dieser doppelwandigen Rinne findet sich ein anderer Schlauch 
eingebettet — der verengte Theil des Magens (Fig. 5 v) mit dem 
Speiseröhrenende. Wenn wir uns nun vorstellen, daß die Ränder der 
Rinne (Fig. 5**) über dem zweiten Schlauche zusammentreffen und 
zusammenwachsen, so nämlich, daß, unter Verschwinden der adhärie- 
renden Wandtheile längs der Naht die Ränder der Innenwand mit 
einander und die Ränder der Außenwand wieder mit einander zu- 
sammenwachsen, so erhalten wir auf Querschnitten drei in einander 
geschlossene Ringe (Fig. 4, 6). Der im Inneren gelegene Ring [v') 
gehört demjenigen Schlauche an (dem verengten Magenabschnitt), 
der früher in der Rinne des anderen Schlauches gelegen hatte, 
die beiden äußeren Ringe [ed" u. ed') dagegen diesem letzteren an. 
Genau die soeben geschilderten Verhältnisse wurden von mir an dem 
vollkommen entwickelten Darmcanale bei Trama und Lachnus be- 
obachtet. Die Fortbewegung der flüssigen Nährsubstanzen längs des 
Darmcanales geht also bei den genannten Pflanzenläusen in folgender 
Weise vor sich (Fig. 3): Nachdem diese den verengten Abschnitt des 
Magens und weiter den Dünndarm passiert haben, treten sie in den 
Hohlraum (zwischen den beiden äußeren Schläuchen unseres Schemas, 
Fig. 3 u. 4 ed' u. ed"), welcher ringförmig den verengten Abschnitt 
des Magens umfaßt, ein; von da aus gehen sie in den breiten Hinter- 
darm (Fig. 3 r) über. Es muß hier noch beigefügt werden, daß der- 
jenige Wandtheil (Fig. 3 u. 4 ed") des Darmrohres, welcher unmittel- 
bar den verengten Magenabschnitt umfaßt, dem Character seiner 
Epithelialzellen nach, eine directe Fortsetzung der Epithelialschicht 
des Dünndarmes zu sein scheint (mit dem Unterschiede jedoch, daß 

20** 



350 

die Zellen dieses Wandtlieiles bei gleicher Breite etwas flacher, als 
diejenigen des Dünndarmes sind), wogegen die Epithelialzellen des 
äußeren Schlauches (Fig. 3 u. 4 ed') durchaus mit den Epithelial- 
zellen des breiten dünnwandigen Hinterdarmes übereinstimmen. 

Als ich zuerst bei Tr. troglodytes an Flächenpräparaten sowie 
an Transversal- und Sagittalschnitten den Bau des Darracanales unter- 
suchte, sprach ich noch im Jahre 1892 die Voraussetzung aus. daß 
die beschriebenen Verhältnisse aus den primären auf die von mir an- 
gegebene Weise entstanden seien ^. Diese Voraussetzung hat sich 



Fig. 4. 




Fig. 5. 



!TI.' 




«à°' 



ext. 

F ig. 4 (a, b, c). Theil eines LängsschnittsedchurF den Darmcanal von Trama 
aus der an Fig. 3 schematisch dargestellten Region. Bedeutung der Buchstaben 
■wie auf der vorhergehenden Abbildung, c Theil des verbreiterten Magentheiles 
(Epithelialzellen sind nicht abgebildet); ph Kerne der Peritonealhaut; ph' Perito- 
nealhaut, welche sich von der Magenwand gelöst hat. 

Fig. 5. Querschnitt durch einen Embryo von Trama, bei welchem der Hinter- 
darm {ed\, theil weise in Form einer Rinne, den Vordertheil des Magens (y) umfaßt. 
Die dem Magen anliegende Wand [ed") besteht aus cylindrischen Epithelialzellen, 
die entgegengesetzte [ed') dagegen aus stark abgeflachten Epithelialzellen ; ** Rän- 
der der Rinne, welche auf den folgenden Entwicklungsstufen sich einander nähern 
und über dem Magen zusammenwachsen, wobei ein Bild entstehen wird, welches der 
Abbildung b Fig. 4 ähnlich ist. 



darauf auf Grund der Entwicklungsgeschichte der geschilderten Be- 
ziehungen der Darmcanaltheile bei Embryonen von viviparen Trama 
und Lachnus bestätigt. 

Auf einer der späteren Stufen der Embryonalentwicklung nämlich 
bietet der Darmcanal von Trama und Lachnus ungefähr dieselben Ver- 
hältnisse seiner einzelnen Theile dar, wie sie E. Mecznikow^ bei 



8 Kt *ayHÌ H opraHH3aHÌH ceai. Aphididae (Vorläufige Mittheilung, in: IIpoTO- 
KOJiti BapniaB. OömecxBa ecTecxBoucnnTaT. No. 8. 1892). 

9 E. Mecznikow, Embryologische Studien an Insecten (Zeitschr. f. wiss. 
Zool. 16. Bd. 1866). 



351 

vollkommen entwickelten Embryonen der vìvìpaxen Siphoiiophora rosae 
(Zeitschr. 16. Bd. Fig. 40 Taf. XXXI) beobachtet hat. Wie bei dieser Art 
geht auch bei den oben genannten Aphiden die schmale mit kleinen 
zusammengeflossenen Epithelialzellen versehene Speiseröhre in den 
länglichen nur allmählich gegen die Mitte breiter werdenden und sich 
darauf wieder allmählich verengernden Magen über. Die Epithelial- 
zellen des Magens sind hoch cylinderförmig, höher im mittleren Theile 
als gegen das Vorder- und Hinterende. Hinten geht der Magen in 
den Dünndarm über, welcher ziemlich große breite Epithelialzellen 
aufweist und nach Bildung von Schlingen in den gerade nach rück- 
wärts verlaufenden Hinterdarm mündet. Die Epithelialzellen des 
letzteren, obschon sie flacher als diejenigen des Dünndarmes erschei- 
nen, sind dennoch deutlich unterscheidbar. Jedoch schon auf dieser 
Stufe des Embryonallebens bietet der Hinterdarm eine Eigenthümlich- 
keit, welche den Embryonen von S. rosae fehlt. Von der Stelle an 
nämlich, wo der Dünndarm in den Hinterdarm übergeht, lassen sich 
am letzteren auf einer gewissen Strecke seines Verlaufes an der einen 
Seite viel größere Zellen wahrnehmen , als an der anderen. Die Re- 
gion der größeren Zellen nimmt an Querschnitten fast die Hälfte der 
Darmwandung ein. Diesen Umstand ausgenommen, kann dieses Sta- 
dium des Embryonallebens als dasjenige angesehen werden, welches 
in der phylogenetischen Entwicklungsreihe den Formen mit einfachen 
Beziehungen der Darmrohrtheile zu einander entspricht. Bei Em- 
bryonen , welche sich auf einer späteren Entwicklungsstufe befinden, 
sind die Beziehungen der einzelnen Theile des üarmcanales zu einan- 
der schon zur Hälfte in der Richtung ihrer definitiven Entwicklung 
vorgeschritten (Fig. 5). Der obere verengte Magenabschnitt (Fig. bv) 
nämlich ist schon halb von dem Hinterdarme (Fig. 5 ed] umhüllt, wie 
es Querschnitte deutlich erkennen lassen. Dabei zeichnet sich der- 
jenige Wandtheil des Hinterdarmes, welcher direct dem Magen an- 
liegt, durch ziemlich große breite Zellen aus (Fig. 5 ed") , welche je- 
doch flacher sind als im Dünndarm; der entgegengesetzte Wandtheil 
(Fig. 5 ed') dagegen trägt schon die Merkmale des Hinterdarmes der 
erwachsenen Insecten. Auf schon späteren Stufen des Embryonal- 
lebens wird der vordere Theil des Magens vollkommen von dem Hin- 
terdarme umfaßt; die Ränder des letzteren verwachsen und dadurch 
entstehen die bei erwachsenen Tremici beschriebenen Beziehungen der 
Darmrohrtheile zu einander. — Zugleich vermehrt sich die Zahl der 
Dünndarmschlingen. 

Alle Eigenthümlichkeiten im Bau des Darmcanales, welche ver- 
schiedene Autoren für einige Insecten beschrieben haben, nämlich: 



352 

Dufour und Doyère^o f{ij- Cicada orni, C. plebeja und einige andere 
Cicadinen, WitlacziU* für Aphiden [Callipterns tiliae und Dryobius 
rohoris] und für Psylliden und Mark für Coccideni^^ haben nichts 
mit dem gemein, was wir bei vollkommen entwickelten Lac/inus- Arten 
und Tra7iia gesehen haben. Übrigens läßt sich bei Cicada, Apliro- 
phora , Cetitrotics und auch andern Arten der Cicadina , bei denen der 
Dünndarm sich in den Falten des erweiterten Magens schlängelt, und 
bei denen, wie ich es für Aphropliora an Querschnitten beobachten 
konnte , ein Theil des Magens sammt den in seinen Falten verborge- 
nen Dünndarmschlingen von einer äußeren Peritonealhaut umhüllt 
wird, ein Bild beobachten, welches leicht in ein anderes übergehen 
könnte, das dem von mir bei Trama und Lachtius beschriebenen ähn- 
lich ist. Man steile sich nur vor, daß die Magenfalten über dem Dünn- 
darm zusammentreffen und längs der Adhäsionsränder zusammen- 
wachsen, ungefähr so, wie es bei den von mir genannten Aphiden 
geschieht ; dann hätten wir einen Vorgang vor uns, der seinem Wesen 
nach demjenigen ähnlich ist, welcher bei Trama und Lachnus be- 
obachtet wird. 

Die Speicheldrüsen treten jederseits in der Zahl von zwei Paaren 
auf und liegen im Prothorax. Jedes Paar besteht aus einer größeren 
fast ovalen Drüse (diese Drüse entspricht der zweilappigen Drüse an- 
derer Aphiden, darunter auch der Lac/tnus- Arien.) und einer kleineren, 
nierenförmigen. Diese letztere ist den früheren Forschern (Metsch- 
nikoff, Witlaczil) bei anderen Aphiden entgangen, denn nach 
meinen Beobachtungen findet sie sich bei SipJionophora , Pemphigus, 
Forda und Paracletus vor. Erstere liegt mehr nach rückwärts , fast 
über den Commissuren, welche das Unterschlundganglion mit den ver- 
schmolzenen Brust- und Hinterleibsganglien (sog. « Bauchmark ^i von 
Mark und Witlaczil) verbinden; letztere liegt mehr nach vorn, fast 
an der Grenze zwischen Kopf und Vorderbrust. Von dem hinteren 
verengten Ende der nierenförmigen Drüse geht ein Ausführungsgang 
ab , welcher in den Ausführungsgang der größeren Drüse fast dicht 
an dessen Ursprungsstelle mündet. Der auf diese Weise entstandene 
gemeinschaftliche Ausführungsgang der einen Seite vereinigt sich mit 
dem entsprechenden Ausführungsgange der anderen Seite an der 
Bauchseite des Nervensystems ; dadurch entsteht ein unpaarer Ans- 



io Doyère, Note sur le tube digestif des Cigals (Annales des Sciences natu- 
relles, II. sér. XL t. Zoologie. 1839). 

" Witlaczil, Entwicklungsgeschichte der Aphiden (Zeitschr. f. wiss. Zool. 
40. Bd.). 

12 Mark, Beiträge zur Anatomie und Histologie der Pflanzenläuse, insbeson- 
dere der Cocciden (Arch. f. mikr. Anatomie, 13. Bd.). 



353 

führungsgang . welcher in die Mundhöhle mittels einer besonderen, 
der Speichelpumpe der anderen Hemipteren entsprechenden, Chitin- 
bildung mündet; nur ist bei den Aphiden diese Spritze (Fig. 2 spp) 
schwach entwickelt; sie scheint selbst bei der Reblaus, sollte man 
nach der Beschreibung von Dreyfus ^^ ^iit}^g{lgj^^ deutlicher ausge- 
sprochen zu sein. Frontale und sagittale Schnitte durch den Kopf 
des Insects zeigen, daß von der Mitte der concaven Wand der Spritze 
Muskeln absrehen, welche sich hinten theils an die untere ChitinAvand 
des Schlundes, theils an die hintere Hälfte der besonderen hohlen 
Chitinfortsätze (Fig. 2 es) des Vorderkopfes heften, welche einander 
fast parallel unter dem Schlünde 'ph) verlaufen, frei in der Nähe des 
Chitinstabes von Witlaczil endend. — An Flächenpraeparaten, wie 
an Schnitten erscheinen die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen 
als capillare , von außen mit Epithelialzellen ausgekleidete Chitin- 
canäle ; derjenige der größeren ovalen Drüse dringt, umgeben von 
kleinen Zellen mit verschmolzenem Plasma , noch tief in diese ein, 
und bei Lachnus^ dessen größere Drüse zweilappig ist, spaltet er sich 
sogar noch in zwei Aste. Bei Witlaczil ist meiner Meinung nach 
die Beschreibung des Baues der Speicheldrüsen ungenau. 

Die Malpighi'schen Gefäße fehlen, wie bekannt, bei Aphiden 
gänzlich. Nach den Versuchen von A. Kow^alevsky'^ übernimmt 
die Wand des Hinterdarmes deren Rolle. Kowalevsky nämlich hat 
gezeigt , daß bei den Arthropoden die Malpighi'schen Gefäße oder 
andere Bildungen, welche ihnen in functioneller Hinsicht entsprechen, 
Indigocarmin nach dessen Einführung in den Thierkörper absorbie- 
ren, bei Aphiden die Absorption des Indigocarmins aber in den Zellen 
des Hinterdarraes stattfindet. 



AVas die Frage anbetrifft, wo sich bei den Aphiden die süße 
Flüssigkeit aussondert, welche von den Ameisen aufgesucht wird , so 
kann zu dieser Zeit schon kein Zweifel mehr darüber aufkommen, 
daß es die flüssigen Excremente der Aphiden sind. Einerseits sind 
von Boussingault und Büsgen^^ in dem von den Excrementen der 
Aphiden gebildeten sogenannten Honigthau zuckerartige Substanzen 
nachgeAviesen worden, andererseits hat Büsgen gezeigt, daß die Aus- 



•3 Dreyfus , Zu J. Krassilstschik's Mittheilungen über »die vergleichende 
Anatomie und Systematik der Phytophthires« . . . fZool. Anz. No. 450. 1894). 

^* A. KoBa.!ieBCKiö, CooÖmenie o yKupoBOMX tì.iì y HaciKOMBiX'B , nayKOBi) h 
MHoroHoaceKt B1. »TpyÄaxi) Cnó. OömecxBa cciecTBOHcntiTaTejeM , t. XXIII, 6i>in. 1. 
1892.« 

'5 Büsgen, Der Honigthau. Biologische Studien an Pflanzen und Pflanzen- 
läusen. (Besond. Abdr. aus der Jen. Zeitschr. f. Naturwiss. 25. Bd.) Jena 1891. 



354 

sonderungen der Saftröhrchen und Safthöcker der Aphiden wachs- 
ähnlichen Substanzen am nächsten stehen. — Was Tr. troglodytes 
anbelangt, so besitzt diese Aphide, welche beständig in Gesellschaft 
mit Ameisen gefunden wird, weder Safthöcker noch irgend welche 
Hautdrüsen. Hier kann also kein Zweifel darüber aufkommen, 
daß die Ameisen nur die flüssigen Excremente dieser Aphiden auf- 
suchen. Wenn man diese Wurzellaus mit einer dünnen Nadel leicht 
berührt, so läßt sie aus der AnalöfFnung eine oder zwei klare flüssige 
Tropfen hervortreten. Eine ähnliche Wirkung wird wahrscheinlich 
durch das Berühren mit den Ameisenfühlern hervorgerufen. 



Das Gehirn , Avenn von vorn gesehen , erscheint jederseits zwei- 
lappig, indem dabei die mittleren Lobi, welche mit einander etwas vor 
der Chitinquerleiste verwachsen , nach unten hin , und in Bezug auf 
die Lage des Kopfes nach vorn hin, aus einander weichen und, sich 
verschmälernd, besondere kleinere Lobi bilden. Diese Lobi, welche ich 
Vorderlappen nenne, werden vorn durch eine dicke Quercommissur 
verbunden. Dadurch entsteht über dem Schlünde eine Art Ring, 
welcher einen Theil der von der oberen Schlundwand zur oberen 
Schädelwand verlaufenden Muskeln umfängt. Die Antennalnerven 
entspringen aus den Seitenlappen des Gehirns fast an deren Grenze 
mit den Mittellappen, wie es deutlich an Frontalschnitten des Insects 
zu sehen ist, die Augennerven dagegen, welche eben so dünn sind, 
wie die Antennalnerven, aus den seitlichen Hinterlappen. (Die Augen 
sind bei flügellosen Trama nur sehr schwach entwickelt und bestehen 
nur aus drei Facetten.) 

Das Gehirn ist durch zwei kurze Commissuren mit dem Unter- 
schlundganglion verbunden, wodurch der sogenannte Schlundring 
entsteht. Dabei gehen , wie es deutlich an Sagittalschnitten zu sehen 
ist, von den Lappen, welche ich Vorderlappen nenne, ventralwärts 
von den Schlundcommissuren, besondere, letzteren vorn eng anliegende 
Commissuren zu dem Unterschlundganglion ab. — Von den Nerven, 
welche aus dem Unterschlundganglion entspringen , sind früher nur 
Nerven zu den Speicheldrüsen beschrieben worden (Mark). (Ich habe 
sie nicht gesehen.) Ich habe paarige, aus der Mitte des Unterschlund- 
ganglions entspringende und nach dem Rüssel verlaufende Nerven 
der Unterlippe beobachtet. Vom Unterschlundganglion entspringen 
auch die Nerven zu den beiden Kieferpaaren, welche bei den Aphiden, 
wie überhaupt bei den Heuiiptera, in Gestalt dünner stechender 
Borsten auftreten. Die Unter- und Oberkiefernerven verlaufen an- 
fangs vereinigt mit den Commissuren , die das Unterschlundganglion 



355 

mit den Vorderlappen des Gehirns verbinden und deren Nervenfaser- 
zuge sie sich anschließen. Zu Seiten des Schlundes trennt sich jeder 
von ihnen in zwei Zweige, deren einer zum Ober-, der andere zum 
Unterkiefer verläuft. — Oberlippennerven habe ich nicht beobachtet. 
Vielleicht können dafür bei Aphiden die Seitenstämmchen gehalten 
werden, welche sich von den Commissuren zwischen dem Gehirn und 
dem Stirnganglion des sympathischen Nervensystems abzweigen und 
abwärts zur Oberlippe verlaufen. Diese Ansicht wird dadurch ge- 
rechtfertigt, daß bei vielen anderen Insecten die Oberlippennerven 
sich von den Commissuren, welche das Gehirn mit dem Stirnganglion 
verbinden, abzweigen ^^. 

Das Unterschlundganglion verbindet sich mittels zweier Commis- 
suren mit den verschmolzenen Brust- und Bauchganglien. Von diesen 
sind die ersten drei zweifellos Brustganglien, denn aus ihnen ent- 
springen die ziemlich dicken Nerven zu den ßeinchen; außerdem 
gehen von der Rückenseite jedes dieser Ganglien je zwei Nerven ab 
zu den in der Brust gelegenen Organen. Von dem hinteren Ganglion 
geht nach rückwärts in den Hinterleib ein langer unpaarer Mittelnerv 
ab, welcher rechts und links fast gleich von einander entfernte Seiten- 
zweige abgiebt, und außer diesen noch je zwei dünne Seitennerven i^. 

Bezüglich des sympathischen Nervensystems der Aphiden spricht 
Witlaczil nur vom Stirnganglion, welches über dem Vorderende 
des Schlundes gelegen ist. Ziemlich ausführlich ist dieses Nerven- 
system von Le moine für Phylloxera beschrieben worden. Mir ist es 
auch gelungen mehr oder weniger vollständig dieses Nervensystem zu 
untersuchen. 

Von den Vorderlappen des Gehirns gehen oberhalb des Schlundes 
nach unten (in Bezug auf den Kopf nach vorn) zwei dünne fast parallel 
zu einander verlaufende Commissuren ab , welche sich zu dem un- 
mittelbar über dem Anfang des Schlundes gelegenen Stirnganglion des 
sympathischen Nervensystems vereinigen. Diese Commissuren geben, 
ehe sie in den Stirnknoten treten, Seitenzweige ab, welche sich in der 
Richtung nach der Oberlippe ziehen , diese Zweige könnten vielleicht 



'6 Beispielsweise können folgende Autoren genannt werden : Em. Blanchard, 
Recherches anatomiques sur le système nerveux des insectes (Ann. d. se. nat. T. V. 
1846). — E. Brandt, Vergleichend-anatomische Untersuchungen über das Nerven- 
system der Hymenopteren (Horae Societ. Entomol. Rossicae, T.XV. 18S0). — Der- 
selbe, Vergleichend-anatomische Skizze des Nervensystems der Insecten. ibid. — 
Michels, Beschreibung des Nervensystems von Orydes nasicornis im Larven-, 
Puppen- und Käferzustande (Zeitschr. f. wiss. Zool. 34. Bd. 1880). 

'" Das Centralnervensystem von Phylloxera ist nach Lemoine von demjenigen, 
anderer Aphiden (Aphidinen und Pemphiginen) verschieden. [Lemoine, Sur le 
système nerveux du Phylloxera (Compt. rend, T. CL 1885. p. 951.)] 



356 

Oberlippennerven sein) und je einen Seitenzweig von sich abgeben. 
Aus dem Stirnganglion entspringen feine Nerven in die Oberlippe und 
außerdem ein dünner unpaarer Nerv, welcher nach rückwärts zwischen 
den Muskeln (Hebern der oberen Schlundwand) verläuft. Den weiteren 
Verlauf dieses Nerven habe ich nicht verfolgt. — Außer dem Stirn- 
knoten, habe ich bei Aphiden noch kleine hintere sympathische Kopf- 
ganglien beobachtet, welche durch Commissuren mit dem Gehirn und 
mit einander (durch eine Quercommissur) verbunden sind. Außer- 
dem kann an einigen Frontalschnitten ganzer Insecten deutlich con- 
statiert werden, daß jedes der hinteren sympathischen Ganglien durch 
eine besondere Commissur mit einem unpaaren Nervenknötchen in 
Verbindung tritt, welches etwas weiter nach hinten unmittelbar 
unter der Aorta zu liegen kommt. Aus diesem letzteren Ganglion tritt 
nach rückwärts unterhalb der Aorta ein Nerv ab, dessen weiteren Ver- 
lauf ich nicht verfolgt habe. 



Die Zeugungsorgane bestehen bei Trama jederseits aus zwei Ei- 
röhren, welche sich in zwei Keimgängen vereinigen. Die beiden letz- 
teren vereinigen sich unter dem Hinterdarme zu einem breiten , aber 
kurzen unpaaren Ausführungsgange , welcher am Ende des vorletzten 
Hinterleibringes nach außen mündet, Receptaculum seminis fehlt, wie 
überhaupt bei allen viviparen Aphiden. 



Das Rückengefäß >* unterscheidet sich in keinerlei Weise von 
demjenigen der anderen Insecten. Es liegt im oberen Theile des Hin- 
terleibes und wird an dessen Oberwand mittels zarter Fibrillen auf- 
gehängt; unten wird es in seiner Lage durch die sogenannten Flügel- 
muskeln (Rückendiaphragma) festgehalten. Nach dem Thorax zu setzt 
sich das Rückengefäß in die Aorta fort , welche ich auf Schnittserien 
bis zu dem auf ihr liegenden unpaaren sympathischen Knoten und noch 
ein wenig weiter zum Gehirn verfolgen konnte. 

Das Rückengefäß besteht aus Kammern, welche in der Mitte 
breiter sind und hier zu beiden Seiten spaltförmige Öffnungen auf- 
weisen. Die kleinen runden kernhaltigen Blutzellen Averden größten- 
theils im oberen Körpertheile neben dem Rückendiaphragma beobach- 
tet, vorwiegend jedoch in der Nähe des Rückengefäßes und in seinem 
Inneren. Im Zusammenhang mit dem Diaphragma stehen besondere 



18 Es ist von Witlaczilin seiner ersten Arbeit über Aphiden (Zur Anatomie 
der Aphiden) unvollständig, in der zweiten (Entwicklungsgeschichte der Aphiden) 
jedoch ziemlich ausführlich beschrieben worden. 



357 

Zellen, wahrscheinlich Pericardialzellen , welche nach den Unter- 
suchungen von A. Kowalevsky 1'' das venöse Blut auf dessem Wege 
nach dem Herzen von fremden und selbst schädlichen Stoffen reinigen, 
wodurch letztere aus dem Kreislauf im Organismus ausgeschlossen 
werden. Die Pericardialzellen weisen ein grobkörniges schwach tin- 
gierbares Plasma und einen runden sich gut färbenden Kern auf; sie 
sind gewöhnlich klein , viel kleiner als die Fettkörperzellen und ver- 
schieden geformt — rund , in die Länge gezogen, eckig. Ihrer Lage 
nach bilden diese Zellen Bänder , welche den Flügelmuskeln nach- 
geformt sind; sie sind nämlich breiter in der Nähe des Rückengefäßes 
und schmäler gegen die Enden der Flügelmuskeln. 

Ganz unabhängig von anderen Organen steht eine besondere Bil- 
dung, welche von Mecznikow »secundärer Dotter« und von Huxley 
»Pseudovitellus« genannt wurde. Er liegt, vom Fettkörper umgeben, 
unter dem Rückendiaphragma, w^echselt jedoch mit dem Wachsthum 
des Insectes, wie ich es beobachtet habe, seine relative Lage und auch 
seine Dimensionen '-". — Auf einigen der späteren Stufen der Embryo- 
nalentAvicklung bildet der secundäre Dotter im Abdomen hinter dem 
Magen ein fast geschlossenes ziemlich breites Rohr (Fig. 6 s.d), welches 
aus einer Zellenlage besteht und mit der Unterseite dem Darmrohre 
unmittelbar aufliegt. Indem die Entwicklung fortschreitet, entfernen 
sich die Unterränder des Dotterrohres (in dieser Gestalt erscheint er 
auf Querschnitten) von den Seiten des Hinterdarmes und dann er- 
scheint der secundäre Dotter, wie es an Querschnitten deutlich zu 
sehen ist, in Form einer über dem Hinter darme liegenden gewölbten 
Platte (Fig. 7 s.d). Jedoch schon auf dieser Entwicklungsstufe, wie 
auch theilweise auf den vorhergehenden wird der secundäre Dotter 
vorn durch die zu beiden Seiten der Längslinie liegenden Genital- 
organe (Eiröhrchen) in drei Lappen getheilt; weiter nach hinten liegen 
schon die genannten Organe außerhalb des Dotterrohres (bei jüngeren 
Embryonen) oder der Dotterrinne (bei älteren). Weitere Veränderun- 
gen haben zur Folge, daß der secundäre Dotter drei Schnüre bildet — 



19 A. Kowalevsky, Zum Verhalten des Rückengefäßes und des guirlanden- 
förmigen Zellstranges der Museiden während der Metamorphose (Biol. Centralbl. 
VI. Bd. p. 74—79. — Ein Beitrag zur Kenntnis der Excretionsorgane. Insecten. 
(Biol. Centralbl. IX. Bd. 1889. p. 42). 

20 Das Entstehen und die Entwicklung des secundären Dotters hat besonders 
ausführlich L. Will beobachtet und beschrieben (Entwicklungsgeschichte der vivi- 
paren Aphiden. Sp en gel's Zool. Jahrbücher, Abth. d. Anat. u. Ontogenie, 3. Bd. 
1888) , und dieses Dank dem Umstände, daß er bei seinen embryologischen Studien 
sich der Schnittmethode bediente, welche von E. Mecznikow (Embryologische 
Studien an Insecten (Zeitschr. f. wiss. Zool. 16. Bd. 1866J und E. Witlaczil (Ent- 
wicklungsgeschichte der Aphiden) gar nicht angewandt wurde. 



358 

einen mittleren und zugleich größeren , welclier unmittelbar unter 
das E-ückengefäß zu liegen kommt, vind zwei kürzere; alle drei ver- 
schmelzen im 5. — 6. Hinterleibssegmente. In dieser Lage finden wir 
den secundären Dotter bei jungen Trama. Der secundäre Dotter wird 
überhaupt beim Wachsthum des Insects von vorn nach hinten resor- 
biert und findet sich bei mehr oder weniger alten Insecten etw^a nur 
in Form von zwei kleinen Zellenballen an den Seiten des Hinter- 
darmes im 5. — 6. Segmente vor; aber auch diese Zellen tragen ihrer- 
seits deutliche Merkmale des Zerfalles'^'. 

So weit ich beobachten konnte unterscheiden sich bei Trama die 
rundlichen Zellen des secundären Dotters etwas von denjenigen der 

Fig. 7. 



Fig. 6. 





s.d.: 



Fig. 6. Querschnitt durch den Hintertheil des Abdomens eines Trama-Em- 
bryos auf einer früheren Stufe als derjenige von Fig. 5. ed Enddarm; sd secun- 
därer Dotter; ::' Zellen, welche sich intensiv mil Boraxcarmin färben und im Fett- 
körper zerstreut sind; r Schnabel; h Beine. 

Fig. 7. Querschnitt aus dem Hintertheile des Abdomens eines Trawia-Em- 
bryos ungefähr gleichen Alters mit dem auf Fig. 5 abgebildeten etwas jüngeren 
Embryo. — Bedeutung der Buchstaben wie auf der vorhergehenden Zeichnung. 
Tc.gg Keimgänge. 

anderen Aphiden durch undeutliche Zellgrenzen und durch verhält- 
nismäßig große Deutoplasmakugeln. 

Bei erwachsenen Trama findet man constant besondere in engem 
Zusammenhange mit den Zellen des secundären Dotters stehende 
Zellen, welche in verhältnismäßig geringer Anzahl auftreten; sie sind 



21 Bei flügellosen viviparen Forda formicaria Heyd. , welche an den Wurzeln 
von Agropyrum repens leben , umfängt der secundäre Dotter auf einer gewissen 
Strecke eng in Form eines Ringes den hinteren Theil des Rectums und wird wie 
bei Trama von vorn nach hinten resorbiert. Der Hinterdarm (Rectum) unterscheidet 
sich bei Forda von demjenigen bei Trama und Lachnus und anderer Aphidinen da- 
durch, daß seine Epithelialschicht aus Zellen mit großen fast kugelförmigen Ker- 
nen besteht. 



359 

viel kleiner als die Dotterzellen (etwas oder IY2- bis zweimal so groß 
Avie die Pericardialzellen) und erscheinen gewöhnlich an deren Peri- 
pherie gelagert. Diese Zellen zeichnen sich durch grobkörnige, grau- 
braune fast ganz tinctionsunfähige Zellsubstanz aus , welche einen 
ziemlich großen sehr stark tingierbaren Kern einschließt. Auf gefärb- 
ten Praeparaten fallen diese graubraunen Zellen stark in die Augen. 
— Wahrscheinlich hatte auch Witlaczil eben diese Zellen im Auge 
als er in Bezug auf den Pseudovitellus von zwei Zellenarten sprach 22. 
Dieselben Zellen hat auch Cholodkovsky bei Lachnus-M.aLniich.en 
beobachtet 23. Er sprach die Voraussetzung aus, diese Zellen könnten 
aus den Zellen des secundären Dotters entstanden sein, durch An- 
häufung gewisser bacterienartiger Körper um ihre Kerne (Sporen) . 
Den Grund dieser Voraussetzung bildete der Umstand, daß bei Lach- 
wws-Männchen der Inhalt dieser graubraunen Zellen zuweilen un- 
mittelbar in die Dotterzellen überzugehen und mit ihnen zu ver- 
schmelzen scheint. Mir scheint es jedoch, daß die graubraunen Zellen 
einen vom secundären Dotter unabhängigen Ursprung haben, denn sie 
sind bei Trama viel kleiner als die Zellen des secundären Dotters und 
sind gewöhnlich ziemlich deutlich von letzteren abgegrenzt. Bei Trama 
sind die graubraunen Zellen unbedeutend größer als die Pericardial- 
zellen, bei L. viminaJis aber 3 — 5 mal größer und fast so groß wie die 
stark tingierbai-en Zellen , Avelche im Fettkörper verstreut sind ; zu- 
gleich sind sie bei Laclmus nur unbedeutend kleiner als die Zellen 
des secundären Dotters, oder zuweilen eben so groß wie diese. 

II. Lachnus viminali s Boy er de Fonsc. 

L. viminalis unterscheidet sich von allen anderen Lachnus- ÊS^vien 
durch einen großen kegelförmigen Höcker, welcher ihm mitten auf 
der Rückenseite des Abdomens etwas vor den gut entwickelten Saft- 
höckern aufsitzt. — L. viminalis lebt gesellig an Weidenzweigen, z.B. 
Salix viminalis u. a. 

In Bezug auf L. viminalis gebe ich eine Beschreibung der soge- 
nannten Safthöcker. Im Übrigen zeigt diese Rindenlaus viel Ähnlich- 
keit mit Tr. troglodytes] einige unbedeutende Unterschiede wurden 
schon bei der Beschreibung des Baues von Trama angegeben. 

Ziemlich ausführlich wurde der Bau der Saftröhrchen und auch 



-■- Witlaczil hielt zuerst (Zur Anatomie der Aphiden. Arbeit, aus d. Zool. 
Instit. Wien, 4. Bd. 3, Hft. 1882) die Pseudovitellusschnüre für Malpighi'sche Ge- 
fäße, verwarf jedoch später diese seine Meinung (Entwicklungsgeschichte der Aphi- 
den. Zeitschr. f. wiss. Zool. 40. Bd. 2. Hft. 1884). 

23 Cholodkovsky, Zur Kenntnis der Couiferen-Läuse (Zool. Anz. No. 385. 
1892j. 



360 



Safthöcker schon von WitlacziP^ beschrieben, welcher auch die An- 
fangsstadien ihrer Entwicklung bei Embryonen Aon Siphonophora pla- 
tanoides Sehr, beobachtet hat'^^. 

Ich für meinen Theil, will die Safthöcker von L. mminalis be- 
schreiben und dabei die Beschreibung von Witlaczil etAvas ergänzen. 

Fig. 8. 

.s.l. Fig- 9- 

Tntr. 




iph. 




Ti.òL 



^..n.lhj'. 



Fig. 8. Combination zweier Schnitte durch das Gehirn [G] und das Stirn- 
ganglion des sympathischen Nervensystems [st.g). Die Schnitte sind in Bezug auf 
den Kopf frontal, ml Mittellappen des Gehirns; d Hinter- und zugleich Seiten- 
lappen des Gehirn; t'/ Vorderlappen, welche mit einander vorn durch eine Quer- 
commissur (^.c) verbunden sind; w.ZJr Zweige, welche von den Commissuren ab- 
gehen, welche Gehirn und Stirnganglion vereinigen, Oberlippennerven ; m.^h einige 
Muskeln, welche von der Oberwand des Schlundes nach der oberen Wand der 
Scbädelkapsel verlaufen (andere Schlundmuskeln sind hier nicht abgebildet). 

Fig. 9. Theil eines Querschnittes durch den Hinterleib von L. viminalis. 
sh Safthöcker; hd Deckel des Safthöckers ; dz Region der hohen Drüsenzellen (be- 
hufs Vergleiches sind die Hypodermiszellen gezeichnet [»»<>•]) ; wh Membran, 
welche die flüssige wachsartige Masse {w) einschließt; br.m grobkörnige roth- 
braune Masse; r.ni dorsoventraler Respirationsmuskel. 

Die kurzen, in Gestalt eines abgestutzten Kegels auftretenden 
Safthöcker sind mit einer ziemlich dicken schwarzen Chitinschicht 
ausgekleidet, deren Unterlage eine Matrixschicht bildet , welche sich 
direct in die Körperhypodermis fortsetzt (Fig. 9 u. 10). An dem ab- 



2* E. Witlaczil, Zur Anatomie etc. p. 16.: »Die Hypodermis des Körpers 
setzt sich in die Zuckerröhren fort und bringt auf ihnen eine Cuticula zur Ausbil- 
dung. . . . Die Spitze ist abgestutzt, etwas convex; an derselben bildet die Hypo- 
dermis eine Anschwellung , und scheint auf den sich hier ansetzenden Muskel ein 
Stück weit überzugreifen. In der Mitte derselben befindet sich eine doppelt er- 
scheinende halbmondförmige Chitinleiste, welche zwischen sich eine Spaltöff'nung 
freizulegen scheint. In dem von dieser Chitinleiste begrenzten klappenartigen 
Theile setzt sich ausstrahlend ein Muskel an , der die ganze Röhre durchziehend 
und aus dieser in den Leibesraum tretend , sich nach unten und hinten wendet und 
am Hinterrande der Bauchplatte des sechsten Abdominalsegmentes anheftet (Taf. 1 
Fig. 2, 7). Durch Contraction dieses Muskels wird die Zuckerröhre nach vorn auf- 
gerichtet und etwas eingezogen. Der dadurch verursachte Druck dürfte einige 
, Zuckerzellen' hinauspressen.« 

2â E. Witlaczil, Entwicklungsgeschichte etc. 



361 

gestumpften Ende geht die dicke Chitinschicht unmittelbar in einen 
dünnen Deckel über , welcher die Gestalt einer fast flachen und run- 
den Scheibe hat. Letztere bildet in der Nähe des Vorderrandes eine 
halbkreisförmige Spalte , welche mit ihrer convexen Seite nach vorn 
gerichtet ist und etwas verdickte nach der Höckerhöhle zu einge- 
kerbte Ränder aufweist. Der hintere concave Rand der Spalte zeigt 
in seinem mittleren Theile einen schwarzen Fleck, von dem ein 
Muskel (Fig. 10 d.m) entspringt, welcher nach dem Abdomen verläuft 
und sich in einiger Entfernung 
von der Mittellängslinie des Kör- ^^'. 

pars an den Hinterrand der Ven- 

tralhälfte des nächsten Hinter- ^■'^'''^~''"':':""'^\. 

leibsringes anheftet. Die durch die 

Contraction diesesMuskels hervor- / 

gerufene Wirkung besteht also ( // \ 

darin, daß der klappenartige Theil i i| "^i^; 

des Deckels gegen die hintere und \ , " 

innere Wand des Höckers hinab- ^ 

gezogen und dadurch die Spalte 

(Fig. \Q ßss) an dessen Ende ge- hX ^— — — — --"^ d.m.. 

öffnet wird; nur Avenn Letzteres Fig. 10. Safthöcker von i. wVm'- 

geschehen ist, können bei L. vi- ««^** ^«^ i°"^°- /'^ Deckel des Saft- 

. . 1 1 • 1 hookers mit der wulstig gerandeten nalb- 

rmnalts , wie auch bei anderen •,,.. . e i* /^ , j A/r„„i „i 

' mondformigen Spalte (^ss); d.m Muskel, 

Formen, welche Saftröhren oder welcher den halbmondförmigen klappen- 
Safthöckerbesitzen,diebesonderen artigen Theil des Deckels öffnet [hd]. 
wachsartigen Gebilde (Fig. 10 lü) 

aus der Leibeshöhle treten. Dabei wird, wie es scheint, das Hinaus- 
pressen nicht durch den Muskel bewirkt, welcher den klappenartigen 
Theil des Deckels öffnet (wie Witlaczil meint), sondern vorwiegend 
durch die dorso-ventralen respiratorischen Muskeln. Hinter der An- 
satzstelle des Deckelmuskels befindet sich am Deckel ein kleines aus 
eigenartigen Drüsenzellen bestehendes Feld (Fig. 9 dz) , welches von 
Witlaczil als eine Anschwellung der Matrix gedeutet wurde. Diese 
Drüsenzellen sind im Vergleich zu den Matrixzellen [intr] sehr hoch, 
fast cylinderförmig ; in ihrem oberen Theile ist ein länglicher mit 
einem Kernkörperchen versehener Kern eingeschlossen; das Plasma 
dieser Zellen ist feinkörnig. Vor der Ansatzstelle des Muskels dagegen, 
am Vorderrande des Höckers, ist eine ziemlich flache, im Ganzen nicht 
vollkommen regelmäßig geformte, jedoch mehr oder weniger rundliche 
Masse gelegen, welche in frischem Zustande eine Anhäufung ziemlich 
großer braungefärbter Kügelchen oder Tropfen zu sein scheint. Auf 
Schnitten erscheint diese kleine Masse deutlich aus einigen großen 



362 

mehr oder weniger in die Länge gezogenen Zellen gebaut, in denen 
Kerne und Protoplasmafortsätze zu sehen sind , zwischen welchen in 
frischem Zustande die erwähnten braunen Tropfen eingeschlossen 
waren. Diese Zellen werden wahrscheinlich Fettkörperzellen sein, 
jedoch etwas verschieden von denjenigen, welche die Leibeshöhle aus- 
füllen. Die braune grobzellige Masse (bei L. viminalis tritt sie con- 
stant auf ; bei anderen Formen wird sie vonWitlaczil nicht erwähnt) 
scheint beim (Offnen) Aufgehen des klappenartigen Deckels und in 
Folge der diesen Vorgang begleitenden Pression auf die wachsartige 
Masse, zuerst aus der Öffnung hervortreten zu müssen. Außerdem 
lassen sich bei L. mminalis theilweise in den Safthöckern, vorwiegend 
jedoch unter ihnen, im 6., 7. und den daran grenzenden Hinterleibs- 
segmenten, gewöhnlich in der Nähe der Seitenwände des Körpers, 
wachsartige Gebilde (Fig. 9 w) von verschiedener Größe und Form 
constatieren ; diese sind außen von einer dünnen Protoplasmahülle 
(Fig. 9 toll] mit spärlichen verstreuten abgeflachten Kernen um- 
schlossen. Auf Schnitten sind nur die Hüllen dieser Avachsartigen 
Massen zu sehen, da die Massen selbst im Laufe der Praeparation des 
Objectes behufs Zerlegung in Schnitte, in Xylol und Nelkenöl auf- 
gelöst werden. Im lebenden Organismus sind diese Massen flüssig 
und werden auch in demselben Zustande durch die Safthöcker aus- 
geschieden um sehr bald darauf zu erhärten ; ich habe diesen Vor- 
gang, den ich durch Aufdrücken mit dem Deckgläschen hervorrief, 
bei L. pineus mihi beobachtet. An der Luft oder in Flüssigkeiten, 
welche die genannten Massen nicht auflösen, verwandeln sich letztere 
in Concremente dünner, langer, radial divergierender Nadeln. In den 
Saftröhren anderer Aphiden werden runde vvachsartige Kügelchen 
beobachtet, welche die Fettkörperzellen nur wenig an Größe über- 
treffen. Witlaczil hat den zelligen Bau dieser Kügelchen gezeigt, 
indem er den wachsartigen Inhalt in Alcohol auflöste. 

Auf Grund dessen, was Witlaczil über das Entstehen der 
wachsartigen Gebilde (»Blattlauszucker«) sagt, kann mit vollkommener 
Wahrscheinlichkeit vermuthet werden, daß diese wachsartigen Ge- 
bilde in den Fettkörperzellen des Insectes entstehen und dieselben 
endlich in dem Maße ausfüllen, daß, wie Witlaczil sagt, ihre zellige 
Natur nur schwer nachzuweisen ist; ihr Protoplasma wird dabei, nach 
Witlaczil, an die Oberfläche der wachsartigen Kügelchen gedrängt. 
Die großen Anhäufungen der wachsartigen Masse bei Lachnus können 
dann in der Weise erklärt werden , daß der Inhalt mehrerer Zellen 
zusammengeflossen ist und daß die zellige Protoplasmahülle einer 
jeden solchen Zellgruppe die Hülle für die große wachsartige Masse 
geliefert hat. 



363 

Witlaczil nennt die Zellen, welche den wachsartigen Stoff ent- 
halten , »Zuckeizellen«, auch hielt er früher deren Inhalt für eine 
zuckerartige Substanz, »Blattlauszucker«; später jedoch trat er von 
dieser Ansicht ab und sprach die Vermuthung aus , es könnte viel- 
leicht der die betreffenden Zellen ausfüllende Stoff Harnstoff sein. 
Büsgen's Analyse jedoch hat gezeigt, daß ihr Inhalt weder mit 
Zucker, noch mit Harnstoff etwas gemein hat, vielmehr große Ähn- 
lichkeit mit Wachsstoffen aufweist. »Die Substanz ließ sich leicht 
zwischen den Zähnen zerdrücken und besaß gar keinen Geschmack. 
Unter dem Mikroskop zeigte sich, daß sie im einfachsten Falle, den 
ich bei Aphis rosae fand , fast ganz aus gelblichen Aggregaten radial 
um mehrere Mittelpuncte geordneter Krystalle bestand, welchen ver- 
schwindende Reste einer Flüssigkeit anzuhängen schienen. Bei ge- 
linder Wärme verwandelte sich die ganze Masse in gelbe, ölartige 
Tropfen , die , in Wasser und kaltem Alcohol sowie kalter Kalilauge 
unlöslich, von Alcohol und einer alcoholischen Lösung von Kali- 
hydrat in der Wärme gelöst wurden und aus ersterem beim Abkühlen 
in eisblumenartigen Kry stallen sich ausschieden. Mit Überosmium- 
säure trat geringe Bräunung ein. Reducierender oder in redu- 
cierenden überführbarer Zucker war nicht vorhanden; 
auch Harnstoff ließ sich in den erhärteten Tropfen nicht 
nachweisen. Als unwesentliche Beimengung trat eine structurlose 
braune oder röthliche Masse auf, die nicht weiter berücksichtigt 
wurde.« »Nach seinem ganzen Verhalten darf das Röhrensecret als 
, wachsartige Masse' bezeichnet werden« 2<'. 

Einige meiner Versuche mit den großen krystallinischen Massen 
von L. vinimalis ergaben dieselben Resultate und zeigten die Identität 
dieser Massen mit dem von Büsgen analysierten Stoffe. Bei leichtem 
Erwärmen schmelzen die Massen und verwandeln sich in braune öl- 
artige Tropfen, welche beim Erkalten wieder hart werden ; in kaltem 
Wasser, Kalilauge, 90 ^igem Alcohol, Glycerin, Essig- und Salzsäure 
werden die krystallinischen Massen nicht gelöst, sind dagegen in 
Xylol, Nelkenöl und Schwefeläther gut lösbar. 

Die wachsartige Substanz, welche durch die Saftröhrchen oder 
Safthöcker ausgeschieden wird , scheint dieselbe sogenannte Fettsub- 
stanz zu sein, welche in Gestalt von Tropfen die Fettzellen des Insects 
ausfüllt und die Fähigkeit hat an der Luft zu erhärten. 

Nach Büsgen sollen die Saftröhrchen für die Aphiden von 
großer Bedeutung sein ; sie dienen nämlich als Schutzwaffe gegen ver- 
schiedene Feinde, indem sie ein flüssiges Secret ausscheiden, welches 



2fi Büsgen, Der Honigthau (p. 83) . 



364 

z. B. an den Kiefern der Chrysopa-h^r\en klebt und darauf schnell 
an der Luft erhärtet. 



Meine Arbeit ist im Zoologischen Laboratorium des Herrn Prof. 
N. Nassonow an der Warschauer Universität ausgeführt worden und 
wird ausführlich in den »Arbeiten« des genannten Laboratoriums er- 
scheinen. Ich benutze hier die Gelegenheit, Herrn, Prof. Nassonow 
meinen aufrichtigen Dank auszusprechen für die Rathschläge, durch 
welche er mich bei meiner Arbeit unterstützte. 

Warschau, 24. Mai/5. Juni 1895. 

II. Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. über Gröfsenangabe bei Mikrographie. 

Von W. von Nathusius, Halle a/S. 

eingeg. 7. Juni 1895. 

In No. 473 (April 1895) des Zoolog. Anz. hat Carrazzi in ver- 
dienstlicher Weise darauf hingewiesen, daß es noch Naturforscher 
gebe, welche die üble Gewohnheit conserviert haben, bei Mikrographie 
die Maßstäbe nicht anzugeben, sondern statt dessen Angaben über die 
bei der Beobachtung angewendeten Systeme zu macheu. Leider dürfte 
der bestehende Zustand hierin noch viel zu milde bezeichnet sein. 
Vielleicht wird man sagen können, daß es eine Ausnahme ist, wenn 
die doch als Regel eigentlich selbstverständliche litterarische Pflicht, 
den Maßstab der Zeichnungen anzugeben, erfüllt wird. 

Daß schon auf einem der ersten internationalen zoologischen 
Congresse, meines Erachtens in Moskau, mit Bestimmtheit das Fehlen 
der Angabe des Maßstabes bei mikrographischen Abbildungen als un- 
zulässig bezeichnet ist , und dieses doch so wenig gefruchtet hat , ist 
verwunderlich. Vielleicht entschließen sich die Redactionen natur- 
wissenschaftlicher Zeitschriften eher dazu, solche Arbeiten zurückzu- 
weisen, deren Abbildungen die Angabe des Maßstabes der Zeichnung 
fehlt, wenn diese »üble Gewohnheit« öfter gerügt wird. In diesem 
Sinn, und da den Carrazzi' sehen Bemerkungen noch Einiges hinzu- 
zufügen zweckmäßig erscheint, erlaube auch ich mir einige Bemer- 
kungen. 

Denn was Carrazzi über das Verfahren sagt, beim Zeichnen mit 
der Camera clara das Maß der Vergrößerung festzustellen, habe ich 
natürlich nichts hinzuzufügen, es sei denn, daß dem Leser Einiges das 
Mißverständnis veranlassen könnte, als seien die Resultate des von 
Carrazzi empfohlenen Verfahrens nicht objectiv, sondern nur sub- 
jectiv richtig, was sicher nicht gemeint ist. Kein Maß verfahren giebt 



365 

absolut richtige Zahlen, und bei Complication der Mikrographie 
giebt es mancherlei Fehlerquellen. Die Erörterung dieser und der 
Mittel, sie zu beschränken, würde hier zu weit führen; aber die An- 
wendung der Camera clara ist keineswegs das allein hier in Betracht 
kommende Verfahren. In vielen Fällen ist es einfacher und zweck- 
mäßiger, die Objecte mit dem Ocularmikrometer zu messen, und die 
Zeichnungen auf Grund dieser Messungen in demjenigen Maßstabe 
zu entwerfen , welcher der zur Darstellung der Einzelnheiten , auf 
welche es ankommt, geeignetste ist. An die einfachen oder durch 
Mikrometerschrauben complicierten Ocularmikrometer sei hier nur 
erinnert, aber dabei bemerkt, daß der Beobachter den Werth, welchen 
die Grade des Ocularmikrometers bei den verschiedenen von ihm an- 
gewandten Systemen haben, selbst feststellen muß. Auch in dieser 
Beziehung sind die gebräuchlichen allgemeinen Angaben auch der 
besten Optiker nicht maßgebend. Übrigens ist der Vergleich der 
Grade des Ocularmikrometers mit dem des auf den Tisch des Mikro- 
skops gelegten Objectivmikrometers eine sehr einfach und leicht aus- 
zuführende Operation , und es scheint mir schwer zu entschuldigen, 
wenn es nicht für der Mühe werth gehalten wird, sich eine ähnliche 
Tabelle für den Ocularmikrometer zu construieren, wie Carrazzi mit 
Recht für die Benutzung der Camera clara empfiehlt. 

Aber auch die Anwendung des Ocularmikrometers in seiner ein- 
fachsten Form — und ohne Mikrometerschraube handelt es sich 
eigentlich dabei mehr um Schätzung, als um Messung — ist unter 
Umständen nicht ohne gewisse Unbequemlichkeiten. Hier handelt es 
sich um den Hinweis darauf, wie viele je nach Umständen brauchbare 
und theilweise so bequeme Messungsmethoden für Mikrographie be- 
stehen, und darum möchte ich nun noch an das Messen durch Doppel- 
sehen erinnern, da diese einfachste und ohne nennenswerthen Zeit- 
verlust stets anwendbare Methode immer mehr in Vergessenheit zu 
gerathen scheint: Der Wunsch, auf sie aufmerksam zu machen , ist 
die wesentliche Veranlassung zu diesen Bemerkungen gewesen. 

So sonderbar dieses bezüglich eines so altbekannten, z.B. in dem 
classischen Werke Karting' s eingehend behandelten Verfahrens er- 
scheinen mag, glaube ich es doch bei der jetzigen Sachlage kurz be- 
schreiben zu müssen. 

Wenn man bei Öffnung beider Augen mit dem rechten das mikro- 
skopische Bild aufnimmt , sieht man letzteres auf die links neben 
demselben befindlichen Gegenstände procijiert ; denn letztere nimmt 
man gleichzeitig wahr, wenn die psychische Thätigkeit auf die Wahr- 
nehmungen durch beide Augen gleichmäßig vcrtheilt wird. Ist auf 
den Tisch des Mikroskops, oder falls dieser dazu nicht groß genug ist, 



366 

neben denselben in einer für die Augen des Beobachters geeigneten 
Höhe ein deutlich sichtbarer Maßstab gelegt, der am zweckmäßigsten 
in einem System feiner Parallellinien auf einem weißen Cartonblätt- 
chen besteht , so sieht man das mikroskopische Bild auf diesen Maß- 
stab projiciert, kann also seine scheinbare Größe direct messen, und 
wenn die Vergrößerung des angewendeten Systems bei derselben 
Bild weite festgestellt ist, durch ein einfaches Divisionsexempel die 
Avirkliche Größe des Objectes bestimmen. Die Feststellung der Ver- 
größerung des angewendeten Systems geschieht ebenfalls durch Dop- 
pelsehen sehr leicht, indem ein Objectivmikrometer in den Focus des 
Mikroskops gelegt, und bei derselben Bildweite auf den Maßstab 
projiciert wird. Selbstverständlich gehört zur genauen Ausführung 
dieses Verfahrens, daß die Linien des Maßstabes parallel mit der Rich- 
tung von Auge zu Auge liegen, und die zu bestimmende Dimension 
des Objectes vertical auf dieser Linie steht, was durch Verschiebung 
des Maßstabes oder des Objectes, auch durch Wendung des Kopfes 
leicht zu erreichen ist. 

Für eine sehr lange Reihe von Messungen an Woll- und anderen 
Haaren, welche mich vor längeren Jahren beschäftigte, hatte ich eine 
Anzahl solcher kleiner Maßstäbe gefertigt, auf welchen die Dimensio- 
nen, um welche es sich meistens handelte, neben einander durch ge- 
zogene Parallellinien derart bezeichnet waren, daß sie um Y4 mm zu-, 
resp. abnehmen, z. B. auf eiirem Kärtchen mit 8 mm beginnend, dann 
^V4» ^Vs? ^'A' '^ ^*^- ^^^ ß ^^"^ herunter. Bei einem Object, dessen 
scheinbare Größe innerhalb dieser Dimensionen liegt, ist beim Dop- 
pelsehen sehr schnell festzustellen, welchem Intervall des Maßstabes 
die Bildgröße entspricht. Dabei bleibt eine Fehlergrenze von i/j^ mm, 
welche bei einer Bildgröße von z. B. 7,75 mm 1,6 X entspricht, was 
in den meisten Fällen vernachlässigt werden kann. Mißt man größere 
Bilder, so verringert sich die Fehlergrenze entsprechend, z. B. bei 
einem Bild von etwa 20 mm auf ca. 0,6 ^, und es ist leicht durch An- 
wendung stärkerer Systeme , die Bilder zu vergrößern , aber rathsam, 
darin nicht zu weit zu gehen, da das Auge zu große Bilder nicht so 
bequem übersieht. 

Die Resultate meiner damaligen Messungen waren für in der 
Wollkunde herrschende Vorurtheile so unbequem, daß ihnen Ein- 
zelne die Behauptung entgegenhielten, das Doppelsehen sei keine 
zuverlässige Methode, was gegenüber dem sehr günstigen ürtheil, 
welches eine so classische Autorität wie H art in g über dasselbe aus- 
spricht, ziemlich lächerlich war. Andere erklärten die Fähigkeit diese 
Methode anzuwenden für eine besondere individuelle Begabung. 
Ohne Zweifel kann und wird es vorkommen, daß die Sehkraft des 



367 

einen Auges eine dafür zu wenig normale ist. Dieses habe ich selbst 
erfahren , als vor 1 7 Jahren auf meinem linken Auge in Folge eines 
Hornhautgeschwüres eine centrale Narbe verblieben war. Mehrere 
Jahre lang konnte ich das Doppelsehen nicht mit Erfolg ausüben, aber 
obgleich sich eine gewisse Störung beim Sehen mit dem linken Auge 
noch geltend macht, hindert sie jetzt nicht mehr; ich möchte danach 
eine Avirkliche Unfähigkeit zum Doppelsehen als eine seltene Aus- 
nahme betrachten; aber eine gewisse Übung darin mag erforderlich 
sein. Das gilt freilich für die erfolgreiche Anwendung des Mikroskops 
überhaupt; indes dürfte doch hier ein besonderes Verhältnis vorliegen. 
Bekanntlich wird angehenden Mikroskopikern — auch jungen 
Schützen beim Erlernen des Gebrauchs von Gewehren — mit Recht 
empfohlen, sich von Anfang an daran zu gewöhnen, beide Augen offen 
zu behalten. Die Concentration der Aufmerksamkeit auf das eine 
Auge genügt, um Störung durch die auf das andere Auge erfolgende 
Lichtwirkung auszuschließen ; ist aber die üble Gewohnheit des Zu- 
kneifens des einen Auges einmal erlangt, dann ist es nicht leicht, sie 
wieder zu beseitigen. Das Doppelsehen erfordert das allerdings nor- 
male , aber der acquirierten Gewohnheit vieler Mikroskopiker direct 
Widersprechende, nämlich die gleichmäßige Vertheilung der Auf- 
merksamkeit auf beide Augen. Wie viel Übung seine leichte und 
sichere Anwendung beansprucht, läßt sich im Allgemeinen nicht aus- 
sprechen, aber ich möchte doch jedem Mikroskopiker nahe legen, es 
Avenigstens einmal zu versuchen. 

Auch abgesehen von dem unabweisbaren Verlangen, daß bei Ab- 
bildungen , die einen wissenschaftlichen Werth beanspruchen , der 
Maßstab angegeben sein muß . ist jede Beobachtung unvollständig, 
welche die Dimensionen der Objecte unberücksichtigt läßt, und ein 
Verfahren, welches diese Lücke auszufüllen gestattet, ohne alle com- 
plicierten Apparate und ohne nennenswerthen Zeitverlust in einfacher 
und sicherer Weise ist doch wahrlich der Beachtung werth. 

2. Statistische Mittheiiungen aus der Biologischen Station am Grofsen 

Plöner See. 

Von Dr. Otto Zacharias (Plön). 

eingeg. 29. August 1895. 

X. 

Die Gesammtquantität des Plankton erreicht im August den jähr- 
lichen llöchstbetrag für den Großen Plöner See , und zwar ist es die 
in millimetergroßen, kugelförmigen Verbänden massenhaft auftretende 
Alge Gloeoirichia echmulata Eicht. , auf welche das große Volumen 
der jetzigen Fänge zurückgeführt werden muß. Jede der kleinen 



368 

Gallertkugeln hat, unterm Mikroskop betrachtet, das Aussehen eines 
winzigen »Seeigels. Im Wasser schAveben dieselben so dicht neben ein- 
ander, daß der See ganz davon erfüllt erscheint. Nicht selten bilden 
sich auch locale Zusammenscharungen dieser Pflanzenwesen in Ge- 
stalt einer dünnen, schmutziggelben (oder gelblich - grünen) Decke, 
welche den Seespiegel rahmartig überzieht. Namentlich geschieht 
dies bei Avindstillem Wetter innerhalb der Uferzone. Am 23. August 
beobachtete ich eine sehr dichte Ansammlung der Gloeotrichien nahe 
bei der Biologischen Station, welche mindestens 100 m Breite und 
1000 m Länge hatte. Jedes einzelne der zahllosen Kügelchen be- 
herbergte übrigens in seiner Gallerthülle 2 — 3 Exemplare von No- 
tommata brachyota Ehrb. und außerdem noch ebenso viele Eier dieses 
zierlichen Räderthieres. Beim vorsichtigen Zerdrücken der Gloeo- 
trichien kamen jedes Mal diese kleinen röthlichen Insassen derselben 
zum Vorschein. Als bemerkenswerth möchte ich anführen , daß auch 
sehr viele der draußen im See ganz frei schwebenden Algenkugeln 
diese Notommata enthielten, welche sonst gewöhnlich nur in der Ufer- 
region zu finden ist. 

Gloeoirichia echinulata ist zweifellos der quantitativ vorherrschende 
Bestandtheil im August-Plankton des Großen Plöner Sees und ihre 
außerordentliche Menge ist schon mit bloßem Auge vom Boote aus zu 
constatieren. Sie ruft durch ihre massenhafte Vermehrung alljährlich 
die Erscheinung einer sogenannten »Wasserblüthe« hervor, durch 
welche die Gewinnung von anderweitigem Beobachtungsmaterial 
jedes Mal sehr erschwert wird, da sich das feine Gazenetz nach kurzer 
Zeit durch die Überzahl der Algen beim Fischen verstopft. 

Hinsichtlich der Mengenverhältnisse der übrigen Vertreter des 
Plankton werden wir durch das nachstehende Zählprotokoll im Spe- 
ciellen unterrichtet. 

a. 

Datum: 1. August 1895. Wassertemperatur: 17,5° Cels. 

Volumen: 510 ccm (unter 1 qm), 

Diiiohryon stipitatum 19620 00 

Dinohryon divergens 1275 620 

Ceratium hirundinella 67 7 062 

Epistylis lacustris 94000 

As planchna helvetica 78 500 

Polyartlira platyptera 239 425 

Triarthra lotigiseta 192325 

Anuraea lonyispina 188400 

Anuraea cochlear is 321850 

Anuraea acideata 129 525 

Hyalodaphnia kahlhergensis ... 91875 

Bosminalongirostris [inci.yar . cornuta) 639 300 

Cyclops oithonoide s 408200 

Eiirytemora lacustris 62 800 

Dreissensia poly7norpha (IjS-Yven) . . 282 600 

* * 

* 



369 

Fragilaria crotonensis 21980000 

Diatoma terme (var. elongatiim] . . 98 125 

Synedra longissima 196250 

Synedr a delicatissima 1275625 

Asterionella gracillima 95770000 

Rliizosolenia longiseta 4 043 125 

Gloeotrichia echinulata 235 000-(!) 

Vergleichen wir diese Zählergebnisse mit denen vom 19. Juli er. 
(cf. Zool. Anzeiger No. 481), so läßt sich daraus sofort die bedeutende 
Zunahme der Dinobryen, sowie diejenige der limnetischen Rotatorien 
ersehen. Aon letzteren weisen namentlich Polyarthra platyptera und 
Anuraea cochlearis große Mengenziffern auf. Mit Bipalpus hingegen 
verhält es sich umgekehrt ; diese Species kam mir bei der Zählung des 
Fanges am 1. August gar nicht mehr zu Gesicht. Von den Bacilla- 
riaceen sind es Fragilaria crotouetisis und Asterionella^ die sich wäh- 
rend des kurzen Zeitraumes von nur 10 Tagen ganz außerordentlich 
vermehrt haben. Die Anzahl der ersteren stieg von 3 auf nahezu 
22 Millionen; die der anderen von 7 auf 95 Millionen. Aber ebenso 
stark und auffallend war die Verminderung, welche diese beiden »Spe- 
cies schon innerhalb der nächstfolgenden 12 Tage erlitten. Dem 
gleichen Schicksal fielen auch die Dinobryen anheim, wogegen die 
beiden obengenannten Räderthier- Species sich nahezu auf der Höhe 
ihres Bestandes behaupteten. Anuraea longispina und Triarthra lon- 
giseta giengen jedoch inzwischen stark zurück. Eine entschiedene 
Zunahme bekundeten aber die Gloeotrichien und die bisher nur ganz 
vereinzelt in den Fängen vorkömmlichen Clathrocystis-Y\oçk.Qw und 
Anahaena-Yciii,\x%i. Dasselbe gilt von Ceratium hirundinella und Hyalo- 
daphnia kaJtlbergensis. Die genaueren Verhältnisse ergeben sich aus 
dem folgenden Protokoll. 

b. 

Datum: 12. August 1895. Wassertemperatur: 18° Geis. 

Volumen: 667 ccm (unter 1 qm). 

Dinohryon stipitatum 294375 

Dinohry an diver gens 176525 

Ceratium 1 tir undiìiella 1004800 

Polyarthra platyptera 215975 

Triarthra longiseta 78500 

Anuraea longispina 117750 

Anuraea cochlearis 255125 

Myalodaphnia hahlbergensis . . . . 340 167 
JBosmina lo?igirostris {incl.\a.r. cornuta) 392 500 

Bosmina coregoni 11775 

Leptodora hyalitia circa 3000 

Cyclops oithonoides 264750 

Eurytemora lacustris 58875 

Dreissensia-'L^LTven 366333 

* * 

* 



370 

Fragilaria crotonensis 209000 

Asterionella gracillima 235500 

Clathrocystis aeruginosa 183 167 

Aiiahaenaßos aquae 104 667 

Gloeotrichia echinulata 470 000 (!) 

Die Steigerung des Volumens von 510 auf 667 cera ist haupt- 
sächlich durch die Zunahme der Gloiotrichien hervorgerufen Avorden. 
— Hinsichtlich des Vorkommens von Leptodora hyalina ist zu be- 
merken, daß deren größte Individuenzahl für den August zu registrie- 
ren ist; doch hat eine Auszählung verschiedener Verticalfänge und 
die darauf gegründete Berechnung ergeben, daß sich im Großen Plö- 
ner See unter dem Quadratmeter nie mehr als etwa 3000 Stück da- 
von befinden. Es ist dies kein besonders reichliches Vorkommen, 
denn C. Apstein constatierte in dem flachen Einfelder See (bei Neu- 
münster) über 4000 Leptodoren für den nämlichen Flächenbezirk bei 
zehnmal geringerer Fangtiefe. 

Im Laitfe des Augustmonats tritt allmählich ein Rückgang in den 
quantitativen Verhältnissen des Planktons ein und fast alle Bestand- 
theile (Componenten) desselben zeigen eine erhebliche Abnahme. Die 
Cyclopiden dagegen sind in augenscheinlicher Zunahme begriffen. 
Die darauf bezüglichen Zählungen ergaben was folgt : 

c. 

Datum: 20. August 1895. Wassertemperatur: 18,5°Cels. 
Volumen: 157 ccm (unter 1 qm). 

Binohryon stipitatuni 22 550 

Dinohryon divergens 78 500 

Ceratium hirundinella 353250 

Polyarthra platyptera 185653 

Triarthra longiseta 52000 

Anuraea longispina 32 185 

Anuraea cochlearis 78500 

Anuraea aculeata 29 438 

HyalodapJmia kahlbergensis .... 77452 
Bosminalongiro stris (incl. var. cornuta) 264 938 

Bosmina coregoni 19887 

Cyclops oithonoides 480812 

Larven desselben 471 000 

Eurytemora lacustris 55 473 

Dreissensia-\j2ix\ers. 103620 

* * 

* 
Fragilaria crotonensis 29 438 

Gloeotrichia ecJiitiulata 70 650 



Zurücktretende Species: 

Eudorina elegans (4710), Mastigocerca cajmcina (8831), Hyalodaph- 
nia cristata. 



371 

Diese Zahlen beziehen sich aber nur auf den Großen Plöner See 
selbst. In den lîuchten desselben macht sieh der Rückgang noch nicht 
so stark benierklich. So z. B. ergab ein Netzzug im Bischofs-See (bei 
5 m Tiefe) am 20. August noch 1 138 250 Colonien von Binohryon sti- 
pitatum und 353 250 von Dinohryon dkergens , sowie 1 570 000 Indivi- 
duen von Ceratium, 274 750 von HyalodapJmia kahlbergeiisis^ 4 984 000 
Bänder von Fragilaria crotonensis und 172 700 Kugeln von Gloeotrichia. 
Dem entsprechend betrug das Volumen immer noch 314 ccm unter 
dem Quadratmeter, was in diesem Falle als der Planktongehalt von 
5 cbm Wasser zu betrachten ist. Der Bischofs-See ist übrigens nichts 
weiter als eine durch einen Kranz von Inseln abgeschlossene Bucht 
des Plöner Sees. 

2. Linnean Society of New South Wales. 

June 26tli, 1895. — 1) Ethnological. — 2) Descriptions of some new 
Araneidae of New South Wales. No. 5. By W. J. Rainbow. Three new 
species of orb-weavers of the genus Nephila from New England and Sydney 
are described. The fact is recorded of a young bird (probably Estrilda tem- 
poralis] having been caught in the web of N. ventricosa in the vicinity of 
Sydney; also that Mr. A. J. Thorpe, of the Australian Museum , had seen 
an emu wren [Stipiiurus malachurus) entangled in the web of one of the 
Nephilae at Maddens, near Belle Plains (N.S.W.); also at Cape York, se- 
veral of the blue warblers, notably Malm-iis Brownii (Vig. et Hors.) and M. 
amabilis (Gould). The writer points out that it is only young birds and those 
of weak wing-power that are arrested by such webs; and he expresses doubt 
as to the correctness of the assertion of some writers that birds so caught 
are devoured by the spiders ; he points out that each web is placed in posi- 
tion by the unerring instincts of the spider , simply because the situation is 
such as will assure abundance of food in the shape of insects, and that it is 
merely an accident when a bird becomes entangled in the toil. The paper 
concludes with a description of the mode of coition in the Nephilae, and a 
list of the previously described Australian species of the genus. — 3) Bo- 
tanical. — 4) On a new fossil Mammal allied to Hypsiprymnus, but resembl- 
ing in some points the Plagiaulacidae. By Robert Broom, M.B,, CM.. B.Sc. 
The remains described under the name of Burramys parvtis are those of a 
small Marsupial not larger than an ordinary mouse. The form is specially 
interesting in having but three true molars in each jaw; and a very large 
grooved premolar with serrate edge very similar to that found in the Eocene 
genus Neoplayiaulax. Its affinities are dealt with at some length, and an 
endeavour made to trace its relationship phylogenetically. — 5) On some new 
or hitherto little known Land Shells from New Guinea or adjacent Islands. 
By C. F. Ancey. Three new Papuan species, viz., Hemiplecta granigera, Pa- 
puina tuomensis, and Piipina Beddomei, are described, and other known land 
shells from German New Guinea are discussed. — 6) and 7) Botanical. — 
Mr. Hedley showed a valve of Cardium vertebratum , Jonas, and offered the 
following observations: — »This valve was collected by Mr. J. Jennings on 
Balmoral Beach, Middle Harbour, Port Jackson. Though the occurrence of 
this shell in this neighbourhood has long been known to our veteran collec- 
tor Mr. J. Brazier, it does not seem ever to have been recorded in literature. 
The species occurs near Bowen, Gladstone, Brisbane, and in Port Stephens, 



372 

apparently reaching its southern limit at Sydney. I have been unable to 
find Jonas' original description , and have arrived at the name after compa- 
rison with specimens so named by Mr. E. A. Smith. At the same place the 
same collector found numerous detached valves of Cardium cygnorum^ Des- 
hayes , a species which though well known in the southern colonies, does 
not seem to have been reported from this coast, where it here arrives at its 
northern known limit. Another Cardium apparently unnoted from N.S.W. 
is C. Bechei, Ad. and Reeve, which is represented in the collection of Dr. J. 
C. Cox from Port Stephens. Thence it extends northwards to Japan.« — 
Mr. Masters exhibited a collection of 170 species of named Coleoptera, 
lately received from Mr. Arthur M. Lea, of Western Australia, containing 
types of all the species described by him in his last paper. The following 
families were represented: — Malacodermidae 59 species, Pythidae 3, Pedi- 
Hdae 5, Pyroe/iroidae 2, Mycetophagidae 4, Curculionidae 3, Melandryidae 6, 
Mordellidae 47, Anthicidae 15, CorylopJddae 20, and a few others. — Mr. 
Mitchell, Narellan, exhibited some fossils from the Wianamatta Series, in 
the neighbourhood of Narellan, consisting of insect remains and impressions 
of a plant apparently belonging to the Taeniopteridae. Mr. Froggatt, of the 
Technological Museum , had determined the insect remains to be referable 
to the Families Blattidae and Buprestidae . Of the former there were impres- 
sions of fragments of wings, and of the latter of an elytron. Mr. Etheridge, 
Curator of the Australian Museum , to whom the specimens had been sub- 
mitted, confirmed Mr. Froggatt' s opinion. The plants consisted of frag- 
ments of leaves showing rows of papillae along each side , or in some cases 
along one side, of the midrib on the basal portion, which may be sori. The 
fossil Orthoptera are from a railway cutting on the Great Southern line at 
Glenlee; the Buprestid and plants from the Great Road about a mile N.E. 
of Narellan. Mr. Mitchell also exhibited some oolitic limestone found in a 
sample of lime from Marulan. 



Druck von Breitkopf d, Hfirtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jalirg. 30. September 1 895. No. 485. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 1. Koenike, Über bekannte und neue Wassermil- 
ben. II. Slittheil. ans Kuseen, Instituten etc. 1. Bolsins, Remarques sur les indications des gros- 
sissements dans les dessins raicrographiqnes. III. Personal-Notizen. Necrolog. Litteratur. p. 317 — 332. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. über bekannte und neue Wassermilben. 

Von F. K e n i k e in Bremen. 

eingeg. 11. Juni 1895. 

Piersig veröffentlicht in No. 459, 472 und 473 dieser Zeitschrift 
zwei Aufsätze, worin er sich an verschiedenen Stellen zu Invectiven 
gegen meine Person hinreißen läßt. Ich will ihm auf diesem Wege 
nicht folgen, sondern mich bemühen, durch sachliche Kritik die Kon- 
troverse für die Wissenschaft nutzbar zu machen. Wenn meine Er- 
wiederung erst jetzt erscheint , so treffen bezüglich meines bisherigen 
Schweigens nicht etwa Piersig's Muthmaßungen zu, sondern der 
Grund liegt theils in meinen jüngsten Publicationen, theils darin, daß 
ich Versuche machte, mir für gegenwärtige Replik Yergleichsmaterial 
zu verschaffen. Leider ist meine Bemühung betreffs des Neuman- 
schen Materials aus O. F. Müller's Sammelgebiet (Seeland), das im 
Gothenburger Museum aufbewahrt wird, bis dahin ohne Erfolg gewesen. 

Die Petiolus-Angelegenheit hat nunmehr eine Wendung genom- 
men, daß nicht die mehr untergeordnete Frage im Vordergrunde steht, 
bei welchen Arrenurus (^(^ ein Petiolus vorhanden ist und wo nicht, 
sondern die ungleich wichtigere , welche physiologische Bedeutung 
das bezeichnete Organ hat. Während Piersig sich früher nur an- 
deutungsweise über die Bestimmung des Petiolus äußerte , so sprach 
er sich später auf meine Veranlassung klar dahin aus, der Petiolus 
diene wie das Endglied des vorletzten Fußes der Curvipes çfçf als 
Samenüberträger. Dagegen muß ich mein Bedenken zum Ausdruck 
bringen. Bekanntlich entnimmt das Curvipes (j^ (C. fuscatus) den 
Samen mit dem in seiner Bewegung uneingeschränkten dritten Fuße 
der Vesica seminalis und überträgt denselben auf das weibliche Ge- 

21 



374 

nitalorgan. Wie sollte nun aber der Same beispielsweise bei Arrenu- 
7'us maculator (Müll.) ç^ oder Arrenurus afßnis Koen. q^ an den 
starren und unbeweglichen Petiolus gelangen ? Selbst eine uneinge- 
schränkte Beweglichkeit des Organs vorausgesetzt, würde es nicht lang 
genug sein , um mit der Geschlechtsöffnung in Berührung zu treten, 
abgesehen davon, daß der Petiolus jeder Einrichtung bar ist, die zum 
Festhalten des Samens dienen könnte. Ich griff ein für Piersig's 
Ansicht günstiges Beispiel heraus. Wie gestaltet sich nun aber die 
Sache bei einem Arrenurus rf , bei dem, wie Piersig sagt, «sich der 
kleine Petiolus auf dem Grunde der dorsalen Anhangsmulde befindet« '? 
Wie überwindet hier der kleine Petiolus die Schwierigkeit, nach der 
Ventralseite bis zur Geschlechtsöffnung zu gelangen? Es ließen sich 
noch andere drastischere Beispiele [Arrenurus globator , Arrenurus 
caudatus etc.) anführen, doch möchten die genannten genügen, um 
darzuthun, daß der Petiolus kein Samenüberträger sein kann. Indessen 
will ich Piersig's Beobachtung, daß das Arrenurus-ç^ den Petiolus 
gelegentlich der Copulation an das weibliche Genitalorgan bringt, 
keineswegs in Zwgifel ziehen, doch geschieht das vielleicht nur zum 
Zweck des Heizens. Bei dieser Annahme ließe sich das Fehlen be- 
ziehungsweise die Verkümmerung des fraglichen Organs eher erklären. 
Ebenso muß ich Piersig's Angabe über Begattung im Genus 
Piona widersprechen. Vor 4 Jahren machte ich an diesem Orte eine 
Beobachtung über die Copulation bei Curvipes ftiscatus (Herm.) so 
ausführlich bekannt , wie es der Rahmen dieser Zeitschrift gestattet. 
Piersig spricht eine gleiche Begattungsweise den Peowß-Species zu. 
Ich widersprach dem unter Hinweis auf die völlig abweichende Or- 
ganisation der Piona-(:^(^ , die statt des Klammeigliedes am letzten 
Fuße der Ctirvipes-ç^çf eine Verdickung des bezüglichen Fußseg- 
mentes besitzen. Außerdem geht jenen die von mir zuerst bei Ourvi- 
pes uncatus Koen. ç^ i nachgewiesene Vesica seminalis ab. Auch hat es 
mir nicht gelingen wollen , eine dem Samenüberträger der Curvi- 
pes-ç^ç^ analoge Bildung bei einem Piofia-çf aufzufinden. Überein- 
stimmend mit dieser abweichenden Organisation steht auch im Ein- 
klang, daß ich niemals bei irgend einer Piona-Yorm. ein Verhalten 
beobachtet habe, worin sich ein Analogon zu der Curvipes-Co-pu\a.tion 
erkennen ließe. Statt daß nun Piersig seine Behauptung durch Bei- 
bringen von Beweismaterial zu erhärten sucht, ergeht er sich in per- 
sönlichen Bemerkungen über mich, wodurch die Angelegenheit nicht 
um Haaresbreite geklärt und "gefördert wird. 



1 Koenike, Eine neue Ht/ drachti a aus schwach salzhaltigem Wasser. Ab- 
handlungen d. naturw. Ver. Bremen. 10. Bd. 2. Hft. p. 284—286. Taf. Ill Fig. 10, 
12 und 13. 



375 



I 



Pi er si g erkennt in Fiona lutescens (Herrn.) den typischen Ver- 
treter einer besonderen Gattung [Pionopsis Piers.), «weil der wesent- 
lich andere Hau des männlichen Hinterbeines ihre Einordnung als 
nicht berechtigt erscheinen läßti. Die nachstehend beschriebene ge- 
nerisch jedenfalls von P. lutescens nicht zu trennende neue Art zeigt 
im (^ durch die Beschaffenheit des letzten Fußes aufs beste, daß P.'s 
Genus Pionojjsis nicht von Nüthen ist. 

Piona ensifer n. sp. 

c^. P. lutescens (Herm. ) çj' sehr nahe stehend. Körperlänge 
0,6 mm, Breite 0,48 mm, Höhe 0,38 mm [P. lutescens ç^ bei gleicher 
Körperlänge 0,32 mm hoch). Der Körper mit Anhangsorganen licht 
lilafarben. Körperumriß eiförmig, breites Ende vorn, an den Hinter- 
randsecken flach ausgebuchtet. Yorderkörper im Gegensatze zu P. lu- 
tescens (^ weit vorragend. Augenpaare klein und 0,16 mm (bei P. 
lutescens (j^ 0,10 mm) von einander entfernt. Epimeralgebiet im All- 
gemeinen wie beim ç^ der Vergleichsart, doch Innenkante der beiden 
hinteren Paare 0,22 mm lang (bei P. lutescens dagegen nur 0,16 mm), 
und die breit abgerundete Hinterrandsecke der letzten Platte weit 
weniger vorspringend. Maxillartaster im vierten Gliede kürzer 
(0,10 mm) als bei P. lutescens çf (0,14 mm), der Chitinzapfen innen 
am distalen Ende desselben Gliedes wie das Endsegment gekrümmt, 
am Grunde kräftig und doppelt so lang 
(0,02 mm) wie bei der Vergleichsart (0,01mm); 
in der Mitte der Streckseite des vorletzten 
Gliedes eine kurze starke Borste. Länge der 
Gliedmaßen durch eine merkliche Verkürzung 
abweichend; die Hauptunterschiede am Hin- 
terfuße, dessen viertes Glied schwach ver- 
dickt mit einer langen gekrümmten , äußerst 
kräftigen Säbelborste, daher die Bezeichnung 
(Fig. 1) ; vorletztes Segment länger und ohne 
Krümmung, distales Ende statt der zwei- 
spitzigen starken Borsten mit einem Büschel 
ungemein langer Schwimmhaare; Endglied 
abweichend mit kurzer dichter Behaarunsr. 
Der Geschlechtshof aus der Epimeralbucht 
weiter nach hinten vorragend, doch in der 
Gestalt sowie nach Zahl und Lagerung der 
Näpfe mit dem des P. lutescens ç^ überein- 
stimmend; die Platten weniger chitinisiert , namentlich um die viel 
schmalere Genitalspalte. 

Q . Körperlänge bis 1, 1 mm. Epimeralgebiet nach Lagerung, Aus- 

1* 



Fig. 1. 




376 

dehnuiig und Gestalt wie bei P. lutescens Q. , nur die vorstehende 
Spitze an der Hinterkante der letzten Platte dadurch stumpfer , daß 
die letztere an der Außenseite breiter ist. Füße kürzer als bei genann- 
ter Species, dritter Fuß nicht verkürzt, die drei ersten Paare etwa 
gleich lang; die Krallen sämmtlicher Füße sehr groß. Geschlechtsfeld 
wie bei der Vergleichsart, doch der letzte Napf mehr nach hinten ge- 
rückt. Vagina 0,175 mm lang. Im Übrigen mit Ausnahme des letzten 
Fußpaares in allen Merkmalen mit dem ç^ übereinstimmend. 

Fundort: Sumpf bei Schlaupitz, gesammelt von Herrn K. 
Knauthe, Mai 1894. 

In Arrenurus Madei 'Koen. vermuthet Piersig ein jugendliches 
(^ zu Arremirus forpicatus Neum. Dem gegenüber muß ich denn doch 
betonen , daß es sich in dem als Typus für die Art dienenden Indivi- 
duum um ein voll entwickeltes Stadium handelt; dafür spricht nicht 
nur der überall gleich starke Hautpanzer, sondern auch die winzigen 
Poren mündungen desselben und die in ihren Contouren undeutlich 
abgegrenzten Epimeren. Außer den sich aus meiner Diagnose und 
der sie begleitenden Abbildung von Arrenurus Madei ergebenden 
specifischen Unterschieden mache ich noch auf folgende aufmerksam. 
Der eckige Körperanhang hat einen in der Stellung abweichenden 
Borstenbesatz. Ferner ist der durch die Genitalplatten gebildete 
Wulst bei Weitem kleiner. Vor diesem Wulste tritt bei Rückenlage 
die Körperecke breit wulstartig vor. Auch bietet die Gestalt des 
Petiolus^ einen specifischen Unterschied; während sich nämlich bei 
Arrenurus forpicatus vor dem freien stumpfspitzigen Ende desselben 
eine knotige Verdickung befindet, so ist das bei Arrenurus Madei 
nicht der Fall. Endlich zeigen die beiden Doppelaugen der Neu- 
m an 'sehen Art einen gegenseitigen Abstand von 0,19 mm, während 
derselbe bei der meinigen 0,27 mm beträgt. Ausführlicher auf Details 
einzugehen, ist hier nicht der Ort. 

Ich begrüße es, daß Piersig endlich seinem Arrenurus maculator 
(Müll.) in Wort und Bild eine einigermaßen greifbare Gestalt verleiht, 
liis auf das Rückenhöckerpaar herrscht bei unseren zwei auf Mülle r's 
Species bezogenen cf o^ »in Größe, Färbung, Gestalt und Ausstattung 
große Übereinstimmung«. Betreffs des Unterschiedes in der Gestalt 
der Rückenhöcker hat eine von mir vorgenommene Prüfung ergeben, 
daß meine früher publicierte bildlich dargestellte Seitenansicht des 
Arrenurus maculator çf offenbar nach einem nicht völlig ausgewach- 

- Früher im Besitz von nur einem einzigen dürftig erhaltenen Exemplar von 
Arrenurus forpicatus Neum. (5 bestritt ich das Vorhandensein eines Petiolus, habe 
mich indes nunmehr , nachdem ich über ein intactes Individuum verfüge, vom Ge- 
sentheil überzeugt. 



377 

senen Individuum angefertigt wurde. Norm ist die Gestalt des 
Höckers, wie sie Piersig's Abbildung (Fig. 3 in No. 473) zeigt. Ich 
verfüge über ein çf , dessen Rückenhöcker den Übergang zwischen 
denen in Piersig's Figg. 2 und 3 (ebenda) zur Anschauung bringt. 
Der von Piersig »mit Vorbehalt« geschaffene Name Arrenurus deci- 
piens wird mithin nur die l^edeutung eines Synonyms zu Arrenurus 
maculator (Müll.) haben. 

Piersig bildet bekanntlich in dieser Zeitschrift (No. 401 p. 342) 
ein für ihn namenloses Arrenurus-ç^ ab. Später tritt uns in seinem 
Verzeichnis von »Sachsens Wassermilben« (ebenda No. 449, p. 215) 
der begrifflose Name Arrenurus cordatus Piers, entgegen. Erst auf 
meine Veranlassung erfahren wir , daß jener Arrenurus unter diesem 
Namen zu verstehen sei. Ich glaubte die gleiche Art auf Arremirus 
latus Barr, und Mon. beziehen zu müssen. Da ich indes meiner Sache 
ungewiß war, so bat ich Herrn Prof. Dr. Barr ois um Prüfung meiner 
Bestimmung, indem ich das fragliche Thier in natura einsandte. Der 
französische Gelehrte w^ar so gefällig, mir zu antworten: »J'ai examiné 
vos préparations ; V Arrenurus latus Barr, et Mon. est absolument con- 
forme à nos types«. Piersig's Bezeichnung der Art muß demnach 
zu Gunsten derjenigen der französischen Forscher fallen. 

Da Kram er und Piersig im Zweifel sind, ob A. maximus Piers, 
mit Arrenurus tricuspidator (Müll.) Beri, identisch sei, so bat ich mir 
von dem italienischen Autoren einen Beleg zu letztgenannter Art aus 
und Herr Prof. Dr. Beri es e war so liebenswürdig, meiner Bitte zu 
entsprechen. Es hat sich nun in Wirklichkeit herausgestellt, daß es 
mit der von mir ausgesprochenen Identität [A. maximus Piers. = A. 
tricuspidator Beri.) seine Richtigkeit hat. Ber lese's Art hat im ç^ in 
der That ein hyalines Anhängsel von gleicher Gestalt und neben dem 
Petiolus dieselben krummen Borsten wie Piersig das bei A. maxi- 
mus darstellt. Auch der Haarbesatz am hinteren Körperanhange stimm 
bis auf eine Borste an der Innenseite der vorstehenden Hinterrands- 
ecken , die Be rie s e zeichnet, Piersig aber übersehen haben dürfte. 
Was Piersig zum Beweise dafür vorbringt, daß Müller's und Ber- 
ese's Form nicht synonym seien, vermag ich nicht als den That- 
sachen entsprechend anzuerkennen. Der scheinbare Unterschied in 
der Anzahl der Pückenhöcker erklärt sich dadurch, daß A. tricuspi- 
dator (Müll.) jederseits des großen zweispitzigen Höckers noch eine 
bei Weitem niedrigere Erhebung besitzt, die mit starker Lupe nur dann 
als solche erkannt wird, wenn man sich zuvor bei stärkerer Vergröße- 
rung von deren Vorhandensein überzeugte. Müller dürfte mithin an 
betreffender Stelle nur den mittleren großen Höcker erkannt haben. 

Ich bin mit Kramer derselben Ansicht, daß B erlese seine Form 



378 

mit Recht auf Hydrachna tricuspidator Müll, bezog. Außer den vou 
Berlese^ angeführten Gründen für diese Identität verweise ich noch 
auf die Übereinstimmung bezüglich des Körperanhanges in Betreff der 
ungewöhnlichen Länge, die sich bei Müller aufs deutlichste aus 
dessen Abbildung ergiebt. 

Über die Synonymie, die Piersig bei A. caudatus (de Geer) und 
A. huccinator Koch vortrug, bin ich abweichender Meinung. Ich halte 
mit Müller dessen Hydrachna huccinator für gleichartig mit Acarus 
caudatus de Geer und A. caudatus Koch (2, 24) und beziehe auch im 
Gegensatze zu Kram er A. caudatus Neum. und A. buccinator Beri, 
auf ^. caudatus (de Geer). In einer kürzlich erschienenen Publika- 
tion^ habe ich mich bemüht, ein möglichst naturgetreues Bild des 
männlichen Schwanzendes der gedachten Species darzustellen. Der 
mit h^ in Fig. 21 auf Taf. I bezeichnete Höcker tritt als mehr oder 
Aveniger deutlicher Fleck in den entsprechenden Figuren genannter 
Autoren auf, worauf ich mich bei der ausgesprochenen Identität einer- 
seits stütze und andererseits auf das Vorhandensein zweier kräftiger 
Vorsprünge am Hinterrande des Anhanges. In A. buccinator Koch 
(13, 7) erkenne ich mit Kramer und Piersig eine besondere Species, 
für welche , die Richtigkeit der von mir dargelegten Synonymie vor- 
ausgesetzt, die Piersig'sche Bezeichnung A. securiformis selbst- 
redend zu entbehren ist; deren correcter Name wird vielmehr A. bucci- 
nator Koch sein. Kr am er will den echten A. buccinator Koch in 
Holstein aufgefunden haben und giebt die Rückenansicht des (^ in 
No. 465 dieser Zeitschrift p. 3 , doch entspricht diese sehr wenig der 
Koch'schen Abbildung (13, 7). Besser paßt die letztere zu einem 
Arrenurus - ç^ , das ich durch Herrn Dr. Steck aus der Schweiz zu- 
geschickt erhielt, namentlich in Bezug auf die starke Einschnürung 
am Grunde des Körperanhanges, die an dieser Stelle wulstartig vor- 
stehenden Geschlechtsplatten und das verbreiterte und scharfeckige 
Hinterende des Anhanges. Characteristisch ist das çf durch einen 
kräftigen Höcker nahe am Hinterende auf dem Anliange , der selbst 
in Koch's Beschreibung Erwähnung rindet; dieser Höcker zeigt 
bei Dorsalansicht Herzform , deren Spitze nach vorn gerichtet ist, 
was man in Koch's Figur auch angedeutet findet. Kramer's 
Arrenurus-ç^ muß wegen des Mangels einer Einschnürung an der 
Basis des Anhanges und des kräftigen Höckers mit herzförmigem Um- 
riß specifisch von A. huccinator Koch geschieden werden und ich 



3 A. Berlese, Note relative agli Acari, Miriapodi e Scorpioni Italiani. 4.Hft. 
p. 9—10. 

* Koenike, Nordamerikanisehe Hydrachniden. Abhandlungen des naturw. 
Ver. Bremen, 181)5. 13. Bd. p. 167— 22ü. Taf. I— III. 



379 



benenne ihn ob der prächtigen Färbung, deren auch Kram er ge- 
denkt Arremirus festivus n. sp. (Fig. 2). Da Kramer's betreffende 
Zeichnung im Hinterende des Anhanges, besonders im Eorstenbesatz 
nicht ganz der \yirklichkeit entspricht 5, so füge ich hier die Rücken- 
ansicht nochmals bei. Ich fand A. festivus am 2. Juli 1882 auf dem 
Stadtwerder bei Bremen in mehreren c?cf ^^^1 1 Q . 

Arrenurus Knauthei n. sp. 
(^. Körperlänge 0,88 mm, größte Breite 0,57 mm. Farbe gelblich 
braun, die Seiten dunkellila, der Anhang weißlich. Hinsichtlich des 



Fig. 2. 



Fig. 3. 





Anhanges zu der Gruppe des A. integrator (Müll.) gehörend. Anhang 
kurz, recht breit, oben muldenartig vertieft und nur undeutlich vom 
Körper abgegrenzt, Hinterrand mit zwei schwachen Einkerbungen 
und acht Borsten (Fig. 3). Rückenbogen hinten nicht geschlossen, 
sondern wie bei A. Stecki mihi ç^ auf den Anhang übergreifend und 
an den Seiten endigend. Bauchseite schwach, Rückenseite stark ge- 
wölbt, in der Mitte am höchsten (0,48 mm), nach vorn wenig, nach 
hinten stark abfallend; keine Rückenhöcker. Augen weit nach hinten 
gerückt, bei Bauchlage unmittelbar am Rückenbogen erscheinend und 
0,18 mm von einander entfernt. Das zweite Tasterglied auf der Innen- 
seite wie bei A. pectinatus mihi und A. setiger mihi mit dichtem 
Borstenbesatz. Epimeralgebiet etwa demjenigen des A. setiger q^ 

5 Herr Prof. Dr. Kram er war so gefällig, mir ein (5 zur Ansicht zukommen 
zu lassen, wofür ihm auch an dieser Stelle verbindlichst gedankt werden möge. 



380 

gleichend, doch der Hinterrand der letzten Platte mehr abgerundet; 
die Oberfläche der Epimeren , namentlich der vierten, warzenartig. 
Viertes Glied des Hinterfußes ohne Fortsatz. Im Geschlechtshofe 
gleichfalls an den des A. setiger erinnernd, besonders bezüglich der 
ungewöhnlichen Breite der Platten; diese näher an die 0,056 mm 
lange Geschlechtsspalte hinan und vor der letzteren zusammentretend; 
nach außen hin die Platten sich beträchtlich verschmälernd und den 
Seitenrand des Körpers bei Weitem nicht erreichend; die Grenzlinien 
der Platten undeutlich. 

Fundort: Sumpf (bis 1800 Karpfenteich) bei Schlaupitz, Mai 1894. 

Herrn Knauthe, dem vorstehende durch ihn entdeckte neue 
Form pflichtschuldigst gewidmet wird, ist es nicht nur gelungen, 
mehrere unbekannte Arten zu erbeuten, sondern auch zwei an- 
scheinend recht seltene Müll er' sehe ^rre^ïMrws-Species wieder auf- 
zufinden: A. tuhulator und A. truncatellus , welch' letztere ich auch 
von einer Fundstelle bei Bremen kenne. 

Nach Piersig stehen Curvipes clavicornis Barr, und Mon. uud 
C aduncopalpis Piers, einander so nahe, daß nicht zu entscheiden sei, 
welche der beiden Formen mit HydracJma clavicornis Müll, identifi- 
ciert werden könne. Man versteht dann nur nicht, weshalb Piersig 
bei der Beschreibung seiner Art nicht auch C. clavicornis Barr, und 
Mon. zur Vergleichung herangezogen hat, was zur besseren Kenn- 
zeichnung der Species gedient hätte. Piersig' s Einwand betrefi's 
des äußeren Genitalorgans muß ich gelten lassen, doch bleibt abzu- 
warten, ob durch spätere Funde Piers ig' s Form (Q) sich nicht etwa 
als ein nicht völlig ausgewachsenes Stadium von C. clavicornis erweist. 

Curvipes disparilis n. sp. 

C. rotunchis Kram, sehr nahe verwandt. Füße und Palpen gelb- 
braun , Körper heller, meist in's Gelbliche übergehend. Palpen 
nennenswerth dicker als das erste Fußpaar, viertes Glied kürzer als 
das des C. rotundus\ der Chitinzapfen am distalen Ende (Beugeseite) 
des Gliedes länger, die Höcker hingegen kürzer und abweichend be- 
haart. Freies Ende des Mandibelgrundgliedes ungemein spitz und 
stark verlängert. 

ç^. Körperlänge bis 0,9 mm. Bau des äußeren Genitalorgans wie 
bei C. rotundus çf, doch das mit einander verwachsene Napfplattenpaar 
der neuen Art mit bedeutend stärkerer seitlicher Ausdehnung (0,53 mm) 
und seine hintere Ausbuchtung beträchtlich tiefer ; das Plattengebiet 
stark chitinisiert , wie die Füße gelbbraun gefärbt und mehr als die 
dreifacheZahl Näpfe tragend (Fig. 4). Geschlechtsspalte 0,08 mm lang. 
Samenüberträger ähnlich wie der des çf der Kr am er' sehen Art. 



381 



Ç. Körpeilänge bis 1,2 mm. Das äußere Genitalorgan bei stär- 
kerer seitlicher Ausdehnung Fig. 4 
(0,65 mm) die gleiche Gestalt 
wie bei C. rotimdus Q zeigend, 
doch wie beim ç^ durch eine 
mehr als dreifache Anzahl der 
Näpfe unterschieden. Vagina 
0,176 mm; das kugelrunde reife 
Ei von gleichem Durchmesser. 

Fundort: Schweiz, an 
mehreren Stellen meist in 
äußerst zahlreichen Indivi- 
duen von Dr. Th. Steck ge- 
sammelt. ^ 

Curvipes discrepans n. sp. 

Die Art zeigt im Q, eine überraschende Ähnlichkeit mit C. Neu- 
mani Koen. , die so weit geht , daß es mir bis jetzt noch nicht gelang, 
einen belangreichen Unterschied aufzufinden, während die cTcf gut 
gekennzeichnet sind. 

Q^. Körperlänge bis 0,55 mm. Farbe gelblich weiß, fast durch- 
scheinend. Maxillartaster (Fig. 5) von etwas mehr als halber Körper- 
länge und stärker als der Vorderfuß ; im Höckerbesatz des vierten 

Fig. G. 

r\. 



Fig. 5 





Gliedes an die Palpe von C. Neumani çf erinnernd (diese Zeitschrift 
1893, No. 435, p. 462 Fig. 2). Die Krallen des Samenüberträgers gegen- 
über denen der beiden Vorderfüße sehr verkleinert, doch beide von 
gleicher Bildung, mit stark gekrümmtem Haken. Die schwach chiti- 
nisierten, äußerst fein und dicht porösen Geschlechtsplatten mit dem 
letzten Epimerenpaare weitgehend verschmolzen; das Plattengebiet 
seitlich um die letzte Epimere herumgreifend bis zur Einlenkungs- 



382 



stelle des letzten Fußes (Fig. 6), hinten vorragend, den Anus ein- 
schließend; keine tiefe Geschlechtstasche wie bei C. Neumani çf, 
sondern nur mit flacher Senkung hinter der kurzen Geschlechtsspalte 
(0,03ram); jene vorn jederseits durch eine gebogene Linie abgegrenzt, 
die bei nicht ausgewachsenen cTcf schärfer hervortritt; die Zahl der 
Geschlechtsnäpfe wie bei C rotundas Kram. — Ob die hier kurz ge- 
kennzeichnete Art mit der von Piersig beschriebenen und im Ç 
auch abgebildeten namenlosen Form (dieseZeitschrift, No. 431,p, 396) 
identisch ist, vermag ich nicht zu entscheiden. 

Fundort: Schweiz, an vielen Stellen, doch stets in geringer In- 
dividuenzahl von Dr. Th. Steck gesammelt. 

Cur dip e s co actus n. sp. 
ç^. Körperlänge 0,45 mm. Färbung wie bei C. conglohatus Koch; 
Fußspitzen gleichfalls röthlich gelb. Körpergestalt kurz eiförmig, ge- 
drungen und kräftig (Fig. 7). Maxillarorgan recht breit. Palpe 0,28 mm 



Fig. S. 




lang und dicker als der Vorderfuß; viertes Glied auf der Beugeseite 
mit zwei von je einem Härchen besetzten Höckern wie bei C. dispa- 
n7e5 mihi, doch etwas weiter aus einander; distales Ende desselben 
Tastersegmentes auf der Innenseite mit kurzem kräftigem Chitin- 
zapfen ; Endglied sich nach der Spitze zu auffallend verjüngend und 
hier mit zwei winzigen Chitinhäkchen. Epimeren nur etwa die vor- 
dere Hälfte der Ventralseite bedeckend und recht derb gestaltet. Fuß- 
spitzen der zwei ersten Paare nicht verdickt; Haarbesatz der Füße 
mäßig; am Samenüberträger kleine Doppelkralle mit je zwei stark 
gekrümmten Haken. Geschlechtshof nahe am letzten Epimerenpaar, 
mit letzterem durch ein schmales schwach chitinöses Zwischenstück 



383 

zusammenhängend; Geschlechtsspalte 0,05 mm; die beiden stark 
chitinisierten flügelartigen Napfplatten nicht mit einander verwachsen, 
jede mit nur wenigen Näpfen. — Im Geschlechtshofe ist das einzige 
mir vorliegende rf offenbar abnorm gestaltet, da die linksseitige Platte, 
wie Fig. 7 zeigt, sechs Näpfe und die rechtsseitige nur drei Näpfe 
trägt. Ich setzte voraus, daß 6-Napfigkeit für die neue Art Regel sei. 
Fundort: Borkum, von Prof. Dr. O. Schneider (Blasewitz) im 
Sommer 1894 gesammelt. 

Limile sia connata n. sp. 

rf. Kürperlänge 0,5 — 0,6 mm. Umriß des Körpers kurz eiförmig, 
hinten am breitesten. Epidermis fein guillochiert. Augenpigment- 
körperchen roth. Maxillarorgan wie bei L. undulata^^\\S\..) ungemein 
breit. Erstes Epimerenpaar hinten nicht wie bei L. undulata zusam- 
mengewachsen (Fig. S). Maxillartaster von '-j-^ Körperlänge, zweites 
Glied annähernd so lang wie das vorletzte und seine Beugeseite bei 
Seitenlage des Tasters geradlinig; der Chitinstift kurz und nahezu in 
der Mitte — ein wenig mehr nach vorn zu — ohne Basalhöcker , un- 
mittelbar auf der Cutis eingelenkt wie bei Limnesia anomala Koen. 
(Nordamer. Hydr. Taf. II Fig. 51), deren Palpe die hier zu beschrei- 
bende auch hinsichtlich der Borstenausstattung mit Ausnahme der 
Fiederung gleicht. Füße von gewöhnlicher Länge; Borstenbesatz nur 
spärlich. Der Geschlechtshof (Fig. S) in der Mitte der Bauchseite, 
Platten an beiden Enden mit einander verwachsen und mit je drei 
kleinen Näpfen ; am Außenrande der Platten zahlreiche feine Härchen. 

Fundort: Borkum, von Prof. Dr. O. Schneider gesammelt; 
ich traf 1 (J' im Stedingerlande (Oldenburg) an. 

liyg roh at e s trig onicus n. sp. 

(,2. Körperlänge 0,65 mm, größte Breite 0,5 mm. Körperumriß 
elliptisch. Maxillarorgan ähiilich wie bei //. longipalpis (Herm.), doch 
schlanker und nach hinten zu sich mehr verschmälernd (Fig. 9). 
Maxillartaster von kaum halber Körperlänge , also verhältnismäßig 
sehr viel kürzer als bei H. longipalpis , im Übrigen gestaltet wie bei 
dieser Species; zweites Glied mit gleich langem gezähneltem Zapfen 
an derselben Stelle; auch das dritte Glied gezähnelt, doch Zahl der 
Zähnchen wesentlich geringer; Endglied gleichfalls zweispitzig. Hüft- 
platten undeutlich dicht netzartig punctiert; letzte Epimere dreieckig, 
daher der Name. Füße von mittlerer Länge und reicher behaart als 
bei der Vergleichsart, doch auch ohne Schwimmhaare. Genitalhof 
dreieckig; jederseits der 0,12 mm langen Vagina drei Näpfe. 

Fundort: Schwarzer Teich zu Schlaupitz, November 1893, l In- 
dividuum, gesammelt von Herrn K. Knauthe. 



384 



Acercus cetratus n. sp. 
(^. Körperlänge bis 0,6 mm. Farbe gelblich weiß mit lilafarbenem 
Anfluge, Gliedmaßen einschließlich Palpen hell- lila, nach den freien 
Enden zu dunkler werdend. Körpercontour elliptisch, Stirnende 
kräftig ausgerandet ; an den beiden Ecken dieser Ausbuchtung ein 
kräftiger Höcker mit langem und auffallend stark gekrümmtem an- 
tenniformen Haare (Fig. 10). Epidermis kräftig guillochiert ; Rücken 
mit einem porösen Schilde in der Augengegend, ähnlich wie inner- 
halb der Gattung Hy dry pliantes Koch ; dazu noch mehrere Schildchen 
auf gleicher Körperseite, daher cetratus; sämmtliche Drüsen mit 
porösem Hofe umgeben. Palpen dicker als das erste Fußpaar, von 
mehr als halber Körperlänge (0,35 mm) und ihr distales Ende wie bei 
Acercus cassidiformis (Hall.) (^6 nach auswärts abgebogen. Das End- 
glied des ersten und zweiten Fußes verdickt; letzter Fuß ähnlich wie 

Fig. 10. 





bei A. cassidiformis am vierten Gliede fünf krumme und kurzgefie- 
derte Borsten ; unter den zwei dicken , wie bei der Vergleichsart ge- 
krümmten und nach vorn gerichteten Dornborsten des Endgliedes 
noch zwei dünnere von gleicher Länge; sieben sehr kurze Dornborsten 
nicht wie bei A. liliaceus (Müll.) ç^ auf concaver, sondern auf con- 
vexer Seite des Gliedes. Epimeralgebiet und Genitalhof wie bei A. 
liliaceus (^ , doch umfangreicher; Genitalplatten breiter, etwa je zwei 
Dutzend Näpfe zählend; hinten die Platten mit einem porösen Chitin- 
rande gesäumt, der sich außen am Epimeralgebiete fortsetzt, sich nach 
vorn zu allmählich verbreiternd. Anus und Analdrüsen mit porösem 



6 A. cassidiforììiis (Hall.) liegt mir zur Vergleichung in natura vor und wurde 
von Dr. Th. Steck in der Schweiz gesammelt. 



385 

Chitinhof eingefaßt, der mit dem Chitinrande des äußeren Genital- 
organs in Verbindung steht, dadurch eine Gestalt erzeugend, wie sie 
das große Rückenschild hinten zeigt. 

Q. Körperlänge 0,88 mm. Rückendrüsen gleichfalls mit Chitin- 
hof. An Rückenschildern nur die beiden Ausläufer des großen männ- 
lichen Schildes iFig. \0p) vorhanden, dagegen das Schild selbst sowie 
die übrigen Schildchen fehlend. Palpen kürzer (0,27 mm) als beim (j^, 
doch auch dicker als der Vorderfuß. Endglied der zwei ersten Fuß- 
paare kaum merklich verdickt. Epimeralgebiet und Genitalhof ähn- 
lich wie bei A. liliaceus Ç ; Vagina 0, 176 mm lang; die Geschlechts- 
platte mit zahlreichen Näpfen, sich in der Gestalt von derjenigen des 
A. liliaceus Q dadurch unterscheidend , daß sie auf der Innenseite 
hinten eine stark vorspringende Ecke hat. 

Fundort:Schweiz, gesammelt in 4 (^fcfu. 2 Ç Ç vonDr.Th. Steck. 
Sperchon hispidus n. sp. 

Körperlänge 0,65 mm. Körperumriß fast wie bei /S^j. glandulosus 
Koen., doch vorn merklich breiter, beinahe kreisrund. Stark ent- 
wickelte Hautdrüsen fehlen. Die überhaut erscheint netzartig ge- 
feldert , die runden Felderchen mit zahlreichen kurzen Borsten ein- 
gefaßt, die Hautoberfläche also rauh, deshalb liispidus. Maxillarplatte, 
Taster, Epimeren, Genitalklappen und Füße großporig. Die Augen- 
paare wie bei der Vergleichsart gelegen, 0,25 mm von einander. 
Rostrum kürzer und ohne blattartigen Fortsatz an der Spitze ^ ; Ma- 
xillarplatte am Hinterrande nicht ausgebuchtet, sondern abgerundet ; 
die obere Wandung nach hinten weniger vortretend und ihre zwei 
Fortsätze (Fig. liy"; kürzer und dünner; Falten fehlen an den Seiten 
des Organs; Mundrinne weiter (Fig. 1 1 r] und die Öffnung zwischen 
den beiden Taster -Insertionsstellen kreisrund (Fig. W p). Zweites 
Palpenglied mit sehr langem (0,08 mm) und dünnem Zapfen, der nahe 
am freien Ende mit einem starken und einem schwachen Haare aus- 
gestattet ist. Ob der Taster noch weitere beachtenswerthe Unter- 
schiede darbietet , vermag ich nicht anzugeben , da bei dem einen 
mir zur Beschreibung vorliegenden Individuum das distale Palpen- 
ende verloren gegangen ist. Epimeren wie bei Sp. glandulosus. Glied- 
maßen sehr kräftig, und die freien Fußenden auffallend verdickt; der 
blattartige Grundtheil der Fußkralle stärker erweitert. 

Fundort: Schlesien (kl. Iser), August 1885, von Dr. O. Zacha- 
rias gesammelt. 

An anderer Stelle veröffentliche ich noch vier weitere neue Sper- 
cÄow-Species aus der Schweiz. 

" Koenike, Ein neues Hydrachniden-Genus. Wiegm.Arch. 1890. l.Bd. Taf.V 
Fiff. 10. 



386 



Atax tricuspis n. sp. 
Leicht mit At. aculeatus Koen. zu verwechseln, die Q. Q beider 
Muschelschmarotzer am sichersten an dem paarigen Genitalstachel- 
apparat zu unterscheiden, dessen rechtsseitige Hälfte durch die Figg.l2 
und 13 veranschaulicht wird. Weibliches Geschlechtsfeld wie bei der 
Vergleichsart mit vier schwach chitinisierten Platten, beiderseits der 
Vagina hinter einander gelagert vmd in der Gestalt so Avie der Lage- 
rung der zehn Näpfe denen von Atax lynceus Koen. fast völlig gleich, 
der vorderen Platte dei neuen Art fehlt indes die Außenecke *^; die 
hintere Innenecke jeder Vorderplatte in einen 0,064 mm langen über 
den Hinterrand des Körpers hinausragenden Fortsatz ausgezogen, der 

Fig. 11. Fig. 13. 

Fig. 12. ^'^ 






scharfspitzig endigt und auf der Außenseite neben dieser Spitze zwei 
kleine Stacheln hat (Fig. 12siunds2)^ dadurch dreispitzig erscheinend, 
deshalb tricuspis. Beide analoge Stacheln bei A. aculeatus Q wesent- 
lich länger, der Nebenstachel (Fig. 13 s2j abweichend inseriert. 

Fundort: Parasitisch auf Bivalven der kleinen Weser und des 
Habenhauser Werders bei Bremen. In Mecklenburg wurde die Art bei 
Schwerin von Dr. Dröscher in Anodonta angetroffen und fälschlich 
unter der Bezeichnung A. aculeatus Koen.^ aufgeführt. (Schluß folgt.) 

II. Mittheilungen aus Museen, Instituten etc. 

1. Remarques sur les indications des grossissements dans les dessins 

micrographiques. 

Par H. Bol si us, S. J., Oudenbosch. 

eingeg. 10. Juni 1895. 

Dans les »Règles de la nomenclature des êtres organisés adoptées 
par les Congrès internationaux de Zoologie (Paris, 1889; Moscou, 
1892)« nous trouvons exposées, aii § VIII, quelques questions 
connexes. 



8 Koenike, Hydrachniden. F. Stuhlmann, Die Thierwelt Ostafrikas. ISQî^. 
4. Bd. Fig. 5. 

'^ W. Drosch er, Beiträge zur Biologie des Schweriner Sees. Beilage z. Progr. 
d. großherzogl. Realgymnasiums in Schwerin f. d. Schuljahr 1891 — 92. p. 9. 



387 

L'article 62 porte: »L'indication du grossissement ou de la réduc- 
tion est indispensable à l'intelligence d'un dessin. Elle s'exprime en 
chiffres, et non en mentionnant le numéro des lentilles à l'aide des- 
quelles l'image a été obtenue«. 

Le Chanoine J. B. Carnoy, dans la Biologie cellulaire 
(1884) avait adopté une autre manière d'indication. »Aujourd'hui,« 
dit-il à la page 75, »on préfère marquer le grossissement d'une manière 
indirecte, en spécifiant l'oculaire et l'objectif employés, et en notant 
le nom de leur constructeur. On dit, par exemple, gr. = obj. D, 
ocul. 2 (Zeiss). C'est cette dernière notation que nous avons adoptée.« 

De fait , lui et ses élèves ont fidèlement gardé en général cette 
manière de noter les grossissements, comme témoignent les dix beaux 
volumes de »la Cellulecf. 

Le Dr. Dav. Carazzi publia dernièrement (Zool. Anz. No. 473, 
p. 162 fi'.) une note tendant à prouver 1° que cette méthode n'est pas 
pratique, 2° qu'elle n'a aucune utilité, 3° qu'il y a une manière très 
pratique et très utile pour donner le grossissement. 

Tout l'exposé du Dr. Carazzi est une sorte de commentaire de 
l'article 62 , cité ci-haut , bien que dans sa publication l'auteur ne 
mentionne nullement les »Règles de la nomenclature« etc. 

Nous voilà devant deux manières d'indication qui tendent à s'ex- 
clure l'une l'autre. Laquelle des deux est la meilleure? 

Puisque la première est adoptée par les congrès internationaux, 
il faudra désormais s'y conformer, et exprimer en chiffres le grossis- 
sement approximitif de ses figures, et cela, nous le voulons bien, cal- 
culé d'après la méthode qu'indique le Dr. Carazzi. 

Et la méthode adoptée par le chan. Carnoy c. s. et par d'autres 
encore, est-elle si peu pratique et si inutile que le veut le Dr. Ca- 
razzi? Partant, est-elle condamnée à disparaître entièrement , et la 
règle de la Nomenclature est-elle au dessus de tout reproche? 

A notre avis l'une et l'autre méthode présente des lacunes , que 
nous voudrions voir comblées en les combinant l'une avec l'autre. 

Et voici nos raisons. Passe pour les gi'ossissements très faibles, 
mais pour les grossissements plus forts suffit-il réellement de dire: le 
grossissement est p. e. de ±: 250 lin.? On saura de cette façon que 
les dimensions réelles de l'objet sont zb 250 fois plus petites que celles 
du dessin, c'est vrai; mais dans les dessins de forts grossissements le 
savant veut trouver plus que les simples contours extérieurs , il aime 
à y trouver des détails intimes. 

Or pour juger de la valeur du dessin de détails il est indispen- 
sable d'ajouter à la notation en diamètre celle des systèmes employés. 

Pour plus de clarté, citons un exemple. Le grossissement de 



388 

dz 250 fois peut être obtenu par les oculaires et les objectifs de Zeiss 
avec la longueur du tube de 160 mm: 

1" Ocul. 4 Huygens X object. C, 

2° Ocul. 2 Huygens X object. D, DD, et D*, 

, 2,0 

3° Ocul. compensât. 2 X object, apoclirom. à imm. hora. , 

2,0 
4° Ocul. compensât. 2 X object, apoclirom. à imm. hom. ' • 

Autre exemple, de ± 370 fois lin., dans les mêmes conditions: 

1" Ocul. 5 Huygens X object. C, 

2° Ocul. 2 Huygens X object. F, 

3° Ocul. compens. 2 X object. K (iramers à l'eau), 

3 
4° Ocul. compens. 4 X object, apochr. à sec. —^• 

Qui de nous ignore que les détails sont vus avec bien plus de 
précision lorsqu'on se sert d'objectifs forts et d'oculaires faibles, que 
dans le cas contraire ? 

Il serait donc utile, croyons nous, de remanier l'article 62 des 
Règles, d'y combiner les deux manières d'indications, et de Ivii don- 
ner la forme suivante: 

»Art. 62. L'indication du grossissement ou de la réduc- 
tion est indispensable à l'intelligence d'un dessin. Elle 
s'exprime, pour les grossissements très faibles, en chiffre 
seulement; pour les grossissements forts, avec détails cyto- 
logiques surtout, on mentionnera en outre les systèmes des 
lentilles et le nom du constructeur. 

Oudenbosch (Pays-Basj, 7 Juin 1895. 

III. Personal-Notizen. 

Necrolog. 

Am 28. März starb in Palermo Pietro D oderlein, geb. am 3. Februar 
ISIO in Ragusa, Professor der Zoologie an der Universität von Palermo, 
verdient um die sicilianische Fauna. 

Am 15. Juni starb in Dublin Valentine Ball, der Director des dortigen 
Museum of Science and Art, ein als tüchtiger Beobachter geschätzter Bota- 
niker und Ornitholog. Er war am 14. Juli 1843 als Sohn des Dr. Ptobert Ball, 
Vorstand desselben Museums , und jüngerer Bruder des bekannten Astro- 
nomen Robert Ball geboren. 

Am 23. Juni starb in Manchester Dr. William Crawford Williamson 
(geb. 24. Nov. 1816), der ausgezeichnete Kenner fossiler Pflanzen und be- 
kannte Erforscher der Foraminiferen . 

Am 4. September starb in Stokholm Sven L. Lovén, der hochverdiente 
Nestor der schwedischen Zoologen. 



Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



Zoologischer Anzeiger 

herausgegeben 

von Prof. J. Victor CarUS in Leipzig. 

Zugleich 

Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. 



Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. 



XVIII. Jahrg. U. October 1895. No. 486. 

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilnngen. l.Koenike, Über bekannte und neue Wassermil- 
ben. (Schluß.) 2. Prouho , Dioïeité et Herrn aphroditisme chez les Myzostomes. 3. Müller, Über 
Schizogenes parasiticus Meniez. 4. Farceli, Note on the Development of the Lungs, Entapoi^hyses, 
Tracheae and Genital Ducts in Spiders. 5. Heyiuons, Bemerkungen zu den von v. Erlanger ver- 
öffentlichten »Études sur le développement des Gastéropodes pulraonés«. 6. Mordwilko, Berich- 
tigungen. II. mttheil. ans Museen, Instituten etc. 1. Wandolleck, Über naturgetreue Abbil- 
dungen. III. Personal-Notizen. Necrolog. Litteratur. p. 333 — 356. 

I. Wissenschaftliche Mittheilungen. 

1. über bekannte und neue Wassermilben. 

Von F. Koenikein Bremen. 

(Schluß.) 
Atax schinackeri u. sp. 
Q. Körperlänge etwa 0,5 mm, größte Breite 0,4 mm. Farbe wie 
bei A. crassipes (Müll.) , dieser Art im Ganzen stark ähnelnd , doch 
wahrscheinlich die stark entwickelten Claparède' sehen Steißdrüsen 
fehlend; ich kann mich darüber nicht vergewissern, weil bei dem ein- 
zigen mir vorliegenden Ç der Hinterkörper beschädigt ist. Maxillar- 
organ und Epimeralgebiet wie bei der Vergleichsart , doch die letzte 
Hüftplatte verhältnismäßig wesentlich kürzer. Palpe mäßig lang 
(0,24 mm) , viertes Glied wie bei A. dentipalpis Stoll in der Mitte der 
Beugeseite mit nur einem langen , ein feines Haar tragenden Zapfen ; 
zweites Glied länger als bei S toll' s Form; drittes Glied hat zwei lauge 
Borsten und das Endglied an der Spitze drei winzige Chitinhäkchen 
(Fig. 14). Füße im Verhältnis so lang wie bei A. crassipes, drittes 
Paar wenig kürzer als das vorhergehende; Vorderfuß nicht verdickt 
und ohne Haarzapfen; Borstenausstattung der Gliedmaßen sehr spär- 
lich, wenige Schwimmhaare nur an den distalen Enden der mittleren 
Glieder des Hinterfußes. Geschlechtshof unmittelbar am Hinterende 
des Körpers (Fig. 1 5) in ähnlicher Gestalt wie bei A. crassipes Ç , doch 
durch geringere Zahl der Genitalnäpfe (10) unterschieden. Reifes Ei 

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ellipsoidisch von beträchtlicher Größe (Längsachse 0,112 mm, Breiten- 
achse 0,080 mm). 

Fundort: Hills, fließendes Gewässer 12 Stunden von Shanghai; 
18. April 1S87 , gesammelt von Herrn Schmacker, dem die Art ge- 
widmet wurde. 

Atax verrucosus n. sp, 
cf. Atax vertialis (Müll.) sehr nahe stehend. Körperlänge 0,54 mm, 
größte Breite 0,48 mm. Körperumriß elliptisch. Oberhaut mit un- 
gemein langen Haaren (0,04 mm) besetzt, die äußerst dicht stehen und 
an der Spitze nach rückwärts gekrümmt sind (Fig. 16). Hautdrüsen- 
haare auf hoch aufliegenden warzenartigen Haarpapillen, darum ver- 
rucosus\ ebenso auch der Anus am abgestutzten Hinterende stark 
warzenähnlich vo